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Full text of "Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe"

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SITZUNGSBERICHTE 


»ER   KAISERLICHEN 


AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE  CLASSE. 


FUNFUNDVIERZIGSTER  BAND. 


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WIEN. 

AUS  DER  K.  K.  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREI. 

IN  COMMISSION  BEI  KARL  GEROLD'S  SOHN,  BUCHHÄNDLER  »ER   KAIS.  AKADEMIE 
DER   WISSENSCHAFTEN. 

1862. 


SITZUNGSBERICHTE 


dei: 


MATHEMATISCH  -  NATURWISSENSCHAFTLICHEN 

CLASSE 


DER   KAISERLICHEN 


AKADEMIE  HER  WISSENSCHAFTEN. 


XLV.  BAND.  I.  ABTHEIIM. 

Jahrgang    1862.    —     Heft    I  bis  V. 

(Hit  30  Cafein.) 


WIEN. 

AUS  DER  K.  K.  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREI. 

INCOMMISSION  BEI  KARL  GEROLD'S  SOHN,  BÜCHHÄNDLER  DER   KAIS.  AKADEMIE 
DER  WISSENSCHAFTEN. 

^1862. 


INHALT. 


Seite 

I.  Sitzung  vom  3.  Jänner  1862:  Übersicht 3 

Scheiber,  Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  derÖstriden- 

Larven.  Zweiter  Theil.  (Mit  3  Tafeln.) 7 

II.  Sitzung  vom  9.  Jänner  1862  :  Übersicht 69 

Stoliczka ,    Oligocäne    Bryozoen    von    Latdorf   in    Bernburg. 

(Mit  3  Tafeln.) 71 

III.  Sitzung  vom  16.  Jänner  1862:  Übersicht 95 

Jessen,  Über  Ausgaben  und  Handschriften    der  medicinisch- 

naturhistorischen  Werke  der  heiligen  Hildegard     ...  97 

IV.  Sitzung  vom  30.  Jänner  1862:  Übersicht 117 

Rolle,  Über  eine   neue  Cephalopoden-  Gattung   Cyclidia   aus 

den  Tertiärschichten  von  Siebenbürgen.  (Mit  1  Tafel.)  119 

V.  Sitzung  vom  6.  Februar  1862:  Übersicht  . 131 

Langer,  Zur  AnatomieundPhysiologiederHaut.il.  (Mit  1  Tafel.)  133 

VI.  Sitzung  vom  13.  Februar  1862:  Übersicht 189 

Diesing,  Revision  der  Turbellarien,  Abtheilung:   Khabdoeoelen  191 

VII.  Sitzung  vom  27.  Februar  1862:  Übersicht 319 

VIII.  Sitzung  vom  13.  März  1862:  Übersicht 321 

Gümbel,  Die  Dachsteiubivalve  (Megalodon  triqueter)  und 

ihre  alpinen  Verwandten.  (Mit  7  Tufeln.) 32o 


IX.  Sitzung  vom  20.  März  1862:  Übersicht 379 

v.  Zepharovieh,  Berichtigung  und  Ergänzung  meiner  Abhand- 
lung über  dieKrystallformcn  des  Epidot.  (Mit  1  Tafel.)  381 
Heller,     Beiträge     zur     näheren     Kenntniss     der    Macrouren. 

(Mit  2  Tafeln.)       389 

X.  Sitzung  vom  3.  April  1862:  Übersieht 427 

Zirkel,  Versuch  einer  Monographie  des  Bournonit.  (Mit  7  Tafeln.)  431 

XI.  Sitzung  vom  10.  April  1862:  Übersicht 467 

Langer,  Zur  Anatomie  der  männlichen  Schwellorgane       .    .    .  470 


VI 

Seite 

XII.  Sitzung  vom  24.  April  1862:  Übersicht 475 

XIII.  Sitzung  vom  8.  Mai  1862:  Übersicht 479 

Üiesing ,    Beschreibung   von    zwei    neuen   Arten  der  Gattung 

Aulastomum  aus  warmen  Quellen  Ungarns 481 

Kner ,    Kleinere   Beiträge   zur   Kenntniss    der  fossilen  Fische 

Österreichs.  (Mit  2  Tafeln.) 485 

v.  Zepharovich,  Die  Krystallformen  des  unterschwefligsauren 

Kalkes.  (Mit  3  Tafeln.) 499 

XIV.  Sitzung  vom  15.  Mai  1862:  Übersicht 312 

XV.  Sitzung  vom  22.  Mai  1862:  Übersicht 816 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH  -  NATURWISSENSCHAFTLICHE  CLASSE. 


XIV.  BAND. 


ERSTE  ABTHEILUNG. 


Enthält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,   Botanik, 
Zoologie,  Anatomie,  Geologie  und  Paläontologie. 


I.  SITZUNG  VOM  3.  JANNER   1862. 


Eingesendet  wurden  folgende  Abhandlungen: 

„Über  Saponin  und  Cai'ncetin  und  deren  Spaltungsproducte", 
von  dem  w.  M. ,  Herrn  Prof.  Dr.  Fr.  Rochleder  in  Prag. 

„Über  einige  Xanthinsäure-Verbindungen",  von  dem  c.  M.,  Herrn 
Prof.  Dr.  H.  Hlasiwetz  zu  Innsbruck. 

„Über  eine  neue  Säure  aus  dem  Milchzucker",  von  Herrn  Prof. 
Dr.  H.  Hlasiwetz  und  Herrn  L.  Barth. 

„Untersuchungen  über  die  Leistungsfähigkeit  der  Bourdon- 
schen  Metallbarometer",  von  Herrn  Prof.  Jos.  Wa stier  in  Gratz. 

„Über  den  Wärmezustand  der  Gase",  von  Herrn  Prof.  K.  Puschl 
in  Melk. 

Das  k.  k.  Marine-Ober-Commando  übersendet  den  I.  Band  des 
medicinischen  Theiles  des  Werkes:  „Reise  der  österreichischen 
Fregatte  Novara  um  die  Erde  in  den  Jahren  1857,  1858,  1859 
unter  den  Befehlen  des  Commodore  B.  von  Wül  lerstorf-Urbair" 
von  Dr.  Eduard  Schwarz. 

Die  königl.  Norwegische  Universität  Christiania  übermittelt 
eine  silberne  Medaille,  welche  bei  Gelegenheit  der  50jährigen  Jubel- 
feier dieser  Hochschule  geprägt  wurde,  nebst  einer  zweiten  Medaille 
von  Bronze  zur  Erinnerung  an  die  Krönung  S.  M.  König  Karl  XV. 
am  5.  August  1860. 

Der  Secretär  theilt  mit,  dass  für  die  chemische  Preistrage,  be- 
züglich einer  genauen  Untersuchung  der  phosphorsauren  Salze,  bis 
zum  festgesetzten  Termin,  dem  31.  December  1861,  keine  Concur- 
renzschrift  eingelangt  ist. 

Herr  Director  K.  v.  Littrow  überreicht  eine  Abhandlung: 
„Über  die  Bahn  von(59)EIpis"  vom  Assistenten  an  der  Wiener  Stern- 
warte, Herrn  Dr.  Edm.  Weiss. 

Herr  Dr.  Julius  Wiesner  übergibt  eine  „vorläufige  Mitthei- 
lung über  die  Lage  der  Blattbasen". 

Herr  Dr.  Vict.  v.  Lang  legt  eine  Notiz  über  „die  Krystallformen 
des  unterschwefelsauren   Baryts  und   des  traubensauren  Kali"   vor 

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Ali  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 
Akademie  der  Wissenschaften,  Königl.  Preuss.,  zu  Berlin,  Monats- 
bericht. Juni  —  October  1861.  Berlin,    1861;  So- 
Annales  des  mines,    5e  Serie,  Tome  XIX,   3C  Livraison  de  1861. 

Paris,   1861;  8°- 
d*  Arrest,  H.  L.,  Instrumentum  tnagnum  aequatorewn  in  Specufa 

U/iiversitatis  Haunicnsis  nuper  crectum.  4°" 
Astronomische  Nachrichten,  Nr.   1340 —  1342.  AItona,1861;  4»- 
Austria,   XIII.  Jahrgang,  L.  —  LH.  Heft.  Wien,  1861;  S<> 
Barrande,    Joachim,    Defense   des    colonies.  I.  Prague   &    Paris, 

1861;  8°- 
Bauzeitung,  Allgemeine,  XXVI.  Jahrgang,  X.,  XI.  &  XII.   Heft 

nebst  Atlas.   Wien,   1861  ;  4°-  &  Fol. 
Bericht  über  den  Handel,  die  Industrie  und  die  Verkehrsverhält- 
nisse in  Nieder-Österreich  während  der  Jahre  1857  —  1860. 

Erstattet    von    der    Handels-   und    Gewerbekammer    in    Wien. 

Wien,   1861;  So- 
Christian  ia,  Universität,  Akademische  Gelegenheitsschriflen.  Chri- 

stiania,    1854  —  1861;  8'-  &  4<>- 
Comptes  rendus  de  l'Academie  des  sciences,  Tome  LIII,  Nr.  22 

bis  24.  Paris,  1861  ;  4<>- 
Cosmos,    Xe    Annee,    19°  Volume,    24"  —   26e   Livraison.    Paris, 

1861;   So- 
Gazette    medieale   d  Orient,  Vc  Annee,   Nr.    9.    Constantinopole, 

1861;  4°- 
Ge  werbe- Verein,   niederösterreichischer,    Verhandlungen    und 

Mittheilnngen.  Jahrgang  1861,  9.  &  10.  Heft.  Wien,  1861;  8°- 
Göth,   Georg,   Das  Joanneum  in   Gratz,    geschichtlich    dargestellt 

zur    Erinnerung    an    seine   Gründung    vor    50  Jahren.    Gratz, 

1861;  8o- 
G  uggenbühl,  J.,  Bericht  über  das  20jährige  Bestehen  der  Kreti- 

nen-Anstalt  auf  dem  Abendberge.  4° 
Land-  und  forstwirtschaftliche  Zeitung,  XI.  Jahrg.,  1861,  Nr.  36; 

XII.  Jahrgang,   1862,   Nr.  I.    Wien,  1861  &  1862;  4°- 
Mittheilungen  des  k.  k.  Genie-Comite,  Jahrgang  1861.  VI.  Band, 

5.  &  6.  (Doppel-)  Heft.  Wien,    1861  ;  8»- 
—  ans  J.  Perthes'  geographischer   Anstalt,  Jahrgang   1861,  XI. 

Hell.  Gotha,    1861  ;   4o- 


Regel,  E. ,  Übersicht  der  Arten  der  Gattung  Thalictrum,  welche 

im  russischen  Reiche  und  den  angrenzenden  Ländern  wachsen. 

Mit  3  Tafeln.   Moskau,   1861;  4<>- 
Schwarz,  Eduard,  Reise  der  österr.  Fregatte  Novara  um  die  Erde 

in  den  Jahren  1857,  1858,  1859.  Medicinischer  Theil.  I.  Rand. 

Mit  10  Holzschnitten,   1    lithogr.  und  1   Kupfertafel  und  3  Rei- 

lagen.  Wien,   1861;  4°- 
Übersicht  der  akademischen  Rehörden  an  der  k.  k.  Universität  zu 

Wien  für  das  Studien-Jahr  1861/62.  Wien,   1861;  4«- 
Verein    zur    Verbreitung    naturwissenschaftlicher    Kenntnisse    in 

Wien.    Schriften.   I.    Rand,    Jahrgang    1860/61.   Mit  2  Tafeln 

und  6  Holzschnitten.   Wien,   1862;   12°- 

—  Vorarlberger   Museums-,    in   Rregenz.  Vierter  Rechenschafts- 
bericht. Rregenz,   1861;  4°- 

—  Offenbacher,    für    Naturkunde,     Zweiter   Rericht    über    seine 
Thätigkeit.  OfTenbach  am  Main,    1861;  4°- 

Viertel  Jahresschrift  für  wissenschaftliche  Veterinärkunde.  XVII. 

Rand,  1.  Heft.  (I.  Jahrgang  1862.)  Wien,  1862;  So- 
Wiener  medicinische  Wochenschrift,  XI.  Jahrgang,  Nr.  49  —  52. 

Wien,  1861;  4°- 
Wochen- Rlatt  der  k.  k.  steierm.   Landwirthschafts-Gesellschaft. 

XI.  Jahrgang,  Nr.  4  &  5.  Gratz,  1861 ;  4° 
Zeitschrift  des  österreichischen  Ingenieur- Vereines,  XIII.    Jahr- 
gang, X.Heft.  Wien,  1861;  4<>- 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven. 

Von  Dr.  S.  H.  S  c  h  e  i  b  e  r. 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  vom  7.  November  1861.) 

Zweiter  Theil. 

VIERTES    CAPITEL. 

(Mit  3  Tafeln.) 


Respirationssystem. 

Wenn  schon  die  Bremsen-Larven  in  Hinsicht  des  Nervensystems 
einen  von  allen  bis  jetzt  bekannten  Insecten  höchst  abweichenden 
Bau  zeigen,  so  ist  dies  nicht  minder  wiewohl  im  geringeren  Grade 
von  Bespirationssystem  der  Fall.  Die  hier  in  Betracht  kommenden 
Eigenthümlichkeiten  beziehen  sich  jedoch  hauptsächlich  auf  die  äus- 
sern, mit  der  Aussenwelt  communicirenden  Theile  der  Bespirations- 
organe,  sowie  auf  die  Art  und  Weise,  wie  der  Gasaustansch  in  den 
Bespirationswegen  vor  sich  geht,  während  die  im  Innern  des  Lar- 
venkörpers sich  verästelnden  Luftröhren  geringere  oder  gar  keine 
Abweichungen  von  dem  gewöhnlichen  Typus  der  Tracheenverästelun- 
gen darbieten. 

Wir  haben  von  allen  drei  bis  jetzt  abgehandelten  Organsyste- 
men, nämlich  vom  Muskelnerven-  und  Circulationssystem  gesehen, 
dass  die  Bremsen-Larven  nach  einem  und  demselben  Typus  gebaut 
sind.  Dieses  ist  in  Betreff  des  Bespirations-  und  Digestionssystems 
weniger  der  Fall,  indem  diese  Organsysteme  bei  den  einzelnen  Lar- 
vengattungen auffallende,  der  Verschiedenheit  ihrer  Lebensweise 
angemessene  Modih'cationen  erleiden. 


O  Scheiber. 

Man  stösst  bei  den  Bremsen-Larven  auf  zwei  verschiedene  Typen 
von  Respirationsorganen1),  die  nach  ihrem  Baue  und  ihrer  physiologi- 
schen Würdigung  von  einander  in  auffallender  Weise  abweichen.  Der 
eine  Typus  ist  bei  einer  einzigen  Gattung,  nämlich  bei  den  Gastrus- 
Larven  vertreten  und  hat  den  Zweck,  dem  Thiere  den  Aufenthalt  sowohl 
im  Wasser  als  auch  in  der  Luft  zu  ermöglichen,  während  der  andere 
Typus  sich  bei  allen  übrigen  drei  Gattungen  (Hypoderma-,  Cephe- 
tiomyia-  und  Cephalomyia -Larven)  vorfindet,  und  dem  Baue  nach 
blos  für  Luftathmung  bestimmt  ist.  Es  ist  bekannt,  dass  die  Gastrus- 
Larven  im  Magen  und  Darmcanal  von  Einhufern  und  namentlich  von 
Pferden  leben,  wo  sie  durch  viele  Stunden  des  Tages  mit  Nahrungs- 
mitteln und  flüssigen  Stoffen  in  Berührung  kommen,  während  sie  die 
übrige  Zeit  in  einem  Medium  von  verschiedenen,  im  Darmtracte  an- 
gesammelten Gasen  zubringen,  und  demnach  einer  Einrichtung 
bedürfen ,  die  den  Mechanismus  der  Wasser-  und  Luftathmung  in 
sich  vereint. 

Die  Cephenomyien  und  Cephalomyien  leben  in  der  Nasen-,  Stirn-, 
Kiefer-  und  Rachenhöhle  der  betreffenden  Wohnthiere  (meist  Zwei- 
hufer), wo  sie  sich  mit  ihren  Mundhaken  an  die  Schleimhaut  fest- 
klammern und  mit  ihren  Stigmenplatten  stets  von  der  in  diesen 
Höhlen  befindlichen  atmosphärischen  Luft  umgeben  sind.  Die  unter 
der  Haut  (von  meist  Zweihufern)  lebenden  Hypoderma-Lar\en  liegen 
zeitlebens  in  abgesackten  Hautfollikeln  der  betreffenden  Wohnthiere 
und  zwar  so,  dass  sie  mit  ihrem  vordem  (Mund-)  Ende  nach  innen, 
mit  ihrem  hintern  (Stigmen-)  Ende  nach  aussen  gewendet  sind.  Das 
letzterwähnte  Ende  des  Larvenkörpers  liegt  nicht  in  einem  Niveau 
mit  der  äussern  Öffnung  des  ampullenförmig  erweiterten  Hautfollikels, 
sondern,  da  dieser  mittelst  eines  kurzen  und  engen  Canales  nach 
aussen  mündet,  am  innern  Ende  dieses  Canales,  durch  welchen  die 
atmosphärische  Luft  bis  zu  den  Stigmenplatten  dringt.  Die  Larven 
sämmtlicher  drei  letztgenannten  Östriilen-Gattungen  sind  demnach 
rein  auf  Luftathmung  angewiesen,  und  besitzen  daher  eine  diesem 
Bedarfe  angemessene  und  genau  einander  übereinstimmende,  äussere 
respiratorische  Einrichtung. 


•)  Wir   verstehen   hier   mir  Typen,  die   durch  Verschiedenheiten  Ui  den  äusseren 
Theilen  des  Respirationsapparates  gebildet  werden. 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  9 

A.  Äussere  Respirationsorgane  der  Gastrus-Larven. 

Schjröder  van  der  Kolk  J)  rechnet  zu  den  äusseren  Respira- 
tionsorganen die  Kiemenbläschen  und  die  Stigmenöffnung;  zu  den 
inneren  das  von  ihm  sogenannte  Chambre  aerifere,  die  Lungenbläs- 
chen und  die  Tracheen.  Wir  werden  der  bessern  Übersicht  halber  die 
Luftkammer  noch  bei  den  äusseren  Respirationsorganen  besprechen, 
und  diese  im  Allgemeinen  «,  in  die  Stigmenplatte  und  ß,  in  die  Luft- 
kammer  eintheilen. 

u)  Stigmenplatte. 

Die  Stigmenplatte  liegt  am  hintern  Ende  des  Larveukörpers, 
und  wird  von  zwei  wulstigen  Lippen  (Fig.  36  ad),  die  zwischen 
sich  einen  queren  Spalt  einschliessen,  überragt.  Diese  Lippen,  deren 
man  eine  obere  und  untere  unterscheidet,  werden  dadurch  gebildet, 
dass  das  freie  Ende  des  hintersten  Leibesringes  (7>ö)  gegen  die 
Leibeshöhle  hin  taschenförmig  eingestülpt  ist.  Am  Grunde  dieser 
Tasche  liegt  nun  die  Stigmenplatte  (cc) ,  jedoch  nicht  senkrecht  zur 
horizontalen  Ebene,  sie  bildet  vielmehr  mit  dieser  einen  kleinen  Win- 
kel,  so  dass  der  obere  Rand  der  Stigmenplatte  (c)  von  der  obern 
Lippe  (a)  weiter  (nach  innen)  absteht,  als  der  untere  (c)  von  der 
untern  Lippe  («').  Die  Lippen  werden  durch  in  ihrer  Substanz  ge- 
legene Muskeln  (sphincter  et  dilatatores)  geöffnet  und  geschlossen. 
Indem  sich  die  Lippen  schliessen,  schieben  sie  sich  so  gegen  einan- 
der, dass  sie  genau  auf  der  äussern  Fläche  der  Stigmenplatte  hin- 
gleiten, und  auf  diese  Weise  den  etwa  an  derselben  haften  gebliebe- 
nen Schleim  etc.  abstreifen,  wodurch  die  Stigmenplatte  stets  rein 
erhalten  wird.  Ihre  Function  besteht  ausserdem  auch  noch  darin,  dass 
sie  die  so  zart  gebaute  Stigmenplatte  vor  mechanischen  Beleidigungen 
z.  B.  vor  in  den  Magen  gelangenden  Pflanzenstacheln  etc.  schützen 
sollen,  keineswegs  aber  in  einem  Abhalten  der  Stigmenplatten  vor 
Berührung  mit  Flüssigkeiten,  da  ja  die  Stigmenplatte  eben  so  für 
Wasser-  als  Luftathmung  eingerichtet  ist. 

Die  Stigmenplatte  selbst  hat  mehr  weniger  die  Gestalt 
eines  liegenden  Ovals  und  besteht  aus  zwei  seitlich  gelegenen  halb- 


•)   Memoire  sur  ('Anatomie  et.  Pliysiol.  du  G.istrus  equi  1845,   pag'.  82 — 125. 


10  Scheiber. 

mondförmigen  Chitinplatten  (Fig.  34  ad),  welche  durch  eine  zarter 
gebaute,  mit  einer  centralen  Öffnung  (c),  sowie  mit  von  dieser 
Öffnung  aus  radiär  verlaufenden  Falten  versehenen  Chitinlamelle 
(bb)  verbunden  sind.  Wir  werden  der  Kürze  halber  die  seitlichen 
(halbmondförmigen)  Theile  der  Stigmenplatte  (ad),  weil  sie  die 
Kiemenbläschen  enthalten,  Kiemenplatten,  und  die  mittlere  weiche 
Chitinlamelle,  weil  sie  die  Stigmenöffnung  enthält,  Stigmenlamelle 
nennen.  Unter  der  Bezeichnung  Stigmenplatte  endlich  verstehen 
wir  alle  3  Theile  in  toto.  Sowohl  an  den  zwei  seitlichen,  als  an  der 
mittlem  Lamelle  kann  man  drei  Schichten  unterscheiden.  Wenn  man 
die  zwei  seitlichen  Theile  der  Stigmenplatte  (cia)  näher  betrachtet, 
so  bemerkt  man  an  diesen  drei  halbmondförmige,  concentrisch  ver- 
laufende, zu  beiden  Seiten  zierlich  ausgezackte  Linien  (dd,  ee), 
die  nichts  anderes  als  der  Ausdruck  von  Canälen  sind,  welche  mit 
einer  doppelten  Reihe  von  ziemlich  regelmässig  einander  gegenüber 
gelegenen  Ausbuchtungen  versehen  sind.  Diese Canäle  nannte  Schrö- 
der van  der  Kolk  Bögen  (Arcades),  während  er  die  Ausbuchtun- 
gen derselben  mit  dem  Namen  Kiemenbläschen  bezeichnete. 
Wir  werden  die  ersteren  Kiemencanäle  nennen,  für  letztere  behalten 
wir  noch  einstweilen  den  Namen  Kiemenbläschen;  obwohl  sie,  wie 
wir  weiter  unten  sehen  werden,  keine  eigentlichen  Bläschen  sind. 
Sowohl  die  bogenförmigen  Canäle,  als  auch  ihre  seitlichen  Ausbuch- 
tungen oder  Bläschen  liegen  in  der  mittlem  Schichte  der  halbmond- 
förmigen Kiemenplatten  (aa)  und  würden  nach  aussen  offene  Halb- 
canäle  darstellen,  wenn  sie  nicht  durch  die  äusserste  Schichte  der 
Stigmenplatte  geschlossen  wären.  Diese  äusserste  Schichte  wird 
durch  eine  sehr  zarte  Chitinmembran  (Fig.  36  d)  gebildet,  welche 
als  Fortsetzung  des  äussern  Integumentes  von  den  Lippen  aus  auf 
die  äussere  Fläche  der  Stigmenplatte  übergeht,  und  diese  als  eine 
homogene  Membran  gleichmässig  überzieht.  Sie  ist  künstlich  von  der 
zweiten  Schichte  nicht  zu  isoliren,  wohl  aber  kann  sie  im  getrock- 
neten Zustande  der  Stigmenplatten  wahrgenommen  werden,  wo  sie 
sich  als  ein  feines,  mit  der  Unterlage  noch  theilweise  zusammenhän- 
gendes Häutchen  allenthalben  von  dieser  loshebt,  und  kann  dann  mit 
der  Nadel  im  Ganzen,  oder  in  Form  grösserer  oder  kleinerer  Lappen 
abgezogen  werden.  Sie  ist  entsprechend  der  centralen  Stigmen- 
ölfnung  (Fig.  36  e)  durchbohrt. 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  1  1 

Während  nun  die  Stigmenlamelle  und  Kiemenplatte  in  ihrer 
äussersten  Schichte  gleichen  Bau  haben,  sind  sie  in  den  zwei  folgen- 
den Schichten  von  sehr  verschiedener  Structur.  Die  zweite 
Schichte  der  Stigmenlamelle  besteht  aus  der  schon  weiter 
oben  beschriebenen  ,  ziemlich  festen  Chitinmembran  (Fig.  34  b  b  und 
Fig.  36  f),  welche  mit  der  äussern  Schichte  fest  verwachsen  ist,  die 
mittlere  Schichte  der  zwei  Kiemenplatten  mit  einander  verbindet,  und 
die  Stigmenöffnung  enthält  (Fig.  34  c  und  Fig.  30  e).  Die  dritte 
Schichte  der  Stigmenlamelle  wird  von  einer  Chitinmembran 
(Fig.  30  g  und  Fig.  35  cc)  gebildet,  die  mit  der  mittlem  Schichte 
der  Stigmenlamelle  nicht  zusammenhängt,  vielmehr  bleibt  zwischen 
beiden  ein  freier  Raum  (Stigmenraum),  der  im  Centrum  von  einer 
dünnen  zarthäutigen  Röhre  (Stigmen röhre)  (Fig.  35  und  30  e) 
durchzogen  wird,  welche  die  dritte  Schichte  der  Stigmenlamelle  mit 
der  zu  Eins  verwachsenen  äussern  und  mittlem  Schichte  derselben 
verbindet.  Die  die  dritte  Schichte  bildende  (freie)  Membran  hängt 
mittelst  ihrer  Seitenränder  (Fig.  35  cc)  mit  der  dritten  oder  porösen 
Schichte  der  Kiemenplatten  (Fig.  35  d  d)  zusammen,  so  dass  also 
der  Stigmenraum  mit  den  Lücken  des  porösen  Gewebes  in  unmittel- 
barer Communication  steht. 

Ein  Theil  und  die  Ränder  c'c'  der  innern  Stigmenmembran 
(dritte  Schichte  der  Stigmenlamelle)  sind  verdeckt  von  den  Fortsätzen 
(bb)  des  Ringes  (Fig.  35  au),  welcher  der  Innenfläche  der  Stigmen- 
platte aufliegt;  dieser  Ring  hat  die  Grösse  und  Begrenzungsform  der 
Stigmenplatte  (in  toto),  an  dessen  äusserer  Umrandung  er  augeheftet 
ist.  Nur  entsprechend  der  zapfenförmigen  Fortsätze  (bb)  besteht 
keine  Verbindung  zwischen  dem  äussern  Rande  des  Ringes  und  dem 
der  Stigmenplatte,  so  dass  man  da  zwischen  beiden  eine  feine  Sonde 
oder  Borste  durchschieben  kann,  und  so  unterhalb  der  innern  Stigmen- 
membran (Fig.  35  cc')  in  den  Stigmenraum  gelangen  kann. 

Die  äussere  Umrandung  des  Ringes  (cia)  ist  breit,  die  innere 
(aV)  zugeschärft ,  so  dass  die  Durchschnittsfläche  des  Ringes  ein 
Dreieck  bildet  mit  äusserer  Basis  und  innerer  Spitze.  Der  Ring  liegt 
blos  mit  seiner  äussern  Umrandung  der  Stigmenplatte  auf,  wäh- 
rend er  mit  seinem  innern  Rande  von  dieser  absteht.  Er  besteht  aus 
einem  äusserst  fein  schwammigen  Chitingewebe,  mit  sehr  dünnen 
Balken  und  feinen  Lücken.  Nur  die  äussere  Umrandung  des  Ringes 
besteht  aus  compacter  fester  Chitinsubstanz,   welche  einen  starken 


12  S  c  h  e  i  b  e  r. 

Rahmen  für  das  poröse  Gewebe  des  Ringes  abgibt,  und  zum  Ur- 
sprünge dient  für  jene  Membran  (Fig.  36  i)  ,  welche  die  Luft- 
kammer (Fig.  36  k)  gegen  die  Leibeshöhle  begrenzt. 

Im  Centrum  besitzt  die  innere  Stigmenmembran  ein  kegelför- 
miges Wärzchen  (Fig.  36  6'),  an  dessen  Spitze  sich  die  innere 
Ausraiindung  der  Stigmenröhre  befindet ;  an  der  äusseren  Stigmen- 
membran (die  zu  Eins  verwachsene  äussere  und  mittlere  Schichte 
der  Stigmenlamelle)  ist  die  äussere  Ausmündung  der  Stigmen- 
röhre (Fig.  36  e  und  34  c);  letztere  ist  in  Natur  länger  als  in  der 
schematischen  Zeichnung  angedeutet  ist;  sie  liegt  im  gewöhn- 
lichen Zustande,  wenn  nämlich  die  innere  Stigmenmembran  an  die 
äussere  anliegt,  zwischen  beiden  gefaltet,  und  ist  daher  deren 
Lumen  aufgehoben. 

Es  ist  ungemein  schwierig,  die  äussere  Stigmenöffnung  wegen 
ihrer  äussersten  Kleinheit  zur  directen  Anschauung  zu  bringen.  Man 
sieht  an  der  Stelle  der  Stigmenöffnung  blos  einen  dunklen  Fleck, 
als  Ausdruck  der  gefalteten  Stigmenröhre  zwischen  der  äussern 
und  inneru  Membran  der  Stigmenlamelle.  Tragt  man  die  innere 
Membran  sammt  der  Röhre  ab ,  so  kann  diese  wegen  ihrer  Kleinheit 
durchaus  nicht  so  knapp  an  der  Membran  abgeschnitten  werden, 
dass  nicht  die  zurückgebliebenen  Reste  der  ohnehin  sehr  zart- 
und  schlaffwandigen  Röhre  die  feine  Öffnung  verlegen  sollten.  Zur 
directen  Anschauung  kann  daher  nur  die  Stigmenöffnung  durch 
einen  Handgriff  gebracht  werden ,  durch  welchen  das  Lumen  der 
Stigmenröhre  hergestellt  wird;  dies  geschieht  dadurch,  dass  die 
innere  Membran  von  der  äussern  emporgehoben,  mit  anderen  Worten 
die  Stigmenröhre  gestreckt  und  gespannt  wird. 

Man  ist  dann  im  Stande  in  einer  auf  die  Stigmenlamelle  senk- 
rechten Richtung  durch  die  Stigmenröhre  durchzuschauen. 

Eine  andere  Weise,  um  sich  vom  Vorhandensein  der  Stigmen- 
öffnung zu  überzeugen,  ist  der  indirecte  Versuch.  Er  besteht  im  All- 
gemeinen in  einem  Experimente,  wodurch  der  Druck  der  Luft  im 
Innern  des  unter  Wasser  gelegten  Larvenkörpers  erhöht  und  die- 
selbe von  dort  ausgetrieben  wird.  Man  sieht  bei  dieser  Gelegenheit 
stets  einen  starken  Luftstrom  in  Form  einer  Reihe  perlartiger  Gas- 
blasen vom  Centralpunkte  der  Stigmenplatte  hervorschiessen.  Schrö- 
der van  der  Kolk  bediente  sich  zu  diesem  ßehufe  der  Luftpumpe, 
unter  deren  Recipienten  er  die  Gastrns-\ji\r\en  in  eine  mit  Kalkwasser 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  \  3 

gefüllte  Schale  legte.  Bei  jedesmaligem  Emporheben  des  Stempels 
bemerkte  er  entsprechend  der  Stigmenöffnung  einen  Strom  von  Gas- 
perlen hervorschiessen ,  die  das  Kalkwasser  in  ihrer  Bahn  milchig 
trübten  (wegen  des  Kohlensänregehaltes  der  aus  dem  Innern  hervor- 
strömenden  Luft).  Die  Untersuchung  des  Larvenkörpers  nach  dem 
Pumpenspiel  ergab,  dass  die  Kiemenplatte  unversehrt  war,  ein  Zeichen, 
dass  keine  Kiemenbläschen  gerissen  wurden  und  etwa  die  Luft  von 
denselben  ausströmte;  feiner  fand  er  die  Luftkammer,  Kiemenbläs- 
chen und  Tracheen  mit  milchig  getrübtem  Kalkwasser  (kohlensaurem 
Kalk)  gefüllt. 

Ich  überzeugte  mich  vom  Vorhandensein  der  Stigmenöffnung 
auf  indirecte  Weise  durch  ein  viel  einfacheres  Experiment.  Ich  warf 
nämlich  Gastrus-Lar\en  in  beisses  Wasser,  worauf  stets  vom  hintersten 
Körperende  ein  eontinuirlicher  Strom  von  unverhältnissmässig  gros- 
sen Gasblasen  (sowie  die  Funken  aus  einer  Rakete)  hervorschoss. 
Die  Strömung  dauerte  eine  ziemlich  geraume  Zeit  (1 — 2  Minuten), 
so  dass  man  sehr  leicht  und  genau  beobachten  konnte,  dass  Gas- 
blasen an  keiner  andern  Stelle  des  Larvenkörpers  oder  der  Stigmen- 
platte, als  nur  an  der  centralen  Stigmenöffnung  der  letzteren  aus  dem 
Innern  des  Körpers  hervorströmten. 

Wir  wollen  nun  den  Bau  der  Kiemen  platten  und  deren 
Schichten  näher  betrachten.  Die  äusserste  Schichte  (Fig.  39  d) 
ist,  wie  wir  schon  oben  gesehen  haben,  eine  sehr  feine  und  zarte 
homogene  Chitinmembran,  die  als  Fortsetzung  des  äussern  Integu- 
mentes  die  ganze  Stigmenplatte  gleichmässig  überzieht;  die 
innerste  Schichte  (Fig.  3ö  und  39  dd)  ist  die  dickste  und  wird 
von  einem  fein  porösen ,  schwammigen  Chitingewebe  gebildet.  Die 
Balken  dieses  Gewebes  nehmen  ihren  Ursprung  von  dickeren  Balken 
(Fig.  39  bb) ,  die  von  der  mittlem  Schichte  der  Kiemenplatten 
(Fig.  39  e'e')  zu  beiden  Seiten  je  eines  Kiemencanales  (Fig.  39  h,i) 
hervorgehen,  und  durch  Abgeben  seitlicher  Fortsätze  sich  vielfach 
verzweigen. 

So  homogen  die  äusserste  und  innerste  Schichte  der  Kiemen- 
platten gebaut  ist,  so  sehr  complicii  te  Verhältnisse  bietet  die  mittlere 
Schichte  derselben  dar.  In  dieser  finden  sich  jene  Gebilde  vor,  die 
der  äusseren  Fläche  der  Kiemenplatte  ein  so  zierliches  Aussehen  ver- 
leihen und  die  eigentlichen  Kiemeucauäle  (Fig.  34  dd,  ee)  consti- 
tuiren.    Diese   Schichte  wird   zunächst  vor  einer  dicken   und  festen 


J4  Scheiber. 

Chitinplatte  gebildet,  die  in  den  Interstitiell  der  Kiemenbögen 
(Fig.  39  e'e')  einfach  ist,  entsprechend  den  Kiemenbögen  selbst  aber 
in  2  Blätter  zerfällt.  Bei  e'e  Fig.  39  und  c,  d  Fig.  38  ist  die  mittlere 
Schichte  noch  einfach  dargestellt.  Bei  e  e  und  ff  Fig.  38  zerfällt  sie 
in  die  2  Blätter  (Fig.  38  g  g  g  g  und  i  i,  Fig.  39  e  und  /'). 

Das  äussere  Blatt  ist  keine  continuirliche  Membran,  sondern 
besteht  blos  aus  einem  System  paralleler,  quergelegener  Leisten 
(Querleisten  Fig.  38  g  g,  Fig.  39  e) .  die  zwischen  sich  grosse 
regelmässige  Fenster  (Fig.  38  ««,  b  b)  einschliessen,  an  ihrem 
Ursprünge  bogenförmig  in  einander  übergehen  (Fig.  38  e  e,  ff),  und 
in  der  Mitte  (in  der  Medianlinie  des  Kiemencanales)  mittelst  dünner 
Chitinstäbchen  (Fig.  38  h  Ji)  unter  einander  in  Verbindung 
stehen.  Diese  Querleisten  sind  hart  spröde,  und  dunkel  gefärbt,  nur 
in  der  Mitte,  wo  sie  eine  rautenförmige  Gestalt  annehmen,  sind  sie 
heller  (gelblich)  gefärbt. 

Das  innere  Blatt  bildet  in  einem  jeden  Kiemencanal  2  der  Länge 
der  letzteren  gleichkommende,  von  beiden  Seiten  her  fast  bis  zur 
Medianlinie  des  Canales  vorspringende,  harte  und  heller  gefärbte 
Chitinleisten  (Längsleisten)  Fig.  38  ii  und  Fig.  39  ff,  die 
sich  je  näher  der  Medianlinie  um  so  mehr  vom  Niveau  des  äusseren 
Blattes  (Querleisten)  nach  innen  (gegen  das  schwammige  Gewebe) 
entfernen;  die  Längsleisten  hören  nahe  der  Medianebene  mit  einem 
äusserst  feingezähuten  Bande  (Fig.  38  k  k)  auf,  und  lassen  zwischen 
sich  einen  sehr  feinen  Spalt,  durch  den  der  zwischen  dem  eben 
beschriebenen  äusseren  und  inneren  Blatte  der  mittleren  Chitin- 
schichte  frei  bleibende  Baum  (Fig.  39  Ii)  mit  dein  unterhalb  der 
Längsleisten  gelegenen  Baume  (Fig.  39  /)  in  Communication  steht. 
Die  Längsleisten  nehmen  ihrer  Breite  nach  vom  angewachsenen  bis 
gegen  den  freien  Band  hin  an  Dicke  und  dunkler  Färbung  ab,  so 
dass  sie  am  freien,  gezähnten  Bande  am  dünnsten  und  hellsten  sind. 

Das  Balkengewebe  der  dritten  Schichte  der  Kiemenplatten  ist  zu 
beiden  Seiten  der  Kiemencanäle  (Fig.  39  d  d)  dichter  als  entspre- 
chend der  Medianlinie  derselben  (c);  letztere  Partie  besteht  aus 
einem  festeren  Balkenwerke ,  von  welchem  sich  in  senkrechter 
Richtung  gegen  die  Längsleisten  (/'/')  die  hufeisenförmige  Platte 
(£19)  emporhebt,  deren  Hörner  an  die  Längsleisten  stossen  und 
mit  diesen  verbunden  sind.  Diese  Platte  ist  an  der  Unibiegungsstelle 
schmal,   an  den  Hörnern  breit,  und  besteht  aus  fester,   spröder  und 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  \ty 

dunkel  gefärbter  Chitiiisubstanz.  Denkt  man  sich  nun  eine  ganze 
Reihe  von  quergestellten,  in  gewissen  Intervallen  von  einander  ab- 
stehenden solchen  hufeisenförmigen  Platten  längs  eines  Kiemen- 
canales  (Fig.  34  d  d,  e  e),  so  ruhen  die  zwei  Längsleisten  eines 
Canales  auf  den  entsprechenden  Hörnern  aller  jener  Platten.  Denkt 
man  sich  ferner  in  jeder  Kiemenplatte  zwischen  der  zweiten 
(Chitin-)  und  der  dritten  (schwammigen)  Schichte  derselben  meh- 
rere (drei)  bogenförmig  und  parallel  verlaufende  Hohlgänge  (Fig.  34 
dd,  ee),  die  durch  die  genannten  der  Quere  nach  gelagerten 
Platten  in  viele  unter  einander  communicirende  Loculamenta  getheilt 
sind,  so  haben  wir  eine  richtige  Vorstellung  von  dem,  was  eigent- 
lich Kiemencanal  (Fig.  39  i,  A)  zu  nennen  ist. 

Die  Kiemencanäle  in  unserem  Sinne  stellen  demnach  Halbcanäle 
vor,  die  nach  aussen  durch  die  äusserste  Membran  (Fig.  39  a) 
geschlossen  sind  und  nach  innen  mittelst  des  schwammigen  Gewebes 
(d,  c,  d)  mit  der  Luftkammer  (Fig.  36  k)  communiciren. 

Unter  Kiemenbläschen  endlich  in  dem  Sinne,  wie  ich  sie  mir 
vorstelle,  ist  der  zwischen  dem  äusseren  und  inneren  Blatte  der 
mittleren  Schichte  der  Kiemenplatte  frei  bleibende  dreieckig  pris- 
matische Raum  (Fig.  39  A)  zu  verstehen,  der  die  Länge  des  ent- 
sprechenden Kiemencanales  hat.  Dieser  Raum  ist  aber  keineswegs 
in  Loculamenta  oder  Zellen  (Bläschen)  getheilt,  wie  Sehröder 
van  der  Kolk  glaubte,  und  man  überhaupt  bei  oberflächlicher  Be- 
sichtigung und  Untersuchung  der  äusseren  Fläche  der  Stigmenplatte 
annehmen  möchte.  Man  sieht  vielmehr  an  Querschnitten  der  Kiemen- 
canäle nie  sepimentartige  Fortsätze  von  den  Querleisten  zu  den  unter 
ihnen  gelegenen  Längsleisten  ziehen,  was  doch  der  Fall  sein  müsste, 
wenn  zwischen  beiden  Leistenarten  häutige  Zellen  oder  Bläschen  wären, 
ich  glaube  vielmehr,  dass  die  Querleisten  sammt  ihren  Bögen  (Fig.  38 
e  e,  ff)  und  Längsstäbchen  (h  li)  dazu  bestimmt  sind,  um  ein  festes 
Gerippe  für  jene  zarte  Chitinmembran  (äusserste  Schichte  der 
Kiemenplatte)  abzugeben,  welche  den  Raum  der  Kiemencanäle 
nach  aussen  hin  abschliesst ,  und  durch  welche  die  Diffusion 
zwischen  den  Gasen  des  Tracheensystems  und  denen  der  Athmungs- 
flüssigkeit  vor  sich  geht. 

,3)  Luft  kam  nur. 

Über  den  eigentlichen  Mechanismus  der  Respiration  der  Gastrus- 
Larven    können    wir   eist    dann    sprechen,   wenn  wir  die  hinter  der 


IQ  S   c   h    e   i   h   e   r. 

Stigmenplatte  gelegene  Luftkammer  (Fig.  36  k),  in  welche  von 
aussen  her  die  Stigmenröhre  von  innen  her  alle  Körpertracheen 
einmünden,   näher  kennen  werden. 

Wir  erwähnten  weiter  oben  einer  Membran,  welche  am  äusseren 
Rande  des  Ringes  (Fig.  35  a  a)  sich  ansetzt,  und  die  Luftkammer 
(Fig.  36  Ar)  nach  innen  begrenzt.  Luftkammer  ist  daher  jener 
Raum,  der  zwischen  jener  Membran  (Fig.  36  i  und  Fig.  37  aa) 
und  der  Stigmenplatte  (Fig.  36  cc')  liegt.  An  der  benannten  Mem- 
bran münden  sämmtliche  Tracheen  des  Körpers  in  die  Luftkammer, 
von  wo  aus  die  aus  den  Tracheen  einströmende  Luft  nöthigenfalls 
durch  die  Stigmenröhre  nach  aussen  treten  kann,  andererseits  aber 
durch  die  poröse  Schichte  der  Kiemenplatte  in  die  Kiemencanäle 
dringt.  Die  in  Rede  stehende  Membran  nun  ist  flach  gewölbt,  so 
dass  die  concave  Seite  gegen  die  Stigmenplatte,  die  convexe  Seite 
gegen  die  Leibeshöhle  hin  gewendet  ist,  und  bestellt  aus  einem  groben 
Geflechte  von  dicken,  braunen  Chitinfasern,  die  in  die  Spiralfasern 
(Chitinschichte)  der  ausmündenden  Tracheen  übergehen.  Entspre- 
chend den  Zapfen  (Fig.  35  b  b)  gehen  vom  Rande  des  Ringes 
Chitinfasern  aus,  die  nicht  unter  einander  verflochten  sind,  sondern 
neben  einander  in  parallelen  Zügen  bogenförmig  zu  dem  entspre- 
chenden Rande  der  andern  Seite  ziehen,  und  so  ein  Band  bilden 
(Fig.  37  bb),  welches  in  der  Medianlinie  der  Membran  gelegen, 
diese  in  zwei  gleich  grosse  seitliche  Hälften  (Fig.  37  b,  a,  6)  tbeilt. 
Die  Chitinfasern  dieser  Membran  lassen  grössere  und  kleinere  Lücken 
zwischen  sich,  die  nichts  anderes  als  die  Einmündungssteilen  der 
Tracheen  in  die  Luftkammer  darstellen.  Es  sind  in  jeder  Membran- 
hälfte vier  grössere  und  zwei  kleinere  Löcher,  von  denen  die  vier 
grösseren  (Fig.  37  cccc,  dddd)  und  ein  kleineres  (ee)  in  Form 
eines  Halbkreises  um  ein  Centrum  gelagert  sind,  welches  durch  das 
zweite  kleinere  Loch  (J'f)  gebildet  wird. 

Aus  der  Beschreibung  dieses  so  complicirten  Respirations- 
Apparates  der  Gastrus-harven  können  wir  den  sinnreichen  Mechanismus 
ersehen,  durch  welchen  bei  diesen  Thieren  sowohl  im  Wasser  als 
in  der  Luft  der  Gasaustausch  vor  sich  geht.  Befindet  sich  das  Thier 
in  der  Luft,  so  wird  die  Stigmenröhre  wegsam  gemacht,  die  schlechte 
Luft  aus  dem  Innern  des  Körpers  herausgetrieben  und  gegen  frische 
Gase  ausgetauscht.  Befindet  sich  das  Thier  im  Wasser  oder  in  einer 
andern  lufthaltigen  Flüssigkeit,  so  bleibt  die  Stigmenröhre  natürlich  so 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  |  7 

lange  unwegsam,  als  sich  das  Thier  in  derselben  befindet,  und  der 
Gasaustausch  beschränkt  sich  blos  auf  jene  Bestandteile  der  inner- 
halb des  Körpers  befindlichen  atmosphärischen  Luft,  welche  durch 
den  Verbrennungsprocess  im  Innern  des  Körpers  Schwankungen 
erleiden.  Dieser  Gasaustausch  wird  durch  die  Kiemencanäle  ver- 
mittelt, welche,  wie  wir  wissen,  nach  aussen  entsprechend  den 
Lücken  zwischen  den  Querleisten  durch  eine  sehr  feine  Membran 
abgeschlossen  sind,  und  nach  innen  mittelst  des  schwammigen  Ge- 
webes mit  der  Luftkammer  und  den  Tracheen  des  Körpers  in  offener 
Communication  stehen. 

Bei  allen  bis  jetzt  bekannten  wasserathmenden  Insecten-Larven 
sind  die  sogenannten  Kiemen  meist  durch  haar-  und  blätterförmige 
Fortsätze  am  hintern  Leibesende  repräsentirt,  an  deren  irinern 
Oberfläche  sich  ein  sehr  feines  Tracheennetz  verbreitet,  welches  den 
Gasaustausch  zwischen  der  innerhalb  des  Körpers  befindlichen  Luft 
und  jenen  Gasen  vermittelt,  welche  die  das  Thier  umgebende 
Flüssigkeit  aufgelöst  enthält.  Während  nun  alle  diese  Larven  einzig 
und  allein  für  Wasserathmung  eingerichtet  sind,  sind  unsere  Larven 
einer  doppelten  Respiration  fällig.  Bis  jetzt  ist  noch  kein  Insect 
weder  im  Larven-  noch  im  ausgebildeten  Zustand  bekannt,  welches 
sowohl  mit  den  Gasen  des  Wassers,  a  1  s  mit  denen  der  atmosphäri- 
sclienLuft  durch  längere  Zeit  einen  respiratorischen  Gasaustausch 
unterhalten  könnte.  Unsere  Gastrus-Larxen  sind  daher  im  wahren 
Sinne  des  Wortes  Amphibien. 

Nachdem  Schröder  van  der  Kolk1)  durch  Experimente 
die  Communication  der  Kiemencanäle  mit  dem  schwammigen  Gewebe 
und  der  Luftkammer  constatirt  hatte3),  glaubte  er  den  eigentlichen 


1)  L.  c.   p.  91. 

2)  Er  injieirte  zuerst  Quecksilber  durch  eineTrachee  in  die  Luftkammer,  es  kam  nichts 
davon  in  die  Kiemenbläschen;  dann  injieirte  er  von  der  äusseren  Fläche  der  Kiemen- 
platte aus  durch  ein  zerrissenes  Kiemenbläschen,  von  wo  sich  das  Quecksilber  so- 
gleich in  die  Kiemencanäle  und  in  die  Luftkammer  ergoss.  Es  erklärte  sich  die 
erstere  Erscheinung  in  der  Weise,  dass  durch  die  Injection  von  den  Tracheen  au> 
die  Luft  in  die  Räume  des  schwammigen  Gewebes  und  von  da  in  die  Kiemencanäle 
getrieben  wurde,  und  daher  das  Quecksilber  in  letztere  nicht  eindringen  konnte, 
ausgenommen,  er  hätte  einen  so  starken  Druck  auf  das  Quecksilber  ausgeübt,  dass 
die  die  Kiemenbläschen  nach  aussen  verschliessende  Membran  geborsten   wäre. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Rd.  1.  Abth.  2 


|  &  S  c  h  e  i  b  •  r 

Zweck  des  schwammigen  Gewebes  darin  suchen  zu  müssen,  dass 
dieses  die  sogenannten  Kiemenbläschen,  die  in  Folge  des  beim  Aus- 
treiben der  Luft  durch  die  Stigmenöffnung  hervorgebrachten  Luft- 
druckes möglicherweise  bersten  könnten,  vor  Rupturen  schützen  stillte. 
Es  steht  aber  dem  Entweichen  der  Luft  ans  dem  Innern  des  Larven- 
körpers gar  kein  Hinderniss  entgegen,  indem  schon,  wie  wir  sogleich 
sehen  werden,  hei  dem  leichtesten  inneren  Luftdruck  die  Stigmen- 
öffnung wegsam  wird,  und  wenn  das  Thier  im  Wasser  athmet,  ent- 
steht ohnehin  keine  Erhöhung  des  inneren  Luftdruckes,  weil  ein 
Hinaustreiben  der  Luft  zu  der  Zeit  ,  als  sich  das  Thier  im  Wasser 
befindet,  sogleich  eine  Erstickung  desselben  zur  Folge  hätte.  Es 
fragt  sich  nur,  durch  welche  Vorrichtung  wird  die  Stigmenröhre  oder 
die  äussere  und  innere  Stigmenöffnung  wegsam  gemacht,  und  wie 
geschieht  es,  dass  eine  Wegsamkeit  derselben  schon  durch  den 
leichtesten  inneren  Luftdruck  eintritt? 

Schröder  van  der  Kolk  hat  an  der  äusseren  Stigmen- 
öffnung einen  Sphincter  und  Dilatator  beschrieben,  Muskeln,  die  ich 
vergebens  gesucht  hübe.  Er  meinte  ferner,  dass  der  oben  beschrie- 
bene Stigmen  räum  für  sich  abgeschlossen  sei,  und  blos  durch 
dieCanäle,  die  sich  in  beiden  Zapfen  (Fig.  36  hh^  befinden,  mit  den 
Tracheen  der  zwei  Stigmenlippen  communiciren,  so  dass,  wenn  diese 
sich  zusammenziehen,  sie  die  in  ihren  Tracheen  enthaltene  Luft  in 
den  Stigmenraum  hineintreiben.  Er  will  dies  durch  Experimente  con- 
statirt  haben.  Hiedurch  würde  nun  allerdings  der  Stigmenraum 
grösser  und  die  Stigmenröhre  wegen  Entfernung  der  inneren  von  der 
äusseren  Stigmenmembran  gestreckt;  aber  abgesehen  davon,  dass 
es  mir  nicht  gelingen  konnte,  ein  derartiges  blos  für  die  Stigmen- 
lippen bestimmtes  Tracheensystem  nachzuweisen,  wissen  wir  aus 
obiger  Beschreibung,  dass  der  Stigmenraum  von  der  Luftkammer 
(von  Schröder  van  der  Kolk  „Chambre  aerifere"  genannt)  nicht 
abgeschlossen  ist,  sondern  vielmehr  mit  ihr  durch  das  poröse  Gewebe 
der  Kiemenplatten  communicirt.  Aus  obiger  Beschreibung  wissen 
wir  ferner,  dass  die  Zapfen  des  Ringes  der  inneren  Stigmenmembran 
aufliegen,  und  diese  gegen  die  äussere  Stigmenmembran  andrücken. 
So  lange  dies  der  Fall  ist,  ist  der  Stigmenraum  aufgehoben. 

Contrahirt  sich  nun  das  Thier,  um  die  Luft  aus  dem  Innern  des 
Körpers  auszutreiben,  so  wird  diese  vor  Allem  mit  einer  gewissen 
Kraft  aus  den  Tracheenstämmen  in   die  Luftkammer  getrieben,    von 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  (istriden-Larven.  j  <} 

wo  aus  sie  mit  entsprechender  Gewalt  in  alle  mit  dieser  communi- 
cirende  Räume  (das  poröse  Gewebe  des  Ringes  und  der  Kiemen- 
platte) also  auch  in  den  Stigmenraum  dringen  wird.  Der  Druck  nun. 
unter  welchem  die  Luft  in  den  Stigmenraum  dringt,  wird  zunächst 
lazu  verwendet,  um  die  innere  Stigmenmembran  und  mit  dieser  auch 
ie  beiden  starken  aber  ziemlich  elastischen  Zapfen  des  Ringes  von 
Jer  äusseren  Stigmenmembran  soweit  emporzuheben,  dass  die  Stig- 
menröhre gespannt  wird.  Hiedurch  wird  das  Lumen  der  Stigmenröhre, 
wie  dies  schon  weiter  oben  auseinandergesetzt  wurde,  hergestellt  und 
die  Luft  kann  durch  diese  unbehindert  aus  der  Luftkammer  nach 
aussen  entweichen. 

Hat  die  Körpercontraction,  nachdem  die  Luft  aus  dem  Innern 
des  Körpers  zum  grossen  Theil  ausgetrieben  wurde,  nachgelassen, 
so  hört  jener  innere  Luftdruck  auf,  der  den  Stigmenraum  mit  Luft 
erfüllt  und  die  innere  Begrenzungsmembran  desselben  von  der 
äusseren  emporgehoben  hat;  es  entsteht  im  Innern  des  Körpers  ein 
leerer  Raum,  und  die  atmosphärische  Luft  dringt  mit  Gewalt  in  die 
Tracheen  des  Körpers,  sich  von  der  äusseren  Stigmenöffnung  aus  durch 
die  Stigmenröhre  Bahn  brechend,  so  lange  ein,  bis  im  Innern  des 
Körpers  das  Gleichgewicht  wieder  hergestellt  ist.  Ist  dieses  gesche- 
hen, so  wird  die  innere  Stigmenmembran  durch  die  Elasticität  der 
Zapfen,  und  in  Folge  der  Zerrung,  die  sie  von  Seite  ihrer  Anheftungs- 
punkte  an  den  inneren  Rand  der  porösen  Schichte  der  Stigmenplatte 
erlitten  hat,  an  die  äussere  Begrenzungsmembran  des  Stigmenraumes 
wieder  angedrückt,  und  die  Stigmenröhre  wird  und  bleibt  so  lange 
unwegsam,  bis  die  Luft  im  Innern  des  Körpers  von  Neuem  einein 
erhöhten  Druck  ausgesetzt  wird. 

Ganz  derselbe  Vorgang  findet  ohne  Zweifel  auch  bei  jenen  indi- 
recten  Versuchen  Statt,  durch  welche  die  Existenz  der  Stigmenöffnung 
überhaupt  auf  die  obgeschilderte  Weise  dargethan  wurde.  Die  Ent- 
leerung der  Luft  aus  dem  Innern  des  Larvenkörpers  in  Form  von  Luft- 
blasen, sei  es  dadurch,  dass  in  Kalkwasser  gelegte  Larven  dem  Spiele 
der  Luftpumpe  ausgesetzt,  oder  aber,  dass  die  Larven  in  heisses 
Wasser  geworfen  werden .  beruht  doch  immer  auf  demselben 
Princip,  dass  nämlich  der  Druck  und  die  Spannung  der  Luft  im 
Innern  des  Körpers  erhöht,  und  diidurch  die  Stigmenöffnung 
wegsam  gemacht  wird. 


20  S   c   li   e   i    I)   e   r. 

Es  fragt  sich  ferner,  was  ist  der  eigentliche  Zweck  des  porösen 
Gewebes  an  der  der  Luftkammer  zugewendeten  Seite  der  Stigmen- 
platte ? 

Wir  wissen  aus  der  Physik,  dass  poröse  und  schwammige  Kör- 
per in  ihren  Poren  grosse  Quantitäten  von  Gasen  zu  verdichten  im 
Stande  sind,  und  dass  gerade  so  kleine  Räume,  wie  i.  B.  die  Poren 
der  Holzkohle,  des  Platinschwammes,  und  wie  es  die  mit  freiem  Auge 
nur  kaum  noch  wahrnehmbaren  Areolen  des  in  Rede  stehenden 
schwammigen  Chitingewebes  sind,  die  Hanptlaboratorien  chemischer 
und  dynamischer  Wechselwirkungen  der  Molecüle  abgeben.  Die 
Kiemencanäle  sind  die  wasserathmenden  Organe  der  Gastrus  Larven, 
indem  die  Luft  aus  dem  Innern  der  Tracheen  in  die  Luftkammer, 
Ton  da  in  das  schwammige  Gewehe,  und  dann  erst  in  die  Kiemen- 
canäle gelangt.  Das  schwammige  Gewehe  bildet  mit  seinen  zahl- 
reichen feinen  Lücken  gleichsam  eine  enorm  grosse  Vorratskammer 
in  einem  kleinen  Räume,  wo  eine  grosse  Menge  von  Kohlensäure 
stets  bereit  gehalten  wird,  um  gegen  Austausch  von  Sauerstoff  aus 
der  das  Thier  umgebenden  Flüssigkeit  einen  stets  regen  DifFusions- 
strom  durch  die  die  Kiemencanäle'  nach  aussen  begrenzende,  zarte 
Chitiumembran  zu  unterhalten.  W  i  r  h  ab e n  demnachim  porösen 
C h i t i n g e w  e b e  ein  den  Respirationsprocess  erhöhenden 
M  e  cli  a  n  is  mus. 

Ausser  jener  Stigmenöffnung,  die  wir  an  der  Stigmenplatte 
beschrieben  haben,  und  als  hintere  bezeichnen  wollen,  haben  die 
Gastrus  -  Larven  noch  zwei  (vordere)  Stigmenöffniingen ,  mittelst 
welcher  die  Thiere  ebenfalls  Luft  athmen  können.  Wenn  man  den 
konisch  geformten  ersten  Leibesring  der  Larve  an  der  Rückseite 
genau  betrachtet,  so  sieht  man  schon  mit  freiem  Auge  von  der  abge- 
stumpften Spitze  dieses  Ringes  beiderseits  eine  Furche  gegen  die 
Einschnürung  zwischen  \.  und  2. Leihesringherablaufen,  und  daselbst 
in  einer  trichterförmigen  Grube  endigen.  Wenn  man  im  Innern  des 
Körpers  diese  Gegend  untersucht,  so  findet  man.  dass  sich  entsprechend 
dieser  Gruben  das  äussere  Integument  zu  einer  starren  ganz  klar  und 
hell  gefärbten  Röhre  einstülpt;  in  dieser  Röhre  liegt  jener  eigenthüm- 
licbe  braune  Körper,  in  welchen  das  vordere  Ende  einer  jeden  der 
zwei  seitlichen  Haupttracheenstämme  endigt. 

Diese  Körper  (Fig.  40)  sind  keulenförmig,  bestehen  aus 
einem  Stiele  («)  einer  knopfformigen  Anschwellung  (6)  und  sind  im 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Ösfriden-Larveu.  2  1 

Inneren  hohl;  ihr  Lumen  setzt  sich  in  das  des  Tracheenstammes  (e)  fort. 
Der  Knopf  liegt  in  der  trichterförmigen  Röhre  (c,  (/)  frei,  welche 
letztere  sich  erst  am  Stiele  des  braunen  Körpers  anheftet.  Der  Knopf 
ist  so  wie  die  Röhre,  in  der  er  steckt,  von  beiden  Seiten  her  platt 
gedrückt,  und  hat  viele  Einkerbungen,  durch  welche  sein  Lumen  mit 
der  äusseren  Luft  (des  Trichters)  unmittelbar  communicirt. 

Schröder  v.  d.  Kolk  fasste  diese  2  Körper  als  drüsige  Organe 
auf,  in  welche  die  zwei  seitlichen  Körpertracheenstämme  endigen.  Er 
glaubte,  dass  sie  einfach,  mittelst  einer  Randmasse  an  die  innere 
Fläche  des  äusseren  Integumentes  befestiget  seien,  während  Joly1) 
nicht  nur  die  vorderen  2  Stigmenöflnungen  ganz  genau  beschreibt, 
sondern  sogar  die  braunen  Körper  als  aus  einem  fein  schwammigen 
Chitingewebe  bestehend  erkannte.  Die  Structur  der  Wand  dieser 
Körper  verräth  sich  schon  beim  Präpariren  derselben  mit  den  Nadeln 
als  eine  durchaus  fein  poröse,  indem  beim  mindesten  Druck  auf 
dieselben  eine  grosse  Menge  von  Gasbläschen  frei  werden,  die 
sich  an  die  Nadelspitzen  festsetzen  ,  und  sonst  in  der  umgebenden 
Flüssigkeit  sich  ausbreiten.  Die  Lücken  des  Ralkengewebes  sind  aber 
hier  bedeutend  feiner  als  an  den  schon  beschriebenen  schwammigen 
Geweben  der  Stigmenplatte,  wo  erstere  noch  mit  freiem  Auge  wahr- 
nehmbar sind;  sie  konnten  bei  den  braunen  Körpern  nur  durch  mühsam 
gewonnene,  äusserst  feine  Durchschnitte  als  unzweifelhaft  dargestellt 
werden.  Die  äusserste  Schichte  der  Wand  wird  durch  eine  gleich- 
massige  dünne  Chitinlamelle  gebildet,  von  welcher  eben  das  feine 
Ralkengewebe  ausgeht.  Diese  Lamelle  enthält  stellenweise  grosse 
Löcher,  um  den  Zutritt  der  Luft  in's  schwammige  Gewebe  von  aussen 
her  zu  ermöglichen. 

Der  Zweck  dieser  Körper  ist,  wenn  man  deren  Charakter  im 
Auge  hält,  leicht  einzusehen.  Es  wird  in  den  Poren  derselben  eine 
grössere  Menge  von  Gasen  sowohl  von  aussen  als  von  innen  (der 
Tracheen)  her  verdichtet,  um  den  Gasaustausch  zu  erhöhen.  Wir 
haben  also  hier,  an  den  vorderen  Stigmenöffnungen  denselben  die 
Respiration  erhöhenden  Mechanismus,  als  hinten  an  der  Innenfläche 


')  Recherche«  zoologiques,  anatomiques ,  physiologiqttes  et  niedicaies  sur  lex  Oesirides, 
cn  general,  et  parliculierement  sur  les  Oesirides,  qui  attaquent  l'homme,  le  cheval,  le 
heuf  et  le  mouton.  ( \nnales  des  sciences  phys.  et  nat.  d'Agriculture  et  d'Industrie 
lö46,  p.   1Ö7—  ÜOJ.) 


22  Scheiter. 

der  Stigmenplatte  bei  der  wasserathnienden  Vorrichtung  der  Kiemen- 
canäle.  Indesss  dürften  die  Larven  gewiss  sehr  selten  in  der  Lage 
sein,  durch  die  vorderen  Stigmenöffnungen  zu  athmen,  da  die  trich- 
terförmige Röhre  starr  ist,  und  in  Ermanglung  jeder  verschliessenden 
Vorrichtung  die  Stigmenöffnungen  klaffen,  und  somit  stets  mit  Schleim 
verstopft  sind. 

Aus  allem  bisher  Gesagten  geht  hervor,  dass  die  obige  Be- 
hauptung, dass  unsere  Larven  im  wahren  Sinne  des  Wortes  Amphi- 
bien wären,  vollkommen  gerechtfertigt  erscheint.  Wenn  wir  je- 
doch bedenken,  dass  die  vorderen  feinen  Stigmenöffnungen  kaum 
jemals  zur  Athmung  dienen  können,  und  dass  die  mikroskopisch  kleine 
hintere  Stiginenöffnung  zu  unausreichend  sein  dürfte,  um  den  ganzen 
Larvenkörper,  wenn  auch  nur  zeitweilig,  mit  frischer  Luft  zu  ver- 
sehen; wenn  man  ferner  bedenkt,  dass  der  wasserathmende  Apparat 
weit  mehr  entwickelt  ist  als  der  luftathmende,  und  fast  das  ganze 
Areal  der  Stigmenplatte  in  Anspruch  nimmt:  so  müssen  wir  gestehen, 
dass  unsere  Larven,  zumal  wenn  man  den  Ort  und  die  Umstände  in 
Betracht  zieht,  unter  welchen  sie  ihr  Leben  zu  fristen  hingewiesen 
sind,  vorwiegend  wasserathmenile  Thiere  seien. 

Der  Diffusionsprocess  der  Gase  geht  hier  ohne  Zweifel  genau  so 
vor  sich,  wie  bei  den  übrigen  wasserathnienden  Insecten-Larven. 
Bei  allen  mit  Tracheenkiemen  athmenden  Insecten-Larven  muss  der 
Process  der  Gasdiffusion  von  jenem  unterschieden  werden,  wie  er 
bei  anderen  wasserathnienden  Thieren,  z.  B.  bei  Fischen,  Krebsen 
u.  s.  w.  vor  sich  geht.  Während  bei  mit  wirklichen  Kiemen  ath- 
menden Thieren  zwei  mit  Gasen  geschwängerte  Flu  ss  igk  ei  ten 
(Wasser  und  Blut)  durch  eine  thierische  Membran  getrennt 
sind,  trennt  bei  mit  Tracheenkiemen  athmenden  Insecten  die  thie- 
rische Membran  ein  reines  Gasgemenge  (der  Tracheen)  von 
einer  Gase  enthaltenden  Flüssigkeit  (umgebendes  Medium).  Da  nun 
erst  eres  mit  Kohlensäure  überschwängert,  letztere  aber  einer- 
seits Sauerstoff  gelöst  enthält,  andererseits  aber  für  Kohlensäure 
einen  sehr  hohen  Absorptionscoefficienten  hat,  geht  letztere  gröss- 
tenteils in  das  Wasser  über,  während  Sauerstoff  entsprechend 
dem  Volum  der  übergetretenen  Kohlensäure  in's  Gasge- 
menge der  Tracheen  diffuudirt. 

Sowohl  bei  allen  mit  Kiemen  athmenden  Wasserthieren,  als 
auch  bei    allen  (mit  Lungen  oder  Tracheen  athmenden)  Luftthieren 


Vergleichende  Anatomie  nmi  Physiologie  der  Östriden-Lavven.  *Zo 

diffundiren  die  Athmungsgase  nur  einmal  durch  thierische  Häute, 
indem  da  wie  dort  das  Athmungsmedium  in  anmittelbare  Berührung 
mit  jener  thierischen  Membran  gelangt,  welche  eben  die  zu  oxydirende 
Blutflüssigkeit  gegen  die  Aussenwelt  abschliesst.  Nicht  so  bei  den 
mit  Tracheenkiemen  athmenden  Insecten-Larven.  Hier  muss  der 
Sauerstoff,  um  in's  Blut  zu  gelangen,  zweimal  durch  thierische 
Häute  diffundiren,  u.  z.  1.  aus  dem  umgebenden  Flüssigkeits- 
medium  gegen  das  Gasgemenge  innerhalb  des  Tracheensystems,  und 
2.  von  da  aus  geg^n  die  Blutflüssigkeit.  Wir  müssen  daher  im 
Athmungsapparate  dieser  Thiere  in  Bezug  des  Durchdringens  der 
Gase  zwei  Di  ff  usi  o  usgr enzen  unterscheiden,  die  eine  (äussere) 
dort,  wo  die  Tracheenluft  gegen  das  äussere  Flüssigkeitsmedium 
abgeschlossen  ist,  die  andere  (innere  Diffusionsgrenze)  dort,  wo 
die  Tracheenluft  gegen  die  Blutflüssigkeit  abgegrenzt  ist  (feinste 
Tracheenverästelungen,  Tracheencapillaren). 

B.  Innere  Respirationsorgane  der  Gastrus-Larven. 

Auch  in  Bezug  der  inneren  Respirationsorgane  weicht  der  Bau 
der  Gastrus-  Larven  bedeutend  von  dem  der  übrigen  Östriden- 
Larven  ab.  Wie  schon  Eingangs  dieses  Capitels  erwähnt  wurde, 
lassen  sich  die  Tracheen,  die  sämmtlich  an  der  inneren  Wand  der 
Luftkammer  ihren  Ursprung  nehmen  (Fig.  37  a  a,  b  b)  in  zwei 
Kategorien  bringen:  in  sogenannte  Lungentracheen  und 
Körpertracheen. 

Die  Lungentracheen  sind  acht  an  Zahl  (Fig.  37  cccc, 
tUldd)  und  viel  weiter  als  die  Körpertracheen.  Sie  sind  verhält- 
nissmässig  sehr  kurz  und  geben  schon  frühzeitig  eine  grosse  Anzahl 
von  dicht  an  einander  gedrängten  Ästen  ab  (Fig.  41  bb).  Diese 
Äste  geben  wieder  eine  Anzahl  einfacher,  kurzer  und  sehr  dünner 
Zweigchen  ab,  die  endlich  in,  zellenartige  Bläschen  (Fig.  41  cc) 
endigen,  welche  Schröder  van  der  Kolk  „Lungenbläschen" 
nannte.  Die  Äste  gehen  so  dicht  neben  einander  von  den  Tracheen- 
stämmen ab,  dass  diese  sich  sehr  rasch  verjüngen  und  von 
innen  gesehen,  eigentlich  blos  kleine  Hohlkegel  darstellen,  deren 
Wand  von  einer  grossen  Anzahl  Löcher  siebförmig  durchbohrt  ist 
(Fig.  41  a).  Die  Structur  dieser  Tracheen  ist  der  der  übrigen  gleich. 

Wenn  man  den  Körper  einer  frischen  Gastrus-Lur\e  öffnet,  so 
fällt  sogleich  eine  verschiedene  Färbung  des  Fettkörpers  der  vordem 


24  S  c  h  e  i  b  e  r. 

und  hintern  Körperhälfte  auf.  Derselbe  ist  nämlich  in  der  vordem 
Partie  weiss  und  grobkörnig,  während  er  in  der  hintern  röthlich 
gefärbt  und  feinkörnig  erscheint.  Diese  letztgeschilderte  Fettkörper- 
partie  ist  eben  nichts  Anderes,  als  ein  Conglomerat  jener  Organe, 
die  Schröder  van  der  Kolk  Lungenbläschen  nannte.  Sie  sind 
m  et  am  orphosirte  Fettkörperzellen,  die  nur  etwas  kleiner 
als  die  des  übrigen  Fettkörpers,  übrigens  auch  multipolar  wie 
diese,  meist  mit  3 — 4  Fortsätzen  versehen  sind  (Fig.  41  dj.  Die 
Lungenbläschen  sind  in  fast  parallelen  und  perlschnurartigen  Längs- 
zügen neben  einander  gelagert,  und  hängen  durch  Fortsätze  mit  den 
zunächst  hinter,  vor  und  neben  ihnen  liegenden  zusammen.  In  eine 
jede  Lungenzelle  geht  ein  feines  Tracheenzweigchen  des  Lungen- 
tracheensystems  hinein,  um  sich  an  der  innern  Oberfläche  der  Zellen- 
membran sehr  reichlich  zu  verzweigen,  und  daselbst  ein  sehr 
dichtes  und  feines  Tracheennetz  zu  bilden,  welches  wahrscheinlich 
seines  Luftgehaltes  halber  die  röthliche  Färbung  der  Lungenzellen 
bedingt.  Den  übrigen  Inhalt  der  Lungenzellen  bilden  grosse  Fett- 
tropfen und  ein  grosser  Kern  sammt  I — 2  Kernkörperchen,  sowie  bei 
den  übrigen  Fettkörperzellen. 

Ans  diesem  Baue  der  Lungenzellen,  sowie  aus  dem  Umstände, 
dass  dort,  wo  der  Fettkörper  aufhört  und  die  Lungenbläschen  beginnen, 
diese  mit  jenen  (mittelst  ihrer  Fortsätze)  unmittelbar  zusammen- 
hängen, folgt:  Dass  die  Lungenzellen  blos  modificirte  Feltkörper- 
zellen  sind.  Es  fragt  sich  nun,  welcher  Zweck  soll  ihnen  eigentlich 
zugeschrieben  werden? 

Schröder  van  der  Kolk  stellte  sich  vor,  dass  jene  von 
beiden  Seiten  des  Rückengefässes  ausgehenden,  und  sich  in  den  Fett- 
körper auflösenden  Stränge,  die  wir  im  Capitel  über  die  Circulation  l) 
als  Hauptstämme  des  quergestreiften  Nervensystems  beschrieben 
hatten,  Arterien  seien,  durch  die  das  Blut  in  den  Fettkörper  und  von 
da  in  die  Lungenzellen  strömen  sollte,  damit  es  hier  gereinigt  und 
zur  Ernährung  vorbereitet  werde;  von  hier  aus  sollte  die  Saftmasse 
in  das  Rückengefäss  und  in  die  Körpercapillaren  strömen. 

Schröder  van  der  K  olk  zieht  die  Lungenbläschen  mit  den 
wirklichen  Lungen  der  höhern  Thiere  in  Parallele,  und  gibt  blos  den 
Unterschied   an,    dass  sich   bei   letzteren  die  Luft    innerhalb  der 

1)    S.    1.    Tbl.   p.    W-i. 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  25 

Lungenbläschen  vorfindet,  während  das  Blut  an  der  Oberfläche  der 
Bläschen  (um  die  Luft  herum)  cireulirt,  während  bei  Gastrus-Larven 
die  Säfte  innerhalb  der  Bläschen  eingeschlossen  sind,  und  die  Luft 
um  die  Säftemasse  herum  kreist.  Wollte  man  schon  einen  Vergleich  mit 
wirklichen  Lungen  anstellen,  so  müsste  man,  glaube  ich,  die  eigent- 
lichen Lungenbläschen  (Fettzellen)  blos  vorläufig  als  Skelet  auf- 
fassen, anderen  Wandungsich  ein  dichtes  Netz  capillärer  Tracheenver- 
zweigungen ausspannt;  als  das  eigentlich  zu  oxydirende  Men- 
struum  aber  wäre  jene  Blutflüssigkeit  anzusehen,  welche  inwandungs- 
losen  Interstitiell  zwischen  den  Lungenbläschen  fliessend ,  diese  von 
aussen  her  umspült.  Diese  Meinung  erscheint  um  so  gerechtfertigter,  da, 
wie  wir  aus  dem  1.  Theile(Cap.  Circulation)  wissen,  die  Diastole  des 
Herzens  stets  nur  am  hintersten  Theile  des  Bückengefässes  statthat, 
und  daher  zunächst  jene  Blutflüssigkeit  in  dasselbe  geschafft  wird, 
welche  sich  in  der  hintersten  Körperpartie  (um  den  Lungenbläschen) 
befindet,  demnach  eben  erst  oxydirt  wurde. 

Keineswegs  kann  man  sich  jedoch  zu  der  Meinung  bekennen,  dass 
die  Lungenbläschen  die  Bolle  von  Vorrathskammern  spielen  sollten,  in 
denen  die  Luft  behufs  der  Oxydation  des  Blutes  auf  längere  Zeit  auf- 
bewahrt werde,  im  Falle  die  Thiere  nämlich  an  Luftmangel  leiden 
sollten,  denn  1.  eignen  sich  zu  Beservoirs  für  die  Luft  nur  grössere 
Bäume  oder  Säcke,  aber  keineswegs  ein  Netzwerk  von  Capillarröhren, 
indem  die  Luft  hier  sehr  rasch  Veränderungen  erleidet;  2.  sind  diese 
Larven  mit  einem  vorzüglich  eingerichteten  Wasserathmungsapparat 
versehen,  und  Flüssigkeiten  im  Magen  des  Pferdes  fast  nie  fehlen.  Da 
aber  weder  die  Luft  noch  die  Flüssigkeiten,  die  sich  im  Magen  vor- 
finden, besonders  rein  und  sauerstoflreich  sind,  da  also  überhaupt 
unsere  Larven  stets  unter  sehr  schlechten  respiratorischen  Verhält- 
nissen leben  müssen,  unter  welchen  es  vielleicht  andere  Thiere  mit 
gewöhnlichen  Bespirationsorganen  auf  längere  Zeit  nicht  aushalten 
könnten,  so  geht  meine  Meinung  über  die  Bestimmung  des  Lungen- 
bläscheusystems  dahin,  dass  es  bei  diesen  Larven  nothwendig  wurde, 
die  Berührungsoberfläche  des  Blutes  mit  dem  respiratorischen  Medium 
(Luft)  über  das  gewöhnliche  Mass  hinaus  zu  vergrössern,  und  dass  ausser 
dem  in  den  Organen  wurzelnden  Tracheencapillarsystem  noch  ein 
zweites  in  Bezug  auf  Flächenausdehnung  viel  mächtigeres  vorhanden 
sei,  welches  nirgends  zweckmässiger,  als  gerade  in  der  nächsten 
Umgebung   des  Ventriculartheiles   des  Bückengefässes  localisirt    sein 


26  Scheiber. 

konnte,  wo  ja  der  Sammelort  für  jedes  circulirende  ßluttheilchen 
ist,  bevor  es  das  allgemeine  Schicksal  trifft,  wieder  in's  Herz 
eintreten  zu  müssen.  Es  mnss  demnach  jedes  ßluttheilchen, 
w  ä  h  r  e  n  d  d  e  r  V  o  1 1  e  n  d  u  n  g  e i  n  e  r  K  r  e  i  s  b  a  h  n  z  w  e i  Tr  a  c h  e  e  n- 
eapillar  bezirke,  gleichsam  zwei  ve  r  dünnte  Sau  erstof  f- 
sc hieb ten  passiren,  um  den  für  die  Lebensenergie 
dieser  Thiere  passenden  Grad  des  Stoffwechsels  unter- 
halten zu  können. 

b)  Die  Körpertracheen  sind  vier  an  Zahl  (Fig.  37  ff  e  e) 
und  viel  enger  als  die  Lungentracheen.  Von  diesen  vieren  sind  die 
an  der  Bauchseite  gelegenen  zwei  Tracheen  {e  e)  nur  verhältniss- 
mässig  kleine  Stämme  und  ausschliesslich  für  den  Danncanal  be- 
stimmt. Die  zwei  anderen  in  der  Mitte  der  Platte  entspringenden 
Tracheen  (ff)  ohschon  an  der  Wurzel  eben  so  eng  als  die  vorigen, 
werden  alsbald  merklich  weiter,  ohne  jedoch  das  Lumen  der  Lungen- 
tracheen nur  halbwegs  zu  erreichen.  Diese  beiden  letzteren  Tra- 
cheen sind  für  alle  übrigen  Körpertheile  bestimmt  und  demnach  die 
eigentlichen  Körpertracheen.  Sie  ziehen,  nachdem  sie  bald 
nach  ihrem  Ursprünge  das  Maximum  ihrer  Weite  erreicht  haben,  zu 
beiden  Seiten  des  Körpers  nach  vorn,  und  werden  in  dem  Masse 
als  sie  Aste  abgeben,  immer  dünner,  bis  sie  endlich  in  die  oben 
beschriebenen  braunen  Körper  übergehen ,  die  an  den  vorderen 
Stigmenlöchern  ausmünden. 

Diese  zwei  seitlichen  Haupttracheenstämme  setzen  sich  von 
beiden  Seiten  her  durch  8 — 9  Anastomosen  mit  einander  in  Verbin- 
dung. Die  Art  der  Verzweigung  der  Tracheenäste  ist  eine  bauin- 
förmigezum  Unterschiede  von  anderen  Verzweigungsarten,  wie 
sie  bei  den  übrigen  Larven-Gattungen  vorkommen. 

End  igungs  weisen  der  feinsten  Tracheen  konnte  ich  blos 
in  der  nicht  chitinisirten  /.eiligen  Schichte  der  Haut  sehen,  wo  sie 
in  den  Interstitiell  der  einzelnen  Zellen  mit  einander  anastomosirten 
(Feine  Anastomosen  kann  man  auch  in  der  Wand  des  Rückengefässes 
und  Darmcanales  sehen.) 

Von  der  Innervation  der  Tracheen  war  schon  im  Capitel 
„über  das  Nervensystem"  die  Rede  *).  Es  wurden  daselbst  die 
von    mir   entdeckten    Tra  chea  I  ga  ngl  i  en    als  jene  Nervencentra 


')   Siehe  I.  Thoil,  Seile  44!»—  4!i3. 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  dir  Östriden-Larven.  £7 

beschrieben,  welche  hauptsächlich  für  die  Tracheen  aller  Östriden- 
Larven  bestimmt  sind;  es  erhalten  jedoch,  wie  schon  daselbst 
bemerkt  wurde,  die  Tracheen  mitunter  auch  Nervenäste  vom  Central- 
nervensystem.  An  den  beiden  Darmtracheen  der  Gastrns-Lia\'\m  konnte 
ich  keine  Trachealganglien  linden. 

C.  Äussere   Respirationsorgane   von   Hypoderma-,    Cepüeuouiyia-   und 
Ceplialoinyia-Larven. 

Die  äusseren  Respirationsorgane  der  Hypoderma-,  Cephenomyia- 
ii n d  Cephalomyia-Lnvyen  sind  nach  demselben  Typus  gebaut,  und 
werden  daher  unter  Einem  Gesichtspunkte  abgehandelt.  Alle  diese 
drei  Larvengattungen  sind  rein  luftathmende  Thiere,  und  haben 
demnach  einen  höchst  einfachen  Athmungsapparat.  Hier  fehlt  offen- 
bar jedes  Stigmenloch,  und  die  zwei  Haupttracheenstämme  sind  nach 
aussen  durch  eben  so  viele  fein  poröse  Stigmenplatten  abgeschlossen  *). 
Diese  Stigmenplatten  befinden  sich  am  hintersten  Leibesringe  mit 
derModification,  dass  sie  he\  Lfypo<terma-Lur\ei\  den  nach  hinten  vor- 
springendsten  Theil  des  hintersten  Leihesringes  bilden,  während  bei 
Cephenomyia-  und  Ccphalomyia-Lurven  die  zwei  Stigmenplatten 
in  einem  Querspalt  an  der  fUiekenseite  des  letzten  Leihesringes 
gelagert  sind.  Der  vordere  Begrenzungsrand  dieser  sogenannten 
Stigmen  furche  ragt  wallartig  weit  über  diese  nach  hinten  hervor, 
so  dass  er  eine  Lippe  bildet,  welche  gegen  den  hinter  der  Furche 
gelegenen  Theil  des  letzten  Leibesringes  angezogen  und  somit  der 
Querspalt  geschlossen  werden  kann,  um  die  Stigmenplatten  vor  Un- 
reinigkeiten  :  Staub,  Schleim  etc.  zu  schützen. 

Diese  Lagerungsweise  der  Stigmenplatten  an  der  Dorsalseite 
des  Körpers  war  einenothwendige  Einrichtung  für  diese  Thiere;  denn 
1.  leben  sie  in  der  Stirn-,  Nasen-  und  Rachenhöhle  der  betreifenden 
Wohnthiere,  wo  die  Schleimhäute  stets  in  einem  katarrhalisch  ge- 
scliwellten  Zustande  sich  befinden,  und  demnach  immer  mit  einer 
abnorm  dicken  Schichte  Sehleimes  bedeckt  sind  ;  2.  ist  der  Körper 
dieser  zwei  Larvengattungen  zum  Unterschied  von  dem  der  Gastrus- 
und  IJypoderma-hM'ven  von  oben  nach  unten  flachgedrückt,  und  das 
hintere  Ende  desselhen  schmäler  als  das  vordere,  so  dass,  wenn  die 


')   Siehe  Fig.  43  und  I.  Theil  dieser  Abhandlung:  Fig.  4. 


28  S  c  h  e  i  b  e  r. 

Stigmeuplatten  am  hintersten  Theile  des  letzten  Ringes  angebracht 
wären,  wenigstens  ein  Theil  derselben,  wenn  nicht  der  hintere 
Körpertheil  emporgehalten  würde,  stets  in  Schleim  getaucht  sein 
möchte. 

Bei  Hy poderma-Lüv\en  ist  die  Sache  anders.  Wie  wir  wissen, 
leben  diese  Thiere  in  abgekapselten  Hautfollikeln  ihrer  Wohnthiere. 
Die  Kapseln  haben  die  Gestalt  einer  Flasche  und  das  hinterste  Körper- 
ende kommt  an  den  Halstheil  derselben  zu  liegen.  Der  letztere  soll 
der  Zu-  und  Abzugscanal  für  die  zu  athmende  Luft  sein.  Es  ist  klar, 
dass  unter  solchen  Umständen  die  Stignienplatten  den  am  meisten 
vorspringenden  Theil  des  hinteren  Körperendes  bilden  müssen. 
Diese  Larven  entbehren  daher  auch  jeder  Andeutung  einer  Stigmen- 
lippe. 

Die  hinteren  Stigmenplatten  der  in  Rede  stehenden  drei  Larven- 
gattungen sind  übrigens  von  gleichem  Baue,  und  stellen  dunkel 
gefärbte,  sehr  harte  und  spröde  Chitinplatten  dar,  die  an  der  äusse- 
ren Fläche  schon  bei  Luppenvergrösserung  ein  feinwarziges  Aus- 
sehen zeigen,  als  Ausdruck  von  feinen,  sehr  gedrängt  beisammen- 
liegenden,  trichterförmig  in  die  Tiefe  laufenden  Poren  oder  Löchel- 
chen; die  Stigmenplatten  sind  je  nach  den  Gattungen  und  Species 
von  verschiedener  Form,  bald  fast  kreis-,  bald  halbkreisförmig 
(Hypoderma-L'AVYen  und  die  von  Cephalomyia  maculata)  bald 
sichelförmig  (Cephenomyia-Liwyen),  bald  wieder  fünfeckig  mit  abge- 
rundeten Winkeln  (Cephalomyia  ovis). 

Welche  Form  die  Stigmenplatten  auch  haben  mögen,  so  findet 
sich  immer  an  denselben,  und  zwar  entsprechend  dem  Centrum  der 
betreffenden  Form  (Fig.  43  und  42  «)  eine  mehr  weniger  runde 
Stelle  vor,  die  heller  gefärbt,  durchscheinend,  kurz  eine  gewöhnliche 
Chitinhaut  ist,  wie  sie  als  äussere  Hautbedeckung  des  Körpers 
erscheint.  Diese  Stelle  war  es  bis  jetzt,  die  man  gewöhnlich  als  eigent- 
liche Stigmenöffnung  ansah,  indem  man  glaubte,  dass  die  Stigmen- 
platte an  dieser  Stelle  durchbohrt  sei;  während  man  den  dunkel 
gefärbten  porösen  Theil  der  Stigmenplatte  als  etwas  Accessoriscb.es 
und  als  ein,  dem  Zwecke  nach  nicht  näher  bekanntes  Gebilde 
bezeichnete. 

Man  kann  sich  stets  bei  beliebigen  Vergrösserungen  überzeugen, 
dass  an  der  centralen  Chitinmembrau  nirgends  eine  Öffnung  aufzu- 
finden ist,  sondern  man  sieht  stets  nur  eine  imperforirte  Chitinmem- 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  29 

bran,  die  meist  in  einem  eigenen,  etwas  härteren  Chitinrahmen  aus- 
gespannt ist.  Die  inneren  Ränder  der  beiden  Stigmenplatten  sind 
entweder  parallel  zu  einander  gerichtet  (Fig.  43),  oder  divergiren 
mehr  weniger  von  einander  nach  unten  (Cephenomyia-  und  Cepha- 
7omyia-Lavveii)  *).  Sie  sind  entweder  so  nahe  zu  einander  gestellt, 
dass  sie  mit  freiem  Auge  an  einander  zu  stossen  scheinen,  oder  sie 
stehen  in  beträchtlicher,  schon  für  das  unbewaffnete  Auge  deutlicher 
Entfernung  von  einander  ab  (Cephenomyia-  und  Cephalomyia- 
Larven). 

In  Betreff  der  Bedeutung  der  oben  beschriebenen  Membran  im 
Centralpunkte  der  Stigmenplatten  ist  in  Anbetracht  des  Umstandes, 
dass  sie  sich  noch  innerhalb  des  Ansatzpunktes  der  Haupttracheen- 
stämme befinden,  als  wahrscheinlich  anzunehmen,  dass  sie  ein  Über- 
bleibsel von  Bildungen  früherer  Perioden  des  Larvenlebens  sein 
dürften,  wo  überhaupt  noch  die  Stigmenplatten  fehlen,  und  ein 
anderer  Mechanismus  für  die  Respiration  eingerichtet  zu  sein  scheint. 
Joli*2)  hat  schon  die  Bemerkung  gemacht,  dass  die  Gastrus-Lavven 
in  der  ersten  Zeit  ihres  Lebens  (nachdem  sie  unmittelbar  aus  den 
Eiern  kriechen)  keine  Stigmenplatten  haben,  sondern  am  hintern 
Leibesende  zwei  lange  fadenförmige  Anhänge  besitzen,  durch  welche 
wahrscheinlich  das  Thier  in  der  ersten  Lebensperiode  athmet.  Eine 
ähnliche  Erfahrung  machte  ich  an  Cephenomyia  rufibarbis.  Durch 
die  Güte  meines  Freundes  Brauer  war  ich  nämlich  in  der  Lacre, 
lebende  aus  den  Eierstöcken  einer  trächtigen  Bremsenfliege 
(Cephenomyia  rufibarbis)  3)  eben  herausgedrückte  kleine  Larven 
zu  untersuchen. 

Die  Untersuchung  dieser  höchst  zarten  und  durchscheinenden 
Thierehen  unter  dem  Mikroskope  ergab  nun,  dass  am  hintern  Leibes- 
ende eine  Stigmenöffnung  oder  Stigmenplatte  fehlt,  und  anstatt  der- 
selben sich  zu  beiden  Seiten  der  Aftermündung  zwei  kleine,  mehr 
weniger    vorstreckbare    und    einziehbare    stumpfkegelige   Fortsätze 


*)  Siehe  die  Ahhildnngeii  der  Sligmeuplatteu  in  Braue  r's  „Östriden  des  Hochwildes" 
und  „Neue  Beiträge  zur  Kenntnis*  der  europäischen  Östriden"  (Verhandlungen  der 
k.  k.  zoolog.  botan.  Gesellseh.  in  Wien,  Jahrg.  1858,  Taf.  XI    3a,  4a,  üb,  db,  ?). 

8)  M.  N.  Joli,  liecherches  zoologiques  anatomiqnes,  physiol.  et  medie.  sur  les  Oestrides 
en  generale,  et  partioulierement  snr  les  Oestrides,  qui  attaquent  l'homme,  leclieval, 
le  hoeul  et  le  mouton  (annal.d.  sei.  physjqu.  et  nat.  d'Agricult.  de  Lyon  1.  IX.  1846, 
S.  157 — 303).  Im  Auszug  in  den  Compt.  rend.der  Pariser  Akad.  XXIII.  1846,  S.   510. 

3)   Diese  Fliegen  der  Gattung  Cephenomyia  sind  bekanntlich  vivipara. 


30  S   c   heil,  e   r. 

befanden,  von  denen  man  im  Inneni  die  zwei  seitlichen  Haupt- 
tracheenstämme  ausgehen  sah.  Es  ist  aus  diesem  Befunde  so  wie 
ans  den  Angaben  des  Joli  wahrscheinlich,  dass  alle  Osiriden-Larven 
im  embryonalen  Zustande  durch  zwei  mehr  weniger  lange  Fortsätze, 
die  man  als  Traeheenkiemen  *)  autfassen  könnte,  athmen,  und  dass 
die  Thierchen,  nachdem  sie  zur  Welt  gekommen  sind,  und  sich  um  die 
Fortsätze  herum  die  Anlage  der  porösen  Schichte  der  Stigmenplatte 
zu  bil  Jen  angefangen  hat,  jene  Fortsätze  verlieren,  und  als  Über- 
reste derselben  der  häutige  Theil  der  Stigmenplatten  durch's  ganze 
Leben  zurückbleibt. 

Was  nun  die  feinere  Structur  des  porösen  Theiies  der  Stig- 
menplatten betrifft,  so  besteht  dieser  aus  zwei  Schichten:  einer 
äussern  und  einer  i  n  n  e  r  n.  Bei  ffypoderma-Laryen  wir  ddie  äussere 
Schichte,  wie  schon  oben  angedeutet  wurde,  durch  eine  sehr  harte, 
spröde,  dunkelgefärbte  und  flache  Chitinplatte  gebildet,  die  von 
aussen  gesehen  eine  feinwarzige  Oberfläche  zeigt  (Fig.  43  b).  Man 
muss,  um  die  Platte  mit  den  Nadeln  zerkleinern  zu  können,  die- 
selbe vorerst  einige  Tage  in  concentrirter  Schwefelsäure  oder  in 
einer  andern  concentrirten  Säure  aufbewahren,  wodurch  bekanntlich 
die  Chitinsubstanz  weicher  wird.  Wenn  man  nun  ein  kleines  Stück 
von  der  äussern  Schichte  der  Stigmenplatte  bei  starker  Vergrösserung 
betrachtet,  so  bemerkt  man  eine  grosse  Anzahl  rundlicher  Löcher 
von  der  Grösse  von  0012  —  0016  Millim.  im  Durchmesser,  die 
wegen  ihrer  Trichterform  von  einem  zngeschärften  gegen  das  Centrum 
hin  stets  heller  werdenden  Bande  begrenzt  werden  (Fig.  44  c).  Diese 
Löcher  erseheinen  nicht  ganz  durchbohrt,  sondern  lassen  im  Hinter- 
gründe ein  feinporöses  Gewebe  durchscheinen  (6).  welches  eben 
die  zweite  Schichte  der  Stigmenplatte  bildet,  und  eigentlich  aus  der 
äussern,  harten  grosslöcherigeu  Chitinschichte  hervorgeht,  indem 
sich  von  der  innern  Oberfläche  derselben  sehr  feine  Balken  erheben, 
die  sich  verästeln,  und  unter  einander  in  mannigfachen  Bichtungen  zu 
einem  fein  porösen  Gewebe  verwachsen,  welches  die  innere  Fläche 
der  äussern  Schichte  gleichmässi^  überzieht. 

Die  Stigmenplatten  aller  Hypoderma-Laryen  haben  das  charak- 
teristische, dass  sich  das  felnp>  rose  Gewebe  von  der  innern  Fläche 


1 )   Bekanntlich  sind  j;i  <li<'  Embryone  aller  Thiere,  so  lange  siel:  dieselben  im  Mutterleibe 
beiluden,    i  itaserall inlr   :  liiere 


Vergleichende  Anatomie  i: n <1  Physiologie  iler  Östriden-Larven.  31 

der  Stigmenplatte  in  Form  von  bei  den  einzelnen  Species  verschieden 
gestalteten,  aber  stets  regelmässig  angeordneten  Fortsätzen  empor- 
hebt. So  sind  diese  Fortsätze  hei  Larven  von  Hypoderma  bovis  F. 
blätterig,  kammförmig.  Diese  Blättchen  sind  radienförmig  um  den  häu- 
tigen Theil  der  Stigmenplatte  gelagert.  Jedes  derselhen  besteht  aus 
einem  feinporösen  Chitingewehe.  Bei  Larven  von  Hypoderma  Actaeon 
Br.  werden  die  Fortsätze  von  konischen  Stäbchen  gebildet,  deren 
Oberfläche  dicht  mit  feinen  senkrecht  abgehenden  Nadeln  besetzt 
ist.  Eigenthümlich  sind  die  Fortsätze  an  der  innern  Fläche  der  Stig- 
menplatte  der  Larven  von  Hypoderma  Diana  B  r.  gebaut.  Hier  ist 
der  tubulöse  Typus  vertreten,  um  die  Concentrirung  einer  möglichst 
grossen  Quantität  von  Luft  in  einem  kleinen  Räume  zu  vermitteln.  Es 
geht  nämlich  ein  jedes  Löchelchen  der  äussern  harten  Schichte  der 
Stigmenplatte  in  eine  feine  Hauptröhre  über,  die  nach  innen  trich- 
terförmig endigt  und  von  deren  Wandungen  eine  grosse  Anzahl  von 
kleinen  zartwandigen  Röhrchen  als  eben  so  viele  Ästchen  abgehen, 
die  an  ihrem  freien  Ende  ebenfalls  trichterförmig  endigen.  Noch  ist 
zu  bemerken,"  dass  die  Larven  von  Hypoderma  Diana  und  die  aus 
der  Haut  der  Bezoarziege  unter  den  von  mir  untersuchten  Hypoderma- 
Larven  die  kleinsten  Stigmenplatten  haben,  und  nicht  Halbkreis  törinig 
wie  bei  den  übrigen  Larvengattungen  (Fig.  43) ,  sondern  ganz 
kreisförmig  sind. 

Bei  den  Larven  der  Cephenomyien  und  Cephalomyien  ist  die 
äussere  Schichte  der  Stigmenplatten  viel  dünner  und  weicher  als  bei 
Hypoderma-Lavxen,  lässt  sich  ohne  Maeeration  in  Säuren  leicht  zer- 
kleinern, und  zeigt  ausser! ich  kein  feinwarziges  Aussehen,  und  die 
Poren  haben  eine  ovale  Gestalt,  oder  stellen  elliptische  Spalten  dar» 
durcb  welche  das  feinporöse  Gewebe  an  der  innern  Seite  der  Stigmen- 
platten durchscheint  (Fig.  42  bb).  Die  Poren  haben  das  Charak- 
teristische, dass  sie  in  einer  mehr  weniger  regelmässigen,  meist 
radiär  verlaufenden  Richtung  um  den  membranösen  Theil  angeordnet 
sind  (Fi;?.  42).  Das  poröse  Gewebe  an  der  Innenfläche  der  Stig- 
menplatten  (innere  Schichte),  ist  in  Form  eines  einfachen  gleich- 
massigen,  feinschwammigen  Chitingewebes  ohne  besondere  Fort- 
sätze vertreten.  Während  die  äussere  Schichte  auch  hier  dunkel- 
braun gefärbt  ist,  ist  die  innere  (poröse)  Schichte  schön  gelb  irefärbt. 
Die    Haupttracheenstämme    gehen    sowohl    bei    i\ei\    Cephenomyia- 


32  Scheiber. 

und  Cephalomyia-  als  auch  bei  den  Hypoderma-Larven.  unmittelbar 
aus  der  innern  (schwammigen)  Schicht«'  der  Stigmenplatte  hervor. 

Analog  den  vorderen  Stigmenlöchern  bei  Gastrus- Larven  findet 
man  auch  Andeutungen  derselben  bei  den  anderen  drei  Larvengattun- 
gen,  die  übrigens  schon  Brauer  *)  als  charakteristische  Merkmale 
anführt.  Bei  Hypoderma-Larven  findet  man  an  jenen  Stellen  der  Rücken- 
seite,  wo  sich  die  hufeisenförmige  von  Brauer  sogenannte  Deckel- 
furche mit  der  ersten  Leibeseinschniirung  kreuzt  (beiderseits), 
eine  feine,  nur  bei  starker  Luppenvergrösserung  aufzufindende, 
trichterförmige  und  blind  endigende  Vertiefung.  Entsprechend  diesen 
zwei  Grübchen  findet  man  an  der  innern  Fläche  der  äussern  Haut  die 
vordere  Endigung  der  stark  verjüngten  zwei  seitliehen  Haupttra- 
cheenstämme. Bei  deren  nähern  Betrachtung  sieht  man  in  der  Nähe 
ihrer  Insertion  (an  die  innere  Fläche  der  Haut)  ein  kleines  astloses 
Trachealganglion2).  Von  diesem  aus  behält  die  Trachee  noch  eine 
kleine  Strecke  ihre  normale  Structur  (Fig.  45  c),  bis  sich  dieselbe 
in  einen  eigentümlich  gebauten  faserigen  Strang  (Fig.  45  a,  b), 
umwandelt,  der  sich  (bei  d)  in  die  Haut  spurlos  verliert. 

Dieser  Strang  besteht  aus  einer  äussern,  hyalinen,  viele  Fetltröpf- 
chen  im  Innern  enthaltende,  bindgewebigen  Röhret,  die  augenschein- 
lich die  Fortsetzung  der  äussern  bindegewebigen  Schichte  der  Tra- 
chee (c)  selbst  ist,  und  aus  einem  dünnen,  etwas  schlängelig  verlau- 
fenden Axenstrang  a,  der  aus  der  Chitinschichte  der  Trachee  her- 
vorzugehen scheint.  Diese  zwei  sogenannten  Trachea  I  stränge 
haben  viel  Ähnlichkeit  mit  den  im  ersten  Theile  der  Abhandlung 
beschriebenen  kolossalen  Nerven  3),  jedoch  fehlt  hier  der  eigentliche 
Anhaltspunkt  zu  einem  Nerven,  nämlich  eine  eigentümliche  Endi- 
gungsweise  an  der  Peripherie,  und  die  Insertion  an  die  zarthäutige, 
nicht  chitinisirte  Schichte  der  Haut. 

Auch  bei  Cephenomyia-  und  Cephalomyia-Lavxen  finden  sich 
Andeutungen  von  vorderen  Stigmen  vor,  die  kleine  Stigmenplatten 
vorstellen,  an  deren  Innenfläche  sich  die  vorderen  dünnen  Enden  der 
Körpertracheen  inseriren.  Diese  vordem  Stigmenplatten  haben  genau 
dieselbe  Structur  wie  die  hinteren,  entsprechen  ihrer  Lage  nach  den 


»)  L.  c. 

z)  Siehe  I.   Theil   dieser  Abhaiull.   (Fig.  499). 

')   S.  i.   Tbl.   p.  437   (Fig.   12). 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  33 

vordem  Stigmen  bei  Gastrus-  und  Ilypoderma-Larwen,  und  sind  bei 
Cephenomyien  etwas  grösser  und  mehr  über  die  Haut  vorspringend, 
als  bei  Cephalomyien. 

Es  mag  mir  nun  gestattet  sein  das  Gesetz  zu  untersuchen,  nach 
welchem  bei  diesen  Thierchen  die  Respiration,  respective  der  Gas- 
wechsel vor  sich  geht. 

Während  bei  Gastrus-  und  allen  rein  vvasserathmenden  Insecten- 
Larven  an  beiden  Diffusionsgrenzen  der  Mechanismus  des  Gas- 
wechsels nach  den  Gesetzen  der  Diffusion  der  Gase  durch 
feuchte  thieri  sehe  Membrane  vor  sich  geht,  beruht  der  Mecha- 
nismus des  Gasaustausches  hei  Hypoderma- .Cephenomyia-  undCepha- 
lomyia-LarYen  nur  ander  innern  Diffusionsgrenze  auf  den  erwähnten 
Gesetzen,  während  bei  dem  an  der  äussern  Diffusionsgrenze  hier  ein 
ganz  anderes  Gesetz  in  Betracht  kommt,  nämlich  das  Graham'sche 
Gesetz  der  Diffusion  der  Gase  durch  trockene  poröse 
Platten. 

Wir  haben  aus  dem  Baue  der  Stigmenplatten  dieser  drei  luftath- 
menden  Larvengattungen  der  Östridünfamilie  ersehen  ,  dass  das 
Tracheensystem  gegen  die  atmosphärische  Luft  durch  eine  fein- 
poröse Chitinplatte  abgeschlossen  ist.  Die  Gase  der  äusseren  Atmo- 
sphäre können  daher  mit  denen  der  Tracheen  blos  durch  die  porösen 
Stigmenplatten  einen  Diffusionsprocess  unterhalten,  welcher  nach  dem 
oberwähnten  Gra  ham  'sehen  Gesetze  vorsieh  geht.  Die  Bestimmung 
des  schwammigen  Chitingewebes  an  der  innern  Fläche  der  Stigmen- 
platte ist  auch  bei  diesen  Larven  offenbar  die  einer  Verdichtung  der 
Gase  vom  Tracheensystem  her,  damit  der  Gasaustausch  an  der  äussern 
Diffusionsgrenze  um  so  energischer  vor  sich  gehe. 
*\  Innere  Respiration- organe  der  Hypoderma-,  Cephenoinyia-  und 
Cephalouiyia  -  Larven. 

Wenige  Eigentümlichkeiten  ausgenommen  ist  der  Bau  der 
innerenUespirationsorgane  bei  allen  diesen  3  Larvengattungen  derselbe, 
und  reiht  sich  überhaupt  dem  allgemeinen  Typus  des  Tracheen- 
systems der  Dipterenlarven  vollkommen  an.  Es  fehlt  hier  das  soge- 
nannte Lungentracheensystem,  wie  es  bei  Gastrus-Larven  vorkommt, 
und  das  Körpertracheensystem  wird  blos  durch  2  einfache  dicke,  zu 
beiden  Seiten  des  Körpers  vom  hinteren  gegen  das  vordere  Ende 
desselben  verlaufende  Tracheenstämme  repräsentirt,  aus  denen  die 
primären  Äste  füv  alle  Organe  des  Körpers  entspringen.  Beide 
Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Ahth.  3 


34  S  e  h  e  i  b  e  r. 

Seitenstämme  stehen  durch  viele  kleine  und  zwei  Hauptanastomosen 
mit  einander  in  Verbindung.  Die  eine  viel  stärkere  Queranastomose 
liegt  hinten  knapp  am  Ursprünge  der  Haupttracheenstämme,  ist, 
weil  sich  diese  daselbst  fast  berühren,  sehr  kurz  und  liegt  an  der 
Oorsalseite  derselben.  Das  Lumen  dieses  Querastes  beträgt  fast  die 
Hälfte  desjenigen  der  Tracheenstämme  selbst;  unterhalb  dieser 
Queranastomose  zieht  der  Mastdarm  zwischen  den  beiden  Tracheen- 
stämmen zur  Aftermündung  hin. 

Die  andere  viel  schwächere  Queranastomose  liegt  vorne  zwischen 
1.  und  2.  Körperring,  und  verbindet  die  schon  sehr  dünn  gewordenen 
2  Haupltracheenstämme  fast  unter  rechtem  Winkel  mit  einander.  Die- 
ser Querast  ist  dünn,  und  verläuft  an  der  Dorsalseile  quer  über  den 
Schlund.  Vom  vorderen  der  durch  den  Abgang  dieses  Querastes  gebil- 
deten Winkel  ziehen  mehrere  feine  Tracheenzweige  nach  vorne  und 
innen  zur  Schlundmusculatur,  vom  hinteren  gehen  nebst  mehreren 
feineren  für  den  Ösophagus  und  die  umgebenden  Weichtheile  die 
bekannten  Tracheen  für  das  Ringganglion  »)  nach  hinten  und  innen 
ab,  um  in  die  Längsschenkel  des  Ganglions  einzutreten,  und  im 
Querschenkel  desselben  eine  Queranastomose  zu  bilden. 

Zu  den  Eigentümlichkeiten  des  Tracheensystems 
gehören  :  1 .  Die  nur  bei  Hypoderma-Lav\en  vorfiudbaren  Tracheen- 
blasen (Fig.  46),  die  ich  jedoch  constant  blos  bei  den  Larven  von 
Hypoderma  bovis  und  Actaeon  gesehen  habe.  Es  sind  deren  stets 
nur  zwei  vorhanden,  und  liegen  beiderseits  in  der  Mitte  des  Körpers, 
gewöhnlich  etwas  oberhalb  der  kugeligen  Ganglien  3).  Es  treten  aus 
denselben  eine  grössere  Anzahl  von  Tracheen  aus,  die  von  beiden 
Seiten  her  zum  Darmcanal  treten. 

2.  Die  sogenannten  Trachealganglien,  die  wir  schon  aus 
dem  I.  Theile  (pag.  435)  kennen.  Endlich  3.  Eigentümliche  bis 
jetzt  nur  bei  Hypodt'rma-LarYen  vorgefundene  Körperchen,  die  ich 
ebenfalls  in  diesem  Capitel  abhandeln  will,  weil  sie  zum  Tracheen- 
system in  irgend  einem  Verhältniss  zu  stehen  scheinen,  obwohl 
ich  über  ihre  eigentliche  Bedeutung  durchaus  nicht  im  Klaren  bin.  Sie 
stellen  meist  rundliche,  bald  kleinere  (nur  mit  Loupenvergrösserungen 
wahrnehmbare),  bald  grössere  (schon  mit  freiem  Auge  sichtbare), 
gelbliche,  bei  durchfallendem  Lichte  dunkel  gefärbte, bald  isolirt,  bald 

i)  Siehe  I.  Theil  der  Abhandlung  pitg.  &20  •!<■ 
')   L.  c.  |>ag\  437  ii.  441 . 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  35 

in  Gruppen  zu  4 — 8  beisammenliegende  Körperchen  dar  (Fig.  47 
c  c),  in  deren  jedes  ein  Tracheenzweigchen  (b  li)  eintritt,  welches 
sich  in  denselben  vielfach  verästelt.  An  den  aus  dieser  Verzweigung 
hervorgehenden  Ästchen  sitzt  eine  grosse  Menge  zelliger  Gebilde, 
entweder  unmittelbar  oder  mittelst  feiner  Stielchen  auf.  Dieses  feine 
Tracheengerüste  liegt  gleich  denNierenglomernli  der  höheren  Thiere 
knäuelformig  zusammengeballt  in  einer  stark  lichtbrechenden,  bei 
durchfallendem  Lichte  dunkelbraunen,  ziemlich  fest  zusammenhän- 
genden, wie  fettigmoleculär  aussehenden  Masse  eingebettet.  Die 
Zellen  (Fig.  48  b  b')  sind  0  004  —  0-006  Millim.  gross  mit  1  —  2 
stark  glänzenden,  kleinen  Kernen,  und  einem  stellenweise  feingranu- 
lären Inhalt  versehen. 

Über  die  Bestimmung  dieser  Körperchen,  die  sich  im  ganzen 
Körper  aller  Hypoderma-Larven  zerstreut  vorfinden,  und  äusserlich 
von  ähnlich  aussehenden  Gebilden  (wie  Trachealganglien ,  ein 
Klümpchen  von  Fettzellen  etc.)  nur  schwer  zu  unterscheiden  sind, 
liegen  nicht  die  mindesten  Anhaltspunkte  vor,  und  man  könnte  nur 
die  Muthmassung  aussprechen,  dass  sie  vielleicht  den  Lungenbläschen 
der  Gastriden  ähnliche  Einrichtungen  wären.  Es  wäre  indess  ebenso 
möglich,  dass  sie  dem  Circulationssystem  angehören,  und  vielleicht 
den  Lymphdrüsen  der  Wirbelthiere  ähnliche  Vorrichtungen  repräsen- 
tiren.  Merkwürdig  ist  es,  dass  man  dieselben  zelligen  Gebilde,  wie 
sie  in  den  beschriebenen  Körperchen  vorkommen,  auch  in  häutigen 
Organen  (Rückengefäss,  Darmcanal)  der  Hypoderma-Larven  überall 
dort  vorfindet,  wo  Tracheenverzweigungen  zu  sehen  sind. 

Die  Verästelungsweise  der  Tracheen  ist  bei  den  ver- 
schiedenen Larvengattungen  eine  verschiedene.  Bei  den  Gastrus- 
und  Cephenomyia-Lürven  ist  sie  einfach  baumförmig,  indem  ein 
Tracheenstamm  nach  kürzerem  oder  längerem  Verlaufe  zahlreiche 
Seitenäste  abgibt,  und  endlich  in  zwei  oder  mehrere  sich  fort  und  fort 
theilende  Zweige  zerfällt.  Bei  Hypoderma-L'aryen  ist  die  Art  der 
Verzweigung  eine  andere.  Die  von  den  Haupttracheenstämmen 
abgehenden  primären  Zweige  geben  keine  Seitenäste  ab,  sondern 
zerfallen  nach  kurzem  Verlaufe  einfach  in  6 — 12  secundäre  Zweige, 
die  für  sich  wieder  einfach  sind  und  nach  kurzem  Verlaufe  plötzlich 
in  ein  Büschel  von  sehr  zahlreichen  feinen  Tracheen  zerfallen.  Bei 
Cephalomyia-Larven  verhält  sich  die  Sache  ähnlich,  nur  sind  die 
secundären  Äste    unmittelbar    vor    ihrem   Zerfallen    in   das   Büschel 

3« 


36  Scheib   e  r. 

feiner  Tracheen  (3.  Ordnung)  entweder  einfach  verengert,  oder 
es  folgt  nach  der  Verengerung  noch  eine  plattgedrückte  blasen- 
förmige  Erweiterung  mit  verschiedenen  Ausbuchtungen,  aus  welcher 
erst  der  feine  Tracheenbüschel  hervorgeht.  Die  Tracheen  dieses 
Büschels  sind  aber  weder  so  zahlreich  noch  so  fein,  wie  bei  denen 
der  Hypoüermen-Larven. 

Über  die  Endigungs w eise  und  Innervation  der  Tracheen 
gilt  das  schon  bei  Gastrus-LuvYen  angegebene. 

E.  Feinerer  Bau  der  Tracheen. 

Die  Tracheen  sind  mit  Ausnahme  der  Cephalomyien,  wo  sie 
von  oben  nach  unten  flach  gedrückt  sind,  bei  allen  Östriden-Larven 
cylindrische  Röhren,  deren  Wand  aus  mehreren  Schichten  besteht. 
Über  die  Zahl  und  den  Bau  dieser  Schichten  sind  die  Entotomen  nicht 
gleicher  Ansicht.  Die  meisten  Angaben  der  älteren  Forscher,  wie 
S c h  wammerdam1),  Ly  o  n  e  t  *),  Strauss-Durkheim3),  so  wie 
die  der  meisten  neueren,  wie  Siebold4).  Frey  und  Leukart5), 
stimmen  darin  überein,  dass  die  Tracheen  aus  3  Häuten  bestehen, 
aus  einer  äusseren,  glashellen,  structurlosen  (Peritoneal-),  einer 
inneren  (Epithelial-)  und  einer  mittleren,  die  Spiraltouren  tragenden 
(Chitin-)  Haut.  Schon  Sprengel6)  leugnete  indess  die  sogenannte 
Epithelialhaut,  und  sah  sie  als  Verbindungshaut  der  Spiralfasern  an. 
Leydig  7)  ,  spricht  blos  von  2  Häuten  der  Tracheenwand,  von  einer 
äusseren,  bindegewebigen  und  einer  inneren,  Chitinmembran. 

Der  Ansicht  Leidig's,  dass  es  keine  sogenannte  Schleimhaut 
mit  Pflasterepithel  gälte,  so  wie  der  Vorstellung  dieses  Autors  von  der 
den  Spiralfaden  führenden  Chitinmembran ,  muss  ich  vollkommen 
beitreten;  es  belehrten  mich  jedoch  meine  Untersuchungen  an  den 
Östriden-Larven,  dass  die  Tracheenwand  nicht  aus  zwei,  sondern, 
aus  drei  deutlich  von  einander  isolirbaren,  und  auch  in  Querschnitten 
darstellbaren  Häuten  besteht,    nämlich  aus  einer  äusseren  (peri- 

')    Bibel  riet   Natur. 

*)  De  la  Chenille,   PI.  V. 

3)  Des  animaux  »rtieulaires,  Pi.  6. 

4)  Vergleichende  Anatomie  Her  wirbellosen  Thiere.  1847. 
•"■)   Lehrbuch  der  Anatomie  der  wirbellosen  Thiere.   1847. 

6)  De  pari.  quib.  Insect.  spirit.  ducunl. 

7)  Vergleichende  Histologie  I8.'J7. 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  37 

tonealen),  einer  inneren  (Chitin-)  und  einer  mittleren,  bei  den 
verschiedenen  Larvengattungen  verschieden  beschaffenen  (der  chiti- 
nogenen  Schichte  der  äussern  Haut  analogen)  Membran. 

Die  Peri  I  onea  I  sc  hiebt  e  besteht  bei  allen  Larvengattungen 
(Fig.  49,  50  und  51  «)  aus  einer  glashellen  strukturlosen,  mit  ein- 
gestreuten Körnen  (Fig.  50  c,  Fig.  49  «')  versehenen  Membran,  die 
bei  Gastrus-Larxen  nur  lose,  bei  den  andern  aber  eng  an  die  mittlere 
Schichte  anliegt. 

Die  innerste,  das  Lumen  der  Trachee  unmittelbar  begrenzende 
Schichte,  ist  die  Chitinschichte  (Fig.  49  c),  welche  schon  manchmal 
an  und  für  sich,  d.  h.  zwischen  den  ihr  aufgelagerten  Spiralfäden 
ziemlich  dick  ist,  wie  dies  an  Querschnitten  (Fig.  51  c)  ersichtlich 
ist.  Sie  hat  nicht  immer  blos  nach  innen,  sondern  auch  nach  aussen 
Hervorragungen,  u.  z.  entweder  in  Form  von  wirklichen  Spiraltouren 
oder  Querreifen  (Fig.  49  e) ,  oder  aber  in  Form  von  unregelmässig 
welligen  Erhabenheiten  (Linie  zwischen  c  und  b,  in  Fig.  51).  Je 
ein  nach  innen  vorspringender  Spiralfaden  ist  bald  schmal,  bald  breit, 
bald  glatt,  bald  gerieft  (Fig.  51  e).  Die  diese  inneren  Vorsprünge 
begrenzende  scharf  contourirte  Linie  (Fig.  51  f)  erweckte  anfangs 
die  Idee  von  einer  4.  (Schleimhaut-)  Schichte;  da  ich  aber  dieselbe 
nie  darstellen  konnte  und  auch  jeder  andere  positive  Anhaltspunkt 
zu  dieser  Annahme  fehlt,  so  zweifle  ich  an  die  Existenz  einer  solchen 
Schichte,  und  halte  diesen  schwarzen  und  scharfen  Contour  als  eine 
optische  Täuschung,  als  den  Ausdruck  eines  eigen thümlichen  Licht- 
reflexes an  der  scharfen  Berandung  der  im  Querschnitt  sehr  dünnen 
Chitinlamelle,  Die  Spiralfäden  selbst  verästeln  sich  manchmal,  und  nicht 
selten  sieht  man  zwischen  2  Spiralfäden  einen  neuen  beginnen.  In 
manchen  breiten,  bandförmigen  Spiralfäden  sieht  man  längliche,  ovale 
Lücken  und  Fensterchen  (Cephenomyia-Lwrxen).  Indem  sich  die  zwei 
äusseren  Meinbraue  an  die  äusseren  Erhabenheiten  der  Chitinschichte 
eng  anlegen,  erscheinen  sie  gefaltet  (Fig  50  e  e). 

Die  mittlere  Schichte  besteht  bei  llypoderma-  und  Cephenomyia- 
Larven  (Fig.  50  und  51  bb )  aus  einer  structurlosen  Bindegewebs- 
membran,  in  welcher  grosse,  runde,  ovale  oder  polygonale  Zellen  (d) 
mit  einem  Kerne  und  einem  krümmlichen  Inhalt  eingestreut  sind, 
und  der  inneren  chitinogenen  Membran  der  äusseren  Haut  vollkommen 
ähnlich  gebaut  ist.  Während  der  Präparation  sind  hie  und  da  die 
Zellen  herausgefallen  (Fig.  50  d' ).  Bei  Cephalomyia-Lnrven  konnte 


38  S  c  h  e  i  b  e  r. 

ich  diese  Schichten  nicht  als  eigentliche  Membran  präpariren,  in- 
dem sie  hier  von  einer  continuirlichen  Schichte  dicht  an  einander 
gedrängter,  kleiner,  poligonaler,  eigenthümlich  fettig  glänzender, 
kernhaltiger  Zellen  gebildet  wird  ,  welche  die  Chitinschichte  mit 
ihren  Spiraltouren  nicht  klar  und  rein  durchscheinen  lassen,  darum 
die  Tracheen  bei  Cephalomyia  maculata  ein  trübes,  wie  bestaubtes 
Aussehen  haben.  Bei  Gastrus- Larven  zeigt  sich  diese  Schichte, 
(Fig.  49  b)  als  eine  hyaline,  opake,  bald  ziemlich  breite,  bald  bis 
zur  Unwahrnehmharkeit  schmale  Haut,  welche  die  Chitinschichte  wie 
eine  trübe  Wolke  umgibt,  und  sich  an  deren  Erhabenheit  anschmiegt; 
ich  konnte  weder  zellige  Gebilde  noch  Kerne  in  ihr  wahrnehmen, 
und  konnte  sie  überhaupt  nur  dadurch  deutlich  als  gesonderte  Schichte 
erkennen,  dass  sie  durch  ihren  matten  Glanz  und  grünliche  Färbung 
von  der  äusseren  hyalinen  bläulich  glänzenden  Peritonealschichte  ab- 
sticht, und  von  dieser  stellenweise  losgelöst,  durch  eine  grössere  oder 
geringere  Menge  wasserklarer  Flüssigkeit  gesondert  erscheint.  Wenn 
derartige  Stellen  mit  solchen  in  kurzen  Intervallen  abwechseln,  wo 
die  äussere  und  mittlere  Membran  sich  berühren,  bekommt  die  Tra- 
cheenach  ihren  äusseren  Contouren  das  Aussehen  einesRosenkranzes, 
welches  Aussehen  übrigens  auch  bei  Nervenfasern  nicht  selten  ange- 
troffen wird. 

Wegen  der  eben  geschilderten  Natur  der  zweiten  Schichte  der 
Tracheen  bei  GVr^rws-Larven  übersah  ich  anfangs  dieselbe  und  war,  da 
ich  meine  ersten  Untersuchungen  über  diesen  Gegenstand  an  diesen 
Larven  anstellte,  zuerst  auch  der  Meinung,  dass  die  Tracheenwand 
aus  2  Schichten,  aus  einer  äusseren,  peritonealen,  und  einer  inneren 
Chitinschichte  bestehe.  Erst  nachdem  ich  die  Structur  der  Tracheen 
auch  an  den  übrigen  Gattungen  studirte,  und  ich  nicht  blos  von  der 
den  Spiralfäden  tragenden  Schichte  solche  Membranstücke  abziehen 
konnte,  wie  Fig.  SO  zeigt,  in  welchem  deutlich  2  Membrane  zu 
unterscheiden  sind,  sondern  mir  sogar  an  den  Tracheenwurzeln  von 
Hypoderma-Lnryen  gelungen  ist,  auch  alle  zwei  äusseren  Häute 
gesondert  von  der  dritten  Schichte  abzuziehen,  wurde  ich  auch  auf 
die  mittlere  Schichte  hei  Gastvus- Larven  aufmerksam,  wo  sie  so 
deutlich,  wie  sie  Fig.  49  zeigt,  auch  nur  selten  anzutreffen  ist. 
Gelungene  Querschnitte  (Fig.  51)  bestätigten  alles  dieses. 

In  Hinsicht  der  Bedeutung  und  Abstammung  der  3  Schichten 
der  Tracheenwand,  glaube  ich  bemerken  zu  müssen,  dass  die  innerste 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östrideu-Larven.  30 

den  Spiralfaden  tragende  Schichte  als  eine  Fortsetzung  der  an  den 
Stigmenlöchern,  respective  Stigmenplatten  sich  fortsetzenden  (einge- 
stülpten) äusseren,  chitinisirten  Schichte  des  äusseren  Integumentes, 
sowie  auch  als  Analogen  der  innersten  Cuticular schichte  des  Darm- 
canales  aufzufassen  ist.  Die  mittlere  (chitinogene)  Schichte  ist  als 
Fortsetzung  der  inneren  nicht  chitinisirten  Haut  des  äusseren  Integu- 
mentes, und  als  Analogon  der  aus  der  Membrana  proprio,  und  Epi- 
thelium  bestehenden  2  Schichten  des  Darmcanales  (siehe  weiter 
unten  im  Capitel  vom  Digestionssystem),  die  äusserste  Schichte  end- 
lich als  Analogon  der  Peritonealschichte  des  Darmcanales  und  des 
Rückengefässes  anzusehen. 

Die  Tracheen  behalten  die  eben  geschilderten  Structurverhält- 
nisse  bis  in  ihre  Verästelungen  3.  und  4.  Ordnung  hei;  mit  dem 
Dünnerwerden  derselben  sind  die  zwei  äusseren  Schichten  immer 
schwerer  von  einander  zu  unterscheiden,  und  bei  jener  Dünne,  wo 
der  Spiralfaden  der  Tracheen  geschwunden  ist,  sind  die  zwei  äusseren 
Schichten  vollkommen  mit  einander  verschmolzen,  so  dass  die 
capilläre  Trachee  blos  aus  2  Schichten,  einer  äusseren  binde- 
gewebigen, und  einer  inneren  (Chitin-)  Membran  besteht. 

Die  Structur  der  bei  IJypoderma-  Larven  vorfindigen  zwei 
T  r  a  cheenblasen(Fig.  51  d)  unterscheidet  sich  wesentlich  innichts 
anderem  von  der  der  übrigen  Tracheen,  als  dass  die  Auflagerungen  an 
der  innersten  (Chitin-)  Membran  nicht  die  Form  von  Spiralfäden  beibe- 
halten, sondern  erscheinen  in  Form  länglicher  Plaques,  die  nach  allen 
Richtungen  sich  verästigende  Strahlen  aussenden,  welche  mit  denen 
anderer  Plaques  communiciren,  so  dass  das  Ganze  einem  Netzwerk 
ähnelt,  welches  von  Knochenkörpercheu  ausgeht. 


F  ü  N P T ES    C  A  P I T  E L. 


Das  chylo-  und  uropoetische  System. 

Hier  werden  wir  nicht  minder,  wie  in  den  übrigen  Systemen  des 
Körpers  bedeutende  Unterschiede  im  Baue  der  einzelnen  Bestand- 
teile der  verschiedenen  Larvengattungen  vorfinden.  Es  kommen  bei 
der   einen   Gattung  z.   B.  Organe   vor,  die    bei  der    anderen  ganz 


40  Scheiter. 

fehlen,  und  dasselbe  Organ  tritt  oft  bei  der  einen  Gattung  in  einer 
ganz  andern  Anordnung  auf,  als  bei  der  anderen. 

Wir  werden  die  in  dieses  Capitel  gehörigen  Organe  in  folgen- 
der Ordnung  abhandeln:  1.  Äussere  Mundtheile  und  Schlund; 
2.  Darmcanal;  3.  Speicheldrüsen;  4  M  alpighi'sche  Gefässe  ; 
5.  Fettkörper. 

1.  Die  äusseren  xWundtheile  und  der  Schlund. 

Der  eiste  Körperring  unserer  „kopflosen"  Larven  trägt,  wie  wir 
schon  aus  dem  ersten  Theile  (S.  453)  wissen,  zuvörderst  die  beiden 
Fühler,  die  nur  bei  Hyj)oderi7ia-Lnvven  fehlen,  wo  sie  blos  durch 
zwei  schwarze  Punkte  angedeutet  sind.  Gleich  unterhalb  der  Fühler 
befindet  sich  die  MundÖffnung,  die  zu  beiden  Seiten  Mundhaken 
besitzt,  die  das  Thier  in  die  betreffende  Schleimhaut  des  Wohnthieres 
einhakt,  und  sich  so  an  dieselbe  anklammert.  Dw  die  }]y poderma-Lar\en 
ihr  ganzes  Larvenleben  in  einem  unter  der  Haut  des  Wohnthieres 
liegenden  Hohlsack  fristen,  bedurften  sie  keiner  Haken,  ihr  Mund  ist 
demnach  unbewaffnet  *)•  Es  ist  bis  jetzt  noch  nicht  bekannt,  ob  diese 
Larven  gleich  ohne  Haken  zur  Welt  kommen,  oder  ob  sie  solche  in 
der  ersten  Jungendzeit  factisch  besitzen,  und  selbe  erst  dann  ver- 
lieren, nachdem  sie  sich  in  die  Haut  des  Wohnthieres  eingebohrt 
haben.  Letzteres  ist  wohl  das  Wahrscheinlichere,  da  es  sonst  nicht 
begreiflich  wäre,  wie  sich  die  kleinen  Thierchen  in  die  Haut  eines 
Rindes  selbst  nur  in  einen  Follikel  derselben  einbohren  könnten; 
andererseits  ist  es  noch  nicht  gelungen,  die  Haken  in  einer  derartigen 
Beule  einer  Rindshaut  nachzuweisen2). 


')  Die  ebenfalls  unter  der  Haut  verschiedener  Thiere  lebenden,  exotischen  Larvengattun- 
geu  Cuterebra  Clk.  und  Dermatubia  Br.  haben  hingegen  Mundhaken.  S.  Fr.  Brauer 
„über  den  sogenannten  Oestrtis  hominis",  und  „über  die  Larven  der  Gattung  Cutere- 
bra Cl  k.  (Verhandlungen  der  k.  k.  zoologisch-botanischen  Gesellschaft  zu  Wien. 
Jahrg.  1860,  S.  57—72  und  777—786). 

2)  Nach  der  Untersuchung  des  Herrn  Professor  Wedl  ist  über  die  Structurverhäitnisse 
der  Kapsel,  in  welcher  die  Rindbremsenlarve  lebt,  folgendes  zu  bemerken:  Die 
Rinderhaut  zeigt  entsprechend  einer  sogenannten  Dasselheule  an  ihrer  Aussenflache 
eine  nabelformige  Vertiefung,  die  durch  einen  für  einen  feinen  Tubus  durchgängigen 
Canal  in  die  Kapsel  führt,  deren  Wandung  2 — 3  Millim.  dick  ist,  und  so  enge  den 
Larvenkörper  umgibt,  dass  an  ihrer  innern  Oberlliiche  der  Abdruck  des  letzteren 
wahrzunehmen  ist.  An  der  Kapselwand  sind  mehrere  Schichten  zu  unterscheiden.  Die 
innerste  besteht  aus  einem  schmutzig  gelblichen  Belege,  welcher  runde,  ovale  mit 
Fettmolekülen  besetzte  Kerne  enthalt,  welche  in  Lagen  von  Bindegewebsbündeln  ein- 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  41 

Die  Haken  der  3  übrigen  Larvengattungen  sind  durchgehends 
gleich  gebaut.  Sie  sind  mit  dem  innerhalli  des  1.  Ringes  liegenden 
Schlundgerüste  beweglich  verbunden.  Fig.  52  A  zeigt  das  ganze 
Schlundgerüste,  dessen  einzelne  Bestandteile  aus  harten,  dunkel- 
gefärbten Chitinplatten  bestehen:  a,  d,  a  ist  das  von  Schröder  van 
der  Kolk  (bei  Gustrus-hwvyen) sogenannte oshyoideum,  welches  der 
Grundpfeiler  des  ganzen  Gerüstes  ist,  indem  sich  an  seinen  vor- 
deren Rand  d  die  Haken  (b  b'  b)  ,  an  seinem  hinteren  Rande  die 
Schlundflügel  (c  c)  befestigen. 

a)  Das  os  hyoideum  ist  eine  U-förmig  gebogene,  schwarze,  harte 
und  spröde  Chitinplatte  (Fig.  52  B,  a),  deren  gebogener  Theil  gegen 
die  Bauch-  die  beiden  Ränder  aa  (in  Fig.  52  Ä)  gegen  die  Rücken- 
seite gewendet  sind;  die  dem  Leser  zugewendete  Fläche  des  os  hyoid. 
ist  nach  innen  gekehrt;  das  os  hyoideum  ist  also  gegen  die  Bauchseite 
hin  geschlossen,  gegen  die  Bückenseite  offen,  und  wird  theils  durch 
gegenseitige  Berührung  zweier  innerhalb  desselben  gelegenen  Muskeln 
(Fig.  52  B,  c)  theils  durch  die  Einschürzung  des  äusseren  Integu- 
mentes  über  das  os  hyoideum  (Fig.  52  B,  b)  zu  einer  vollständigen 
Bohre  (d)  geschlossen.  Der  vordere  Rand  des  os  hyoideum  (Fig.  52 
A,  d)  zeigt  zu  beiden  Seiten  zwei  seichte  Facetten,  zwischen  denen 
ein  halbmondförmiger  x\usschnitt  liegt. 

b)  Die  H  a  k  e  n  (Fig.  52  A,  b'  6  )  sind  von  beiden  Seiten  her  flach 
gedrückt,  und  im  Zustande  der  Passivität  mit  ihrem  horizontalen  Theile 
(6')  parallel  und  mit  ihren  Spitzen  gegen  die  Bauchseite  des  Thieres 
gerichtet;  ihre  gewöhnliche  Lage  entspricht  daher  einer  auf  die  Zeich- 
nung senkrechten  Richtung.  Der  Stiel  der  Haken  (66)  ist  breit,  stark 
gebaut,  und  imThiere  so  gestellt,  dass  der  glatte  (äussere)  Band  gegen 
die  Bücken-,  der  mit  2  Fortsätzen  (i,k)  versehene  (innere)  Band  gegen 
die  Bauchseite  gerichtet  ist;  der  hintere  Band  hat  2  Facetten  ,  mittelst 


gebettet  sind;  ferner  kann  man  auch  in  2 — 3  Sj>it/.en  ausgezogene  mit  einander  zu- 
sammenhängende Kerne  (Kernfasern)  wahrnehmen.  Die  übrigen  Schichten  --ind  Lagen 
von  faserigen  Biudegewebsliündeln,  welche  nach  aussen  schwieligen  Charakter  an- 
nehmen, und  mittelst  lockeren  Bindegewebes  mit  der  Riudshaut  zusammenhängen.  Sie 
sind  sehr  blutreich,  mit  BliUpunkten  und  häufigen  Stipulationen  durchsetzt.  Besonders 
ist  die  mittlere  Schichte  der  Sitz  blutiger  SufFusionen,  das  Gewebe  ist  hier  mehr 
geröthet,  im  Gefiige  lockerer,  und  man  findet  als  Zeichen  geschehener  Blutexlravasate 
nicht  nur  viel  angehäuftes  Pigment,  sondern  auch  Hämatoidiukrystalle.  Zu  innerst 
liegt,  wie  schon  oben  beschrieben  wurde,  in  retrograde  (fettige)  Metamorphose 
bpgrffeues  embryonales  Bindegewebe. 


42  Scheiber. 

denen  die  Haken  mit  dem  os  hyoideum  durch  elastische  Chitinbänder 
beweglich  verbunden  sind.  Da  das  os  hyoideum  U-förmig  gebogen, 
der  hintere  Rand  des  Stieles  der  Haken  aber  geradlinig  verläuft,  so 
wird  die  gegen  den  Fortsatz  (/)  gelegene  Hälfte  dieses  Randes ,  also 
auch  der  Fortsatz  i  selbst,  frei  über  den  vordem  Rand  des  os  hyoi- 
deum hervorragen,  so  dass  der  Haken  mittelst  des  hintern  Randes  sei- 
nes Stieles  auf  dem  vordem  Rand  des  os  hyoideum  gleich  einem  zwei 
armigen  Hebel  balanciren  wird;  das  Hypomochlion  des  Hebels  liegt 
dort,  wo  der  hintere  Rand  des  Hakenstieles  den  vordem  Rand  des 
os  hyoideum  verlässt.  Der  mit  dem  vordem  Rand  des  os  hyoideum 
bänderig  verbundene  Theil  des  hintern  Randes  des  Stieltheiles  bildet 
den  längern  Hebelarm,  der  freie  Theil  desselben  den  Kürzern. 

Der  Fortsatz  i  ragt  aus  der  Ebene  des  (breiten)  Stieles  unter 
einem  stumpfen  Winkel  nach  aussen  hervor.  Wenn  man  sich  nun 
beide  Haken  zu  einander  parallel  gestellt  denkt  (mit  den  Spitzen  der 
Schnabeltheile  hinter  die  Zeichnung),  so  werden  durch  die  Wirkung 
jener  Muskeln,  welche  von  der  äussern  Fläche  der  Schlund- 
flügel entspringen  und  sich  an  den  Fortsatz  i  anheften  (äussere 
Schlundmuskeln),  die  Haken  so  nach  aussen  gedreht,  dass  sich  nicht 
nur  die  Spitzen  (Drehung  um  die  Längsaxe  der  Stieltheile),  sondern  auch 
die  Stiele  derselben  von  einander  entfernen. 

Eine  dieser  entgegengesetzten  (convergirenden)  Bewegung  der 
Haken  wird  durch  die  Wirkung  der  sogenannten  inneren  geraden 
Schi  und muskeln  (<?  e)  erzielt.  Dieise  Muskeln  entspringen  an  der 
innern  Fläche  der  Schlundplatten,  ziehen  durch  den  innern  Raum 
des  os  hyoideum  zu  den  Haken,  an  deren  innere  Fläche  sie  sich 
anheften.  Mit  Hilfe  dieser  Bewegung  werden  die  Spitzen  der  Haken- 
theile  so  einander  genähert,  dass  sie  sich  zu  einer  einzigen  Spitze 
zusammensetzen.  In  diesem  Zustande  werden  nun  die  Haken  in  die 
Schleimhaut  des  beireffenden  Wohnthieres  gestossen;  innerhalb  der 
gemachten  Wunde  tritt  sodann  eine  divergirende  Bewegung  der  Haken 
ein,  und  das  Thier  haftet  nun  so  fest  an  die  Schleimhaut,  dass 
bei  einem  Versuche  dasselbe  von  letzterer  Ioszureissen,  häufig 
die  Haken  brechen,  oder  die  Schleimhaut  durchreisst  *). 


l)  Über  den  Heilungsprocess  der  von  Gastrus  equi  im  Pferdemagen  zurückgebliebenen 
Wunden  ist  nach  der  Untersuchung  des  Herrn  Prof.  Wedl  folgendes  zu  bemerken: 
Die  Lücke  ist  1 — 2  Millim.  breit  und  '1  Millim.  lief.  Der  Eingang  in  die  Höhle  ist 
gewulstet,  in  diese  lagert  sich  allmählich  Epithel  ab,  das  bei  der  allinaiicheu  Ver- 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  43 

c)  Die  Schlundflügel  (Fig.  52  A,  c  &  c)  erscheinen  in 
der  Figur,  so  wie  das  os  hyoideum  gleich  einem  aufgeschlagenen 
Buch  auseinander  gelegt,  während  sie  im  natürlichen  Zustande  so 
gestellt  sind,  wie  die  ihren  Querschnitt  darstellende  schematische 
Zeichnung  (Fig.  53  c  c'  c)  zeigt.  Der  U-fÖrmig  gebogene  Theil  der 
Schluudplatten  (Fig.  53  c'  und  in  Fig.  52  A,  der  zwischen  den 
Linien  c"  c"  gelegene  Theil  c)  liegt  im  Körper  nach  unten  (gegen 
die  Bauchseite)  ,  die  (sich  berührenden  Seiten-)  Ränder  (Fig.  52 
A,  c  c)  nach  oben  (gegen  die  Rückseite  ,  Fig.  53  rf).  Die  dem  Leser 
zugewendete  Fläche  der  Schlundplatten  (in  Fig.  52  A)  ist  nach 
innen  gekehrt.  Die  zwei  Demarcationslinien  (Fig.  52  A  c"c"^)  sollen 
jene  der  innern  Fläche  der  Schlundflügel  entlang  verlaufende  In- 
sertionslinien  bezeichnen,  an  welchen  die  von  einer  Linie  zur  andern 
bogenförmig  verlaufende,  continuirliche  Reihe  von  Muskelfasern 
(Fig.  52  A  und  53  /)  ihren  Ursprung  nehmen. 

Die  Schlundplatten  sind  an  ihrem  vordem  Rande  am  dicksten; 
dieser  Rand  ist  mittelst  Chitinbändern  mit  dem  hinteren  Rande  des 
os  hyoideum  in  fester  Verbindung.  Die  zwei  seitlichen  (Fig.  52  A, 
c  c)  und  die  hinteren  Ränder  sind  zugeschärft.  Jene  (in  natürlicher 
Lage  obern)  Ränder  sind  geradlinig;  diese  abgerundet,  und  ver- 
leihenden Schlundplatten  im  auseinander  gelegten  Zustande  eine  ent- 
fernte Ähnlichkeit  mit  den  entfalteten  Flügeln  eines  Schmetterliuges. 
Der  mittlere  Theil  der  Schluudplatten  c'  wird  nach  hinten  immer 
dünner,  bis  er  unmittelbar  in  die  feine,  innerste  (Chitin-)  Membran 
des  Ösophagus  (Fig.  52  A,  h)  übergeht. 

Die  Muskelschichte  (Fig.  52  A  und  53  f)  bildet  eine  continu- 
irliche, sich  vom  vordem  Rande  der  Schlundflügeln  bis  zum  hintern 
Rande  derselben  (respective  bis  zum  Beginn  des  Ösophagus)  dicht 
hintereinander  wiederholende  Reihe  von  halbkreisförmigen  Mus«- 
kelbündeln,  die  zusammen  einen  Halbeanal  bilden,  der  sich  mit  jenem 
Halbcanal,  welchen  der  mittlere  Theil  der  Schlundflügel  c  bildet, 
zu  einer  geschlossenen  Röhre  zusammensetzt,  die  die  Mundöffnung 
mit  dem  Ösophagus  verbindet,  und  somit  den  eigentlichen  Schlund 


Schliessung  der  Höhle  durcli  neu  gebildetes  Bindegewebe  emporgehoben  wird, 
und  in  Form  einer  Favus- Borke  in  mehrfachen  Schichten  aufsitzt.  Die  Färbung 
der  Narbe  ist  eine  schmutzig-gelbe,  bedingt  durch  Nekrose  des  Epithels  und 
zahlreiche  zwischen  dieses  gelagerte  stäbchenartige  Öacillarien.  Zuletzt  bleibt  nur 
mehr  noch  eine  schüsselförmiffe  Vertiefung  zurück. 


44  S  c  h   e   i  b   e  r. 

oder  den  Schlundcanal  der  Larve  darstellt  (Fig.  53  h).  Der  mus- 
culäre  Halbcanal  wird  an  der  dem  Lumen  der  Röhre  zugewendeten 
Seite  vom  Perimisium  der  Muskelfasern  ausgekleidet,  während  der 
andere  Halbcanal  gar  keine  zarthäutige  Auskleidung  besitzt,  sondern 
die  Chitinplatte  seihst  frei  zu  Tage  liegt. 

Die  halbkreisförmigen  Muskelfasern  werden,  indem  sie  zwischen 
den  Schlundplatteu  hervorkommen  (am  Beginne  des  Ösophagus)  ganz 
kreisförmig,  und  setzen  sich  in  dieser  Form  als  Muscularis  des  Öso- 
phagus fort.  Die  halbcanalförmige  Chitinwand  wird  gegen  den  hintern 
Rand  der  Schlundflügel  immer  dünner,  und  ist  an  diesem  Rande 
selbst  schon  so  zarthäutig,  dass  sie,  indem  sie  sich  (am  Beginn  des 
Ösophagus)  in  eine  vollständige  Chitinröhre  umwandelt,  sich  als 
innerste  Chitinmembran  des  Ösophagus  in  diesen  fortsetzt.  Diese 
zarte  Chitinröhre  wird  sogleich  am  hintern  Rande  der  Schlundplatte 
durch  die  kreisförmig  gewordenen  Muskelfasern  des  musculären 
Halbcanales  umschlossen,  und  zwischen  beiden  Schichten  schieben 
sich  gleichzeitig  mit  der  Entstehung  dieser,  2  neue  Schichten  ein, 
welche  im  Ösophagus  als  Epithelschichte  und  Membrana  propria 
erscheinen.  Um  die  Entstehung  dieser  2  Schichten  zu  verstehen,  müssen 
wir  zunächst  in  Betracht  ziehen,  dass  das  ganze  Schlundgerüste 
durch  Einstülpung  des  äusseren  Integuinentes  (sowohl  der  äussern, 
chitinisirten,  als  der  innern  nicht  chitinisirten  Schichte  desselben) 
entstanden  ist.  Die  chitinisirte  Schichte  hat  im  Schlundgerüste  in 
Hinsicht  der  Consistenz  und  Formbildung  wesentliche  uns  schon  be- 
kannte Veränderungen  erlitten.  Die  nicht  chitinisirte  Schichte 
(chilinogene  Membran)  überzieht  einfach  die  äussere  Fläche  des 
Schlimdgerüstes  und  der  Schlund  platten.  Diese  Membran  besteht  be- 
kanntlich aus  einer  structurlosen  Grundmembran  mit  einer  ein-  oder 
aufgelagerten  Zellschichte  (chitinogene  Zellschichte) ;  letztere  liegt 
natürlich  auf  der  der  chitinisirten  Schichte  zugewendeten  Seite  der 
Grundmembran.  Da  nun  der  mittlere  Theil  der  Schlundplatten  c'  sich 
zur  innersten  Chitinmembran  des  Ösophagus  umwandelt,  so  muss 
der  die  Schlniidplatten  nach  aussen  übeziehende  chitinogenen  Mem- 
bran ein  ähnliches  Schicksal  zu  Theil  weiden,  und  es  wandelt  sich 
daher  die  Chitinzellenschichte  derselben  zum  Epithel,  die  sfructur- 
lose  biudegewige  Grundmembran  derselben  zur  Membrana  propria 
des  Ösophagus  um.  Nun  folgt  erst  nach  aussen  die  Muscularis  als 
4.  Schichte  des  Ösophagus,  und  als  5.  Schichte  desselben  die  (nach 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  45 

Leydig)  aus  der  Verdichtung  des  umgebenden  Bindegewebes  (Fett- 
körperzellen) entstandene  P  e r i t o  n ea  1  s  ch i  c b  t  e. 

Die  innere  Fläche  der  Seitenplatten  d<jr  Schlundfiügel  ist  ihrer 
ganzen  Länge  nach  mit  jenen  querverlaufenden  Muskelbündeln 
(Fig.  52  A  und  53  gg)  bedeckt,  die  ich  zum  Unterschiede  von  den 
halbkreisförmigen  (f)  und  den  geraden  innern  (Fig.  52^L  e) 
als  quere  Schlundmuskeln  bezeichnen  will.  Die  auf  jeder  Seite 
liegenden  Muskelbündeln  haben  zusammen  ein  gemeinschaftliches 
äusseres  (an  die  Seitenplatten  anliegendes)  und  ein  gemeinschaft- 
liches inneres  (in  natürlicher  Lage  der  Schlundflügel),  von  beiden 
Seiten  her  einander  zugekehrtes  und  sich  berührendes  Perimi- 
sium,  welches  mit  den  beiden  Endsehnen  aller  Muskelbündel  je 
einer  Seite  verwachsen  ist.  Wir  haben  demnach  an  der  inneren 
Fläche  jeder  Seitenplatte  eine  Muskelausbreitung,  die  aus  einer 
stellenweise  unterbrochenen  Querreihe  von  Muskelbündeln  besteht, 
welche  zwischen  2  Perimisien  eingeschlossen  sind.  Diese  2  Mus- 
kelausbreitungen  haben  genau  die  Form  der  Seitentheile  der  Schlund- 
platten, und  daher  ebenso  einen  vorderen  (geraden),  einen  hinteren 
(abgerundeten),  einen  oberen  (den  Rändern  Fig.  %2  A,  cc)  und 
einen  unteren  den  Demarcationslinien   (c"  c")  entsprechenden  Rand. 

Der  untere  Rand  ist  nicht  unmittelbar  an  die  Schlundplatte, 
sondern  an  das  an  der  convexen  Seite  der  halbkreisförmigen  Schlund- 
musculafur  gelegene  Perimisium  angeheftet.  Die  übrigen  Ränder 
einer  jeden  Muskelausbreitung  inseriren  sich  an  die  entsprechenden 
Ränder  der  Seitenplatten  der  Schlundflügel,  so  wie  auch  an  die 
entsprechenden  Ränder  der  Muskelausbreitung  der  anderen  Seite. 

Nach  dem  Gesagten  ist  also  klar,  dass  der  Raum  zwischen  beiden 
Schlnndplatten  von  allen  Seiten  her  abgeschlossen  ist,  und  nur  der 
unterhalb  der  halbkreisförmigen  Musculatur  (f)  gelegene  Raum 
(Fig.  53  h)  stellt  die  Communication  zwischen  Mundöffnung  und 
Ösophagus  her  (Schlundröhre).  Die  in  das  Bereich  des  os  hyoideum 
fallende  Fortsetzung  der  Schlundröhre  (Fig.  52  B,  (t)  wird  gegen 
die  offene  Seite  theils  durch  die  gegenseitige  Berührung  der  geraden 
innern  Schlundmuskeln,  theils  dadurch  gegen  die  innere  Körperhöhle 
abgeschlossen,  dass  sich  das  äussere  Integument,  in  ihrem  unver- 
änderten weichen)  Zustande  noch  über  das  os  hyoideum  in  Form 
einer  dieses  umfassenden  Röhre  einstülpt.  Da  in  Folge  von  längerer 
Aufbewahrung  von  Larvenpräparaten  in  Flüssigkeiten  die  Anheftungs- 


46  S  c  h  e  i  b  c  r. 

punkte  der  Muskeln  an  die  Chitinsubstanz  sehr  gelockert  wird,  so 
lässt  sich  bei  solchen  Larven  die  ganze  innere  Scblundmusculatur 
(gerade,  quere  und  halbkreisförmige  Muskeln)  in  einem  zusammen- 
hängenden Stücke  aus  dem  Innern  des  Schlundgerüstes  herausziehen, 
welches  dann  die  in  Fig.  54  a  gezeichnete  Form  hat. 

Bei  oberflächlicher  Betrachtung  dieses  hervorgezogenen,  von 
beiden  Seiten  her  flach  gedrückten  Muskelkörpers,  glaubt  man  einen 
Hohlsack  vor  sich  zu  haben,  der  an  der  Mundöffnung  beginnt  und 
in  den  Ösophagus  mündet.  Dieser  Muskelkörper  hat  wirklich  eine 
Höhlung  im  Innern,  nämlich  zwischen  den  inneren  Perimisien  der  zwei 
seitlichen  Muskelblätter  (Fig.  53  e)  jedoch  hat  diese  Höhle  mit  dem 
Ösophagus  und  der  Mundöffnung  nichts  gemein,  und  ist  von  allen  Seiten 
her  blind  abgeschlossen.  Man  findet  ferner,  dass  dieser  breite  Schlund- 
körper (Fig.  3  c,  Fig.  54  a)  gleich  einem  Messer  an  dem  convexen 
Bande  zugeschärft,  an  dem  geraden  (gegen  die  Bauchseite  gekehrten) 
Bande  aber  breit,  und  zugleich  rinnenförmig  ausgehöhlt  ist  (halb- 
kreisförmige Musculatur  Fig.  53  f)  und  dass  der  Ösophagus  in  der 
verlängerten  Richtung  des  letzteren  Randes  vomMuskelkörper  abgeht. 

Die  geschilderten  Verhältnisse  des  Schlundes  finden  sich  mit 
mehr  minder  kleinen  Modificationen  bei  allen  vier  Larvengattungen 
vor.  Bei  Hypoderma-Laryen  fehlt  z.  B.  in  Ermanglung  der  Haken 
auch  das  os  hyoideum,  und  die  Schlundflügel  gehen  als  Einstülpung 
der  äussern  Haut  unmittelbar  von  den  die  Mundöffnung  begrenzen- 
den Lefzen  aus.  Bei  Cephalomyia  gebt  nicht  die  Substanz  der  Schlund- 
flügel (dessen  mittleren  Theiles)  selbst,  sondern  eine  feine,  hier 
ausnahmsweise  die  Innenfläche  der  Schlundplatten  auskleidende 
Chitinmembran  in  die  Chitinröhre  des  Ösophagus  über,  ferner  kommt 
bei  diesen  Larven  noch  die  Modification  vor,  dass  die  Seitenplatten 
der  Schlundflügel  beiderseits  doppelt  sind,  und  so  an  einander  liegen, 
wie  je  zwei  Flügel  eines  Schmetterlings.  Die  zwei  Flügelplatten 
jeder  Seite  sind  vorne  mit  einander  verwachsen,  so  dass  ihr  vorderer 
mit  dem  hintern  Bande  des  os  hyoideum  ligamentös  verbundener 
Band  für  je  zwei  Seitenplatten  gemeinschaftlich  ist. 

Die  Mundöffnung  bildet  bei  Cephalomyia-  und  Cephenomyla- 
Larven  einen  längsovalen  Spalt  mit  etwas  gewulsteten  Lefzen.  Bei 
Jfypoderma -Luvven  ist  die  Mundöffnung  rund,  und  die  Haut  zeigt 
sich  um  dieselbe  strahlig  eingezogen.  Bei  Gastrus-Lnvven  ist  sie 
von  aussen    gar    nicht   sichtbar,  indem  sie  durch  die  zwei  seitlichen 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  4?T 

Kiefer  (mandibule  oh  machoire  nach  Schrödervan  d  e  r  K  o  1  k)  ver- 
deektwird  *)•  Beide  zusammen  bilden  einen  von  beiden  Seiten  her  flach 
gedrückten  Hohlkegel  mit  freier  Spitze  und  festsitzender  Basis;  ihre 
zwei  Seitentheile  bewegen  sich  in  horizontaler  Ebene  gegen  und  von 
einander,  und  liegen  nach  dem  Tode  der  Larven  mit  ihren  gezähnten 
Rändern  stets  an  einander,  so  dass  die  Mundöffnung  nicht  zu  sehen 
ist. 

Bei  allen  Larvengattungen  mündet  der  gemeinschaftliche  Aus- 
führungsgang der  zwei  Mundspeicheldrüsen  hoch  oben,  nahe  der 
Mundöffnung  in  den  Schlund  ein  (Fig.  54  s). 

Das  Sauggeschäft  wird  zunächst  durch  jene  starken  Mus- 
keln ausgefühlt,  die  vom  3.  und  4.  Ringe  entspringend,  sich  an  die 
äussere  Fläche  des  Schlundgerüstes  (os  hyoideum)  befestigen  8).  Sie 
stülpen  offenbar,  indem  sie  den  ganzen  Schlund  gegen  die  Leibes- 
böble  hineinziehen,  die  Mundöffnung  und  die  diese  umgebende  Haut 
napfförmig  ein,  wodurch  zwischen  dem  Munde  und  dem  Gewebe  des 
Wohnthieres  ein  leerer  Raum  entsteht.  Die  Hypoderma-Laryen, 
denen  Schlundhaken  behufs  des  festern  Anklammerns  an  das  auszu- 
saugende Gewebe  mangeln,  sind  ohnedies  so  fest  von  der  Kapsel- 
wand umschlossen,  dass  schon  ein  kräftiges  Einziehen  der  Mund- 
gegend au  und  für  sich  genügt,  um  das  Saugen  zu  bewerkstelligen. 

Durch  die  erwähnte  einfache  Vorrichtung  werden  jedoch  blos 
die  Säfte  aus  den  Geweben  des  Wohnthieres  bis  zur  Mundöffnung 
geschafft,  und  es  muss  daher  noch  eine  andere  Vorrichtung  zugegen 
sein,  die  das  Schlürfen  der  Flüssigkeit,  oder  das  Hineinschaffen  bis 
in  den  Ösophagus  bewerkstelligt.  Diese  Vorrichtung  muss  sich  in 
jenen  Theilen  vorfinden,  die  die  Mundöffnung  mit  dem  Ösophagus 
in  Communication  setzt,  und  dasist  der Schlundcanal  (Fig.  53Ä).  Wie 
wir  wissen,  haben  die  queren  Schlundmuskeln  ihren  beweglicheren 
Anheftungspunkt  an  der  convexen  Seite  der  halbkreisförmigen  Mus- 
keln. Sie  werden  daher  diese  Muskeln  gegen  ihren  fixen  Jnsertions- 
punkt    (Fig.    53  il)    hinziehen,    und    so    den    Raum  h  vergrüssern 


1)  S.  dessen  Werk  Taf.  XIII,  Fig.  C. 

a)  Diesen  sogenannten  Musculi  retrahentes  pharingis  (I.  p.  41.'>)  wirken  andere 
Muskeln  entgegen,  die  von  den  Schlnndplatteji  und  dein  os  hyoideum  entspringend, 
nach  vorne  und  aussen  ziehen,  um  sieh  an  die  Haut  im  Bereiche  des  ersten  Leihes- 
ringes  anzuheften  (Musculi  attrahentes  pharingis).  Diese  Muskeln  wirken  auch 
ohne  Zweifel   heim   Einstechen   der  Haken  in  die  Schleimhaut  des  Wohnfliier>s  mit. 


J^Q  S  e  h  e  i   h  e  r. 

relativ  leer  machen,  und  die  vor  der  Mundöffnung  gelegene  Flüssig- 
keit in  diesen  Raum  hineinschaffen.  Geht  dieses  Zusammenziehen  der 
queren  Schlundmuskeln  vom  Mund  gegen  das  ösophageale  Ende  der 
Schlundröhre  fortschreitend  und  rhythmisch  vor  sich,  so  ist  kein 
Zweifel,  dass  auf  diese  Weise  die  Säfte  in  den  Ösophagus  und  so- 
fort in  den  Magen  geschafft  werden. 

2.  Der  Darincanul. 

«)  Allgemeine  Beschreibung  desselben. 

Sowohl  die  absolute  Länge  des  Intestiualschlauches,  als  auch 
die  relative  Länge  der  einzelnen  Abschnitte  derselben  differiren  bei 
den  verschiedenen  Larvengattungen  sehr.  Die  absoluten  Längen  der 
Darmschläuche  vom  Schi  und  bis  zum  After  bei  Cephalomyia-, Gastrug-, 
Cephenomyia-  und  Hypoderma-Laryeu  verhalten  sich  der  Reihe  nach 
beiläufig  wie  5:6:7:8,  wobei  die  Zahlen  Centimeter  gelten;  es 
haben  also  die  Cephal  omyien  den  kürzesten  ,  die  Hypodermen 
den  längsten  Intestinallract. 

Der  ganze  Intestinaltract  besteht  aus  folgenden  6  Abschnitten  ; 
a)  Ösophagus,  b)  Vormagen,  c)  eigentlicher  Magen  (ventriculus), 
d)  Dünndarm,  e)  Dickdarm,  f)  Mastdarm. 

a)  Der  Ösophagus  (Fig.  54  b) ')  ist  ein  cylindrischer 
Schlauch,  der  den  Schlundcanal  mit  dem  Vormagen  verbindet.  Er  ist 
bei  den  Gastiiden  am  längsten,  aber  am  dünnsten  und  zartesten  ge- 
baut, daher  im  Präparat  zusammengefallen;  bei  den  übrigen  Larven- 
gattungen ist  er  kürzer,  dickwandiger,  und  in  aufbewahrten  Präpara- 
ten walzenförmig;  bei  allen  aber  tritt  er,  wie  wir  aus  dem  Capitel 
vom  Nervensysteme  wissen2),  in  jenes  Verhältniss  zumCentralnerven- 
system,  dass  er  entweder  das  Hauptganglion  direct  durchbohrt  {Ce- 
phenomyia umlGastrusJ,  oder  an  der  Rückenseitedesselben  zwischen 
den  beiden  supraösopiiagealen  (appendiculären)  Ganglien  durchzieht 
(Cephalomyia  und  Hyjioderma) . 

b)  Der  Vormagen  (Fig.  54  c)  8)  ist  nur  bei  den  Gastriden 
Cepheno-    und  Cephalomyien    durch   eine    besondere  Anschwellung 


i)  S.  I.  Theil,  Fig.  3,  p. 

*)   S.   I     Theil,  p    419—435. 

3)   S.   !    Theil.   Fig.   3   und   Fig.    10 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  49 

ausgezeichnet,  und  durch  eine  nächstfolgende  Einschnürung  vom 
eigentlichen  Chylusmagen  getrennt.  Bei  den  Hypodermen  *)  ist  der 
Vormagen  äusserlich  durch  nichts  angedeutet,  trotzdem  er  innerlich 
alle  jene  Eigenheiten  zeigt,  wie  der  Vormagen  der  übrigen  Larven- 
Gattungen.  Das,  was  äusserlich  die  exquisite  Anschwellung  des  Vor- 
magens bedingt,  ist  eine  Klappe  (Cardialklappe),  welche  der  Ösopha- 
gus in  Form  einer  Duplicatur  mit  einem  T  heile  seiner  Wandungen 
bildet.  Diese  Klappe  ist  starr,  bei  den  Hypodermen  cylindrisch,  beiden 
übrigen  ampullenförmig;  der  Hals  der  Ampulle  läuft  in  den  Ösopha- 
gus fort,  der  ziemlich  stark  ausgebauchte  Theil  ragt  frei  in  den  Vor- 
magen fast  bis  zur  Einschnürung  hinein.  Die  eigentliche  Wand  des 
Vormagens  liegt  fast  ganz  an  die  Klappe  an,  ist  durchgehends  anders 
und  zarter  gebaut,  als  die  Wand  des  Cbylusmagens. 

Bei  Gastriden  münden  mit  dem  Ösophagus  zugleich  zwei  perl- 
schnur  form  ige,  zarte,  drüsige  Organe  in  den  Vormagen  ein,  welche 
allen  übrigen  Larvengattungen  abgehen,  und  in  einer  eigenthiimlichen, 
weiter  unten  zu  erwähnenden  Weise  mit  dem  Fettkörper  in  Verbin- 
dung stehen. 

c)  Der  eigentliche  oder  Chylusmagen  hat  bei  den  verschie- 
denen Larvengattungen  eine  verschiedene  Länge.  Bei  Hypodermen 
ist  er  der  längste  Abschnitt  des  Darmcanals3);  er  stellt  ein  cylindri- 
sches  in  viele  Schlingen  und  Windungen  gelegtes  Bohr  dar,  welches 
bei  Gastriden  sehr  zart,  dünn  und  durchscheinend  ist,  bei  Hypodermen 
am  dickwandigsten,  bei  Gastrus  und  Cephalomyia  äusserlich  glatt,  bei 
Cephenomyia  mit  in  Kreisen  angeordneten  kleinen  Ausbuchtungen  ver- 
sehen, was  dem  Magen  ein  unebenes  mit  kleinen  Höckerchen  besetztes 
Aussehen  verleiht.  Am  vorzüglichsten  sind  jedoch  diese  Ausbuchtungen 
bei  den  Hypodermen  ausgesprochen,  wo  sie  durch  tiefe  ringförmige 
Einschnürungen  und  diese  verbindende  zahlreiche  Längsfurchen  be- 
dingt werden,  so  dass  der  ganze  Magen  mit  hohlen  Wülsten  besetzt 
erscheint.  Diese  Wülste  werden  jedoch  mit  dem  Dünnerwerden  des 
Rohres  kleiner,  und  hören  endlich  ganz  auf,  noch  bevor  er  in  den 
nächstfolgenden  Abschnitt  übergeht.  Bei  den  Gastrus-,  Cephenomyia- 
und  Cephalomyia-Lzrven  ist  der  Chylusmagen  (Fig.  54  rf,  e,  /')  durch 
eine  oft  nur  sehr  schwach   angedeutete   Einschnürung  (e)  in  eine 


*)  S.  I.   Theil,  Fig.  4  l. 

~)  S.  I.  Theil,  Fig.  4  /,  m  m  n. 

Sitzh.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth. 


50  Scheibe  r. 

obere  und  untere  Hälfte  getheilt.  Diese  Einschnürung  ist  inwendig 
durch  keine  klappeuartige  Vorrichtung  ausgezeichnet,  und  es  sind 
auch  beide  Magenhälften  im  Baue  nicht  wesentlich  von  einander 
unterschieden;  erstere  ist  nur  darum  beinerkenswerth,  weil  bei 
Cephenomyia-Lavyen  die  M  a  1  p  i  g  h  i'schen  Gefässe  an  ihr  in  den  Magen 
einmünden,  während  bei  allen  übrigen  Larvengattungen  diese  Ein- 
mündung (wie  in  Fig.  54)  erst  bei  der  Übergangsstelle  des  Magens 
in  den  Dünndarm  (Dünndarmverengerung)  geschieht.  Der  zweite 
Abschnitt  des  Chylusmagens  geht,  allmählich  dünner  werdend,  in  den 
Dünndarm  über.  Bei  den  Hypodermen  fehlt  die  eigentliche  Cliylus- 
magenverengerung  (e).  (Ich  nenne  sie  so  zum  Unterschiede  von  der 
Yormagenverengerung ,  welche  den  Chylusinagen  vom  Vormagen 
trennt.)  Die  Falten  und  Schlingen,  in  die  der  Chylusinagen  gelegt  ist, 
sind  sehr  mannigfaltig.  Bei  Cephalomyia-  und  Gastrus-Lavven  findet 
man  bei  behutsamer  Untersuchung  constant  zwei  vom  Magenabschnitt 
ausgehende,  quergestreifte  Nervenfäden,  die  durch  den  Fettkörper 
ziehen, an  diesen  einzelneZweigchen  abgebend,  sich  zu  zweiHautmuskeln 
begeben, welche  auf  je  einer  Seite  der  Rückenhälfte  der  Larven  zwischen 
1 — 2  Leibesringen  liegen  (Fig.  54  m  m)1)-  Auf  den  Magen  folgt 
d)  der  Dünndarm  (Fig.  54«/,  h),  in  dessen  Anfangsstück,  mit 
Ausnahme  der  Cephenomyien,  bei  allen  anderen  Carvengattungen  die 
M  alp  ig  h  i'schen  Gefässe  münden  (Fig.  54  </)2).  Dieses  Darmstück  ist 
ausser  dem  Mastdarm  bei  allen  Larvengattungen  der  kürzeste  und 
engste  Abschnitt  des  Darmcanals,  ist  dünnwandig,  glatt  und  ungleich 
weit.  Es  ist  vom  nächstfolgenden  (Dick-)  Darmstück  durch  eine  Klappe 
begrenzt  (Fig.  55  c),  die  jedoch  äusserlich  nur  selten  scharf  ange- 
deutet ist.  Diese  Klappe  it-t  eine  Duplicatur  derinnern  Häute  des  Dünn- 
darms, und  ragt  in  Form  eines  steifen,  kurzen,  gleichweiten,  cylindri- 
schen  Rohres,  oder  eines  abgestumpften  Kegels  in  den  Dickdarm  hinein, 
ohne  besondere  Leisten  und  Vorsprünge  zu  besitzen.  Von  den  bei 
allen Ostriden-Larven  vorkommenden  vier  Mal  p  i  ghi'scheu  Gefässen 
binden  sich  die  zwei  hintern  Gefässe  stets,  die  zwei  vordem  meist  zu 
einein  kurzen,  gemeinschaftlichen  in  den  Darmcanal  mündenden  Aus- 
fuhrungsgange. Bei  Gastrtts-L»r\en  kommen  nicht  nur  an  der  Grenze 
zwischen  Magen  und  Dünndarm,  sondern  auch  am   Dickdarme  Ein- 


»)  S.   1.  Theil,  p.  47fr  und  474. 

2)  S.   I.   Theil,   Fig.  4   n,  o.    und    Schröder  van    der  Kolk,    Tnf.   IM,  Fig.    1  //. 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-llarven.  Jj  1 

mündungen  Mal  pighi'seher  Gcfässe  vor,    wie  wir  dies  übrigens 
noch  weiter  unten  sehen  werden. 

e)  Der  Dickdarm  (Fig.  54  h,  i,  k)  *)  ist  ein  cylindrisches 
Darmstück,  welches  bei  Cephenomyien  verhältnissmässig  am  läng- 
sten, bei  Cephalomyien  am  kürzesten  ist.  Die  Wand  dieses  Darm- 
stückes ist  ziemlich  dick  und  derb,  bei  Hypodermen  wieder  am 
dicksten,  bei  Gastriden  am  zartesten.  Fast  constant  macht  es  gleich 
beim  Anfang  eine  Schlinge,  wo  dann  es  in  eine  pars  ascendens, 
transversa  und  descendens  zerfällt,  welcher  letztere  Abschnitt  noch 
vielfache  Windungen  macht,  bis  er  in  den  kurzen  Mastdarm  über- 
geht. Bei  Cephalomyien  wird  der  Dickdarm  meist  gegen  das  Mast- 
darmende weiter  (Fig.  54  k),  und  verengert  sich  plötzlich  zum 
kurzen,  gleichweiten,  walzenförmigen  Mastdarm  (Fig.  54  /)3).  Bei 
den  übrigen  Larvengattungen  ist  dieses  Darmstück  gleich  weit,  und 
geht  allmählich  in  den  Mastdarm  über.  Bei  den  Hypodermen  ist  die 
Wand  dieses  Darmstückes  in  unregelmässige  Falten  und  Runzeln 
gelegt;  bei  den  übrigen  Larvengattungen  ist  sie  glatt  und  ungefaltet. 
Der  letzte  und  kürzeste  Abschnitt  des  Nahrungscanais  ist 

Q  der  Mastdarm;  er  ist  bei  den  Gastriden  eben  so  weit, 
zartwandig  und  glatt  wie  der  Dickdarm;  bei  den  übrigen  Larven- 
gattungen ist  er  bedeutend  enger,  und  stellt  ein  kurzes,  gleichweites, 
cylindrisches,  von  dicken  Wandungen  gebildeles  Darmstück  dar  3). 
Er  zieht  zwischen  beiden  Körpertracheen  nach  hinten,  um  an  der 
unterhalb  der  Stigmenplatte  befindlichen  AnalöfFnung  nach  aussen 
zu  münden  *).  Bei  Gastras  ist  die  Analöffnung  an  der  innern  zarten 
Wand  der  untern  Stigmenlippe  (Fig.  36  l').  Bei  allen  Larven- 
gattungen findet  sich  ein  sogenanntes  Rectalganglion  5)  vor;  ich 
fand  es  seit  der  Bearbeitung  des  1.  Theiles  dieser  Abhandlung  auch 
bei  den  Gastriden.  Am  Analende  des  Rectums  inseriren  sich  die 
sogenannten  levatores  oder  retractores  ani 6). 


1)  I.  Th.,  Fig.  4  op    und  Schröder  v.  d.  Kolk,  Taf.  III,  Fig.  1  i,  k,  l,    m,  ir. 

2)  I.  Th.,  Fig.  13  b. 

3)  I.  Th.,  Fig.  13  b. 

4)  I.  Th.,  Fig.  ip,  u. 

5)  I.  Th.,  p.  438. 

6)  I    Th.,  p.  415,   Fig.  13  d. 


4* 


52  Scheibe  r. 


fi)  Feiner e r  IJ a  u  des  Da r  m e a n a  1  s. 

Die  fünf  Schichten,  die  sieh  vom  Ösophagus  angefangen  durch 
den  ganzen  Nahrungscanal  mehr  minder  eonstant  wieder  finden,  sind 
von  aussen  gezählt  folgende:  1.  Peritonealschichte  (Membrana 
serosa),  2.  Muscularis,  3.  Membrana  proprio, ,  4.  Epithelschichfe 
und  5.  Chitinschichte  (Cuticula,  Intima).  Die  Entstehungsweise 
dieser  Schichten  ist  schon  oben  erörtert  worden. 

Da  sich  die  Peritonealschichte  und  die  Membrana propria 
in  allen  Abschnitten  des  Darmcanals  gleich  verhalten,  so  mögen  sie, 
bevor  wir  zu  den  einzelnen  Abschnitten  desselben  übergehen,  hier 
im  Allgemeinen  beschrieben  werden. 

Die  Peritonealschichte  stellt  eine  sehr  dünne,  nur  im 
Mastdarm  der  Hypodertna-,  Cephenomyia-  und  Cephalomyia-Lnvven 
sich  durch  ihre  bedeutende  Dicke  auszeichnende,  structurlose  Binde- 
gewebsmernbran  mit  eingestreuten,  runden  oder  ovalen  Kernen  dar, 
welche  mit  der  auf  sie  folgenden  Muscularis  innig  verwachsen,  und 
der  alleinige  Träger  der  Tracheen  der  Darmwand  ist.  Die  Mem- 
brana propria  ist  eine  meist  sehr  dünne,  zwischen  Muscularis 
und  Zellschichte  gelegene,  vollkommen  hyaline  und  structurlose 
Membran,  auf  der  die  Zellen  der  Zellschichte  aufruhen. 

a)  Ösophagus.  Die  Muscularis  bildet  hier  eine  continuir- 
liche  Schichte,  in  der  die  Muskelfasern  in  elliptischen  Touren  nach 
verschiedenen  Richtungen  angeordnet  sind,  so  dass  sich  dieselben 
unter  spitzen  Winkeln  kreuzen.  Eine  Sonderung  in  eine  Längs-  und 
Querschichte  der  Muskelfasern  ist  hier  noch  nicht  vorhanden.  Die 
Fasern  sind  so  wie  im  ganzen  Darmtract  einfach  quergestreift.  Die 
Epithelialschichte  des  Ösophagus  liegt  nach  innen  von  der  auf  die 
Muskelhaut  folgenden  Membrana  propria,  auf  welcher  polygo- 
nale Felder  zurückbleiben,  wenn  die  Epithelzellen  abgefallen  sind. 
Die  Zellen  selbst  sind  polygonale,  kernhaltige,  bei  Gastrus-Luvven 
sehr  kleine,  bei  den  übrigen  grössere  (0*004  Millim.)  Zellen  mit  fein 
granulirtem  Inhalte  (Fig.  56  a  a),  die  zwischen  sich  die  Membrana 
propria  in  schmalen  Linien  durchscheinen  lassen  (b  b). 

Die  auf  die  Zellschichte  folgende  Chi  ti  n  membr  an  ist  eine 
sein  zarte,  helle,  structurlose  Membran,  die  das  Lumen  des  Öso- 
phagus unmittelbar  begrenzt,  und  in  Längsfalten  gelegt  ist. 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  £)3 

bj  Vormagen.  Nur  die  äusseren  zwei  Schichten  des  Öso- 
phagus (Peritoneal-  und  Muskelschichte)  gehen  direct  in  die  eigent- 
liche Wand  des  Vormagens  über;  die  drei  inneren  hingegen  {Mem- 
brana propria,  Epithel-  und  Chitinschichte)  bilden  eine  weit  in  die 
Höhle  des  Vormagens  hineinragende  Duplicatur  (Magenklappe).  Die 
an  der  Klappenbildung  theilnehmenden  Schichten  erleiden,  ausser 
der  Membrana  propria,  die  blos  etwas  dicker  wird,  eine  wesentliche 
Structur Veränderung. 

Die  zarte  Chitinmembran  des  Ösophagus  wird,  indem  sie 
in  die  des  innern  Blattes  der  Klappe  übergeht,  dick,  hart  und  mit- 
unter spröde;  sie  wird  gelblich  gefärbt,  und  bekommt  daher  wieder 
fast  ganz  die  Consistenz  der  Schlundflügel,  aus  deren  Verlängerung 
sie  hervorging.  Die  Form  dieser  Chitinröhre  ist  ampullenförmig, 
cylindrisch  oder  konisch  mit  der  Basis  gegen  den  Ösophagus,  mit 
der  abgehakten  Spitze  am  freien  Ende  der  Klappe.  Die  innere 
Fläche  der  Röhre  ist  oft  ungleichmässig  mit  Zacken  und  Buchten 
versehen.  Die  äussere  Fläche  ist  glatt  und  eben,  an  sie  grenzt  nach 
aussen  die  Zellschichte  des  inneren  Blattes  der  Klappe.  Am  freien 
Ende  der  Klappe  hört  die  Chitinschichte  plötzlich  auf  jene  feste 
Consistenz  zu  besitzen,  sie  wandelt  sich  wieder  in  eine  zarte, 
dünne,  färb-  und  structurlose  Chitinmembran  um,  wie  sie  sich  im 
Ösophagus  und  im  ferneren  Tract  des  Darmcanals  vorfindet;  als 
solche  kehrt  sie  im  äusseren  Blatte  der  Klappe  (als  äusserste 
Schichte  der  Klappenwand)  zum  Anfange  des  Vormagens  zurück, 
um  daselbst  entweder  einstweilen  zu  verschwinden,  oder  an  der 
Innenfläche  der  Vormagenwand  sieh  fortzusetzen,  und  in  die  Chitin- 
membran  des  Chylusmagens  überzugehen. 

Die  platten,  polygonalen  Epithelzellen  des  Ösophagus 
erleiden  in  dem  inneren  Blatte  der  Klappe  die  merkwürdigste  Ver- 
änderung. Sie  werden  zu  sehr  langen  und  schmalen  Cylindern 
(Fig.  57  a),  die  an  ihrer  Basis  («')  halb  so  schmal  sind  als  am 
freien  Ende  (wo  sie  an  die  Chitinröhre  stossen).  Am  letzteren  Ende 
sind  sie  0*01 — 0*02  Millim.  breit,  ihre  Länge  beträgt  gewöhnlich 
0*16  Millim.  Der  Kern  ist  scharf  begrenzt,  liegt  in  der  Regel  am 
breiteren  Ende  der  Zelle,  ist  gewöhnlich  oval  (0*012 — 0016  Millim. 
lang,  0-008— 0-012  Millim.  breit)  und  hat  1—2  Kernkörperchen. 
Die  Zellenwand  ist  sehr  zart,  hyalin,  in  Längsfalten  gelegt,  wie 
zusammengefallen  (ich  habe  sie  stets  nur  in  aufbewahrten  Präparaten 


54  S  c  h  e  i  b  e  r. 

untersucht),  der  Inhalt  ist  wasserklar  und  farblos.  Die  Gastrus- 
Larven  machen  in  dieser  Form  von  Drüsenzellen  eine  Ausnahme, 
indem  sie  hier  sehr  klein  und  stäbchenartig  mit  gelblichem  ,  fein 
granulirtem  Inhalte  und  einem  kleinen  Kerne  versehen  sind.  Diese 
merkwürdige  Zellschichte  ist  nur  im  innern  Blatte  der  Klappe  vor- 
handen, im  äusseren  tritt  schon  überall  diejenige  Drüsenzellen- 
schichte  auf,  die  für  die  eigentliche  Wand  des  Vormagens  charak- 
teristisch ist.  Die  Zellen  dieser  Schichte  sind  platt,  gross,  selten 
rund,  meist  polyedrisch,  oft  sehr  unregelrnässig  (Fig.  58  a  «), 
mit  gelblich  gefärbtem,  fein  moleculärem,  seltener  fein  körnigem 
Inhalte,  und  einem  (0-02  Millim.)  grossen,  runden  Kerne  versehen. 
Diese  Zellen  sind  bei  Cephalomyia-Lür\en  am  grössten  (bis  0-1  Millim. 
im  längsten  Durchmesser),  sonst  sind  sie  0-05 — 0-08  Millim.  breit.  Der 
Kern  hat  ein  glänzendes,  rundes,  central  oder  excentrisch  gelegenes 
Kernkörperchen  von  0004  Millim.  Grösse,  sonst  einen  grobkörnigen 
Inhalt.  Diese  Zellen  liegen  nicht  gedrängt  neben  einander,  sondern 
lassen  zwischen  sich  in  Form  eines  Maschennetzes  die  Membrana 
propria  durchscheinen. 

Die  eigentliche  Wand  des  Vormagens  besteht  wieder  aus  den 
gewöhnlichen  fünf  Schichten.  Die  Peritonealschichte  ist  hier  der 
Träger  einer  besonders  grossen  Anzahl  von  Tracheen  und  Nerven, 
indem  die  von  dem  Haupt-  und  Herzganglion  kommenden  Nerven 
an  der  Wand  des  Vormagens  in  das  Darmrolir  treten  *).  Die  Mus- 
cularis  tritt  hier  schon,  in  eine  Längs-  und  Querfaserschichle 
getrennt  auf,  und  beide  Schichten  sind  in  Bänder  getheilt;  die  Bänder 
derQuerfaserschichte  sind  0-01 — 0-03  Millim.  breit  und  etwa  001  bis 
0-04  Millim.  von  einander  entfernt.  Die  der  Längsfaserschichte  sind 
gewöhnlich  breiter,  dagegen  auch  viel  weiter  von  einander  entfernt. 
Oft  theilen  sich  die  einzelnen  Bündel  und  anastomosiren  unter  ein- 
ander. Die  Primitivfasern  sind  sehr  zart,  dünn  und  einfach  quer- 
gestreift. Die  Epithelschichte  besteht  aus  Zellen,  die  denen  des 
äusseren  Blattes  der  Vormagenklappe  gleichkommen.  Von  der  Chitin- 


1)  I.  Theil  (Capitel:  Nervensystem).  Die  im  I.  Theil,  S.  448,  erwähnte  und  in  Fig\  21 
abgebildete  Nervenend-Anschwellung  habe  ich  seitdem  zweimal  wieder  gesehen,  und 
zwar  wieder  nur  bei  Gastruts  -  Larven.  Einmal  am  Nervenplexus  des  Magens,  das 
zweite  Mal  in  jenem  des  Mastdarmes.  Die  Endanschwellung  des  letzteren  Falles  ist 
in  Fig.  59  abgebildet,  wo  a  den  Nerven,  b  die  Anschwellung,  e  jenes  kernartige 
Gebilde  andeutet,  in  welchen  der  Axenstransr  d  Hpii*U«»1»  ;;i,„ m 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  JJJJ 

schichte  ist  zu  bemerken,  d;iss  ich  sie  hier  mit  Sicherheit  nur  bei 
Cephalomyia-  und  Cephenomyia-Lavven  nachgewiesen  habe,  bei 
welchen  Larvengattungen  sie  sich  sofort  in  den  Chylusmagen  fort- 
setzt; dagegen  konnte  ich  sie  bei  Gastriden  und  Hypodermen  weder 
in  der  Wand  des  Vor-  noch  in  der  des  Chylusmagens  nachweisen. 

c)  Chylusmagen.  Von  der  Peritoneal-  und  Muskelschichte, 
und  der  Membrana  propria  gilt  das  schon  beim  Vormagen  Gesagte; 
nur  ist  zu  bemerken,  dass  die  Muscularis  bei  Cephenomyia-havven 
sowohl  hier  als  auch  im  Dünn-  und  Dickdarm  eine  auffallend  dickere 
Schichte  bildet  als  bei  den  anderen  Larvengattungen. 

Die  Zellschichte  ist  das  eigentlich  Charakteristische  für  den 
Chylusmagen,  und  gerade  diese  Schichte  ist  es,  welche  bei  den  ein- 
zelnen Larvengattungen  sehr  grosse  Verschiedenheiten  darbietet. 
Die  Zellen  des  Chylusmagens  der  Gastriden  zeigen  einen  nur  wenig 
von  denen  des  Vormagens  veränderten  Habitus.  Sie  sind  nämlich  auch 
platte,  ovale  oder  polygonale  Zellen  von  der  Grösse  von  0*03  bis 
0-05  Millim.  miteinem  gelb-bräunlich  gefärbten,  fein  körnigen  Inhalte, 
einem  0-008 — 0*01  Millim.  grossen,  hellen  Kerne,  und  einem  Kern- 
körperchen.  Eine  Chitinschichte  konnte  ich  bei  diesen  Larven  im 
Chylusmagen  nicht  nachweisen.  Die  Chyluszellen  werden  gegen  den 
Dünndarm  hin  immer  kleiner,  bis  sie  in  die  Zellschichte  dieses  Darm- 
abschnittes übergehen,  wo  sie  sich  nur  durch  ihren  kleineren  Durch- 
messer von  denen  des  Chylusmagens  unterscheiden. 

Die  Chyluszellen  der  anderen  drei  Larvengattungen  stellen  bald 
sehr  lange,  bald  kürzere,  cylindrische,  keulenförmige,  konische  oder 
ambosförmige  Zellen  mit  einem  grossen,  meist  stark  ausgeprägten, 
runden  oder  ovalen  Kerne  und  einem  oder  mehreren  Kernkörperchen 
dar.  Die  Inhaltsmasse  der  Zellen  ist  gelblichbraun,  fein  granulirt, 
und  mit  Fetttröpfchen  versehen. 

Bei  Hyjjoderma-Lm'xen  haben  die  Zellen  (Fig.  60  d)  einen 
schmalen,  feinstreitigen  Saum  (e)  von  der  Breite  von  0*002  bis 
0  003  Millim.  Bei  manchen  Species,  wie  bei  H.  Diana  und  der  Larve 
von  Capra  Aegagrus  wiegt  die  Keulenform  vor.  Die  dieser  Form 
angehörigen  Zellen  sind  bei  diesen  zwei  Larvenarten  kleiner  als  die 
der  anderen  Formen,  und  haben  einen  sehr  langen  und  dünnen  Stiel, 
so  dass  sie  mit  ihrem  grössten  (Zellen-)  Theil  über  die  zwischen 
sich  gelegenen,  anders  geformten  Zellen  (von  004 — 0*07  Millim. Länge 
und  0-016 — 0036  Millim.  Breite)  ganz  frei  hervorragen.  Sie  sind  oft 


5(3  Scheiber. 

so  dicht  gedrängt,  dass  sie  sich  mit  ihrem  kolbigen  Theil  (über  den 
anderen  Zellen)  berühren. 

Bei  Cephenomyia-har\en  haben  die  Zellen  des  Chylusmagens 
keinen  feinstreifigen  Saum.  Man  findet  hier  an  Querschnitten  des 
Chylusmagens  ä  —  6  Zellen,  die  sich  durch  ihre  Grösse  von  den 
übrigen  /wischen  ihnen  gelegenen  auszeichnen.  Während  die  grös- 
seren hei  0-08  Millim.  lang  und  bis  0-06  Millim.  breit  sind,  sind  die  klei- 
neren nur  etwa  0*016MilIim.Iang  und  0"012Millim.  breit.  Bei  Cephalo- 
m^a-Larven  sind  die  Zellen  wieder  mit  einem  feinstreifigen  Saum 
versehen  (Fig.  61  b),  mehr  weniger  regelmässig,  cylindrisch  geformt, 
mit  etwas  angeschwollenem  freien  Ende,  0*05  —  0*06  Millim.  lang 
und  0-01— 003  Millim.  breit.  Der  Saum  ist  hier  0-004— 0  006  Millim. 
breit,  also  viel  breiter  wie  bei  Hypoderma-Lnryen.  Er  reicht  hei 
Cephalomyien  oft  bis  über  die  halbe  Länge  der  Cylinderzelle  herab, 
und  wird  nicht  selten  in  Form  einer  Kappe  von  der  Zelle  losgehoben 
und  neben  dieser  liegen  gefunden.  Solche  Zellen  ermangeln  dann,  so 
weit  der  Saum  abgehoben  ist,  einer  scharfen  Begrenzung,  die  wegen 
Entleerung  des  fein  moleculären  Zellinhalts  verwischt  erscheint. 

In  Bezug  der  Bestimmung  des  feinstreifigen  Saumes  als  resor- 
birenden  Apparates,  dürfte  nach  den  eben  geschilderten  Thatsachen 
dieFrageKöll  iker' s  *):  warum  derselbe  bei  sovielenlnsecten  fehle, 
um  so  offener  stehen,  als  er  hier  innerhalb  einer  Insectenfamilie,  von 
den  vier  anscheinend  von  nicht  sehr  differenten  Nährstoffen  sich 
nährenden  Larvengattungen  zwei  (Hypoderma-  und  CephalomyiaJ 
einen  Saum  besitzen,  und  zwei  (Gastrus  und  Cephenomyia)  nicht. 

Eine  fünfte  oder  Chitinschichte,  in  Form  einer  zarten,  hyalinen 
Chitinmembran,  habe  ich  nur  bei  Cephenomyia-  und  Cephalomyia- 
Larven  im  Chylusmagen  gefunden ,  während  sie  bei  Gastrus-  und 
Hyjjoderma-Luvyen  fehlt. 

Die  Cylinderzellen  des  Chylusmagens  werden  gegen  den  Dünn- 
darm immer  niederer,  verlieren  endlich,  wo  sie  einen  Saum  besitzen, 
auch  diesen,  und  gehen  so  allmählich  in  die  flachen  (0-006 — 0-02 
Millim.  grossen),  meist  polygonalen  Zellen 

d)  des  Dünndarmes  über.  Diese  Zellen  haben  einen  kleinen 
runden  Kern,   und  einen  braungelben,  fein  moleculären  Inhalt  mit 


J)  Zur  Anatomie  der  Insecten  (Verhandlungen  der  physik.-medio.  Gesellschaft  in  Würz- 
burg, 18S7). 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden -Larven.  57 

wenigen  Fetttröpfchen  untermischt.  Von  der  Muskelschichte  ist  zu 
bemerken,  dass  die  Kreisfasern  hier  schon  überall  eine  contirmirliche 
Schichte  bilden.  Die  Chitinmembran  ist  hier  schon  hei  allen  Larven- 
gattungen deutlich  nachzuweisen.  Vron  der  Peritonealsehichte,  der 
Membrana  proprio,  und  der  zwischen  Chylusmagen  und  Dünndarm 
vorhandenen  Einmündungsstelle  der  Malpighi'schen  Gefässe  ist 
nichts  Besonderes  zu  erwähnen. 

ej  Im  Dickdarm  wiederholen  sich  die  fünf  Schichten  in  be- 
kannter Weise.  Die  Muskelschichte  verhält  sich  ganz  so,  wie  im 
Dünndarm,  nur  dass  sie  dicker  ist;  die  Zellschichte  besteht  aus 
länglichen,  ovalen  oder  polygonalen  Zellen  von  0-03  —  0-04  Millim. 
Grösse,  mit  gelbbraunem,  fein  granulärem  Inhalte  und  einem  run- 
den 001  grossen  Kerne.  Die  Chitinmembran  ist  zart,  dünn,  farblos, 
in  Längsfalten  gelegt.  An  die  Bildung  der  Dünndarmklappe  (zwischen 
Dünn-  und  Dickdarm),  die  bei  Hypoderma-Lav\en  etwa  die  Länge 
von  3/4  —  1,  bei  Cephalomyien  nur  etwa  0*16 — 02  Millim.  hat,  neh- 
men wieder  nur  die  drei  innersten  Schichten,  nämlich  die  Membrana 
proprio,  Zellschichte  und  Chitinmembran  Antheil,  indem  diese  ein- 
fach eine  Duplicatur  bilden,  ohne  dass  irgend  eine  theilnehmende 
Schichte  eine  besondere  Veränderung  erleiden  möchte. 

f)  Der  Mastdarm  ist  hei  Gastrus- Larven  genau  so  gebaut,  wie 
der  Dickdarm.  Bei  den  übrigen  folgendermassen:  die  Peritoneal- 
sehichte ist  0-004 — 0006  Millim.  dick,  mit  grossen,  gegen  die  Muscu- 
laris  vorspringenden  Kernen  besetzt.  Die  Muscularis  erreicht  hier 
eine  Dicke  von  0-07 — 0-11  Millim.,  ihre  Fasern  sind  doppelt  quer- 
gestreift, so  wie  die  Hautmuskeln.  Die  Membrana,  proprio  ist  hier 
auch  etwas  dicker,  als  im  Dickdarm.  Die  Zellschichte  ist  durch 
kleine,  cylindrische  oder  konische(001 — 0-016  Millim. grosse)  Zellen 
ausgezeichnet,  die  stellenweise  durch  längere  (0-04 — 0-06  Millim. 
grosse)  Zellen  unterbrochen  werden  (Fig.  62  d).  Sie  haben  einen 
braunen,  fein  granulirten  Inhalt  und  einen  kleinen  runden  Kern.  Die 
Chitinmembran  ist  überall  vorhanden. 

In  der  Inhaltsmasse  des  Darmcanals  wurden  oft  sehr  viele 
Trippelphosphate  in  den  verschiedensten  Formen,  dann  kleine,  brief- 
couvert-ähnliche  Krystalle  von  oxalsaurem  Kalke  gefunden.  Bei  einer 
Larve  von  Hypoderma  Diana,  und  der  unter  der  Haut  von  Copra 
Aegagrus  war  der  Magen  voll  mit  kleinen,  den  Eiter-  oder  Schleiin- 
körperchen  ähnlichen  zelligen  Gebilden. 


ö8  Scheiber. 

3.  Speicheldrüsen. 

Sie  sind  je  nach  den  Stellen  des  Darmcanals,  an  denen  sie  ein- 
münden ,  in  Schlund-  und  Ma  gen  spei  cheldrü  sen  zu  unter- 
scheiden. Die  in  den  Schlund  einmündenden  sind  bei  allen  vier 
Larvengattungen  vorhanden,  während  die  in  den  Magen  einmünden- 
den blos  bei  Gastrus-  und  Cephe7iomyia-Laryen  vertreten  sind. 

Die  Schlundspeicheldrüsen  sind  paarig,  auf  jeder  Seite  eine; 
sie  haben  einen  Ausführungsgang,  der  sich  mit  dem  der  anderen 
Seite  zu  einem  gemeinschaftlichen,  in  den  Schlund  mündenden 
dickeren  Gange  verbindet.  Sie  liegen  an  der  Bauchseite  des  Thieres 
zu  beiden  Seiten  des  Magens,  und  sind  von  Fettkörper -Lagen  ein- 
gehüllt. Sie  bilden  bei  Hypoderm  a-Lmyen  mehr  weniger  halbmond- 
förmig gekrümmte  Hohlsäcke  (I.  Theil,  Fig.  4  gg,  Fig.  5  ii)  mit 
gefalteter  und  runzeliger  Oberfläche;  ihr  vorderes  Ende  geht  in 
den  Ausführungsgang  über,  ihr  hinteres  Ende  nimmt  einen  quer- 
gestreiften Nervenfaden  auf  (I.  Theil,  Fig.  5  kW),  mittelst  dessen  es 
mit  dem  Rückengefässe  in  Verbindung  steht. 

Bei  den  übrigen  Larvengattungen  bilden  die  Schlundspeichel- 
drüsen zart- und  glattwandige,  cylindrische  Hohlsäcke,  deren  vorderes 
Ende  in  den  Ausführungsgang  übergeht,  deren  hinteres  abgerundet 
ist  und  blind  endigt  (Fig.  54  r  r).  Die  Cephenomyia-hwyex\,  deren 
Speicheldrüsen  überhaupt  von  allen  die  Längsten  sind,  machen  in  so 
ferne  eine  Ausnahme,  als  dieselben  an  ihren  hinteren  Enden  commu- 
niciren,  und  die  Speicheldrüse  der  einen  Seite  in  die  der  andern  Seite 
unter  einem  hinter  dem  Darmconvolut  gelegenen  Bogen  übergeht  '). 

Die  Structur  der  Schlundspeicheldrüsen  ist  gleich  denen  der 
Insecten  überhaupt  sehr  einfach;  äusserlich  ist  eine  structurlose 
Bindegewebsmembran,  die  mit  Kernen  besetzt  und  von  einer  grossen 
Menge  feiner  Tracheenramificationen  durchzogen  ist;  sie  hat  an  ihrer 
inneren  Oberfläche  eine  durch  feine  Linien  unterbrochene  Lage  von 
platten  Drüsenzellen  aufsitzen,  die  bei  Ilypoderma-Liwyen  0-08  bis 
0-16  Millim.  lang,  0-04 — 0-06  Millim.  breit,  polygonal,  mit  einem  fein- 
granulären Inhalte,  und  einem  scharf  markirten,  helleren  003  Millim. 
grossen,  kreisrunden,    mehrere  Kernkörperchen   und   einen   grob- 


1 )   Die  Schlundspeicheldrüsen  von  Gastrus  cqui  s.  Seh  rüder  v.  d.  Kolk  I.  c.  Taf.  II, 
Fig.  1  P,  q  q,  r  r. 


Vergleichende  Anatomie  and  Physiologie  der  Östrlden-Larven.  J)0 

körnigen  Inhalt  zeigenden  Kerne  versehen  sind.  Bei  den  übrigen 
Larvengattungen  sind  die  Zellen  stark  in  die  Länge  gezogen,  0-08  bis 
0-1  Millim.  lang  und  0-02 — 0*03  Millim.  breit,  polygonal,  oval,  mit- 
unter fast  spindelförmig,  mit  gelblichem  feinkörnigen  Inhalte,  und 
einem  weniger  scharf  hervorstechenden  Kerne  versehen.  Nach  innen 
von  der  Epithellage  folgt  eine  zarte  Cuticula. 

Die  Ausführungsgänge  dieser  Drüsen  bestehen  aus  einer  äus- 
seren hyalinen  Membran,  einer  inneren  zarten,  in  Längsfalten  gele- 
genen Chitinmembran,  und  zwischen  beiden  eine  Epithelialschichte, 
deren  polygonale  Zellen  bei  Gastrus  equi  0-002,  bei  Hypodermaeen 
0-008  Millim.  gross  sind. 

Die  Magenspeicheldrüsen  der  Gastriden  bestehen,  wie  wir 
schon  oben  erwähnten  (Schröder  v.  d.  Kolk,  Taf.  III,  Fig.  i  ss, 
Taf.  IV  d  d),  aus  zwei  eigenthümlichen ,  dünnen,  rosenkranzähn- 
lichen Schnüren,  die  mit  dem  Ösophagus  in  den  Vormagen  ein- 
münden; je  einer  Anschwellung  entspricht  eine  grosse,  längsovale 
Drüsenzelle  mit  graulichgelblichem,  fein  granulären  Inhalte,  und 
einem  kleinen  runden  Kerne;  gegen  die  Peripherie  theilen  sich  diese 
Schnüre  zweimal  dichotomisch,  und  stehen  mittelst  ihrer  (8)  Endäste 
mit  (eben  so  vielen  multipolaren)  Zellen  des  Fettkörpers  in  Ver- 
bindung. Dieses  Verhältniss  spricht  klar  dafür,  dass  diese  Drüsen- 
Schläuche  ursprünglich  aus  Fettkörperzellen  hervorgegangen  sind. 
Nebst  diesen  zwei  Schnüren  findet  man  noch  mehrere  (3 — 6)  ein- 
zellige Drüsen  von  der  Grösse  von  0-04—0-08  Millim.  in  den  Vor- 
magen einmünden.  Diese  Zellen  sind  rund  oder  oval,  haben  einen 
dunkelbraunen  fein  granulären  Inhalt  und  einen  runden  Kern. 

Die  Magenspeicheldrüsen  von  Cephenomyia -Larven,  bestehen 
ebenfalls  aus  einzelligen,  004 — 0-08  Millim.  grossen  Drüsen,  die  der 
äusseren  Fläche  des  Vormagens  in  Form  kleiner  Schüppchen  an- 
hängen. Der  freie  (zellige)  Theil  ist  rund,  mit  fein  granulärem 
Inhalte  und  einem  grossen  Kerne.  Der  Ausführungsgang  ist  breit 
und  sehr  kurz,  und  steht  mit  der  Vormagenwand  in  Verbindung. 

4.  Ilalpighrsche  Gefässe. 

Die  Malpighfschen  Gefässe  sind  bei  den  verschiedenen  Lar- 
vengattungen verschieden  gestaltet.  Am  einfachsten  sind  sie  bei 
Ilypoderma-Lürven ,  wo  sie  vier  lange,  dünne,  gleichweite,  02  bis 


60  S  c  h  e  i  b  e  r. 

022  Millim.  breite,  zart- wellig  gekreiselte,  gelblich  gefärbte 
Schläuche  (I.  Theil ,  Fig.  4  i  i',  h  h')  darstellen,  die  knäuelförmig 
zusammengerollt  im  Körper  so  vertheilt  sind,  dass  zwei  rechts  und 
zwei  links  vom  Darmcanale  liegen;  von  je  zwei  der  einen  Seite  liegt 
wieder  eines  nach  vorne  und  eines  nach  hinten.  Je  zwei  derselben 
Seite  verbinden  sich  zu  einem  gemeinschaftlichen,  kurzen,  aber 
etwas  breiteren  Schlauche,  der  an  der  Grenze  zwischen  Chylus- 
magen  und  Dünndarm  in  den  Darmcanal  einmündet. 

Das  freie  Ende  jedes  der  vier  Gefässe  ist  blind,  und  mit  dem- 
selben verbindet  sich  je  ein  von  den  Rückengefässsträngen  kom- 
mender quergestreifter  Nervenfaden,  der  in  der  Wandung  des 
Gefässes  spurlos  verschwindet. 

Complicirter  ist  der  Bau  und  Verlauf  der  Malpighi'schen 
Canäle  bei  Gastrus-LnvYeu  *)•  Es  treten  hier  der  äusseren  Farbe 
und  dem  Inhalte  nach  (scheinbar)  zwei  verschiedene  Arten  von  Ge- 
fässen  auf,  von  denen  die  einen  (im  frischen  Zustande)  bei  auffallen- 
dem Lichte  constant  milchweiss,  bei  durchfallendem  Lichte  dunkel- 
gefärbt, die  anderen  stets  gelb  erscheinen.  Im  Grunde  genommen 
sind  auch  hier  blos  vier  Malpighi'sche  Gefässe,  von  denen  sich, 
wie  bei  den  Hypodermen,  je  zwei  auf  jeder  Seite  (ein  vorderes  und 
ein  hinteres)  zu  einem  kurzen  gemeinschaftlichen,  in  das  Anfangs- 
stück  des  Dünndarmes  einmündenden  Ausführungsgang  verbinden. 
Aber  die  anderen  Enden  der  vier  Gefässe  sind  nicht  blind,  wie  bei 
den  Hypoderma -Larven,  sondern  münden  alle  gesondert  in  den 
Dickdarm  ein,  und  zwar  folgendermassen:  Die  hinteren  zwei  durch- 
aus gelb  gefärbten  Malpighi'schen  Gefässe  münden  direct  in  den 
untersten  Abschnitt  des  Dickdarmes  ein,  ohne  in  %rem  Verlaufe 
irgend  eine  anderweitige  Veränderung  zu  erleiden.  Nahe  zur  Dick- 
darm-Einmündung verjüngen  sich  diese  Gefässe  sehr  rasch  zu  äus- 
serst feinen,  kurzen  Canälchen,  die  die  Wand  des  Dickdarms  schief 
perforiren. 

Die  zwei  vorderen  Gefässe  ziehen  nach  vorne,  verlieren  sich 
dann  zwischen  die  Zellen  des  Fettkörpers  eine  Strecke  weit,  kom- 
men aber  bald  wieder  frei  zu  Tage,  um  nach  hinten  zu  ziehen  und 
mit  ebenfalls  plötzlich  stark  verjüngten  Enden  gesondert  in  den  mitt- 
leren Abschnitt  des  Dickdarms  einzumünden.   Diese  Malpighi'schen 


»)  Schröder  v.  d.  Kolk,  I.  c.  'Inf.  III,  Fig.  I. 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven.  ()  | 

Gefässe  sind  bis  dorthin,  wo  sie  sich  in  den  Fettkörper  verlieren, 
gleichmässig  gelb  gefärbt,  während  sie  nach  dem  Hervortreten  aus 
demselben  constant,  bei  auffallendem  Lichte  milchweiss,  bei  durch- 
fallendem Lichte  dunkel  gefärbt  sind.  Der  durch  den  Fettkörper 
ziehende  kleine Theilder  vorderen M  alpigh i'schen Gefässe  steht  mit 
den  Ausläufern  der  sie  zunächst  umgebenden  Fettkörperzellen  in  Ver- 
bindung; ob  aber,  wie  Schröder  v.  d.  Kolk  l)  meint,  diese  Zellen 
mittelst  ihrer  Ausläufer  in  offener  Communication  stehen  mit  dem  Lumen 
der  Mal  pigh i'schen  Gefässe,  habeich  mich  nicht  überzeugen  können, 
und  möchte  es  überhaupt  bezweifeln.  Ich  glaube  dieser  Verbindung 
keine  andere  Bedeutung,  als  diejenige  beimessen  zu  müssen,  die  ich 
schon  oben  bei  den  Magenspeicheldrüsen  der  in  Rede  stellenden 
Larvengattung  bemerkte.  Eine  analoge  Bedeutung  haben  wohl  auch 
die  von  Leydig3)  beschriebene  Verbindung  der  Fettkörperzellen 
mit  der  äusseren  Schichte  der  Tracheenwaud. 

Schröder  v.  d.  Kolk  hat  jener  vermeintlich  directen  Communi- 
cation der  vorderen  Malpighi'schen  Gefässe  mitden  Fettkörperzellen 
ein  grosses  Gewicht  beigelegt,  in  wie  ferne  er  den  gelben  Theil  dieser 
Gefässe  als  absorbirendes  Gefäss  (vaisseaiuv  «bsorbantsj  auffasste, 
dessen  Bestimmung,  die  absorbirten  Säfte  aus  dem  Darm  in  den  Fett- 
körper zu  führen,  sein  sollte.  Er  hat  ferner  den  weissen  Theil  dieser 
Gefässe  als  harnabsondernde  Organe  (Nieren)  und  die  hinteren 
M  a  1  p  i  g  h  i'schen  Gefässe  als  gallen bereitende  Organe  (tubes  biliaires) 
gedeutet. 

Obwohl  nicht  gezweifelt  werden  kann,  dass  auch  die  Insecten 
einen  dem  Chylus-  (und  Lymph-)  Gefässsysteme  analogen  Gefäss- 
apparat  besitzen,  so  ist  dies  doch  nach  dem  heutigen  Standpunkte 
der  Wissenschaft  noch  immer  ein  Gegenstand  des  tiefsten  Dunkels. 

Die  verschiedene  Färbung  dieser  zwei  Arten  M  a  lpighischer 
Gefässe  springt  nur  im  frischen  Zustande  in  die  Augen,  wodann  auch 
der  Inhalt  ein  verschiedener  ist.  In  den  gelben  sieht  man  nämlich 
eine  klare,  intensiv  gelb  gefärbte  Flüssigkeit,  in  der  ungemein  kleine 
gelbe  Körnchen,  die  am  zahlreichsten  an  den  Ausmündungsstellen 
gesehen  werden,  suspendirt  sind.  In  den  weissen  sieht  man  eine 
farblose  Flüssigkeit  in  der  den  Milchkügelchen  ähnliche,  kleine, 
stark  lichtbrechende  Körperchen  suspendirt  sind.   Im    aufbewahrten 

*)   L.  c.  \>.  39,  Taf.  VI,  Fig.  1. 

2)  Vergleichende  Histologie,    1857,  p.  387. 


(J2  s  c  h  e  i  h  e  r. 

Zustande  sind  beide  Arten  von  Malp  ig  hi 'sehen  Gefässen  dunkelbraun 
gefärbt,  und  ihr  Inhalt  ist  scheinbar  derselbe,  mau  sieht  nichts,  als 
jene  kleinen,  stark  lichtbrechenden,  blassen,  hellen  Kügelchen,die  im 
frischen  Zustande  blos  in  den  weissen  Malpighi'schen  Gefässen  zu 
sehen  sind. 

BeiCephenomyien  und  Cephalomyien  ist  der  Bau  der  Malpighi- 
schenGefässe gleich;  zwei  hintere  und  zwei  vordere  Malpighi'sche 
Gefässe(Fig. 54 pp  und  od) treten  zu  einem  gemeinschaftlichen  Aus- 
führungsgang zusammen,  der  beiderseits  zwischen  Chylusmagen  und 
Dünndarm  (bei  g)  in  den  Darmcanal  mündet.  Die  zwei  hinteren  sind 
durchaus  gelb  gefärbt  und  endigen  am  freien  Ende,  welches  einen 
von  den  Rückengefässsträngen  kommenden  quergestreiften  Nerven- 
faden aufnimmt,  blind  (p'  p').  Ihre  Wand  ist  mit  dicht  aneinander- 
liegenden Ausbuchtungen  versehen.  Die  zwei  vorderen  Malpighi- 
schen  Gefässe  sind  eine  Strecke  weit  genau  so  gebaut,  wie  die  hin- 
tern, gehen  aber  plötzlich  in  kurze,  weite,  glattwandige  und  blind- 
endigende Canäle  über,  die  stets  strotzend  mit  einem  bei  auffallendem 
Lichte  gelbbraun,  bei  durchfallendem  Lichte  dunkelbraun  gefärbten 
Inhalte  gefüllt  sind,  und  mit  dem  gelbgefärbten  Abschnitte  in 
unmittelbarer  Communication  stehen  (Fig.  54  n  11).  Der  Inhalt 
der  braunen  Malpighi 'sehen  Gefässe,  der  sich  auch  in  den 
gelben  Theil  noch  fortsetzt ,  besteht  zum  grössten  Theile  aus 
einem  Aggregat  von  stark  lichtbrechenden  blass  gelblichen  Kügel- 
chen  von  der  Grösse  von  0001 — 0-006  Millim.;  zwischen  den- 
selben findet  man  hie  und  da  Büscheln  kleiner  zugespitzter  Säul- 
chen, deren  chemische  Beschaffenheit  jedoch  ebenso  wenig,  als  die 
der  Kügelchen  eruirt  werden  konnte.  Diese  Malpighi'schen  Gefässe 
haben  stellenweise  knotige  Anschwellungen  und  erhalten  von  den 
Rückengefässsträngen  vier  quergestreifte  Nervenl'äden  (I.  Theil, 
Fig.  23  d  d  d  d),  die  an  ihrer  Wand  spurlos  verschwinden. 

Den  feinern  Bau  anlangend,  bestehen  die  Malpighi'schen 
Gefässe  bei  Hypoderma-Larven  aus  einer  äusseren,  structurlosen 
Bindegewebsmembran,  einer  mittleren  Zellschichte  und  einer  innern 
feinstreifigen,  ziemlich  breiten  Cuticularschichte.  Die  Zellen  der 
mittleren  Schichten  sind  zu  beiden  Seiten  des  Gefässes  alternirend 
angereiht,  und  so  gross  (breit),  dass  sie  stark  gegen  das  Lumen  des 
Canales  vorspringen,  und  einen  schlängeligen  Verlauf  seiner  Lichtung 
verursachen. 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Üstriden-Larven.  (>3 

Sie  sind  ofl  fast  halb  so  breit,  als  der  Canal  selbst,  haben 
einen  dunkelbraunen,  feinkörnigen  Inhalt,  und  einen  guossen,  scharf 
hervorspringenden  Kern,  mit  grobkörnigem  Inhalte.  Im  gemeinschaft- 
lichen Ausführungsgange  finden  sich  kleine  glatte  Zellen,  von  der 
Grösse  von  0-005— 0-01  Millim. 

Bei  Cephalomyia-  und  Cephenomyia-Lav\en  konnte  ich  keine 
Cuticular schichte  mit  Sicherheit  erkennen.  Die  gelben  M  a  1  p  i  g  h  i'schen 
Gefässe,  die  beiCephenomyien  stärkere  Ausbuchtungen  haben,  als  bei 
Cephalomyien,  bestehen  aus  einer  äussern  structurlosen  Bindegewebs- 
membran,  und  aus  in  den  Ausbuchtungen  liegenden  Zellen.  Einer  jeden 
Ausbuchtung  entspricht  der  Sitz  einer  0-04 — 0-06  Millim.  grossen 
Drüsenzelle,  die  entweder  rund,  oval  oder  (2 — 3)-lappig  ist,  einen 
feinkörnigen,  gelbbraun  gefärbten  Inhalt,  und  einen  0-01 — 0*02 
Millim.  grossen,  runden  oder  mehrlappigen  Kern  mit  Kernkör- 
perchen  besitzt. 

Die  glatten  und  breiten  Malpighi'schen  Gefässe  (mit  dunkel- 
braunem Inhalte)  bestehen  aus  einer  structurlosen  Bindegewebs- 
membraiijinderO'OI  — 0*015  Millim.  grosse,  runde,  scharf  begrenzte, 
mit  einem  grossen  Kernkörperehen  und  grobkörnigen  Inhalt  ver- 
sehenen Kerne  eingelagert  sind.  Die  Epithelschichte  besteht  hier  aus 
0  004 — 0005  Millim.  grossen,  polygonalen  Zellen  mit  einem  gelb- 
braunen, feinkörnigen  Inhalte  und  einem  lichten,  glänzenden  runden 
Kern. 

5.  Fettkörper. 

Der  Fettkörper  ist  am  stärksten  bei  Hypodermen,  weniger  bei 
Gastriden,  noch  weniger  bei  Cephalomyien  und  am  allerwenigsten 
bei  Cephenomyien  vertreten.  Er  besteht  überall  aus  mit  grossen  Fett- 
tropfen erfüllten,  und  mehrere  (3 — 6)  Fortsätze  treibenden,  grossen 
Zellen,  die  mit  ihren  Fortsätzen  in  gegenseitiger  Verbindung  stehen 
und  im  Innern  einen  0-01  —  0-015  Millim.  grossen  mit  1 — 2  Kern- 
körperchen  und  grubkörnigem  Inhalte  versehenen  Kern  besitzen.  Diese 
Zellen  sind  in  dichter  Aneinauderlagerung  bei  Hypodermen  in  Form 
schmaler  Bänder  an  einander  gereiht,  so  dass  der  ganze  Fettkörper  aus 
einem  Convolut  von  in  Falten  gelegten  Bändern  besteht. 

Bei  Gastrus-  und  Cephenomyia-hixvyeu.  sind  die  Zellen  in  Form 
einer  gefalteten,  und  zwischen  den  Organen  eingeschobenen  Fascia, 
bei  Cephalomyien  endlich  in  Form  eines  grobmaschigen  Netzwerkes 


(J4        Sc  heil)  er.   Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven. 

angeordnet.  Die  Zellenkerne  sind  bei  Gastrus-  und  Cephenomyia- 
Larven  kreisrund,  bei  Hypoderma-  und  Cephalomyia-hwvew  eckig, 
und  aus  jeder  Ecke  gebt  ein  Fortsatz  ab,  der  sieb  gegen  den 
entsprechenden  Zellenfortsatz  verliert.  Der  Fettkörper  ist  im  Allge- 
meinen farblos  und  durchscheinend;  bei  Hypoderma-Lürven  kamen 
jedoch  oft  Stellen  im  Fettkörper  vor,  die  im  auffallenden  Lichte 
milchweiss,  im  durchfallenden  Lichte  dunkel  erscheinen.  Solche 
Zellen  klärten  sich  auf  Zugabe  von  Kalilauge,  die  Fetttropfen  und  der 
Zellkern  traten  wieder  rein  hervor. 

Die  Tracheen  sieht  man  manchmal  in's  Innere  der  Fettkörper- 
zellen treten,  woselbst  sie  sich  verlieren.  Der  Fettkörper  erhält  viele 
quergestreifte  Nervenfasern,  und  zwar  entweder  unmittelbar  von  den 
Riickengefässsträngen,  oder  von  deren  Nebenästen  *).  Nicht  selten 
siebt  man  feine,  quergestreifte  Primitiv-Nervenfäden  in  der  Wand 
einer  Fetlkörperzelle  spurlos  verschwinden. 


V   I.  Thl.  p.  409—471  und  473. 


Anmerkung.  Die  in  Hör  Einleitungdes  I.  Theiles  dieser  Abhandlung  erwähnte 
Aufbewahrungsmethode  von  Insecten  in  Weingeist  und  Glycerin  ist  dahin 
zu  modificiren,  dass  eine  Mischung  einer  Lösung  von  dopnelt-chromsaurein 
Kali  dasselbe  leistet,  ja  die  Eingeweide  innerhalb  eines  Jahres  noch 
besser  erhält,  wie  die  ersterwähnte  Mischung. 


Vergleichende  Anatomie  lind  Physiologie  der  Östriden-Larven.  ßj) 


Erklärung  der  Abbildungen. 

Fig.  34.  Ansicht  der  äusseren  Flache  der  Stigmenplatte  von  Gastrus  equi  F.; 
aa  die  zwei  Kiemenplatten;  b  b  die  Stigmenlamelle,  durch  welche  die 
Zapfen  des  Ringes  durchscheinen;  c  Stigmenloch;  dd  und  ee  die 
Kiemencanäle.  (80fache  Vergrösserung.) 

„  33.  Innere  Fläche  der  Stigmcnplatte  von  Gastrus  equi  F.;  a  a  der  äus- 
sere, d  a!  der  innere  Rand  des  Ringes;  b  b  die  Zapfen  desselben; 
c  c'  c  c'  die  innere  Stigmenmembran;  d  d  poröses  Gewebe,  auf 
welchem  der  Ring  liegt. 

„  36.  Scheniatischer  Durchschnitt  der  Stigmenlamelle  (in  der  senkrechten 
Richtung  von  b  b  in  Fig.  34  gedacht);  a  obere,  a'  untere  Stigmen- 
lippe; b  b  letzter  Leibesring;  c  c'  durchschnittene  Stigmenlamelle  ; 
d  äussere,  /"mittlere  und  g  innerste  Schichte  derselben;  d  und  f 
bilden  zusammen  die  äussere  und  g  die  innere  Stigmenmembran;  zwi- 
schen beiden  liegt  der  Stigmenraum ;  e  Stigmenröhre,  deren  äusseres 
Ende  die  äussere,  deren  inneres  Ende  die  innere  Stigmenöffnung  dar- 
stellt; hh  die  beiden  Zapfen  des  Ringes  (b  b  in  Fig.  35);  i  gewölbte 
Platte,  welche  die  Luftkammer  k  nach  innen  begrenzt,  und  an  welcher 
alle  Tracheenstämme  des  Körpers  in  die  Luftkammer  münden;  /  Mast- 
darm ;  V  Anus. 

„  37.  Die  die  Luftkammer  nach  innen  begrenzende  Chitinplatte  a,  b,  a,  b; 
derschematischeQuerschnittvonFig.36  hat  diese  Plattein derRichtung 
b  b  getroffen;  c  c  c  c  und  d  d  d  d  Ausmündungslöcher  der  acht 
Lungentracheenstämme;  ee  die  der  Darm-  und  ff  der  Körper- 
tracheenstämme. 

„  38.  Ein  Stück  eines  Kiemencanales  (d  d  und  e  e  Fig.  34)  bei  starker 
Vergrösserung  von  der  (äusseren)  Fläche  gesehen;  a  a  und  b  b  Fen- 
ster zwischen  den  Querleisten  gg  g  g;  c,  d  die  mittlere  Schichte 
der  Kiemenplatte;  e  e,  ff  Grenze,  wo  sich  diese  in  zwei  Blätter  theilt, 
zugleich  die  Bögen,  welche  die  Fenster  des  äusseren  Blattes  nach  aussen 
begrenzen;  h  Längsstäbchen,  welche  die  Querleisten  in  der  Median- 
linie des  Kiemencanales  mit  einander  verbinden;  h,  g,  f,  e  bilden  dem- 
nach das  äussere,  i  i  das  innere  Blatt  der  mittlereu  Schichte,  welches 
in  Form  zweier,  längs  eines  ganzen  Kiemencanales  ununterbrochen  fort- 
laufender (Längs-)  Leisten  erseheint,  die  in  der  Medianlinie  zwischen 
sich  den  Spalt  l  lassen;  k  feingezähnter  Rand  der  Längsleisten; 
m  m  Linien,  von  wo  an  die  Längsleisten  dick  und  hart  werden,  und 
sich  von  den  Querleisten  entfernen. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  [.  Abth.  5 


66  S   v   h   e   i   I)   e   r. 

Fig.  39.  Schematischer  Querschnitt  eines  Kiemencanales,  um  das  Innere  des- 
selben zu  sehen,  a  äusserste  Schichte  der  Kiemenplatte;  e  e' ,  f  f 
mittlere;  b,  c,  d,  g  tiefliegende  Schichte  derselben,  e'  ist  die  mittlere 
Chilinschicht  im  Ganzen;  e  das  oberflächliche  Blatt  (Querleisten), 
f  f  das  tiefe  Blatt  (Längsleisten)  derselben  (der  Querschnitt  hat 
nämlich  den  Kiemencanal  in  der  Bichtung  [Fig.  38  e,  f]  gerade  dort 
getroffen,  wo  kein  Fenster  sondern  eine  Querleiste  liegt),  d,  c,  d 
schwammiges  Gewebe  der  3.  Schichte  der  Kiemenplatte;  b  b  Balken, 
die  von  der  mittleren  Schichte  (zwischen  den  Kiemencanälen)  aus- 
gehen, und  aus  denen  das  poröse  Gewebe  hervorgeht;  g  g  der  Steg 
(eine  hufeisenförmige  Platte),  welcher  sich  aus  dem  mittleren  Theile 
des  Balkengewebes  (o)  erhebt,  und  auf  welchem  die  Längsleisten 
ruhen;  //  oberer  (äusserer),  i  unterer  (innerer)  Bauin  des  Kiemen- 
canales; beide  eommuniciren  durch  den  Spalt  zwischen  beiden  Längs- 
leisten l. 

„  40.  Vordere  Endigung  der  Körpertracheen  bei  Gastrus-Lnrven;  «der  Stiel; 
b  der  Knopf  des  braunen  Körpers  ;  c  vorderes  Stigmenloch  (zwischen 
1.  und  2.  Bing);  d  harte  Chitinröhre,  zu  welcher  sich  das  äussere  Inte- 
gument  nach  innen  verlängert,  und  in  welcher  der  braune  Körper  steckt; 
e  Ende  des  Haupttracheenstammes.  (80fache  Vergrösserung.) 

„  41.  Lungenbläschen  von  Gaslrus  equiF.;  a  Tracheenstamm ;  bb  von  die- 
sem abtretende  Zweige,  an  deren  Ästchen  die  Lungenbläschen  c  c 
hängen;  d  d  Fortsätze  der  Lungenbläschen-Zellen,  mittelst  denen 
diese  unter  einander  eommuniciren. 

„  42.  Ein  Segment  der  hinteren  Stigmenplatte  von  Cephalomyia  ovis  L.  bei 
mittlerer  Vergrösserung;  a  centrale,  lichte,  von  einem  Bing  umgebene 
Lamelle;  b  b  feine  Löchelehen  des  porösen,  dunklen  Theiles  der 
Stigmenplatte;  c  c  die  von  der  Centrallamelle  in  den  dunklen  Theil 
ausstrahlenden,  compacten,  helleren  Chitinstreifen  (Badien),  die  sich 
noch  über  den  wulstigen  äusseren  Band  der  Stigmenplatte  d  hinaus 
erstrecken  (jedoch  in  der  Zeichnung  nicht  ausgeführt). 

,,  43.  Eine  hintere  Stigmenplatte  von  Hypoderma  bovis  bei  lOOfacher  Ver- 
grösserung; a  ,  b  und  d,  wie  in  der  vorigen  Fig.  c  der  innere  Band  der 
einen,  e'  der  der  anderen  in  der  Fig.  nicht  ausgeführten  Stigmenplatte; 
e  der  beide  Stigmenplatten  von  einander  trennende  Theil  des  äusseren 
Integumentes. 

„  44.  Ein  Stück  von  b  in  Fig.  43  bei  starker  Vergrösserung;  a  harte  und 
dunkle  Chitinplatte;  b  Löcher  in  derselben,  an  deren  Grunde  die  an 
der  inneren  Fläche  der  Platte  gelegene,  fein  schwammige  Substanz 
durchscheint;  c  zugeschärfter  Band  des  Loches. 

„  45.  Vordere  Endigung  eines  Haupttracheenstammes  bei  Hypoderma  Actaeon 
Br. ;  a  Centralstrang;  b  äussere  bindegewebige  Umhüllung  des  End- 
.slranges,  in  welchen  das  vordere  Ende  des  Haupttracheenstam- 
mes  r  übergeht;  d  Stelle,  wo  sich  der  Strang  in  die  Tiefe  des 
äusseren  Integumentes  c  verliert.  Letzteres  ist  mit  seiner  inneren 
Fläche  dem  Leser  zugekehrt,  an  welcher  die  an  der  äusseren  Fläch« 


Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östiiden-Larven.  67 

desselben    befindlichen    Felder  (s.  Fig.  1)  durchscheinen.    (Mittlere 
Vergrösserung.) 
Fig.  46.  Eine  Tracheenblase  von  //y/?0<feraavlctoeottBr.(3OfacheVergrösserung.) 

„  47.  Tracheenkörper  von  Hypoderma  Tarandi  L.;  a  Tracheenast;  bb 
Tracheenzweige;  ccc  die  sogenannten  Tracheenkörperchen.  (30fache 
Vergrösserung.) 

„  48.  Inhalt  eines  derartigen  Körperchens;  a  a  feine  Tracheenzweigchen; 
b  b  an  diesen  anhängende  kernige  Gebilde;  b'  b'  solche  mit  kleinen 
Stielchen  versehen.  (Starke  Vergrösserung.) 

„  49.  Trachee  von  Gastrus  eqiiiF.  (starke  Vergrösserung) ;  aa  äusserste 
Schichte  der  Tracheenwand;  a'  Kerne  derselben;  b  die  mittlere, 
c  innerste  Schichte;  d  Zwischenraum,  der  oft  zwischen  äusserer  und 
mittlerer  Schichte  bemerkt  wird;  e  Spiralfäden  der  innersten  Schichte, 
die  nach  aussen  vorspringen. 

„  SO.  Äussere  und  mittlere  Schichte  der  Tracheenwand  von  der  Wurzel  eines 
Haupttracheenstammes  einer  Larve  von  Cephenomyia  picta  Mg.,  von  der 
Chitinschicht  in  einem  Stücke  abgezogen;  a  a  äussere  (Bindegewebs-) 
Membran;  b  b  mittlere  (chitinogene)  Membran;  c  Kerne  in  ersterer. 
d  die  grossen  Zellen  in  der  letzteren;  d'  ausgefallene  Zellen;  e  e 
Faltenbildungen  beider  Membrane.   (Starke  Vergrösserung.) 

„  51.  Schnittfläche  der  Tracheenwand  von  Cephenomyia  picta  Mg.  bei  einer 
der  Längsaxe  des  Tracheenrohres  parallelen  Schnittführung;  a,b,c 
wie  in  Fig.  49;  d  wie  in  Fig.  50:  e  einem  Spiralfaden  entsprechende 
Hervorragung  nach  innen;  f  innerste  Begrenzungslinie  der  Chitin- 
schichte. (Starke  Vergrösserung.) 

„    51    a.  Ein  Stück  der  Tracheenblase  (Fig.  46)  bei  starker  Vergrösserung. 

„  52  A.  Schlundgerüste  sammt  Mundhaken  von  Cephalomyia  maeulata  W  d. 
in  eine  Fläche  ausgebreitet  (30fach  vergrössert);  a,  d,  a  oshyoideum; 
bb'b  Mundhaken;  cc  Seitentheile,  c'  und  c" e"  mittlerer  U-förmig 
gebogener  Theil  der  Schlundflügel;  e  e  innere  gerade,  f  halbkreis- 
förmige und  g  g  innere  quere  Schlundmuskeln;  h  Fortsetzung  der 
Schlundflügel  in  den  Ösophagus. 

„  52  B.  Schematischer  Querschnitt  durch  das  os  hyoideum;  a  os  hyoideum; 
b  eingestülpte  Hautpartie;  cc  durchschnittene  innere  gerade  Schlund- 
muskeln; d  der  in  das  Bereich  des  os  hyoideum  fallende  Theil  des 
Schlundcanales. 

„  53.  Schematischer  Querschnitt  der  Schlundflügel;  c  c  c',  f  und  g  g 
wie  in  Fig.  52  A;  d  Bückenkante  der  Schlundflügel,  wo  die  2  Seiten- 
theile derselben,  und  die  entsprechenden  Enden  der  inneren  queren 
Schlundinuskeln  unter  einander  verwachsen  sind;  e  Baum  im  Inneren 
der  Schlundflügel,  zwischen  den  beiderseitigen  inneren  queren  Schlund- 
muskeln (oberhalb  der  halbkreisförmigen  Schlundmuskeln);  h  Baum 
unterhalb  der  halbkreisförmigen  Schlundnmskeln  (der  in  das  Bereich 
der  Schlundflügel  fallende  Theil  des  Schlundcanales). 

„  54.  Digestionsapparat  der  Larve  von  Cephalomyia  maeulata  Wd.;  a  innere 
musculäre   Theile    des   Schlundes   im   Zusammenhange    aller   inneren 


ß$        Scheiber.  Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Östriden-Larven. 

Schlundmuskeln;  b  Ösophagus;  c  Vormagen;  d,  e,  f  Chylusmagen; 
g  Grenze  zwischen  Chylusmagen  und  Dünndarm  (Einmündungsstelle 
der  Mal  pighi'schen  Gefässe  in  den  Darmcanal);  h  Grenze  zwischen 
Dünn-  und  Dickdarm;  i  Dickdarm;  k  Ende  desselben;  /Mastdarm; 
m  m  von  der  Wand  desChylusmagens  ausgehende  quergestreifte  Fäden; 
n  n  dunkler  Theil;  oo  heller  Theil  der  vorderen  Malpigh  i 'sehen 
Gefässe;  pp  hintere  Malpighi'sche  Gefässe;  p'p'  dem  blinden  Ende 
der  hinteren,  qq  dem  vorderen,  q'q'  dem  hinteren  (blinden)  Ende  des 
dunklen  Theiles  der  vorderen  Mal  pighi'schen  Gefässe  anhängende 
quergestreifte  Nervenfäden;  r  r  Speicheldrüsen;  s  deren  gemein- 
schaftlicher Ausführungsgang. 
Fig.  öS.  Die  Dünndarmklappe  von  Hypoderma  Diana  Br.  bei  20facher  Ver- 
größerung; «Dünndarm;  b  Dickdarm;  c  Klappe. 

„  56.  Epithelschicht  des  Ösophagus  einer  Larve  von  Hypoderma  bovis  F.; 
a  a  Epithelzellen;  b  b  die  zwischen  ihnen  durchscheinende  Mem- 
brana proprio.  (Starke  Vergrrösserung.) 

„  57.  Lange  Cylinderzellen  aus  der  Vormagenklappe  von  Cephalomyia  macul. 
Wd.;  a  Cylinderzelle;  a'  an  die  Membrana  proprio  stossendes  Ende 
derselben;  b  Zellenkern.  (Mittlere  Vergrösserung.) 

.,  58.  Zellen  aus  der  Wand  des  Vormagens  derselben  Larve;  a  a  Zellen; 
/;  Zellenkern;  c  zwischen  den  Zellen  durchscheinende  Membrana 
proprio. 

„  59.  Endanschwellung  eines  Nervenzweiges  aus  dem  Mastdarmplexus  von 
Gastrus  equi  F.;  a  Nerv;  b  Endanschwellung  desselben;  c  scharf 
begrenzte,  fein  granuläre  Masse,  in  welchen  der  Axenstrang  d  übergeht. 

„  60.  Querschnitt  der  Wand  des  Chylusmagens  von  Hypoderma  Actaeon  Br. ; 
a  Peritonealschicht;  b  Muskularis;  c  Membrana  proprio;  d  Chylus- 
zellen;  e  feinstreifiger  Saum  derselben. 

„  61.  Eine  Cylinderzelle  aus  dem  Chylusmagen  von  Cephalomyia  maculata 
Wd.;  a  Zelle;  b  feinstreifiger  Saum,  von  der  Zelle  abgehoben; 
c  Zellenkern. 

„  62.  Querschnitt  der  Wand  des  Mastdarmes  von  Hypoderma  bovis  F.;  a  dicke 
Peritonealschichte;  a'  Kern  derselben;  b  sehr  breite  Muskelschicht 
(Kreisfasern);  b'  durchschnittene  Längsfasern;  c  Membrana  proprio ; 
d  Zellschichte;  e  Cutieula  (zarte  Chitinmembran).  —  (Fig.  58,  59, 
60,  61  und  62  stark  vergrössert.) 


Scheiber.  Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der   Oestriden    Larven. 


d      fy.J* 


Gea  y.Di  C  Heitamram.  Alts  d  k  k  Hof.u  Staatsdiu.ckerei 

.SitÄiino'sb.d.k.AkaA.d.W.  matli.natunv.  Cl.XLV.  Bd.T.Abth.  1862. 


Scheiber  Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Oestriden  Larven. 


Taf.IL. 


FigAZ. 


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Ais  i.  ^kUof.u.  Staats  drucIceTei. 


SiHungsb.d.k.Akaa .d.W.  mall.,  matunr.  C1XLY.  Bi-LÄbÄ.  L86S 


Scheiber. Vergleichende  Anatomie  und  Physiologie  der  Ocstriden    Larven 


Taf.III. 


Fig.  58. 


Fig.  ■>/ 


hfl .  Sf  a  . 


Aus  d.]c  k.Hof.u..  St&atsdiicckeiei 
Sitaun£so  (l.k  .Akak  d.W.  matli.  naturw  Cl.XLV.  Bd     Alnli   1862. 


69 


II.  SITZUNG  VOM  9.  JÄNNER  1862. 


Herr  Hofrath  W.  Haidinger  übersendet  eine  Mittheilung, 
betitelt:  „Das  Meteoreisen  von  Cranbourne  im  k.  k.  Hof-Mineralien- 
Cabinete,  ein  Gescbenk  von  dem  königlich  grossbritannischen  Gou- 
verneur von  Victoria  in  Australien,  Sir  Henry  ßarkly". 

Herr  Prof.  Dr.  Fr.  Unger  überreicht  die  Fortsetzung  seiner  Ab- 
handlung: „Botanische  Streifzüge  auf  dem  Gebiete  der  Culturge- 
schichte.  V.  Inhalt  eines  alten  ägyptischen  Ziegels  an  organischen 
Körpern". 

Herr  Dr.  Fr.  Rolle,  Custos-Adjunct  am  k.  k.  Hof-Mineralien- 
Cabinete,  legt  eine  Abhandlung  vor:  „Über  eine  neue  Cephalopoden- 
Gattung  Cyclidia  aus  den  Tertiärschichten  von  Siebenbürgen". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Akademie,  Königl.  Preuss.,  zu  Berlin,  Monatsbericht.  Novem- 
ber 1861.  Berlin,  1861;  8°- 
—  Königl.  Bayer.,  zu  München,  Abhandlungen  der  mathem.-phy- 
sikal.  Classe.  IX.  Band.  I.  Abtheilung.  München,  1861;  4°-  — 
Harless  Emil,  Massbestimmung  der  Polarisation  durch  das  phy- 
siologische Rheoskop.  —  Idem.  Moleculäre  Vorgänge  in  der 
Nervensubstanz.  IV.  Abhandlung.  Massbestimmung  der  Reiz- 
barkeit im  Allgemeinen  (Fortsetzung)  und  bei  der  Quellung 
insbesondere.  —  Rathke,  Heinrich,  Untersuchungen  über  die 
Arterien  der  Verdauungswerkzeuge  der  Saurier.  —  Wagner, 
A„  Neue  Beiträge  zur  Kenntniss  der  urweltlichen  Fauna  des 
lithographischen    Schiefers.    II.   Abtheilung.    Schildkröten    und 


70 

Saurier.  Mit  6  Tafeln.  (Aus  den  Abhandlungen  der  k.  b.  Ak. 
d.  W.  II.  Cl.  IX.  Bd.  I.  Abth.)  München,  1860  &  1861;  4«-  — 
Bi  seh  off,  Theodor  Ludw.  Willi.,  Gedächtnissrede  auf  Friedrich 
Tiedemann.  München,  1861  ;40,  —  Lieb  ig,  Justus  Freih.  v., 
Rede  zur  Vorfeier  des  102.  Stiftungstages  der  k.  Akad.  d. 
Wiss.  am  26.  März  1861.  München,  1861;  4»-  —  Idem,  Rede 
zur  Feier  des  a.  h.  Geburtsfestes  Sr.  Maj.  des  Königs  Maximilian 
II.  München,  1861;  40-  —  Wagner,  Andreas,  Denkrede  auf 
Gotthilf  Heinrich  v.  Schubert.  München,  1861;  4°- 

American  Journal  of  Science  and  Arts,  New  Series.  Vol.  XXXII, 
Nr.  95  &  96.  New  Haven,  1861;  8°- 

Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1343.  Altona,  1862;  4°- 

Austria,  XIV.  Jahrgang.  I.  Heft.   Wien,  1862;  8°- 

Comptes  rendus  de  I'Academie  des  sciences,  Tome  LIII,  Nr.  25. 
—  Tables  des  Comptes  rendus  des  seances.  Premier  Semestre, 
1861.  Tome  LH.  Paris,  1861;  4»- 

Cos  mos,  XP  Annee,  20e  Volume,  lre  Livraison.  Paris,  1862;  8»- 

Istituto,  I.  R.,  Veneto  di  scienze,  lettere  ed  arti,  Atti.  Tomo  VI0, 
Serie  3%  Disp.  I0a.  Venezia,  1860—61;  8°- 

Peretti,  Paolo,  Dell1  azione  chimica  delP  acqua  sopra  i  sali  e  sopra 
gli  aeidi.  Roma,  1861;  8°- 

Semmelweis,  J.  Ph.,  Zwei  offene  Briefe  an  Dr.  J.  Spaeth  und 
an  Hofrath  Dr.  F.  W.  Scanzoni.  Pest,  1861 ;  8°-  —  Zwei 
offene  Briefe  an  Hofrath  Dr.  Eduard  Casp.  Jac.  v.  Siebold 
und  an  Hofrath  Dr.  F.  W.  Scanzoni.  Pest,  1861;  8°- 

Wiener  medizinische  Wochenschrift,  XII.  Jahrgang,  Nr.  1.  Wien, 
1862;  4o- 


71 


Oligocäne  Bryozoen  von  Laidorf  in  Bernburg. 
Von  Dr.  Ferdinand  Stolicika. 

(Mit  3  Tafeln.) 
(Torgelegt  in  der  Sitzung  am  12.  December  1861.) 

Das  Studium  der  norddeutschen  Tertiärablagerungen  wird 
besonders  erschwert  durch  den  Mangel  an  Aufschlüssen ,  indem  weit 
ausgedehnte  und  mächtige  Schotterablagerungen  den  Einblick  in  die 
Lagerungsveihältnisse  meist  ganz  versagen.  Bohrungen ,  Eisen- 
bahnbauten, Schürfungen  auf  Kohle  und  andere  zufällige  Grabungen 
in  die  Tiefe  sind  fast  die  einzigen  Mittel,  welche  den  Geologen  hier 
in  seinem  Unternehmen  zu  unterstützen  vermögen.  Daher  kommt  es 
auch,  dass  man  sich  gewöhnlich  auf  die  Beschreibung  einzelner 
solcher  Localitäten  und  Petrefactenfundstätte  beschränken  muss. 
Die  genaue  geologische  Kenntniss  einer  grösstmöglichen  Anzahl 
dieser  Punkte  ist  aber  zuerst  nothwendig,  wenn  man  sich  ein  Ge- 
sammtbild  über  den  Zusammenhang  der  Ablagerungen  entwerfen  will, 
wie  es  bereits  im  Jahre  1855  Prof.  Beyrich1)  in  seiner  Schrift: 
„Über  den  Zusammenhang  der  norddeutschen  Tertiärbildungen"  mit 
Meisterhand  versucht  hat. 

Einen  werthvollen  Beitrag  zur  Charakterisirung  des  unteroligo- 
cänen  Braunkohlensystems  Beyrich 's  verdankt  man  einem  Ver- 
suchsbaue auf  Kohle  bei  Latdorf  (Carls grübe)  im  Herzogthume 
Anhalt-ßernburg.  DerPetrefactenreichthum  diesesFundortes,  nament- 
lich an  Mollusken,  ist  schon  an  anderen  Orten2)  vom  Herrn  Giebel 
hervorgehoben  worden. 


')  Abhandl.  d.  Berlin.  Aksid.  185ö. 

*)  Zeitseh.  für  gesammle  Naturwiasenscli.  [5d.  12,  p.  422  und  Bd.  IT,  p   30. 


72  Stoliczka. 

Mit  einer  Sendung  von  Petrefacten  erhielt  von  dort  das  k.  k. 
Hof-Mineraliencabinet  durch  Herrn  Schwarzenauer  zugleich  eine 
Menge  geschlemmter  Proben,  deren  Mittheilung  ich  der  Güte  des 
Herrn  Director  Dr.  Hörn  es  verdanke.  In  einem  Briefe  an  Dr.  Hörne  s 
schreibt  Herr  Schwarzenauer  folgendes  über  das  Lager  der  Ver- 
steinerungen, aus  dem  auch  die  Proben  entnommen  sind:  „Die 
Muscheln  liegen  20 — 30'  unter  Tag  in  einer  Sandschichte  von  gröberem 
und  feinerem  Korn.  In  diesem  Sande  liegen  von  derselben  Masse  Linsen 
und  Kugeln,  welche  die  nämlichen  Versteinerungen  als  Steinkerne 
einschliessen.  Die  Sandschichte  bedeckt  die  Kohle  diiect.  In  der 
Kohle  findet  sich  viel  Retinit,  oft  in  Stücken  von  6"  Länge". 

Obwohl  ich  es  mir  zur  Hauptaufgabe  gestellt  habe,  in  den 
folgenden  Blättern  eine  möglichst  vollständige  Darstellung  der 
Bryozoenfauna  dieses  Fundortes  zu  geben,  will  ich  doch  die  anderen 
Vorkomnisse,  insoferne  sie  nicht  schon  aus  den  werthvollen  Mitthei- 
lungen des  Herrn  Giebel  bekannt  geworden  sind,  nicht  ganz  unbe- 
rücksichtigt lassen.  Die  Angaben  betreffen  namentlich  die  Foramini- 
feren  und  Anthozoen. 

Die  Foraminiferen  sind  im  Ganzen  nicht  besonders  selten 
an  Arten,  aber  an  Individuen.  Sie  gehören  grösstentheils  schon  be- 
kannten Arten  an,  wie  sie  sich  in  den  Abhandlungen  von  Prof.  R  e  u  s  s , 
Bornemann  u.  a.  verzeichnet  finden.  Am  häufigsten  kommt  Am- 
phistegina  nummularia  vor.  Herr  F.  Karre r  theilte  mir  folgende 
Bestimmungen  von  27  Species  mit: 

Dentalina  intermitens  Br. ,  D.  Sandbergeri  Rss.,  D.  purgcns 
R  s  s. ,  Cristellaria  arcuata  Karst.,  Robnlina  cultrata  d  '0  r b. ,  R. 
incompta  Rss.,  R.  negleda  Rss.;  — Rotalina  Partschiana  d'Orb., 
R.  Dutemplei  d'Orb.,  R.  Schreibersii  d'Orb.,  R.  umbonata  Rss., 
R.  trochns  Rss.;  —  Truncatulina lobatula  d  0  r  b. ;  —  Ampliistegina 
nummularia  Rss.;  —  Guttulina  problema  d'Orb.,  G  turgida  Rss.; 
—  Globulina  gibba  d'Orb.,  G  inflata  Rss.,  G.  amigdatoides  Rss., 
Triloculina  gibba  d'Orb.,  Tr.  consobrina  d'Orb.,  Tr.  turgida 
Rss.,  Tr.  orbicularis  Rom.;  —  Quinqueloculina  angusta  Phil., 
Q.  ovata  Rom.,  Q.  longirostra  d'Orb.,  Q.  impresso,  Rss. 

Von  Anthozoen  führt  bereits  Herr  Giebel  Cyathina  tercs, 
Cyath.  2  sp.  ind.  und  eine  Scyphia  an.  Mir  sind  bisher  14  Arten 
bekannt  geworden,  von  denen  jedoch  nur  vier  bestimmbar  waren.  Es 
sind  folgende: 


Oligocäue  Bryozoen  von  Latdorf  iii  Bernhurg.  73 

Cyathina  teres  et  firma  Phil.,  Balanophyllia  subcyUndrica 
Phil.,  Bathangia  sessilis  Schoth.,  Trochoseris  2  sp.,  Flabellum 
sp.,  Axopora  2  sp.,  Rhypidogyra  sp.,  Endopsammia  sp.,  Trocho- 
cyathus  sp.,  Oculina  sp.  und  eine  etwas  zweifelhafte  Turbinuria. 

An  einem  anderen  Fundorte  Söllingen  bei  Jerxheim  in 
Braunschweig,  über  dessen  Molluskenfauna  Herr  0.  Speyer  im 
12.  Bande  der  Zeitschrift  der  deutschen  geologischen  Gesellschaft 
berichtet  halte,  fand  ich  Cyath.  teres  Phil.,  Cyath.  cornucopiae  und 
Balanophyllia  costata  Kefst.  Mehrere  Bryozoen  von  Söllingen 
werde  ich  im  Laufe  des  Textes  zu  erwähnen  Gelegenheit  haben. 

Bei  Latdorf  kommt  ausserdem  nicht  selten  eine  Siliquaria, 
Thecidea  sp.,  Argiope  (subradiata  S  a  n  d  b.)  und  eine  Menge  kleiner 
Mollusken  aus  den  Sippen  Rissoa,  Capulus,  Chemnitzia,  Nucula 
u.  a.  vor,  so  dass  auch  in  dieser  Richtung  die  Fauna  noch  manchen 
Beitrag  erhalten  wird. 

Von  Ostrakoden  fand  ich  merkwürdigerweise  nicht  eine  einzige 
sicher  bestimmbare  Art,  während  diese  Gruppe  sonst  in  den  nord- 
deutschen Tertiärbildungen  selten  fehlt.  Es  ist  überhaupt  auffallend, 
dass  trotz  der  unmittelbaren  Nähe  der  Kohle  die  Fauna  eine  rein 
marine  bleibt. 

B  r  y  o  z  o  a. 

Um  einige  Anhaltspunkte  über  das  Vorkommen  der  Bryozoen 
bei  Latdorf  zu  gewinnen,  dürfte  es  nicht  überflüssig  sein,  vorerst 
einen  Blick  auf  die  allgemeine  Vertheilung  dieser  Thierclasse  in  den 
marinen  Tertiärschichten  des  Wiener  Beckens  zu  werfen.  Die  Resul- 
tate bestätigen  vollständig  die  zuerst  vom  Herrn  Prof.  E.  Suess1) 
ausgesprochene  Behauptung  von  der  gleichzeitigen  Ablagerung  der 
verschiedenen  Tegel-,  Sand-  und  Leithakalkbildungen  in  diesem 
Becken.  Es  soll  dies  zugleich  ein  Beispiel  sein,  wie  wichtig  das  von 
Herrn  Suess  angeregte  Zonenstudium  für  unsere  Tertiärablagerun- 
gen ist,  und  was  für  ein  reiches  Feld  zur  Untersuchung  sich  uns 
hierdurch  bietet;  es  sind  dies  Untersuchungen,  welche  E.  Forbes 
für  die  Zonenfauna  des  brittischen  und  ägäischen  Meeres  so  glänzend 


')   Wohnsitze  d.  Brachiop.  11.  Abschn.  \>.  lö'J,  Sitzb.  d  k.  Akad.  Bd.  XXXIX. 


74  S  t  o  l  i  c  z  k  a. 

dargethan  hat  und  die  ebensowenig  auf  Artunterschiede  ohne  Ein- 
fluss  bleiben  können,  als  die  neuesten  Forschungen  Darwin's. 

Die  Hauptfundstätte  für  Bryozoen  im  Wiener  Becken  sind  die 
Leithakalkbildungen.  Unter  diesen  kann  man  gewöhnlich  zwei  Zonen 
unterscheiden,  welche  durch  ein  vorwiegendes  Auftreten  *)  bestimm- 
ter Arten  sich  recht  gut  charakterisiren  lassen. 

Das  höher  gelegene  Niveau,  welches  in  grossen  Mengen  ,4m- 
phistegina  Haueri  enthält  und  desswegen  als  Amphisteginen- 
Horizont  bezeichnet  wird,  ist  überall  charakterisirt  durch  Idmonea 
pertusa,  Pustolopora  anomala,  Cellepora  globularis,  Cellaria  Miche- 
lini, Hornera  frondiculata  u.  e.  a.  Die  Fauna  ist  nicht  reich  an  Arten 
dafür  sind  aber  die  einzelnen  Individuen  zahlreicher.  Was  über  der 
Amphisteginenschichte  liegt,  enthält  meist  sehr  wenig  Bryozoen  oder 
nur  stark  abgeriebene  Bruchstücke.  —  Der  tiefere  Horizont,  in 
welchem  Terrebratula  grandis  sehr  häufig  vorkommt,  enthält  die 
grösste  Zahl  der  aus  dem  Wiener  Becken  bekannten  Bryozoen. 
Vorherrschend  sind  Clieilostomen,  indessen  auch  die  Cyclostomen 
ziemlich  reich  vertreten;  von  beiden  Gruppen  sind  die  incrustiren- 
den  Arten  überwiegend.  Der  wichtigste  Fundort  ist  Eisenstadt. 

Überhaupt  scheinen  nicht  sehr  steile  Inselküsten  mit  festem 
Grunde  der  Entwickelung  der  Bryozoen  besonders  günstig  zu  sein, 
wie  dies  heutzutage  zum  Beispiel  von  Rhodus  bekannt  ist,  deren 
Bryozoen-Fauna  mehr  als  die  Hälfte  ihrer  Arten  ident  hat  mit  Eisen- 
stadt. Ein  reiches  Vorkommen  von  Bryozoen  mit  Terr.  grandis 
theilte  mir  Herr  Stur  von  Podjarkow  in  Galizien  mit;  auch  Busk 
erwähnt  dieses  Zusammen-Vorkommens  an  mehreren  Stellen  seines 
Werkes:  „Über  die  Polyzoa  des  englischen  Crag*.  In  festen  Leitha- 
kalken, die  oft  ganz  aus  Nulliporen  bestehen,  sind  Bryozoen  meist 
schwer  nachzuweisen;  indessen  gehören  diese  Leithakalke  zum 
grossen  Theile  dem  obern  Amphisteginen-Horizont  an. 

Wo  dagegen  Leithakalke  fehlen  und  blos  durch  Conglomerate, 
wie  bei  Kalksburg  oder  durch  reinen  Sand,  wie  bei  Pötzleinsdorf, 


i)  Es  ist  selbstverständlich,  dass  man  auf  ganz  vereinzelte  Vorkommen  hier  ebenso- 
wenig ein  entscheidendes  Gewicht  legen  kann,  alsbei  anderen  Thierclassen.  Die  leichte 
Zerbrechlichkeit  der  zarten  Stämmchen,  das  Aufsitzen  derselben  auf  todten  Muschel- 
schalen oder  an  Seetangen  setzt  die  Bryozoen  noch  leichter  der  Gefahr  ans,  durch 
Wellenschläge  in  verschiedene  Tiefen  und  oft  auf  grosse  Strecken  weit  fort- 
gebracht zu  werden. 


Oligocäne  ßiyo/.oea   von  Laldurf  in  Beraburg.  75 

Grund,  Niederkreuzstätten  u.  s.  w.  vertreten  werden,  nimmt  die 
Zahl  der  Bryozoen  sehr  bedeutend  ab,  obwohl  die  andere  Mollus- 
kenfauna oft  sehr  reich  ist.  Es  lässt  sich  dies  wohl  daraus  erklären, 
dass  die  häufigen  Versandungen  das  Aufkommen  dieser  Thierclasse 
unmöglich  machen  oder  wenigstens  sehr  erschweren.  —  Bei  etwas 
tieferen  Horizonten  als  Eisenstadt,  oder  vielmehr  wahrscheinlicher, 
bei  gewissen  Localverhältnissen  der  Küstenbildung  an  grösseren 
Continenten,  zu  denen  ich  zum  Beispiel  Porzteich,  Ehrenhausen  und 
Wildon  in  Steiermark  und  andere  rechnen  möchte,  sind  die  über- 
rindenden  Formen  viel  weniger  zahlreich  und  werden  ersetzt  durch 
stammbildende  Escharen,  Homeren,  Idmoneen,  Scrupocellarien  u.  A. 
Im  Ganzen  ist  die  Fauna  ärmer  als  bei  Eisenstadt. 

Sehr  auffallend  ist  nun  das  Abnehmen  der  Bryozoen  mit  der 
Tiefe  der  Ablagerung,  während  zugleich  die  Foraminiferen-Fauna 
immer  reicher  und  mannigfaltiger  wird.  Es  gehören  hierher  die  ver- 
schiedenen Tegelbildungen  des  Wiener  Beckens. 

In  Forchtenau,  wo  bereits  die  Foraminiferen-Zahl  sich  ansehn- 
lich vermehrt,  kommen  kaum  mehr  über  20  Arten  von  Bryozoen, 
fast  durchgehends  Escharen  und  Homeren  vor.  In  dasselbe  Niveau 
wäre  Lapugy  (oberer  Tegel)  und  Bujtur  in  Siebenbürgen  zu  ziehen. 

In  Baden,  Perchtolsdorf,  Ruditz  bei  Brunn  und  anderen  Tegel- 
bildungen, deren  Foraminiferen-Fauna  erst  kürzlich  Herr  F.  Karrer 
einer  eingehenderen  Bearbeitung  unterzogen  hat,  und  die  sich  durch 
ein  Vorherrschen  an  Stichostegiern  kennzeichnen,  ist  die  Zahl  der 
Bryozoen  kaum  auf  12  Arten  herabgesunken.  Am  häufigsten  kommt 
Cupularia  Haidingeri,  Cellepora  rosula,  Cellepora  n.  sp.  (stamm- 
bildend mit  Zellen  von  der  Form  der  Lepralia  monoceros),  Hornera 
hippolyta,  Eschara  monilifeva  und  einige  wenige  noch  vor. 

In  Möllersdorf,  das  etwas  weiter  vom  Ufer  entfernt  liegt,  und 
wo  Turbinolia  und  Flabellum  sehr  häufig  sind ,  fand  ich  nur  mehr 
Cellep.  rosula  und  Cupul.  Haidingeri,  wie  auch  im  Tegel  von  Szobb 
in  Ungarn. 

Im  Tegel  bei  Ödenburg  kommen  nur  sehr  selten  Bruchstücke 
von  Cupul.  Haidingeri  und  einem  grossen  Lunuliten  vor,  der  übri- 
gens schon  in  Baden  auftritt. 

Aus  dem  Tegel  bei  März  schliesslich,  wo  auch  schon  die  Fora- 
miniferen-Fauna durch  das  Überwiegen  an  Globigerinen  etwas  ein- 
förmiger wird,  ist  mir  gar  kein  Bryozoum  bekannt. 


76  Stoliczka. 

Aus  diesen  Daten  lasseu  sich  nun  leicht  folgende  allgemeine 
Schlüsse  ziehen  *)•  Die  Mannigfaltigkeit  der  Bryozoen-Fauna  nimmt 
mit  der  Tiefe  der  Ablagerung  ab,  jene  der  Foraminiferen  zu  9).  Aus 
dem  Vorhandensein  einer  reichen  Bryozoen-Fauna  kann  man  auf  eine 
massige  Tiefe  der  marinen  Ablagerung  schliessen.  Tegel  und  Sand- 
gebilde sind  arm  an  Bryozoen. 

Nach  den  Untersuchungen  von  E.  F  o  r  b  e  s  bewohnen  die  Bryozoen 
hauptsächlich  die  Corallinen -Zone,  wozu  sie  auch  den  Namen1) 
gegeben  haben.  Die  untere  Grenze  der  Laminarien-Zone  könnte  dann 
vielleicht  der  Amphisteginenschicht  entsprechen.  Doch  sind  diese 
Untersuchungen  über  die  lebenden  Formen  bei  weitem  noch  nicht 
abgeschlossen  und  namentlich  auch  die  Art-Kenntniss  zu  gering,  um 
sichere  Schlüsse  auf  die  fossilen  Vorkommnisse  machen  zu  können. 

Fernere  Detailbeobachtungen  über  die  Schichten  des  Wiener 
Beckens  mit  ihren  charakteristischen  Faunen  hat  uns  Prof.  Suess2) 
versprochen. 

Fassen  wir  nach  diesen  Bemerkungen  die  Gesammtfauna  von 
Latdorf  in's  Auge,  so  finden  wir  schon  vom  Herrn  Giebel  70 
Arten  verzeichnet,  denen  wir  noch  weitere  88  Arten  anschliessen, 
so  dass  die  Summe  die  sicher  beträchtliche  Zahl  von  158  erreicht. 
Von  dieser  entfallen  auf  die  Bryozoen  47  Arten,  die  im  Folgenden 
näher  betrachtet  werden  sollen.  Sie  gehören  ausschliesslich  den 
zwei  Ordnungen  der  Cyclostomen  und  Cheilostomen  an,  so  zwar, 
dass  19  Arten  der  ersteren,  die  übrigen  28  der  zweiten  Gruppe 
eigen  sind.  Mit  beschränkter  Benützungderd'Orbigny'schenNomen- 
clatur  vertheilen  sich  die  Arten  in  18  Sippen.  Bei  jenen  Arten, 
welche  in  sichtlich  unhaltbare  Sippen  des  d'Or  bigny'schen  Systems 
gehören ,  ist  die  Benennung  blos  in  einer  Klammer  beigefügt  und 
manches  in  systematischer  Beziehung  im  Laufe  des  Textes  erwähnt. 

Von  den  47  Arten  sind  bereits  23  aus  anderen  Gegenden  bekannt 
geworden,  wovon  die  meisten  auf  die  Leithakalkbildungendes  Wiener 
Beckens  entfallen.  24  Arten  sind  als  neu  erkannt  und  werden  hier 
zum  ersten  Male  beschrieben  und  abgebildet;  darunter  sah  ich  mich 
veranlasst,  zwei  Arten  zugleich  als  Typen  neuer  Sippen  Orbitulipora 
und  Stichoporina  aufzustellen,  beide  den  Cheilostomen  gehörig,  aus 
der  Nähe  der  Familie  Sc/c/inriaäae  Bsk. 


1)  Natural  history  ofthe  europ.  seas  by  E.  Forbes.  editby  R.  (iodwin-Austeo.  1859,  p.  145. 
2J  Wohnsitze  der  Brachtop.  II.  Absclin.  p.  159.  Sitzb.  d.  k.  Akad.  Bd.  XXXIX. 


Oligociine  ßryo/.oen  von  Latdorf  in  ßernburg.  77 

Ausser  den  älteren  (1843)  Arbeiten  über  die  norddeutschen 
Tertiärablageningen  von  Philippi  waren  jene  vom  Herrn  Prof. 
Reussi),  und  das  neueste  Werk  über  die  Polyzoen  des  englischen 
Crag  von  Busk2)  für  die  folgende  Bearbeitung  massgebend. 

Wollte  man  nun  aus  den  Bryozoen  von  Latdorf  eine  Parallele 
mit  dem  Wiener  Becken  ziehen,  so  könnte  man  sie  durch  das  Vor- 
herrschen stammbildender  Escharen,  Homeren  und  Idmoneen,  die 
auch  die  grösste  Individuenzahl  darbieten,  nur  in  den  Horizont  mit 
Porzteich,  Ehrenhausen,  Wildon  u.  s.  w.  gleichstellen.  Damit  stimmt 
auch  die  andere  Fauna  recht  gut  überein,  wie  die  vielen  aufsitzenden 
Anthozoen  und  die  verhältnissmässig  geringere  Zahl  von  Foramini- 
feren.  Auch  das  Vorkommen  zahlreicher  Arten  ans  den  Sippen  P/euro- 
toma.  Fusus,  Murex ,  Fasciolaria  u.  A.  deutet  schon  auf  ein  nicht 
sehr  seichtes  Meer  hin. 

Die  Ablagerung  von  Latdorf  würde  somit  in  die  Reihe  unserer 
Leithakalkbildungen  gehören,  allerdings  als  eine  bestimmte  Facies 
und  wohl  auch  nicht  in  dem  Sinne  der  Gleichzeitigkeit  beider  auf- 
gefasst,  sondern  lediglich  als  Randbildung  eines  offenen  Meeres,  oder 
sonst  als  eine  Küstenbildung  angesehen. 

Postnlopora  attennata  Stol.  Taf.  I,  Fig.  1. 

Die  Stämmchen  sind  sehr  zart,  gerundet  mit  '  2 '"  —  1"'  Durehmesser.  In 
der  ganzen  Peripherie  sind  nur  4  Längsreihen  von  Zellen,  von  denen  jede  an 
einer  der  vier  Seiten  mit  einer  grossen  Öffnung  mündet.  Sie  stehen  abwechselnd 
in  bedeutenden  Entfernungen  von  einander.  Die  Scheidewände  der  Zellen  treten 
als  feine  Linien  auf  und  die  ganze  Oberfläche  des  Stammes  ist  von  mikroskopisch 
kleinen  Poren  durchlöchert.  —  Sehr  selten. 

Postnlopora  pulchella  Rss.  sp.  (Cricopora  id.  Polyp.  d.W.  Beck, 
p.  40.  Taf.  6,  Fig.  10.) 

Bezüglich  der  generischen  Bestimmung  steht  diese  Art  eigentlich  in  der 
Mitte  zwischen  Pustulopora,  bei  der  die  Zellen  ohne  bestimmte  Ordnung  an  der 
Oberfläche  vertheilt  sind,  und  zwischen  Spiropora,  wo  sie  in  Querringen  stehen. 


J)  Reuss:  Polyparien  des  Wiener  Beckens  in  H  a  i  d  i  ng  er's  natnrw.  Abhandlungen 
Bd.  li,  1348.  —  Beitrag  zur  Paläontologie  der  Tertiärschichten  übersehlesieus. 
Zeitschrift  der  deutschen  g^olog.  Gesellschaft.  Bd.  III,  1851,  p.  147.  —  Zur  Charak- 
teristik des  nördl.  und  mittl.  Deutschland.  Sitzb.  d.  Wiener  k.  Akad.  d  Wissensch. 
Bd.  XVIII,  1855.  p.  197.  —  Ferner  zerstreute  Notizen  in  Bronn's  Jahrb.  und  Jahrb. 
der  k.  k.  geolog.  Reiciisaustalt  u.  s.  w. 

*)   Fossil  Polyzoa  of  the  Crag.  Palaontographkal  Society.  London  1859. 


78  S  t  o  1  i  c  z  k  n. 

Die  Zellen  liegen  allerdings  manchmal  in  sehr  schief  aufsteigenden  Reihen, 
sind  aber  auch  nicht  selten  unregelmässig  zerstreut  und  insofern  gehört  diese 
Art  mehr  zu  Pustulopora. 

Bei  Latdorf  ist  sie  nicht  selten,  aber  meistens  stark  abgerieben,  in  welchem 
Falle  dann  die  Stücke  ganz  mit  der  rechtsstehenden  Abbildung  von  Cricopora 
minuta  Philippi  (Tertiiirverst.  Taf.  I,  Fig.  11)  von  Freden  übereinstimmen. 
Ausserdem  kommt  sie  bei  Söllingen  in  Braunschweig  und  besonders  häufig  in 
der  Amphisteginenschieht  des  Leithakalks  im  Wiener  Becken  vor. 

Pustulopora  (Clausa)  retifera  S toi.  Tuf.  I,  Fig.  2. 

Stamm  rund,  öfters  ein  wenig  gedreht  oder  gebogen.  Warzenartig  vor- 
stehende Zellenöffnungen  sind  unregelmässig  um  die  ganze  Peripherie  vertheilt, 
und  stehen  ziemlich  nahe  an  einander.  Zwischen  den  Mündungen  bemerkt  man 
an  der  Oberfläche  ein  feines  Netz  von  Linien,  wie  dies  d'Orbi  gny  bei  seiner 
etwas  unsicheren  Sippe  Clausa  angibt.  Am  Querschnitt  sind  die  Offnungen  sehr 
dicht  an  einander  gedrängt,  zwischen  einzelnen  grösseren  sind  kleinere  einge- 
streut. —  Sehr  selten. 

Borncra  hyppolyta   Defr.   (Busk.  Polyz.   Grag.   p.    101,   Taf.   14, 
Fig.  8,  9  u.  Reu ss,  Polyp,  d.  W.  Beck,  p.  43,  Taf.  6,  Fig.  24.) 

Eine  in  den  oberen  und  mittleren  Tertiärablagerungen  sehr  verbreitete 
Art.  Sie  kommt  in  Frankreich  bei  Grignon  und  Hautville  (Michelin)  vor;  aus 
dem  englischen  Coralline  Crag  beschreibt  sie  Busk;  Prof.  Reuss  fand  sie  in 
den  Schichten  des  Leithakalkes  im  Wiener  Becken  und  in  den  schlesischen 
Tertiärablagerungen  bei  Michowitz.  Ausserdem  fehlt  sie  nirgends  im  ungarischen 
und  siebenbürgischen  Becken.  In  Galizien,  bei  Asti,  Castell'  arquato  u.  a.  0. 
Bei  Latdorf  ist  sie  ziemlich  selten. 

Hornera  reteporacea    M.  Edw.  (Busk.  Polyz.  Crag.  p.  98,  Taf.  14, 

Fig.  2.) 

Selten;  sonst  nur  aus  dem  Coralline-Crag  Englands  bekannt. 

Hornera  verrucosa  Rss.   (Zeitsch.   d.  deutsch,   geol.  Gesell.    1851. 
Bd.  III,  p.  173,  Taf.  9,  Fig.  21.) 

Zuerst  von  Prof.  Reuss  aus  den  oberschlesischen  Tertiärschichten  bei 
Miechowitz  beschrieben.  Bei  Latdorf,  wo  diese  Art  nicht  selten  ist,  findet  man 
häufig  auch  die  scheibenförmige  Basis,  womit  die  Stämme  am  andern  Körper 
aufgewachsen  waren. 

Besonders  häufig  kommt  eine  Varietät  dieser  Art  vor,  bei  der  die  Rippen 
an  der  Rückseite  kleiner  und  zahlreicher  sind,  wobei  die  Nebenporen  namentlich 
an  der  Vorderfläche  oft  ganz  verdeckt  sind.  Da  diese  Bruchstücke  auch  etwas 
stärker  sind  als  gewöhnlich,  so  dürften   sie  die  untersten  Theile  der  Stämme 


Oligoeäne  Bryoznen  von   Latdorf  in  Bernburg.  79 

sein,  an  denen  auch  in  anderen  Sippen  die  Erhabenheiten  der  Oberfläche  all- 
mählich verschwinden  und  die  Öffnungen  verkalken.  Bei  Cyclostomen  ist  dies  aller- 
dings eine  viel  seltenere  Erscheinung,  desto  häufiger  kommen  sie  aber  bei 
Cheilostomen  vor,  wie  ich  sie  namentlich  an  grossen  Stämmen  der  Eschara  mo- 
nilifera,  cervicomis  u.  A.  zu  beachten  Gelegenheit  hatte. 

Hornera  porosa  Stnl.  Taf.  I,  Fig.  3. 

Die  abgerundet  vierseitigen  Stämmchen  verzweigen  sich  dichotomisch, 
wobei  die  Äste  unter  spitzen  Winkeln  abgehen;  nur  selten  ist  durch  Queräste 
die  Andeutung  zu  einer  netzartigen  Ausbreitung  gegeben.  Die  grossen,  runden 
Zellöffnungen  stehen  in  5 — 6  alternirenden  Längsreihen  und  erheben  sich  mit 
ihrem  Rande  kaum  über  die  sie  umfassenden  Rippen,  ähnlich  wie  dies  bei 
Hornera  frondiculata  vorkommt.  Über  und  unter  der  Mündung  befindet  sich  je 
eine  ovale  oder  dreiseitige  Nebenpore,  der  sich  beiderseits  noch  eine  kleine, 
runde  Pore  anschliesst.  Alle  diese  fünf  Öffnungen  liegen  in  einer  Linie;  ausser- 
dem befinden  sieh  aber  an  der  ganzen  Vorderseite  noch  eine  Menge  unregel- 
mässig vertheilter  grösserer  und  kleinerer  Öffnungen.  Die  Rückseite  ist  breit, 
sanft  gewölbt  und  mit  sehr  zahlreichen,  länglichen,  nach  oben  zugespitzten 
Poren  bedeckt,  die  sich  in  Längsreihen  anordnen.  —  Selten. 

Hornera  gracilis  Philippi.  (Tertüirverst.  p.  35,  Taf.  1,  Fig.  7.) 

Ein  reiches  Material  aus  den  norddeutschen  Ablagerungen  veranlasst  mich 
die  drei  Philip  p'schen  Arten  auf  zwei  zu  beschränken.  Hornera  gracilis  und  H.  sub- 
annulata  =  biseriata.  Prof.  Reuss  vereinigt  nach  d'Orbigny's  Vorgang  alle 
drei  in  eine  einzige  (Sitzb.  d.  k.  Akad.  Bd.  XVIII,  p.  26a,  Taf.  12,  Fig.  110). 

Indessen  lässt  sich  Hornera  gracilis ,  wenn  auch  in  der  Porenvertheilung 
der  Hornera  subannulata  sehr  ähnlich,  von  dieser  durch  den  quer  ovalen  Durch- 
schnitt der  Stämmchen  und  mehr  isolirte  Mundöffnungen  unterscheiden;  während 
die  Stämmchen  der  Hornera  subannulata  rund  oder  von  den  Seiten  zusammen- 
gedrückt sind,  die  Zellen  in  ringförmigen  Reihen  stehen  und  überhaupt  der 
ganze  Bau  ein  etwas  zarterer  ist. 

Eine  nähere  Vergleichung  anzustellen  wäre  jedoch  wünschenswert}),  zwischen 
Hornera  gracilis  und  Hornera  frondiculata  Lamx ,  welche  Arten  ident  sein 
dürften.   —  Sehr  häufig  bei  Latdorf  und  Söllingen  in  Braunschweig. 

Hornera  subannulata  Phil.  Taf.  I,  Fig.  4. 

Hornera  subannulata  et  biseriata  Philippi  (Tertiärverstg.  pag.  36,  Taf.  I,   Fig.  8,  9). 

Stamm  rund  oder  von  den  Seiten  schwach  zusammengedrückt.  Die  Zellen 
treten  meist  mit  ihren  verlängerten  Mündungen  in  Schnüren  auf,  von  denen  jede  aus 
6  —  8  Zellen  besteht  und  von  der  Seite  her  über  die  ganze  Vorderfläche  sich 
erstreckt.  Die  an  der  Vorderseite  liegenden  Zellen  sind  oft  in  regelmässige 
Längsreihen  geordnet.  Von  einer  Mündung  laufen  zu  der  nächst  darunter  befind- 


80  Stoliczka. 

liehen  ziemlich  starke  Rippen,  und  schliessen  zwischen  sich  eine  bis  drei  feine 
Poren,  je  nachdem  der  verticale  Zwischenraum  zwischen  den  einzelnen  Zellen 
*j  grösser  oder  kleiner  ist.  An  der  gewölhten  Rückseite  verzweigen  sich  die  Rippen 
vielfach  mit  einander  und  werden  durch  länglichte,  an  beiden  Enden  meist 
spitz  zulaufende  Poren  getrennt. 

Die  Abbildung  von  Philippi  lässt  allerdings  auch  manche  andere  Deutun- 
gen zu.  Originalexemplare  von  Luith  orst  und  Cassel  bestiitigen  indessen  die 
Ansicht,  dass  H.  biseriata  nur  eine  etwas  oberflächlich  veränderte  H.  subannu- 
lata  ist,  so  wie  zugleich  die  Identität  mit  der  Latdorfer  Art. 

Nicht  häufig.  —  Ausserdem  in  dem  Septarientho  n  von  Süllingen  und  im 
Leithakalk  der  östlichen  Gegenden  ziemlich  häufig. 

Hörnern  (Idmonea  6rb.)  seriatopora  Reuss.  (Polyp.  1848,  p.  44, 
Taf.  6,  Fig.  25.) 

d'Orbignv  zieht  diese  Art  zu  seinem  metamorphosirten  Genus  Idmonea 
(Pal.  franc.  cret.  pag.  7S0),  während  die  Sippe,  wie  sie  früher  bestand  ,  nach 
ihm  in  Tubigera  und  Crisina  zerfällt,  und  sogar  zwei  verschiedenen  Familien 
angehört.  Es  ist  sicher,  dass  eine  Systematik,  welche  sich  nur  auf  die  Form  des 
Zellenstockes  basirt,  stets  mangelhaft  bleiben  wird.  Derselbe  Vorwurf  trifft 
aber  auch  jedes  andere  Merkmal,  sobald  es  allein  benützt  wird.  Dies  gilt  nun 
auch  von  den  zwei  d'Orbigny'schen  Sippen  Tubigera  unäCrisina,  die  sich  beim 
Bestimmen  ebensowenig  festhalten  lassen,  als  von  beiden  die  Sippe  Idmonea  zu 
trennen  ist,  deren  ältere  Auffassung  gewiss  vortheilhafter  begrenzt  ist. 

Diese  Art  kommt  bei  Latdorf  ziemlich  selten  vor;  ausserdem  ist  sie  durch 
Professor  Reuss  aus  den  Leithakalkbildungen  des  Wiener  Beckens  und  den 
Tertiärschichten  von  Miechowitz  in  Oberschlesien  bekannt. 

Filisparsa  tenella  Stol.  Taf.  I,  Fig.  5. 

Bildet  sehr  zarte,  kaum  eine  halbe  Linie  breite  Stämmchen,  die  flachgedrückt 
sind,  und  sich  dichotomisch  vorästeln.  Die  röhrenförmig  vorragenden  Zellen 
sind  an  der  Vorderseite  zerstreut  und  bilden  ungefähr  vier  alternirende  Längs- 
reihen. Nebenporen  fehlen,  nur  die  Begrenzungen  der  Zellen  sind  an  der 
Oberfläche  durch  vertiefte  Linien  angegeben;  an  der  Rückseite  befinden  sich  auf 
den  Längslinien  feine  Höcker.  —  Selten. 

Zunächst  verwandt  ist  Hörnern  fragilis  (Eiehwald  Leth.  ross.  pag.  35, 
Taf.  II,  Fig.  24)  von  Zalisce  in  Volhynien. 

Im  d'Orbigny'schen  Sinne  entspricht  diese  Art  der  Sippe  Hornera  nicht, 
sie  lässt  sich  aber  auch  in  eine  andere  Gruppe  mit  vollkommener  Sicherheit  nur 
schwer  unterbringen.  Sie  steht  gewissermassen  zwischen  Tubigera  und  Idmonea. 

Idmonea  (Crisina)  foraininosa  Reuss.  (Zeitschr.  d.  deutsch. -geolog. 
Gesellsch.  1851.  Bd.  III,  p.  171,  Taf.  9,  Fig.  19.) 

Prof.  Reuss  hat  bereits  im  Jahre  1851  dieser  von  ihm  zuerst  (Polyp, 
d.  W.  Beckens  1848,  pag.  46,  Taf.  5  und  6)  mit  der  Kreidespecies  Id.  can- 


Oligocäne  Bryozoen  von  Laidorf  in  Bernburg'.  8J 

cellata  verwechselten  Art  obigen  Namen  gegeben,  wo  d'Orbigny's  Text  (Pal. 
frane.  terr.  cret.)  noch  nicht  so  weit  gediehen  ist. 

Aus  diesem  Grunde  kann  auch  dem  von  d'Orbigny  (1.  c.  pag.  730)  vor- 
geschlagenen Namen  Id.  subcancellata  nicht  die  Priorität  zugestanden  werden. 

Soweit  die  Abbildungen  ein  Urtheil  gestatten,  wäre  unsere  Art  ident  mit 
der  im  englischen  Crag  vorkommenden,  welche  neuerdings  Busk  (Polizoa  of 
Crag,  pag.  704),  wenn  auch  nicht  ohne  einige  Bedenken,  mit  Idmonea  (Latero- 
cavea)  punctata  d'Orbigny  (1.  c.  pag.  933,  Taf.  722,  Fig.  11  und  12)  iden- 
tificirt.  Es  scheint  indessen  viel  rathsamer  auf  diese  Angaben,  wo  d'Orbigny 
offenbar  ganz  verschiedenartige  Dinge  zusammenwarf,  gar  kein  Gewicht  zu 
legen,  zumal  sich  noch  zwischen  dem  Texte  und  den  Tafeln  ein  kaum  zu  entwir- 
render Widerspruch  vorfindet. 

Selten.  —  Im  Leithakalk  des  Wiener  Beckens  überall  sehr  häufig. 

Idmonea  (Tobigera)  Giebeli  Stol.  Taf.  I,  Fig.  6. 

Die  breiten,  sehr  flach  gedrückten  Stämmchen  tragen  an  der  Vorderseite 
abwechselnde  gebogene  Beihen  ,  von  denen  jede  aus  3  —  5  Zellen  besteht. 
Gewöhnlich  ist  die  Zahl  der  Offnungen  in  den  links  stehenden  Beihen  um  eins 
kleiner  als  in  denen  der  rechten  Hälfte.  Die  Zellenwände  sind  durch  schwache, 
erhabene  Linien  kennbar  und  laufen  an  der  Bückseite  ziemlich  parallel  zu 
einander.  Ausserdem  ist  die  ganze  Oberfläche  des  Stammes  mit  mikroskopisch 
kleinen  Poren  bedeckt,  wie  das  übrigens  bei  der  ganzen  Gruppe  der  Cyclostomen 
so  ziemlich  als  Begel  gilt. 

Der  Hauptcharakter  dieser  Art  liegt  in  der  Compression  des  Stammes  von 
vor-  nach  rückwärts,  und  in  seiner  verhältnissmässig  grossen  Breite.  —  Selten. 

idmonea    (Tnbigera)    delicatula   Busk.    (Polyz.    Crag,    pag.    106, 
Taf.  15,  Fig.  8.) 

Die  wenigen  Latdorfer  Exemplare  stimmen  vollkommen  mit  denen  aus  dem 
Coralline-Crag  Englands,  wie  ich  mich  an  Stücken  aus  dem  Crag  überzeugte. 

Idmonea  (Tnbigera)  tenoisulca  Rss.  (Geol.Gesel.  1851,  III,  pag.  172.) 

Die  Stämmchen  sind  hier  immer  vollkommen  rund  und  schlanker  als  jene 
aus  dem  Wiener  Becken.  Die  Zellen  stehen  abwechselnd  zu  drei  in  einer  Beihe 
und  treten  oft  so  stark  hervor,  dass  sie  gleichsam  kleine  Seitenäste  vorstellen, 
wie  bei  Truncatula.  Die  im  Wiener  Becken  vorkommende  Art  scheint  mehr  zu 
Id.  intricaria  Busk.  (Polyz.  Crag,  pag.  106,  Taf.  15,  Fig.  7)  zu  gehören,  was 
indessen  erst  eine  genaue  Vergleichung  der  Arten  entscheiden  kann. 

Prof.  Beuss  fand  sie  in  den  oberschlesischen  Tertiär-Ablagerungen  zu 
Miechowitz,  indem  er  zugleich  die  früher  mit  ihr  verwechselte  Id.  disticha  aus 
dem  Wiener  Becken  damit  vereinigt;  bei  Latdorf  ist  Id.  tenuisulca  ziemlich  selten. 
SiUh.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  6 


82  Stoliczka. 


Idmouca  (Tnbigera)  Börnes!  Stol.  Taf.  I,  Fig.  7. 

Stamm  gerade  mit  vierseitig  abgerundetem  Querschnitte,  vorn  um  weniges 
schmäler  als  rückwärts.  Die  Zellen  stehen  zu  fünf  in  beiderseit  gebogenen 
Reihen.  Die  letzte  Öffnung  ist  etwas  tiefer  gerückt  von  den  übrigen,  was  an 
d'Orbigny's  Osculipora  erinnert.  Vorn  stossen  die  Zellreihen  zusammen  und 
entspringen  fast  in  gleicher  Höhe.  Die  Scheidewände  der  Zellen  sind  an  der  Ober- 
fläche durch  feine  Linien  angezeigt,  zwischen  denen  an  den  Zellendecken  sehr 
kleine  Poren  bemerkbar  sind.  An  der  stark  gewölbten  Rückseite  sieht  man 
ausser  halbmondförmig  nach  aufwärts  gebogenen  Streifen,  keine  weitere  Orna- 
mentik. Es  schliesst  sich  diese  Art  durch  das  letztere  Merkmal  zunächst  an  Id. 
undata  Rss.  aus  den  Tertiärschichten  Oberschlesiens  bei  Miechowitz  an. 
(Deutsch  Geol.  Gesell.  III,  pag.  172,  Taf.  IX,  Fig.  20.)  Sehr  selten. 

Domopora  prolifera  Reuss  sp.  (Polyp,  p.  37,  Taf.  6,  Fig.  1.) 

Eine  in  den  LeUhakalkbildungen  sehr  verbreitete  Art.  Die  Stammbildung  ist 
nur  selten  zu  beobachten,  weil  die  ganze  Colonie  leicht  in  die  einzelnen  Glieder 
zerfällt.  Dasselbe  ist  auch  bei  den  Exemplaren  von  Latdorf  der  Fall,  wo  ausser- 
dem die  Radialrippen  grösstentheils  stark  abgerieben  sind.  —  Nicht  häufig. 

Pavotubigera  anhaltina  Stol.  Taf.  I,  Fig.  8. 

Die  Colonie  ist  unregelmässig  scheibenförmig  und  etwas  verbogen,  was 
wohl  von  der  Unterlage,  der  sie  aufgewachsen  war,  herrührt,  zumal  man  noch 
an  der  Unterseite  die  Zellen  abgebrochen  findet.  Das  Wachsthum  erfolgt  von 
einer  excentrischen  Stelle  und  es  entfalten  sich  die  Zellreihen  nach  oben  fächer- 
förmig, während  sie  am  unteren  Theil  kürzer  und  weniger  zahlreich  sind.  Die 
einzelnen  Rippen  sind  nicht  regelmässig  aus  einer  oder  zwei  Zellenreihen 
zusammengesetzt,  sondern  sie  stellen  vielmehr  kleine  Ründel  vor.  In  den 
Zwischenräumen  der  Rippen  sind  keine  grösseren  Poren  wahrnehmbar.  — 
Selten. 

Heteropora  similis  Stol.  Taf.  I,  Fig.  9. 

Stamm  rund,  dichotomisch,  mit  zahlreichen  an  der  ganzen  Oberfläche  ver- 
tbeilten,  wenig  vorragenden  runden  Zellmündungen.  Zwischen  ihnen  und  zum 
Theil  auf  der  etwas  erhabenen  Umgebung  liegen  zerstreut  schlitzartige  Neben- 
poren, die  gewisserniassen  selbständige  Umrandungen  besitzen  (Fig.  9  «). 

Ist  die  äusserste  Schichte  zerstört,  so  gleicht  die  Colonie  an  ihrer  Ober- 
fläche einem  vielfach  verflochtenen  Netzwerk  mit  ungleichen  Maschen,  unter 
denen  jedoch  die  runden  Zelloffnungen  gut  zu  unterscheiden  sind  (Fig.  9  //). 
Ihrem  ganzen  Habitus  nach  erinnert  diese  Art  auffallend  an  Heteropora  dicko- 
tomu  Gldf.  von  Maasstricht.  —  Selten, 


Oligoeäne  Bryozoen  von  Latdorf  in  Bernburg.  §3 

(cllaria    Michelini   Reuss   (Polyp,    d.  Wiss.  Beck.  p.  61 ,  Taf.  8, 

Fig.  1  und  2). 

Vineularia  fragilis  Mich.  I  c  onog.  pag.  175,  Taf.  46,  Fig.  21,  non  id.  Defr. 

Michel  in  beschrieb  diese  Art  von  Grignon  als  Vineularia  fragilis,  von 
der  sie  Professor  Reuss  als  eine  verschiedene  Art  trennte,  und  zugleich  zu 
Cellaria  gestellt  hat.  Mit  Unrecht  zieht  sie  d'Orbigny  (Pal.franc.  cret.  pag. 59) 
abermals  zu  Vineularia,  denn  die  Gliederung  ist  hier  eine  so  vollständige,  als  es 
nur  möglich  ist.  Ich  habe  ganze  Stämme  dieser  gar  nicht  selten  im  Mittelmeere 
noch  lebend  anzutreffenden  Art  beobachtet,  an  denen  die  Anheftung  des  einen 
keulförmigen  Gliedes  an  das  andere  durch  fibröse,  hohle  Fasern  besteht.  Diese 
Gliederung  des  Stammes  ist  somit  eine  wesentlich  verschiedene  von  der  bei 
Salicornaria,  wo  die  einzelnen  Theile  sich  zwar  auch  nach  unten  bedeutend 
verschmälern,  aber  mit  dem  frühern  Ast  fest  verwachsen  sind. 

Selten.  —  Im  Wiener  Becken,  sowie  in  Ungarn,  Steiermark,  Siebenbürgen 
und  Galizien  ist  diese  Art  fast  in  allen  Horizonten  der  Ablagerung  zu  finden, 
was  eben  in  der  mangelhaften  und  leicht  zerstörbaren  Anheftung  seinen  Grund 
haben  mag.  Im  subapenninen  Mergel,  im  Salzthon  von  Wieliczka,  bei  Asti, 
Castell'  arquato,  Pisa,  in  den  unteren  Niveauschichten  bei  Dax  u.  v.  a.  0.  findet 
sich  ebenfalls  dieselbe  Form. 

Cellaria  Beyrichi  Stol.  Taf.  I,  Fig.  10. 

Der  Stamm  besitzt  einen  runden  bis  ovalen  Querschnitt;  Zellen  gross, 
bauchig,  sechsseitig  verlängert,  wobei  die  obere  und  untere  Seite  viel  kleiner 
ist  als  die  vier  anderen.  Meist  sind  acht  alternirende  Längsreihen  vorhanden. 
Jede  Zelle  wird  von  einem  platten,  etwas  erhabenen  Rand  begrenzt  und  durch 
eine  Furche  von  der  nächststehenden  getrennt.  Die  Zellendecke  ist  ganz  porös; 
die  Mündung  liegt  am  vorderen  Ende  der  Zelle  und  ist  ebenfalls  von  einem 
glatten  Rande  umsäumt;  an  der  Unterlippe  befindet  sich  ein  kleiner  Schlitz, 
indem  beiderseits  ein  kleiner  Zahn  in  die  Mündung  vorsteht.  Beim  lebenden 
Thier  mag  hier  wohl  eine  eigene  Nebenpore  existirt  haben,  die  später  durch- 
brochen wurde.  —  Sehr  selten. 

Es  ist  diese  Art  wohl  nur  auf  ein  einziges,  gut  erhaltenes  Bruchstück 
gegründet,  doch  ist  die  generische  Bestimmung  ziemlich  sicher.  Das  betreffende 
Stück  nähert  sich  nicht  nur  durch  die  Form  der  Zellen  zunächst  an  Cellaria 
Michelini,  sondern  zeigt  auch  nach  unten  eine  bedeutende  Verschmälerung  des 
Stammes,  welche  auf  Gliederung  schliesen  lässt. 

Eine  besondere  Schwierigkeit  hat  es  oft  mit  der  Unterscheidung  mancher 
Exhara-Avten  von  ähnlichen  Bruchstücken  der  Cellarien.  Ich  habe  nicht 
selten  die  Erfahrung  gemacht,  dass  vollkommen  runde  Stämmchen,  an  der  Basis 
mit  einer  Anheftungsfläche,  erst  weit  oben  sich  blattartig  ausgebreitet  haben;  es 
gilt  dies  hier  besonders  von  den  Formen  aus  der  d'Orbigny 'sehen  Gruppe 
Escharellina  und  Porellina.  Gelingt  es  nun  nicht  bei  derlei  Bruchstücken  eine 
Ansatzstelle  zu  entdecken,  so  bleibt  in  solchen  Fällen  auch  die  generische 
Bestimmung  oft  zweifelhaft. 

6* 


84  S  t  o  I  i  <•  z  k  :i . 

Lepralia  Grotriani  Stol.  Taf.  II,  Fig.  1. 

Zellen  in  Quincunx  stehend,  länglich  vierseitig,  mit  dicken  Wandungen. 
Die  Zellendecke  ist  stark  gewölbt  und  fein  porös.  Der  Vordertheil  jeder  Zelle 
ist  aufgerichtet  und  trügt  die  Mundöffnung.  Diese  ist  quer  oval,  mit  einer  kleinen 
Oberhöhle  und  einer  Nebenpore  oder  vielmehr  mit  einem  einragenden  Zähnchen 
an  der  Unterlippe  versehen.  Nicht  selten  sind  jedoch  beide  durchbrochen  und 
die  Mündung  dadurch  bedeutend  erweitert,  was  oftmals  das  Aussehen  der 
ganzen  Colonie,  wie  der  einzelnen  Zeilen,  sehr  verändert.  Übrigens  fehlen 
manchen  Zeilen  beide  Organe  schon  ursprünglich,  und  ihre  Mündung  ist  nur 
mit  einem  wulstigen  Rand  umgeben.  Junge  Zellen  sind  etwas  mehr  gestreckt 
und  mit  einer  Porenreihe  rings  umgeben,  was  anderen  älteren  derselben  Colonie 
fehlt. 

Bei  Latdorf  kommt  diese  Art  sehr  selten  vor,  dagegen  fand  sie  zahlreich 
aufsitzend  Dr.  Rolle  auf  Austern,  welche  Herr  Kammerrath  Grotrian  von 
Süllingen  an  das  k.  Cabinet  gesendet  hat.  Sie  sitzt  überall  an  beiden  Seiten 
der  Austernschalen  in  Gesellschaft  der  Lepralia  asperella  Reuss  (Sitzungsb. 
d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  Bd.  XVIII,  pag.  259,  Taf.  11,  Fig.  105). 

Lepralia  pedicularis  Stol.  Taf.  II,  Fig.  2. 

liildot  einschichtige  Überzüge  aus  sehr  gedrängt  an  einander  liegenden 
Zellen,  meist  auf  Eseharaproteus  und  monilifcra.  Die  Zellen  sind  länglich  walzen- 
förmig, durch  seichte  Furchen  von  einander  gesondert,  ohne  in  bestimmte  regel- 
mässige Reihen  geordnet  zu  sein.  Die  Mündung  liegt  fast  ganz  am  vordem 
Ende,  ist  rund  und  sehr  klein,  viel  kleiner  noch  als  hei  Lep.  microstoma  Reuss. 
Die  Zellemlecke  ist  manchmal  ganz  glatt,  selten  fein  poröi.  Nebenporen  fehlen 
ganz.  —  Ziemlich  selten. 

Lepralia  macropora  Stol.  Taf.  II,  Fig.  3. 

Ein  einschichtiger  Überzug  aus  länglich  vierseitigen,  alternirenden  Zellen 
bestehend,  welche  mit  ihrer  vorderen  Hälfte  stark  aufgerichtet  sind,  wie  es  bei 
Lep.  arrevta  R  e  u s  s  der  Fall  ist.  Den  Mund  der  Zellen  umgibt  ein  verdickter 
Rand,  an  dem  man  Reste  einiger  feiner  Poren  nach  Art  der  Stegeniporen 
bemerkt;  doch  ist  ausser  einer  grösseren  Nebenpore,  knapp  über  der  Mündung, 
nichts  deutliches  zu  erkennen.  Dagegen  tritt  unterhalb  der  Mündung  sehr 
constanf  eine  schlitzartige  Nebenpore,  die  unten  abgerundet  ist,  nach  oben  aber 
an  der  Unterlippe  zugespitzt  mündet  (Avicularienzelle).  Sie  liegt  in  der  Regel 
schief  von  links  nach  rechts,  nur  manchesmal  von  rechts  nach  links. 

Der  obere  aufgerichtete  Theil  der  Zellen  erscheint  bei  gewöhnlicher 
Vergrösserung  glatt,  der  liegende  bauchige  Theil  aber  ist  mit  grossen,  umran- 
deten Öffnungen  versehen,  die  an  der  Oberfläche  durch  feine  Furchen  von 
einander  getrennt  sind,  während  in  das  Lumen  selbst  einzelne  sehr  feine  Zähnchen 
hineinragen.  Es  bat  ganz  den  Anschein,  als  wären  diese  Öffnungen  beim  lebenden 
Thiere  mit  einer  dünnen,  porösen  Membran  verdeckt,  die  jedoch  im  fossilen 
Zustande  zu  Grunde  gegangen  ist.   Bei  regelmässig  gestalteten  Zellen  sind  die 


Oligocäne  ßrrozoen  von  LatJorf  in   Bernburg.  Jj  Jj 

Öffnungen  so  angeordnet,  dass  sie  ein  Kreissegment  ausfüllen,  dessen  Mittelpunkt 
in  dem  unter«  Ende  der  Zelle  liegt.  Doch  ist  diese  Regelmässigkeit  meist  durch 
seitlichen  Druck  gestört.  —  Ziemlich  selten. 

lembranipora  (Flastrellaria  d'Orb.)  robusta  Reuss.   (Deutsch,  geol. 
Gesell,  ßd.  III,  p.  I6G,  Taf.  8,  Fig.  10.) 

Professor  Reuss  beschrieb  zuerst  diese  Art  aus  den  sandigen  Tertiär- 
schichten von  Miechowitz,  und  gibt  als  fernere  Fundorte  den  Leithakalk  von 
Bischofswart  (Mähren)  und  Kaienberg  (Steiermark)  an.  Bei  Latdorf  kommt  sie 
selten  vor,  ausserdem  fand  ich  sie  im  Leithakalk  von  Ehrenhausen  in  Steier- 
mark und  in  den  oberen  Tegilbildungen  von  Ober-Lapugy  in  Siebenbürgen. 

Die  Mündung  ist  im  guterhaltenen  Zustande  nicht  so  gross,  als  dies  aus 
der  citirten  Abbildung  hervorgeht;  sie  liegt  etwas  mehr  nach  vorn. 

IHembranipora  (Semiflustrella)  anhaltina  Stol.  Taf.  II,  Fig.  4. 

Der  einschichtige  Überzug  besteht  aus  polyedrischen,  etwas  verlängerten 
Zellen,  die  durch  einen  gemeinsamen  scharfen  Rand  von  einander  getrennt  sind. 
Die  Mündung  ist  halbmondförmig,  mehr  nach  vorn  gelegen  und  durch  die 
zungenförmig  hineinragende  Unterlippe  etwas  verengt.  Die  Zellendecke  zeigt 
keine  Poren  und  fällt  vom  Rand  gegen  die  Mündung  allmählich  ab.  —  Sehr 
selten. 

Alveolaria  Boskl  Stol.  Taf.  II,  Fig.  5. 

Busk  stellt  in  seinem  Werke  über  die  Bryozoen  des  englischen  Crag, 
pag.  128,  die  Sippe  Alveolaria  auf,  und  bringt  sie  mit  Faseicidaria  in  eine 
eigene  Familie  Theonidae.  Er  beschreibt  die  einzige  bisher  bekannte  Art/1/,  semio- 
vata.  Die  Latdorfer  Species  beruht  allerdings  nur  auf  einem  Bruchstück,  das 
aber  in  der  Zellbildung  ganz  dieser  Sippe  angehört.  Die  Form  der  Colonie  ist 
nicht  genau  ersichtlich,  jedenfalls  war  sie  nicht  gross  und  scheint  nach  einem 
zweiten  Bauchstück  stumpfe  Äste  gebildet  zu  haben.  Die  Zellen  treten  an  der 
ganzen  Oberfläche  auf ,  und  werden  durch  5  —  6  eckige  scharfe,  gemeinsame 
Bänder  gegen  einander  abgegrenzt,  von  denen  die  Zellendecke  gegen  die  Mün- 
dung zu  abfällt.  Diese  liegt  excentrisch  und  ist  mehr  oder  weniger  gerundet 
und  weit  geöffnet.  An  der  Bruehfläche  zeigt  sich  die  schichtenartige 
Lagerung  der  Zellen  durch  die  vielen  über  einander  liegenden  queren  Ver- 
bindungen an. 

Biflastra  clathrata  Phil.  sp. 

Eschara  clathrata  P  hilip  p  i.  (Tertiärverst.  1843,  pag.  4,  Taf.  I,  Fig.  24.) 

Die  wenigen  Exemplare  stimmen  vollständig  mit  denen  von  Cassel,  woher 
sie  das  k.  Cabinet  durch  Grafen  M  ünster  erhielt.  Die  Stämnichen  sind  stets 
dünn  und  breit,  die  Zellen  verlängert  sechsseitig,  nicht  fünfeckig,  wie  Philippi 


ö  t)  S  t  o  1  i  c  z  k  a. 

bemerkt.  Die  Einschiebung  neuer  Reihen  beginnt  mit  einer  ovalen  längliehen  Zelle. 
Näher  zu  vergleichen  wäre  mit  dieser  Art  Biflustra  delieatula  Busk  (Polyzoa, 
Taf.  II,  Fig.  7)  aus  dem  Crag  Englands. 

Biflustra  glabra  Phil.  sp. 

Eschara  glabra  Philippi.  (Tertiärverst.  1843,  pag.  38,  Taf.  I,  Fig.  21.) 

Zu  der  bei  Philippi  gegebenen  Abbildung  und  Beschreibung  ist  hinzuzu- 
fügen, dass  die  Unterlippe  etwas  in  die  vierseitig  abgerundete  Mündung  hinein 
ragt  und  die  Zellen  durch  feine  Furchen  von  einander  getrennt  werden.  Durch 
die  gerundeten  oder  schwach  zusammengedrückten  Äste  und  die  kürzeren  Zellen 
ist  diese  Art  leicht  von  Bifl.  clathrata  zu  unterscheiden. 

Philippi  beschrieb  sie  von  Freden  und  Luithorst,  bei  Latdorf  ist  sie 
nicht  selten,  ebenso  auch  bei  Söllingen  in  Braunschweig. 

Eschara  (Escharifora)  mortisaga  Stol.  Taf.  II,  Fig.  6. 

Der  Stamm  ist  entweder  blätterig  ausgebreitet  oder  schmäler  und  von  mas- 
siger Dicke.  Die  Zellen  länglich,  in  regelmässig  alternirende  Reihen  geordnet, 
und  (kirch  seichte  aber  breite,  punktirte  Furchen  begrenzt.  Der  obere  Theil  der 
Zellen  ist  viel  grösser,  und  trägt  die  grosse  halbmondförmige  Mündung,  die  an 
der  Basis  mit  einem  kleinen  Schlitz  versehen  ist.  Jede  Mündung  wird  oben  von 
einem  hufeisenförmigen  Rand  umgeben,  der  mit  je  einer  Nebenpore  endet.  Die 
mittlere  Zellenwand  ist  entweder  auf  eine  schmale,  gewölbte  Leiste  reducirt  oder 
mit  den  Seitentheilen  ganz  verschwommen.  Im  ersteren  Falle  ist  sie  oft  glatt, 
sonst  porös. 

Die  abnormen  Zellen  (Fig.  6  b)  sind  gross  mit  einer  querovalen  umrandeten 
Mündung,  in  die  von  der  Oberlippe  eine  sehr  dünne  Membran  versenkt  ist,  und  die 
Mündung  zum  Theil  verschliesst.  Die  zwei  Nebenporen  stehen  an  der  Unter- 
lippe. —  Selten. 

Eschara  (Escharifora)  ornatissima  Stol.  Taf.  II,  Fig.  7. 

Dünne,  blätterige  Ausbreitungen,  welche  manchesmal  dichotomisch  verästelt 
sind.  Die  Begrenzungen  der  einzelnen  Zellen  sind  selten  deutlich  wahrnehmbar, 
sie  sind  im  Allgemeinen  schief  vierseitig  und  in  V-förmige  Reihen  geordnet. 
Die  Mündung  ist  gerundet,  vertieft  und  von  vier  warzenförmigen  Bläschen  umgeben, 
von  denen  die  an  den  Seiten  etwas  grösser  sind.  Das  obere  Bläschen  ist  gewöhn- 
lich spitzig,  das  untere  meist  weiter  von  der  Mündung  entfernt  und  durchbrochen, 
während  die  anderen  noch  geschlossen  sind.  Quer  über  die  Mündung  reicht  ein 
Stäbchen,  das  an  den  beiden  Anheftungsstellen  je  eine  Pore  trägt.  Eine  grössere 
Nebenpore  befindet  sich  manchmal  auch  in  den  Ecken,  wo  vier  Zellen  zusammen- 
stossen,  ausserdem  ist  die  ganze  Oberfläche  bei  einiger  Abreibung  (Fig.  7  A)  mit 
einer  Menge  kleinerer  Poren  und  Bläschen  geziert. 

Die  abnormen  (Ovarial?)  Zellen  sind  viel  grösser,  mit  schmaler,  halbmond- 
förmiger Mündung,  die  noch  durch  eine  einragende  Unterlippe  verengt  wird. 


Oligocäne  Bryqzoeu  von  Latdorf  in  Bernburg'.  (S  7 

Ich  war  sehr  bemüht  eine  genaue  Vergleichung  dieser  Art  mit  Esch.  tessulata 
Reuss  (Polyp,  pag.  71,  Taf.  8,  Fig.  35)  anzustellen,  da  im  etwas  abgeriebenen 
Zustande  beide  sich  ziemlich  gleich  sehen.  Doch  war  ich  nie  im  Stande  die 
Mündungsporen  bei  Esch.  tessulata  zu  beobachten;  es  mag  dies  vielleicht  dem 
Umstände  zugeschrieben  werden,  dass  sich  noch  kein  vollkommen  erhaltenes 
Exemplar  vorfand,  obwohl  sie  im  Leithakalk  vonSteinabrunn  und  dem  Sande  von 
Pötzleinsdorf  gar  nicht  selten  ist.  —  Ziemlich  häufig. 

Echara  crciiatula  Stol.  Taf.  II,  Fig.  8. 

Der  Stamm  ist  dünn,  blätterig  ausgebreitet,  auf  welchem  die  Zellen  in  alter- 
nirenden Längsreihen  stehen.  Die  Zellen  sind  vorne  kreisförmig,  nach  rückwärts 
sehr  verschmälert  und  durch  breite,  poröse  Furchen  gegen  einander  abgegrenzt. 
Die  Mündung  wird  von  einem  Kranz  kleiner,  platter  Wärzchen  umgeben,  welche 
sich  auch  nach  abwärts  an  der  Zellendecke  fortsetzen.  An  der  Unterlippe  ragt 
in  die  Mündung  jederseits  ein  kleiner  Zahn,  und  links  steht  meist  eine  Neben- 
pore. Bei  einiger  Abreibung  der  Zellen  werden  die  Wärzchen  durchbrochen  und 
erscheinen  dann  als  Poren,  wobei  der  liuienförmige  Mittellheil  der  Zellendecke 
besonders  deutlich  hervortritt.  Die  beidenZellenschichten  sind  durch  zwei  knapp 
anliegende  poröse  Scheidewände  von  einander  getrennt.  —  Ziemlich  selten. 

Nach  d'Orbigny  würde  diese  Art  vielleicht  unter Escharifora oder Escha- 
rellina  gehören. 

Eschara  (Flastrina)  sabo?ata  Stol.  Taf.  II,  Fig.  9. 

Bildetschmale,seltenästigeStämmchen,an  denen  die  Zellen  in  alternirenden 
Längsreihen  stehen.  Die  Zellen  sind  durch  tiefe  Furchen  gegen  einander  be- 
grenzt, abgerundet  sechsseitig  und  an  der  Oberfläche  ganz  glatt.  Fast  die  ganze 
vordere  Hälfte  der  Zelle  wird  von  der  dreiseitig  abgerundeten  Mündung  einge- 
nommen, an  deren  Unterlippe  sich  eine  kleine  Nebenpore  befindet.  Der  untere 
Theil  der  Zellen  ist  blasenartig  aufgetrieben.  Wird  die  Communication  de1' 
Mündung  mit  der  Nebenpore  hergestellt,  so  erscheint  erstere  an  ihrer  Basis  ge- 
schlitzt. Bricht  die  untere  Zellendecke  durch,  so  erhält  diese  Art  das  Aussehen 
der  Esch.  coscinophora,  von  der  sie  sich  übrigens  durch  viel  kleinere  und  im  Ver- 
hältniss  breitere  Zellen  leicht  unterscheiden  lässt.  —  Ziemlich  häufig. 

Eschara  (Porellia)  pulchra  Stol.  Taf.  II,  Fig.  10. 

Sehr  zarte,  mehr  weniger  gerundete  Stämmchen  mit  alternirenden  Längs- 
reihen. Die  Zellen  sind  jede  für  sich  durch  einen  wulstigen,  glatten  Randisolirt, 
welche  Trennung  nur  an  ihrer  Basis  nicht  immer  vollständig  ist.  Die  Form  der 
Zellen  ist  etwas  wechselnd,  an  der  ohern  Hälfte  sind  sie  stets  abgerundet,  an  den 
unteren  manchesmal  zugespitzt  Die  Mündung  liegt  am  vordem  Ende  und  stellt 
einen  Kreisabschnitt  dar,  sie  ist  ganz  umrandet,  mit  einer  kleinen  Nebenpore 
in  die  Mitte  der  geraden  Unterlippe.  Die  übrige  Zellendecke  ist  sehr  fein  porös 


88 


S  t  o  1  i  c  z  k  a. 


Von  Esch.  coscinophora,  an  welche  diese  Art  zunächst  erinnert,  unterschei- 
det sie  sich  durch  die  liegenden  Zellen,  namentlich  aber  durch  die  Form  der 
Mündung,  welche  bei  ersterer  entweder  rund  oder  etwas  in  die  Länge  gezogen, 
während  sie  bei  Esch.  pulchra  immer  halbmondförmig  ist;  ausserdem  ist  auch 
die  Zellendecke  viel  grösser  entwickelt.  —  Nicht  häufig. 

Eschara  (Escharipora  Orb.)  monilifera  M.  E  d  w. 

Esch.  monilifera  M.  Edwards  1836.  (Ann.  d.  sc.  nat.  II.  ser.  tora.  VI.  pag.  7,  pl.  9,  fig.  ij; 
id.  Michel  in,  Icong.  pag.  327,  pl.  78,  fig.  10;  id.  Busk,  Polyz.  pag.  68,  Taf.  11, 
fig.  1 — 3;  Esch.  punctata  Philippi,  Tertiärverst.  pag.  38,  Taf.  I,  Fig.  19;  id. 
Reuss,  Polyp,  d.  Wiener  Beck.  pag.  69,  Taf.  8,  Fig.  23  u.  a.  a.  0. 

Unter  den  vielen  Abbildungen  dieser  Art  geben  jene  von  Busk  das  klarste 
Bild  über  die  verschiedenen  Alters-  und  Erhaltungszustände.  Ein  sehr  reiches 
Material  von  nicht  weniger  als  30  Fundorten,  insbesondere  des  Wiener  Beckens, 
ausserdem  aber  von  Deutschland,  Frankreich,  England,  Italien  und  Rhodus 
bestätigt  vollkommen  diese  Angaben. 

Nicht  blos  der  Erhaltungszustand  verändert  das  Ansehen  der  Zellen,  son- 
dern auch  ihr  Alter.  Die  am  untern  Theile  der  blattartigen  Stämme  befindlichen 
Zellen  incrustiren  sich  und  werden  oft  ganz  unkenntlich  verschwommen  ,  wie 
dies  schon  Michel  in  richtig  beobachtet  hat.  Sehr  charakteristisch  sind  die 
grossen  ovarial  oder  abnormen  Zellen,  die  sich  immer  in  derselben  Form  wie- 
derholen. Ausgezeichnet  sind  manche  Latdorfer  Stücke  noch  durch  eine  Neben- 
pore unterhalb  der  geschlitzten  Mündung.  Auf  Rhodus  kommt  diese  Art  sehr 
häufig  vor,  mit  etwa  90  Procent  noch  lebenden  Conchilien;  vielleicht  gelingt  es 
diese  Art  auch  lebend  zu  beobachten. 

In  Frankreich  zieht  sie  d'Orbigny  in's  Falunien,  in  England  kommt  sie  im 
Coralline-CragvonSudbournevor.  Im  Wiener  Becken  ist  sie  überall  in  dt-r  Leitha- 
kalkzone  zu  finden,  ebenso  auch  in  Galizien,  Ungarn,  Steiermark,  Siebenbürgen 
u.  s.  w.  Aus  Deutschland  machte  sie  zuerst  Phil  i  ppi  als  Esch.  punctata  von 
Freden  und  Luithorst  bekannt.  Bei  Latdorf  kommt  sie  nicht  häufig  vor,  wie 
sie  auch  Prof.  Reuss  nur  sehr  selten  in  den  oberschlesischen  Tertiärablagerun- 
gen von  Miechowitz  fand.  (Geol.  Gesell.  III.  pag.  164.)  Dieselbe  Angabe 
macht  Philippi.  Es  scheint  also,  dass  diese  Art  mit  der  grösseren  geographi- 
schen Verbreitung  auch  an  Zahl  zugenommen  hat  (eine  Erscheinung,  die  sich 
auch  bei  vielen  anderen  Arten  wiederholt)  und  damit  auch  erloschen  ist. 

Eschara  proteus  Reuss.  (Wiener  Sitzgsb.  d.  k.    Akad.  Bd.  XVIII, 
p.  264,  Taf.  XI,  Fig.  109.) 

Prof.  Reuss  beschrieb  diese  Art  von  Crefeld.  Bei  Latdorf  nicht  häufig. 
Eschara  Renssi  Stol. 

Eschara  coslata  Ileus s  (Poly.  d.  W.  Beck.  pag.  72,  Taf.  VIII,  Fig.  37  non  id.  M.  Edw.). 

Die  Latdorfer  Exemplare  sind  meist  etwas  schlanker  als  die  Wiener.  Zu 
der  1.  c.  gegebenen  Abbildung  ist  nur  hinzuzufügen,  dass  sich  unter  der  Mün- 


Oligocäne  Bryozoeu  von  Latdorf in  Bernburg.  $y 

düng,  jederseits  in  dorn  Winkel  der  porösen  Zellendecke,  eine  vertiefte  Neben- 
pore befindet,  die  fast  nie  fehlt.  —  Ziemlich  selten.  Im  Wiener  Becken  eharak- 
terisirt  diese  Art  die  Zone  der  Leithakalkablagerung'en,  ebenso  in  dem  ungarisch- 
steiermärkischen  Becken  und  in  Siebenbürgen.  Nach  eingesendeten  Stücken 
kommt  sie  auch  bei  Astrupp  vor. 

d'  Orbigny  (Pal.  franc.  cret.  pag.  102)  hat  wohl  nur  aus  Versehen  die 
Re  ussi  che  Art  mit  der  von  M.  Ed  iva  rds  (Ann.  sc.  1836)  für  ident  erklärt. 
Nach  seinem  System  wäre  sie  zu  Por  ellina  zu  stellen. 

Eschara  coscinophora  Reuss.  Taf.  II,  Fig.  11,  Taf.  III,  Fig.    1  —  2 
(Polyp,  d.  W.  Beck.  p.  67,  Taf.  8,  Fig.  20). 

Eine  sehr  veränderliche  Art,  deren  Haupttypus  Prof.  Reuss  beschreibt. 
Die  Äste  sind  gewöhnlich  schmal  und  ziemlich  dünn.  Die  Zellensind  manchesmal 
sehr  regelmässig,  nicht  selten  aber  verbogen  und  in  der  Anordnung  gestört. 
Bald  ist  nur  der  obere  Theil  stark  umrandet  und  aufgerichtet,  oder  es  findet 
dies  um  die  ganze  Zelle  Statt.  Der  erstere  Fall  tritt  besonders  an  den  mittleren 
Zellen  der  jungen  Stämme  auf,  so  dass  sich  beiderseits  ein  kleines  Bläschen 
entwickelt,  das  durchbrochen  der  Zelle  ein  Aussehen  der  von  Esch.  polystomella 
Rss.  (Polyp.  Taf.  8,  Fig.  20)  verleiht,  während  die  Randzellen  ganz  regel- 
mässig entwickelt  sind.  Nicht  selten  ist  dann  der  untere  Theil  der  Zelle  von 
dem  früheren  ganz  oder  zum  Theil  verdeckt. 

Je  nach  der  verschiedenen  Ausbildung  der  Zellen  ändert  sich  auch 
ihr  Aussehen,  sobald  sie  in  dieser  Form  abgerieben  wurden.  Es  durchbricht 
nämlich  sehr  oft  der  mittlere  Theil,  welcher  die  Nebenpore  von  der  Mündung 
oder  von  der  siebartigen  Bauchdecke  trennt,  und  es  wird  auf  diese  Weise 
die  Communication  bald  mit  dieser,  bald  mit  jener  Öffnung  hergestellt. 
Es  scheint  dies  Veranlassung  gegeben  zu  haben,  zur  Aufstellung  von  Eschara  di- 
plostoma  Reuss  (Polyp,  pag.  71,  Taf.  VIII,  Fig.  34  und  Philippi  Tertiär- 
verst.  1843,  pag.  38,  Taf.  I,  Fig.  38).  Wol  dürfte  auch  Phlippi's  Esch. 
imbricata  (1.  c.  pag  68,  Taf.  I,  Fig.  16)  von  Luithorst  hierher  gehören.  Die 
Nebenpore  verändert  selbst  oft  ihre  Lage  von  der  Mitte  gegen  den  Rand  und 
wird  etwas  in  die  Länge  gezogen.  Wenn  diese  Verschiedenheiten  nicht  oft  au 
einem  und  demselben  Stamm  vorhanden  wären,  so  würde  man  sich  leicht  zur 
Aufstellung  einer  eigenen  Art  veranlasst  fühlen. 

Sehr  häufig  bei  Latdorf  in  allen  Varietäten  und  Erhaltungszuständen;  viel 
•eltener  imLeithakalk  von  Nussdorf  bei  Wien,  Kostel  und  Steinabrunn  in  Mähren. 

Eschara  (Porina)  porolosa   S toi.  Taf.  III,  Fig.  3. 

Bildet  massig  breite  aber  ziemlich  dicke  Stämmchen,  an  denen  die  Zellen 
durch  vertiefte  Linien  in  etwas  unregelmässige  Querreihen  geordnet  sind,  so  dass 
der  ganze  Stamm  oft  wie  gegliedert  aussieht.  Sehr  selten  sind  auch  der  Länge 
nach  die  Zellen  durch  Furchen  begrenzt.  Die  einzelnen  Zellen  sind  blasenförmig, 
mit  vorstehender  runder  Mündung,  ihre  ganze  Oberfläche  ist  mit  feinen  Poren 


90  S  t  o  1  i  c  zk  a. 

durchsäet.  Nebenporen  an  der  Mündung  treten  sehr  selten  auf  und  nie  an  allen 
Zellen  eines  Stammes.  Meistens  finden  sie  sich  noch  an  den  äussersten  Zellen; 
ein  Beweis  von  der  Haltbarkeit  des  d'Orbigny'schen  Systems,  wornach  so  ein 
einziger  Stamm  zugleich  in  zwei  Familien  unterzubringen  wäre.  Manchmal  tritt 
auch  noch  eine  grössere  Nebenpore  an  der  Zellendecke  oder  an  der  Grenze 
zweier  zusammenstossender  Zellen  auf. 

Bei  einem  stärker  abgeriebenen  Stamme  verschwinden  die  Begrenzun- 
gen der  Zellen  ganz,  die  Mündung  wird  von  einem  starken  Bing  umgeben 
und  es  tritt  regelmässig  zwischen  je  vier  Zellen  eine  Nebenpore  auf.  —  Nicht 
selten. 

Bidiastopora  tubnlifera  R  e  u  s  s. 

Eschara  tubnlifera  Reuss  (Polyp,  d.  W.  Beck.  pag.  67,  Taf.  VIII,  Fig.  19). 

Das  einzige  bei  Latdorf  gefundene  Exemplar  stimmt  nicht  blos  in  der 
Form  des  Stämmchens,  sondern  auch  in  der  Bildung  und  Vertheilung  der  einzel- 
nen Zellen  ganz  mit  der  citirten  Abbildung.  Die  Zellen  sind  aber  porös,  während 
jene  aus  dem  Leithakalk  von  Eisenstadt  in  Ungarn  nur  nach  Zerstörung  der  ober- 
flächlichen Schichte  einige  Poren  zeigen.  Es  dürfte  daher  die  Porosität  der  Zel- 
len bei  dem  Latdorfer  Exemplar  nur  ein  höherer  Zersetzungszustand  sein  und 
kaum  ein  hinreichendes  Merkmal  zur  Begründung  einer  neuen  Art. 

Cellepora  globularis  Bronn  (Reuss,   Polyp,  d.  W.  Beck.  p.  76. 
Taf.  9,  Fig.  11  -  14). 

Bei  Latdorf  fand  ich  einige  1  —  2  Linien  im  Durchmesser  betragende  runde 
Kugeln,  die  aber  im  Zellenbau  vollkommen  mit  den  Exemplaren  aus  dem  Wiener 
Becken  übereinstimmen.  Nebenporen  und  Oberhöhlen  sind  keine  vorhanden. 

Diese  Art  ist  in  den  marinen  Ablagerungen  des  Wiener  und  des  grossen 
östlichen  Beckens  sehr  häufig;  ferner  in  jenen  der  Steiermark,  Castelfarquato, 
Astrupp,  Osnabrück  und  in  Oberschlesien  bei  Miechowitz. 

Orbitnlipora  Stol. 

Die  Zellencolonie  bildet  einen  scheibenförmigen,  beider- 
seits flachen  oder  nur  wenig  vertieften  Körper,  an  dem  die 
blasigen  Zellen  beiderseits  münden;  an  der  Oberfläche  sind 
sie  ganz  unregelmässig  vert heilt  und  erscheinen  am  Quer- 
schnitte in  zwei  (oder  mehr?)  in  einander  greifende  Reihen 
gesondert,  ohne  dass  sich  eigene  Scheidewände  ausbilden 
möchten.  Unter  einanderanastomosiren  die  Zellen  durch  Spros- 
sen canä  I  e. 

Offenbar  erinnert  diese  Sippe  durch  ihre  Form  sowohl,  als  durch  die  Art 
der  Zelleninündungen  auffallend  an  Orbitulites  und  dessen  nächste  Verwandte, 
obwohl  es  keinem  Zweifel  unterliegen  kann,  dass  wir  es  hier  mit  einem  echten 


Oligocäne  Bryozoen  von  Latdorf  in  Bernburg.  [)  [ 

Bryacephalen  ')  zu  thun  haben.  Die  Annäherung  beider  Sippen  wird  nocli  durch 
die  Erscheinung  gesteigert,  dass  die  Mündungen  der  Zellen  bei  Orlntulipora  mit 
zunehmender  Grösse  der  Cnlonie  allmählich  sich  verengen  oder  ganz  verkalken. 
Und  zwar  geht  diese  Verkalkung  vom  Centrum  aus  und  erstreckt  sich  auf  die 
mittleren  Zellen  in  der  Regel,  wahrend  die  in  der  Nähe  des  Randes  stets  frei 
bleiben.  Es  entspricht  diese  Verkalkung  der  älteren  Zellen  ganz  den  nämlichen 
Erscheinungen,  wie  sie  an  den  unteren  Theilen  der  Stämme  bei  Eschariden, 
Homeren  u.  a.  Sippen  gewöhnlich  auftreten. 

Orbitulipora  Haidingeri  Stol.  Taf.  III,  Fig.  5. 

Kleine  scheibenförmige  Körper  von  höchstens  zwei  Linien  Durchmesser  mit 
allmählich  gegen  die  Peripherie  zunehmender  Dicke.  Die  Zellen  treten  mit  ihren 
schwachen  Umrandungen  etwas  über  die  Oberfläche  hervor;  sie  sind  glatt  und  durch 
feine  Furchen  von  einander  getrennt.  In  der  Mitte  sind  sie  viel  kleiner  und  vielseitig 
gegen  einander  abgeplattet.  Ihre  Mündung  ist,  wenn  vollständig  erhalten,  quer 
elliptisch.  Gegen  die  Peripherie  werden  die  Zellen  grösser  und  mehr  in  die  Länge 
gestreckt;  sie  tragen  gewöhnlich  unter  der  Mündung  am  Bauche  eine  blasig 
aufgetriebene  Nebenzelle,  die  an  der  Unterlippe  durch  eine  Öffnung  mit  der 
Mutterzelle  communicirt.  Indessen  sind  diese  abnormen  Zellen  nicht  selten 
durchbrochen  und  zerstört.  Von  Zwischenporen  oder  sonstigen  Bildungen  habe 
ich  nichts  beobachtet. 

Ziemlich  häufig  bei  Latdorf. 

Retcpora  Robetschi  Reuss  (Polyp,  p.  48,  Taf.  6,  Fig.  35  —  37). 

In  den  marinen  Ablagerungen  des  Wiener  Beckens  ziemlich  verbreitet  und 
namentlich  zu  Lapugy  in  Siebenbürgen  und  Pforzteich  sehr  häufig.  Professor 
Reuss  fand  sie  auch  in  den  oberschlesischen  Tertiärablagerungen  zu  Miechowitz 
u.  a.  0.  (Geolog.  Gesellschaft.  III.  Bd.  pag.  166.)  —  Bei  Latdorf  nicht  selten. 

Bezeichnend  für  diese  Art  ist  die  Stellung  der  Nebenpore  knapp  unter  der 
Mündung,  wie  bei  Retep.  Beanianu  Busk.  (Polyz.  of  Crag.  Taf.  17.) 

Retepora  fasciata  Stol.  Taf.  III,  Fig.  4. 

Der  Stamm  besitzt  einen  eiförmig  zugespitzten  Querschnitt.  Der  vordere 
Theil  erhebt  sich  nämlich  zu  einer  Kante,  wie  dies  sonst  nur  bei  Idmoneen  vor- 
kommt. An  den  abfallenden  Seiten  befinden  sich  je  zwei  Längsreihen  alterniren- 
der  Zellen,  von  denen  jede  eine  grosse  Mundöffnung  und  darunter  eine  Neben- 
pore trägt.  Tritt  die  Nebenpore  durch  einen  Bruch  mit  der  Mündung  in  Commu- 
nication,  so  erscheint  letztere  an  ihrer  Basis  geschlitzt.  Ausserdem  ist  noch  eine 
zweite  Nebenpore  an  der  Zellendecke  vorhanden,  die  immer  mehr  dem  unteren 
Aussenrande  näher  liegt,  insofern  man  nämlich  die  Kante  als  Mittellinie 
betrachtet.  Einige  undeutliche  Spuren  von  Nebenporen  oder  einer  Oberhöhle  sind 
auch  über  der  Mündung  wahrzunehmen,    wie  bei  R.  notopachys.  (Busk,  Polyz. 


i  ')  B  r  o ii  ii ,  Classen  u.  Ordnungen  d.  Tlüer.  Pul.  i!l. 


9'^  Stoliczka. 

Crag.  pag.  76,  Taf.  XII,  Fig.  4)  aus  dem  Coralline-Crag.  Englands,  mit  welcher 
unsere  Art  die  meisten  Vergleichungspunkte  darhietet.  Die  Rückseite  ist  im 
Verhältnisse  viel  stärker  entwickelt  als  die  Vorderseite,  gleichmässig  gerundet 
und  aus  vielen  concentrischen  Lamellen  zusammengesetzt,  die  oft  von  Radial- 
canälen  durchbrochen  werden.  Von  der  Mündung  jeder  Zelle  läuft  auf  der  Mitte 
einer  wulstartigen  Erhöhung  je  eine  feine  Furche,  die  sich  erst  ganz  an  der 
Rückseite  verzweigt  und  mit  anderen  verbindet. 

In  welcher  Weise  die  Verästelung  und  Verbindung  der  einzelnen  Zweige 
stattfand ,  kann  vorläufig  nach  dem  einzigen  bisher  bekannten  Rruchstück 
nicht  angegeben  werden. 

Stichoporiua  Stol. 

Die  kalkigeZellencolonie  ist  frei, napf- bisscheibenförmig. 
Die  Zellen  haben  die  gewöhnliche  Form  einerRlase,  münden  nur 
an  der  Oberseite  und  beginnen  ihr  Wachsthum  von  einer  im 
Cent  r  um  liegenden  Mutterzelle  gleich  massig  nach  allen  Rich- 
tungen,oh  nejedoch  ineinzelneRadial-oder  concentrischeReihen 
geordnet  zu  sein.  An  der  Unterseite  sind  die  Begrenzungen  der 
einzelnen  Zellen  durch  Furchen  angezeigt;  untereinander  com- 
municiren  sie  durch  Sprossencanäle;  während  ausserdem  ein 
zweites  Canalsystem  sich  in  denZwischenräumen  de  r  Zellen  ver- 
zweigt und  an  beiden  Seiten  mittelst  feinerPoren  mündet. 

Die  Form  der  ganzen  Colonie  ist  so  ziemlich  der  von  Lunulites,  Cupularia 
u.  a.  gleich;  der  Unterschied  liegt  erstens  in  der  unregelmässigen  Anordnung 
der  Zellen,  die  sich  auch  auf  der  Unterseite  kenntlich  macht,  und  zweitens  in  dem 
Mangel  von  Zwischenzellen. 

Viel  auffüllender  ist  die  Ähnlichkeit  dieser  Sippe  mit  Stichopora  Hagenow 
(non  d'Orbigny),  und  ich  muss  bedauern,  dass  mir  keine  typischen  Exemplare 
der  letzteren  zu  Gebote  stehen.  Es  gilt  das  namentlich  von  Stichopora  clypeata 
Hagw.  (Broy  z.  v.  Maasstricht  pag.  100,  Taf.  XII,  Fig.  14)  aus  der  Maass- 
trichter Kreide.  Indessen  hebt  Hagenow  daselbst  und  in  Geinitz  Grundriss 
(pag.  021)  das  Vorkommen  von  Spalt-  und  Nebenzellen,  sowie  das  Wachsthum 
nur  nach  einer  Richtung  in  bestimmten  Reihen  als  besonders  charak- 
teristisch hervor,  und  dies  bewog  mich  für  die  LatdorferVorkommnisse  einen  eigenen 
Namen  zu  wühlen.  Denn  von  Spaltzellen  habe  ich  bei  den  mir  zahlreich  vorlie- 
genden Stücken  nichts  beobachtet,  wenn  man  nicht  etwa  die  Porencanäle  dafür 
halten  wollte  ;  und  das  Wachsthum  ist  entschieden  ein  ganz  abweichendes.  Im 
Centrum  des  Stockes  liegt  nämlich  die  Mutterzelle,  welche  sich  schon  äusserlich 
durch  eine  viel  grössere  Mundöffnung  von  den  anderen  auszeichnet.  Auf  einem 
Querbruche  sieht  man,  dass  sie  durch  Sprossencanäle  mit  allen  umliegenden  Zellen 
derart  zusammenhängt,  dass  sie  gleichsam  in  mehrere  Fächer  getheilt  zu  sein 
scheint,  dass  also  von  ihr  Zellen  in  allen  Richtungen  entspringen.  Oh  auch  die  weiter 
gegen  die  Peripherie  befindlichen  Zellen  vomCentrum  oder  wahrscheinlicher  von 
einer  nächstliegenden  Zelle  entsprossen  sind,  konnte  ich  bis  jetzt  nicht  beobachten- 
Im  ersleren  Falle  hallen  wir  dieselbe  Wachsthums-Erscheinung  wie  bei  Cupularia, 


Oligociiiie  ßrinzoen  von  Latdorf  in  ßernluirg.  93 

und  es  wäre  dann  auch  die  systematische  Stellung  zunächst  dieser  Sippe  ge- 
rechtfertigt. Welchen  Zweck  das  Canalsysteni  erfüllt  hat,  ist  allerdings  bei 
fossilen  Formen  immer  schwer  zu  entscheiden.  Als  ein  hydrostatischer  Apparat 
mag  es  ganz  gut  gedient  haben,  um  so  mehr  als  man  an  dem  Stock  jede  Anhef- 
tungsfläche  vermisst.  Ausserdem  konnte  das  Wasser  vielleicht  auch  durch  die 
mikroskopischen  Poren  der  Zellenwände  in  das  Innere  der  Zelle  gelangen,  da  ja 
die  Zellendecke  stets  als  eine  organische  nicht  vom  Thier  zu  trennende  Bedeckung 
aufzufassen  ist. 

Von  bereils  beschriebenen  Arten  könnte  man  ausser  der  erwähnten  Slicho- 
pora  clypeata  mit  einiger  Sicherheit  den  Lunulüen  petaloides  d'Orbigny  (Pal. 
traue,  cret. pag.  353, pl. 705,  Fig.  6 — 9)aus  dem  Senonies  Frankreichs  hieher 
ziehen.  Die  ungewöhnlich  grosse  Öffnung  der  Mutterzelle  im  Centruni  ist  an  der 
d'Orbi  gn  y'schen  Art  recht  gut  zu  sehen. 

Stichoporina  Reussi  Stol.  Taf.  III,  Fig.  6. 

Die  Zellen  erheben  sich  blasenförmig  über  die  Oberfläche  und  erscheinen 
bei  gewöhnlicher  Vergrösserung  ganz  glatt,  nur  eine  ansehnliche  Vergrösserung 
lässt  sehr  feine  Poren  an  der  Zellendecke  wahrnehmen.  Sie  sind  meist  von  un- 
gleicher Grösse  und  unregelmässig  polyedrisch  gegen  einander  abgegrenzt;  die 
Mündungen  sind  in  der  Regel  vollständig  rund  ohne  alle  Ausschnitte;  auch  be- 
merkte ich  niemals  Oberhöhlen  oder  sonstige  abnorme  Zellbildungen.  Sehr 
beständig  finden  sich  am  Gipfel  um  die  grosse  Mundöffnung  der  Mutterzelle  herum 
mehrere  Zellen,  die  in  ihrer  Form  vollkommen  mit  den  anderen  der  Colonie  über- 
einstimmen. Ihre  Zahl  ist  bei  kleinen  Stöcken  gering  (4 —  d)  und  wächst  mit  dem 
Alter.  Sie  hängen  mit  den  unter  ihnen  liegenden  Zellen  durch  Sprossencanäle 
zusammen,  und  scheinen  diesen  in  einem  bestimmten  Altersstadium  entsprossen 
sein.  Eigene  morphologische  Functionen  könnte  man  ihnen  schwerlich  zuschreiben, 
wohl  aber  dürften  sie  die  physiologischen  Verrichtungen  der  alten  Zellen  in  der 
Folge  übernehmen.  An  dem  Rande  der  Colonie  sind  die  Zellen  etwas  gestreckt 
und  es  tritt  abwechselnd  je  eine  etwas  vor,  wodurch  die  Peripherie  ausgezackt 
erscheint.  Die  Porencanäle  münden  überall  an  der  Ober-  und  Unterseite  in  den 
Ecken,  wo  drei  oder  mehrere  Zellen  zusammenstossen. 

Bei  Latdorf  ist  diese  Art  ziemlich  häufig  vertreten. 

Lunuiites   sabplana  Reuss.   (Wien.    Sitzgsb.    d.    k.    A.    Bd.    XVIII, 
p.  264,  Tat.  II,  Fig.  109.) 

Prof.  Reuss  beschrieb  diese  Art  zuerst  aus  dem  glaukonitischen  Sande 
von  Westeregeln.  Die  Latdorfer  Exemplare  stimmen  sonst  ganz  mit  der  citirten 
Beschreibung  überein,  sind  aber  meist  breiter  und  verhältnissmässig  weniger 
gewölbt.  —  Ziemlich  selten  und  meist  nur  in  Bruchstücken. 

Lunuiites  Latdorfensis  Stol.  Taf.  III,  Fig.     . 

Diese  Art  erlangt  einen  Durchmesser  von  2—4  und  eine  Höhe  von 
1-  2  Linien.  Die  Wölbung  der  ColonÄ  ist  eine  sanfte,  der  Wirbel  abgestumpft 


0^  Stoliczka.    Oligocäne  Bryozoen  von  Latdorf  in  Bernburg. 

und  merkwürdigerweise  bemerkt  man  an  demselben  stets  eineAnheftungsfläche,  in 
der  Regel  irgend  ein  kleines  Schalenfragment,  während  sonst  Spuren  einer 
Anheftungsstelle  gewöhnlich  an  der  Unterseite  vorbanden  sind.  Letztere  ist 
schwach  vertieft  oder  eben  und  mit  zahlreichen  Radialfurchen  versehen,  die  sich 
gegen  den  Rand  verästeln  und  unter  einander  verbinden  (Fig.  g).  Zwischen  den 
Furchen  treten  dann  an  den  gewölbten  Rippen  eine  oder  zwei  Porenreihen  auf,  die 
in's  Innere  derColonie  hineinführen.  Die  Zellen  sind  bei  vollständiger  Erhaltung 
(Fig.  b  und  c)  sechsseitig,  mit  abwechselnd  gleichen  Seiten,  wobei  jene  die  grös- 
seren sind,  mit  welchen  die  Zelle  an  die  ihr  gleichen  Zellen  anstosst,  jene  an  die 
Spaltzellen  angrenzenden  dagegen  kleiner.  Die  Zellendecke  ist  glatt,in  der  Mitte 
herum  vertieft,  um  den  Mundrand  aber  ziemlich  ansehnlich  erhoben.  Die  Mündung 
selbst  ist  länglich  vierseitig,  vorn  durch  zwei  eingreifende  Zähne  verengt.  Das- 
selbe ist  der  Fall  bei  den  viel  kleineren  Spaltzellen. 

Wohl  darf  man  sich  nicht  beirren  lassen  von  dem  Aussehen  der  Oberfläche, 
wenn  die  Zellendecken  abgelöst  sind,  was  nicht  selten  vorkommt  (Fig.  rfunde).Da 
erscheint  die  Mündung  rund  und  der  Rand  mit  allerlei  Höcker  versehen,  während 
die  Spaltzellen  sehr  seicht  geworden  oder  ganz  ausgebrochen  sind.  Die  Beschrei- 
bung solcher  Exemplare  passt  immer  nur  auf  das  betreffende  Stück  und  lässt  die 
Art  in  den  seltensten  Fällen  wieder  erkennen.  Bezüglich  der  Form  der  Zellen  ist 
zu  bemerken,  dass  sie  vom  Centrum  *)  mit  einem  feinen  Canal  entspringen,  der 
in  einem  Bogen  nach  aufwärts  steigt  und  in  der  Nähe  der  Oberfläche  sich  becher- 
artig erweitert.  Diese  Erweiterung  ist  als  die  eigentliche  Wohnzelle  des  Thieres 
anzusehen  und  es  kommen  die  Sprossencanäle  nur  an  ihr  vor. 

Zerbricht  man  eine  Colonie  nach  ihrem  Durchmesser,  so  sieht  man  in  den 
Zwischenwänden  die  zuerst  von  Prof.  Reuss  beobachteten  horizontalen  3) 
Streifen  und  zwar  in  einer  solchen  Stärke,  dass  dagegen  die  senkrechten  ganz 
verschwinden  (Fig.  /").  Es  ist  schwer  zu  entscheiden,  ob  diese  starke  Radialstrei- 
fung, die  oft  mannigfache  Windungen  zeigt,  nur  dem  successiven  Anwachsen 
zuzuschreiben  ist.  Sie  scheint  mir  vielmehr  der  Ausdruck  eines  complicirten 
Canalsystems  zu  sein,  welches  sich  im  ganzen  unteren  Theil  des  Lunuliten 
vielfach  verzweigt.  Fortgesetzte  Untersuchungen,  namentlich  bei  Lebenden 
werden  uns  hoffentlich  bald  einen  näheren  Aufschluss  ertheilen. 


1)  Bei  eingeschalteten  Reihen  wird  natürlich  die  betreffende  Mutterzelle  als  Oenlium 
angesehen. 

2)  In  Bezug  auf  den  Mittelpunkt  der  ganzen  Colonie  radiale  Streifung. 


Stolie/.ka.  Oligocsene  Jh-yozioen  von  Latflorf. 

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SfoTiczka.  Oltrfocsene  Bryo&oer  von  Latdorf 


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3.  Lepralüi   truusrvpora    Stol. 
'/  Membranipora    anhaltüia  Stol 
„     S.  Alofelarta  Bwrki   Stol 


h'irl<>  l:\i-rluirri  '"«'■/ /.<<///>'     Stol 

„      ;  l:\rlitu-ii  orinitt.v.iiiiiii     Stol. 

g.  /;'.,■(■//'//"  crenatula      ■<*»/ 

.,     S.  7'7xr/iririi  j-uhovcUa    Stol-, 

„      /0  l'.rrliiira  puichra    'Stol. 


/■'«///.  Eschara  coscinophoraReuss: 
Sit7ainösb.(Lk.Akad.a..¥.matk.n*turw.Cl.XLV.  Bd.IAbtK.1862. 


Slolic7,kn.  Oligoesene  Bryoz.oen  v«ji   Latdorf. 


Taf.lU. 


i*4  ü* 


%  ■■■•■=Srf    »ix^Ä 


FiaJ-2.  Escharo  coscinopliora  P-r.<:  FigJ.  Orhitulipora    Haitlingerv  <fte£. 

3.    EscJiara  pornlosa  Xtot.  «    <>'    SMchoporina  Nfii.f.n    Stob. 

'i.    Retepora  fusciata  .Sfol.  ■■    >■    Ztmulites  Latdarfen*is  Stolz. 

Siu,ii.«s-l..(ll<AkH<l..l.\Y.H.atli n.-iiii,« -.t'l.XLV.  Bd.I.Abfli.1862. 


95 


III.  SITZUNG  VOM  16.  JÄNNER  1862. 


Herr  Dr.  Daubrawa,  Apotheker  in  Mährisch-Neustadt,  über- 
sendet eine  Mittheilung,  betitelt:  „Zur  Conservirung  organischer 
Substanzen". 

Herr  Director  Fenzl  überreicht  eine  Abhandlung:  „Über  Aus- 
gaben und  Handschriften  der  medicinisch-naturhistorischen  Werke 
der  heiligen  Hildegard",  von  Herrn  Dr.  C.  Jessen  in  Eldena  bei 
Greifswald. 

Herr  Prof.  Z  eng  er  zeigt  und  erklärt  ein  nach  seiner  Angabe 
construirtes  Universal-Rheometer. 

Herr  Med.  Dr.  Gustav  Wertheim  übergibt  eine  Abhandlung 
„Über  eine  am  zusammengesetzten  Mikroskope  angebrachte  Vor- 
richtung zum  Zwecke  der  Messung  in  der  Tieferichtung  und  eine 
hierauf  gegründete  neue  Methode  der  Krystallbestimmung". 

Prof.  Schrötter  berichtet  über  die  neuesten  Fortschritte  in  der 
Photographie,  welche  durch  die  Herren  Bertsch  und  Negre  in 
Paris  gemacht  wurden,  und  legt  die  ihm  von  Herrn  Sectionsrath 
R.  v.  Schwarz  zu  diesem  Behufe  übergebenen  Apparate  und  Photo- 
graphien vor. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt : 

Akademie   der    Wissenschaften,    königl.    bayer.,    zu    München, 

Sitzungsberichte,  1861.  I.  Heft  V.  München,  1861;  So- 
Ann  alen  der  Chemie  und  Pharmacie,  herausgegeben  von    Friedr. 

Wohl  er,  J.  Liebig  u.  Herrn.  Kopp.  N.  R.  Band  XLIV.  Heft 

2   &  3;  I.   Supplementband,  3.   Heft.  Leipzig   &   Heidelberg, 

1861;  8°- 
Annales   des  mines,  5e  Serie,  Tome  XX,  4e  Livraison  de  1861 . 

Paris,  1861;  8»- 
Argelan  der,  F.  W.  Aug.,  Atlas  des  nördlichen  gestirnten  Himmels 

für  den  Anfang  des  Jahres  185S,  entworfen  auf  der  königl. 

Sternwarte  zu  Bonn.  5.,  6.  &  7.  Lieferung  (12  Tafeln).  Bonn, 

1861;  gr.  Fol. 
Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1344.  Altona,  1862;  4° 


96 

B  ibl  iotheque  Universelle  de  Geneve,  Arcliives  des  sciences  phy- 
siques   et   nalurelles.   Nouvelle   Periode,   Tome   XII",    No.   47. 
Geneve,  1861;  8°- 
Cosmos,  XIe  Annee,  2üe  Volume,  2e  Livraison.  Paris,  1862;  So- 
Gesellschaft,   naturforsehende,   zu    Emden,    46.    Jahresbericht. 

1860.  Emden,  1861;  8°- —  Kleine  Schriften.  VIII.  Mit  2Tafeln. 
Emden,  1861;  4°- 

—  allgemeine  Schweizerische,  für  die  gesammten  Naturwissen- 
schaften. Neue  Denkschriften,  XVIII.  Band.  Mit  62  Tafeln. 
Zürich,  1861;  4°- 

—  der  Wissenschaften,  Königl.  Dänische,  zu  Kopenhagen.  Over- 
sigt  over  Forhandlinger  i  Aaret  1860.  Kjöbenhavn :  8°-  ■ — 
Quaestiones,  quae  in  anno  1861  proponuntur.  8° 

Grunert,  Joh.,  Aug.,  Archiv  der  Mathematik  und  Physik.  X*XXVII. 

Theil,  2.  Heft.  Greifswald,  1861  ;  8°- 
Institution,  The  Royal,  of  Great  Britain.  Notices  of  the  Procee- 

dings  at  the  Meetings  of  the  Members.  Part  XI.  1860  —  1861. 

London,  1861  ;  8°-  —  A  List  of  the  Members,  Officers  etc.  for 

the  year  1860.  London,  1861;  So- 
Jahrbuch,  Neues,  für  Pharmacie  und  verwandte  Fächer,  von  G.  F. 

Walz  und   F.   L.    Winckler.   Band  XVI.  Heft  5.  Heidelberg, 

1861;  So- 
Land-  und  forstwirtschaftliche  Zeitung,   XII.  Jahrg.  Nr.  2.  Wien, 

1862;  kl.  4o- 
Lotus.  Zeitschrift  für  Naturwissenschaften.  XI.  Jahrgang.  November 

1861.  Prag,   1861;  So- 
Marburg,  Universität,  Akademische  Gelegenheitsschriften  von  No- 
vember 1860  bis  Juli  1861.  Marburg.  4°-  &  8°- 

Society,  The  Royal  Asiatic,  of  Great  Britain  and  Ireland,  Journal. 

Vol.  XIX.  Part  1.  London,  1861;  8«-  —  Report,   Prospectus 

and  Publications  of  the  Oriental  Translation  Committee.  1861. 

London,  8°" 
-  The  Royal  Astronomical,  Memoirs.  Vol.  XXIX.  1859  —  1860. 

London!  1861;  4o- 

The    Zoological,  of  London,  Transactions.  Vol.  IV.  Part  7.  Sec- 

tinii  I.  London,  1861 ;  4o- 
Wedl,  C,  Atlas  der  pathologischen  Histologie  des  Auges.  IV.  Lie- 
ferung. Leipzig,  1861;  4°- 
Wiener  inediciuische   Wochenschrift.  XII.  Jahrgang,  Nr.  2.  Wien, 

1862;  4o- 
Wochen-Blatt  der  k.   k.  steierm.   Landwirthschafts-Gesellschaft, 

XI.  Jahrgang,  Nr.  6.  Grats,  1862;  4o- 
Zeitschrift  für  Chemie  und  Pharmacie,  von  E.  Erlenmeyer  und 

G.  Lewinstein,  IV.  Jahrgang,  1861.  Heft  20  &  21.  Erlangen, 

1861;  8o- 


97 


Über   Ausgaben  und  Handschriften    der   medicinisch-natur- 
historischen  Werke  der  heiligen  Hildegard. 


Von   Dr.   C.  Jessen 

in   Eldena   bei   Greifswald. 


I.  Über  Anzahl  nnd  Titel  der  Schriften. 

Über  die  heilige  Hildegard  als  Begründerin  einer  deutschen 
Arzneimittellehre  ist  an  vielen  Orten  geredet  und  von  vielen  Seiten 
mit  und  ohne  Sachkenntniss  abgeurtheilt  worden.  Aber  für  eine 
kritische  Bearbeitung  der  einschlagenden  Schriften,  ja  auch  nur  für 
eine  sichere  Ermittlung,  was  davon  erhalten,  was  verloren  ist,  sind 
meines  Wissens  bisher  weder  von  Seiten  der  Mediciner  noch  der 
Sprachforscher  erhebliche  Schritte  geschehen,  so  wichtig  auch  für 
die  deutsche  Sprache  wie  für  die  Geschichte  deutscher  Medicin  und 
Naturkunde  diese  Werke  sind,  und  Beuss  ist  fast  der  einzige,  der 
sich  anhaltend  damit  beschäftigt  hat.  Doch  auch  er  ist  sowohl  in 
seiner  früheren  schätzbaren  Schrift:  „De  libris  physicis  Hildegardis, 
Wirceburgi  1835",  als  auch  in  seinen  späteren  Arbeiten  leichter 
über  diese  Fragen  hingegangen  und  hat  sich  wesentlich  an  die 
Angaben  gehalten,  welche  Fahricius  (Bibl.  lat.  med.  aet.  Vol.  III.) 
gemacht  hat.  Es  dürfte  daher  nicht  überflüssig  erscheinen,  wenn  ich 
auf  diese  Vernachlässigung  aufmerksam  mache  und  zugleich  mit- 
theile, was  ich,  gestützt  auf  drei  bisher  unbeachtete  Hand- 
schriften, zur  Aufklärung  der  Sache  beitragen  kann. 

Gedruckt  ist  bekanntlich  ein  medicinisch-naturgeschichtliches 
Wrerk  der  Hildegard  schon  im  16.  Jahrhundert  unter  dem  Titel: 

Physica  S.  Hildegardis,  Elementorum,  fluminum  aliquot  Ger- 
maniae,  metallorum  leguminum  fructuum  et  lierbarum:  arborum 
et  arbustorum:  piscium  denique  volatilium  et  animantium  terrae 

SiUb.  d.  mathem.-uaturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  7 


QQ  |),-.  c.  J  essen.  Über  Ausgaben  und  Handschriften 

natura*  et  Operationen  IUI  libris  mirabili  experientia  posteritati 
tradens.  Argentorati,  J.  Schott  1S33.  fol.  Derselbe  Abdruck  er- 
schien mit  neuem  Titel  1544  und  wird  dann  oft  als  neue  Ausgabe 
bezeichnet.  Indess  Wenige  scheinen  Gelegenheit  gehabt  zu  haben, 
ihn  mit  dem  früheren  zu  vergleichen,  während  sowohl  Choulant 
(Handbuch  für  Bücherkunde  der  älteren  Medizin  IL  Ausgabe,  S.  407) 
als  E.  Meyer  in  Pritzel  (Thes.  litter.  bot.  ad  Nr.  4459)  sich  für 
die  obige  Annahme  erklären.  Diese  Ausgaben  werde  ich  mit  Ä. 
bezeichnen. 

Eine  neue   Redaction   desselben  Werkes    ist  vor    Kurzem   in 
Migne  Patrologia  T.  137  erschienen,  unter  dem  Titel: 

Über  beatae  Hildegardis  subtilitatum  diversarum  naturarum 
creaturarum  et  sie  de  aliis  quam  multis  bouis.  Paris  1857,  gr.  8. 
Diese  —  welche  ich  als  P.  anführen  werde  —  gibt  den  Text 
einer  Pariser  Papierhandschrift  aus  dem  XV.  Saec. ,  deren  schon 
Haller  erwähnt,  nach  einer  genauen  Abschrift  Daremberg's, 
nebst  Zusätzen  aus  A.  und  einigen  Noten  von  Reuss. 

Die  Pariser  Handschrift  galt  bisher  für  die  einzige  uns  erhal- 
tene, doch  mit  Unrecht,  denn  eine  viel  vorzüglichere  Pergament- 
handschrift, angeblich  des  14.,  in  Wahrheit  jedoch,  wie  später 
nachzuweisen,  des  13.  Jahrhunderts,  fand  ich  an  einem  Orte,  dessen 
Schätze  man  für  längst  bekannt  halten  sollte,  in  der  Wolffenbüttler 
Bibliothek,  als  ich  im  Herbste  1858  eine  leider  zu  kurze  Zeit  auf 
die  flüchtige  Durchsicht  der  medicinischen  Handschriften  des  Mit- 
telalters zu  verwenden  Gelegenheit  hatte.  Für  die  Pflanzenwerke 
Albert  des  Grossen,  die  ich  besonders  dabei  im  Auge  hatte,  war 
nichts  zu  finden,  aber  ich  ward  hinlänglich  für  meine  Mühe  belohnt, 
wie  durch  anderes,  so  ganz  besonders  durch  die  Auffindung  des 
Codex:  Über  subtilitatum  de  herbis  (August.  60,  15.  8°.),  wie  der 
Katalog  fälschlich  den  Titel  angibt.  Es  war  nicht  schwer,  darin 
eine  Handschrift  des  eben  genannten  Werkes  der  Hildegard  zu 
erkennen.  Ich  werde  sie  W.  nennen.  Ohne  hier  weiter  auf  die 
grosse  Wichtigkeit  dieser  Handschrift  einzugehen,  was  ich  dem 
zweiten  Abschnitte  vorbehalte,  erwähne  ich  nur,  dass  dieselbe  den 
folgenden  Titel  führt: 

Über  subtilitatum  de  diversis  creaturis. 

Wenn  man  zunächst  den  Titel  des  Werkes  festzustellen  sucht, 
so  ergibt  sich,    dass  derjenige   der  Strassburger  Ausgabe  offenbar 


der  mediciniscb-naturhistorischen  Werke  der  heiligen  Hildegard.  QQ 

ein  Buchhändlertitel  ist  und  als  ganz  willkürlich  verworfen  werden 
muss.  Zwischen  den  anderen  beiden  erscheint  die  Wahl  schwer; 
ich  würde  jedoch  mit  Rücksicht  auf  die  Einfachheit  und  Kürze, 
welche  bei  der  Hildegardis  im  Allgemeinen  vorwaltet,  den  letz- 
teren vorziehen,  wenn  nicht  Reuss  (Migne,  1.  c.  pag.  1123)  für 
den  Titel  von  P.  eine  Parallelstelle  aus  Hildegard's  Liber  vitae 
meritorum  in  dem  Wiesbadener  Codex  anführte,  in  dem  jedoch  der 
Schluss  „et  sie  de  aliis  quam  multis  bonis"  und  gewiss  mit  Recht 
fehlt,  denn  dieser  hat  ganz  die  Form  eines  späteren  Zusatzes. 

Dann  ist  der  Nachweis  noch  zu  führen,  dass  überhaupt  das 
vorliegende  Werk  eine  Schrift  der  Hildegard  ist.  Reuss  hat  die 
inneren  Gründe,  welche  dafür  sprechen,  hervorgehoben,  ist  aber 
auf  die  literar-geschichtlichen  Nachweise  nicht  eingegangen.  Ich 
beschränke  mich  auf  die  letzteren,  da  sie  mir  ausreichend  erscheinen, 
wenn  man  die  Sache  genau  ins  Auge  fasst.  Doch  kann  ich  nicht 
unbemerkt  lassen,  dass  der  öfter  geinachte  Einwurf,  als  sei  es  unan- 
ständig für  eine  Nonne,  über  viele  hier  erwähnte  Krankheiten  und 
deren  Behandlung  zu  sprechen,  eben  nur  ein  Einwurf  aus  unserer 
Zeitanschauung  ist,  in  der  gerade  heraussagen,  was  man  denkt,  fast 
in  allen  Dingen  für  unschicklich  gilt.  Nicht  blos  passt  aber  der 
Satz:  „Naturalia  non  sunt  turpia"  für  jene  Zeit  im  vollsten  Umfange, 
sondern  wer  Sinn  dafür  hat,  wird  leicht  finden,  dass  die  Verfasserin 
über  solche  Dinge  mit  möglichster  Kürze  hingeht ,  wenn  sie  sich 
auch  gar  nicht  scheut,  alles  das  zum  Verständniss  Nöthige  gerade 
heraus  zu  benennen.  Auch  darf  man  nicht  vergessen,  dass  sie  nahe 
an  60  Jahre  alt  war,  als  sie  diese  Schrift  verfasste,  wie  sich  sogleich 
ergeben  wird. 

Hildegard  hat  zwischen  1151  und  1159  im  53.  —  61.  Le- 
bensjahre ein  „Liber  simplicis  medicinae"  und  ein  „Liber  com- 
positae  medicinae"  geschrieben.  Das  ergibt  sich  aus  den  Actis  in- 
quisitionis  de  miraculis,  aufgenommen  nach  den  Aussagen  von  Augen- 
zeugen in  ihrem  Kloster  auf  dem  Ruprechtsberge  bei  Bingen.  Frei- 
lich wird  an  einer  Stelle  dieser  Protokolle  (Acta  Sanctor.  Sept.,  V. 
pag.  699,  §.  9)  nur  das  erste  Buch  genannt,  es  kann  aber  kein 
Bedenken  haben  mit  denBollandiste  n  aus  der  zweiten  Aufzählung 
(pag.  670,  §.  11),  wo  beide  neben  einander  stehen,  zu  folgern,  dass 
das  zweite  an  jener  früheren  Stelle  beim  Abschreiben  vergessen 
sei.  Alle  späteren  Schriftsteller  führen  beide  Werke  auf,   aber  ich 

7* 


1  OU  Dr.  C.Jessen.  Über  Ausgaben  und  Handschriften 

finde  nur  Einen  der  etwas  Näheres  über  sie  angibt.  Matthaeus 
Westmonasteriensis,  der  zu  Ende  des  13.  Jahrhunderts 
schrieb,  sagt  nämlich  (Acta  Sanct.  1.  c,  pag.  673,  §.  189):  Hilde- 
gard habe  geschrieben  ....  atque  librum  simplicis  medicinae 
secundum  creationem,  octo  libros  continentem,  librumque  compo- 
sitae  medicinae  de  aegritudinum  causis,  signis  et  curis  ...  Tri- 
themius  nennt  zwar  beide  Werke,  führt  aber  die  Anfangsworte 
nicht  an,  hat  sie  also  nicht  gesehen.  Seit  dem  scheinen  sie  ver- 
schollen bis  auf  jene  ältere  Ausgabe,  so  dass  es  überflüssig  sein 
dürfte,  die  späteren  Vermuthungen  anzuführen. 

Vergleicht  man  die  Angaben  des  Matthäus  mit  den  vorlie- 
genden Drucken,  so  ergibt  sich,  dass  von  dem  Inhalte  des  „Liber 
compositae  medicinae",  d.  h.  von  Pathologie  und  Semiotik,  in  dem 
gedruckten  Werke  keine  Spur  vorbanden.  Die  Annahme  von  Reuss 
und  anderen  neueren  Schriftstellern,  als  enthalte  dasselbe  sowohl 
den  „Liber  simplicis"  als  den  „compositae  medicinae",  muss  man 
daher  durchaus  fallen  lassen.  Dagegen  passt  „Liber  simplicis  medi- 
cinae" sowohl  dem  Titel  als  der  beigefügten  Notiz  „secundum  crea- 
tionem" nach  genau  auf  dasselbe.  Denn  es  enthält,  was  im  Mittel- 
alter Simplicia  hiess,  d.  h.  den  Arzneischatz,  und  es  beginnt  mit  den 
Worten:  „In  creatione  hominis  de  terra",  worauf  Matthäus 
sich  füglich  bezogen  haben  kann.  Doch  lässt  sich  auch  nachweisen, 
dass  jenes  „secundum  creationem"  auf  die  Anordnung  des  Werkes 
unter  gewissen  Umständen  gepasst  haben  kann,  worüber  gleich  das 
Nähere.  Mit  der  Eintheilung  in  8  Bücher  stimmen  aber  die  Ausgaben 
nicht.  Ich  werde  daher  nachweisen,  dass  die  Handschriften  und  das 
Original  wirklich  in  8  Bücher  abgetheilt  gewesen  sind. 

Zunächst  gebe  ich  die  Eintheilung  der  Ausgaben: 

1.  A. 

Eine  Vorrede:  In  creatione  hominis  .  .  .  eröffnet  das  Werk, 
dann  folgt: 

Lib.     I.  continens  elementorum,  fluminum  aliquot  Germaniae  metal- 

lorumque  naturas  et  effectus.  —  22  cap. 
„      II.    de  natura  et  eifectibus  leguminum,  fructuum  et   herbarum. 

—  181  cap. 
„     III.    de  natura  et  effectibus  arborum,    arbustorum    et   fruclicum 

fructuumque  eorundem.  —  53  cap. 


der  medicioisch-naturhistorischen  Werke  der  heiligen  Hildegard.  101 

Lib.  IV.  de  natura  et   effectibus  piscium,  volatilium   et  animantium 
terrae. 

Pars  1.  Piscium  discretio  et  natura.  —  25  cap. 
„   2.   Volatilium  natura  et  varietas.  —  54  cap. 
„  3.  Animalium    terrae    ad    hominum    comparatio.    — 
44  cap. 

Es  sind  somit  im  Ganzen  6  Abteilungen,  welche  in  4  Bücher 
gebracht  sind  mit  zusammen  379  Capiteln.  Die  vier  letzten  Abthei- 
lungen haben  jede  ihre  Einleitung,  die  ersten  beiden  Bücher  jedoch 
nicht. 

2.  P.  dagegen  hat  9  Abteilungen  und  zählt  diese  als  lib.  1  —  9. 
Die  Handschriften  aber,  sowohl  die  Pariser,  welche  P.  zu  Grunde 
liegt,  als  die  Wolffenbüttler,  zählen  die  zweite  Abtheilung  nicht  mit 
und  kommen  also  nur  auf  8  Bücher.  Im  Übrigen  stimmen  die  Titel 
überein.  Ich  stelle  die  Zahlen  der  Handschriften  voran : 

Codd.  P. 

Lib.       I.  Lib.       I.  de  plantis.  —  230  cap.       Cod.  P.  228  cap. 

„       —  „IL  de  elementis.  —  14  cap. 

IL  „       III.  de  arboribus.  —  63     „     Cod.  P.    60  cap. 

„       III.  „      IV.  de  lapidibus.  —  26     „ 

„       IV.  „        V.  de  piscibus.    —  36     „ 

V.  „       VI.  de  avibus.  —  72  cap.       Cod.  P.    71  cap. 

„       VI.  „     VII.   de  animalibus.  —  45  cap. 

„      VII.  „    VIII.  de  (vermibus).—  18     „ 

„    VIII.  „       IX.  de  metallis.  —  8  cap. 

Hier  hat  jedes  Buch,  mit  Ausnahme  des  sogenannten  zweiten, 
seine  Einleitung.  Was  in  A.  die  Vorrede  bildet,  ist  hier  Einleitung 
zum  ersten  Buche.  Schon  das  Fehlen  einer  Einleitung  in  Hand- 
schriften und  Ausgaben  zeigt,  dass  das  sogenannte  zweite  Buch  in 
der  That  nicht  den  andern  Büchern  gleichzustellen  ist  und  dies 
wird  durch  die  übereinstimmende  Zählung  der  Handschriften  bestä- 
tiget. 

Buch  7  (8)  hat  in  der  Ausgabe  keinen  Titel,  den  angeführten 
supplire  ich  aus  W.  Die  Gesammtzahl  der  Capitel  beträgt  nach 
Cod.  P.  506,  wozu  noch  aus  A.,  wie  oben  bemerkt,  in  verschiedenen 
Büchern  6  aufgenommen  sind.  W.  schliesst  sich  in  Allem  genau  an 
P.  an,  es  hat  hie  und  da  ein  Capitel  mehr,  besonders  im  1.  Buche, 


102  Dr.  C.  Jessen.  Über  Ausgaben  und  Handschriften 

dagegen  fehlen  andere.  Die  Zahl  der  Capitel  ist  übrigens  weder  für 
P.  noch  für  W.  genau  festzustellen,  da  dasselbe  Capitel  bisweilen 
doppelt  vorkommt,  einmal  unter  dem  deutschen,  ein  andermal  unter 
dem  lateinischen  Namen. 

Das  sogenannte  zweite  Buch  wird  durch  Mangel  der  Beziffe- 
rung wie  der  Einleitung  aus  der  Beihe  der  Bücher  ausgeschieden. 
W.  führt  es,  wie  P.,  zwischen  den  Pflanzen  und  den  Bäumen  auf, 
benennt  es  „Liber  de  fluminibus"  und  bezeichnet  das  Capitel  „de 
aere"  als  Einleitung.  Dass  beides  nicht  richtig  sein  kann,  ergibt 
sich  auf  den  ersten  Blick,  wenn  auch  6  Flüsse  neben  Luft,  Wasser 
und  4  Erdarten  beschrieben  werden.  Doch  eben  so  bedenklich 
scheint  mir  der  Titel  „de  elementis",  denn  es  findet  sich  fast  nir- 
gends eine  Spur,  dass  Hildegar dis  von  Elementen  etwas 
gewusst  oder  den  Ausdruck  angewandt  hat,  so  weit  nämlich  meine 
geringe  Kenntniss  der  Schriftstellerin  geht. 

Ob  nun  dieses  sogenannte  zweite  Buch  wirklich  dahin  gehört 
wo  es  steht,  oder  anderswohin,  ist  nicht  leicht  zu  entscheiden.  Es 
scheinen  überhaupt  viele  Willkürlichkeiten  in  der  Anordnung  wenig- 
stens der  Capitel  zu  herrschen,  denn  nicht  blos  entspricht  weder  in 
P.  noch  in  W.  die  Beihenfolge  der  Capitel  dem,  jedem  Buche  vor- 
stehenden Begister,  sondern  es  kommt,  wie  erwähnt,  derselbe  Text 
an  verschiedenen,  oft  weit  auseinander  stehenden  Orten  vor.  In  der 
Anordnung  der  Capitel  aber  ist  mir  nicht  gelungen,  einen  bestimmten 
Plan  zu  entdecken,  ganz   abgesehen  von   A.,  wo  die   Stellung  der 
Capitel  eben  so  willkürlich,  wie  Titel  und  Abtheilungen,  behandelt  ist. 
Betrachtet  man  die  Ordnung  der  Bücher   in   P.   und  W. ,   so 
findet  man,  dass  allerdings  die  meisten,  wie  Matthäus  sagt,  „secun- 
dum    creationem"    auf   einander    folgen.    1.    Kräuter,    2.    Bäume, 
4.  Fische,  5.  Vögel,  6.  Thiere  der  Erde  werden  in  derselben  Beihen- 
folge aufgeführt,  wie  die  Schöpfungsgeschichte  sie  namhaft  macht. 
Die  Stellung  von  3.  Steine,  7.  Würmer,  8.  Metalle,  erklärt  sich 
aber  nicht  unmittelbar   aus   der  Schöpfungsgeschichte.    Nimmt  mau 
aber  die  Worte  der  Hildegard  in  den  Einleitungen  dieser  Bücher 
zu  Hilfe,  so  lässt  ihre  Stellung  sich  recht  wohl   mit  jenem  Principe 
vereinen.   Die  Steine,  d.  h.  bei  Hildegard  die  Edelsteine,    ent- 
stehen durch  die  Hitze  der  Sonne  unter  den  Tropen  aus  dem  Wasser. 
Sie  können  also  nicht  vor  der  Sonne,  folglich  noch  weniger  vor  den 
Pflanzen  auf  die  Erde  gekommen  sein.   Unter  Würmer  versteht  die 


der  inedicinisch-ualurhist  oiischen  Werke  der  heiligen  Hildesard.  103 

Verfasserin  giftiges  Gewürm :  „vermi  venenosi  et  mortiferi"  und  das, 
sagt  sie,  ist  erst  nach  dem  Sündenfalle  auf  die  Welt  gekommen  ' 
müsste  also  zu  allerletzt  stehen.  Wesshalb  nun  aber  die  Metalle  noch 
hinter  den  Würmern  Platz  gefunden  haben ,  lässt  sich  nur  ver- 
mutben. 

In  der  Vorrede  führt  Hildegardis  die  Entstehung  der  Metalle 
auf  den  Anfang  der  Schöpfung  und  die  Mischung  des  Wassers  mit 
dem  Festen  zurück.  Der  letzte  Satz  der  Vorrede  scheint  aber  eine 
Art  Entschuldigung  oder  Motivirung  der  Stellung  dieses  Buches  zu 
enthalten.  Er  lautet:  „Et  ut  spiritus  Domini  aquas  primo  inundare 
fecit"  (wodurch  die  Metalle  entstanden)  „ita  etiam  et  *)  hominem 
vivificavit  3)  atque  herbis  et  arboribus  et  lapidibusviriditatem  dedit". 
Darnach  soll,  wie  es  scheint,  dies  Buch  in  der  Ordnung  nicht  den 
anderen  Büchern  nachfolgen,  sondern  auf  gleicher  Stufe  mit  dem 
ersten  Buche  stehen,  an  das  die  zwischenliegenden  sich  unmittelbar 
angeschlossen  haben. 

Es  bleibt  nun  noch  das  sogenannte  zweite  Buch,  welches  Luft, 
Wasser,  Meer,  Flüsse  und  Bäche,  so  wie  verschiedene  Erdarten 
bespricht.  Alle  diese  Dinge  erwähnt  die  Schöpfungsgeschichte 
nicht.  Sie  müssen  bei  Hildegard  vor  dem  3.  (4.)  Buche  „de  lapi- 
dibus"  Platz  finden,  weil  bei  der  Entstehung  der  Steine  die  Flüsse 
schon  eine  Bolle  spielen.  Sieht  man  nun,  wie  sie  alle  Pflanzen  nur 
als  Erzeugniss  der  Erde  betrachtet  und  direct  als  Schweiss ,  Saft 
und  Blut  derselben  ansieht,  so  liegt  die  Annahme  gar  nicht  ferne, 
sie  habe  auch  Flüsse  und  einige  Erdarten  sammt  Wasser  und  Luft 
den  Erzeugnissen  der  Erde  beigezählt  und  sie  in's  erste  Buch  gestellt, 
wie  sie  auch  Salz  und  andere  den  Pflanzen  nicht  angehörende  Dinge 
dorthin  bringt.  Auf  andere  WTeise,  scheint  mir,  lässt  sich  die  Stel- 
lung dieser  Capitel  zwischen  Kräutern  und  Bäumen  durchaus  nicht 
begreifen,  und  doch  ist  sie  in  beiden  Handschriften  dieselbe.  Dabei 
will  ich  jedoch  nicht  unterlassen,  darauf  aufmerksam  zu  machen, 
dass  am  Ende  des  Buches  „de  arboribus"  einCapife!59,  „desymera"  s) 


i)  W.,  etiam  P. 

2)  W.,  vivificat  P. 

3)  W.  —  sysemera  P.  ist  gewiss  falsch,  da  unter  diesem  Namen  eine  Pflanze  vorkommt. 
Ob  „symer"  das  Stammwort  für  unser  eigentlich  doch  sinnloses  Altweiher-S  omm  er 
sein  und  mit  „seiger"  zusammenhängen  kann,  darüber  finde  ich  hei  meinen  geringen 
Hilfsmitteln  nichts.  Es  bezeichnet  dasselbe  und  11  i  I  d  ega  rd  erklärt  es  durch  „aer 
seyger  est". 


J04  Dr.  C.Jessen.  Über  Ausgaben  und  Handschriften 

steht,  welches  (wie  auch  Reuss  bemerkt)  nichts  anderes  ist  als 
eine  Wiederholung  des  zweiten  Theiles  des  Capitels  „de  aere".  Es 
steht  zwischen  einem  Capitel  58  „de  unguento  Hilarii"  und  einem 
60  „contra  scrophulas".  Ausserdem  gehört  ein  Theil  von  dem  vor- 
hergehenden Capitel  55  in  die  Vorrede  des  Buches  „de  arboribus« 
nach  W.,  und  es  wäre  nicht  unmöglich,  dass  auch  die  Capitel  56  und 
57  ihres  allgemeinen  Inhaltes  wegen  eben  dahin  gehörten,  wenn 
auch  nie  mehr  als  eine  Vermuthung  darüber  vorgebracht  werden 
kann.  Dass  eine  Versetzung  einzelner  Theile  von  dem  Ende  des 
ersten  und  Anfang  des  zweiten  Buches  hierher  an  das  Ende  des 
zweiten  stattgefunden  hat,  kann  keinesfalls  zweifelhaft  sein  ;  wie  weit 
sie  gegangen  ist,  lässt  sich  nach  den  vorliegenden  Handschriften 
freilich  nicht  mehr  erkennen. 

Aus  allem  Gesagten  meine  ich  mit  ziemlicher  Sicherheit  den 
Schluss  ziehen  zu  dürfen,  dass  das  besprochene  Werk  in  der  That 
der  in  acht  Theile  gebrachte  „Liber  simplicis  raedicinae  S.  Hilde- 
gardis"  sei.  —  Jetzt  wende  ich  mich  zu  ihrem  zweiten  medicinischen 
Werke  „Liber  compositae  medicinae",  von  welchem  seit  Matthaeus 
Westmonasteriensis  Niemand  etwas  zu  wissen  scheint.  Trithe- 
mius,   der  ihm  wie   dem  vorigen    „Hb.   1"  zuschreibt,   ohne    den 
Anfang  zu  nennen,  hat  es  offenbar  nicht  vor  Augen  gehabt.  Reuss 
wirft  es,  wie  erwähnt,  fälschlich  mit  dem  vorigen  zusammen.  Unter 
diesen  Umständen  Avar  es  mir  von  hohem  Interesse  im  Herbste  1859 
bei  einer  Durchsicht  der  medicinischen  Handschriften    der  könig- 
lichen Bibliothek  zu  Kopenhagen  einen  Codex  zu  finden,  welcher  den 
Titel  trug :  Hildegardis  curae  et  causae,  und  dessen  Inhalt  wesent- 
lich medicinischer  Natur  war.  Leider  ist  ein  Blatt  meiner  Notizen, 
welches  bibliographische  Nachrichten  über  denselben  enthielt,  ver- 
legt oder  verloren.  Ich  kann   daher  vor   der  Hand  nur  Folgendes 
darüber  mittheilen.    Die    Handschrift    führt  das    Bibliothekzeichen 
„Gamle  Kongelig  Bibliothek,  folio  Nr.   90,  h«.  Die   Schrift  ist  gut 
und  deutlich,  gross,  mit  wenig  Abbreviaturen  und   dürfte   eher   dem 
13.  als  dem  14.  Jahrhunderte  angehören,  so  weit  ich  mich  erinnere. 
Der  Anfang  wird   auch  hier  von   der   Schöpfung  genommen.    Die 
Entstehung  des  Menschen,  wie  die  der  Krankheiten  wird  im  ersten 
Buche  aus  dem  Fall  der  Engel  Stufe  für  Stufe  abgeleitet  oder  doch 
damit  in  Verbindung  gebracht ;  dann  aber,  und  wenn  ich  mich  recht 
erinnere  schon  vom  zweiten  Buche  an,  wendet  sich  der  Inhalt  ganz 


der  medicinisch-naturhistorischen  Werke  der  heiligen  Hildegard.  1  05 

den  Krankheiten  des  Menschen  zu  und  es  folgen  die  „curae"  der- 
selben. Es  scheint  somit  der  Titel  „curae  et  causae"  einen  Zusatz, 
wie  aegritudinum  hominis  zu  fordern,  einen  solchen  erinnere  ich 
mich  aber  nicht  gefunden  zu  haben  und  meine  Notizen  lassen  mich 
im  Stiche.  Anfang  und  Ende  so  wie  Eintheilung  und  Umfang  setze 
ich  nach  meiner  raschen  Abschrift  her: 

„Dens  ante  creationem  muncli  absque  initio  fuit  et  est,  et  ipse 
lux  et  splehdor  fuit  et  est,  et  vita  fuit.  Cum  ergo  dem  mundum 
facere  voluit,  ilhim  de  nihilo  fecit,  et  in  voluntate  ipsius  materia 
mundi  erat  .  .  . 

Die  Überschriften  der  folgenden  Capitel  lauten:  „De  ange- 
lorum  creatione".  „De  luciferi  casu".  „De  patemitate" .  „De 
animae  creationeu  .  .  . 

Eingetheilt  ist  die  Schrift  in  5  Bücher,  von  denen  I.  49  Capitel, 
II.  285,  III.  37,  IV.  64,  V.  35  Capitel  enthalten.  Das  letzte  Capitel 
handelt  „De  febrium  causis"  und  schliesst:  „Febres  aut  de  mala 
dormitatione  aut  de  superfluis  cibis  et  potibus  oriuntur  aut  de 
tedio  et  otiositate  cum  homo  non  operatur.  Expiiciunt  prophecie 
Ste.  Hildegar dis " . 

Mit  Rücksicht  auf  die  Worte  des  Matthaeus  Westmonaste- 
riensis:  „librumque  compositae  medicinae  de  aegritudinum  causis 
signis  et  curis"  scheint  kaum  ein  Zweifel  übrig  zu  sein,  dass  in  dieser 
Handschrift  das  zweite,  oder  eigentlich  wohl  seiner  wahrscheinlichen 
Entstehungszeit  wie  seinem  Inhalte  nach  das  erste  und  wesent- 
lichste medicinische  Werk  der  Hildegard  aufgefunden 
worden  ist.  Sollte  aber  Jemand  die  Folgerung,  dass  hier  ein  echtes 
Werk  der  Hildegard  vorliegt,  für  leichtfertig  und  voreilig  halten, 
so  kann  ich  freilich  für  den  Augenblick  nichts  weiter  zu  ihrer  Ver- 
theidigung  sagen,  wohl  aber  kann  ich  mich  auf  Schreibart  und  Dar- 
stellung der  Handschrift  selbst  beziehen.  Die  Schreibweise  der 
Hildegard  ist  eine  so  eigenthümliche,  dass  Niemand  so  leicht  sie 
verkennen  kann,  Niemand  auch  jemals  mit  nur  der  mindesten  Aus- 
sicht auf  Erfolg  sie  nachahmen  konnte.  Die  unbefangene  Energie 
ihrer  Anschauungsweise,  die,  man  möchte  sagen,  in  der  möglichst 
geringsten  Beobachtung  grammaticalischer  Regeln  ihren  eben  so 
eigenthümlichen  Ausdruck  findet,  verräth  so  durchweg  den  gött- 
lichen Charakter,  wenn  ich  im  Geiste  der  Hildegard  so  sagen 
darf,  die  gänzliche   Unabhängigkeit  von   menschlichen  Rücksichten» 


106  Ur-  C.  Jessen.  Über  Ausgaben  und  Handschriften 

das  reine  Schöpfen  aus  dem  tiefen  Quell  eines  erfahrungsreichen 
über  alle  Unsicherheit  emporgetragenen  inneren  Lebens,  dass  hier 
Täuschungen  kaum  möglich  sind.  —  Dagegen  will  ich  nicht  unerwähnt 
lassen,  dass  mir  eine  Angabe  bei  Reuss  die  Möglichkeit  zu  eröffnen 
schien,  dass  noch  andere  Handschriften  derselben  Schrift  bekannt 
und  zugänglich  sein  könnten.  Er  sagt  nämlich  in  seiner  Schrift:  De 
libris  physicis  Hildegardis  p.  XVI  von  dem  Liber  divinorum  operum 
simplicis  hominis:  „Curiosa  multa  continet  de  mundi  totius  syste- 
mate,  de  hominis  natura,  morbis,  aeris  vicissitudinibus,  de  siderum 
coelique  in  hominis  organismum  influxu:  quorum  specimen  dedit 
Fabricius  in  bibliotheca  med.  et  inf.  latin.  III,  264".  Alles  dies  passt 
einigermassen  auf  den  Inhalt  der  von  mir  kurz  erwähnten  Hand- 
schrift. 

Nachdem  ich  jedoch  durch  die  Liberalität  des  Herrn  geheimen 
Regierungsrathes  Dr.  Pertz  aus  der  Rerliner  Ribliothek  die  Mansi- 
sche  Ausgabe  des  Fabricius  habe  einsehen  können  —  denn  die  erste 
Ausgabe  enthält  das  Angeführte  nicht  —  ergibt  sich,  dass  dieses 
Werk  mit  dem  beschriebenen  nur  Ähnlichkeit,  nicht  Gleichheit 
besitzt.  Es  zerfällt  nämlich  darnach  in  drei  Theile,  der  1.  mit  100, 
der  2.  mit  49,  der  3.  mit  38  Capiteln  und  in  6  Visionen,  von  denen 
4  auf  den  1.,  die  5.  auf  den  2.,  die  6.  auf  den  3.  Theil  fallen,  was 
alles  unserem  Codex  fremd  ist.  Weniger  Gewicht  will  ich  darauf 
legen,  dass  auf  die  früheren  Visionen  Bezug  genommen  wird,  denn 
das  könnte  ich  bei  der  geringen  Zeit  die  mir  zu  Gebote  stand,  über- 
sehen haben,  obschon  ich  so  viel  möglich  nach  solchen  Angaben 
gesucht  habe.  Indess  genügt  gewiss  das  Mitgetheilte,  um  in  dein 
Kopenhagener  Codex  ein  sehr  beachtenswerthes  Überbleibsel  der 
Schriften  der  Hildegard  erkennen  zu  lassen. 

Wenn  Reuss  gewiss  nicht  mit  Unrecht  von  jener  Schrift  sagt, 
sie  enlhalle  viel  Wunderbares,  so  möchte  ich  den  Inhalt  der„Causae 
et  curae"  dahin  bestimmen,  dass  sie  sehr  Vieles  enthalten,  was  für 
die  Weltanschauung  im  Zeitalter  der  Hildegard  von  höchstem 
Interesse  ist;  denn  man  kann  wohl  die  Ansichten  und  Aussprüche 
der  gläubigen  Nonne  ansehen  als  die  allgemeinen  Anschauungen 
ihrer  deutschen  Zeitgenossen,  ungetrübt  durch  gelehrte  fremde  Ein- 
flüsse, wenn  auch  mit  den  Lehren  der  Bibel,  insonderheit  des  alten 
Testamentes  vielfach  durchwebt.  Wir  besitzen  aber  kein  ähn- 
liches Werk  aus  dem  ganzen  Zeiträume  vor  Albert  dem 


der  mediciiiisch-naturhistori$ehen  Werke  der  heiligen  Hildegard.  107 

Grossen  und  was  aus  seiner  Schule  volksthümlich 
wurde,  das  ist  schon  nicht  mehr  heimisch,  sondern  von 
aussen  hereingebracht. 

Die  Freunde  der  Culturgeschichte  werden  daher  eben  so  sehr 
wie  die  Freunde  der  Geschichte  derMedicin  und  Naturwissenschaften 
wünschen  müssen,  dieses  nicht  eben  umfangreiche  Werk  der  Ver- 
gessenheit entziehen  und  zum  Drucke  gebracht  zu  sehen.  Dass 
hierzu  von  Seiten  der  königlichen  Bibliothek  in  Kopenhagen  bereit- 
willig die  Hand  geboten  werden  würde,  dessen  habe  ich  mich  dort 
versichert  und  halte  mich  um  so  mehr  verpflichtet,  es  hier  auszu- 
sprechen, als  E.  Meyer  in  seiner  Geschichte  der  Botanik  (II,  siehe 
Anm.)  bei  Gelegenheit  der  Manuscripte  Sperling's,  ich  weiss 
nicht  auf  wessen  Autorität  hin,  den  Ausspruch  gethan  hat:  es  dürfe 
aus  dieser  Bibliothek  keine  Handschrift  entfernt  werden.  Während 
meines  Aufenthaltes  in  Kopenhagen  habe  ich  selbst  das  Unzutreffende 
dieser  Beschwerde  praktisch  zu  erfahren  die  erfreulichste  Gelegen- 
heit gehabt,  habe  der  zuvorkommendsten  Förderung  von  Seite  der 
Bibliothekare  Herrn  Etatsrath  Hornemann  und  Herrn  Vahl,  wie 
nicht  anders  des  Oberbibliothekars  Herrn  Conferenzrath  Werl  auf 
mich  zu  erfreuen  gehabt  und  aus  des  Letzteren  Munde  die  bestimmte 
Zusicherung  erhalten,  dass  unter  den  überall  üblichen  Garantien 
eine  Versendung  von  Handschriften  auch  über  das  Meer  keinen 
Schwierigkeiten  unterliegen  würde. 

II.  Hildegardis  liber  siniplicis  medicinae. 

Ich  wende  mich  jetzt  zur  speciellen  Betrachtung  des  bekann- 
teren gedruckten  Werkes,  welches  sowohl  für  die  Naturwissen- 
schaften als  auch  durch  die  vielen  eingemischten  deutschen  Worte 
für  die  deutsche  Sprachforschung  von  viel  grösserer  Bedeutung  ist 
als  das  zuletzt  besprochene,  in  welchem  mir  deutsche  Worte  bei 
meiner  flüchtigen  Betrachtung  kaum  vorgekommen  sind.  Alle  frü- 
heren Urtheile  über  dasselbe  gründen  sich  auf  die  ältere  Strass- 
burger  Ausgabe  und  sind  daher  wegen  der  Incorrectheiten  und  Will- 
kürlichkeiten dieser  Ausgabe  gänzlich  unzuverlässlich.  Wer  nur 
einen  Blick  auf  die  neue  Pariser  Ausgabe  wirft,  der  überzeugt  sich 
leicht,  dass  von  den  deutschen  Worten  nur  die  wenigsten,  und 
auch  diese  meist  verderbt  und  abgeändert  in  die  Strassburger  Aus- 
gabe aufgenommen  worden  sind.  Wer  aber  dann  noch  Gelegenheit 


\  Q8  Dr.  C.  Jessen.  Über  Ausgaben  und  Handschriften 

hat,  diese  neue  Ausgabe  mit  der  WolfFenbüttler  Handschrift  zu  ver- 
gleichen, der  findet,  dass  dasselbe  Verhältniss  zwischen  dieser  und 
der  Pariser  Ausgabe  existirt,  wie  zwischen  den  beiden  jetzt  vorlie- 
genden Ausgaben.  Von  einer  Benützung  der  Hildegard  für 
die  kritische  Sprachforschung  kann  keine  Rede  sein, 
ehe  nicht  ein  neuer  Text  mit  vorzüglicher  Benützung 
derWolffenbüttler  Handschrift  hergestellt  worden  ist; 
das  wird  sich  aus  einer  Betrachtung  des  vorhandenen  Apparates  klar 
herausstellen. 

Prüft  man  zuerst  den  Text  der  beiden  Ausgaben  im  Einzelnen 
und  ohne  Rücksicht  auf  die  ganz  willkürliche  Anordnung  der  Capitel 
und  Bücher  in  der  Strassburger  Ausgabe,  so  ergibt  sich:  1.  dass  die 
Pariser  Handschrift  (P.)  zwar  alle  Capitel  mit  der  Strassburger 
Ausgabe  (J.)  gemein  hat,  obschon  auch  hier  beiderseits  einzelne 
Auslassungen  vorhanden  sind,  dass  jene  aber  in  den  Capiteln  selten 
einen  längeren,  meist  einen  ungleich  kürzeren,  oft  auf  die  Hälfte, 
ja  auf  ein  Drittel  reducirten  Text  gibt.  Diese  Abkürzungen  beruhen 
meist  auf  vollständiger  Auslassung  der  letzten  Abschnitte  des  ein- 
zelnen Capitels,  während  das  Erhaltene  wörtlich  übereinstimmt. 

2.  Dass  die  Namen  der  Mittel  in  P.  mit  wenig  Ausnahmen 
deutsch  sind,  wenn  auch  im  Laufe  des  Textes  oft  daneben  die  latei- 
nischen gebraucht  werden,  während  A.  fast  überall  dafür  die  latei- 
nischen substituirt  und  im  Allgem  einen  nur  die  unverstandenen  oder 
unübersetzbaren  deutsch  wiedergibt. 

3.  Dass  P.  eine  grosse  Menge  anderer  deutscher  Worte  meist 
neben  den  lateinischen  erhalten  hat,  welche  in  A.  ausgefallen  sind. 
Dies  konnte  um  so  leichter  ohne  Störung  des  Textes  geschehen,  als  die 
meisten  durch  ein  „id  est"  gleichsam  in  Parenthese  eingeführt  werden. 

4.  Dass  der  Text  selbst  bei  P.  zwar  im  Allgemeinen  als  besser 
und  correcter  erscheint,  dass  aber  daneben  an  manchen  einzelnen 
Stellen  sich  die  bessere  Leseart  unzweifelhaft  in  A.  erhalten  hat  und 
Aufnahme  in  den  Text  verdient  hätte. 

Es  ist  daher  zu  bedauern,  dass  die  Pariser  Ausgabe  sich  ledig- 
lich darauf  beschränkt,  die  Handschrift  P.  abzudrucken  und  die  nur 
in  A.  vorhandenen  Abschnitte  in  Klammern  daneben  zu  stellen.  Für 
eine  brauchbare  Ausgabe  wäre  eine  Anführung  wenigstens  der  bes- 
seren abweichenden  Lesearten  aus  A.,  mindestens  in  den  Anmer- 
kungen, wenn  man  sie  nicht  in  den  Text  aufnehmen  wollte,  nothwendig 


der  medicinisch-naturliistorischen  Werke  der  heiligen  Hildegard.  1  09 

gewesen.  Reuss  hat  sich  aber  auf  Anzeige  der  Auslassungen  und 
auf  die  Deutung  der  Eigennamen,  welche  allerdings  von  grosser 
Wichtigkeit  ist,  beschränkt.  Wie  es  scheint,  haben  die  vielen  Will- 
kürlichkeiten in  der  Anordnung  ihm  die  Ausgabe  A.  allzusehr  ver- 
dächtigt und  ihm  den  ausführlicheren  Text  als  spätere  Zusätze 
erscheinen  lassen. 

Um  so  wichtiger  ist  bei  so  zweifelhafter  Sachlage  die  Auffin- 
dung der  WolfTenbüttler  Handschrift  (W).  Dieselbe  war  durch  die 
Güte  des  Bibliothekars  Herrn  Dr.  Bethmann  eine  Zeit  lang  in 
meinen  Händen,  und  ich  bin  daher  im  Stande,  über  sie  genauer  zu 
berichten.  Es  ist  ein  Band  in  nicht  allzu  grossem  Octav,  welcher 
ausser  dem  Vor-  und  Nachblatt  zuerst  175,  dann  nach  einer  grossen 
Lücke  noch  24,  im  Ganzen  also  199  Pergamentblätter  enthält.  Das 
Pergament  ist  nicht  von  vorzüglicher  Beschaffenheit,  indess  sind  der 
schlechten  Stellen  nicht  sehr  viele.  Die  meisten  Blätter  sind  etwas 
kraus  und  verworfen  und  am  Rande  weit  wie  wasserfleckig,  tragen 
auch  vielfache  Spuren  der  Benützung.  Verlöscht  ist  indess  vielleicht 
kein  einziges  Wort,  etwas  verblasst  sind  freilich  manche.  Die  Schrift 
ist  gut  lesbar,  mit  vielen  der  gewöhnlichen  Abkürzungen,  aber  klein 
und  gedrängt  in  28  Zeilen  auf  der  Seite.  Ihr  Alter  ist  in  dem  Kata- 
log derWolffenbüttler  Bibliothek  auf  das  14.  Jahrhundert  geschätzt; 
diese  Zeitangabe  dürfte  indess  an  das  wirkliche  Alter  der  Hand- 
schrift nicht  hinanreichen,  wenigstens  sind  die  Bedenken,  welche 
mir,  einem  Laien  in  dergleichen  Dingen,  aufstiegen,  durch  die  fol- 
genden Zeilen  bestätigt  worden ,  für  welche  ich,  wie  für  manche 
andere  wissenschaftliche  Unterstützung  Herrn  Professor  Hertz  zu 
Dank  verpflichtet  bin  :  „Nach  der  neulich  bei  der  ersten  Besich- 
tigung der  WolfTenbüttler  Handschrift  von  Hildegardis  Über  subtili- 
„tatum  ausgesprochenen  vorläufigen  Schätzung  ihres  Alters  habe 
„ich  die  Handschrift  sowohl  selbst  näher  angesehen,  als  unsern 
„Collegen  Anschütz  und  Hopf  gezeigt.  Sowohl  meine  nähere 
„Ansicht  als  die  einstimmige  Meinung  dieser  beiden  Herren  hat  zur 
„Bestätigung  der  damals  ausgesprochenen  Altersbestimmunggedient. 
„Die  Handschrift  gehört  nach  unserer  übereinstimmenden  Meinung 
„in  die  zweite  Hälfte  des  dreizehnten  Jahrhunderts,  an 
„das  übrigens  Hildegardis  ja  beinahe  heran  reichte".  Nur  die 
Kleinheit  der  Charaktere  erwähnte  mein  verehrter  Freund  mündlich 
als  einer  in  jener  Zeit  ungewöhnlichen  Erscheinung. 


110 


Dr.  C.  Jessen.  Über  Ausgaben  und  Handschriften 


Es  verdiente  also  diese  Handschrift  W.  schon  ihres  Alters 
wegen  als  die  wichtigste  angesehen  zu  werden,  auch  wenn  ihr  Text 
nicht,  wie  es  der  Fall  ist,  dem  früher  bekannten  weit  vorzuziehen 
wäre.  Sie  enthalt  in  den  einzelnen  Capiteln  nicht  blos  alles,  was 
A.  enthält,  P.  aber  auslässt,  sondern  an  zahlreichen  Orten  mehr  als 
beide.  Dabei  sind  ihre  Zusätze  von  der  interessantesten  Art,  denn 
sie  geben  oft  genug  Aufklärungen  und  Erläuterungen,  welche  die 
anderen  Handschriften,  wahrscheinlich  als  nicht  nothwendig,  bei 
Seite  Hessen ,  welche  aber  für  uns  von  weit  mehr  Bedeutung  sind, 
als  manches  des  Erhaltenen.  Ausserdem  werden  die  einzelnen 
Recepte  —  deren  sich  meist  mehrere  in  jedem  Capitel  finden  — 
durch  rothgeschriebene  Überschriften,  z.  B. :  „Contra  grint'f,  „Con- 
tra cordis  debilitatem",  „Contra  raucedinem"  von  einander  geschieden, 
ein  Umstand,  der  allein  es  erklärlich  macht,  wie  auch  in  den  anderen 
Handschriften  einzelne  Capitel  mit  solchen  Überschriften :  „De  un- 
(fuento Hllarü" ,  „Contra  scrophulas"  (III.  cap.,  58  und  60  P.)  neben 
den  anderen,  nur  simplicia  bezeichnenden  sich  vorfinden  können. 
Ich  halte  daher  diese,  in  A.  und  P.  fehlenden,  Partialtitel  für  echt. 
Ausserdem  aber,  und  in  mancher  Beziehung  kann  man  dies  wohl  als 
den  wichtigsten  Punkt  bezeichnen,  ist  die  Zahl  der  in  TT.  vorhandenen 
deutschen  Worte,  wie  ich  schon  erwähnte,  eine  sehr  viel  grössere  und 
ihre  Schreibweise  eine  ungleich  correctere.  Alle  diese  Vorzüge  in's 
Licht  zu  stellen  wird  es  genügen,  wenn  ich  ein  einziges  kleines 
Beispiel,  nämlich  das  folgende,  zurVergleichung  abdrucken  lasse: 


W.  Lib.  I.  eap.  74. 

Contra  surioncs. 

Alia  minza  est,  que 
magna  est,  calida  magis 
est  quam  frigida.  Istacon- 
tundatur  et  ubi  suren  aut 
sneuehen  hominem  come- 
dendo  ledunt  illuc  (!) 
circa  desuper  ponatur  et 
panno  ligetur  et  morien- 
tur,  quoniym  frigus  ejus- 
dem  majoris  mente  ali— 
quantulum  amara  est  et 
ideo  praefatos  vermiculos 
mortificat,  qui  in  carne 
hominis  nascuntur. 


P.  Lib.  I.  cap.  67. 

De  Myntza  majori. 
Alia  myntza,  quae 
magna  est,  calida  magis 
quam  frigida.  Ista  tun- 
datur  et  ubi  suern  aut 
snebelcza  hominem  come- 
dendo  laedunt  illud  circa 
desuper  liget  et  mori- 
entur. 


A.  Lib.  IL  cap.  42. 
De  alia  menta. 
Alia  menta  quae 
magna  est,  calida  existit. 
Ista  contundatur  et  ubi 
sotim  aut  snebelza  come- 
dendo  hominem  laedunt 
circa  desuper  ponatur  et 
panno  ligetur  et  mori- 
entur. 


der  medieinisch-naturliistorischen  Werke  der  heiligen  Hildegard.  111 

Dieses  Capitel  ist  nach  A.  kaum  zu  verstehen  und  wenn  man 
es  auch  unter  keinen  Umständen  gerechtfertigt  halten  kann,  dass 
G  raff  sagt  „sotim  planta  est",  so  wird  man  doch  an  alles  eher 
denken  als  an  das  was  W.  und  zum  Theil  auch  P.  darbieten,  nämlich 
dass  hier  die  erste  Beobachtung  der  Krätzmilben  im  Abendlande 
mitgetheilt  ist,  und  dass,  Avie  mein  Freund  und  College  Herr  Dr. 
Fürstenberg  in  seiner  grossen  Monographie  dieser  Thiere  (Leip- 
zig 1861)  ausführlich  nachweist,  der  Name,  mit  dem  dieselben  das 
ganze  Mittelalter  hindurch  bezeichnet  werden :  „siriones",  oder  wie 
es  hier  heisst  „swriones",  deutschen  Ursprunges  von  süren  abge- 
leitet und  von  Hildegard  zuerst  in  die  Schriftsprache  eingeführt 
ist.  Was  hier  P.  unsicher  lässt,  nämlich  dass  diese  Milben  derzeit 
schon  wirklich  als  Thiere  erkannt  worden  sind,  das  erhebt  W.  durch 
den  Zusatz  „qui  in  carne  hominis  nascuntur"  zur  Gewissheit.  Ähn- 
liche Beispiele  finden  sich  viele. 

Auf  Seite  173  der  Handschrift  W.  endet  der  Text  unseres 
Werkes.  Es  folgt  dann  unmittelbar  von  derselben  Hand  auf  S.  173 
bis  174  6  ein  lateinisch-deutsches  Glossar  der  meisten  bei  Hilde- 
gar d  vorkommenden  Pflanzen-,  Stein-  und  Thiernamen.  Nach  ein 
paar  leeren  Blättern  folgt  die  erwähnte  grosse  Lücke  im  Bande  und 
dann  von  Seite  176  —  199  von  anderer  Hand  ein  medicinisches 
Werk  eines  Arabisten,  welches  unvollständig  und  mir  nicht 
bekannt  ist. 

Doch  noch  einer  Handschrift  darf  ich  erwähnen,  die,  so  weit 
sie  geht,  nicht  zu  vernachlässigen  sein  dürfte.  Unter  den  Manu- 
scripten,  welche  im  Besitze  von  E.  Meyer  waren,  befand  sich  ein 
deutscher  Herbarius,  geschrieben  1456,  „per  manus  Wilhelm  Gra- 
lap  Spirensis",  welcher  unter  Nr.  8256  des  Auctionskataloges 
beschrieben,  von  Meyer  auch  in  der  Geschichte  der  Botanik  III, 
523  erwähnt  ist.  Diese  gut  geschriebene  Papierhandschrift,  welche 
Herr  geheimer  Begierungsrath  Pertz  die  Güte  gehabt  hat,  auf 
meinen  Vorschlag  für  die  königliche  Bibliothek  zu  Berlin  anzukaufen, 
enthält  in  deutscher  Sprache  zuerst  die  Einleitung  zum  ersten  Buche 
der  in  Bede  stehenden  Schrift  der  Hildegard:  „Da  der  Mensch 
von  Erde  geschaffen  ward"  .  .  .  l):   dann  eine  kurze  poetische 


l)  Ich  habe  dieselbe  fast  unverändert  in  mein  jetzt   eben   bei   Brockhaus    erscheinendes 
Werk:  „Botanik  in  cultnrhistorischer  Entwicklung"  Seite  124— 126  aufgenommen. 


\  \  2  Dr.  C.Jessen.  Über  Ausgaben  und  Handschriften 

Einleitung  und  endlich  eine  Reihe  von  Capiteln  über  Arzeneimittel 
alphabetisch  geordnet.  In  diesen  Capiteln  entdeckte  ich,  als  mir 
nach  Meyer's  Tode  von  Herrn  Professor  Zaddach  die  Handschrift 
zur  Benützung  anvertraut  wurde ,  den  grössten  Theil  des  ersten 
Buches:  „De  herbis"  der  Hildegard  eingestreut,  und  zwar,  wie 
der  ganze  Herbarius,  in  deutscher  Sprache.  Eine  Verweisung  auf 
Hil  degard  war  dabei  nirgends  zu  finden,  auch  bildeten  die  betref- 
fenden Stellen  meist  den  Schluss  der  Capitel;  nur  bei  einigen  und 
zwar  solchen,  welche  offenbar  dem  Verfasser  nicht  bekannt  waren, 
entsprach  das  ganze  Capitel  dem  der  Hildegard.  Da  ich  die  Hil- 
degard damals  durchgearbeitet  hatte,  um  über  einige  für  die  spe- 
cielle  Botanik  des  Albertus  magnus  zweifelhafte  Pflanzennamen  Auf- 
schluss  zu  suchen,  nahm  ich  eine  Vergleichung  im  Einzelnen  vor 
und  fand,  dass  die  Excerpte  dem  Umfange  nach  genau  mit  denen 
von  P.  stimmten  und  nur  selten  einen  Theil  der  weiteren  Ausfüh- 
rungen mit  A.  gemein  hatten.  Für  die  Erkenntniss  oder  richtigere 
Deutung  der  von  Reuss  und  Meyer  noch  zweifelhaft  oder  uner- 
klärt gelassenen  Pflanzen,  so  wie  über  einige  weniger  passliche 
Bestimmungen  fand  ich  dabei  eine  erspriessliche  Ausbeute,  insbe- 
sondere durch  die  mit  angeführten  Synonymen.  Auch  konnte  ich 
manches  unbegreifliche  deutsche  Wort  durch  ein  besseres  ersetzen. 
Aber  in  Bezug  auf  die  Sprache  war  der  Gewinn  nicht  so  bedeutend, 
als  man  hätte  vermuthen  sollen.  In  manchen  Fällen  war  nämlich 
offenbar  statt  des  in  P.  wenn  auch  verdorben  erhaltenen  älteren 
Ausdruckes  ein  anderer  von  neuerem  Gepräge  eingeführt,  so  dass 
wohl  der  Sinn,  nicht  aber  das  Wort  erhalten  blieb.  Ja  wenn  ich, 
ohne  Sprachkenner  zu  sein,  eine  Ansicht  äussern  darf,  es  schien  mir 
das  ganze  Werk  —  auch  wo  es  nicht  der  Hildegard  entnommen 
war  —  aus  älterem  Deutsch  in  eine  neue  Form,  oder  richtiger  in 
neuere  Worte  mit  Beibehaltung  der  alten  Form  umgearbeitet  zu  sein. 
Nimmt  man  zu  diesem  Apparate  noch  die  Wiesbadener  Glossen 
der  Lingua  ignota  unserer  Hildegard,  welche  Jakob  Grimm  in 
Haupt's  Zeitschrift  6,  321  mitgetheilt  hat  und  welche  meist  die 
Namen  des  „liber  simplicis  medicinae"  enthalten,  so  dürfte  es  mög- 
lich sein,  mit  ziemlicher  Sicherheit  Hildegard's  Sehreibweise  der 
deutschen  Eigennamen,  welche  in  den  Ausgaben  sehr  von  einander 
abweicht,  festzustellen.  Auch  wird  man  wahrscheinlich  die  meisten 
von  ihr  erwähnten  Geschöpfe  dann  ziemlich  bestimmt  deuten  können. 


der  medicinisch-naturhistorischen  Werke  der  heiligen  Hildegard.  \  3 

Ein  alphabetisches  Verzeichniss  der  Pflanzennamen,  bei  deren  Deu- 
tung besonders  Gralap's  „Herbariiis"  gute  Dienste  geleistet  hat, 
kann  ich  zum  Abdruck  anbieten. 

Bei  der  Feststellung  der  Bedeutung  der  einzelnen  Namen  muss 
man,  meine  ich,  auf  die  Heimath  der  Hildegard  besondere  Rück- 
sicht nehmen.  So  z.  B.  halte  ich  „sunneioirbele  W. ,  sonwirbel  P. 
(index),  sunnewirbel P„  solsequium  A.u,  nicht  wie  R  euss  will,  für 
Cichorium  Intybus,  obschon  diese  Pflanze  oft  unter  dem  Namen 
vorkommt,  sondern  für  Valerianella  olitoria,  welche  in  der  Rhein- 
pfalz noch  jetzt  Sonnenwirbel  heisst,  und  finde  die  Bestätigung  in 
W.  GL,  wo  das  sonst  unverständliche  lactucella  als  Synonym  steht. 
Leider  sind  mir  wenigstens  Sammlungen  von  Pflanzennamen  aus 
jener  Gegend  nicht  bekannt  und  Holl  hat  in  seinem  „Wörterbuch 
deutscher  Pflanzennamen"  bekanntlich  keine  Ortsangaben,  üb  sich 
die  eigenthümliche  Schreibweise  der  Hildegard,  über  welche 
.Jakob  Grimm  in  Haupt's  Zeitschrift  6,  334  u.  f.  sich  ausspricht, 
aus  dem  niederrheinischen  Dialekt  vielleicht  erklären  lässt,  muss  ich 
meinerseits  dahin  gestellt  sein  lassen,  will  jedoch  darauf  aufmerk- 
sam machen,  dass  in  W.,  also  in  der  besten  Handschrift,  die  Schreib- 
weise sich  dem  Niederdeutschen  weit  mehr  nähert  als  in  P.  oder 
gar  in  A.  Ein  neuer  kritischer  Abdruck  mit  Benützung  der  jetzt  vor- 
handenen Hilfsmittel  ist  und  bleibt  das  Haupterforderniss. 

Nachschrift. 

Seitdem  ich  vorstehende  Abhandlung  geschrieben,  ist  eine  neue 
Abhandlung  von  Reuss:  „Der  heiligen  Hildegard  subtilitatum  etc. 
libri  novem"  in  den  Annalen  des  Vereines  für  Nassauische  Alter- 
tumskunde, Wiesbaden  1859,  Bd.  6,  Heft  1,  Seite  50  —  106  mir 
bekannt  geworden.  Reuss  hat  es  sich  darin  besonders  zur  Aufgabe 
gemacht,  eine  Übersicht  über  die  Ansichten  und  sachlichen  Mitthei- 
lungen der  Verfasserin  zu  geben,  und  zwar  vorzugsweise  durch 
Auszüge  und  systematische  Verzeichnisse  der  Krankheiten ,  Mittel 
u.  s.w.,  bei  welcher  Gelegenheit  er  auch  die  Synonymik  der  Pflanzen- 
namen unter  Benützung  von  E.  Meyers  Anmerkungen  in  der 
Geschichte  der  Botanik  III,  Seite  524  u.  f.  verbessert.  Ausserdem 
hat  er  aber  auch  eine  Reihe  von  Stellen  citirt,  in  denen  Hildegard 
seiner  Meinung  nach  den  Plinius,  Virgil  u.  a.  classische  Schrift- 
steller benutzt  habe.   Diese  Angaben  haben  mich  stutzig  gemacht, 

Sitzb.  d.  mathem.-naturtv.  Cl.  XLV.  Bd.  [.  Abth.  8 


114  D'*-   C.  Jessen.  Über  Ausgaben  und  Handschriften 

denn  von  einer  Benützung  des  Plinius  ist  selbst  bei  Albert  dem 
Grossen  meines  Wissens  nicht  die  Rede,  wenn  auch  der  gleich- 
zeitige Vincent  von  Beauvais  in  seiner  königlich  reichen  Biblio- 
thek denselben  ohne  Zweifel  besessen  hat.  Aber  dass  Hildegard, 
die  nie  aus  Deutschland  herausgekommen  ist,  eine  Handschrift 
gesehen  und  dass  sie  eine  solche  studirt  habe,  schien  mir  wenig 
wahrscheinlich.  Eher  könnte  man  es  gelten  lassen,  wenn  Reuss 
Seite  59  sagt:  „Viele  Stellen  stimmen  mit  Constantinus  Africanus, 
Isidor,  Walafrid  Strabo,  Marbodus,  Macer,  Regimen  scholae  Saler- 
nitanae  überein,  auch  scheint  der  Physiologus  benützt  VI;  2,  37, 
45.  VII;  1,  3,  5,  10,  12".  —  Gleichwohl  muss  ich  gestehen,  dass 
ich  auch  an  eine  Belesenheit  der  Hildegard  in  all'  diesen  Schriften 
nicht  recht  glauben  kann,  mit  Ausnahme  des  Isidor,  der  ihr  ohne 
Zweifel  entweder  im  Original  oder  in  des  Rabanus  Maurus 
Bearbeitung  bekannt  war.  Ich  lasse  indess  diese  Angaben,  welche 
ein  genaues  Studium  erfordern  würden,  gegenwärtig  auf  sich 
beruhen  und  begnüge  mich  darauf  hinzuweisen,  dass  mich  in  Bezug 
auf  Pli  nius  und  Virgil  eine  genauere  Prüfung  der  von  Reuss 
angeführten  angeblichen  Parallelstellen  gerade  zu  der  entgegen- 
gesetzten Ansicht  geführt  hat,  nämlich  zu  der,  dass  sicherlich  Hil- 
degard's  Unkenntniss  dieser  Schriften  daraus  hervorgeht.  In 
manchen  der  angegebenen  Stellen  konnte  ich  gar  nicht  oder  nicht 
mit  Sicherheit  die  Parallele  auffinden,  in  anderen  glaube  ich  den 
gemeinten  Punkt  erkannt  zu  haben;  in  allen  aber  ist  die  Ähnlich- 
keit eine  so  unbedeutende,  oder  die  berührten  Thatsachen  sind  so 
allgemein  bekannt,  dass  man  weit  eher  annehmen  muss,  Hildegard 
würde  ganz  anders  geschrieben  liaben,  hätte  sie  in  der  That  die 
citirte  Stelle  gekannt  und  nicht  vielmehr  durch  Hörensagen  oder 
abgeleitete  Quellen,  besonders  wohl  Isidor,  davon  einige  Nachricht 
erhalten. 

Zur  Bestätigung  meiner  Meinung  lasse  ich  die  meisten  von 
Reuss  citirten  Stellen  folgen  (nur  die  fünf  letzten  aus  Plinius  habe 
ich  fortgelassen).  Parallelstellen  aus  dem  Isidor  habe  ich  hinzuge- 
fügt, wo  ich  solche  fand. 


der  medicinisch-nnturliistorisclien  Werke  «1er  heiligen  Hildegard.  1  1  Ö 

Virgil.  Bucol.  3;  102  und  Hildeg.  1;  31.  Ich  finde  nichts  Vergleich- 
bares. 

Ros.  Virg.  Bucol.  8;  IS.  Quum  ros  in  tenera  pecori  gratissima  herba. 

Hild.  1;  49.  Ut  ros  in  aestate  ante  diem  suavis  est.  —  Dieselbe  Bemerkung 
macht  jeder  Hirte  und  Viehzüchter  noch  heut  zu  Tage. 

Colufoer.  Virg.  Aen.  2;  471.  Nunc  positis  novus  exuviis  nitidusque 
juventu  Lubrica  convolvit. 

Hild.  8;  2.  In  illud  (foramen  petrae)  se  tarn  diu  fricat,  dum  spumas  illas 
ahjicit  et  tunc  aliquantulum  minus  asper  est  ...  et  .  .  cutis  ejus  .  .  lucida  et 
hoc  idem  serpens  multum  gaudet. 

Panthera*  Plin.  VIII.  17  (23)  62.  Odore  earum  mire  sollicitari  qua- 
dripedes  omnes,  sed  capitis  torvitate  terreri,  quamobrem  oecultato  eo  reliqua 
dulcedine  invitas  conripiunt. 

Hildeg.  VII.  7.  .  .  anhelitus  ejus  non  est  mundus,  sed  aliquantum  vene- 
nosus,  quamquam  interdum  bene  olere  videatur. 

Lupus«  Plin.  VIII.  22  (34)  80.  Creditur  luporum  visus  esse  noxius, 
vocemque  homini,  quem  priores  contemplentur  adimere  ad  praesens. 

Virgil  Buc.  9;  54.  Vox  quoque  Moerin.  Jam  fugit  ipsa:  lupi  Moerin  vi- 
dere  priores. 

Isid.  XII.  2,  33 — 24.  Alii  lupos  vocatos  ajunt  quasi  leopos  quod  quasi 
leoni  .  .  .  de  quo  rustici  aiunt,  vocem  hominem  perdere  si  eum  lupus  prior 
videret.  .  .  .  Certe  si  se  praevisum  senserit,  deponit  ferocitatis  audaciam. 

Hildeg.  VII.  19.  .  .  .  aliquantum  de  moribus  aereorum  spirituum  et  de 
moribus  leonis  habet  .  .  .  sed  seeundum  leonis  naturam  hominem  seit  et  intel- 
ligit  et  eum  a  longe  odoratur.  Et  cum  lupus  hominem  primo  vidit,  aerei  spiritus 
qui  illum  comitantur  hominem  in  viribus  suis  debilitant  .  .  .  Sed  cum  homo 
lupum  prius  videret,  Deum  in  corde  suo  tenet,  et  in  tentione  illa  et  aereos  Spi- 
ritus et  lupum  cum  eis  fugat. 

Mustela.  Plin.  VIII.  27  (41)  98,  (nicht  40)  .  .  .  mustela  ruta  in  mu- 
rium  venatum  cum  iis  dimicatione  conserta. 

Hildeg.  VII.  38  .  .  .  ita  quod  quandam  herbulam  novit  in  qua  sanitas 
vitae  est,  ita  ut  si  catulos  suos  vel  aliam  mustelam  dolere  viderit  hanc  herbulam 
quaerit  ...  et  desuper  myngit  ...  et  eam  Uli  mustelae  .  .  .  moriturae  in  os 
suum  ponit,  et  ita  illa  sanxerit. 

Ursus.  Plin.  VIII.  36  (54),  126.  Hi  (catuli)  sunt  Candida  informisque 
caro  .  .  .  hanc  lambendo  paulatim  figurant. 

Isid.  XII.  2,  22  .  .  .  ajunt  eos  informes  generare  partus  et  carnem  quan- 
dam nasci  quam  mater  lambendo  in  membra  coniponit  .  .  .  Sed  hoc  immaturitas 
partus  fecit. 

Hildeg.  VII.  4.  .  .  ursa  .  .  .  per  impatientiam  abortit  .  .  .  et  .  .  .  illud  quod 
effundit  velut  caro  est  .  .  .  sed  tarnen  omnia  lineamenta  formae  suae  habet.  Et 
mater  hoc  videns,  inde  dolet,  et  illud  lainbit,  ac  omnia  lineamenta  illa  lingua 
sua  fundit  .  .  . 

Lepus.  Plin.  VIII.  55  (81),  217.  —  Hild.  VII.  18.  Ich  finde  auch  keine 
Spur  einer  Ähnlichkeit. 


16  Dr.  C.Jessen.  Über  medicin.  Handschriften  der  heil.  Hildegard. 

Pisces.  Plin.VIIir.  50(74),  157.  —  Hild.praef.  Da  in  dem  citirtenCap.  14 
gar  nichts  Vergleichbares  sich  findet,  vermuthe  ich  ,  dass  die  in  74  gemachte 
kurze  Angabe  über  die  Fortpflanzung  mit  der  langen,  offenbar  der  Natur  ent- 
nommenen Schilderung  desLeichens  bei  Hild.  in  Parallele  gestellt  wird,  aber  die 
letztere  ist  völlig  unabhängig  von  Plinius. 

Viihnr.  Plin.  X.  6  (7),  19.  Triduo  autem  ante  volare  eos  ubi  cadavera 
futura  sunt. 

Isid.  XII.  7,  12.  Etiam  ultra  mare  cadavera  sentiunt.  Altius  quippe  vo- 
lantes  multa  ...  ex  alto  illi  conspiciunt. 

Hild.  VI.  7.  Et  inter  alias  volucres  velut  propheta  est  et  in  tanta  altitudine 
volat,  quanta  humor  terrae  sursum  ascendit  ....  atque  cadaveribus  pascitur. 

Milvus.  Plin.X.  11  (13).  29.  (Voluerum)  aduncos  ungues  habentia  carne 
tantum  vescuntur  ex  parte  magna  (?). 

Hild.  VI.  21.  Aves,  qui(!)  unguibus  „Kryment"  ad  comedendum,  homini 
contrariae  sunt  (?). 

Cornices.  Plin.  X.  12  (14),  30.  Ipse  ales  est  inauspicatae  garrulitatis. 
Isid.  XII.  7,  45.  Graculus  a  garrulitate  nuncupatus  .  .  .  Est  autem  loqua- 
cissimum  genus  et  vocis  importunum. 

Hild.  VI.  24.  „Krewa  et  Kraha"  .  .  .  voces  hominis  imitantur. 
Aves.  Plin.  X.  (24).  —  Hild.  VI.  praef.  Ohne  Zweifel  ein   Druckfehler 
aber  in  der  ganzen  kurzen  Vorrede  wüsste  ich  nichts   was   auch   nur  im  Plin. 
vorkommen  könnte  als  die  Worte:  volatilia    in  aere  pennis   suis   attolluntur  et 
ubique  in  aere  versantur. 

Simea.  Plin.  XI.  44  (100),  246.  Nam  simiarum  genera  perfectam  homi- 
nis imitationem  continent..  . . 

Hild.  VII.  Et  quia  hominem  aliquantum  assimilatur  hominem  semper 
aspicit,  ut  faciat  secundum  (um  nachzumachen)  quod  l'acit. 

Scammonium.  Plin.  XXV.  5  (22).  (Melampodio  nigro)  .  .  .  miscuere 
aliqui  et  scammonium  sed  tutius  salem. 

Hild.  I.  214.  Cum  medici  potiones  .  .  .  accelerare  et  veloces  facere  volunt 
scampinam  Ulis  addunt. 

Centaurium.  Plin.  XXV.  6  (30)  67.  Vis  in  vulneribus  tanta  est  ut 
cohaerescere  etiam  carnes  tradatur,  si  coquantur  simul. 

Hild.  I.  125  (nicht  135,  wo  von  der  „berwurtz"  die  Rede  ist).  Cui  os  et 
„bein"  in  corpore  suo  fractum  est  centauream  .  .  .  aut  vino  aut  aqua  mixtum 
saepe  bibat  et  os  fractum  simul  conglutinatur. 

Macer  52;  vers.  1715.  Non  modicum  piagas  conglutinat  inde  recentes. 
Icterus.  Plin.  XXX,  11  (28)  94.  Avis  icterus  vocatur  a  colore,  quae  si 
spectetur,  sanari  id  malum  tradunt  et  avem  mori. 

Hild.  VI.  62.  Widderoslo.  Et  homo  qui  „gelsucht"  habet  aviculam  istam 
mortuam  .  .  .  super  stomachum  suum  liget  et  gelsucht  in  ipsam  transibit  et  ille 
sanabitur. 

Sal.  Plin.  XXXI.  9  (45)  98.  Salis  natura  est  per  se  ignea  .  .  .  siccans, .  .  . 
stomacho  tantum  inutilis  praeterquam  ad  excitandam  aviditatem. 

Hild.  I.  182.  Sal  valde  calidum  est  et  aliquantulura  humidus,  ....  Sed  si 
quis  homo.  . .  .(ciburn)  moderate  temperatum  cum  sale  comedit,  eum  confortat 
et  sanat. 


117 


IV.  SITZUNG  VOM  30.  JANNER  1862. 


Herr  Prof.  Dr.  Fr.  Rochleder  sendet  eine  Mittheilung  „über 
Gentianin",  von  Herrn  Prof.  Dr.  H.  Ludwig  in  Jena. 

Herr  Prof.  V.  v.  Zepharovich  übersendet  eine  Berichtigung 
und  Ergänzung  zu  seiner  im  XXXIV.  Bande  der  Sitzungsberichte  ab- 
gedruckten Abhandlung  „über  die  Krystallformen  des  Epidot". 

Herr  Director  K.  v.  Littrow  überreicht  den  Bericht  über  die 
zur  Beobachtung  der  Sonnenfinsterniss  vom  31.  December  1861  von 
den  Herren  Doctoren  Edmund  und  Adolph  Weiss  unternommenen 
Expedition  nach  Griechenland. 

Herr  A.  Schrauf,  Assistent  am  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinete, 
legt  eine  Abhandlung:  „Theorie  des  orthohexagonalen  Krystall- 
systems"  vor. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Academielmp.  des  sciences  de  St.  Petersbourg,  Bulletin.  Tome 

III.  No.  6—8;  Tome  IV.  No.  1—2.  St.  Petersbourg,  1861;  4«- 

Akademie   gemeinnütziger    Wissenschaften,    königl.,   zu    Erfurt, 

Jahrbücher.  Neue  Folge,  Heft  II.  Erfurt,   1861;  So- 
AI  man  ach   der   österreichischen  Kriegsmarine  für  das  Jahr  1862. 
Mit  Genehmigung  des  hohen  Marine-Obercommandos,  heraus- 
gegeben von  der  hydrographischen  Anstalt  der  k.  k.   Marine. 
Wien;  kl.  So- 
Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1345.  Altona ,  1862;  4°- 
Austria,  XIV.  Jahrgang,  II.  —  III.  Heft.  Wien,  1862;  8o- 
Comptes  rendus  de  TAcademie  des  Sciences,  Tome  LIII,  No.  26 
&  27;  Tome  LIV,  No.  1.  Paris,  1861  &  1862;  4«- 


118 

Cosmos,  XI'Annee,  20e  Volume,  3e  —  4eLivraison.  Paris,  1862;  8»- 
Encke,  J.  F.,  Berliner  astronomisches  Jahrbuch  für  1864.  Berlin, 

1861;  8o- 
Gesellschaft,  St.  Gallische  naturwissenschaftliche,  Berichte  über 

deren    Thätigkeit    während    des    Vereinsjahres    1860    —  61. 

St.  Gallen,  1861;  8<>- 
Gewer  be- Verein,    nieder-österreichischer,    Verhandlungen    und 

Mittheilungen.  Jahrgang  1861,  11.  &  12.  Heft;  Jahrgang  1862; 

1.  Heft.  Wien,  1862;  8°- 
Istituto,  B.,  Lombardo  di  scienze,  lettere  ed  arti,  Memorie.  Vol. 

VIII.  (II  della  Serie  II.)  Fase.  VI.  Milano,   1861;  4°- 
—  LB.,  Veneto  di  scienze,  lettere  ed  arti,  Atti.  Tomo  VII0,  Serie 

3a-  Venezia,   1861  —  1862;  8°- 
Kirchhoff,   G.,    Untersuchungen    über  das   Sonnenspectrum   und 

die  Spectren  der  chemischen  Elemente.  Mit  3  Tafeln.  (Abhand- 
lungen d.  k.  preuss.  Akad.  der  Wissensch.  zu  Berlin,  1861.) 

Berlin,  1861;  4<>- 
Land-  und  forstwirtschaftliche  Zeitung,  XII.  Jahrg.  Nr.  3.  Wien, 

1862;  kl.  4o- 
Lund,    Universität,    akademische    Gelegenheitsschriften   aus   dem 

Jahre  1860/61.  Lund;  8«,  4»  &  Fol. 
Mitth eilungen  aus  J.  Perthes' geographischer  Anstalt,  Jahrgang 

1861.  XII.  Heft.  Ergänzungsheft.  Nr.  7.  Gotha,  1861;  4«- 
Observatoire    physique   central  de  Bussie,   Annales  par   A.   T. 

Kupffer.  Anneei858,No.  1—2.  St.  Petersbourg,  1861;  4«-  — 

Compte  rendu  annnel  par  Kupffer.  Annee  1859  &  1860.  St.  Pe- 
tersbourg, 1861;  4°- 
Verzeichniss    der  Mitglieder  und  Beamten  der  kais.  Leopold. - 

Carol.  deutschen  Akademie  der  Naturforscher.  Jena,  1862;  8°- 
Wiener  medicinische  Wochenschrift,  XII.  Jahrgang,  Nr.  3  &  4. 

Wien,   1862;  4<>- 
Wochen-Blatt  der  k.  k.  steierm.   Landwirthschafts- Gesellschaft, 

XI.  Jahrg.  Nr.  7.  Gratz,  1862;  4°- 


119 


Über    eine   neue   Cephalopoden  -  Gattung   Cyclidia    aus   den 
Tertiärschichten  von  Siebenbürgen. 

Von  Dr.  Friedrich  Rolle, 

Custos-Adjuucten  am  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinete. 

(Mit  1  Tafel.) 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  vom  9.  Jänner  1862.) 

Seit  Blumenbach,  der  1803  zum  ersten  Male  die  Rhyn- 
cholithen  und  Conchorhynch  en  des  deutscheu  Muschelkalkes 
als  harte  Mundtheile  urweltlicher  Cephalopoden  erkannte  und  als 
„Sepiarum  rostra"  beschrieb,  haben  mehrere  Paläontologen,  beson- 
ders aber  d'Orbigny  noch  eine  Reihe  von  ähnlichen  fossilen  For- 
men beschrieben  und  deren  systematische  Stellung  zu  bestimmen 
gesucht. 

D'Orbigny  hat  namentlich  das  Verdienst,  schon  seit  1825  auf 
das  Zusammenvorkominen  gewisser  Rhyncholithen  -  Formen  mit 
bestimmten  Gehäusen  von  Nautilen  und  auf  den  Einklang  der 
verhältnissmässigen  Grösse  der  Schnäbel  und  der  Gehäuse  hinzu- 
weisen. Er  hat  darnach  die  Rhyncholithen  im  engeren  Sinne,  deren 
Typus  Rhyncholithus  hirundo  FaureBiguet,  einer  der  Blumen- 
bach'schen  „Sepienschnäbel"  ist,  ganz  zur  Gattung  Nautilus  her- 
eingezogen und  in  der  Folge  dann  für  die  übrigen  derartigen  Fossil- 
reste besondere  Gattungsnamen,  Rhynchoteuthis  und  Palaeoteuthis 
aufgestellt.  Um  jene  Zeit,  als  d'Orbigny  seine  erste  Abhandlung 
schrieb,  kannte  man  die  Mundtheüe  der  lebenden  N  autilen  noch 
nicht,  und  d'Orbigny  hat  darum  auch  die  Conchorhynchen  noch 
von  den  Rhyncholithen  und  von  Nautilus  ausgeschlossen,  dem  sie 
in  der  That  ebenfalls  und  zwar  als  Unterkiefer  angehören. 


120  Rolle- 

R.  Owen,  der  1832  die  erste  gründliche  anatomische 
Beschreibung  des  Thieres  des  im  indischen  und  australischen  Meere 
noch  lebenden  Nautilus  Pompilius  Linne  lieferte,  hat  sich  wirklich 
dahin  ausgesprochen,  dass  d'Orbigny's  Deutung  der  fossilen 
Rhyncholithen  als  feste  Mundtheile  urweltlicher  Nautilen  seine  volle 
Beistimmung  habe.  Owen  sagt,  dass  einestheils  die  feste  kalkige 
Beschaffenheit  des  Vordertheils  der  Oberkiefer  des  Nautilus  Pom- 
pilius, anderntheils  deren  besondere,  von  den  entsprechenden 
Theilen  der  lebenden  Dibranchiaten  abweichende  Form,  namentlich 
die  abgeflachte  Beschaffenheit  der  oberen  Seite  des  Oberkiefers 
sehr  wohl  auf  die  fossilen  Rhyncholithen  passe  und  dass  diese  letz- 
teren alsdann  nur  als  der  kleinere  kalkige  Vordertheil  des  ursprüng- 
lichen Oberkiefers  zu  nehmen  seien.  Der  hornige  Hintertheil 
erscheint  nicht  vollständig  fossil  erhalten. 

Vale  nciennes  hat  1841  an  einem  andern  Nautilus-Exemiphr 
von  Neu-Guinea  Owen's  Untersuchungen  wiederholt.  Dass  Va  1  en- 
den n  es  die  beiden  Kiefern  nur  aus  Hornmasse  bestehend  fand,  ist 
allerdings  ein  befremdender  Umstand,  entkräftet  aber  die  Wahrheit 
von  Owen's  Beobachtungen  nicht.  Deshayes  hat  sich  auch  dahin 
ausgesprochen.  Er  bemerkt  in  „Animaux  sans  vertebres",  edit.  II, 
Bd.  XI,  S.  318,  dass  er  selbst  eine  Kieferhälfte  des  lebenden  Nau- 
tilus besitze  und  dass  dieser  theilweise  verkalkt  sei,  mithin  für  d'Or- 
bigny's und  Owen's  Deutung  der  fossilen  Rhyncholithen  spreche. 
Auch  Vrolik  hat  Owen's  Angabe  vom  Auftreten  einer  Kalklage  am 
Vordertheil  der  Kiefern  bestätigt,  er  vermuthet,  dass  Valencien- 
nes  ein  Exemplar  untersuchte,  welches  die  äussere  Kalklage  bereits 
verloren  hatte.  Übrigens  wären  für  das  paläontologische  Fach 
erneute  und  specieller  durchgearbeitete  Untersuchungen  über  die 
beiden  Kiefern  des  Nautilus  Pompilius,  von  dem  die  Museen  von 
London,  Paris  und  Amsterdam  oder  Haarlem  zur  Zeit  allein 
Exemplare  mit  den  Weichtheilen  des  Thieres  besitzen,  dringend  zu 
wünschen.  Die  Paläontologie  stellt  für  die  festen,  der  fossilen 
Erhaltung  fähigen  Theile  der  Lebewesen  oft  schärfere  Anforderun- 
gen, als  zur  Zeit  die  Anatomie,  die  überhaupt  mehr  Gewicht  auf  die 
weichen  Theile  legt. 

Owen's  Darstellung  des  festen  Gebisses  des  lebenden  Nautilus 
hat  ferner  einen  der  Deutung  der  fossilen  Rhyncholithen  im  Wege 
stehenden  Umstand  hinweggeräumt.   Owen  zeigt  nämlich,  dass  nur 


Über  eine  neue  Cephalopoden-Gattung  Cyclidia.  121 

der  Oberkiefer  eine  der  fossilen  Erhaltung  günstige  feste  Beschaffen- 
heit und  auch  diese  nur  im  Vordertheile  besitzt.  Bei  dem  Unterkiefer 
dagegen  bildet  die  feste  Kalkmasse  eine  doppelte  äussere  Schichte 
über  einem  inneren  weichen,  hornigen  Kerne,  ein  Umstand,  der  bei 
einer  in  geologischen  Ablagerungen  vor  sich  gehenden  Verwesung 
der  hornigen  Schicht  leicht  zu  einem  Zerfallen  des  dünnen  und 
zweifachen  kalkigen  Theiles  führen  kann  und  im  Voraus  erwarten 
lässt,  dass  der  Unterkiefer  seltener  wird  fossil  gefunden  werden,  als 
der  Oberkiefer. 

In  der  That  kennt  man  aus  den  verschiedenen  geologischen 
Formationen  von  fossilen  Cephalopoden-Schnäbeln  fast  nur  die 
Oberkiefer,  und  auch  die  Fossilien  aus  einer  Tertiärschichte,  welche 
Anlass  zur  vorliegenden  Arbeit  gegeben  haben,  lassen  sich  allein 
nur  als  Oberkiefer  deuten.  Unterkiefer  sind  nur  die  sogenannten 
Conchorhynchen  des  Muschelkalkes,  die,  wie  vor  einer  Beihe 
von  Jahren  Voltz  schon  annahm,  als  Unterkiefer  zu  den  Bhyncho- 
lithen  gehören  und  in  der  That  aus  zwei  durch  einen  Hohlraum 
getrennten  Kalkschichten  bestehen.  Ihre  nähere  Erläuterung  wird 
in  einer  späteren  Abhandlung  folgen. 

Das  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinet  besitzt  aus  dem  fossilreichen 
Tegellager  von  Lapugy  in  Siebenbürgen  eine  Anzahl  von  kleinen, 
sehr  massigen,  ganz  eigenthümlich  gestalteten  Bhyncholithen,  die 
alle  der  oberen  Mandibel  entsprechen  und  in  ihrer  besonderen  Form 
von  allen  bisher  beschriebenen  derartigen  Fossilien  hinreichend 
weit  abweichen,  um  als  Typus  einer  besonderen  Gattung  von  Cepha- 
lopoden  gelten  zu  können.  Ich  nenne  diese  neue  Gattung  Cyclidia, 
„Kreisform",  mit  Bezug  auf  die  von  den  meisten  anderen  bisher 
bekannt  gewordenen  Bhyncholithen  unterscheidende  Halbkreisform 
des  freien  Vordertheils.  Der  Name  ist  aus  dem  griechischen  xuy.log 
Kreis,  und  toiog  eigenthümlich,  gebildet. 


Cyclidia  nov.  gen.  Bolle. 

Mandibula  superior  subsymmetrica,  subdepressa,  sublenticu- 
laris,  antice  rotundata,  acuminata,  postice  convexa  crassa,  later- 
aliter  brevi-alata,  medio  bifido-subcaudata,  subtus  plano-con- 
cava. 


J  22  Roll  e. 

Cyclidia  valida  Rolle. 

Pars  antica  mandibulae  superioris  semilunaris,  acuminata. 
superne  costis  radialibus,  subdistantibus ,  applanato-rotundatis 
lineis  que  concentricis  tenuibus  ornata,  subtus  laevigata  et  obso- 
lete concentrice  sulcata.  Pars  postica  convexa,  gibba,  valde  in- 
crassata ,  postice  bifido-subcaudata ,  superne  laevigata ,  subtus  in 
laminas  duas  media  parte  approximatas  producta.  Lamina  infe- 
rior laevigata,  superior  subtus  longitudinaliter  sulcata. 

Long.  9-5  mill,  lat.  11-5  mill.,  alt.  4-5  mill. 

Es  liegen  mir  von  Lapugy  als  Ergebniss  einer  mehrjährigen 
Ausbeutung  dieses  Fundortes  durch  das  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinet 
nicht  mehr  als  acht  Exemplare  vor,  die  im  grössten  (Breiten-) 
Durchmesser  von  5  bis  nahe  10  Millim.  abändern.  Alle  sind  obere 
Mandibeln,  es  ist  anzunehmen,  dass  wie  beim  lebenden  Nautilus 
Pompilius  die  unteren  Mandibeln  statt  eines  massig-kalkigen  Vor- 
dertheils  nur  eine  doppelte  äussere  Kalkschicht  über  einer  inneren 
Hornmasse  besassen,  daher  nach  deren  Verwesung  zerfielen  und  so 
unserer  Nachforschung  bisher  entgingen. 

Die  Form  des  Oberkiefers  ist  subsymmetrisch,  etwas  nieder- 
gedrückt, breiter  als  lang,  bucklig-linsenförmig,  von  vorne  nach 
hinten  an  Höbe  zunebmend  und  hinten  steil  abfallend,  vorn  halb- 
kreisrund, dünn  und  zugeschärft,  an  den  Seiten  in  zwei  kurze  nach 
hinten  gewendete  und  kegelig  ausgehöhlte  Flügel  auslaufend,  hinten 
bucklig  erhöht,  beiderseits  hinter  den  Flügeln  ausgerandet,  und  in 
der  Mitte  in  eine  kurze,  breite  und  dicke,  schwach  zweitheilige 
Ferse  ausgezogen.  Durch  die  besonders  an  den  Flügeln  deutlich 
ausgesprochene  Theilung  des  Hinterendes  in  ein  oberes  und  ein 
unteres  Blatt,  die  vorn  vereinigt  erscheinen,  hinten  aber  etwas  von 
einander  abstehen,  erhält  das  Ganze  eine  gewisse  Ähnlichkeit  mit 
einer  niedergedrückten  Tasche. 

Die  Masse  ist  fest  und  kalkig,  sie  besteht  aus  einem  vorwie- 
genden inneren  Theile  von  bräunlich-grauer  Farbe  und  schwacher 
Durchscheinigkeit  und  einer  oberen  und  unteren  dünnen  Lage  von 
opaker  Beschaffenheit  und  unrein  milchweisser  Farbe.  Die  weisse 
Lage  nimmt  die  Mittelgegend  der  Oberseite  und  die  Vordergegend 
der  Unterseite  ein,  und  dürfte  unbedeckt  von  Weichtheilen  gewesen 


Über  eine  neue  Cephalopoden-Gattung  Cyclidia.  123 

sein.  Wahrscheinlich  lagerte  sich  ursprünglich  am  hinteren  Rande 
der  weissen  Lage  oben  und  unten  eine  zweiteilige  in  seitliche 
Flügel  auslaufende  Hornlamelle,  ähnlich  wie  bei  den  Mandibeln  der 
lebenden  Cephalopoden  noch  an,  und  überdeckte  beiderseits  die 
hier  befestigten  Muskelpartien. 

Auf  dem  Bruche  erkennt  man,  dass  die  braune,  halb  durch- 
scheinende Hauptmasse  des  Oberkiefers  aus  feinfaserigem  Kalk 
besteht.  Die  Fasern  stehen  fast  senkrecht  zur  Unterfläche. 

Ein  nach  der  Medianebene  geführter  Durchschnitt  zeigt,  dass 
die  zwischen  dem  mittleren  und  dem  hinteren  Felde  der  Unterseite 
gebildete  Einfaltung  als  geschlossene  Nath  bis  nahe  zur  Grenze 
des  vorderen  und  des  mittleren  Feldes  der  Oberseite  sich  verfolgen 
lässt  und  also  die  beiden  Öffnungen  an  der  Unterseite  der  seitlichen 
Flügel  nicht  tief  in's  Innere  des  Kalkkörpers  fortsetzen. 

Im  Einzelnen  zeigt  der  Cyclidia-Oherkiefev  nach  den  drei 
Feldern,  in  welche  je  die  Oberseite  und  die  Unterseite  zerfallen, 
noch  folgende  Charaktere. 

Vorderfeld  der  Oberseite.  Es  ist  subsymmetrisch,  halb- 
mondförmig und  flach  nach  vorn  abgedacht.  Es  zeigt  gegen  dreissig 
flachgewölbte,  unregelmässige,  gegen  den  Vorderrand  zu  ein  wenig 
an  Breite  zunehmende  Radialrippen,  die  von  theils  ebenso  breiten, 
theils  etwas  breiteren  ebenen  Zwischenräumen  getrennt  werden. 
Rippen  und  Zwischenräume  werden  von  feinen  unregelmässigen 
Anwachslinien  gekreuzt.  Diese  Anwachslinien  wenden  sich  auf  den 
Rippen  in  schwachem  Bogen  nach  vorn.  Die  Rippen  strahlen  theils 
von  einem  durch  die  später  abgelagerte  weisse  Schicht  des  Mittel- 
feldes verdeckten  Mittelpunkte  aus,  theils  unmittelbar  von  einem 
assymmetrischen,  rechts  von  der  Medianlinie  gelegenen,  zur  Rechten 
gewendeten  Vorsprung  des  erhöhten  Mittelfeldes. 

Dieses  strahlig  gerippte,  halbmondförmige  Vorderfeld  besteht 
aus  derselben  bräunlichgrauen  Masse,  die  den  grössten  Theil  des 
Oberkiefers  zusammensetzt. 

Mittelfeld  d  er  Oberseite.  Es  trägt  eine  dünne,  weisse, 
opake  Schicht,  die  offenbar  eine  spätere  Auflagerung  ist  und  mit 
dem  Wachsthume  des  Thieres  gegen  vorn  vorrückte.  Es  ist  durch 
einen  scharfen  Absatz  von  dem  radial  gerippten  Vorderfeld  getrennt 
und  springt  gegen  dieses  rechts  von  der  Mediane  mit  einem  kleinen 
nach   rechts   gewendeten  knopfartigen  Ausläufer  vor.    Sein  Umriss 


124  Rolle. 

ist  sehr  unsymmetrisch,  rechts  viel  schmäler  als  links.  Die  beiden 
seitlichen  Enden  bedecken  die  Oberseite  der  flügelförmigen  Aus- 
breitung. Nach  hinten  setzt  es  bis  zur  Hälfte  der  Oberseite  der 
Ferse  fort.  Es  ist  in  einer  subsymmetrischen  nach  rechts  ziehenden 
Richtung  schwach  eingesenkt  und  zeigt  hier  Spuren  erhabener,  in 
schwachem  Bogen  nach  vorn  gewendeter  Anwachslinien;  sonst  ist 
die  Oberfläche  ganz  glatt. 

Hinterfeld  der  Oberseite.  Seine  Form  ist  der  des  Mittel- 
feldes entsprechend  assymmetrisch,  nämlich  an  der  rechten  Seite 
breiter  als  an  der  linken.  Es  fällt  an  den  Seiten  flach,  in  der  Mitte 
steil  gegen  hinten  ab  und  ist  an  jeder  Seite  und  ausserdem  noch  in 
der  Mitte  der  Ferse  schwach  ausgerandet.  Es  bildet  vier  nach  oben 
gewendete  flache  Falten,  von  denen  je  eine  auf  die  seitlichen  Flügel 
und  zwei  auf  die  in  der  Mitte  gelegene  Ferse  kommen.  Die  beiden 
letzteren  lassen  zwischen  sich  eine  flache  Einsenkung,  die  in  abneh- 
mender Deutlichkeit  schief  nach  rechts  über  das  Mittelfeld  hinaus 
fortsetzt  und  gegen  den  vorderen  knopfförmigen,  assymmetrischen 
Vorsprung  des  letzteren  endet.  Die  Oberfläche  ist  glatt. 

Das  Hinterfeld  der  Oberseite  lässt  wieder  die  bräunlichgraue, 
schwach  durchscheinende  Hauptmasse  des  Oberkiefers  sichtbar  wer- 
den und  setzte  sich  wahrscheinlich  nach  hinten  in  eine  geflügelte 
Hornlamelle  fort,  die  der  fossilen  Erhaltung  entging. 

Vorderfeld  der  Unterseite.  Es  ist  schmal  halbmondför- 
mig, fast  symmetrisch,  an  der  rechten  Seite  nur  wenig  breiter  als  an 
der  linken ,  nach  vorn  ziemlich  scharfrandig,  unten  flach  mit  drei 
seichten  concentrischen  Furchen.  Die  zwei  vorderen  Furchen  liegen 
nahe  dem  Vorderrande  und  sind  sehr  schwach  (bei  manchem  Exem- 
plare in  eine  einzige  zusammenfliessend),  die  dritte  liegt  nahe  am 
Hinterrand.  Zwischen  der  zweiten  und  der  dritten  Furche  liegt  ein 
breiter  flachgewölbter  Zwischenraum.  Die  Oberfläche  ist  sonst 
glatt. 

Diese  Vordergegend  der  Unterseite  trägt  eine  eben  solche 
dünne,  opake,  weisse  Schicht,  wie  die  Mittelgegend  der  Oberseite. 
Die  weisse  Masse  nähert  sich  der  der  Oberseite  an  den  beiden  äus- 
serten Seitenrändern,  scheint  aber  nicht  mit  ihr  in  unmittelbarem 
Zusammenhange  gestanden  zu  haben.  Nach  hinten  ist  sie  durch 
keinen  besonderen  Absatz  von  dem  braunen  Mittelfelde  getrennt, 
sondern  verdünnt  sich  hier  allmählich. 


Über  eine  neue  Cephalopoden-Gattnnfc  Cyclidia.  1  2  «3 

Mittelfeld  der  Unterseite.  Es  hat  so  ziemlich  den  Umriss 
des  Mittelfeldes  der  Oberseite  und  ist  an  derselben  Seite  wie  dieses, 
nämlich  zur  Rechten  etwas  schmäler.  Es  besteht  aber  aus  graubrau- 
ner Masse  und  ist  nach  hinten  zu  sanft  ausgehöhlt  und  hier  in  der 
Mitte  in  eine  kurze  breite,  nach  oben  angedrückte  Ferse  ausgezogen. 
Die  Oberfläche  ist  glatt. 

Hinterfeld  der  Unterseite.  Es  bildet  mit  dem  Mittelfelde 
zusammen  eine  Art  von  Tasche,  die  rechts  und  links  offen  steht  und 
ist  mit  diesem  nur  in  der  Mitte  enger  verschmolzen.  An  den  beiden 
seitlichen  Flügeln  aber  bleibt  jederseits  eine  tiefe,  schief  nach  vorn 
und  innen  ziehende  Höhlung  frei,  die  jedoch,  wie  ein  medianer 
Durchschnitt  lehrt,  nicht  tief  in's  Innere  des  Kalkkörpers  fortsetzt. 
Wahrscheinlich  war  ein  Theil  der  hinteren  Hornlamelle  in  beide 
seitlichen  Höhlungen  eingesetzt.  Ein  solches  Verhältniss  ist  wenig- 
stens an  einem  mir  vorliegenden,  wohlerhaltenen  Rhynchoteuthis- 
Exemplar  in  ausgezeichneter  Weise  der  Fall. 

Das  Hinterfeld  der  Unterseite  bildet,  dem  der  Oberseite  ent- 
sprechend, drei  vorspringende  Falten,  von  denen  je  eine  auf  die 
seitlichen  Ausrandungen  der  Hinterseite  und  die  dritte  auf  die  Aus- 
randung der  Mitte  der  Ferse  fällt. 

Die  ganze  Oberfläche  des  Hinterfeldes  der  Unterseite  trägt 
grobe,  gewölbte,  ungleich  starke,  von  schmalen  Zwischenfurchen 
getrennte  Radialrippen,  die  von  einem  durch  das  Wachsthum  des 
unteren  Mittelfeldes  verdeckten  Mittelpunkte  ausstrahlen.  Sie  wach- 
sen von  beiden  Seiten  aus  bis  zu  jedem  der  beiden  seitlichen  Wülste 
an  Stärke,  nehmen  dann  etwas  ab  und  erscheinen  auf  der  Unterseite 
der  Ferse  wieder  etwas  stärker  und  namentlich  höher.  Darüber 
verlaufen  sehr  feine,  dem  Hinterrande  gleichlaufende  Anwachslinien. 

Die  hier  ausgeführte  Beschreibung  der  verschiedenen  Ver- 
keilung der  beiden  Schalenschichten  nach  Feldern  ist  nach  dem 
grössten  und  am  besten  erhaltenen  Exemplare  entnommen.  Die 
übrigen  stimmem  damit  in  jeder  Beziehung  überein,  nur  darin  zeigt 
sich  eine  Abänderung,  dass  bei  einigen,  wie  bei  dem  gedachten 
typischen  Exemplare,  das  Vorderfeld  der  Unterseite  weiss,  das  Mittel- 
feld bräunlich  ist,  bei  anderen  dagegen  umgekehrt,  das  Vorderfeld 
bräunlich,  das  Mittelfeld  aber  weisslich  erscheint.  Dieser  eine  Punkt 
bleibt  noch  fester  zu  ermitteln,  doch  bin  ich  geneigt,  ersteres  Ver- 
hältniss als  das  wirklich  normale  zu  nehmen. 


126  Ro,le- 

Es  haben  sich  bis  jetzt  erst  acht  Exemplare  gefunden,  die  nur 
im  Erhaltungszustande  und  in  der  stärkeren  oder  schwächeren  Aus- 
prägung untergeordneter  Merkmale  abweichen.  Das  kleinste  Exem- 
plar von  5  Millim.  Breite  zeigt  noch  nicht  20  Radialrippen  auf  dem 
Vorderfelde  der  Oberseite.  Der  assymmetrische  Vorsprung  des 
oberen  Mittelfeldes  ist  verhältnissmässig  stark  ausgesprochen,  die 
Ferse  des  Hinterendes  ziemlich  kurz.  Die  Duplicatur  des  Mittel-  und 
Hinterfeldes  der  Unterseite  ist  ganz  so  wie  bei  dem  grössten  vor- 
liegenden Exemplare. 

Vorkommen.   Nicht  häufig  in  dem  fossilreichen,   obermio- 
cänen  Tegel  von  Lapugy  in  Siebenbürgen. 

Es  verdient  bemerkt  zu  werden,  dass  zu  Lapugy  zugleich  noch 
ein  grosser  Nautilus  aus  der  Abtheilung  Aturia  Bronn  vorkommt, 
er  ist  aber  sehr  selten  und  das  Hof-Mineralien- Cabinet  besitzt  nur 
ein  einziges  Exemplar.  Das  Vorkommen  der  Gattung  Nautilus  im 
Wiener  Becken  aber  ist  neuerdings  durch  vollständige  Exemplare 
eines  echten  Nautilus  aus  dem  Schieferthon  von  Laa ,  der  eine  der 
tieferen  Miocänschichten  zu  sein  scheint,  erwiesen  worden.  Aus  der 
Sandablagerung  von  Grussbach  in  Mähren  kennt  man  ebenfalls 
Spuren.  Endlich  hat  der  Tegel  von  Ottnang  in  Oberösterreich  Reste 
von  Nautilen  geliefert,  die  denen  von  Laa  sehr  gleich  sehen. 

Vergleichen  wir  nun  die  Form  der  tertiären  Cyclidia  rafida 
mit  den  bis  jetzt  bekannt  gewordenen  festen  Mundtheilen  anderer 
lebender  und  fossiler  Cephalopoden,  so  stellt  sich  vor  Allem  ein 
grosser  Gegensatz  zu  denen  der  lebenden  Dibranchiaten  heraus,  wie 
solche  namentlich  d'Orbigny  in  einem  seiner  letzten  Werke  „Mol- 
lusques  vivants  et  fossiles«  und  J.  Steenstrup»)  in  den  Abhand- 
lungen der  dänischen  Akademie,  Band  IV,  abbilden.  Die  Mandibeln 
der  Dibranchiaten  sind  insgesammt  horniger  Natur  und  daher  zur 
fossilen  Erhaltung  sehr  wenig  geeignet;  sie  sind  alle  am  Vorder- 
teile stark  zugespitzt  und  stark  eingekrümmt.  Es  ist  daher  kein 
Grund   vorhanden,   die   Cyclidia- Mandibeln   auf  Dibranchiaten    zu 

beziehen. 

Etwas  näher  stehen   die  Mandibeln   des   Nautilus  Pompifius, 

wie  sie  Owen  1832   in   seinem  Memoir  oh  the  pearly  Nalidin* 


i)  J.  Steenstrnp,   Om  colossule   Cephalopoder.  Vid.  Selsk.  Skrffter.  V.  Roekke, 
naturr.  og  mathem.  Afd.  IV  Bind. 


Über  eine  neue  Cephalopoden-fiaüung  Cyclidia.  127 

beschreibt  und  abbildet,  und  die  von  d'Orbigny  und  Anderen  auf 
Nautilen  bezogenen  Rhyncholithen  des  Muschelkalkes  und  des 
Jura's;  vergleiche  namentlich  d'Orbigny,  Paleout.  frane.  terr. 
jurass.  Tome  I,  1842,  Taf.  39  und  40.  Diese  haben  feste  kalkige 
Vordertheile,  sie  sind  weniger  zugespitzt  und  weniger  eingekrümmt, 
als  die  der  Dibrancbiaten.  Die  Cyclidien  lassen  sich  indessen  nicht 
auf  Nautilen  beziehen.  Die  Oberkiefer  der  lebenden  und  fossilen 
Nautilen  sind  am  freien  Vorderrande  immer  noch  weit  mehr  ver- 
längert und  mehr  dreiseitig  zugespitzt,  als  die  von  Cyclidia.  Die 
Duplicatur  des  hinteren  Theiles  der  festen  Kalkmasse  ist  ganz 
abweichend.  Das  obere  Blatt  oder  die  Kapuze,  capuchon,  ist 
weit  geringer  als  das  untere  entwickelt.  Bei  Cyclidia  ist  das  Gegen- 
theil  der  Fall.  Es  ist  augenfällig,  dass  Cyclidia  nicht  auf  die  Gattung 
Nautilus  bezogen  werden  kann. 

Mit  der  von  d'Orbigny  aufgestellten  Gattung  Rhynchoteu • 
this*),  welche  fossile  Cephalopodenschnäbel  aus  Jura-  und  Kreide- 
schichten begreift,  nähern  wir  uns  wieder  um  einen  Schritt  der  zu 
Lap  ugy  in  Tertiärschichten  gefundenen  Form;  hier  tritt  eine  zwei- 
lappige Bildung  des  Hintertheiles  oder  der  Ferse  ein,  wodurch  die 
Ähnlichkeit  schon  etwas  grösser  wird. 

Am  nächsten  aber  stehen  den  Cyclidien  gewisse  Cephalo- 
podenkiefer,  die  in  Jura-  und  Kreideschichten  ziemlich  verbreitet 
vorkommen,  von  d'Orbigny  indessen  nicht  aufgeführt  worden  sind. 
Für  mich  stellen  sie  eine  besondere  Gattung  dar,  die  ich  Scapha- 
nidia  oder  „Grabscheitform"  nenne.  Der  Name  ist  aus  dem  Grie- 
chischen ay.afavr) ,  Grabscheit,  und  ifiiog,  eigentümlich,  gebildet. 
Als  Typus  dieser  Gattung  betrachte  ich  Scaphanidia  Bucht  Mül- 
ler sp.  (Bhyncholithus  Buchi  Müller.  Aachener  Kreideformation. 
II.  1851.  p.  60,  Taf.  6,  Fig.  13)  aus  der  oberen  Kreide  der  Gegend 
von  Aachen.  Sie  unterscheiden  sich  von  den  Cyclidien  hauptsäch- 
lich dadurch,  dass  das  Mittelfeld  der  Oberseite  an  allen  Exemplaren 
fehlt  und  eine  querlinirte  Narbe  lässt,  mithin  vielleicht  hornig  war. 
Das  Verhältniss  der  Ober-  und  Unterseite  der  Tasche  ist  fast  ganz 
das  gleiche.  Es  liegen  mir  dahinzählende  Formen  ausserdem  noch 
aus  dem  Lias  von  May  in  Calvados,  von  Herrn  E.  Deslongchamps 


!)    D'Orbigny,   Cours  elementaire.   I,  S.  271,  Fig.   143  und  S.  281,  und  Mollvsques 
vivants  et  fossiles.  S.  593. 


128  Rolle. 

als  Cephalopodenkiefer  dem  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinet  mitgetheilt, 
aus  dem  unteren  Lias  von  Wiltshire  in  England  *)  und  aus  dem 
oberen  Jura  von  Franken  und  Schwaben  vor.  Die  nähere  Unter- 
suchung wird  Gegenstand  einer  späteren  Arbeit  sein. 

Einen  Gegensatz  zu  allen  hier  verglichenen  Kiefern  lebender 
und  fossiler  Cephalopoden-Formen  bilden  die  Cyclidien  nach  ihrer 
auffallenden  Assymmetrie.  Nur  die  Conchorhynchen  sind  noch  ent- 
schieden subsymmetrisch,  die  übrigen  lassen  theils  nur  bei  genauer 
Untersuchung  bestimmte  Spuren  von  Subsymmetrie  erkennen,  theils 
scheinen  sie  vollkommen  symmetrisch  zu  sein. 

Nach  allem  diesem  bin  ich  geneigt,  die  Cyclitlia-Oberkiefer  als 
Reste  eines  sonst  unbekannten  und  vielleicht  einer  festen  Kalkschale 
entbehrenden  Tetrabranchiaten  zu  betrachten.  Ihr  Gegensatz  zu 
den  spitzen,  stark  eingekrümmten,  hornigen  Mandibeln  der  lebenden 
Dibranchiaten  ist  weit  beträchtlicher,  als  ihr  Abstand  von  denen  des 
Nautilus  Pompilius.  Sie  schliessen  aber  auch  diesen  sich  nicht 
unmittelbar  an.  Ich  finde  vielmehr,  dass  die  Rhyncholithen  des 
Muschelkalkes  eine  vermittelnde  Form  sind,  von  der  sich  einerseits 
eine  geologische  Reihenfolge  von  Formen  bis  zum  lebenden  Nau- 
tilus Pompilius  verfolgen  lässt,  andererseits  eine  solche  zu  den 
Cyclidien  führen  dürfte. 

Wenn  ich  die  Cyclidien,  ein  von  allen  lebenden  Formen  so  sehr 
abweichendes  Fossil,  überhaupt  als  Cephalopoden-Schnäbel  dar- 
stelle, so  geschieht  es  nur  nach  langer  und  reiflicher  Überlegung 
und  nach  einer  Vergleichung  aller  mir  zu  Gebote  stehenden  litera- 
rischen Hilfsmittel.  Der  letzte  entscheidende  Moment  bei  der  Fest- 
stellung meiner  Ansicht  aber  war  die  Auffindung  einer  so  ganz  nahe 
verwandten  Form  in  Prof.  J.  Müller's  monographischer  Abhand- 
lung über  die  Versteinerungen  der  Aachener  Kreideformation.  Auch 
diese  ist  trotz  ihrer  Abweichung  von  den  übrigen  Rhyncholithen  und 
Rhynchoteuthen,  als  Cephalopoden-Schnäbel  schon  gedeutet.  Damit 
schwand  alles  weitere  Redenken.  Weniger  Gewicht  lege  ich  auf  die 
Hypothese  derTetrabranchiaten-Natur  von  Rhynchoteuthis,  Cyclidia 


*J  Scaplianidia  Moorei  Rolle,  Taf.  I,  Fig.  6  von  Frorae  in  Wiltshire.  Vergleiche 
Chiton  Rhaeticus  Ch.  Moore  in  Quart,  journ.  geol.  soe.  1861,  p.  511,  Taf.  16, 
Fig.  28,  29.  Mir  kommt  Herrn  Moore's  Abhandlung  gerade  noch  vor  Druck 
dieses  ßogens  zu  Gesichte.  Die  von  ihm  gegebene  Abbildung  weicht  etwas  ab 
und  könnte  vielleicht  eine  zweite  Art  aus  derselben  Formation  darstellen. 


Über  eine  neue  Cephalopoden-Gattung  Cyclidia.  129 

und  Scaphanidia.  Der  wirkliche  Zusammenhang  der  Formenreihe 
wird  sich  erst  in  späteren  Jahren,  wenn  man  noch  mehr  fossile 
Cephalopoden-Schnäbel  wird  kennen  gelernt  haben,  mit  grösserer 
Bestimmtheit  feststellen  lassen,  als  es  zur  Zeit  möglich  ist. 

Die  starke  massige  Form  der  Mandibeln  von  Cyclidia  und  die 
vollkommen  abgerundete  Form  des  freien  Vordertheiles  deutet  auf 
ein  vom  Zermalmen  harter  Crustaceen-  und  Molluskenschalen  leben- 
des Thier.  R.  Owen  macht  schon  darauf  aufmerksam,  dass  Nautilus 
Pompilius  durch  seine  nur  wenig  zugespitzten  Kiefern  mehr  auf  das 
Zerbeissen  harter  Stoffe  als  die  Dibranchiaten  angewiesen  sei,  die 
letzteren  dagegen  nach  ihren  spitzen,  gekrümmten,  hornigen  Mund- 
theilen  mehr  zu  einem  Zerfleischen  von  weichen  Seethieren  geeignet 
erscheinen.  Von  Cyclidia  gilt  dies  noch  mehr  als  von  Nautilus;  es 
ist  der  noch  höher  gesteigerte  Ausdruck  des  durch  das  Zermalmen 
harter  Nahrung  bezeichneten  Typus. 

Erklärung  der  Tafel. 

Fig.  1 — ib.  Cyclidia  valida  Rolle,  in  natürlicher  Grösse,  lc — le  dieselbe 

viermal  vergrössert. 
„    2.  Dieselbe,  kleinere  Form. 
„    2  a— 2  d,  in  viermaliger  Vergrösserung. 
„    3.  Durchschnitt  nach  der  Medianebene. 

„    4.  Ideale  Wiederherstellung  des  Oberkiefers  mit  dem  hornigen  Hinfertheil. 
„    5.  Scaphanidia   Buchi  Müller  sp.    Obere    Kreide    von   Vetschau    bei 

Aachen.  (Nach  J.  Müller.) 
„    6.  Scaphanidia  Moorei  Rolle.  Unterer  Lias  von  Wiltshire,  in  natürlicher 

Grösse. 
„    6    a,  b.  Dieselbe  in  dreimaliger  Vergrösserung. 


Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  CI.  XLV.  Bd.  I.  Abth. 


Rolfe.  I  ber  eine  neue  CephalopodeiLJ (rattim*  Cyclidia.- 

: 


i 


Fig.  /.'■>.   Ctfdidia     nr,/i(/,i     Ho//,'. 

S    Scaphctsudza    Bucht,  JEMer  <rn. 
>,        G.    A'rit/>///////'(//'rt    J/oorr/'  Jinl/c. 

Sit7.uno.sb  «l.kAk.nl.il  W.iK.tli  n.-.tum  Cl.ÄLV.  üclJ.Ai>tk.  18(V». 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH  -NATURWISSENSCHAFTLICHE  CLASSE. 


xiv.  band. 


ERSTE  AßTHEILÜNG. 


Enthält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Botanik, 
Zoologie,  Anatomie,  Geologie  und  Paläontologie. 


131 


V.  SITZUNG  VOM  6.  FEBRUAR  1862. 


Das  Präsidium  der  k.  k.  obersten  Rechnungs-Controls-Behörde 
übermittelt,  mit  Zuschrift  vom  28.  Jänner  I.  J. ,  46/Stat.,  ein  Exem- 
plar des  ersten  Heftes  des  Druckwerkes  :  „Das  österreichische  Budget 
für  1862  in  Vergleichung  mit  jenen  der  vorzüglicheren  anderen 
europäischen  Staaten",  von  C.  Freih.  von  Czoernig. 

Herr  Director  von  Littrow  legt  eine  Notiz  „über  einen  merk- 
würdigen Regenbogen"  vor. 

Herr  Prof.  K.  Ludwig  spricht  über  eine  Arbeit:  „Beiträge 
zur  Lehre  vom  Gasaustausch  in  den  Muskeln  des  lebenden  Thieres", 
welche  im  physiologischen  Laboratorium  der  k.  k.  medicinisch- 
chirurgischen  Josephs-Akademie  unter  seiner  Mitwirkung  vom  Herrn 
Dr.  Sczelkow  aus  Charkow  ausgeführt  wurde. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 
Akademie    der  Wissenschaften,   königl.    schwedische,  zu  Stock- 
holm, Handlingar.  N.  F.  III.  Bd.  1.  Hft.  1859;  4<>-  —  Öfversigt. 

VII.  Ärgängen.  1860.  Stockholm,  1861;  So-  —  Eugenies  Resa. 

8.— 11.  Haft.  Stockholm,  1861;  4<>- 
Annalen  der  Chemie    und  Pharmacie,  herausgegeben    von   Fried. 

Wo  hl  er,  J.  Liebig   und  Heim.    Kopp,  N.    R.    Band  XLV, 

Heft  1.  Leipzig  &  Heidelberg,  1862;  So- 
Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1346.  Altona,  1862;  4°- 
Au  Stria,  XIV.  Jahrgang,  IV.  &  V.  Heft.  Wien,  1862;  8°- 
Bericht,  Amtlicher,  über  die  35.  Versammlung  deutscher  Naturfor- 
scher und  Ärzte  in  Königsberg  in  Preussen  im  September  1860. 

Königsberg,  1861  ;  4°- 
Bibliotheque    Universelle   de    Geneve,     Archives    des    sciences 

physiques  et  naturelles.  Nouvelle  Periode.  Tome   XII%  Nr.  48. 

Geneve,  Lausanne  &  Paris,  1861;  8°- 
Comptes    rendus  de  i'Academie  des  sciences.  Tome  L1V,  Nr.  2. 

Paris,  1862;  4»- 

lo* 


132 

Czoemig,  Carl  Freih.  v.,  Das  österreichische  Budget  für  1862  in 
Vergleichung  mit  jenen  der  vorzüglicheren  anderen  europäischen 
Staaten.  Herausgegeben  von  der  k.  k.  Direction  der  admini- 
strativen Statistik.  1.  Heft.  Einleitung.  Das  britische  Budget. 
Wien,  1862;  S°- 

Hippokrates,  Zeitschrift  für  die  medicinischen  Wissenschaften  in 
Athen.  Redigirt  von  Dr.  Kalliburces.  Topos  AM  862.  Tt-v^os 
A'  Ev  A^vjvatg,  1862;  4°- 

Istituto,  I.  R.,  Veneto  di  scienze,  lettere  ed  arti,  Memorie. 
Vol.  X.  Parte  I.  Venezia,  1861;  4°-  —  Atti.  Tomo  VII«,  Serie 
3%  Disp.  2a-  Venezia,  1861—62;  8°- 

Land-  und  forstwirtschaftliche  Zeitung,  XII.  Jahrg.  Nr.  4.  Wien, 
1862;  kl.  4o- 

Lotos.  Zeitschrift  für  Naturwissenschaften,  XI.  Jahrgang.  Decem- 
ber  1861.  Prag;  8<>- 

Omboni,  Giovanni,  I  Ghiacciaj  antichi  e  il  terreno  erratico  di 
Lombardia.  Con  3  tavole.  —  Bibliografia.  (Castaldi.  Cantoni.) 
(Estratti  dal  vol  III.  degli  Atti  della  Societä  italiana  di  scienze 
naturali  in  Milano).  80- 

Results  of  Meteorological  Observations  for  twenty  years  for  Hobart 
Town  1841—1860.  Ta-smania,  1861;  4<>- 

Sondhauss,  C. ,  Über  die  beim  Ausströmen  der  Luft  entstehenden 
Töne.  —  Über  die  chemische  Harmonica.  —  Über  die  durch 
Temperaturverschiedenheit  sich  berührender  Körper  verur- 
sachten Töne.  (Programme  der  Realschule  zu  Neisse  1853,  1859, 
1861.)  4°*  —  Über  den  Brummkreisel  und  das  Schwingungs- 
geselz  der  kubischen  Pfeifen.  (Jahresbericht  des  k.  kath.  Gym- 
nasiums zu  Breslau,  1850.)  4°- 

Verein,  geognostisch-montanistischer  für  Steiermark,  XI.  Bericht. 
Gratz,  1862;  8<>- 

Wiener  medic.  Wochenschrift,  XII.  Jahrg.,  Nr. 5.  Wien,  1862;  4«. 

Zeitschrift  für  Fotografie  und  Stereoskopie,  II.  Jahrgang,  Nr.  21. 
Wien.  1861;  8<>- 
—  für  Chemie  und  Parmacie.  Unter  Mitwirkung  von  Fachmännern; 
herausgegeben  von  Dr.  Emil  Erlenmeyer.  V.  Jahrgang, 
Heft  1.  Heidelberg,  1862;  So- 
Zürich,  Universität,  akademische  Gelegenheitsschriften  von  Michaelis 
1859  bis  dabin  1861.  Zürich;  4»  &  8»- 


I3:i 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.' 

Von  dem  c.  M.  Prof.  R.  Langer. 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  27.  November  1861.) 

(Mit  1  Tafel.) 


II.  Die  Spannung  der  Cutis. 

Es  ist  eine  den  Anatomen  und  Chirurgen  wohlbekannte  Er- 
scheinung, dass  sich  die  getrennte  Haut  zurückzieht,  und  dass  in 
Folge  dieses  sogenannten  Retractions- Verm  ögens  die  Haut- 
lappen verkürzt  und  die  Wundspalten  erweitert  werden.  Die  Haut 
sucht  nämlich,  wenn  durch  die  Trennung  des  Zusammenhanges  ihre 
bis  dahin  bestehende  Spannung  beseitigt  ist,  vermöge  ihrer  Elasti- 
cität  ihre  Gleichgewichtsform  (mittlere  Länge,  Breite  und  Dicke) 
wieder  zu  gewinnen.  Schon  wegen  dieser  dem  operirenden  Chirur- 
gen so  wichtigen  Eigenschaft  der  Haut  ist  eine  genaue  Kenntniss 
der  Elasticität  und  der  Spannungsverhältnisse  derselben  nothwendig. 

Vorläufig  das  Bestehen  einer  vollkommenen  Elasticität  voraus- 
gesetzt, stehen  Spannung  und  Retractionsvermögen  in  geradem  Ver- 
hältnisse zu  einander,  und  wie  einerseits  die  Spannung  wesentlich 
die  Retraction  bedingt,  so  kann  umgekehrt  diese  benützt  werden, 
um  über  die  am  Leibe  bestehenden  Spannungsverhältnisse  der  Haut 
Aufschluss  zu  geben. 

Die  Retraction  ist  nach  Grösse  und  Richtung  sehr 
verschieden.  Auf  die  Grösse  der  Retraction  der  Wundränder 
nehmen  im  Allgemeinen  verschiedene  Umstände  Einfluss,  wie  die 
Länge  des  Schnittes  und  seine  Tiefe,  ferner  der  Umstand,  ob  die 
Haut  locker  oder  fester  an  derUnterlage  fixirtist.danndieLagerungs- 
verhältnisse  der  Glieder  und  die  Volumsverhältnisse  des  Inhaltes. 


134  Langer. 

Bei  gleicher  Tiefe  und  Lange  des  Schnittes  wird  man  an  der- 
selben Körperstelle  und  an  demselben  Individuum  noch  einen  Unter- 
schied in  der  Retractionsgrösse  der  Wundränder  beobachten,  wenn 
man  die  Richtung  des  Schnittes  beachtet.  Führt  man  z.  B.  an  einer 
in  der  Rückenlage  befindlichen  mageren  Leiche  über  die  vordere 
Seite  des  oberen  Drittheils  des  Oberschenkels  jederseits  einen  gleich 
langen  und  gleich  tiefen  Schnitt,  auf  einer  Seite  vom  Trochanter  schief 
medial  in  der  Richtung  der  Stichspalten  absteigend,  auf  der  anderen 
senkrecht  auf  die  Stichspalten,  vom  Genitale  schief  lateral  absteigend, 
so  wird  man  finden,  dass  die  Wund  lippen  des  zweiten  Schnittes  minde- 
stens noch  einmal  so  weit  abstehen,  als  die  des  ersten,  dabei  wird  man 
auch  die  Beobachtung  machen  ,  dass  bei  der  ersten  Schnittrichtung 
die  Haut  nicht  unter  dem  Messer  gefaltet  wird,  während  sie  bei  der 
schief  lateral  absteigenden  Richtung  selbst  unter  dem  schärfsten  und 
beölten  Messer  gefaltet  wird,  und  der  Schnitt  nur  unter  fortgesetzter 
Spannung  langsam  fortgeführt  werden  kann.  Dies  scheint  auf  einen 
Einfluss  der  Texturverhältnisse  hinzuweisen;  um  so  mehr, 
als  diese  Verschiedenheit  im  Masse  der  Retraction  sich  an  mehreren 
Orten  wiederholt,  obwohl  die  Differenzen  derselben  mit  Rücksicht 
auf  die  Richtung  der  Stichspalten  nicht  immer  so  gross  sind,  wie  am 
Oberschenkel;  die  vordere  Schenkelfläche  ergibt  ungefähr  ein  Maxi- 
mum dieser  Unterschiede,  die  Haut  der  Calvaria  und  des  Brustblattes 
ein  Minimum.  Geht  man  aber  genauer  in  die  Sache  ein,  so  findet 
man ,  dass  das  verschiedene  Retractionsvermögen  in  Folge  der 
zwei  Schnittführungeu  eben  so  gut  einer  ungleichförmigen 
Spannung  gewisser  Hautpartien  zugeschrieben  werden  könne, 
ja  dass  sogar  die  Texturverhältnisse  nichts  weiter  als  der  Ausdruck 
einer  ungleichförmigen  Spannung  sein  könnten,  und  gerade  das 
gegebene  auf  die  Oberschenkel  bezügliche  Beispiel  begünstigt  diese 
Annahme;  denn  dass  die  Haut  quer  auf  die  Stichreihen  weniger 
oder  gar  nicht  gespannt  ist,  sieht  man  schon  an  den  Falten,  in  welche 
die  Haut  in  dieser  Richtung  gelegt  ist,  oder  selbst  durch  das  Messer 
leicht  gelegt  werden  kann ,  während  sie  in  der  Richtung  der 
Stichreihen  viel  mehr  gespannt,  und  desshalb  spaltbar  ist.  Von 
vorne  herein  ist  es  daher  nicht  nothwendig  die  Texturverhältnisse 
zu  berücksichtigen. 

Von  der  Individualität  ganz  abgesehen ,  findet  man  auch  au 
verschie  d  enen  Körpers  t  el  len  bemerkenswerthe  Unterschiede. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  135 

So  ergibt  jeder  beliebige  Schnitt  am  Schädeldache  entweder  gar 
keine  oder  nur  eine  kleine  Entfernung  der  Wundränder,  dagegen 
wird  am  Brustblatte  gar  keine  Differenz  irn  Masse,  aber  in  jeder 
Richtung  eine  grössere  Betraction  zu  beobachten  sein.  Während 
also  im  ersten  Falle  nur  eine  unbedeutende  oder  gar  keine  Span- 
nung besteht,  ist  im  zweiten  Falle  die  Spannung  der  betreffen- 
den Hautpartie  eine  gleichmässige. 

Alle  übrigen  Umstände  also  gleich  angenommen,  wird  sich  die 
Untersuchung    über    die    Betractilität,    beziehungsweise    über    die 
Spannungsverhältnisse  der  Haut,   vor  Allem  mit   folgenden    Fragen 
beschäftigen  müssen : 
rt^  Besteht    an  einem  bestimmten   Körpertheile   über- 
haupt eine  Spannung  oder  nicht?  und 
b)  ist  die  beste hendeSpannungnach  allen  Bichtungen 
der  Fläche  eine  gleichmässige  oder  eine  ungleich- 
massige. 

Es  handelt  sich  dabei  mehr  um  dasVerhältniss,  als  um  die  abso- 
lute Grösse  der  Spannung,  welche  je  nach  Umständen  sehr  variabel  ist. 
Erst   dann,   wenn   diese   Fragen   erörtert  sind,  kann    auf  die 
Beziehungen   der  Texturverhältnisse   zu   der   Betractilität  und  auf 
den  Einfluss  der  Individualität  eingegangen  werden. 

Was  die  Causal  momente  der  Spannung  anbelangt,  so 
ergeben  sich  schon  von  vorne  herein  zwei,  nämlich:  der  Inhalt, 
welcher  den  Grad  der  Füllung  eines  Hatitsackes  bestimmt,  mögen  es 
nun  physiologische  oder  pathologische  Volumsverhältnisse  sein,  z.  B. 
Muskel  und  Fettmassen,  Wasseransammlungen,  Schwangerschaft 
u.  s.  w. ,  und  dann  die  Gelenksbewegungen;  dass  in  letzterer 
Beziehung  eine  Übereinstimmung  der  möglichen  Hautspannungen 
mit  den  Gelenkseinrichtungen  vorausgesetzt  werden  kann,  ist  ein- 
sichtlich. 

Um  bei  der  Untersuchung  der  Betractilität  von  der  Länge. 
Tiefe  und  Bichtung  des  Schnittes  möglichst  unabhängig  zu  bleiben, 
habe  ich  reguläre  Figuren  von  constanter  Grösse  und  Form  auf  die 
Haut  gezeichnet,  zuerst  ihre  Formveränderungen  bei  verschiedenen 
Einstellungen  der  Glieder  untersucht,  dann  mit  scharfen  Messernund 
Scheeren  die  Haut  in  denContouren  getrennt  und  die  so  entstandenen 
Wundöffnungen  und  die  freien  Hautkerne  ebenfalls  bei  verschiedenen 
Lügen    der  Leiche   und   ihrer  Glieder   untersucht.    Die  erste  Beihe 


136  Langer. 

der  Versuche  lässt  sich  natürlicher  Weise  auch  an  Lebenden  vor- 
nehmen, und  ist  insbesondere  dazu  sehr  verwendbar,  die  Spannungs- 
riclitungen  kennen  zu  lernen,  welche  die  Haut  durch  die  Gelenks- 
bewegungen erleidet. 

Zur  Anlage  der  Zeichnungen  wurden  Modelle  von  Holz  ver- 
wendet, und  zwar  in  der  Form  von  Kreisen  und  Quadraten,  deren 
freigelegte  Ränder  mit  Farbe  bestrichen  und  abgedruckt  wurden. 
Das  Kreismodell  hatte  einen  Durchmesser  von  30  Millimeter,  die 
Quadratmodelle  eine  Seitenlänge  von  40  Millimeter  und  25  Milli- 
meter etc.  Da  die  Quadratmodelle  der  leichteren  Übersicht  wegen 
immer  nach  bestimmten  Richtungen  orientirt  werden  mussten,  dies 
aber  mit  den  Kreismodellen  nicht  nothwendig  ist,  so  wurden  letz- 
tere viel  häufiger  angewendet.  Die  Differenzen  der  Durchmesser 
der  Wundöffnung  und  des  Hautkernes  mit  dem  Durchmesser  des 
Modelles  ergeben  ganz  eclatant  die  Grösse  und  die  Richtung  der 
Retraction,  beziehungsweise  der  Hautspannung  an. 

Wird  an  der  Leiche  die  Haut  in  den  Umrissen  der 
aufgedruckten  Figur  eingeschnitten,  so  gestaltet  sich  bei 
Anwendung  der  Kreismodelle  die  Retractionserscheinung  auf  folgende 
Weise:  Resteht  an  der  betreffenden  Hautstelle  keine  Spannung, 
so  erhält  man  eine  Kreiswunde,  deren  Durchmesser  annähernd  dem 
Durchmesser  des  Modelles  entspricht  und  vollständig  von  dem  Kerne 
ausgefüllt  wird.  R  es  teh  t  aber  eine  Spannung,  so  wird  derDurch- 
messer  der  Öffnung  grösser  und  der  Durchmesser  des  Kernes  kleiner 
;ils  die  ursprünglichen  Durchmesser  der  Zeichnung  werden;  die  Wunde 
wird  klaffend,  und  je  grösser  der  Abstand  der  Wundlippen,  nämlich 
des  Randes  der  Öffnung  und  des  Randes  des  Kernes,  desto  grösser 
die  bestandene  Spannung.  Die  Kreisform  der  Öffnung  und  des 
Kernes  kann  natürlich  nur  dann  vollständig  erhalten  werden,  wenn 
die  Spannung  allseitig  eine  gleichförmige  war.  Restand  aber 
eine  ungleichförmige  Spannung,  so  bekommen  die  Wundöffnung 
und  der  Kern  die  Gestalt  einer  Ellipse,  deren  längere  Durchmesser 
alter  so  gegen  einander  verwendet  sind,  dass  in  dem  längeren 
Durchmesser  der  Öffnung  der  kürzere  Durchmesser  des  Kernes 
eingestellt  ist.  Der  längere  Durchmesser  der  Öffnung  und  der  kürzere 
des  Kernes  zeigen  die  Richtung  der  bestandenen  Spannung  an. 
ersterer  wird  immer  länger,  letzterer  immer  kürzer  als  der  Durch- 
messer i\cs  Kreismodelles  sein. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  j  3  i 

Je  grösser  die  Differenz  der  Durchmesser  der  Ellipse,  sowohl 
der  Öffnung  als  auch  des  Kernes,  desto  ungleichförmiger  die  Span- 
nung. Hier  kann  der  Fall  eintreten,  dass  bei  sehr  langen  Ellipsen 
der  kürzere  Durchmesser  der  Öffnung  gleich  bleibt  oder  sogar  kleiner 
wird,  als  der  Durchmesser  des  Modelles,  wenn  nämlich  die  Span- 
nung nur  einseitig  ist,  also  rechtwinkelig  auf  diese  Richtung  die 
Spannung  =  0,  oder  sogar  negativ  ist,  in  welchem  Falle  die  Haut 
in  dieser  Richtung  gefaltet  ist.  In  diesem  Falle  kann  es  auch  gesche- 
hen, dass  der  längere  Durchmesser  des  Kernes,  welcher  senkrecht  auf 
die  Spannungsrichtung  gestellt  ist,  wenn  der  Kern  ganz  heraus- 
geschnitten, und  auf  eine  Glastafel  gelegt  wird,  grösser  ist,  als  der 
Durchmesser  des  Modelles.  Dies  ist  bei  starker  Abmagerung  bei- 
nahe immer  an  der  vorderen  Seite  des  Oberschenkels  der  Fall. 

Es  ist  selbstverständlich,  dass  während  dieser  Versuche  an 
allen  jenen  Stellen,  wo  die  Gelenkslage  auf  die  Hautspannung  Ein- 
fluss  nimmt,  diese  berücksichtigt  und  während  des  Versuches  fest- 
gehalten werden  muss ,  denn  sonst  würden  mit  der  veränderten 
Spannung  ganz  andere  Resultate  erzielt  werden.  Wird  z.  R.  an  der 
Reugeseite  des  Ellbogengelenkes  in  der  Reugelage  desselben  ein 
Kreis  gezeichnet,  so  wird,  weil  die  Haut  in  der  Excursionsrichtung 
erschlafft  ist,  die  Retraction  in  querer  Richtung  vor  sich  gehen, 
der  längere  Durchmesser  des  Kernes  wird  die  Richtung  von 
oben  nach  unten  haben,  und  er  wird  diese  Form  selbst  dann 
bekommen,  wenn  man  früher  durch  Streckung  des  Gelenkes  den  in 
der  Reugestellung  aufgedrückten  Kreis  in  eine  Ellipse  ausgedehnt 
und  dann  erst  den  Kern  heraus  geschnitten  hat;  und  indem  die 
Öffnung  im  Sinne  der  Streckung  von  oben  nach  unten  verlängert 
wurde,  wird  der  ovale  Hautkern  mit  seinem  längeren  Durchmesser 
in  der  längeren  Axe  der  Ellipse  der  Öffnung  eingestellt  sein. 

Durch  verschiedene  Combinationen  der  Gelenksstellungen,  und 
wenn  man  den  Kreis  bald  in  dieser  bald  in  jener  Stellung  zeichnet 
und  ausschneidet,  kann  man  die  verschiedensten  Formen  von  Wund- 
öffnungen und  Kernen  erhalten.  An  Gelenken  mit  mehreren  Excursions- 
richtungen  kann  man  durch  allseitige  gleichförmige  Spannung  auch 
runde  Öffnungen  und  runde  Kerne  erzeugen,  z.  R.  im  Schenkelbuge, 
wenn  man  dem  Gelenke  die  Mittellage  gibt.  Natürlicher  Weise  wird 
die  runde  Öffnung  allsogleich  elliptisch,  wenn  der  Schenkel  darauf 
wieder  in  die  Strecklage  gebracht  wird. 


138  Langer. 

Das  Schrumpfen  des  Hautkernes,  wenn  er  von  dem  subcutanen 
Gewebe  hinreichend  abgelöst  wird,  zeigt  die  ganze  Grösse  der  Retrac- 
tionsfähigkeit  an.  Die  Erweiterung  der  Öffnung  dagegen  bleibt  immer 
hinter  dem  Masse  der  wahren  Retractionsfähigkeit  zurück,  indem  sich 
die  Haut  nie  um  eine  geschlossene  Öffnung  so  weit  zurückzuziehen 
im  Stande  ist,  wie  ein  vollständig  freier  Lappen.  So  erhielt  ich  am 
Sternum  nur  einen  Durchmesser  der  Öffnung  von  33  Millim.,  während 
der  Kern  bis  auf  19  Millim.  schrumpfte.  Die  Retractionsgrösse  der 
Öffnung  betrug  daher  nur  3  Millim.,  die  des  Kernes  aber  11  Millim. 
Aus  der  Gestaltung  der  Öffnung  kann  daher  nur  auf  die 
Richtung,  nicht  auf  die  volle  Grösse  der  R  et  r  actio  n  ein 
Schluss  gezogen  werden.  Übrigens  ist  es  bei  diesen  Versuchen  vor 
Allem  wichtig,  die  Richtung  der  Retraction  beziehungsweise  der 
Spannung  zu  wissen. 

Es  versteht  sich  von  selbst,  dass  die  Öffnungen,  wenn  mehrere 
gemacht  werden,  in  grösserem  Abstände  von  einander  angelegt  sein 
müssen.  Wurden  nahe  liegende  Theile  untersucht,  so  sind  alter- 
nirend  die  Öffnungen  auf  der  andern  Seite  angebracht  worden. 

Wenn  der  Operateur  diese  Verhältnisse  berücksichtigt,  sie 
gelegentlich  durch  willkürlich  angebrachte  Spannungen  regulirt,  so 
kann  er  sich  für  bestimmte  Lagen  der  Glieder  stellenweise  ganz 
bestimmte  Wundformen  erzeugen,  und  wenn  es  ihm  für  den  Verlauf 
des  Heilungsprocesses  dienlich  scheint,  durch  Veränderung  der 
Lage  der  Glieder  bald  die  Wundränder  von  einander  entfernen,  bald 
einander  nähern,  er  kann  die  Umrandung  eines  zu  bildenden  Haut- 
lappens  auf  die  verschiedenste  Weise  gestalten,  überhaupt  die  Rich- 
tung der  Retraction  eines  Hautlappens  auf  das  Genaueste  von  vorne 
herein  bestimmen,  wenn  er  sich  früher  über  die  Spannungsrichtiing 
genauer  unterrichtet  hat. 

Die  eben  besprochenen  Retractionserscheinungen  sind  durch 
beide  ursächliche  Momente  der  Spannung  bedingt,  nämlich  sowohl 
durch  den  Inhalt  als  auch  durch  die  Lagerung  der  Glieder.  Um  die 
Veränderungen  der  Spannungsverhältnisse  kennen  zu 
lernen,  wie  sie  durch  die  Gelenkbewegungen  allein  zu 
Slande  gebracht  werden,  habe  ich  die  Kreisfiguren  oder  geraden 
Linien  im  Umfange  der  Gelenke  bei  bestimmten  Einstellungen  der- 
selben mehrfach  aufgetragen,  darnach  bestimmte  Gelenksexcursionen 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  139 

ausgeführt,  ohne  jedoch  die  Haut  einzuschneiden.  Diese  Versuche 
wurden  an  der  Leiche  und  am  Lebenden  vorgenommen. 

Es  handelt  sich  dabei  vorzüglich  um  zwei  Dinge,  nämlich  in 
welcher  Richtung  wird  die  Haut  an  einer  bestimmten  Stelle 
gespannt,  und  bis  zu  welcher  Entfernung  von  dem  Gelenke 
macht  sich  die  Spannung  bemerkbar. 

Gerade  Linien  werden  durch  Spannung  verlängert,  durch 
Erschlaffung  verkürzt,  und  wenn  sie  in  den  Excursionswinkel  des 
Gelenkes  fallen,  gebrochen;  Kreise  bekommen  durch  Spannung  und 
Erschlaffung  ellipsoidale  Formen,  welche  aber  bald  regelmässig, 
bald  unregelmässig  ausfallen;  selbst  die  Kreisform  kann  erhalten 
bleiben. 

Im  Allgemeinen  gestalten  sich  die  Verhältnisse  auf  folgende 
Weise:  An  dem  Ginglymus-Ge  lenke  des  Ellbogens  und  Kniees 
sieht  man: 

a)  dass  die  Dehnung  oder  Erschlaffung,  welche  die  Haut 
erleidet,  in  der  unmittelbaren  Nähe  des  Gelenkes 
am  grössten  ist,  weiter  nach  oben  und  unten  allmählich  ab- 
nimmt und  gegen  die  Mitte  der  Extremitätsglieder  nicht  mehr 
deutlich  nachweisbar  ist.  Man  ziehe  z.  B.  über  die  Streckseite 
des  Kniegelenkes  eine  gerade  Linie,  theile  sie  in  mehrere 
gleiche  Abschnitte,  so  wird  man  linden,  dass  durch  die  Beugung 
die  einzelnen  Abschnitte  sehr  ungleich  verlängert  werden.  Kreise 
welche  in  der  Kniekehle  und  zwar  während  der  Beugelage 
gezeichnet  werden,  verwandeln  sich  während  der  Streckung  in 
Ellipsen,  allein  die  dem  Gelenke  zunächst  liegenden  bekommen 
einen  der  Knickungsfalte  zugekehrten  spitzigen  Pol,  weiter 
entfernte  Kreise  werden  zu  regelmässigen  Ellipsen,  und  die 
ungefähr  in  der  Mitte  des  Oberschenkels  und  Unterschenkels 
liegenden  Kreise  bleiben  annähernd  ungeändert. 

b)  Während  beugewärts  ober  und  unter  der  Knickungsfalte  die  Haut 
bei  der  Streckung  annähernd  gleich  weit  weg  gespannt  wird, 
reicht  streckwärts,  vom  Oberarm  und  der  Patella  an  gerechnet, 
die  Beugespannung  weiter  auf  den  Oberarm  und  Oberschenkel 
herauf,  als  auf  den  Unterarm  und  Unterschenkel  herab. 

Es  scheint  diese  Ungleichförmigkeit  aber  nur  von  dem 
ungleichen  Abstände  der  Drehungsaxe  von  dem  bezeichneten 
oberflächlichen  Gliederungspunkte  abzuhängen. 


140  Langer. 

c)  An  den  Seiten  des  Gelenkes,  entsprechend  den  Ansätzen 
der  Lateralbänder,  ist  die  Spannung  eine  mehr  gleich- 
förmige, indem  sich  der  aufgedrückte  Kreis,  sowohl  bei  der 
Streck-  als  Beugebewegung  nur  wenig  verändert. 

d)  In  der  Mitte  der  Streck-  und  ßeugeseite  ist  die  Span- 
nungsrichtung  natürlicher  Weise  senkrecht  auf  die  Drehungs- 
axe  des  Gelenkes  gestellt ,  gegen  die  Seiten  des  Gelenkes 
wird  die  Haut  schief  zur  Beuge-  oder  Streckseite  gedehnt,  und 
zwar  vom  Oberarm  nach  unten,  vom  Vorderarm  nach  oben  heran- 
gezogen. Die  längeren  Axen  der  Dehnungsellipsen  bekommen 
eine  Schieflage. 

Quadratische  Figuren  werden,  je  nachdem  sie  orientirt  sind,  zu 
Bechtecken  oder  zu  Bhomben. 

Man  sieht,  dass  die  Hauthülle  der  Gelenke  im  Wesentlichen 
die  Beziehungen  der  Gelenkskapseln  zu  dem  Gelenksmechanismus 
wiederholt.  Es  braucht  nicht  besonders  hervorgehoben  zu  werden, 
dass  die  besprochenen  Verhältnisse  auch  durch  den  Mechanismus 
der  nachbarlichen  Gelenke  modificirt  werden  können,  dass  das  An- 
schwellen der  Muskelbäuche  und  das  Abheben  der  Muskelstränge 
von  dem  Knochen  noch  berücksichtigt  werden  müsse,  und  dass 
mutatis  mutandis  dieselben  Verhältnisse  auch  auf  die  Verkürzung 
der  Haut  Bezug  haben. 

Complicirter  gestalten  sich  schon  die  Verhältnisse,  wenn  zu 
einem  Ginglymus-Gelenke  noch  ein  Botationsvermögen  hinzutritt;  es 
werden  dadurch  z.  B.  am  Ellbogengelenke  die  längeren  Axen  der 
Dehnungsellipsen  schief  in  der  Richtung  der  rotatorischen  Excursion 
eingestellt. 

Auch  in  der  Umgebung  der  Arthrodien  kann  man,  je  nach  der 
Excursion,  Stellen  finden,  welche  kaum  oder  gar  nicht  gespannt  wer- 
den, nämlich  an  den  Stellen,  welche  den  Endpunkten  der  momentanen 
Drehungsaxe  entsprechen;  so  bleibt  z.  B.  am  Trochanter,  wenn  das 
Bein  nach  vor-  und  rückwärts  pendelt,  der  Kreis  meist  ungeändert. 
erst  bei  einer  Adductionsbewegung  wird  er  gedehnt.  Die  Spannungs- 
richtungen an  derHaut  ändern  sich  natürlicher WTeisemit  derRichtung 
der  Excursion.  Schulter  und  Hüfte  unterscheiden  sich  in  mehreren 
Funkten  von  einander. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  f  4  I 

Nebst  der  Spannungsrichtung  ist  rücksichtlich  der  Gelenke  der 
Bereich  bemerkenswert ,  innerhalb  dessen  sich  die  Gelenks- 
bewegungen bemerkbar  machen. 

Diese  Untersuch ungsmethode  dürfte  sich  vielleicht  auch  pro 
praxi  verwendbar  erweisen,  wenn  man  sich  für  bestimmte  Lagerungs- 
verhältnisse von  vorne  herein  über  die  zu  erwartenden  Betractilitäts- 
Verhältnisse  unterrichten  will,  natürlich  nur  so  weit  als  sie  eben  durch 
die  Lagerung  der  Theile  bedingt  ist.  Man  gebe  nämlich  dem  Gliede 
zunächst  eine  jener  Lagerung,  für  welche  die  Spannung  ermittelt 
werden  soll,  entgegengesetzte  Lage,  zeichne  zuerst  in  dem  zu  unter- 
suchenden Bezirke  mehrere  Kreise,  und  bringe  darauf  das  Glied  in 
die  bestimmten  Lagerungsverhältnisse.  Die  längeren  Axen  der  Ellipsen 
werden  die  Dehnungsrichtung  der  Haut  anzeigen.  Controlirt  man 
dann  diese  Ergebnisse  noch  an  der  Leiche,  indem  man  zunächst  die 
Kreisformen  ausschneidet  und  dann  beliebige,  etwa  einer  bestimmten 
Operation  entsprechende  Schnitte  anbringt,  so  kann  man  mit  grosser 
Genauigkeit  die  zu  erwartenden  Betractionserscheinungen  ersehen,  so 
weit  sie  von  physiologischen  Verhältnissen  abhängig  sind. 

Die  durch  den  Inhalt  veranlassten  Veränderungen  der 
Spannung  wurden  auf  dieselbe  Weise  untersucht.  Volumsver- 
änderungen wurden  meist  mit  Wasserinjectionen  erzeugt.  Die 
Spannung  der  Bauchhaut  wurde  an  Schwangeren  kurz  vor  und  nach 
der  Entbindung  untersucht. 

Da  es  nicht  nothwendig  ist  in  alte  Details  einzugehen,  so 
sollen  in  der  folgenden  topographisch  geordneten  Ausein- 
andersetzung der  Spannungszustände  nur  die  Grund- 
verhältnisse hervorgehoben  werden. 

Am  Kopfe  bleiben  am  Scheitel,  an  der  Stirn  und  oberen  Hinter- 
hauptgegend,  so  weit  die  Calvaria  frei  liegt,  die  Öffnungen  und  selbst 
die  ganz  herausgeschnittenen  Kerne  grösstenteils  in  der  Form  und 
im  Durchmesser  ungeändert.  Die  Spannung  ist  daher  an  der  Leiche 
nahezu  =  0.  Verschiebungen  der  Kopfhaut  am  Lebenden  bringen 
am  Scheitel  nur  unbedeutende  Veränderungen  im  Umfange  der  Kreis- 
zeichnungen hervor.  Verschiebungen  der  Stirnhaut  können  die  Kreise 
an  der  Stirn  falten  aber  nur  unbedeutend  verlängern. 

Im  Umkreise  der  Schädelbasis  werden  die  Öffnungen  und  Kerne 
bereits  etwas  oval;  am  Masseter  und  am  Triangularis  menti  bei 
offenem  Munde  verziehen  sich  die  Kreise  nur  unbedeutend,  und  -zwar 


142  Langer. 

in  der  Richtung  der  Stichspalten;  Aufblähen  des  Mundes  erweitert 
etwas  den  auf  der  Backe  abgedrückten  Kreis,  und  zwar  gleichförmig; 
fester  Augenliedschluss  zieht  die  Haut,  in  Falten  gelegt,  aus  der  Um- 
gebung der  Orbita  heran,  spitzt  die  daselbst  angebrachten  Kreise  zu. 
Einschnitte  zwischen  Orbita  und  Nasenflügel  in  der  Richtung  des 
Sulcus  nasolabialis  klaffen  etwas  weniger,  als  gleichlange  die  senk- 
recht auf  die  Stichreihen  fallen.  Herausgeschnittene  Kerne  der 
Masseter-  und  Unterkiefergegend  retrahiren  sich  nur  wenig  (26  bis 
25  Millim.).  Die  Gesichtshaut  ist  daher  im  Allgemeinen  ursprünglich 
weniger  gespannt  als  die  Haut  an  den  meisten  anderen  Körper- 
stellen. 

Am  Halse  geht  bei  symmetrischer  Lagerung  der  Leiche,  wenn 
der  Kopf  nicht  zurückgebeugt  ist,  die  Retraction  in  der  Richtung  der 
Stichspalten  vor  sich,  sie  wird  aber  durch  die  Bewegungen  des  Unter- 
kiefers, des  Schultergürtels  und  der  rotatorischen  Excursionen  des 
Kopfes  modificirt;  schon  um  diesen  allseitig  ausgreifenden,  und  in 
grösserem  Umfange  ausführbaren  Bewegungen  Raum  zu  geben,  ist  die 
Haut  namentlich  in  der  oberen  Hälfte  ziemlich  schlaff  um  den  Inhalt 
herumgelegt;  selbst  in  der  unteren  Hälfte  des  Halses  eines  mageren 
Individuums  betrug  der  kürzere  Durchmesser  des  Kernes  nicht  weniger 
als  24  Millim. 

An  der  Brust  und  am  Bauche  hat  sowohl  der  Inhalt  als  auch 
die  Beweglichkeit  einen  bedeutenden  Einfluss  auf  die  Spannung  der 
Haut.  Die  Respirationsbewegungen  modificiren  sie  grösstentheils 
nur  durch  Änderung  des  Inhaltes;  directe  Spannungen  aber  bedingen 
die  Bewegungen  des  Rumpfes  und  die  Excursionen  des  Schulter-  und 
Hüftgelenkes.  Der  Spannungsbezirk  des  Schultergelenkes  reicht 
ungefähr  bis  an  eine  Linie,  welche  inner  der  Mamilla  nach  oben 
zum  Sternal-Drittheile  der  Clavicula,  nach  unten  zur  Spitze  der 
letzten  Rippe  geht. 

Streckung  des  Hüftgelenkes  spannt  noch  die  Haut  in  der  unteren 
Bauchgegend.  Die  Haut  wird  in  Radien  gespannt,  welche  zu  dem 
Gelenke  als  Centrum  laufen.  Erheben  des  Armes  spannt  die  Haut 
unter  der  Achsel  von  unten  nach  oben,  Abduction  der  Arme  und 
Rückstauung  der  Schulter  spannt  sie  am  Pectoralis  in  querer 
Richtung  nach  aussen. 

Wichtiger  als  diese,  auch  von  vorne  herein  bestimmbaren  Span- 
nungsverhältnisse, sind  die,  welche  von  dem  Volumen  abhängig  sind. 


Zur  Anatomie  und   Physiologie  der  Haut. 


143 


Diesewurden  zunächstander  Leichebei  symmetrischer  Lagerung  der- 
selben und  bei  gestreckten  und  angezogenen  Extremitäten  untersucht. 
Die  Öffnungen  waren  längs  des  ganzen  Sternum  erweitert, 
blieben  aber  kreisrund  ebenso  auch  die  Kerne.  In  einiger  Entfernung 
vom  Sternum  wurden  Öffnungen  und  Kerne  oval,  und  zwar  sind 
erstere  mit  ihrer  längeren  Axe  in  der  Richtung  der  Rippen  über- 
einstimmend mit  den  Spaltenreihen  gelagert.  In  der  Axillarlinie  ist 
die  oblonge  Form  der  Öffnung  und  des  Kernes  am  deutlichsten. 

An  einer  Leiche  fand  ich  in  Millimeter: 


Den  längeren  Durchmesser 
„    kürzeren         „ 

am  Sternum 

3  Rippenknorpel 

unter  de 

r  Achsel 

Öffnung-   1      Kern 

Öffnung- 

Kern 

Öffnung 

Kern 

32 
32 

22 
22 

35 
32 

24 
21 

40 
30 

25 

18 

Unter  der  Clavicula  waren  Öffnungen  und  Kerne  oblong,  die 
längeren  Durchmesser  der  ersteren  gingen  mit  den  Spaltreihen, 
dasselbe  war  auch  an  der  inneren  Hälfte  des  Pectoralis  der  Fall.  An 
der  äusseren  Partie  dieses  Muskels  näher  seinem  unteren  Rande  ist 
eine  Stelle,  welche  je  nach  der  Lagerung  der  Extremität  eine  sehr 
variable  Retraction  zeigt.  In  der  Mittellage  des  Schultergelenkes 
gelingt  es  runde  erweiterte  Öffnungen  zu  erzeugen,  bei  stark 
abducirtem  und  über  die  Rrust  gelegtem  Arm  erhält  man  senkrecht 
stehende  Ellipsen,  bei  abducirtem  Arm  schief  lateral  und  nach  oben 
gerichtete  Ovale. 

Kreise,  welche  beim  Lebenden  während  der  Exspiration  etwas 
unter  der  Achselgrube  vor  dem  herabhängenden  Arm  aufgedrückt 
werden,  bekommen  während  einer  tiefen  Inspiration  eine  oblonge,  in 
der  Richtung  der  Rippen  liegende  Figur,  in  Folge  der  Zunahme  des 
Umfanges  des  Thorax;  doch  wird  der  Einfluss  der  Respiration  schon 
durch  geringe  Bewegungen  des  Armes  bedeutend  modificirt. 

Diese  Versuche  ergeben,  dass  die  Haut  an  der  Brust, 
namentlich  soweit  sie  dem  Skelete  nahe  aufliegt,  straff  gespannt 
ist,  dass  die  Spannung  in  der  Mitte  (am  Sternum)  gleichförmiger 
ist,  an  den  Seiten  aber,  wo  sie  in  den  Bereich  der  Gelenks- 
spannungen fällt,  ursprünglich  schon  ungleichförmig,  und 
zwar  stärker  in  der  Richtung  der  Spaltenreihen  gespannt  ist. 


144  Langer. 

Am  Bauche  bekömmt  man  insbesondere  in  der  oberen  Hälfte, 
und  zwar  im  Bereiche  des  Bectus  bei  verschiedenen  Leichen  ver- 
schiedene Besultate,  auch  sind  die  Öffnungen  und  Kerne  in  der 
Mittellinie  besonders  näher  dem  Sternum  in  der  Begel  kreisrund ; 
weiter  lateral  bekömmt  man  Ovale,  deren  längere  Axen  bald  schief 
medial,  bald  schief  lateral  absteigen.  In  der  seitlichen  unteren  Bauch- 
gegend und  in  der  Leistengegend  fand  ich  constant  (bei  Männern 
mit  nicht  aufgetriebenem  Bauche)  die  Ovale  mit  schief  medial  ab- 
steigendem längeren  Durchmesser. 

Unter  dem  Nabel  werden  auch  in  der  Mittellinie  die  Kreise  oval, 
und  zwar  quer  verlängert. 

Tiefe  Inspirationen  verlängern  oben  die  Kreise  etwas  in  senk- 
rechter Bichtung,  Aufblähen  des  Bauches  zieht  die  Kreise  in  der 
mittleren  Bauchgegend  in  die  Quere,  Streckung  des  Hüftgelenkes 
verlängert  die  in  der  Beugelage  ober  dem  Poupart'schen  Bande  ge- 
zeichneten Kreise  der  unteren  Bauchgegend  nach  unten. 

Diese  Versuche  zeigen  ebenfalls,  dass  von  grösseren  Volums- 
veränderungen und  den  Bewegungen  der  Hüfte  abgesehen,  auch  in 
der  Bauchgegend  median  und  ober  dem  Nabel  die  Haut  mehr 
gleichförmig,  an  den  Seiten  und  unten  der  Excursions- 
fähigkeit  der  Wirbelsäule  entsprechend  ungleichförmig  u.  z. 
schief  zur  Mitte  mit  den  Spaltreihen  absteigend  stärker  gespannt  ist. 

Die  Spannungsverhältnisse  der  Bauchhaut  bei  grosser  Vo- 
lumszunahme des  Unterleibes  wurden  bei  Schwangeren  unter- 
sucht; es  wurden  auf  den  ausgedehnten  Unterleib  in  verschiedenen 
Gruppen  Kreise  gezeichnet,  und  deren  Betraction  einige  Zeit  nach  der 
Entbindung  gemessen.  Ich  fand  dann  die  Kreise  in  der  Umgebung  des 
Nabels  kaum  in  der  Form  nur  im  Durchmesser  verändert,  welcher 
sich  bis  auf  22Millim.  verkürzte.  Die  Kreise  in  der  Höhe  des  Nabels 
lateral  vom  Bectus  sind  dagegen  auch  oval  geworden,  ihr  längerer 
Durchmesser  stand  mehr  senkrecht  und  hat  nur  wenig  verloren,  da- 
gegen war  der  quer  gelegte  kürzere  Durchmesser  bis  auf  24  Millim. 
verkürzt. 

In  der  Linie  vom  Nabel  zum  oberen  Darmbeindorn  standen 
die  längeren  Durchmesser  der  oval  gewordenen  Kreismarken  schief 
zur  Mitte  absteigend,  der  kürzere  auf  den  Nabel  zielende  Durch- 
messer hatte  ungefähr  24  Millim.  Die  kürzeren  Durchmesser  zeigten 
die  Bichtung  der  post  partum  erfolgten  Betraction,  also  die  Bichtung 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Maut.  J  4-.) 

der  ante  partum  bestandenen  Spannung  an.  Diese  war  also  in  der 
mittleren  Bauchgegend  mehr  gleichförmig  und  in  grösserem  Abstände 
vom  Nabel  mehr  ungleichförmig,  und  zwar  in  den  auf  den  Nabel 
zielenden  Radien  grosser;  die  grösste  Spannung  bestand  in  der 
nächsten  Nähe  des  Nabels  und  in  der  oberen  Leistengegend.  In  der 
letzteren  bilden  sich  auch  bekanntlich  die  linearen  Hautnarben, 
welche  senkrecht  auf  die  bestandene  Spannungsrichtung  gelagert 
sind. 

An  der  Rücken seite  des  Rumpfes  nehmen,  wenn  die 
Leiche  symmetrisch  gelagert,  die  Arme  angezogen  und  die  Schultern 
gestützt  sind,  die  Öffnungen  eine  oblonge  Gestalt  an,  deren  längere 
Durchmesser  im  Nacken  und  in  der  Brustgegend  mit  den  Spaltreihen 
schief  lateral  absteigen  und  in  der  Lendengegend  mehr  quer  gestellt 
sind;  nur  an  der  Seite  des  ersten  Brusldornes  behält  die  Öffnung 
ihre  runde  Form  bei.  Dasselbe  gilt  auch  für  die  Mittellinie  und  ihre 
nächste  Umgebung  im  Bereiche  des  Torax;  in  der  Lendengegend 
nehmen  sie  aber  wieder  eine  querovale  Form  an. 

Die  Lage  der  Schultern  übt  einen  wesentlichen  Einfluss  auf  die 
Retraction  aus;  schon  dann,  wenn  die  Schulter  nicht  gestützt  ist  und 
auf  der  Tischplatte  aufliegt,  verziehen  sich  die  Ovale  der  oberen 
Brustgegend  gerne  nach  oben.  Der  Spannungsbezirk  des  Schulter- 
gürtels und  des  Schultergelenkes  reicht  bis  in  die  obere  Lenden- 
gegend. Im  Allgemeinen  kann  man  also  sagen,  dass  von  den  Bewe- 
gungsspannungen abgesehen,  auch  im  Bereiche  der  Brustdorne 
die  Haut  mehr  gleichförmig,  weiter  gegen  die  Seiten  aber 
ungleichförmig  über  den  Rumpf  gespannt  ist. 

An  den  Extremitäten  sind  beinahe  durchgehends  u  ngleich- 
förmige  Spannungen  nachzuweisen,  es  hängt  dies  von  den 
Einstellungsweisen  der  Gelenke  ab.  In  der  Strecklage  des  Beines 
findet  m;m  öfter  über  der  Mitte  der  hinteren  Fläche  des  Oberschen- 
kels häufig  auch  au  der  Streckseite  des  Vorderarmes  eine  Stelle,  an 
welcher  die  Kreise  nicht  in  Ellipsen  gezogen  werden,  also  eine  mehr 
gleichförmige  Spannung.  Eine  geringe  und  mehr  gleichförmige 
Spannung  findet  man  auch  an  sehr  abgemagerten  Leichen  in  der 
unteren  Gesässgegend  während  der  Strecklage  des  Beines.  Annä- 
hernd kreisrund  bleiben  die  Öffnungen  auch  hinter  den  Knöcheln, 
wenn  das  Sprunggelenk  in  der  Mitte  seiner  Excursionsfähigkeit  ein- 
gestellt wird. 

Sitzb.  «I.  matliem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Ahth. 


|46  Langer. 

In  der  Hohlhand  und  an  der  Fusssohle  behalten  aber  die  Kreise 
nicht  nur  ihre  Form,  sondern  auch  ihren  Durchmesser  bei;  selbst  der 
ganz  frei  gelegte  und  herauspräparirte  Hautkern  lässt  keine  bemer- 
kenswerthe  Schrumpfung  nachweisen.  Hier  ist  also  ebenfalls  wieder 
wie  an  der  Calvaria  die  Spannung  der  Haut  gleich  Null. 

Bei  der  Normalstellung  der  Extremitäten  in  Streckung  und  Ad- 
duction,  ist  die  grössere  Spannung  in  der  Längsrichtung  der  Ex- 
tremität nachweisbar,  selbst  an  der  Seite  des  Deltoides  und  an  der 
Streckfläche  des  Oberarmes.  Die  längeren  Durchmesser  der  Ellipsen 
sind  in  der  Regel,  namentlich  aber  an  der  unteren  Extremität  in  der 
Richtung  der  Stichspalten  gelagert,  Deltoides  und  Oberarmgegend 
machen  in  der  Adductionslage  des  Armes  eine  Ausnahme.  In  der 
Adductionslage  werden  die  Kreise  mehr  quer  oder  schief,  nämlich 
in  der  Richtung  der  Stichspalten  verlängert.  Das  Vorkommen  von 
erweiterten  Kreisen  im  Leistenbuge,  während  der  Mittellage  des 
Hüftgelenkes,  wurde  bereits  erwähnt. 

Um  die  durch  vermehrten  Inhalt  bedingten  Spannungs- 
verhältnisse der  Haut  an  den  Extremitäten  kennen  zu  lernen,  erzeugte 
ich  durch  Injection  von  Wasser  in  das  subcutane  Gewebe  ein  Ödem 
und  fand,  dass  die  früher  markirten  Kreise  am  Unter-  und  Ober- 
schenkel eine  querovale  Form  bekamen.  Während  sich  der  quere 
länger  gewordene  Durchmesser  an  der  Wade  bis  auf  37  Millim. 
vergrösserte ,  blieb  der  kürzere  Durchmesser  ungeändert;  stellen- 
weise wurde  er  aber  sogar  kleiner.  Die  Haut  wurde  also  an  dieser 
Stelle  in  der  Längsrichtung  herbeigezogen,  um  den  in  der  Quer- 
richtung vergrösserten  Umfang  der  Wade  zu  decken.  Die  dadurch 
hervorgerufene  Spannung  in  die  Länge  machte  sich  erst  in  der  Knie- 
kehle bemerkbar;  wo  die  Kreise  allseitig  erweitert  wurden,  jedoch 
mit  grösserem  Wachsthum  des  queren  Durchmessers,  dessen  Länge 
aber  nicht  37  Millim.  erreichte.  Eine  ebenfalls  mehr  gleich- 
förmigere Spannung  war  am  Fussrücken  und  an  der  hinteren  Ober- 
schenkelfläche  ober  der  Mitte  derselben  bemerkbar. 

Um  die  Retractionsfähigkeit  der  Lappen  verschiedener 
Hautpartien,  namentlich  mit  Bezug  auf  die  Anordnung  des 
Gewehes  kennen  zu  lernen,  habe  ich  am  Leibe  Riemchen  von 
bestimmter  Länge  und  Breite,  und  zwar  25  Millim.  lang  und  10  Millim. 
breit,  an  einer  Seite  in  der  Richtung  der  Stichreihen,  an  der 
andern  Seite  senkrecht  auf  sie  abgesteckt,  dann  herausgeschnitten, 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  147 

und  auf  einer  befeuchteten  Glastafel  neuerdings  gemessen.  Ich 
fand  in  Übereinstimmung  mit  den  früher  gewonnenen  Erfahrungen, 
dass  sich  die  Riemchen  vom  behaarten  Kopfe,  von  der 
Stirn,  der  Ho  hl  band  gar  nicht  oder  nur  wenig  ver- 
kürzten, dass  die  Di  ff  e  r  e  n  z  e  n  d  e  r  V  e  r  k  ü  r  z  u  n  g  d  e  r  L  ä  n  g  s- 
und  Quer  riemchen  stellenweise  gleich  Null  oder  nur 
unbedeutend  waren,  z.  B.  an  der  mittleren  Brust-  und  Bücken- 
gegend in  den  Zahlen  19  — 19,  19 — 20,  duss  sich  dagegen  an  den 
Extremitäten,  an  den  Seiten  des  Bumpfes  (bei  adducirten  Extremi- 
täten), also  an  Stellen,  wo  eine  scharf  ausführbare  Spaltbarkeit  beob- 
achtet wird,  bei  variabler  Differenz  das  Längsriemchen  stets 
mehr  verkürzt,  als  das  Qu  er  riemchen.  Ich  bekam  z.  B.  für 
die  vordere  Fläche  des  Oberschenkels  die  Zahlen  17 — 2  4,  aber 
auch  20 — 23;  für  die  Lendengegend  die  Zahlen  20—22-5  und 
20—24. 

Bestand  irgendwo  eine  durch  die  Gelenkslagen  hervorgerufene 
nicht  in  die  Spaltungsrichtung  fallende  Spannung,  so  erfuhren  die 
Querriemchen  gelegentlich  eine  grössere  Verkürzung  als  die  Längs- 
riemchen. Ist  z.  B.  der  Arm  bei  der  Bückenlage  nicht  adducirt  und 
die  Schulter  nicht  gestützt,  so  wird  das  längs  des  Bandes  des  Pec- 
toralis  magnus  herausgeschnittene  Riemchen  stets  kürzer  werden, 
als  das  senkrecht  auf  ihn  gerichtete,  obwohl  das  letztere  nach  den 
Stichreihen  orientirt  ist.  Am  Rücken  längs  des  Spinalrandes  der 
Scapula  fällt  die  grössere  Verkürzung  nur  dann  in  die  Richtung  der 
Stichreihen,  wenn  die  Schulter  während  der  Bauchlage  der  Leiche 
nicht  auf  der  Tischplatte  ruht,  sondern  gestützt  wird,  hängt  aber 
die  Schulter  herab,  so  fällt  die  grössere  Retractilität  in  die  Richtung 
der  unteren  Fasern  des  Trapezius. 

Diese  Hautpartie  ist  nun  zunächst  geeignet,  die  wahren  Be- 
ziehungen der  Retractilität  und  derSpannung  zu  der 
Textur  undSpaltbarkeit  desHautgewebeszu  erläutern. 

Aus  den  bisher  gemachten  Angaben  ist  nämlich  ersichtlich, 
dass  für  die  aufrechte  symmetrische  Attitüde  an  allen  Körperstellen, 
wo  überhaupt  Spannung  besteht  und  insbesondere  da,  wo  sie  ungleich- 
förmig ist,  die  grössere  R  etraction  stets  in  der  Richtung 
der  Stichspaltung  stattfindet.  Andererseits  zeigt  es  sich  aber, 
dass,  wenn  die  Spannung,  sei  es  durch  den  Inhalt,  sei  es  durch 
Gelenksbewegnngen,  verändert  wird,  die  grössere  Retraction 

ii  * 


148  Langer. 

auch  ganz  ohne  Beziehung  zur  Gewebs Spaltung  vor  sich 
gehen  könne.  Es  müssen  daher  jene  Hautpartien  vorzüglich  in's 
Auge  gefasst  werden,  welche  eine  unbestimmte  Spaltbar  keit 
und  eine  veränderliche  Retraetion  zeigen.  Dies  ist  zunächst 
an  jeder  Leiche  in  der  oberen  Rückengegend  der  Fall. 

Bei  Gelegenheit  der  Besprechung  der   Spaltbarkeit  der  Cutis 
bemerkte  ich,  dass  die  an  der  Leiche  constante  Spaltbarkeit  eines 
Hautstückes  verändert  werden   könne,  wenn  das  Hautstück  heraus- 
geschnitten und  mit  Zangen  in  andere  Richtungen  gespannt  wird. 
An  dünnen  Hautstellen  ist  es  mir  schon  an   der  Leiche  gelungen, 
durch  veränderte  Spannung    die  Spaltrichtung   zu  ändern.    Scharf 
spaltbare    Haufpartien  Hessen  sich    aber   durch  Gelenkbewegungen 
nicht  in  ihrer  Spaltbarkeit  alteriren,   ich  konnte  da   nur  klaffende 
Öffnungen  erzeugen,    die  Richtung  der  Spalten  aber  nicht  verän- 
dern.   Ich    habe   desshalb   meine  Aufmerksamkeit   den   Stellen    mit 
un  bestimmter  Sp  a  Itba  rkeit  zugewendet,  und  gefunden,   dass 
es  an  diesen  und  zwar  schon   an  der  Leiche  durch  Ge- 
lenksexcu  rsionen  möglich  ist  die  Richtung  der  Spalten  selbst 
dahin  zu  ändern,  dass  sie  senkrecht  gegen  einander  gestellt  wurden. 
Eine  in  der  Bauchlage  befindliche  Leiche,  deren  Schulter  unter- 
stützt wurde,  zeigte  in  der  oberen  Rückengegend  längs  des  Spinal- 
randes und  des  unteren  Winkels  der  Scapula  schief  lateral  abstei- 
gende  Spaltreihen    und  eine  in  dieser  Richtung  vor  sich  gehende 
Verlängerung  der  eingeschnittenen  Kreisöffnungen;   Hess   ich   aber 
die  Schultern  frei  über  den  Tischrand  herabfallen   und   kreuzte  die 
Arme  kräftig  vorne  über  der  Brust,  so  änderte  sich   nicht  nur 
die   grössere   R  e  t  r  a  c  t  i  o  n  s  r  i  c  h  t  u  n  g  ,    sondern   auch    die 
Spaltbarkeit  der  Art,    dass    die  Spaltreihen    schief  lateral  zur 
Schulter  aufsteigen. 

Die  verschiedenen  Spannungsverhältnisse  sind  auch  der  Grund 
der  verschiedenen  Spaltlingsvarianten  an  den  Bauchdecken  ;  während 
aber  am  Rücken  die  Spannung  von  der  Lagerung  der  Schulter  ab- 
hängt, ist  es  hier  bei  symmetrischer  Rückenlage  der  veränderliche 
Inhalt,  welcher  auf  die  Spaltbarkeit  Einfluss  nimmt.  Die  ersten 
Leichen,  Avelche  ich  auf  die  Spaltbarkeit  untersuchte,  waren  die 
eines  hydiopischen  Mannes  und  einer  Frau,  die  ohne  Zweifel  schon 
öfter  geboren  und  sehr  schlaffe  Bauchdecken  hatte.  Bei  dieser  fand 
ich  in  der  unteren  Bauchgegend  die  Stichreiben  schief  zum   Nabel 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  llnut.  \  4-9 

aufsteigen,  und  erst  die  späteren  Untersuchungen  führten  mich  auf 
die  gewöhnlicheren  normalen  Spaltungsverhältnisse  der  Bauchhaut 
in  dieser  Gegend.  Nach  den  Erfahrungen,  die  ich  über  dieSpannungs- 
#  Verhältnisse  der  Bauchhaut  bei  Schwangeren  gemacht,  kann  es  wohl 
nicht  mehr  zweifelhaft  sein,  dass  durch  die  in  der  Richtung  von  dem 
Nabel  gegen  den  Darmbeindorn  bestehende  Spannung  die  ursprüng- 
lich  bestandene  Spaltbarkeit  verändert,  förmlich  umgekehrt  wurde. 

Da  die  Spaltbarkeit  von  der  Textur  des  Gewebes  abhängig  ist, 
so  ist  durch  diese  beiden  eclatanten  Fälle  auch  der  Ein  flu  ss  der 
S  p  a  n  n  u  u  g  auf  die  Textur  des  H  a  u  t  g  e  w  e  b  e  s  siehe  r- 
gestellt.  Denkt  man  sich  in  der  ursprünglichen  Anlage  das  Faser- 
gerüst der  Haut  derart  angeordnet,  dass  seine  Balken  ein  mehr  recht- 
winkeliges Gitterwerk  darstellen,  so  ist  es  leicht  denkbar,  dass  eine 
ungleichförmige  Spannung  die  Maschen  zu  rhombischen  Formen  ver- 
zieht, deren  längere  Diagonale  die  vorwaltende  Zugrichtung  anzeigt. 
Ist  die  Lagerung  des  Maschenwerkes  der  Art,  dass  es  durch  die 
Veränderung  der  Spannung  momentan  bald  dabin,  bald  dorthin 
gestreckt  wird,  so  wird  die  veränderte  Spaltbarkeit  und  die  mit  ihr 
veränderte  Retractilität  erklärlich,  und  der  Causalnexus,  der  zwi- 
schen beiden  besteht,  nachgewiesen. 

Die  Annahme,  dass  die  Spannungsverhältnisse  auch  die  Spalt- 
barkeit des  Cutisgewebes  bedingen,  und  dass  mit  der  Veränderung 
der  Spannung  die  Spaltbarkeit  verändert  werde,  liegt  so  nahe,  dass 
ich  gleich  bei  den  ersten  Versuchen  meine  Aufmerksamkeit  darauf 
gerichtet,  und  die  sichtlich  constanten  Spaltungsrichtungen  anfangs 
nur  mit  grossem  Misstrauen  aufnahm.  Als  ich  aber  an  den  meisten 
Körperstellen  die  Spaltlingsrichtung  beiderseits  gleich  und  an  allen 
Leichen  wieder  gefunden,  und  als  ich  sie  erst  nach  Anwendung 
grosser  Gewalt,  wie  sie  a m  Leibe  nicht  vorausgesetzt 
werden  kann,  sich  ändern  sah,  dann  erst  zweifelte  ich  nicht 
mehr  an  der  Constanz  dieser  Erscheinung. 

Wenn  nun  einerseits  die  Abhängigkeit  der  Textur  und  der 
Spaltbarkeit  von  der  leicht  veränderlichen  Spannung  nicht  bezweifelt 
werden  kann,  andererseits  aber  die  Constanz  bestimmter  Spaltungs- 
richtungen  an  den  meisten  Körperpartien  erfahrungsgemäss  fest- 
steht, so  müssen  für  diese  Gegenden  jene  Momente  nachge- 
wiesen werden,  welche  den  Einfluss  der  Spannung  so 
weit  hemmen,  dass  die  Veränderlichkeit  des  Gewebes 


150  Langer. 

nicht  bis  zu  jenem  Grade  gebracht  werden  kann,  um 
eine  veränderte  Spaltbarkeit  hervorzurufen. 

Darüber  dürften  folgende  Erfahrungen  genügend  Aufschluss 
geben. 

Ich  erwähnte  bereits,  dass  die  Bauchhaut  in  Fällen,  wo  sie 
durch  grosse  Volumszunahme  des  Inhaltes  eine  grosse  Spannung 
erleidet,  gegen  die  gewöhnliche,  also  massgebende  Weise,  in  der 
Richtung  von  dem  Darmbeindorn  gegen  den  Nabel  spaltbar  sei. 

Bei  zwei  Frauen,  welche  geboren,  fand  ich  im  Gegensatze  zu 
einem  weiblichen  Individuum,  welches  nicht  geboren  und  die  gewöhn- 
liche Spaltungsweise  der  Bauchhaut  zeigt,  nach  der  Geburt  diese 
ausnahmsweise  Spaltung.  In  diesen  Fällen  wurde  also  das  Gewebe 
durch  eine  früher  bestandene  grosse  Spannung  verändert,  und  diese 
Gewebsanordnung  hat  sich  auch  noch  dann  erhalten,  nachdem  die 
bestandene  Spannung  post  partum  gewichen  ist.  Die  nach  Schwan- 
gerschaften zurückbleibende  Erschlaffung  der  unteren  Hälfte  der 
Bauchhaut  ist  ein  Zeichen,  dass  die  übermässig  ausgedehnte  Bauch- 
haut ihre  ursprüngliche  Spannung  nicht  mehr  erlangt  und  desshalb 
das  Gewebe  die  durch  die  Schwangerschaft  erworbene  Anordnung 
beibehalten  hat. 

Die  sogenannten  Schwangerschaftsnarben  entstehen, 
beiläufig  gesagt,  durch  eine  Lockerung  und  wahrscheinlich  auch 
theilweise  Zerreissung  des  Hautgewebes.  Die  rarificirten  Binde- 
gewebsbündel  kreuzen  in  querer  Richtung  die  linearen  Narben.  An 
Hydropischen,  bei  denen,  wie  während  der  Schwangerschaft  solche 
lineare  Lockerungen  des  Gewebes  zu  Stande  kommen ,  kann  man 
sich  durch  Abtragung  feiner  Hautblättchen,  selbst  ohne  das  Mikroskop 
zu  Hilfe  zu  nehmen,  leicht  überzeugen,  dass  die  Bindegewebsbündel 
gelockert  sind  und  in  parallelen  Zügen  die  Längsrichtung  der  zer- 
klüfteten Hautstellen  überkreuzen.  Ich  zweifle  nicht,  dass  auch  bei 
Schwangeren  an  diesen,  den  späteren  Narben  entsprechenden  Haut- 
partien, wie  bei  hochgradigen  Ödemen,  seröse  Flüssigkeit  zwischen 
die  gelockerten  Bündel  ergossen  ist;  sie  zeigen  dasselbe  hyaline 
Aussehen  und  bekommen  wegen  des  dunklen  Untergrundes,  wie  bei 
Ödemen,  die  bläuliche  Färbung. 

Von  den  Narben  ganz  abgesehen,  auch  die  zwischen  liegende 
Bauchhaut  erreicht  nicht  mehr  die  ursprüngliche  Anhige  des  Gewebes 
und  die  ursprüngliche  Spaltbarkeit,  und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  1 1)  l 

in  den  erschlaffte  n  Hautdecke  n  nicht  mehr  die  hinrei- 
chende Spannung  aufgebracht  werden  kann,  welche  im 
Stande  wäre,  das  Gewebe  zurück  zu  ordnen. 

Denselben  Einfluss,  den  hier,  so  zu  sagen,  abnormer 
Weise,  der  Inhalt  ausübt,  nehmen  an  den  meisten  Körper- 
steilen,  insbesondere  an  den  ExtremitätendieGelenke, 
und  wahrscheinlich  auch  die  Wachsthumsverhältnisse. 

Die  Ergebnisse  meiner  Untersuchungen  über  die  Spaltbar- 
keit der  Haut  während  verschiedener  Altersperioden 
zeigten  nämlich,  dass  die  Verhältnisse  der  Spaltbar keit,  wie 
sie  beim  Erwachsenen,  selbst  schon  in  den  Knabe  n- 
jähren  vorkommen,  grösstenteils  erworbene,  von  der 
ursprünglichen   Anlage    verschiedene   sind. 

Nur  die  am  Kopfe  und  Rumpfe  nachweisbare  Spaltbarkeit  findet 
sich  im  Wesentlichen  auch  schon  beim  Neugebornen,  nicht  so 
an  den  Extremitäten. 

Am  Oberarme  nämlich  legen  sich  an  die  über  den  Pectoralis- 
rand  aufsteigenden  Reihen  anfangs  schiefe,  weiter  unten  beinahe 
quere  Reihen  an,  welche  über  die  Riceps-Erhabenheit  auf  die  Streck- 
seite gehen;  die  untersten  gehen  wenig  schief  über  den  Ellbogenbug 
zur  Ulnarseite  herab.  Am  Olecranon  und  an  der  unteren  Hälfte  des 
Vorderarmes  sind  wieder  reine  Querreihen  darstellbar,  an  den  Epi- 
condylen  treten  unregelmässige  Spaltungen  auf,  welche  sich  radial- 
wärts  bis  zum  mittleren  Drittheile  des  Vorderarmes  erstrecken. 

Auf  die  Fig.  i  rechts  dargestellten  Reihen  des  Gesässes  folgen 
gleichlaufende  den  Oberschenkel  in  wenig  schiefen  Touren  um- 
spinnende Reihen ,  von  denen  nur  die  unteren  etwas  mehr  schief 
durch  die  Kniekehle  zur  Tibialseite  verlaufen.  Die  Streckseite  des 
Kniegelenkes  hat  Querreihen,  welche  von  den  oberen  leicht  ab- 
weichen. An  den  Condylen,  besonders  an  den  äusseren,  sieht  man 
ebenfalls  Unregelmässigkeiten,  welche  bis  nahe  an  die  Mitte  des 
Unterschenkels  reichen,  wo  wieder  reine  quere  Stichspalteu  in 
Kreistouren  gereiht  auftreten. 

Am  Hand-  und  Fuss rücken,  ja  selbst  an  den  Phalangen, 
sind  die  Spaltungen  quer,  an  der  Klein-Fingerseite  der  Hohlhand 
und  in  der  hinteren  Hälfte  der  Fusssohle  sind  quere  Spaltungen,  in 
der  Mitte  beider,  unregelmässige  wahrnehmbar.  Der  Daumenballen 
zeigt  schon  die  später  wahrnehmbaren,  ihn  umkreisenden  Reihen. 


152  Langer. 

Wie  am  Rumpfe,  so  sind  (Ja her  auch  an  den  Extremi- 
täten die  Spaltreihen  ihrer  ursprünglichen  Anlage 
nach,  in  quer  er  Richtung,  den  Inhalt  umkreisend  ange- 
legt; während  sich  aber  die  am  Rumpfe  bis  auf  einzelne  Partien,  wie 
z.  B.  am  Bauche,  durch  das  ganze  Lehen  ungeändert .erhalten,  strecken 
sich  die  der  Extremitäten  immer  mehr,  bis  sie  einen  mehr  longitudinal 
gerichteten  Verlauf  bekommen.  Die  Zeit,  in  welcher  diese  Streckung 
vor  sich  geht,  kann  ich  nur  annähernd  in  das  erste  Lebensjahr  ver- 
legen, da  ich  bereits  bei  einem  zweijährigen  Kinde  im  Wesentlichen 
die  späteren  Formen  gefunden  habe. 

Die  Ursache  dieser  Umlegung  der  Spaltreihen 
d  ü  r  f  t  e  w  o  h  1  z  u  n  ä  c  h  s  t  i  n  d  e  r  V  e  r  w  e  n  d  u  n  g  d  e  r  E  x  t  r  e m  i  t  ä- 
t  e  ii  z  u  such  e  n  se  i  n ;  die  Gelenke,  welche  während  des  Intrauterin- 
Lebens  in  Winkeln  gebeugt,  eingestellt  sind,  werden  post  partum 
allmählich  bis  zur  vollen  Strecklage  gebracht;  die  Haut  wird  dadurch 
in  der  Längsrichtung  der  Glieder  gespannt,  das  Fasernetz  in 
dieser  Richtung  verzogen,  und  durch  das  während  dieser  Lebens- 
periode rasch  vor  sich  gehende  Wachsthum  der  Extremitäten 
bleibend  festgeh  alten. 

Ich  zweifle  nicht,  dass  diese  Erklärung  der  Umkehr  der  Spal- 
tung die  richtige  sei,  denn,  wenn  man  den  Excursionsmodus  der  auf 
die  Längenverhältnisse  der  Extremitäten  vorzugsweise  Einfluss  neh- 
menden Gelenke  berücksichtiget,  so  ist  die  Übereinstimmung  des- 
selben mit  der  Bichtung  der  Stichreihen  nicht  zu  verkennen.  Am 
Oberarme  ist  es  nämlich  die  Streckung  des  Ellbogengelenkes,  welche 
die  queren  Maschen  der  Oberarmhaut  verzieht,  da  die  Versuche 
über  die  durch  Streckung  des  Ellbogens  hervorgerufene  Dehnung 
der  Haut  gezeigt  haben,  dass  beugewärts  die  Haut  stärker  und 
mehr  in  der  Längsrichtung  der  Extremität  gedehnt,  und  von  der 
hinteren  Fläche  des  Vorderarmes  schief  herbeigezogen  wird.  Die 
am  Vorderarme,  besonders  palmarwärts  höher  hinaufreichenden. 
Fig.  9  und  10  gezeichneten  Querreihen,  sind  Reste  der  ursprüng- 
lichen Anlage  und  bezeichnen  die  Grenze  bis  zu  welcher  die 
Streckung  des  Ellbogengelenkes  das  Fasernetz  umgeändert  hat. 
Während  es  daher  am  Arme  hauptsächlich  das  Ellbogengelenk, 
weniger  das  Schultergelenk  ist,  welches  auf  die  Umgestaltung 
Einfluss  nimmt,  macht  sich  an  der  unteren  Extremität  in  gleicher 
W7eise  das  Kniegelenk,    aber  sehr  auffallend  auch    das  Hüftgelenk 


Zur  Anatomie  und   Physiologie  der  Haut.  1  O  O 

geltend.  Der  Streckung  dieses  Gelenkes  ist  hauptsächlich  die  Dehnung 
des  Fasernetzes  au  der  vordem  Seite  des  Oberschenkels  zuzuschrei- 
ben, ferner  die  Anordnung  der  Reihen  an  der  obern  Hälfte  der  hin- 
teren Seite.  Hier  bedingt  nämlich  die  Spannung,  welche  die  Streckung 
des  Hüftgelenkes  erzeugt,  die  beiderseits  unter  der  Gesässfalte  schief 
absteigenden  Reihen,  während  unter  der  Gesässfalte,  wo  zerstreute 
oder  gerissene  Stichwunden  erzeugt  werden,  die  Haut  mehr  gleich- 
förmig gespannt  bleibt. 

Das  ursprüngliche  ,  den  Inhalt  einfach  in  Kreistouren  einschlies- 
sende,  also  durch  den  während  des  Intrauterin- Leheus  zunehmen- 
den Inhalt  quer  gespannte,  und  daher  in  querer  Richtung  spaltbare 
I lautnetz,  wird  durch  die  Streckung  der  Gelenke  longitudinal  ver- 
zogen und  in  dieser  Anordnung  durch  das  Wachsthum  fest- 
gehalten. 

Dass  diese  Anordnung  durch  die  so  umfangreichen' Gele nks- 
Excursionen  der  Extremitäten  während  des  späteren  Lebens  nicht 
neuerdings  umgestaltet  wird,  und  desshalb  die  Spaltungsverhältnisse 
constant  erhalten  bleiben,  ist  in  dem  begründet,  dass  die  erworbene 
Anordnung  schon  den  extremen  Gelenkslagen  ent- 
spricht, die  Haut  daher  an  diesen  Stellen  durch  das  zweite  Extrem  nicht 
mehr  bespannt,  sondern  nur  erschlafft  werden  kann.  Dass  die  infan- 
tile Form  an  der  Streck-  und  Reugeseite  des  Handgelenkes,  nämlich 
die  Querreihen,  erhalten  bleiben,  hat  seinen  Grund  darin,  dass  die 
Mittellage  des  Gelenkes,  dem  die  ursprüngliche  Anlage  entspricht, 
auch  später  gewöhnlich  festgehalten  wird ,  und  die  extremen  Fle- 
xionslagen von  der  Mittellage  nicht  so  weit  abliegen,  um  das  Netz 
anders  zu  ordnen. 

Nur  an  den  Grenzen  des  Spannungsterrains  der  ein- 
zelnen Gelenke,  wo  sich  bald  das  eine,  bald  das  andere  Gelenk 
geltend  macht,  z.  B.  in  der  Mitte  der  Vorderarmslänge,  namentlich 
an  der  Streckseite,  dann  an  Stellen,  wo  sowohl  das  Hin  als  auch  das 
Her  der  Gelenksbewegung  die  Haut,  aber  jedesmal  in  anderen  Rich- 
tungen spannt,  z.R.  unter  der  Gesässfalte,  unter  den  Ellbogenhöckern, 
am  Schienbeinhöcker,  da  wird  das  Ge füge  veränderlich  und 
mit  ihm  die  S  p  a  1 1  b  a  r  k  e  i  t. 

Sei  es  nun  die  ursprüngliche  oder  erworbene  Faserrichtung, 
seien  es  die  für  die  extremen  Strecklager  bereits  eingerichteten 
Faserlängen,  man  wird  die  Anlage  der  Hauttextur  immer  von  der  Art 


154  Langer. 

finden ,  das  den  Gelenksexcursionen   durch  sie  nur  die  geringsten 
Widerstände  geboten   werden. 

Dass  auch  der  Inhalt  noch  in  späteren  Jahren  Einfluss  auf  die 
Anordnung  des  Gewebes  und  daher  auf  die  Spaltbarkeit  der  Haut 
der  Extremitäten  nimmt,  scheint  mir  aus  den  z.  B.  Fig.  7 —  9  und 
Fig.  8  — 10  abgebildeten  Formen  sich  zu  ergeben.  Fig.  7.  und  8 
beziehen  sich  nämlich  auf  abgemagerte  Leichen,  wo  die  Querspan- 
nung vielleicht  gänzlich  aufgehört  und  wegen  der  ungeänderten 
Längendimensionen  die  bestehende  Längsspannung  unverändert 
geblieben  ist,  während  in  Fig.  9  und  10  die  einem  kräftigen  Indi- 
viduum angehören,  die  Volumverhältnisse  der  Musculatur  auch  eine 
Querspannung    bedingten. 

Es  ist  klar,  dass  auch  Geschwülste  die  gewöhnlichen  Spannungs- 
und Spaltungsverhältnisse,  sogar  wesentlich  umgestalten  können. 

Da  beinahe  an  allen  Körperstellen  Spannung  besteht,  und  die 
Bindegewebs-Faserbündel,  welche  bekanntlich  eine  grosse  Resistenz 
besitzen  und  desshalb  in  ihrer  Länge  den  grössten  Gelenks-Excur- 
sionen  adaptirt  sein  müssen,  so  werden  bei  dem  grossen  Retractions- 
vermögen  der  Haut,  die  Bündel  in  lospräparirten  Lappen  nicht  ge- 
radlinig, sondern  nur  wellenförmig  hin  und  her  gebogen  verlaufen; 
es  ist  dies  die  an  der  gegerbten  Haut  wahrnehmbare  Kräuselung 
der  Bindegewebsbündel  und  Fasern. 

Wenn  auch  ein  Theil  des  Retractionsvermögens  der  Haut  der 
Elasticität  des  früher  gespannten  Bindegewebsgerüstes  zugeschrie- 
ben werden  muss,  so  kann  es  doch  nicht  ausschliesslich  dadurch  zu 
Stande  kommen,  indem  die  einmal  gekräuselte  Faser  keine  Spannung 
mehr  bedingen,  und  den  Hautlappen  verkürzen  kann. 

Es  weist  dieser  Umstand  auf  das  Bestehen  eines  zweiten  mikro- 
skopisch nicht  nachweisbaren  in  die  Lücken  des  Fasergerüstes  einge- 
lagerten hyalinen  Zwischen gewebes,  welchem  der  grösste 
Autheil  des  Retractionsvermögens   zusteht. 

Dass  die  Kräuselung  blos  dem  Gerbeprocesse  zuzuschreiben, 
ist  kaum  anzunehmen,  da  auch  in  frischen  Hautschnitten  eine  locken- 
förmige  Biegung  der  Hautbündel  wahrnehmbar  ist. 

Spannung  und  Retraction,  Anordnung  des  Haut- 
gewebes und  seine  Spaltbar keit  bedingen  sich  daher 
gegenseitig,  und  es  ergibt  sich  desshalb  auch  die 
Regel,   dass  bei    ungl  eich  massiger  Span  nun  g   die    stär- 


Zur  Anatomie  und   Physiologie  der  Haut.  155 

kere  Retraction  den  Spalten  reihen  folgt  und  dass  die 
Spaltreihen  in  die  Richtung  der  Hautfalten  gelegt  sind. 

Bei  den,  der  aufrechten  Attitüde  entsprechenden  Rücken-  oder 
Bauchlage  der  Leiche  mit  angezogenen  Extremitäten  und  gestützten 
Schultern  erleidet  diese  Regel  kaum  eine  Ausnahme. 

Die  normale  Anordnung  des  Hautgewebes  ist  ent- 
weder schon  in  der  ersten  Anlage  gegeben,  und  durch 
die,  während  der  embryonalen  Entwicklung  bestehende  Spannung 
begründet,  oder  erst  na  ch  der  G  eburt  in  dem  ersten  Lebens- 
jahre durch  die,  die  Streckung  der  Glieder  begleitende  Spannung 
erworben. 

Trotz  der  variablen  ungleichmässigen,  durch  die  Gelenkbewegun- 
gen hervorgerufenen  Spannung,  erhält  sich  diese  Gewebsan- 
orduuug  an  den  meisten  Körperstellen  durch  das  ganze 
Leben,  weil  bei  den  bestehenden  Gelenkseinrichtungen,  theils  ihre 
Excursionsweite  nicht  hinreicht,  eine  Umordnung  des  Gewebes  zu 
Stande  zu  bringen,  theils  weil  beugewäits  die  erworbene  Gewebs- 
ordnung  schon  dem  einen  Excursionsextreme,  nämlich  der  Streckung 
adaptirt  ist,  und  desshalb  durch  die  Bewegung  nur  erschlafft,  nicht 
gespannt  werden  kann,  streck wärts  aber  schon  in  der  ursprüng- 
lichen Anlage  der  Beugestellung  adaptirt  ist,  und  daher  durch  die 
Streckung  ebenfalls  nur  erschlafft  werden  kann.  Die  Gelenksbewe- 
guugen  können  daher  Spannungen  erzeugen,  welche,  weil  sie  nicht 
hinreichen  das  Gewebe  umzuordnen,  eine  nicht  an  die  Rich- 
tung der  Spaltreihen  gebundene  Retraction  bedingen. 

Nur  an  einigen  Körperstellen,  wo  eine  unentschiedene  oder 
verworrene  Spaltbarkeit  wahrnehmbar  ist,  da  können  die  nor- 
malen Gelen  ks-Excursionen  mit  der  geänderten  Span- 
nung auch  das  Gewebe  umordnen  und  eine  variable 
Spaltbar keit  bedingen. 

Auch  grosse  Volumsveränderungen,  z.  B.  Schwangerschaft, 
hydropische  Ansammlungen ,  können  ausnahmsweise  das  Gewebe 
gewaltsam  und  wie  es  scheint,  auch  bleibend  umordnen. 

Vielleicht  werden  sich  die  besprochenen  Textur- und  Spannungs- 
verhältnisse der  Haut  auch  in  Bezug  auf  das,  namentlich  von  Roser  so 
sehr  urgirte  Capitel  über  die  Narbencontractionen  verwerthen  lassen. 
So  scheint  es  mir,  als  ob  sich  z.  B.  das  beschriebene  Klaffen  der  Haut- 
wunden bei  der  Tracheotomie  in  die  Quere,  die  spätere  Verkürzung 


156  Langer. 

der  Wunde  und  die  Vereinigung  der  ehemaligen  Wundwinkel  mit 
einander  nicht  schwer  aus  der  schief  nach  hinten  und  oben  gerich- 
teten grösseren  Spannung  und  der  Spaltbarkeit  der  Halshaut  erklären 
Hesse. 

III.  Über  die  Elasticität  der  Cutis. 

Bei  dem  sehr  veränderlichen  Umfange  des  Gesammtkörpers  und 
der  einzelnen  in  der  Hautdecke  eingeschlossenen  Theile,  ferner  bei 
dem  beständigen  Wechsel  der  Gelenkslagen  wird  die  Haut  theils  im 
Ganzen,  theils  in  ihren  einzelnen  Partien  einem  grossen  Wechsel 
der  Spannung  unterworfen.  Von  vorne  herein  muss  man  ihr,  weil 
sie  sich  allen  Unebenheiten  der  Körperoberfläche  anzuschmiegen 
vermag,  wobei  weder  den  Gelenksexcursionen,  noch,  bis  auf  ein 
gewisses  Maximum,  auch  der  Zunahme  des  Körperumfanges  irgend 
ein  wahrnehmbares  Hinderniss  entgegensetzt,  einerseits  eine  sehr 
vollkommene,  andererseits  aber  eine  dem  Grade  nach  sehr  geringe 
Elasticität  zuschreiben,  d.  h.  es  müssen  schon  geringe  Kräfte  ge- 
nügen, die  Haut  zu  dehnen  (ihre  Form  zu  verändern),  und  nach 
Beseitigung  der  Spannung  inuss  sie  ihre  ursprüngliche  Form  voll- 
kommen wieder  erlangen  können. 

Über  die  Elasticitätsverhältnisse  der  Cutis  liegen  meines 
Wissens  noch  keine  Erfahrungen  vor.  Selbst  G.  Wertheim,  der 
die  meisten  organischen  Gewebe  untersucht,  hat  nichts  über  die 
Haut  veröffentlicht,  dagegen  an  dem  Sehnengewebe  eine  sehr  grosse 
Cohäsion  und  Elasticität  nachgewiesen.  Dies  scheint  mit  dem  er- 
fahrungsgemäss  bestehenden  grossen  Dehnungsvermögen  der  Haut 
insoferne  im  Widerspruche  zu  stehen,  als  ja  auch  die  Haut  ein 
bindegewebiges  Fasergerüste  besitzt,  dessen  Elementen  dieselben 
physikalischen  Eigenschaften  zuzuschreiben  sind,  welche  das  Seh- 
nengewebe besitzt.  Dieser  scheinbare  Widerspruch  beweist  eben 
wieder,  wie  sehr  auch  in  dieser  Beziehung  die  Textur  des  Haut- 
gewebes in  Bechnung  zu  bringen  ist. 

Denn  wenn  man  sich  schon  von  vorne  herein  über  die  Momente, 
welche  die  Verlängerung  eines  Hautriemchens  bedingen  können, 
Rechenschaft  zu  geben  sucht,  so  wird  man  allsogleich  wahrnehmen, 
dass  ein  Gewebe,  dessen  Fasergänge  nicht  durchgehends  parallel 
angeordnet  sind,  wie  dies  an  den  Sehnen  der  Fall  ist,  sondern  aus 
gekreuzten  Fasersystemen  besteht,  notwendiger  Weise  je  nach 


Zur  Anatomie  und   Physiologie  der  Haut.  J  JJ  1 

der  Richtung  der  Spannung  ein  verschiedenes  Deh- 
nung s  v  e  r  m  ö  g  e  n  besitzen  wird. 

Denkt  man  sich  nämlich  die  Haut  zunächst  als  ein  Netz  steifer, 
starrer  Fasern,  die  Maschen  dieses  Netzes,  wie  ich  es  an  vielen 
Körperstellen  nachgewiesen,  von  rhomboidaler  Form,  in  deren  län- 
gere Diagonale  die  Stichspalte  fällt,  so  wird  es  allsogleich  als  not- 
wendige Folge  dieser  Anordnung  erkannt  werden,  dass  die  Dehn- 
bar k  e  i  t  der  Haut  in  der  Richtung  der  Stich  spalten 
geringer  sein  müsse,  als  in  der  Richtung,  welche 
senkrecht  auf  die  Stichspalten  streicht. 

Im  ersten  Falle  nämlich  werden  sich  die  gespannten  Fasern 
der  directen  Dehnung  früher  darbieten  als  in  letzterem,  wo  die 
Maschen  erst  quer  verzogen  werden  müssen,  ehe  die  Spannung  in 
die  Richtung  der  Fasern  fallen  kann. 

Das  Gewebe  muss  sich  also  zunächst  ordnen,  ehe 
die  Spannung  die  Fasern  direct  trifft,  und  diese  selbst  an  der  Ver- 
längerung des  Riemchens  Antheil  nehmen  können. 

Nebst  dem  Ordnen  des  Gewebes  und  der  eigenthüm liehen 
Dehnungsfähigkeit  der  Faser  ist  endlich  noch  ein  dritter  Umstand 
in  Betracht  zuziehen,  es  ist  dies  nämlich  die  Kräuseln  ng  der 
Fasern  in  dem  freigelegten  Hautriemchen. 

Die  G  e  s  a  m  m  t  v  e  r  1  ä  n  g  e  r  u  n  g ,  welche  ein  Hautriem- 
chen erfährt,  ist  daher  das  Resultat  dreier  Factoren; 
nämlich  der  Schlichtung  der  Faser,  der  Ordnung  des  Gewebes  und 
endlich  der  eigentümlichen  Dehnbarkeit  der  Faser.  Offenbar  wird 
die  Schlichtung  der  Faser  und  wenigstens  ein  Theil  der  Umordnung 
des  Gewebes  gleich  in  die  ersten  Zeiträume  der  Dehnung  fallen. 

Diese  Betrachtung  ergibt:  1.  dass  schon  wegen  des  Ordnens 
des  Gewebes  scharf  spaltbare  Hautstücke  in  Längs- 
riemchen  dehnbarer  sein  müssen,  als  in  Querriem- 
chen  *);  ferner,  dass  man  2.  zwei  Antheil e  an  der  Verlän- 
gerung des  Biemchens  unterscheiden  müsse,  nämlich 
den  Anfangstheil  und  den  Endtheil;  im  ersten  schlichtet  sich 
die  Faser  und  ordnet  sich  grösstenteils  das  Gewebe,  und  erst  im 
zweiten  Theile  wird  hauptsächlich  die  Faser  selbst  der  Dehnung 
unterworfen. 


l)  Über  die  Methode  der   Messung   und  die   ßelastiingsweise  wird   später  das  Nähere 
initgetheilt  werden. 


1  58  Langer. 

Folgende  Tabelle  beweist  die  grössere  Dehnbarkeit  des 
Querriemchens  und  ergibt  den  Unterschied,  der  zwischen  dem  An- 
fangs- und  dem  Endantheil  der  Dehnung  besteht. 

Die  Angaben  sind  aus  einer  grösseren  Anzahl  von  Versuchen 
herausgehoben  und  nur  insofern  e  ausgewählt,  als  sie  sich 
auf  scharf  spaltbare  Hautpartien  beziehen.  Die  Länge 
der  zu  beobachteten  Riemchensegmente  wurde  direct  mit  dem 
Zirkel  auf  25  Millim. ,  und  zwar  auf  einer  befeuchteten  Glasplatte 
abgemessen.  Die  Dehnung  durch  allmählich  gesteigerte  Belastung 
bis  auf  510  Grm.  ausgeführt,  in  die  Tabelle  jedoch  nur  die  bei 
10  Grm.  ,  30  Grm.  und  510  Grm.  erreichten  Längen  aufgenommen. 
Es  bedeutet  L  das  Längsriemchen,  Q  das  Querriernchen,  a  die  ur- 
sprüngliche Länge  des  Riemchens  =  25  Millim.,  b  seine  Länge  bei 
10  Grm.  ,  c  bei  30  Grm.  ,  d  bei  510  Grm.  Belastung.  In  den 
folgenden  zwei  Rubriken  sind  die  Differenzen  von  c — a  und  d — c, 
dann  das  Dehnungsverhältniss,  und  in  der  letzten  Reihe  die  Differen- 
zen der  Gesammtdehnung  des  Längs-  und  Querriemchens  ange- 
geben ') 


!)  Längsriemchen  nenne  ich  die  in  der  Richtung  der  Stichspalten  heraus- 
geschnitteneu, Querriernchen  die  senkrecht  auf  die  Stichspalten  orientirten 
Hauistreiten. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut. 


159 


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CO 

B=5 

03       PS 

> 

O 

C5 

« 

160  Lange  r. 

Trotz  der  Schwankungen,  welche  in  der  Grösse  der  letzt- 
erreichten Dehnung  der  einzelnen,  seihst  derselben  Körpergegend 
entnommenen  Riemchen,  hat  sich  für  scharf  spaltbare  Hautpartien 
die  grö  ssere  Dehnbarkeit  des  Q  uer  riemchens  als  constant 
erwiesen.  Ich  fand  übrigens  bei  mehr  als  20  Doppelversuchen 
(L  und  Q)  die  Gesa  vmtlängen  der  durch  510  Grm.  ausgedehnten 
Langsriemchen  nur  zwischen  45  und  36  Millim.,  die  Querriemchen 
dagegen  zwischen  61  und  45  Millim.  sich  bewegen,  so  dass  die 
grösseren  Schwankungen  in  der  Ausdehnungsfähig- 
keit die  Quer  riemchen  betreffen. 

Ferner  ist  aus  der  Tabelle  ersichtlich,  dass  schon  die  mit 
10  Grm.  erzielte  Dehnung  relativ  stets  grösser  ist, 
als  die  nachfolgenden  mit  bedeutend  grösseren  La- 
sten erzielten  Verlängerungen;  ja  in  den  meisten,  die 
Langsriemchen  betreffenden  Fällen ,  fand  ich  sogar  diese  Anfangs- 
dehnung  schon  absolut  grösser,  als  die  Summe  der  folgenden  Deh- 
nungen ,  was  aber  bei  Querriemchen  nie  der  Fall  war.  Die  Grenze 
zwischen  der  Anfangs-  und  Enddehnung  ist  hier  natürlicher  Weise 
nur  ganz  willkürlich  angesetzt,  würde  sie  aber  bis  auf  die 
durch  50  selbst  nur  durch  30  Grm.  bewirkten  Längen 
verschoben,  wie  dies  in  der  Tabelle  ausgeführt  ist,  so  würde 
ausnahmslos  für  die  Längs-  und  Qu  er  riemchen  die 
Anfangsdehnung  absolut  grösser  sein,  als  die  End- 
d e h/n u  n  g. 

Der  Unterschied  in  der  Dehnbarkeit  der  Längs- 
und  Querriemc  hen  ist  zunächst  der  Ausdruck  für  die  ungleich- 
förmige Anordnung  des  Gewebes,  d.  h.  der  gedehnten  Maschen ; 
er  ist  in  weiterer  Folge  Resultat  der  bestandenen  Spannungsverhält- 
nisse, welche  das  Gewebe  geordnet  haben,  und  ist  daher  auch  um 
so  grösser,  je  ungleichförmiger  die  Retraction  stattgefunden.  Da- 
mit aber  die  etwa  nicht  vollständig  beendete  Retraction  des  Riem- 
chens nicht  störend  auf  die  Dehnungsversuehe  einwirken  könne, 
wurde  die  Retraction  an  dem  freien  Riemchen  zum  möglichst  voll- 
ständigen Abschlüsse  gebracht,  und  zwar  dadurch,  dass  die  her- 
ausgeschnittenen Riemchen  zuerst  auf  eine  gut  gereinigte  und  be- 
netzte Glasplatte  gelegt,  und  erst  nach  einiger  Zeit  (meist  eine 
Viertelstunde)  abgemarkt  wurden.  So  konnte  die  Dehnungsfähigkeit 
des  Riemchens  rein  als  Ausdruck  der  Gewebsordnung angenommen  und 


Zur  Anatomie  und   Physiologie  der  Haut.  161 

für    beide   Kiemchen    ein    möglichst    gleichartiger    Ausgangs  werth 
gewonnen  werden. 

Unter  diesen  Bedingungen  ist  von  vorne  herein  anzunehmen, 
dass  Hautstücke,  welche  ei  n  e  ni  c  ht  sc  harfe,  ei  neun  re- 
gelmässige oder  verworrene  Snaltbarkeit  zeigen,  und 
am  Leibe  eine  mehr  gleichartige  Retraction  besitzen, 
keine  so  grossen  Unterschiede  der  Dehnbarkeit  in 
der  Länge  und  Quere  ergeben,  ja  gelegentlich  sogar 
ein   u  m  gekehrt  es  Verb  ältni  ss  zeigen   werden. 

Ein  blos  geringer  Unterschied  ist  bereits  an  der  Haut  über 
der  Mitte  der  Wade  (Tabelle)  bemerkbar,  ich  fand  auch  noch  ge- 
ringere Differenzen  an  dieser  Hautpartie  weiter  unten  ,  nämlich 
nur  1-9  Millim.  (Z39'6,  #41-5  Millim.).  Die  Vorderarmshaut  zeigte 
eine  Differenz  sogar  von  1-5  Millim.  zu  Gunsten  des  Längsschnittes 
(L50-3,  #48*8  Millim.).  Am  Rücken  einer  Leiche  (C)  fand  ich 
oben  bei  nicht  scharfen,  aber  noch  regelmässigen  Spaltungen,  Differen- 
zen von  3*3  Millim.  zu  Gunsten  des  Querschnittes  bei  Dehnungen  bis 
auf  L  43-2,  Q  465  Millim.,  dann  von  5-3  Millim.,  in  der  unteren 
Rückengegend  (Leiche  C)  neben  dem  Lumbodorsalis  von  3*8  Millim., 
bei  Dehnungen  von  L  42*2,  Q  46*0  Millim.  In  der  Leistengegend  bei 
unregelmässiger  Spaltung  fand  ich  an  einem  parallel  mit  dem  Pou- 
partschen  Rande  L  geschnittenem  und  einem  schief  zum  Nabel  auf- 
steigenden Riemchen  Q  wieder  eine  Differenz  von  15  Millim.  zu  Gun- 
sten des  Längsriemchens,  bei  Dehnungen  von  L  405,  Q  39-0  Millim. 
In  der  seitlichen  Nabelgegend  ergab  sich  an  einer  anderen  Leiche 
nur  eine  unbedeutende  Differenz  (L  43-4,  Q  43-6  Millim.).  In  der 
Sternalgegend  an  der  Leiche  H  wurde  der  quer  über  die  Mitte  ge- 
legte Riemen  L  bis  auf  40-8  Millim.,  der  median  herablaufende  Q  bis 
auf  45-8  Millim.  gedehnt,  es  ergab  sich  also  eine  Differenz  von  50 
Millim.  An  der  Leiche  E  ergab  sich  bei  L  37-4  und  Q  41  0  Millim. 
eine  Differenz  von  3*6  Millim. 

Diese  Angaben  dürften  nun  in  den  wesentlichen  Punkten  die 
ausgesprochene  Annahme  bestätigen,  doch  müssen  um  möglichst 
übereinstimmende  Resultate  an  verschiedenen  Leichen,  von  deren 
Beschaffenheit  ganz  abgesehen,  zu  gewinnen,  die  Nebenumstände 
berücksichtiget  werden;  es  müssen  daher  die  Leichen  gleichmäs- 
sig  behandelt,  namentlich  gleich  symmetrisch  gelagert,  der  Druck, 
den  die  Haut  früher  erleiden  könnte,  möglichst  vermieden,  und  dess- 

SiUb.  d.  iuathein.-iialurw.  ül.  XLV.  Bd.  I.  Ahth.  12 


162  La   n  K  e  r. 

halb  bei  Untersuchungen,  z.  ß.  der  Rückenhaut,  die  Leiche  etwa 
über  eine  Nacht  früher,  in  der  Bauchlage,  und  zwar  um  die  Eintrock- 
nung zu  hindern,  bedeckt  ruhen  gelassen  werden.  Die  Hautriem- 
chen  müssen  sich  auch  möglichst  vollständig  retrahiren  können. 
Anfangs  ist  es  mir  mit  der  Rückenhaut  zweimal  begegnet,  grössere 
Dehnungen  für  Längsriemchen  zu  erhalten;  als  ich  aber  später  die 
Schulter  stützte,  bekam  ich  immer  grössere  Dehnungswerthe  für  die 
Querriemchen,  und  die  Differenzen  wurden  immer  grösser,  je  wei- 
ter von  der  Mittellinie  entlegene  Hautpartien  untersucht  wurden. 
An  zwei  Leichen  C  und  D  erhielt  ich  unter  diesen  Bedingungen  für 
die  Riemchen  der  unteren  Rückengegend  nahezu  gleiche  Werthe 
mit  geringerer  Differenz. 

C  =  L  42-2,  Q  460  Differenz  3-8  Millim. 
D  =  L  42-3,  Q  46-2         „         3-9      „ 

Die  grösseren  und  geringeren  Dehnungen  der  L  und  Q  stehen 
im  besten  Einklänge  mit  den  über  die  Spannungsverhältnisse  und 
über  ihren  EinfJuss  auf  das  Ordnen  des  Gewebes  gewonnenen  Re- 
sultate. Da  wo  nachgewiesen  werden  konnte,  dass  Spannungen,  wie 
sie  am  Leibe  gewöhnlich  vorkommen,  das  Gewebe  umordnen  kön- 
nen, da  ergeben  die  Dehnungsversuche  geringere  Differenzen  oder 
unter  Umständen  selbst  Differenzen  zu  Gunsten  des  L;  wo  aber 
Spannungen  das  Gewebe  nicht  umordnen  können ,  und  die  regel- 
mässige Spaltbarkeit  constant  ist,  da  sind  die  Differenzen  der  Deh- 
nungen grösser.  Auch  die  Dehnungsversuche  ergeben 
daher,  dass  dieDurchflechtung  des  Fasergerüstes  der 
Haut,  mag  dies  schon  in  der  Anlage  begründet  oder  erst  erworben 
sein,  nicht  an  allen  Orten  gleichförmig,  sondern  an  den 
meisten  Hautpartien  der  Art  ausgeführt  ist,  dass  bald  mehr, 
bald  weniger  deutlich  ausgesprochene  Faserzüge,  d.  i.  eine 
riemen  form  ige  Anordnung  des  Gewebes  wahrnehmbar  ist. 

Während  an  allen  Orten  die  Längs-  und  Querriemchen  eine 
bestimmte,  nicht  unbeträchtliche  Dehnungsfähigkeit  zeigten,  lässt 
sich  die  Kopfhaut,  die  keine  oder  nur  eine  unbedeutende  Retrac- 
tilität  besitzt,  nur  um  wenige  Millimetres  ausdehnen.  Ich 
fand  in  einem  Falle: 

Leiche  A:L  bei  Belastung  b  26*8  —  </28-7,  0:627-4  — ,/  30-0 
Millim.  für  L  eine  Gesammtdehnung  von  3-7,  für  Q  eine  Gesammt- 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  \  63 

dehnung  von  50  Millim. ,  und  eine  Differenz  beider  von  1*3  Millim. 
In  einem  zweiten  Falle: 

L'.d  302,  Q:d  31-0  Millim.,  also  eine  Gesammtdehnnng  für  L  von 
52,  für  Q  von  6-0  Millim.,  In  beiden  Fällen  wurde  die  behaarte  Haut 
des  Vorderkopfes  benutzt. 

Ich  zweifle  nicht,  dass  gleiches  auch  von  der  Haut  des  mitt- 
leren Handtellers  und  der  Fusssohle  gilt. 

Die  Schwankungen,  welche  die  Gesammtdehnungen,  nament- 
lich der  Längsriemchen,  an  verschiedenen  Körperstellen  zeigen, 
sind  offenbar  zum  Theile  dem  variablen  Querschnitt  der  Riemchen 
zuzuschreiben. 

Weil  die  Haut  überall  am  Leibe,  mit  Ausnahme  des  Kopfes, 
einem  bestimmten  Grade  von  Spannung  unterworfen  ist,  anderer- 
seits vom  Leibe  losgeschält,  sich  auf  geringere  Dimensionen  zusam- 
menzieht, so  ergibt  sich,  dass  sie  nicht  nur  den  durch  Gelenks- 
bewegungen bedingten  Dehnungen  einigen  Widerstand  bietet,  son- 
dern auch  auf  den  Inhalt  spannend  wirkt.  Dass  aber  das 
Mass  dieser  Kräfte  kein  grosses  sein  könne,  geht 
schon  aus  der  bereits  durch  geringe  Lasten  bewirkten  grösseren 
Anfangsdehnung  hervor. 

Einige  an  einer  Leiche  in  dieser  Richtung  unternommene  Ver- 
suche lehrten,  dass  wenn  am  Leibe  die  Riemchen  zu  25  Millim. 
abgemessen,  durch  die  Loslösung  sich  retrahirten  und  darauf  wieder 
gedehnt  wurden,  nur  in  einzelnen  Fällen  bei  sehr  dicker  Haut 
12  Grm.  nothwendig  waren,  um  sie  wieder  auf  ihre  ursprüngliche 
Länge,  die  sie  nämlich  am  Leibe  hatten,  zu  bringen.  So  grosse  Bela- 
stungen beziehen  sich  aber  nur  auf  das  Längsriemchen,  die  Quer- 
riemchen,  wenn  sie  sich  überhaupt  retrahirten,  brauchten  dazu  nur 
eine  Belastung  von  1*5  Grm.  am  Schenkel,  2*5  Grm.  an  der  Leiste. 
In  den  meisten  Fällen  schwankte  das  nöthige  Gewicht  für  L 
zwischen  1*5  und  10  Grm.,  für  den  Q  von  1-5  bis  höchstens 
9  Grm. 

Was  den  Widerstand  betrifft,  den  die  Haut  den 
Gelenksbewegungen  bietet,  so  kann  auch  er  nur  ein  geringer 
sein;  denn  die  grösste  Verlängerung,  welche  ein  Kreis  von  30  Millim. 
Durchmesser  z.  ß.  an  der  Seite  des  Schulterblattwinkels  durch  Er- 
hebung des  Armes  erlitt,  betrug  zwischen  10 — IT  Millim.  Die 
Länge   auf  25   Millim.   reducirt    ergibt   33-3  — 39- 1    Millim.,    eine 

12* 


164  Lange  r. 

Länge,  welche  einQuerriemchen  dieser  Gegend  von  25  Millim.  Länge 
schon  bei  einer  Belastung  von  10  höchstens  20  Grm.  erreicht,  an 
anderen  Orten  aber  kaum  10  Grm.  dazu  benöthigt.  Eben  dadurch, 
dass  die  Richtungen  der  Gelenksexcursionen  grössten- 
teils in  die  Querrichtung  der  erworbenen  Anord- 
nungen des  Fasernetzes  fallen,  sind  die  Widerstände, 
welche  die  Elasticität  der  Haut  ihrer  Ausdehnung  bie- 
tet, ohnehin  r  e  d  u  c  i  r  t. 

In  Bezug  auf  das  R  et ractionsver mögen  der  Riemchen 
am  Schlüsse  der  D eh nungs versuche  ist  gleich  von  vorne 
herein  zu  bedenken,  dass  die  den  Riemchen  während  der  Versuche, 
aufgeladenen  Lasten  gewiss  so  unverhältnissmässig  bedeutende  sind, 
dass  sie  unter  normalen  Verhältnissen  bestimmt  nie  von  der  Haut  zu 
tragen  sind,  und  dass  ein  nicht  unbedeutender  Theil  der  Verlängerung 
durch  ein  Umordnen  des  Gewebes  und  nur  ein  anderer  Theil  durch 
Streckung  der  Faser  selbst  gewonnen  wird. 

Der  Haut  kann  nur  dann   eine  vollkommene  Elasticität   zuge- 
schrieben werden,  wenn  das   Riemchen  nach  vollendetem  Versuch 
bei  vollständigerEntlastung  wieder  seine  ursprüngliche  Länge  erlangt 
und    keine    bleibende  Dehnung    zeigt,    desshalb    habe   ich  am 
Schlüsse  der  meisten  Versuche  die    unbelasteten  Riemchen  neuer- 
dings in  der  Regel  nach  einer  Viertelstunde,  bei  einigen  nach  Verlauf 
von  mehreren  Stunden  und  einige  erst  am  andern  Tage  gemessen, 
und  gefunden,  dass  die  meisten  Riemchen  kurze  Zeit  nach  dem  Ver- 
suche noch    eine  bald   grössere,  bald  kleinere  Reckung  zeigten, 
dass  diese  Reckung  grösser  war  am  Querriemchen,  als  am  Längs- 
riemchen,  dass  sich  aber  nach  längeren  Zeiträumen,  nach  einigen 
Stunden  nämlich,  selbst  für  das  Querriemchen,  wie  an  der  Leiche 
F  der  6.  Rippengegend  die  ursprüngliche  Länge  bis  auf  2-8  Millim. 
wieder   herstellte;    das    Längsriemchen    von    35   Millim.    von    dem 
Schenkel  der  Leiche  F  erreicht  unbelastet,   doch  aufgehängt,  nach 
a/k  Stunden  eine  Länge  von  37-3,   zeigt  also  gegen  36-3  Millim. 
seine  ursprüngliche  Länge  eine  bleibende  Dehnung  von  nur  1  Millim., 
dagegen    das    Querriemchen    noch    eine    bleibende    Dehnung    von 
3*1  Millim.  Das  Längsriemchen  vom  Schenkel  der  Leiche  //  zeigt 
unbelastet  aufgehängt  für  6-45  Länge  schon  nach   i/ti  Stunde    nur 
(.'ine  Differenz   von    1*4  Millim.,    das  Querriemchen   unter   gleichen 
Umständen  eine  bleibende  Dehiiun»  von  2*45  Millim. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  \  Qty 

Liess  ich  Riemchen  nach  der  Dehnung  über  Nacht  auf  einer 
Glasplatte,  unter  einem  Glassturze  in  feuchter  Atmosphäre  liegen,  so 
sah  ich  Längs-  und  Querriemchen  der  Rippenhaut  vollständig  ihre 
ursprüngliche  Länge  wieder  erreichen. 

Es  ergibt  sich  daher,  dass  sich  die  Riemchen, 
insbesondere  die  Längsriemchen,  trotz  der  grossen 
Gewichte  nach  einiger  Zeit  vollständig  bis  auf  ihre 
ursprüngliche  Länge  wieder  zusammenziehen  können, 
und  dass,  kurze  Zeit  nach  den  Dehnungsversuchen  die  bleibende 
Dehnung  des  25  Millim.  langen  Längsriemchens  in  der  Regel  nicht 
viel  über  1  Millim.,  die  des  Querriemchens  ungefähr  3  Millim. 
beträgt. 

So  wie  die  Verlängerung  des  Riemchens  nicht  blos  durch  die 
Dehnung  der  Faser,  sondern  auch  durch  die  Schlichtung  derselben 
und  die  Umlegung  des  Gewebsnetzes  zu  Stande  kommt,  so  muss  auch 
die  unmittelbar  nach  dem  Versuche,  insbesondere  an  dem  Querriem- 
chen wahrnehmbare  bleibende  Dehnung  diesen  Momenten  gemein- 
schaftlich zugeschrieben  werden;  es  ist  ferner  klar,  dass  der  bei 
weitem  grösste  Antheil  der  bleibenden  Dehnung  den  Schwierigkeiten 
zugeschrieben  werden  muss,  welche  sich  dem  Zurückordnen  des 
Strickwerkes  darbieten,  denn  hat  einmal  die  Faser  ihre  ursprüngliche 
Länge  wieder  erreicht,  so  ist  in  dem  Gerüste  selbst  die  Kraft  nicht 
mehr  aufzubringen,  welche  die  ursprüngliche  Lagerung  des  Netzes 
herbeiführen,  und  die  desshalh  noch  bestehende  Längendifferenz  be- 
gleichen könnte.  Da  dies  nach  längerer  Zeit  aber  dennoch  geschieht, 
so  dürfte  auch  dies  wieder  die  Annahme  einer  in  den  Lücken  des 
Gerüstes  befindlichen  hyalinen  Zwischensubstanz  begünstigen, 
deren  Elasticität  das  Bindegewebsgerüste  zurückordnet;  obwohl  es 
immerhin  noch  denkbar  wäre,  dass  die  in  feuchter  Atmosphäre  ver- 
wahrten Riemchen  Wasser  anziehen,  und  die  Imbibition  die  Binde- 
gewebsbündel  umordnet.  Mag  nun  das  eine  oder  das  andere  der 
Fall  sein,  so  sind  jedenfalls  am  Lebenden  die  Bedingungen  gegeben, 
das  Gewebe  vollständig  zurückzuordnen,  so  dass  man  mit  Rücksicht 
auf  die  am  Lebenden  stattfindenden  Verhältnisse  ohne 
Fehler  annehmen  kann,  dass  die  Haut  nach  Dehnungen 
vollständig  zu  ihrem  ursprünglichen  Zustande  zurück- 
kehren könne,  wie  dies  auch  die  alltägliche  Erfahrung  beweist. 
Die   durch  Schwangerschaften   hervorgerufenen  Umordnungen   und 


1  66  Langer. 

bleibenden  Dehnungen  der  Haut  sind  Ausnahmsfälle,  welche  mehr 
pathologischen  als  physiologischen  Verhältnissen  zuzuschreiben  sind. 

Das  Hautgewebe  besitzt  daher,  so  wie  das  Muskel- 
gewebe eine  innerhalb  ziemlich  weiter  Grenzen  voll- 
kommene Elasticität.  Die  geringen  Auflagen,  welche  Anfangs 
hinreichen,  um  schon  eine  grössere  Verlängerung  der  Riemchen 
hervorzubringen,  die  Abnahme  der  Verlängerung  bei  den  späteren 
Belastungen  beweisen,  dass  die  Elasticität  Anfangs  eine  sehr 
kleine  ist,  und  mit  der  Steigerung  der  Lasten  immer 
grösser  wird. 

Das  gegärbte  Leder  unterscheidet  sich  in  dieser  Beziehung 
sehr  wesentlich  von  der  frischen  Cutis;  denn  es  hat  das  an  der 
Cutis  so  auffallende  RetractionsvermÖgen  vollständig  verloren.  Wird 
nämlich  ein  aus  lohgarem  noch  feuchten  und  nicht  gestreckten 
Menschenleder  geschnittenes  Riemchen  gedehnt,  so  kann  es  sich 
selbst,  wenn  es  auch  in  die  Lohbrühe  wieder  zurückgebracht  wird, 
nicht  mehr  verkürzen  und  behält  die  durch  die  Dehnung  ihm  gegebene 
Form  bei.  Dies  ist  noch  sicherer  der  Fall,  wenn  bereits  trockenes 
Leder  wieder  aufgeweicht  und  zu  den  Riemchen  verwendet  wird; 
das  Gewebe  behält  die  ihm  durch  den  Zug  gegebene  Anordnung. 
Da,  wie  bekannt,  durch  den  dem  eigentlichen  Gärbeprocesse  voraus 
geschickten  Vorgang  des  Einkaikens  der  Cutis,  eine  Substanz  entzogen 
wird,  wodurch  die  Bindegewebsfasern  isolirt  werden,  so  dürfte 
es  nicht  gewagt  sein,  gerade  in  diesem  Körper  jene  Zwischensub- 
stanz zu  vermuthen,  welche  vermöge  ihrer  Elasticität  das  gespannte 
Gewebe  wieder  zurückordnet. 


Die  voranstehenden  Mittheilungen  dürften  wohl  im  Allgemeinen 
eine  Übersicht  über  die  praktisch  wichtigsten  Dehnungsverhältnisse 
der  Haut  verschaffen,  ich  suchte  aber  auch  einige  nähere  Daten,  über 
den  Gang  der  fortschreitenden  Dehnungen  zu  gewinnen,  und  habe 
desshalb  eine  ziemlich  zahlreiche  Reihe  von  Messungen  ausgeführt. 
Die  bereits  mitgetheilten  Zahlen  sind  den  Ergebnissen  dieser  Ver- 
suche entnommen. 

Bekanntlich  hat  Wund  *)  gegen  E.  Weber  2)  und  G.  W  er  Ul- 
li ei  m  3)    behauptet,    dass  die  Dehnungen  der  organischen  Gewebe, 

l)  Die  Lehre  von  der  Muskelhewegiing.  18ä8,  p.  17. 
8)  Muskelliewegung',  R.  Wagner,  Handwörterbuch. 
3)  Annales  de  Chimie  et  de  Physique.   1847,   p.  485. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Hunt.  167 

wenigstens  innerhalb  engerer  Grenzen  der  Belastung  den  dehnen- 
den Gewichten  nahezu  proportional  sind;  während  die  Versuche 
von  Web  er,  Wert  h  he  im  und  neuerdings  vonV  o  lkm  an  n  J)  zei- 
gen, dass  die  Dehnungen  organischer  Gewebe  den  Spannungen  nicht 
proportional  ausfallen,  dass  das  Veihältniss  constant  durch  eine 
Cnrve,  und  nicht  durch  eine  gerade  Linie  repräsentirt  werde.  Ohne 
die  Resultate  meiner  Untersuchungen,  in  allen  die  Elasticität  orga- 
nischer Gewebe  betreffenden  Fragen  für  massgehend  zu  halten,  so 
glaube  ich  doch  der  Genauigkeit  der  Versuche  so  weit  versichert 
zu  sein,  um  für  das  Hautgewebe  mit  Bestimmtheit  angeben 
zu  können,  dass  die  Dehnungen  desselben  nicht  mit 
der  Belastung  proportional  fortschreiten,  sondern 
immer  k  1  e  i  n  e  r  w  e  r  d  e  n ,  und  dass  daher  der  Gang  der 
fortschreitenden  Dehnung  nicht  durch  eine  gerade 
Linie,  sondern  durch  eine  Curve  dargestellt  werden 
k  ö  n  n  e. 

Zu  den  Versuchen  wurde  folgender  Apparat  verwendet,  den  Pro- 
fessor Ludwig  zusammengestellt  und  mir  für  längere  Zeit  bereit- 
willigst zur  Disposition  gestellt  hat.  Er  besteht  aus  einem  Metallstativ, 
an  dessen  einem  mit  einer  Klammer  versehenen  Arme  das  Hautriem- 
chen  aufgehängt  wurde;  ein  zweiter  Arm  trägt  einen  Glascylinder,  der 
oben  durch  eine  an  der  Klammer  angeheftete  Scheibe  und  unten  durch 
eine  zweite,  durchbohrte  Scheibe,  verschlossen  werden  konnte.  Eine 
zweite  Klammer,  welche  an  einem  Metallstäbchen  die  Schale  trägt, 
wurde  am  untern  Ende  des  Riemchens  befestiget,  und  die  Abstände 
der  an  dem  Riemchen  angebrachten  Marken  wurden  mittelst  eines 
Fernrohres  an  einer  vor  dem  Glascylinder  herabhängenden  graduir- 
ten  Glasplatte  gemessen.  Ein  befeuchteter  Papierlappen  in  dem 
Glascylinder  verhindert  die  Eintrocknung  des  Riemchens. 

Zur  Bezeichnung  der  zu  beobachtenden  Riemchenabschnitte 
benützte  ich  kleine  Stecknadeln,  welche  senkrecht  durchgestochen 
wurden;  die  Nadelköpfchen  bildeten  die  Marken,  sie  erfüllten  ge- 
rade den  Zwischenraum  zweier  Theilstriche  der  Glasplatte;  die 
Lage  ihres  Mittelpunktes  und  ihres  oberen  und  unteren  Peripherie- 
punktes zu  den  Theilstrichen  liessen  noch  0-2  Millim.  selbst  mit 
grosser  Genauigkeit  abschätzen. 


'J  Reichert  und  Du  Bois,  Archiv.   1859,  p.  293. 


1  68  Langer. 

Die  zu  untersuchende  Hautpartie  wurde  an  der 
Leiche  mit  dem  Dorne  gespalten,  um  früher  die  Richtung  der  Stich- 
spalten kennen  zu  lernen,  dann  mit  Rücklassung  des  Fettes  und  des 
lockeren  Bindegewebes  abpräparirt,  auf  eine  gereinigte  und  etwas 
befeuchtete  Glastafel  gebracht,  und  erst  nach  einiger  Zeit,  */4  Stunde, 
wo  eine  vollständige  Retraction  angenommen  werden  konnte, 
die  Riemchen  bezeichnet  und  mit  einer  scharfen  Scheere  heraus- 
geschnitten. Es  versteht  sich  von  selbst,  dass  nie  eine  Stichspalte 
in  das  Riemchen  selbst  aufgenommen  wurde.  Alle  Riemchen  hatten 
10  Millim.  Breite.  Darauf  wurde  die  Markirung  eines  25  Millim. 
langen,  mit  dem  Zirkel  abgemessenen  Segmentes  auf  die  bereits 
bezeichnete  Weise  vorgenommen,  und  jedesmal  um  eine  möglichst 
gleichförmige  Dehnung  des  Hautsegmentes  zu  erzielen,  die  Klammern 
in  gleichem  Abstände  von  den  Marken  an  das  Riemchen  angelegt.  Als 
ich  spater  wahrgenommen,  dass  die  Riemchen  für  je  eine  Dehnungs- 
periode bald  oben,  bald  unten  etwas,  wenn  auch  wenig  mehr  gedehnt 
wurden,  habe  ich  auf  dem  Riemchen  die  Länge  von  25  Millim.  zwei- 
mal abgesteckt,  und  zwar  beide  Abstände  um  10  Millim.  gegenein- 
ander verschoben,   so,    dass   ich   vier  Marken   bekam:   a...b... 

a b'\  aayb  V  =  25  Millim.  a  b  und  a  b'  =  10  Millim.  und 

a  b'  =  35  Millim.    Es  wurde  die  jedesmalige  Länge  von  a  a    und 
b  b'  gemessen  und  das  Mittel  von  beiden  berechnet. 

Um  den  so  schwer  zu  ermittelnden  Querschnitt  des  Riemchens 
nicht  berücksichtigen  zu  müssen,  habe  ich  die  Dehnung  derselben 
Hautparlie  bei  verschiedenen  Leichen  untersucht.  Die  zu  den  Ver- 
suchen verwendeten  Leichen  waren  durchgehends  junge  Männer. 

Die  Belastung  wurde  mit  grösseren  Gewichten  vorgenom- 
men, da  es  sich  um  eine  grössere  Masse  handelt,  welche  in  Bewe- 
gung zu  setzen  war;  die  Gewichtseinheit,  auf  welche  die 
Deh  n  u  ng  s  wert  he  sich  beziehen,  wurden  zu  5  Grm. 
angenommen.  Die  Steigerung  der  Gewichte  wurde  aber  rascher 
vorgenommen;  ich  habe  nämlich  wahrgenommen,  dass  eine  stetige, 
öfter  wiederholte  Steigerung  um  dieselbe  Gewichtseinheit  Störun- 
gen, Sprünge,  in  den  regelmässigen  Gang  der  Dehnung  bringe; 
die  Dehnungen  fallen  zuerst  zu  gering,  und  bei  einer  neuen  Auflage, 
das  Versäumte  gleichsam  nachholend,  viel  grösser  aus,  als  es  dem 
regelmässigen  Gange  entspricht;  desshalb  wurde  nur  3  —  4mal  mit 
o  Grm.,   3mal   mit    10  Grm.    u.  s.  f.    belastet.   Anfangs  berücksich- 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  \  (jy 

tigte  ich  nicht  das  Gewicht  der  Schale  mit  ihrer  Klammer,  später 
habe  ich  ihnen  genau  das  Gewicht  von  10  Grm.  gegeben,  und  Hess 
sie  als  Gewicht  in  die  Belastnngsreihe  eintreten;  und  in  den 
letzten  Versuchen  habe  ich  noch,  bevor  die  Schale  mit  der  Klammer 
angelegt  wurde,  noch  ein  5  Grm.  Gewicht  dem  Riemchen  ange- 
hängt und  die  Dehnung  beobachtet.  Da  die  erste  Abmessung  des 
Riemchens  auf  einer  Glasplatte  vorgenommen  wurde,  so  ist  auch  vor 
dem  Beginne  der  Belastung  die  Länge  des  aufgehängten  Riemchens 
gemessen  und  in  den  Tabellen  mit  0  Grm.  Belastung  bezeichnet 
worden. 

Um  trotz  der  Nachdehnung  für  die  einzelnen  Perioden  der  Be- 
lastung dennoch  möglichst  gleichförmige  Dehnungswerthe  zu  erzie- 
len, liess  ich  durch  gleiche  Zeiträume  die  Lasten  wirken,  in 
einigen  Versuchen  durch  2,  in  anderen  durch  5  Minuten. 

Ferner  liess  ich  nach  jeder  Belastung  immer  2  Minuten  ver- 
streichen, ehe  die  neue  Last  aufgelegt  wurde.  Bei  einigen  Versu- 
chen wurde  das  Riemchen  sogar  gänzlich  entlastet,  indem  mit- 
telst zweier  feiner  Fäden  die  Klammer  sammt  der  Schale  in  die  Höhe 
gezogen  und  lixirt  wurde. 

Bei  den  folgenden  grösseren  Auflagen  wurden  die  Dehnungs- 
werthe auf  5  Grm.   berechnet. 

Trotz  der  Verschiedenheiten ,  welche  in  der  erhaltenen  Reihe 
der  Einzeldehnungen  und  an  den  Gesammtdehnungen  wahrnehmbar 
ist,  stimmen  alle  Versuche  diirin  überein,  dass  die  je  5  Grm. 
entsprechenden  Dehnungswerthe  fortschreitend,  und 
zwar  in  sehr  rascher  Folge  abnehmen.  Während  anfangs 
die  Belastung  von  5  Grm.  bereits  eine  Dehnung  von  5 — 6  Millim. 
hervorbrachte,  ergaben  die  späteren  Belastungen  Differenzen, 
welche  sich  anfangs  in  der  ersten,  später  sogar  in  der  zweiten 
Decimalstelle  bewegten.  Der  Gang  der  fortschreitenden  Dehnung 
lässt  sich  daher  durch  eine  mehr  oder  weniger  regelmässiire 
Curve  darstellen,  allein  wegen  dieser  geringen  Differenzen  nähert 
sich  die  Curve,  wenn  sie  namentlich  in  kleinerem  Massstabe  aus- 
geführt wird,  schliesslich  sehr  einer  geraden  Linie,  und  wenn 
man  den  ersten  Theil  der  Curve,  z.  B.  durch  einen  sehr  schweren 
ßelastungsapparat  tilgen  würde,  so  könnte  das  gesetzmässige  der 
Dehnung  nur  in  kleinen  Werthen  sich  erkennen  lassen,  ja  vollstän- 
dig verwischt  werden. 


170  Langer. 

Die  Übereinstimmung,  welche  in  der  Hauptsache  alle  Ver- 
suche und  namentlich  die  Gesammtdehnungen  der  derselben  Haut- 
partie entnommenen  Riemchen  wahrnehmbar  ist,  erstreckt  sich 
aber  nicht  auf  die  Dehnungswerthe  der  einzelnen  Versuchsperioden, 
ja  es  ergaben  sich  in  dieser  Reziehung  manche  Störungen. 
Manchmal  sind  zwei  einander  folgende  Werthe  gleich,  manchmal 
ist  der  Nachfolgende  sogar  grösser  (Sprünge).  Der  Grund  dieser 
Störungen  ist  aber  offenbar  nicht  allein  in  den  Wirkungen  der 
Nachdeh  nung  und  in  Reobachtungsfehlern,  sondern  in  dem  Um- 
stände zu  suchen,  dass  die  Verlängerung  des  Riemchens  nicht  blos 
eine  Folge  der  Dehnung  der  Faser  ist,  sondern  eine  nicht  unbedeu- 
tende Quote  derselben  auch  durch  das  Ordnen  des  Gewebes 
beigestellt  wird.  Der  Umstand,  dass  die  Sprünge  häufiger  bei  der  Deh- 
nung des  Querriemchens  beobachtet  werden  können,  steht  offenbar 
damit  im  Zusammenhange.  Kleine  Unregelmässigkeiten  sind  auch 
noch  in  der  ungleichen  Ausdehnung  des  Riemchens  wahr- 
nehmbar; wenn  nämlich  zwei  Segmente  an  demselben  Riemchen  mar- 
kirt wurden,  so  findet  man  bald  das  eine,  bald  das  andere  etwas  länger, 
allein  wenn  nicht  schon  von  vorne  herein,  durch  die  Messung  mit  dem 
Zirkel  eine  Differenz  beider  Segmente  erzeugt  wurde,  was  gleich 
anfangs  bei  0  Grm.  Belastung  schon  bemerkbar  wird,  so  wurden  diese 
Differenzen,  während  des  Experimentes  nie  grösser  als  10  Millim. 
beobachtet,  und  sie  glichen  sich  am  Schlüsse  des  Experimentes 
theils  vollständig,  theils  bis  auf  einen  Rest  von  0-5  Millim.  aus.  Ich 
habe  im  Ganzen  sechs  solche  Versuche  mit  L,  und  sechs  mit  Q  ausge- 
führt, und  bei  den  Längsriemchen  nur  einmal  am  Schlüsse,  zwischen 
a  a'  und  b  b'  bei  einer  Anfangsdifferenz  von  0-5  Millim.,  eine  End- 
differenz  von  0-9  Millim.  erhalten;  bei  den  Querriemchen  sind  auch 
diese  Unregelmässigkeiten  wieder  auffallend  grösser. 

Die  Störungen,  welche  die  Reihenfolge  der  einzelnen  Deh- 
nungswerthe aus  was  immer  für  einer  Ursache  erleiden,  sind  übri- 
gens nie  bedeutend,  sie  treten  bei  den  Längsriemchen  immer, 
bei  den  Querriemchen  in  der  Regel  erst  in  der  zweiten  Hälfte  des 
Versuches  auf,  wo  mit  grösseren  Gewichten  belastet  wird  und 
kleine  Differenzen  sich  ergeben,  so  dass  sie  die  allgemeine  Anwen- 
dung des  ausgesprochenen  Gesetzes  nicht  beeinträchtigen.  Bei  dein 
letzten,  mit  möglichster  Sorgfalt  ausgeführten  Versuche,  habe  ich 
Dehnungswerthe  für  die  einzelnen  Versuchsperioden  erhalten,  mit 


Zur  Anatomie  uud  Physiologie  der  Haut.  1  7  1 

welchen  ich  hinreichend  regelmässige,  selbst  annähernd  congrnente 
Curven  darstellen  konnte;  dies  gilt  insbesondere  von  den  Längs- 
riemchen,  aufweiche  daher  zunächst  zu  sehen  ist.  Zu  diesen  Ver- 
suchen habe  ich  desshalb  auch  nur  scharf  spaltbare  Hautpar- 
tien, nämlich  von  der  vorderen  Schenkelfläche  und  von  der  seit- 
lichen Brustgegend  gewählt. 

Da  im  Innern  des  Riemchens  keine  grossen  Unregelmässigkei- 
ten der  Dehnung  stattfinden,  so  können  auch  die  gewonnenen 
Dehnungswerthe  proportional  auf  verschieden  lange 
Segmente  desselben  Riemchens  ohne  namhafte  Feh- 
ler übertragen  werden.  Die  Versuche,  bei  welchen  ich  vier 
Marken  angebracht,  haben  Gelegenheit  gegeben,  mich  davon  zu 
überzeugen.  Ich  habe  nämlich  auf  Grund  der  Mittelwerthe  von 
a  a  und  b  b'  ursprünglich  =  25  Millim.,  die  Werthe  für  a  b'  ur- 
sprünglich =  35  Millim.  und  von  b  a!  ursprünglich  =15  Millim. 
berechnet,  und  nur  unbedeutende  Differenzen  derselben  mit  der 
experimentell  ermittelten  gefunden,  wie  dies  Beispiele  in  den 
Tabellen  erläutern.  Auch  hier  zeigt  wieder  das  Längsriemchen 
grössere  Regelmässigkeit  als  das  Querriemchen. 

Trotz  aller  Fehlerquellen  zeugt  aber  selbst  die  den  Gang  der 
Dehnungen  des  Querriemchens  repräsentirende  Linie,  wenn  auch 
stellenweise  gebrochen,  doch  auch  für  das  allgemeine  Gesetz  der 
stetig  mit  der  Belastung  abnehmenden  Dehnung. 

Wegen  der  grösseren  Dehnbarkeit  des  Querriemchens  diver- 
giren  die  Curven  des  L  und  Q;  während  aber  anfangs  die  Differen- 
zen des  Abstandes  beider  Curven  in  grösserer  Proportion  wachsen, 
werden  die  Differenzen  später  immer  kleiner,  so  dass  schliess- 
lich die  Curven  äquidistant  verlaufen  müssen.  Je  grös- 
ser die  Gesammtdifferenz  der  Dehnbarkeit  des  Längs-  und  Quer- 
riemchens ist,  desto  später  werden  die  Curven  äquidistant  werden, 
je  kleiner  desto  früher;  die  Ursachen  der  grösseren  Deh- 
nungsfähigkeit der  Querriemchen  machen  sich  daher 
hauptsächlich  während  der  Anfangsdehnungen  gel- 
tend. Wie  schon  aus  der  ersten  Tabelle  ersichtlich  ist,  ist  für  die 
Längsriemchen  die  Dehnung  bereits  von  30 — 510  Grm.  an  der  Brust-, 
Rücken-,  Schenkel-  und  Wadenhaut  annähernd  gleich,  nur  zwischen 
4-0  und  4*8  Millim.  variirend;  während  sie  bei  den  Querriemchen 
erst  bei    einer  viel    grösseren  Belastung    ungefähr    bei   100  Grm. 


172  Langer. 

gleichförmiger  wird.  Da  kaum  ein  Zweifel  darüber  bestehen  kann, 
dass  die  grössere  Dehnbarkeit  desQuerriemchens  von  dem  Umordnen 
des  Gewehes  abhängt,  so  kann  für  das  Querriemchen  die  Beendi- 
gung der  Gewebsumordnung  dahin  verlegt  werden,  wo  beide  Cur- 
ven  äquidistant  werden.  Der  Schluss  der  Umordnung  des  Gewebes 
im  Längsriemchen  ist  dagegen  kaum  scharf  zu  ermitteln;  und  die 
Dehnbarkeit  der  Bindegewebsfaser  der  Haut  von  dem  Antheile  der 
Verlängerung  des  Riemchens,  welchen  die  Gewebsumordnung  be- 
dingt, nicht  zu  trennen,  und  desshalb  auch  nichts  genaues  über 
die  Elasticität  des  Hautbindegewebes  zu  bestimmen;  doch  nehmen 
die  Verlängerungen  der  Längsriemchen  nach  10 — ISGrm.  Belastung 
schon  so  bedeutend  ab,  dass  man  jedenfalls  so  viel  mit  Bestimmtheit 
sagen  kann,  dass  die  Elasticität  der  Bindegewebsfaser  der  Haut  eine 
sehr  grosse  ist,  wie  dies  auch  die  Versuche  von  Wertheim  an 
Sehnen  nachgewiesen  haben.  Und  desshalb  kann  die  grosse 
Dehnbarkeit  der  Haut  nicht  in  den  physikalischen 
Eigenschaften  ihrer  Gewebselemente,  sondern  nur  in 
der  Anordnung  ihres  Gewebes  begründet  sein.  Ist  das 
Hautgewebe  einmal  nach  der  Zugrichtung  geordnet,  so  kann  es 
eben  nur  die  dem  Sehnengewebe  eigenthümliche  Dehnbarkeit  und 
Elasticität  zeigen. 


Die  folgenden  Tabellen  enthalten  die  Resultate  der  letzten, 
mit  allen  Vorsichtsmassregeln  ausgeführten  Versuche  über  die  Dehn- 
barkeit der  Längs-  und  Querriemchen  scharf  spaltbarer  Hautpartien- 
Der  grösseren  Deutlichkeit  wegen  wurde  der  Gang  der  Dehnung 
graphisch  dargestellt.  Die  Unregelmässigkeiten  des  Ganges  sind  in 
den  Rubriken  durch  fette  Zahlen  kenntlich  gemacht. 


Zur  Anatomie  und   Physiologie  der  Haut. 


173 


A.  Längsriemchen. 

a)  Von  der  Seite  der  Brust. 
I.  Leiche  C,  7.  Rippe. 

Dauer  der  Dehnung  2  Minuten,  Zwischenzeit  bei  Belastung  mit  10  Grm. 
(Schale)  ebenfalls  2  Minuten. 


6d£ 

ff 

Länge  in  Millimetres 

5  a 

Länge  in  Millimetres 

Differenz 

Differenz 

~  6 

Dehnung 

Differenz 

auf 

«  « 

Dehnung 

Differenz 

auf 

03  .= 

5  Grammen 

S  Grammen 

0 

40 

34-9 

0-4 

0-200 

5 

*?0 

35-3 

0-4 

0-200 
0  120 

10 

32-0 

70 

100 

36-5 

1-2 

15 

330 

1-0 

1000 

210 

37-7 

1-2 

0-054 

20 

33-8 

0-8 

0-800 

310 

38-4 

0-7 

0-035 

25 

34-2 

0-4 

0-400 

410 

38-9 

0-5 

0-025 

30 

345 

0-3 

0-300 

510 

39-3 

0-4 

0-020 

Bleibende  Dehnung   mittelbar  nach  dem  Versuche   bei    voller   Ent- 
lastung und  directer  Messung  =  2-0  Millim. 


II.  Leiche  F,  6.  Rippp. 

5  Minuten  Belastung,  2  Minuten  vollkommene  Entlastung. 

Mittel  von  aa  und  bb'. 
Bei  einer  Enddifferenz  von  0'5. 


c 

=  a 

3   £ 

Länge  in   Millimetres 

u>3 

|  | 

Länge  in  Millimetres 

Differenz 

Differenz 

"ä  « 

Dehnung 

Differenz 

auf 

~  o 

Dehnung 

Differenz 

auf 

S  Grammen 

ä  Grammen 

0 

25-8 

0-8 

50 

39-2 

0-5 

0-250 

5 

30-3 

4-5 

4-500 

100 

410 

1-8 

0-180 

10 

33-4 

31 

3-100 

210 

42-9 

1-9 

0-086 

15 

35-0 

2-6 

2-600 

310 

44-0 

11 

0  055 

20 

36-1 

11 

1-100 

410 

44-8 

0-8 

0-040 

30 

37-8 

1-7 

0-850 

510 

45-2 

0-4 

0-020 

40 

38-7 

0-9 

0-450 

174 


Lange 

a  b'. 


in  § 

3    S 

La 

nge   in   Millimetres 

tu  * 

a   S 

1    1 

Länge  in  Miliin 

etres 

Differenz 

Differenz 

«O 

Dehnung 

Differenz 

auf 

■3» 

Dehnung 

Differenz 

auf 

B 

5  Grammen 

5  Grammen 

0 

36-7 

1-7 

50 

55-4 

0-6 

0-300 

s 

43  1 

6-4 

6-400 

100 

58-0 

2-6 

0-260 

10 

47-3 

4-2 

4-200 

210 

60-2 

2-2 

0  100 

15 

49-8 

2-5 

2-500 

310 

62-0 

1-8 

0-090 

20 

51-2 

1-4 

1-400 

410 

62-9 

0-9 

0-045 

30 

53-7 

2-5 

1-250 

510 

63-5 

0-6 

0  030 

40 

54-8 

11 

0-550 

Bleibende  Dehnung  bei  10  Grm.  Belastung  nach  einer  halben  Stunde 
3-7Millim. 

Gesammte  Länge  von  a  b'  berechnet  auf  63-2  Millim. 
Länge  bei    50  Grm.  Belastung  „    54-8       „ 

„  210     „  „  „    600       „ 


b)  Von  der  vorderen  Schenkelfläche. 
III.  Leiche  D. 
2  Minuten  Belastung,  2  Minuten  Entlastung  mit  der  Sehale. 


B 

60  * 

2  B 

Länge   in  Millimetres 

1  a 

La 

nge  in  Millimetres 

Differenz 

Differenz 

t  Ö 

Dehnung 

Differenz 

auf 

~  ö 

Dehnung 

Differenz 

auf 

M.S 

5  Graminen 

5  Grammen 

0 

5 

10 

40 

50 

100 

38-5 
38-9 
39-9 

0-5 
0-4 
10 

0-250 
0-200 
0-100 

35-0 

10-0 

15 

36-4 

1-4 

1-400 

210 

40-6 

0-7 

0-031 

20 

371 

0-7 

0-700 

310 

41-4 

0-8 

0040 

25 

37-6 

0-5 

0-500 

410 

41-6 

0-2 

0010 

30 

38-0 

0-4 

0-400 

510 

420 

0-4 

0  020 

Gleich  nach   dem  Versuche   an   dem    entlasteten    Biemchen   mit  Zirkel 
gemessene  bleibende  Dehnung  3  Millim. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut. 


175 


IV.  Leiche  F. 

5  Minuten  Belastung,  2  Minuten  vollständige  Entlastung. 

Mittel  aus  aa  und  bb'. 
Enddifferenz  0-2  Millim. 


6*S 
|I 

<U    O 

03    - 

Länge  in  Millimetres 

«=   5 

5  s 

■%  <3 
oa  = 

Länge  in  Millimetres 

Dehnung 

Differenz. 

Differenz 

auf 

5  Grammen 

Dehnung 

Differenz 

Differenz 

auf 

5  Grammen 

0 
5 
10 
15 
20 
30 
40 

26-2 
33-0 
360 
37-4 
38-0 
39-0 
39-6 

1-2 
6-8 
30 
1-4 
0-6 
10 
0-6 

6-800 
3-000 
1-400 
0-600 
0-500 
0-300 

50 
100 
210 
310 
410 
510 

40-1 
40-9 
41-6 
42-5 
42-6 
43-2 

0-5 
0-8 
0-7 
0-9 
01 
0-6 

0-250 
0-080 
0  031 
0  030 
0  005 
O-045 

ab'. 


to  S 

=   q 

«  1 

Länge  in  JVIillii 

netres 

to  Z 

a    3 

3  a 

La 

nge  in  Millimetres 

Differenz 

Differenz 

u  « 

Dehnung 

Differenz 

auf 

%  rJ 

Dehnung 

Differenz 

auf 

5  Grammen 

«  a 

5  Graminen 

0 

37-2 

2-2 

50 

56-9 

0-6 

0-300 

5 

47-0 

9-8 

9-800 

100 

57-9 

10 

0-100 

10 

511 

41 

4-100 

210 

59-3 

1-4 

0  063 

15 

52-9 

1-8 

1-800 

310 

601 

0-8 

0  040 

20 

54-0 

11 

1100 

410 

60-2 

01 

0-005 

30 

55-5 

1-5 

0-750 

510 

61-0 

0-8 

0  020 

40 

56-3 

0-8 

0-400 

Bleibende  Dehnung,    unbelastet    aufgehängt,     nach    z/ik    Stunden 
1-0  Millim. 

a  b'  berechnet. 


iE  V 

=   3 

Länge  in   Millimetres 

6»  £ 

1 1 

Länge  in   Milli 

netres 

Differenz 

Differenz 

~® 

Dehnung 

Differenz 

auf 

~Z  ö 

Dehnung 

Differenz 

auf 

EQ  a 

5  Grammen 

a  .2 

5  Grammen 

0 

36-6 

1-6 

50 

561 

0-7 

0-350 

5 

46-2 

9-6 

9-600 

100 

56-8 

0-7 

0  070 

10 

50-4 

4-2 

4-200 

210 

58-2 

1-4 

0  063 

15 

52-3 

1-9 

1-900 

310 

59-5 

1-3 

0065 

20 

53-2 

0-9 

0-900 

410 

59-6 

01 

0  005 

30 

54-6 

1-4 

0-700 

510 

60-4 

0-8 

0  040 

40 

55-4 

0-8 

0-400 

176 


Langer. 


V.  Leiche  H. 

2  Minuten  Belastung,  2  Minuten  Zwischenzeit  mit  der  Schale. 

Mittel  aus  a  a  und  b  b'. 

Bei  einer  Enddifferenz  von  0-9  Millim. 


tO  £ 

2  s 

La 

nge  in  Millimetres 

to  <u 

La 

nge  in  Millimetres 

Differenz 

Differenz 

~  a 

Dehnung 

Differenz 

auf 

~Z  « 

Dehnung 

Differenz 

auf 

5  Grammen 

5  Grammen 

0 

26-4 

1-4 

50 

39-8 

0-8 

0-200 

5 

30-6 

4-2 

4-200 

100 

40-6 

0-8 

0-080 

10 

34-0 

3-4 

3-400 

210 

42-2 

1-6 

0-072 

15 

36-3 

2-3 

2-300 

310 

42-7 

0-5 

0  025 

20 

37-6 

1-3 

1-300 

510 

43-4 

0-7 

0017 

30 

390 

1-4 

0-700 

BleibendeDehnung  nach  einer  Viertelstunde  des  entlastet  aufgehängten 
Riemchens  1*4  Millim. 

a  b'. 


Läng-e   in  Milli 

netrfs 

60  <u 

Länge   in  Milli 

metres 

II 

|| 

Differenz 

Differenz 

~  » 

Dehnung 

Differenz 

auf 

X  o 

Dehnung 

Differenz 

auf 

BS    a 

5  Grammen 

a  .5 

5  Grammen 

0 

37-2 

2-2 

50 

55-7 

1-2 

0-3U0 

5 

42-7 

5-5 

5-500 

100 

57-3 

1-6 

0-160 

10 

47-5 

4-8 

4-800 

2)0 

590 

1-7 

0  077 

15 

51-0 

3-5 

3-500 

310 

59-9 

0-9 

0-045 

20 

52-7 

17 

1-700 

510 

60-9 

10 

0  025 

30 

54-5 

1-8 

0-900 

Gesammtliinge  berechnet  60-7  Millim. 

B.  Queniemchen. 

a)  Von  der  Seite  der  Brust. 
VI.  Leiche  C,  7.  Rippe. 
Wie  bei  I. 


£3 
40  »> 

o  a 
5  | 

■f  o 
M.2 

Länge  in   Millimetres 

So  * 
s    = 

=   2 

05 .2 

Länge  in  Millimetres 

Dehnung         Differenz 

Differenz 

auf 

5  Grammen 

Dehnung 

Differenz 

Differenz 

auf 

5  Graminen 

0 
5 
10 
15 
20 
25 
30 

40 
50 
100 
210 
310 
410 
510 

40-4 
41-0 

42-8 
44-1 
45-9 
46-9 
48-0 

10 
0-6 
1-8 
1-3 
1-8 
10 
11 

0-500 
0  •  300 
0180 
0-059 
0090 
0-050 
O-055 

35  0 

36  S 

37-7 
38-8 
39-4 

10-0 
1-5 
1-2 
11 
0-6 

1-500 
1-200 
1100 
0-600 

Bleibende  Dehnung:  3-0  Millim. 


Zur  Anatomie   und  Physiologie  der  Haut. 


177 


VII.  Leiche  F,  G.  Rippe.         Wie  bei  II. 
Mittel  von  a  a'  und  b  b' . 
Enddifferenz  2-0  Millim. 


s 
fco  V 

§  s 

|  S 

Lauge  in  Millimetres 

a 

CD  1> 

Länge  in   Milli 

netres 

Differenz 

2a 

Differenz 

%  « 

Dehnung 

Differenz 

auf 

—  <£ 

Dehnung 

Differenz 

auf 

CO  _c 

5  Grammen 

m.2 

5  Grammen 

0 

27-2 

2-2 

50 

44-6 

0-9 

0-450 

5 

32-8 

5-6 

5-600 

100 

46-8 

2-2 

0-220 

10 

36-7 

39 

3-900 

210 

49-4 

2-6 

0-118 

15 

39-4 

2-7 

2-700 

310 

51-2 

1-8 

0-090 

20 

40-9 

1-5 

1-500 

410 

52-2 

10 

0-050 

30 

431 

2-2 

1-100 

510 

530 

0-8' 

0-040 

40 

43-7 

0-6 

0-300 

a  b'. 


SD  o> 

Länge  in  Millimetres 

|1 

-2   S 

Le 

nge  in  Milli 

netres 

Differenz 

Differenz 

io 

Dehnung 

Differenz 

auf 

«  O 

Dehnung 

Differenz 

auf 

5  Grammen 

-   a 

5  Grammen 

0 

380 

3-0 

50 

630 

1-6 

0-800 

5 

46-2 

8-2 

8-200 

100 

66-0 

3-0 

0-300 

10 

51-9 

5-7 

5-700 

210 

69-7 

3-7 

0-168 

15 

55-6 

3-7 

3-700 

310 

72-4 

2-7 

0135 

20 

57-7 

21 

2- 100 

410 

74-7 

2-3 

0115 

30 

60-5 

2-8 

1-400 

510 

74-9 

0-2 

0-010 

40 

61-4 

0-9 

0-450 

Bleibende  Dehnung  nach  4  Stunden   des  aufgehängten  ganz  unbe- 
lasteten Rieniehens  =  10  Millim. 

Gesammtlänge  von  a  V  berechnet  =  74-2. 

h)  Von  der  vorderen  Schenkelfläehe. 
VIII.  Leiche  G. 
5  Minuten  Belastung,  2  Minuten  vollkommene  Entlastung. 

Mittel  aus  a  a'  und  b  b'. 
Bei  einer  Enddifferenz  von  0-5  Millim. 


= 

Länge  in  Millimetres 

fco  2 

Länge  in  Millimetres 

5   5 

Differenz 

|  a 

Differenz 

«« 

Dehnung 

Differenz 

auf 

~  6 

Dehnung 

Differenz 

auf 

03    = 

5  Grammen 

M.S 

5  Grammen 

0 

28-3 

3-3 

50 

52-7 

2-0 

1-000 

5 

350 

6-7 

6-700 

100 

55-5 

2-8 

0-280 

10 

39-0 

4-0 

4-000 

210 

58-3 

2-8 

0  127 

15 

42-8 

3-8 

3-800 

310 

59-8 

1-5 

0-075 

20 

45-2 

2-4 

2-400 

410 

60-6 

0-8 

0  040 

30 

48-5 

3-3 

1-665 

510 

61-2 

0-6 

0-030 

40 

50-7 

2-2 

1-100 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Ahth. 


13 


178 


L  a 


a  b' . 


CO? 

5  = 

Lii 

ige  in  Millimetres 

Sri 

5  3 

La 

nge  in   Millii 

jetres 

Differenz 

Differenz 

vO 

Dehnung 

Differenz 

auf 

■ja 

Dehnung 

Differenz 

auf 

5  Grammen 

ca  a 

ä  Grammen 

0 

39-9 

4-9 

73-7 

2-5 

1-250 

5 

49-0 

91 

9100 

100 

78-0 

4-3 

0-430 

10 

54-2 

5-2 

5-200 

210 

81-6 

3-6 

0163 

15 

59-7 

5-5 

5-500 

310 

83-7 

21 

0-105 

20 

630 

3-3 

3-300 

410 

85-0 

1-3 

0  065 

30 

68-0 

50 

2-500 

510 

85-8 

0-8 

0  040 

40 

71-2 

3-2 

1-600 

Bleibende  Dehnung  bei  0  Grm.  Belastung  =  3-1  Millim. 
Gesammtlänge  von  ab'  berechnet  =  85-6  Millim. 
Bleibende  Dehnung  auf««'  berechnet  =  2-2  Millim. 

IX.  Leiche  H. 
Siehe  V. 

Mittel  aus  a  n'  und  b  b' . 
Bei  einer  Enddifferenz  von  1  -5  Millim. 


CO  0. 

La 

nge  in   Millimetres 

a 

tu  a> 

Länge   in   Millimetres 

z  a 

Differenz 

-    3 

Differenz 

~  es 

Dehnung 

Differenz 

auf 

«  O 

Dehnung 

Differenz 

auf 

ca  a 

5  Grammen 

—    c 

5  Graminen 

0 

25-7 

0-7 

50 

44-5 

2-5 

0-625 

5 

31-9 

6  2 

6-200 

100 

47-6 

3  1 

0-310 

10 

35-8 

3-9 

3-900 

210 

50-8 

3-2 

0145 

15 

38-5 

2-7 

2-700 

310 

52-5 

1-7 

0  085 

20 

39-8 

1-3 

1-300 

510 

53-8 

1-3 

0  032 

30 

42-0 

2-2 

1100 

Bleibende  Dehnung  hei  0  Grm.  Belastung  nach  einer  Viertelstunde 
2-4  Millim. 

a  b'. 


a    p 

■2  ä 

Länge  in  Millimetres 

11 

La 

nge  in  Millimetres 

Differenz 

Differenz 

~  CS 
M    3 

Dehnung 

Differenz 

auf 
!i  Grammen 

%  6 

=3    c 

Dehnung 

Differenz 

auf 
5  Grammen 

0 

30-3 

1-3 

50 

63-0 

3-5 

0-875 

5 

45-3 

9  0 

9-000 

1 00 

67  2 

4-2 

0-420 

10 

51))) 

5-3 

5  •  300 

210 

720 

4-8 

0-218 

15 

5  i  • :; 

3-9 

3  •  900 

310 

74-0 

20 

0-100 

20 

:.(;:; 

20 

2-000 

510 

76-0 

20 

0-050 

311 

59-5 

30 

1-500 

Gesammtlänge  von  ab'  berechnet  70-1  Millim. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  179 


IV.  Das  Quellungsvermögen  der  Cutis. 

Als  ich  behufs  der  mikroskopischen  Untersuchung  nach  Rol- 
le t's  Verfahren  Hautstücke  zu  gerben  versuchte,  beobachtete  ich, 
dass  die  anfangs  in  beliebigen  Richtungen  begrenzten  rechteckig 
zugeschnittenen  Hautstückchen  im  Barytwasser  und  Essig  nach  einem 
oder  zwei  Tagen  eine  rhomboidale  Form  angenommen  haben.  Als 
ich  aber  wegen  der  leichteren  Orientirung  der  Durchschnitte  nach 
den  Stichreihen  begrenzte  rechteckige  Lederstücke  zu  gewinnen 
suchte,  und  desshalb  gleich  anfangs  in  dieser  Weise  begrenzte  klei- 
nere Hautquadrate  in  das  Quellungsmedium  brachte,  beobachtete  ich, 
dass  sich  die  Quadrate  zwar  in  einer  Richtung  verlängerten,  aber 
nur  selten  zu  Rhomben  umgestalteten. 

Von  da  an  wurden  immer  neue  nach  den  Stichspalten  orientirte 
Hautstücke  in  das  Quellungsmedium  eingelegt,  doch  traf  es  sich  nicht 
selten,  dass  grössere  Hautquadrate  dennoch  manchmal  einseitig  in 
spitzigen  Winkeln  ausgezogen  wurden,  jedoch  quollen  sie  Con- 
sta nt  in  der  auf  die  Spalten  reihen  senkrechten  Rich- 
tung stärker  auf,  als  in  der  Richtung  der  Spalt- 
reihen. An  kleineren  Hautquadraten  aber  ist  diese  Unregelmässig- 
keit nicht  vorgekommen;  es  ergab  sich,  dass  jene  Unregelmässigkei- 
ten der  Aufquellung  an  grösseren  Hautlappen  nur  dann  vorkamen, 
wenn  die  Stichreihen ,  wie  z.  R.  an  der  vorderen  Schenkelfläche 
radiatim  gegen  einen  Punkt  oder  Linie,  den  vorderen  obern  Dorn  des 
Darmbeines,  und  das  Poupart'sche  Band  angeordnet  waren,  und  in  die 
Umrisse  des  Quadrates  nicht  lauter  annähernd  parallel  gerichtete 
Reihen  gefasst  werden  konnten.  An  jenen  Rändern,  welche  genau 
nach  den  Stichspalten  orientirt  waren,  zeigten  sich  nie  Unregel- 
mässigkeiten. 

Ich  verwendete  daher  bei  den  Versuchen ,  die  ich  nun  über 
das  Quellungsvermögen  der  Haut  unternommen,  nur  mehr  kleinere 
Quadrate  von  höchstens  4-0  Centim.  und  von  2*5  Centim.  Seiten- 
länge, benützte  aber  auch  die  Kreisform;  denn  Kreise  mussten  unter 
allen  Umständen  genau  durch  ihre  Umgestaltung  in  Ovale  die  Rich- 
tung der  Aufquellung  anzeigen.  Wie  bei  den  Versuchen  über  die 
Spannung  und  Dehnungsfähigkeit  wurden  auch  da  die  Umrisse  auf 
die   am   Leibe    mehrfach  gespaltenen,   dann  auf  einer  befeuchteten 

13* 


180  L  ■■>  »  §  e  '• 

Glasplatte  vollständig  retrahirten  Hautlappen  aufgedrückt,  und  zur 
besseren  Controle  noch  in  die  Quadrate  mit  dem  Model  ein  Kreis 
hineingezeichnet.  Es  ist  sicherer  die  Quadrate  auf  einen  ungefähr 
quadratischen  Hautlappen  zu  zeichnen  und  den  ganzen  Lappen  in 
das  Quellungsmedium  zu  bringen,  als  das  Quadrat  in  den  Umrissen 
herauszuschneiden,  weil  die  Schnitte  nach  der  Quellung  meist  schiefe 
Flächen  bilden,  welche  nur  unsichere  Abmessungen  gestatten.  An 
grösseren  Hautlappen  wurden  die  Quadrate  und  Kreise  mehrmal  hin- 
eingezeichnet, und  der  ganze  Lappen  in  das  Quellungsmedium 
gebracht. 

Die  Messungen  der  Quadratseiten  wurden  nur  dann  als  richtig 
angenommen,  wenn  sich  die  Winkel  des  Rechteckes  nicht  veränder- 
ten; die  Durchmesser  des  aus  dem  Kreise  entstandenen  Ovales  gaben 
aber  immer  die  richtigen  Verhältnisse  an,  weil  der  Kreis  nicht  wie 
die  Quadrate  orientirt  werden  musste. 

Da  es  mir  bei  diesen  Versuchen  nur  um  die  Formverhältnisse 
zu  thun  war,  so  benützte  ich  als  Quellungsmedium  nur  die  Essig- 
säure. Die  Hautstiicke  mussten,  damit  sie  ganz  gleichförmig 
durchdrungen  würden  und  aufquellen  konnten,  immer  mindestens 
48  Stunden  in  Essig  liegen  bleiben. 

Die  Hindernisse  der  Quellung  wurden  möglichst  dadurch  be- 
seitigt, dass  die  subcutane  Fettschichte  rein  abpräparirt  und  durch 
die  quadratische  Form  der  grösseren  Lappen  eine  gleichförmige 
Durchdringung  mit  dem  Quellungsmedium  angestrebt  wurde. 

Trotzdem  fand  ich  manchmal  an  einem  und  demselben  Haut- 
stücke, wenn  mehrere  Figuren  gezeichnet  wurden,  die  eine  mehr, 
die  andere  weniger  verändert,  wesshalb  mehr  die  relativen  Masse  zu 
berücksichtigen  sind.  Die  Messungen  wurden  direct  mit  dem  Zirkel 
vorgenommen. 

Die  folgenden  Angaben  betreffen  die  Haut  eines  jungen  Mannes, 
und  bringen  die  Resultate  einer  viertägigen  Maceration. 

1.  Hautstück  von  der  Seite  der  Brust,  welches  mit  Qua- 
draten von  40  Centim.  Seitenlänge  und  Kreisen  von  30  Centim. 
Durchmesser  bezeichnet  war.  Die  Quadrate  wurden  zu  Parallelo- 
grammen, die  Kreise  zu  Ellipsen,  die  längere  Dimension  beider 
Figuren  kreuzte  in  querer  Richtung  die  Spaltreihen.  L  bezeichnet 
die  Richtung  der  Spaltreihen,  Q  die  Querrichtung. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  <ler  Haut.  1  ö  I 

Die  Seiten  des  mittleren  Rechteckes  hatten: 
L  37  5  Millim.. 

Q  460       „  L:Q=1:  1'226. 

Quellungsverhältniss  von  Q  =  1  :  11 50. 
Die  Durchmesser  der  Kreise: 
L  28  Millim., 

Q  35       „  L:  0=1:1-230. 

Quellungsverhältniss  von   ()  ==  1  :  1-166. 

II.  Hautstück  über  dem  Leistenbande  mit  einem  Qua- 
drate und  einem  Kreise: 

Die  Seiten  des  Rechteckes: 
L  365  Millim., 

Q  460        „  L:  Q  =  1  :  1260. 

Quellungsverhältniss  von  Q  =  1  :  1*150. 
Die  Durchmesser  des  Kreises: 
L  26-5  Millim., 

ö  330       „  L:Q  =  1  :  1245 

Quellungsverhältniss  von   ()  =  1  :  1-100. 

III.  Hautstück  von  der  vorderen  Schenkelfläche: 
Die  Seiten  des  Rechteckes: 

L  38-5  Millim., 

Q  460        „  L:  Q  =  1  :  1194. 

Quellungsverhältniss  von   ()  =  I  :  1-150. 
Die  Durchmesser  des  Ovales: 
L  28-0  Millim., 

Q  35  0        „  L:Q  =  l:  1250. 

Quellungsverhältniss   von    Q  =  1  :  1-166. 
An  einem  Stücke  Schenkelhaut  mit  radiären  Spaltreihen  wurden 
mehrere  Kreise  aufgezeichnet,  und  nach  der  Quellung  die  längeren 
Durchmesser  der  Ovale  nicht  parallel,   sondern  senkrecht  auf  die 
Spaltreihen  gestellt  und  unter  einander  Winkel  bildend  gefunden. 

Da  die  Zeichnung  auf  die  Epidermis  gemacht  wurde,  und  da  der 
ursprünglich  scharfe  Umriss  der  Zeichnung  ebenfalls  etwas  durch 
die  Quellung  breiter  wurde,  so  konnte  die  Messung  des  gequollenen 
Hautstückes  nicht  ganz  exact  sein,  nichts  destoweniger  kann  aber 
kein  Zweifel  darüber  bestehen,  dass  die  aufgequollenen, 
ursprünglich  in  gleicher  Länge  und  Breite  abge- 
zeichneten   Stücke     scharf    spalt  hären    Hautgewebes 


1  82  Langer. 

ungleich  grosse  Dimensionen  erlangen,  und  dass  der 
Q  u  er  durch  in  esse  r  derselben  grösser  ist,  als  der  Längsdurch- 
messer. Der  Querdurchmesser  war  stets  absolut  grösser, 
als  in  der  ursprünglichen  Zeichnung,  während  der  Längsdurchmes- 
ser annähernd  gl  eich  geblieben  oder  nicht  unbeträcht- 
lich  verkürzt  wurde. 

Das  Quellungsverhältniss  ist  daher  in  Bezug  auf 
Längs-  und  Querrichtung  entschieden  ein  ungleich- 
förmiges, ja  es  sprechen  diese  Versuche  sogar  dafür,  dass  die 
Quellung  nur  in  der  Querrichtung  vor  sich  gehe,  und 
dass  in  der  Längsrichtung  der  Spalt  reihen  sogar 
ein  Schrumpfen  des  Gewebes  stattfinde. 

Das  Quellungsvermögen  des  Querschnittes  ist  ent- 
schieden noch  grösser  als  es  die  angegebenen  Masse  ausweisen, 
denn  um  einen  ganz  richtigen  Ausdruck  für  das  Quellungsverhältniss 
zu  bekommen,  müsste  auch  die  Dickenzunahme  der  Hautstücke  be- 
rücksichtigt, und  daher  nicht  nur  das  Flächenmass,  sondern  auch 
der  Kubikinhalt  des  Segmentes  vor  und  nach  der  Quellung  verglichen 
werden.  Ich  habe  zwar  die  Untersuchung  in  dieser  Richtung  nicht 
weiter  geführt,  kann  daher  namentlich  über  das  Verhältnis«  der  Auf- 
quellung des  Querschnittes  zürn  Längsschnitte  keine  genauen  Anga- 
ben machen,  glaube  aber  dennoch  nicht  unberechtigt  mich  dahin 
aussprechen  zu  können,  dass  wenigstens  ein  Theil  der  Zu- 
nahme des  Querschnittes  durch  den  Ausfall  in  der 
Länge  beschafft  werde,  weil  ich  nämlich  immer  die  Längen- 
dimension scharf  spaltbarer  Hautlappen  wenigstens  um  etwas  ver- 
kürzt gefunden. 

Da  aber  die  an  den  Hautlappen  beobachteten  Differenzen 
gelegentlich  so  klein  waren,  dass  sie  möglicher  Weise  den  Fehlern 
der  Messung  hätten  zugeschrieben  werden  können  ,  so  suchte  ich 
mir  dadurch  Sicherheit  zu  verschaffen,  dass  ich  die  Quellung  sol- 
cher Bindegewebsmassen  untersuchte,  deren  Bündel  parallel  ange- 
ordnet sind,  und  habe  desshalb  Parallelversuche  mit  Seh- 
nenstücken vorgenommen.  Es  ergab  sich,  dass  regelmässig  die 
Zunahme  des  Querschnittes  von  einer  Abnahme  in  der  Länge  des 
Sehnenstückes  begleitet  ist.  An  dünnen  Sehnen  z.  B.  an  den  Sehnen 
der  Plantaris  longus  ist  diese  Verkürzung  schon  nach  Kurzem  wahr- 
nehmbar. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  183 

Nach  einer  48stundigen  Maceration  in  Essig-  haben  sich  126 
Millim.  lange  Sehnenstucke  verkürzt,  und  zwar  die  ganze  Sehne 
des  Plantaris  long,  um  41  Millim.,  sie  erhielt  annähernd  eine  spul- 
runde  Gestalt  von  ungefähr  11  Millim.  Durchmesser,  mit  mehreren 
Einschnürungen;  in  einem  anderen  Falle  verkürzte  sie  sich  schon 
nach  24  Stunden  um  38  Millim.  Von  der  Sehne  desselben  Muskels  der 
anderen  Seite,  weichein  zwei  Theile  gespalten  wurde,  verkürzte 
sich  der  eine  Theil  um  46  Millim.,  der  andere  um  61  Millim. 
Letzterer  hat  sich  bis  auf  18  Millim.  nach  der  Fläche  ausgehreitet. 
Die  ganze  nur  an  ihrem  oberen  Ende  stark  aufgequollene  Sehne  des 
Peroneus  longus  verkürzte  sich  um  24  Millim.  Von  der  gespalte- 
nen Sehne  der  anderen  Seite  ,  die  eine  Hälfte  um  33  Millim.,  die 
andere  um  32  Millim. 

Die  grösseren  Verkürzungen  der  Theile  ,  gegenüber  den  gan- 
zen Sehnen  sind  der  grösseren  Zugänglichkeit  für  das  Quellungs- 
medium  und  der  Beseitigung  der  einschnürenden  Kreisfasern  zuzu- 
schreiben. 

Die  Differenzen  sind  da  so  gross,  dass  sie  unmöglich  den  Feh- 
lern der  Messungen  zugeschrieben  werden  können. 

Da  die  Quellungsverhältnisse  der  Sehnen  bei  der  parallelen 
Anordnung  der  die  Sehne  bildenden  Bindegewebsbündel  füglich 
nur  als  die  Summe  der  Quellung  der  einzelnen  Bündel  betrachtet 
werden  können  ,  so  kann  das  Verhältniss  der  Quellung  der  ganzen 
Sehne  auch  auf  das  einzelne  Bündel  übertragen  werden,  und 
bei  dem  vorwaltend  in  gleichen  Zügen  angeordneten  Bindegewebs- 
gerüste  scharf  spaltbaren  Hautgewebes  muss  die  besprochene  un- 
gleich massige  Quellung  der  Hautlagen  der  Gewebs- 
anordnung   zugeschrieben  werden. 

Denkt  man  sich  ein  Gewebe,  dessen  Fasermassen  nicht  ein 
gleichförmiges  nach  Art  eines  Filzes  angeordnetes  Flechtwerk  dar- 
stellen, sondern  aus  dichten  mehr  gleich  gerichteten,  wenn  auch  ge- 
kreuzten Faserzügen  besteht,  so  ist  einsichtlich,  dass  Blättchen  je 
nach  der  Richtung  des  Durchschnittes,  bald  in  dieser,  bald  in  jener 
Dimension  aufquellen  werden,  je  nachdem  nämlich  die  Fasern  mehr 
im  Querschnitte  oder  im  Längsschnitte  getroffen  werden. 

In  Übereinstimmung  mit  diesen  Ergebnissen  Hess  sich  auch 
erwarten,  dass  Hautstücke,  welche  eine  unbestimmte 
Spaltbarkeit  zeigen,  und  deren  Fasergerüst  nicht  so  diagonal 


184  Langer. 

verzogen  ist,  wie  z.  B.  an  der  scharf  spaltbaren  Haut  des  Schenkels, 
dass  diese  Hautpartien  in  beiden  Flächendimensionen  eine 
grössere  Gleichförmigkeit  bei  der  Quellung  zeigen 
werden;  dies  ist  auch  aus  folgendem  Beispiele  ersichtlich. 

IV.  Es  betrifft  die  Haut  vom  Manubrium  sterni,  an  welcher 
nach  48stündiger  Maceration  in  Essig  bei  grosser  Zunahme  der 
Dicke ,  um  ungefähr  das  Dreifache ,  die  Seiten  des  Rechteckes 
massen : 

L  im   Breitendurchmesser  des  Thorax  =  36  Millim., 
Q  „     Längendurchmesser  „         „      =  39       „ 
L  :  Q  =  1  :  083. 

Die  Durchmesser  des  Kreises  massen: 

L  =  28  Millim., 

Q  =  28     „       also  wie  1  :  1-000. 

Die  Volumszunahme  bezieht  sich  hier  blos  auf  den  dicken 
Durchmesser,  während  in  beiden  Richtungen  der  Fläche  eine  mehr 
oder  weniger  deutlich  wahrnehmbare  Schrumpfung  nachweisbar  ist. 
Die  Ursache  der  Volumszunahme  in  der  Dicke  dürfte  in  dem  Um- 
stände zu  suchen  sein,  dass  bei  der  mehr  allseitig  gleichförmigen 
Verstrickung  des  Gewebes  das  Ausweichen  des  gequollenen  Gewe- 
bes nach  der  Dicke  geringeren  Widerstand  findet,  als  nach  der 
Fläche. 

Wie  mit  der  Quellung ,  so  verhält  es  sich  auch  mit  der 
Schrumpfung,  welche  das  Gewebe  im  siedenden  Was- 
ser erleidet.  Der  Que  r  durch  messe  r  scharf  spaltbarer 
Hautläppchen  bleibt  immer  grösser,  als  der  Längs- 
durchmesser,  wie  dies  folgende  Beispiele  beweisen.  Die  Läpp- 
chen blieben  nur  5  Minuten  in  siedendem  Wasser. 

I.  Von  der  vorderen  Schenkelfläche: 
Die  Seiten  des  Rechteckes  massen  : 

L  =  27-0  Millim., 

Q  =  325     „       L  :  Q  =  1  :  1203. 

Die  Durchmesser  des  Ovales: 

L  =  190  Millim., 

Q  =  240     „        L  :  Q  =  1  :  1262. 


Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Haut.  1  85 

II.  Von  der  Wade: 

Die  Seiten  des  Rechteckes: 
L  =  28-0  Millim., 

Q  =  36  5     „       L  :  Q  =  1  :  1303. 
Die  Durchmesser  des  Ovales: 
L  =  20-5  Millim., 

Q  =  26-5      „        L  :  Q  =  1  :  1292. 
Hautstücke   aus  der  Mittelebene   des  Leibes  schrumpfen  dage- 
gen in  siedendem  Wasser  gleichförmiger,  wie  dies  aus  folgen- 
dem Beispiele  zu  entnehmen  ist: 

III.  Hautstück  vom  Manubrium  sterni  : 

Die  Durchmesser  des  Kreises: 

L  horizontaler  =  19-0  Millim., 
Q  verticaler      =  20-2     „ 
L  :  Q  =  1  :  1063. 

Der  Einfluss  der  Gewebsanordnung  dürfte  daher  auch  in  diesem 
Falle  ausser  Zweifel  sein. 

Die  Ergebnisse 

dieser  Untersuchungen    lassen    sich  im    Wesentlichen    in    folgenden 
Punkten  zusammenfassen: 

1.  Das  Bindegewebsgerüste  der  Haut  ist  nicht  nach  Art  eines 
Filzes  verstrickt,  sondern  besitzt  eine  netzförmige  Anordnung  in  der 
Form  eines  regelmässigen  in  der  Fläche  ausgespannten  Gitter- 
werkes. 

Die  Maschen  desselben  sind  an  den  meisten  Körperstellen  dia- 
gonal verlängert,  in  der  Form  von  engeren  oder  weiteren  Rhomben. 
Je  enger  die  Maschen,  desto  mehr  bekommen  die  Faserbündel  eine 
parallele  Anordnung  und  gruppiren  sich  zu  Zügen,  welche  theils 
gürtelförmig,  theils  in  Spiraltouren  den  Rumpf  und  die  Glieder  um- 
spinnen. 

2.  Hautpartien  mit  diagonal  verzogenem,  dichtem  Faserge- 
rüste sind  durch  spulrunde  Ahlen  scharf  spaltbar  und  zwar  in  der 
Richtung  ihrer  Faserzüge.  Die  einzelnen  Stichspalten  ordnen 
sich  in  Reihen,  welche  im  Wesentlichen  die  Faserzüge  angeben. 
Einige  beschränkte  Hautpartien  sind  nicht  scharf  spaltbar,  die  Ahle 
erzeugt  zerrissene ,  dreieckige  Wunden,   oder  es  sind   die   Stich- 


186  Langer. 

spalten  nicht  gereiht,  sondern  verworren  gruppirt,  die  Spaltreihen 
bilden  Felder,  welche  durch  zerrissene  oder  verworrene  Stichspalten 
abgegrenzt  werden.  Beide  zusammen  ergeben  Zeichnungen,  welche 
mit  den  von  der  Haarrichtung  bedingten  nur  theilweise  überein- 
stimmen. In  unregelmässig  spaltbaren  Hautpartien  ist  das  Faser- 
gerüste ohne  Zweifel  in  mehr  rechtwinkeligen  Maschen  geordnet. 
Bei  Neugebornen  bilden  die  Stichreihen  am  Bumpfe  und  an  den 
Extremitäten  quere  oder  schiefe  Gürteln,  im  Knabenalter  und  beim 
Erwachsenen  sind  an  den  Extremitäten  die  Gürtel  gestreckt  und 
gestalten  sich  dadurch  zu  längeren  oder  kürzeren  Spiraltouren.  In 
den  Zeichnungen  bestehen  nur  geringe  Varianten. 

3.  An  scharf  spaltbaren  Hautstücken  lässt  sich  mikroskopisch 
der  Querschnitt  von  dem  Längsschnitte  unterscheiden. 

4.  Mit  Ausnahme  des  Schädeldaches,  des  Handtellers  und  der 
Fusssohle  ist  überall  an  der  Hautdecke  eine  grössere  Spannung  nach- 
weisbar, sie  wirkt  daher,  freilich  nur  mit  geringen  Kräften  drückend 
auf  die  Unterlage,  und  widersetzt  sich  den  durch  Vergrösserungen 
des  Inhaltes  oder  durch  die  Gelenkbewegungen  bedingten  Ausdeh- 
nungen. Abgetragene  Hautlappen  ziehen  sich  daher  immer  auf  ein 
kleineres  Flächenmass  zusammen,  als  sie  am  Leibe  eingenommen,  die 
Haut  retrahirt  sich.  Nur  am  Kopf,  am  Handteller  und  an  der  Fusssohle 
ist  das  Ketractiousvermögen  nahezu  =  0. 

Die  Spannung  ist  bald  gleichförmig  in  allen  Bichtungen  der 
Hautfläche,  bald  ungleichförmig,  d.  i.  nach  bestimmten  Bichtungen 
grösser  als  nach  anderen.  Hautpartien  mit  zerrissenen  Stichwun- 
den und  verworrenen  Spalten  sind  mehr  gleichförmig  gespannt, 
scharf  spaltbare  Hautpartien  sind  ungleichförmig  gespannt,  die 
grössere  Spannung  besteht  in  der  Bichtung  der  Spaltreihen. 

5.  Die  Spannung  wird  durch  den  Inhalt  und  die  Gelenksbewe- 
gungen bedingt.  Im  Umfange  eines  jeden  Gelenkes  besteht  ein  bestimm- 
tes Spannungsgebiet,  welches  je  nach  dem  Umfange  der  Excursio- 
nen  grösser  oder  kleiner  ist.  In  der  Begel  reichen  die  Grenzen  die- 
ser Gebiete  am  Bumpfe  bis  in  die  Nähe  der  Mittellinie,  an  den  Ex- 
tremitäten bis  in  die  Mitte  der  Gliederlängen  Die  Gelenksexcur- 
sionen  bedingen  natürlicher  Weise  immer  nur  ungleiche  Spannun- 
gen, die  mit  der  Excursionsrichtung  wechseln. 

6.  Die  vom  zweiten  Lebensjahre  an  bestehende  Anordnung  des 
Gewebes   ist   Folge   der   wählend    des    Wachsthumes   bestehenden 


Zur  Anatomie  uml   Physiologie  der  Hnut.  \  87 

Spannungen  und  der  nach  der  Geburt  erfolgenden  Streckung  der 
Extremitäten.  Bei  der  aufrechten  Attitüde  (gestreckte  Rücken  und 
Bauchlage)  mit  angezogenen  und  gestreckten  Extremitäten  besteht 
daher  die  grössere  Spannung  und  erfolgt  die  grössere  Retraction 
immer  in  der  Richtung  der  Strichreihen,  gleichmässige  Spannung 
und  Retraction  mit  unregelmässiger  Spaltbarkeit  besteht  an  den 
Grenzen  der  Spannungsgebiete  der  einzelnen  Gelenke. 

7.  Die  Gelenksbewegungen  können  Spannungen  bedingen, 
welche  nicht  in  die  Richtungen  der  Spaltreihen  fallen,  doch  können 
sie  innerhalb  der  Spannungsgebiete  das  scharf  spaltbare  Gewebe 
nicht  umordnen  und  dadurch  die  Spaltbarkeit  ändern,  die  Spalte  wird 
klaffend,  bekömmt  aber  keine  andere  Richtung;  nur  an  den  Gren- 
zen der  Spannungsgebiete,  also  an  den  verworren,  überhaupt  un- 
bestimmt oder  unregelmässig  spaltbaren  Partien  reichen  die  zeit- 
lichen normalen  Excursionen  hin  das  Gewebe  momentan  umzuord- 
nen, und  die  Spaltungsrichtung  zu  ändern. 

Ungewöhnliche  (Schwangerschaft)  oder  abnorme  Volumsver- 
grösserungen  (Hydropsien  u.  s.  w.)  können  ebenfalls  vorübergehend 
oder  bleibend  das  Gewebe  umlegen. 

8.  Trotz  der  grossen  Resistenz  des  Bindegewehsgerüstes 
besitzt  die  Haut  eine  grössere  Dehnbarkeit;,  welche  mit  der  Belastung 
abnimmt;  so,  dass  der  Gang  der  Dehnung  durch  eine  Curve  darge- 
stellt werden  kann.  Diese  grosse  Dehnbarkeit  verdankt  die  Haut  der 
Anordnung  ihres  Gewebes,  und  desshalh  schon  ist  ein  quer  auf  die 
Spaltreihen  geschnittenes  scharf  spaltbares  Riemchen  dehnbarer, 
als  ein  nach  den  Spaltreihen  orientirtes  Längsriemchen.  Verworren 
spaltbares  Hautgewebe  ist  gleichförmiger  dehnbar. 

9.  Um  namentlich  den  Gelenksbewegungen  nur  den  geringsten 
Widerstand  zu  bieten,  ist  das  Netz  des  Bindegewebsgerüstes 
eigenthümlich  orientirt.  Sei  es  schon  in  der  ursprünglichen  Anlage, 
oder  wie  an  den  Extremitäten  durch  Streckung  derselben  bleibend 
geordnet,  so  ist  doch  überall,  wo  durch  die  Gelenksbewegungen  die 
Haut  gedehnt  wird,  der  Faserlauf  doch  stets  so  angelegt,  dass  die 
Faserrichtung  bald  vollständig  quer,  bald  schief  die  Dehnungsrich- 
tung kreuzt.  Der  Widerstand,  den  die  Haut  den  Gelenksexcursionen 
bietet,  ist  daher  durch  diese  Anlage  auf  ein  Minimum  herabgesetzt, 
und  die  Spaltreihen  fallen  überall  ,  wo  nicht  die  Faserlängen 
ohnehin  für  das  eine  Extrem  der  Excursionen  eingerichtet  sind,  wie 


ige  ,-.    Zur  AMtoaie  111..I  Physiologie  ier  Baal 

/  i:.  in  der  Beugescit«  de«  Ellbogen-  und  Kniegelenkes  in  die  Rieh- 
tang der  durch  die  B  -■■•"  erzeugten  Falten.  Gelenke  mit 
biliteralen  Excursionen,  /.  B.  das  Handgelenk  besitzen  beiderseits 
quer  auf  die  Excursionsrichtungen  gestellte  Spaltreihen. 

1i».  So  lange  die  Maschen  des  Gewebes  durch  die  Dehnung  der 
Hnotriemcbeo  nicht  rollständig  gestreckt  Bind,  also  ehe  die  Fasern 
gespannt  werden,  besitzt  die  Hau!  eine  sehr  geringe, 
aber  rollkommene  Elasticitat;  bei  grösseren  Dehnungen,  wenn  die 
Faser  selbst  an  der  Verlängerung  der  Riemchen  Antheil  nimmt,  wird 
die  Elasticitit grösser.  Die  nach  demVersuche  vorhandene  bleibende 
Dehnung  schwindet  dennoch  nach  einiger  Zeil  und  das  ausgedehnte 
Riemchen  erreicht  wieder  seine  ursprüngliche  Lunge. 

II  Das  Retractionsvermögen  eerdankt  die  Haut  ihrer  voll- 
koo nen  Elasticitat,  indem  nicht  nur  die  Faser  zu  ihrer  ursprüng- 
lichen Lange,  sondern  auch  das  Netz  zu  seiner  ursprünglichen  An- 
ordnung wieder  zurückkehrt.  Das  Zurückordnen  des  Netzes  scheint 
einer  Zwischensubstanz  zugeschrieben  werden  zu  müssen,  welche 
,!,„■,. i,  den  Gärbeprocess  entfernl  oder  verändert  wird.,  da  gedehnte 
Lederriemen  nur  insoweit  ihre  ursprüngliche  Länge  wieder  erlan- 
gen können,  als  es  durch  die  Elasticitat  ihrerFasern  möglich  ist.  Ein 
Zurflckordnen  des  Fasergerüstes  im  Leder  ist  nur  durch  Quer- 
spaonung  ausführbar. 

12.  Scharf  spaltbares  Hautgewebe  quillt  wie  Bindegewebe  nur 
in  der  Querdimension  auf,  und  verkürzt  sich  in  der  Längsrichtung. 
Verworren  spaltbares  Hautgewebe  quillt  gleichförmiger  auf.  In 
siedendem  Wasser  schrumpfen  scharf  spaltbare  Hautlappcn  mehr  ii 
der  Longa    als  Querrichtung,  verworren  spaltbare  gleichförmiger 


('.  Langer.  Zur  Anatomie  nml  Physiologie  der  ll;uii. 


obere 

Waden 


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VI.  SITZUNG  VOM  13.  FEBRUAR  1862. 


Herr  Dr.  Diesing  überreicht  den  Schluss  seiner  Abhandlung: 
„Revision  der  Turbellarien.  Abtheilung:  Dendrocoelen". 

Herr  Prof.  Dr.  A.  Bauer  übergibt  die  Fortsetzung  seiner  Ab- 
handlung „über  das  Amylen  und  einige  damit  isomere  Körper". 

Herr  Prof.  Dr.  K.  Heller  legt  eine  Abhandlung:  „Beiträge  zur 
näheren  Kenntniss  der  Macrouren"  vor. 

Herr  Prof.  Dr.  Jos.  Boehm  übergibt  seine  „Beiträge  zur 
Genesis  von  Pflanzen-Farbstoffen". 

Herr  Dr.  Adolph  Weiss,  Privatdocent  an  der  Wiener  Univer- 
sität, überreicht  seine  „Untersuchungen  über  Zahlen-  und  GrÖssen- 
verhältnisse  der  Spaltöffnungen  der  Pflanzen". 

Die  hiesige  Buchhandlung  Ferdinand  Klemm,  als  bevollmäch- 
tigte der  Witwe  des  verstorbenen  Dr.  Victor  Mekarski  Edlen  von 
Meuk,  übermittelt  die  von  diesem  hinterlassend!  Manuscripte  sammt 
Holzschnitten  mit  der  Bitte,  dieselben  einer  Prüfung  hinsichtlich 
ihrer  Druckwürdigkeit  zu  unterziehen. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Argelander,  Fr.  W.   A.,   Astronomische   Beobachtungen   auf  der 
Sternwarte  zu  Bonn.  III.  &  IV.  Band.  Bonn,  1859  &  1861;  4»- 
—   De  Stella   ß  Lyrae   variabili   commentatio  altera.   Boimae, 
1859;  4°- 
Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1347.  Altona,  1862;  4»' 
Cosmos,   XIe  Annee,  20"  Volume,    6"  Livraison.  Paris,    1862;    8"- 
Gazette    medicale   d'orient,    V   annee,    No.    10.    Constantinople, 
1862:4" 


190 

Gesellschaft,  naturforschende,  in  Basel,  Verhandlungen.  III.  Theil, 
1.  &  2.  Heft.  Basel,   1861;  S<>- 

—  physikalische,  zu  Beilin,  Die  Fortschritte  der  Physik  im  Jahre 
1859.  XV.  Jahrgang.  Berlin,  1861;  S°- 

—  physikalisch-medicinische,  zu  Würzburg,  Würzburger  natur- 
wissenschaftliche Zeitschrift.  II.  Band ,  2.  Heft.  Würzburg, 
1861;  8°-  — -  Würzburger  medicinische  Zeitschrift.  II.  Band, 
5.  &  6.  Heft.  Würzburg,  1861;  S°- 

Grunert,  Joh.  Aug.,  Archiv  der  Mathematik  und  Physik.  XXXVII. 

Theil,  3.  Heft.  Greifswald,  1861;  8°- 
Halle,  Universität,    akademische    Gelegenheitsschriften    aus   dem 

Jahre  1861.  Berlin,  Cöln,  Halle,  1861;  8<>  &  4<>- 
Jahrbuch,  Neues,  für  Pharmacie  und  verwandte  Fächer.  Herausge- 
geben von  G.F.WalzundF.  L.  Winckler.  Band XVI,  Heft  6. 
Heidelberg,  1861;  So- 
Löwen,   Universität,   Akademische  Gelegenheitsschriften' aus   dem 

Jahre  1861.  Löwen,  1860  &  1861;  12°,  8°  &  4«- 
Societe  Boyale  de  sciences  de  Liege,  Memoires.  Tome  XVI.  Liege, 
Brnxelles  &  Paris,   1861;  8°- 

—  Imperiale  des  Naturalistes  de  Moscou,  Bulletin.  Annee  1861. 
Tome  XXXIV.  No.  3.  Moscou,   1861 ;  8°- 

Vereeniging,  Koninklijke  Natuurkundige,  —  in  Nederlandsch 
Indie,  Natuurkundige  Tijdschrift  voor  Nederlandsch  Indie.  Deel 
XXII.  (V.  Serie.  Deel  IL  Aflevering  III— VI.)  Batavia,  1860, 
8°,  Deell  XXIII.  (V.  Serie.  Deel  III.  Aflevering  I— III )  Batavia, 
1861;  So- 
Wiener  medicinische  Wochenschrift,  XII.  Jahrgang,  Nr.  6.  Wien, 

1862;  4o- 
Wochen-Blatt  der   k.    k.  steierm.  Landwirthschafts-Gesellschaft, 

XI.  Jahrgang,  Nr.  8.  Gratz,  1862;  4»- 
Zeitschrift  für  Chemie   und  Parm.acie,    von  Emil  Erlenmeyer. 
V.  Jahrgang,  Heft  2.  Heidelberg,   1862;  8«- 

—  des  österreichischen  Ingenieur-Vereines,  XIII.  Jahrg.,  XI.  &XIL 
lieft.  Wien,   1861:  4°- 


Diesing.  Revision  der  Turbellarien  101 


Revision  der  Turbellarien.   Abtheilung:  Ilhabdncoelen. 
Von  dem  w.  M.  Dr.  R.  ü.  Die  sing. 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  vom  28.  November  1861.) 

Nachdem  in  jenem  Aufsätze,  welchen  ich  der  kaiserl.  Akademie 
in  der  Sitzung  vom  3.  Octoher  d.  J.  überreichte,  die  erste  Abtheilung 
der  Strudelwürmer,  nämlich  jene  mit  verzweigtem  und  blindendigen- 
dem Darmcanale  behandelt  worden  ist,  bildet  die  zweite  Abtheilung, 
welche  die  Strudelwürmer  mit  einfachem  Darmcanal  enthält,  den 
Gegenstand  der  vorliegenden  Arbeit.  Diese  zweite  Abtheilung  zer- 
fallt in  zwei  natürliche,  in  voller  Schärfe  zuerst  durch  Schnitze 
begrenzte  Gruppen:  die  rüssellosen  und  die  rüsselfragenden  Rhabdo- 
eoelen.  Den  grösseren  Theil  unserer  näheren  Kenntniss  der  ersteren 
und  insbesondere  ihres  inneren  Baues,  so  wie  ihrer  Entwicklungs- 
geschichte, verdanken  wir  den  Bemühungen  von  M.  Schultze  und 
0.  Schmidt.  Was  die  Principien,  die  mich  bei  der  systematischen 
Anordnung  dieser  Gruppe  leiteten,  betrifft,  so  habe  ich  das  Vorhan- 
densein oder  Fehlen  eines  Afters  besonders  berücksichtigt,  bei  den 
Gattungen  die  Stellung  des  Mundes,  in  so  fern  dieser  endständig  ist 
oder  auf  der  Bauchseite  liegt,  als  wesentlich,  dagegen  die  Lage  der 
Mundöffnung  auf  der  Bauchseite,  ob  sie  vorne,  in  der  Mitte,  oder 
nach  hinten  zu  gelegen  ist,  übereinstimmend  mit  M.  Schultze, 
0.  Schmidt  u.  m.  a.  als  untergeordnet  betrachtet.  Ausserdem  habe 
ich  das  Vorkommen  oder  die  Abwesenheit  von  Seh-  und  Gehör- 
organen, so  wie  auch  der  Kopfgruben  (Cephalopori),  als  massge- 
bende Gattungscharaktere  angenommen.  Durch  die  Anwendung  dieser 
Grundsätze  wurde  eine  scharfe  Begrenzung  der  Gattungen  erzielt: 
die  Consequenz  der  Durchführung  machte  jedoch  die  Aufhebung 
mancher  der  bereits  nach  anderen  Eintheilungsprincipien  aufgestelL 
ten  Gattungen  unerlässlich. 


192  D  i  e  s  i  n  g. 

Was  die  rüsseltragenden  Rhabdoeoelen  betrifft,  so  verdankt 
man  die  wichtigsten  Beiträge  zur  Kenntniss  der  europäischen  Formen 
im  letzten  Jahrzehnte  M.  Schultze,  Dalyell  und  neuerlich  Van 
Beneden  in  seiner  Abhandlung:  Recherches  sur  la  Faune  littorale 
de  Belgique  1860,  während  die  exotischen  Rhynchocoelen  durch 
Stirn p so n  und  Schmarda  in  ihren  schon  früher  angeführten 
Werken  wesentlich  bereichert  worden  sind.  Der  erstere  beschreibt 
von  diesen  33,  der  letztere  17  neue  Arten.  Ferner  wollte  ich  die 
ohne  Text  erschienenen  schönen  Tafeln  zu  den  Voyages  de  la  com- 
mission  scientifique  du  Nord  en  Scandinavie,  en  Laponie,  au  Spitz- 
berg et  aux  Feroe,  pendant  les  annees  1838,  1839,  1840  sur  la 
Corvette  la  Recherche  commandee  par  M.  Fabvre,  publies  sous  la 
direction  de  Paul  Gaimard,  nicht  unbenutzt  lassen,  und  hahe  mir 
daher  erlaubt,  die  auf  denselben  dargestellten  Gattungen  und  Arte», 
so  weit  dies  nur  allein  nach  Abbildungen  möglich  war,  zu  charak- 
terisiren  und  ihnen  bis  zum  Erscheinen  des  Textes  zeitweilige 
Namen  beizulegen. 

Was  die  Eintheilung  der  rüsselführenden  Strudelwürmer  betrifft, 
so  machte  M.  Schultze  (in  d.  Zeitschr.  f.  wissensch.  Zool.  IV.  1 853) 
den  Vorschlag,  dieselben  nach  dem  Vorhandensein  oder  dem  Mangel 
eines  Rüsselstilets  in  zwei  Abtheilungen  zu  bringen  und  von  diesen 
die  erste  Enopla,  die  zweite  Anopla  zu  benennen:  da  jedoch  die 
Angaben  über  das  Dasein  oder  die  Beschaffenheit  einer  Rüsselbewaff- 
nung bei  einem  grossen  Theile  der  bekannten  Rhynchocoelen  noch 
fehlen  oder  sehr  unvollständig  sind,  so  halte  ich  eine  solche  Ein- 
theilung für  noch  nicht  durchführbar,  habe  jedoch  wo  immer  Daten 
über  Rüsselbewaffnung  vorlagen ,  dieselben  sorgfältig  aufgeführt. 
Dagegen  wurde  das  Dasein  oder  Fehlen  der  Kopfgruben,  wie  dies 
schon  theilweise  von  mir  im  Systema  Hehninthum  geschah  und  spä- 
ter durch  Schmarda  eine  weitere  Anwendung  f;ind,  als  Eintheilungs- 
princip  gewählt. 

So  wie  in  anderen  Ordnungen  der  Helminthen,  bilden  auch  in 
der  der  Turbellarien  einige  Gattungen  durch  die  grosse  Anzahl  ihrer 
Arten  gewissermassen  den  Kern  ,  um  welchen  sich  die  übrigen 
Geschlechter  anschliessen;  so  unter  den  Dendrocoelen  Leptoplana 
mit  66 ,  unter  den  Rhabdocoelen  die  rüssellose  Turbella  mit  47, 
und  die  mit  einem  Rüssel  versehene  Meckelia  mit  44  Arten. 


Revision  der  Turbellarien.  193 

Ein  Überblick  der  Ordnung  der  Strudelwürmer  lässt  eine  nahe 
Verwandtschaft  derselben  theils  mit  den  Myzhelminthen,  theils  mit 
den  Cephalocotyleen  nicht  verkennen.  Ungeachtet  des  raschen  Fort- 
schrittes unserer  Kenntniss  der  Turbellarien  gibt  es  doch  noch  immer 
so  viele  unvollständige,  ja  sogar  widersprechende  Angaben  über  den 
äussern  und  innern  Bau  dieser  Thiere,  dass  ein  allen  Anforderungen 
entsprechender  systematischer  Aufbau  noch  immer  nicht  zu  erzielen 
war.  Von  Strudelwürmern  mit  einfachem  Darmcanal  (mit  Ausschluss 
der  ganz  zweifelhaften)  umfasst  die  Gruppe  der  rüssellosen  122 
Arten  in  27  Gattungen  und  15  Familien,  welche  meistens  süsse  Wässer 
bewohnen,  die  der  Rüsselträger  195  lebende  und  9  erloschene  Arten 
in  41  lebenden  und  2  erloschenen  Gattungen  und  12  Familien,  die 
grösstentheils  im  Meere  leben,  so  dass  die  gesammte  Ordnung  aus 
551  Arten,  105  Gattungen  und  43  Familien  besteht. 

Endlich  fühle  ich  mich  noch  verpflichtet,  meinem  edlen  Freunde, 
Herrn  August  von  Pelzeln,  welcher  mich  auch  bei  dieser  umfang- 
reichen und  schwierigen  Arbeit  auf  das  Kräftigste  unterstützte,  hier 
meinen  herzlichsten  Dank  öffentlich  auszusprechen. 


Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  14 


1  94  D  i  e  s  i  n  g. 


SUBORDO  IL   TURBELLARIA  RHABDOCOELA  EHRENBERG. 

Tractus    intestinalis    simplex    coecus    aut    ano    stipatus.     Proboscis 
aggressoria  niilla  (Arhynchocoela)  vel  unica  (Rhynchocoela). 

Conspectns  dispositioiiis  familiarnm  et  genernm. 

TRIBUS  I.    ARHYNCHOCOELA. 

S  u  b  t  r  i  b  u  s   I.     Arhynchocoela    a  p  r  o  c  t  a. 

Tractus  cibarius  coecus.  —  Androgyna. 

*  Acrostomata:   Os  terminale. 

Familia  I.  Ulegastomea  '  )■ 

1.  Megastonmni.  Corpus  subcylindricum.  Caput  corpore  con- 
tinuum.  Os  terminale  rimaeforme  transversum,  oesophago 
subcylindrico.  Ocelli  nulli.  Otolithi  nulli.  Aquarum  dnlcium 
incolae. 

Familia  II.  Proporidea.  Corpus  ellipticum  y.  teretius- 
culum.  Caput  corpore  continuum.  Os  terminale,  oesophago  tubae- 
formi.  Ocelli  nulli.  Otolithus  unus  supra  capsulam  aut  otolithotheca 
inclusus.  Aquarum  subsalinarum  v.  maris  incolae. 

2.  Acelis.  Corpus  teretiusculum.  Os  oesophago  margine  sex- 
lobatü.  Otolithus  capsulae  cervicali  insidens.  Aquarum  sub- 
salinarum incolae. 

3.  I'roporus.  Corpus  ellipticum.  Os  oesophago  margine  integro. 
Otolithus  otolithotheca  inclusus.    Maricolae. 

Familia  III.  Aemostomea. 

4.  Acmostomum.  Corpus  teretiusculum.  Caput  corpore  conti- 
nuum. Os  terminale,  oesophago  conico  margine  denticulato. 
Ocelli  duo.  Otolithus  nullus.  Aquarum  dulcium  incolae. 

Familia  IV.  Otocelidea.  Corpus  teretiusculum  vel 
depressiusculum.  Caput  corpore  continuum.  Os  terminale,  oesophago 
cylindrico.   Ocelli  duo.  Otolithus  I  vel  2.   Maricolae. 

5.  Otocclis.  Corpus  teretiusculum.  Otolithus  unus. 

6.  Sidonia.  Corpus  depressiusculum.   Otolithi  duo. 


l)  Character  generis  unici  simul  familiae,  quod  de  familiis  omuibus  subsequentibus,  uni- 
iiifii  soluin  genus  coiitineiitilnis,  pariter  valet. 


Revision  der  Turbellarieu.  195 

"'  Hypostomata:  Os  ventrale,  vel  antrorsum,  vel  in  medio  fere  corporis,  vel 
retrorsum  situm. 

Familia  V.  Typliloplanidea. 

7.  Typhloplana.  Corpus  depressum  vel  teretiusculum.  Caput 
corpore  coutinuum.  Os  ventrale,  superum  suhterminale,  an- 
trorsum vel  in  medio  fere  corporis  situm.  Ocelli  nulli.  Oto- 
lithus  nullus.  Aquarum  dulcium  rarius  maris  incolae,  raris- 
sime  endoparasita. 

Familia  VI.  Otophora.  Corpus  planum  vel  teretius- 
culum. Caput  corpore  continuum.  Os  ventrale,  antrorsum  v.  in  medio 
corporis  v.  retrorsum  situm,  oesophago  cylindrico,  conico  v.amphorae- 
formi.  Ocelli  nulli.  Otolithus  unus  prominentiis  duabus  vel  nullis, 
otolithotheca  inclusus,  vel  duo  otolithothecis  duabus.  Aquarum  dul- 
cium v.  maris  incolae. 

8.  Monotas.  Corpus  planum  vel  teretiusculum.  Os  ventrale,  an- 
trorsum vel  in  vel  retro  medium  corporis  situm,  oesophago 
cylindrico  v.  amphoraeformi.  Otolithus  unus  prominentiis 
duabus  v.  nullis,  otolithotheca  inclusus.  Maricolae  v.  aquarum 
dulcium  incolae. 

9.  Diotis.  Corpus  planum.  Os  ventrale  retrorsum  situm,  oeso- 
phago conico.  Otolithi  duo  singulo  otolithotheca  proprio 
incluso.    Aquarum  dulcium  incolae. 

Familia  VII.  Vortieinea.  Corpus  planum  et  teretius- 
culum. Caput  corpore  continuum,  haud  cristatum  vel  ciliis  rigidis 
cristatum.  Os  ventrale,  antrorsum,  in  medio  corporis  vel  retrorsum 
situm,  oesophago  cylindrico,  amphoraeformi,  subgloboso,  infundibu- 
liformi  vel  panduraeformi.  Ocelli  2  v.  4,  rarissime  3.  Otolithi  nulli. 
Aquarum  dulcium  v.  maris  incolae. 

10.  Tarbella.  Corpus  teretiusculum  v.  depressum..  Os  ventrale 
superum,  in  medio  fere  corporis  vel  posticum  subterminale, 
oesophago  cylindrico,  amphoraeformi  vel  infundibuliformi. 
Ocelli  duo.  Aquarum  dulcium  incolae,  rarius  maricolae. 

11.  Spiroclytns.  Corpus  gracile.  Caput  corpore  continuum  ciliis 
rigidis  longis  munitum.  Os  ventrale  antrorsum  situm,  oeso- 
phago subgloboso.  Ocelli  duo.   Maricolae. 

12.  Tricelis.  Corpus  planum.  Os  ventrale  retro  medium  corporis 
situm,  oesophago  subgloboso.  Ocelli  tres.  Maricolae  v.  aqua- 
rum dulcium  incolae. 

14* 


J96  Diesing. 

13.  Tortex.  Corpus  teretiusculum  vel  depressum.  Os  ventrale, 
superum  subterminale,  antrorsum,  in  medio  fere  corporis 
vel  retrorsum  situm ,  oesophago  amphoraeformi ,  subgloboso 
vel  cylindrico.  Ocelli  qnatuor.  Aquarum  dulcium  vel  maris 
incolae. 

14.  Trigonostommn.  Corpus  gracile.  Caput  corpore  continuum 
ciliis  rigidis  longis  munitum.  Os  ventrale  trifissuin  antrorsum 
situm,  oesophago  panduraeformi.  Ocelli  4.  Maricolae. 

I  amilia  VIII.  Vorticericlea. 

15.  Torticeros.  Corpus  gracile.  Caput  a  corpore  subdiscretum, 
pseudotentaculis  duobus  frontalibus.  Os  ventrale  antrorsum 
situm,  oesophago  subgloboso.  Ocelli  duo.  Otolithus  nullus. 
Maricolae. 

Familia  IX.  Celidotidea.  Corpus  teretiusculum  vel 
depressiusculum.  Caput  corpore  continuum  vel  strictura  discretum. 
Os  ventrale,  antrorsum  vel  infra  medium  corporis  situm,  oesophago 
cylindrico.  Ocellus  1  vel  2.  Otolithus  unus,  prominentiis  duabus  vel 
nullis,  otolithotheca  inclusus.  Maricolae. 

10.  Monops.  Corpus  teretiusculum.  Caput  corpore  continuum  vel 
strictura  discretum.  Os  ventrale  in  v.  infra  medium  corporis 
situm.  Otolithus  unus,  prominentiis  duabus  vel  nullis,  otoli- 
thotheca inclusus,  ocello  simul  anteposito. 

17.  Celidotis.  Corpus  gracile.  Caput  corpore  continuum.  Os 
ventrale,  superum  subterminale  rimaeforme  longitudinale  vel 
infra  medium  corporis  situm.  Ocelli  duo.  Otolithus  unus,  pro- 
minentiis nullis  v.  duabus,  otolithotheca  inclusus  retro  oculos. 

Subtribus  II.     Arhynchocoela  proctucha. 

Tractus  cibarius  ano  stipatus.  —  Sexus  discretus,   interdum  perio- 

dice  agama. 
*  Acrostomata:  Os  terminale. 

Familia  X.  Orthostomea. 

18.  Orthostoinuin.  Corpus  proteum.  Caput  corpore  continuum. 
Os  terminale,  oesophago  subcylindrico.  Ocelli  nulli.  Oto- 
lilhus  nullus.  Anus  posticus  terminalis.  Aquarum  dulcium 
incolae. 


Revision  der  Turbellarien.  I  Jj  7 

Fainilia  XI.  Anorthidea. 

19.  Anorthu.  Corpus  eompressiusculum.  Os  terminale.  Ocelli 
nulli.  Otolithus  wiius.  Anus  posticus  terminalis.  Aquarum  dul- 
cium  incolae. 

Familia  XII.  IHsorea. 

20.  Disorns.  Corpus  proteum.  Caput  corpore  continuum.  Os  ter- 
minale.  Ocelli  6,  biternati.  Otolithus  nullus.  Anus  posticus 
terminalis.    Maricolae. 

°*  Hypostomata:   Os  ventrale,  antrorsum  situm,  imo  subterminale. 

Familia  XIII.  Anotocelidea.   Corpus  teretiusculum 

v.  planum.  Caput  corpore  continuum.  Cephalopori  nulli  v.  dno  mar- 
ginales. Os  ventrale  antrorsum  situm,  oesophago  subcylindrico  an- 
gusto.  Ocelli  nulli.  Otolithus  nullus.  Anus  ventralis  ante  caudae 
apicem.  Aquarum  dulcium  incolae. 

Subfamilia  I.  Anotocelidea  aporocephala- 

21.  Typhloniicrostumnm.    Corpus  planum.     Cephalopori  nulli. 

Subfamilia  II    Anotocelidea  porocephala, 

22.  Anotocelis.  Corpus  teretiusculum.  Cephalopori  duo  margi- 
nales. 

Familia  XIV.  Stenostomea.  Corpus  teretiusculum 
vel  planum.  Caput  corpore  continuum  vel  a  corpore  discretum. 
Cephalopori  nulli  vel  duo  marginales.  Os  ventrale  antrorsum  situm, 
oesophago  subcylindrico  angusto  vel  crasso,  medio  angustato.  Ocelli 
nulli.  Otolithus  1  v.  2.  Anus  ventralis  ante  caudae  apicem.  Aqua- 
rum dulcium  incolae. 

Subfamilia  I.    Stenostomea  aporocephala. 

23.  Catenula.  Corpus  subcylindricum  vel  depressum.  Caput  a 
corpore  discretum.  Cephalopori  nulli.  Os  ventrale,  oesophago 
subcylindrico  crasso,  medio  angustato.   Otolithus  unus. 

Subfamilia  II.     Stenostomea  porocephala. 

24.  Stenostomum.  Corpus  teretiusculum.  Caput  corpore  conti- 
nuum. Cephalopori  duo  marginales.  Os  ventrale,  oesophago 
subcylindrico  longo  angusto.  Otolithi  duo  ante  vel  retro  os 
siti.  Anus  ventralis  ante  caudae  apicem. 


198  Diesing. 

Familia  XV.  Microstomea.  Corpus  teretiusculum  vel 
depressum.  Caput  corpore  continuum.  Cephalopori  nulli  vel  duo 
marginales.  Os  ventrale,  antrorsum  situm  v.  superum  subterminale, 
circulare  vel  transversum,  rimaeforme.  Ocelli  duo  simplices  vel  6, 
quorum  2  compositi,  4  simplices.  Otolithus  nullus.  Anus  ventralis 
ante  caudae  apicem.  Aquarum  dulcium  v.  maris  incolae. 

Subfamilia  I.    Microstomea  aporocephala. 

25.  Stylacinm.  Corpus  depressiusculum.  Cephalopori  nulli.  Os 
ventrale  superum  subterminale.  Ocelli  6,  quorum  2  compo- 
siti, 4  simplices.  Aquarum  dulcium  incolae. 

26.  Dinophilns.  Corpus  teretiusculum.  Cephalopori  nulli.  Os  ven- 
trale antrorsum  situm  transversum,  rimaeforme.  Ocelli  duo. 
Maricolae. 

Subfamilia  IL  Microstomea  porocephala. 

27.  .Microstom um.  Corpus  teretiusculum.  Cephalopori  duo  mar- 
ginales. Os  ventrale  antrorsum  situm,  circulare.  Ocelli  duo. 
Aquarum  dulcium  et  maris  incolae. 

Situ  oris  ignoto  adhuc  dubium  num  Acrostomatibus  vel  Hypostomatibus 
adnumerandum: 

28.  Aphanostoniam.  Corpus  oblongum.  Os.  .  .  Ocellus  unus  hya- 
linus.    Maricolae. 

TRIBUS  II.    RHYNCHOCOELA. 
Subtribus  I.     Rhynchocoela  aporocephala. 
Cephalopori  nulli.  —  Androgyna  v.  sexus  discreti. 
*  Holocephala:    Caput  haud  lobatum. 

Familia    XVI.  Rhynchoscolecidea. 

29.  Rhynchoscolex.  Corpus  teretiusculum  exappendiculatum.  Ca- 
put corpore  continuum.  Proboscis  terminalis  pugione  nullo. 
Os  ventrale,  antrorsum  vel  in  medio  corporis  situm.  Ocelli 
nulli.  Androgyna.  Aquarum  dulcium  et  subsalinarum  incolae. 

Familia  XVII.  Gyratricinea.  Corpus  teretiusculum 
vel  oblongum  ciliatum,  exappendiculatum.  Caput  corpore  continuum. 
Proboscis  terminalis  pugione  nullo.    Os  ventrale,  antrorsum  vel  in 


Revision  der  Tnrfcallarien.  1  99 

medio  corporis  sittim.   Ocelli  2,  4  v.  6.   Androgyna.    Maricolae,  rarius 
aquariiin  dulcium  incolae. 

30.  (iyrator.  Corpus  subcylindricum.  Os  in  mediö  fefe  Corporis 

situni.  Ocelli  2.  Aquarum  dulcijun  v.  niaris  incolae. 

31.  Rhyni'hoprobolus.  Corpus  oblongo-ovale.  Os  antrorsum  situm 
Ocelli  4.  Aquarum  dulciuru  incolae. 

32.  Prostomum.  Corpus  teretiiisculum.  Ocelli  6.  Aquarum  dulcium 
incolae. 

Familia  XVIII.  Borlasiea.  Corpus  teretiusculum  vel 
depressiusculum.  exappendiculatum,  disco  caudali  nullo  v.  uno.  Caput 
corpore  continuum  vel  discretum.  Proboscis  terminalis  vel  infera. 
Os  ventrale  antrorsum  situm  vel  subterminale  anticum.  Ocelli  nulli. 
Maricolae. 

«)  Proboscis  terminalis. 

33.  Borlasia.  Corpus  teretiusculum  vel  depressum,  disco  caudali 
nullo.  Caput  corpore  continuum  v.  discretum,  sulcis  laterali- 
bus  nullis.  Proboscis  terminalis.  Os  subterminale  anticum. 

34.  Taeniosoma.  Corpus  depressum,  disco  caudali  nullo.  Caput 
subdiscretum  sulco  longitudinali  (linea  impressa  incolorata) 
in  utroque  margine.  Proboscis  terminalis.  Os  antrorsum  situm. 

35.  Baseodiscas.  Corpus  teretiusculum  extremitate  caudali  in 
discum  explanata.  Caput  a  corpore  discretum.  Proboscis 
terminalis.  Os  relro  caput  situm. 

ß)  Proboscis  infera. 

36.  Yaleocinia.  Corpus  teretiusculum  v.  depressum.  Caput  stric- 
tura  discretum.  Proboscis  in  medio  capitis  paginae  ventralis. 
Os  infra  ostium  meatus  proboscidem  protractilem  excipientis 
situm. 

Familia  XIX.  Ommatopliora.  Corpus  teretiusculum 
vel  depressiusculum  exappendiculatum.  Caput  corpore  continuum  v. 
discretum.  Proboscis  terminalis  pugiöne  et  burseolis  aciculiferis  in- 
structa.  Os  ventrale,  antrorsum  vel  in  medio  fere  corporis  situm. 
Ocelli  2,  6  v.  plurimi.  Maricolae. 

37.  Cephalothrix.  Ctrpus  teretiusculum  vel  depressiusculum. 
Caput  corpore  continuum.  Os  antrorsum  vel  in  medio  fere 
corporis  situm.  Ocelli  2. 


200  Die  sing. 

38.  Ommatoplea.  Corpus  teretiusculum  v.  depressiusculum.  Caput 
corpore  continuum  vel  discretum.  Os  subterminale  anticum. 
Ocelli  6  v.  plurimi. 

Familia  XX.  jflicruraea.  Corpus  depressiusculum 
vel  teretiusculum,  extremitate  caudali  appendiculata.  Caput  corpore 
continuum  vel  discretum.  Proboscis  terminalis.  Os  ventrale  an- 
trorsum  situm.  Ocelli  numerosi.  Anus  sub  processu  caudali. 
Maricolae. 

39.  licrura.  Corpus  depressum,  processu  caudali  terminali  fili- 
formi.  Caput  corpore  continuum.  Proboscis  e  plica  trans- 
versa terminali  protractilis.  Os  infra  caput.  Ocelli  10. 

40.  Polystemma.  Corpus  teretiusculum  v.  depressiusculum,  (femi- 
nae)  in  processum  ellipticum  ovigerum  postice  dilatatum. 
Caput  discretum.  Os  antrorsum  situm.  Ocelli  plurimi. 

Situs  oris  in  generibus  subsequentibus  ignotus-  —  Corpus  exappendicu- 
latum.  —  Maricolae. 

•j-   Proboscis  terminalis  e  medio  capitis  protractilis. 
Ocelli  nu  lli. 

41.  Acrostomom.  Corpus  elongatum  depressum.  Caput  corpore 
continuum  v.  sulco  circulari  discretum.  Proboscis  terminalis. 
Os...  Ocelli  nulli. 

Ocelli  2. 

42.  Diplomma.  Corpus  depressiusculum.  Caput  corpore  conti- 
nuum vel  discretum,  fronte  emarginatum.  Proboscis  termi- 
nalis. Os...   Ocelli  2. 

43.  Nareda.  Corpus  subcylindricum.  Caput  a  corpore  discretum, 
trianguläre.  Proboscis  ...  Os  .  .  .  Ocelli  2. 

Ocelli  4. 

44.  Oerstedia.  Corpus  teretiusculum  vel  depressiusculum.  Caput 
corpore  continuum.  Proboscis  terminalis  pugione  et  burseolis 
aciculiferis  duabus  instructa.  Os  .  .  .  Ocelli  4. 

Ocelli  pl  ii  r  i  im  i. 

45.  Bemieyclia.  Corpus  teretiusculum  fliforme.  Caput  corpore 
continuum,  plica  transversa  terminali.  Proboscis  terminalis. 
Os  .  .  .  Ocelli  plurimi  semicirculo  dispositi. 


Revision  der  Turbellarieu.  201 

46.  Tatsnoskia.  Corpus  depressum.  Caput  subdiscretum.  Pro- 
boscis  terminalis  ex  apertura  cruciata  protractilis.  Os .  .  . 
Ocelli  plurimi  in  acervos  duos  aggregati. 

■j*  •{■  Proboscis  terminalis  e  margine  capitis  protractilis. 

47.  Polina.  Corpus  depressiusculum.  Caput  discretum  vel  sub- 
discretum. Proboscis  terminalis  e  capitis  margine  fronlali 
inferiore  protractilis.  Ocelli  numerosi  in  acervos  4  aggregati. 

48.  Cosmocephala.  Corpus  depressum.  Caput  corpore  continuum 
v.  subdiscretum,  pseudorirnis  inconspicuis  (lineis  impressis 
incoloratis)  cervicalibus.  Proboscis  terminalis  e  capitis  mar- 
gine frontali  inferiore  protractilis.  Ocelli  numerosi  utpluri- 
mum  in  margine  capitis. 

*  *  Lobocephala.    Caput  lobatum. 

Familia  XXI.  Hypoloba.  Corpus  depressum.  Caput 
discretum,  subtus  rima  longitudinali  vel  marginibus  longitudinalibus 
inflexis  bilobum,  cavum  vel  solid  um.  Proboscis  et  os  ...  Ocelli  nulli. 
Maricolae. 

49.  Colpocephalus.  Corpus  depressum  lineare.  Caput  subovatum 
subtus  rima  longitudinali  bilobum,  cavum. 

50.  Chlamydoceplialns.  Corpus  elongatum  planum.  Caput  corda- 
tum,  subtus  marginibus  longitudinalibus  inflexis  bilobum, 
solidum. 

Familia  XXII.  Acroloba.  Corpus  proteum.  Caput 
corpore  continuum,  unilobum  vel  bilobum,  lobis  terminalibus.  Pro- 
boscis terminalis  e  capitis  margine  protractilis.  Os  terminale  in  medio 
capitis.  Ocelli  nulli.   Maricolae. 

51.  Stimpsonia.  Corpus  subcylindricum  compressiusculum.  Caput 
membrana  circulari  retroflexa.  Lobus  terminalis  spatbae- 
formis  in  margine  superiore  capitis  proboscidem  pro tr acta m 
includens.  Os  terminale  in  medio  capitis. 

52.  Ramphogordios.  Corpus  teretiusculum  iiliforme.  Lobi  capitis 
duo  terminales,  superpositi,  supero  majore.  Ostium  meatus 
proboscidem  protractilem  excipientis  ad  basin  loborum.  Os  .  .  . 

53.  Lobilabrom.  Corpus  elongatum  depressum.  Lobi  capitis  duo 
terminales  horizontaliter  patentes,  bilobi.  Ostium  meatus  pro- 
boscidem protractilem  excipientis  inter  lobos.  Os  .  .  . 


£[)  £  D  i  es  i,  n  g. 

Subtribus  II.     Rbynchocoela  porocep  hala. 

Cephaloporus  unicus  aut  2  vel  4  oppositi,  rarius  2  juxta- 
positi.  —  Sexus  discretus. 

Familia  XXIII.  Prorhynctiidea. 

54.  Prorhynchus.  Corpus  subeyliiulrieum.  Caput  corpore  conti- 
nuum.  Cephalopori  foveaeformes  marginales  duo  oppositi. 
Proboscis  terminalis  pugione  armala.  Os  proprium  nulluni. 
Apertura  capitis  terminalis  nunc  oesophago  nunc  proboscidis 
egressui  inserviens.    Ocelli  nulli.  Aquarum  dulcium  incolae. 

Familia  XXIV.  Emeidea. 

55.  Emea.  Corpus  lineare  depressum.  Caput  corpore  continuum. 
Cephalopori  foveaeformes  marginales  utrinque  duo.  Probos- 
cis terminalis  pugione  armata.  Os  et  Oesophagus  .  .  .  Ocelli 
nunc  4  nunc  6.   Aquarum  dulcium  incolae. 

Familia  XXV.  Typhloaiemertinea.  Corpus  depres- 
sum v.  teretiuseulum.  Caput  corpore  continuum  v.  strictura  discre- 
tum.  Cephaloporus  unus  terminalis  aut  2  marginales  oppositi  vel  4 
cruciatim  convergentes.  Proboscis  terminalis  aut  in  capitis  pagina 
ventrali  collocatas,  inermis,  rarissime  pugione  etburseolis  aciculiferis 
instructa.    Os  ventrale  infra  caput  situm.  Ocelli  nulli.    Maricolae. 

a)  Proboscis  infera. 

56.  Tubulanos.  Corpus  teretiuseulum.  Caput  strictura  a  corpore 
discretum.  Cephaloporus  terminalis  transverse  rimaef'ormis. 
Proboscis  in  medio  capitis  paginae  ventralis. 

57.  Cerebratulns.  Corpus  elongatum  depressum  v.  teretiuseulum. 
Caput  corpore  continuum  v.  subdiseretuin.  Cepbalopori  duo 
longitudinales,  antice  convergentes  v.  paralleli.  Proboscis  in 
pagina  ventrali  capitis. 

/?)  Proboscis  terminalis. 

58.  IHeckelia.  Corpus  elongatum  depressum  vel  teretiuseulum, 
marginibus  haud  revolutis.  Caput  corpore  continuum  v.  stric- 
tura discretum.  Cephalopori  duo  longitudinales  marginales. 
Proboscis  terminalis. 

59.  Diplopleura.  Corpus  elongatum  dilatatum  marginibus  pone 
caput  revolutis  in  linca  mediana  dorsali  vix  coutiguis.   Caput 


Revision  der  Turbellarien.  40ü 

discretum.    Cephalopori  duo  longitudioales  marginales.    Pro- 
boseis  tenninalis. 

60.  Ophiocephalas.  Corpus  elougatum  supra  convexum  subtus 
planum.  Caput  discretum.  Cephalopori  quatuor  longitudina- 
les  antice  cruciatim  convergentes.  Prohoseis  terminalis. 

Familia  XXVI.  Ijoxorrliochmidea.  Corpus  tere- 
tiusculum  filiforme  vel  depressiusculum,  haud  raro  proteum.  Caput 
corpore  continuum  v.  discretum.  Cephalopori  transversales,  interdum 
obliqui,  2  et  tunc  oppositi  vel  juxtapositi  aut  4.  Proboscis  terminalis 
plerumque  pugione  st  hurseolis  aciculiferis  instructa.  Os  ventrale 
antrorsum  situm.   Ocelli  2,  4  v.  numerosi.  Maricolae. 

61.  Cephalonema.  Corpus  filiforme  teretiuscultim.  Caput  dis- 
cretum.  Cephalopori  2  oppositi.  Ocelli  duo. 

62.  Tetrastemma.  Corpus  filiforme  teretiiisculum.  Caput  corpore 
continuum  v.  discretum.   Cephalopori  2  oppositi.  Ocelli  4. 

63.  Ditactorrhochma.  Corpus  elougatum  proteum.  Caput  discre- 
tum. Cephalopori  duo  juxtapositi.   Ocelli  numerosi. 

64.  Loxorrhochma.  Corpus  filiforme  depressiusculum.  Caput  cor- 
pore continuum.    Cephalopori  4  bini  oppositi.  Ocelli  quatuor. 

Familia  XXVII.  Eunemertinea.  Corpus  depres- 
sum  v.  teretiiisculum,  haud  raro  proteum.  Caput  corpore  continuum 
vel  subdiscretum.  Cephalopori  duo  longitudinales  marginales  continui 
vel  bipartiti.  Proboscis  terminalis  vel  in  capitis  pagina  ventrali,  iner- 
mis  vel  pugione  armata,  aut  apice  capitellata ,  parte  basilari  organis 
urticantibus  obsessa.  Os  ventrale  subterminale  vel  infra  caput  situm. 
Ocelli  2,  6  — 12  aut  numerosi  varie  dispositi.  Maricolae,  rarissime 
aquarum  dulcium  incolae. 

a)  Proboscis  infera. 
65.  Qnatrcfagea.    Corpus  elongatum.  Caput  a  corpore  discretum. 
Cephalopori  continui,  subparalleli  (?).    Proboscis  in  pagina 
ventrali  capitis.    Os  .  .  .  Ocelli  numerosi.    Maricolae. 

/5)  Proboscis  terminalis. 
C)6.  Polyhopla.  Corpus  taeniaeforme.  Caput  subdiscrelum.   Cepha- 
lopori continui,   subparalleli.    Proboscis  terminalis,  apice  ca- 
pitellata, parte  basilari  organis  urticantibus  obsessa.   Os  sub- 
terminale.   Ocelli  numerosi.    Aquarum  dulcium  incolae. 


äU4  D  i  es  in  g. 

67.  Nemertes.  Corpus  depressum  v.  teretiusculum.  Caput  corpore 
continuum  vel  subdiscretum.  Cephalopori  continui,  conver- 
gentes  v.  paralleli.  Proboscis  terminalis,  inermis  v.  pugione 
armata.  Os  infra  caput  situin.  Ocelli  2,  6—12  aut  numerosi. 
Maricolae. 

68.  Emplectonema.  Corpus  longissimum  filiforme  proteum.  Caput 
subdiscretum.  Cephalopori  bipartiti,  convergentes.  Probo- 
scis terminalis,  inermis?    Os.  .  .    Ocelli  nurnerosi.  Maricolae. 

Genus  inquirendum. 
69.?  Dichilos.    Corpus  depressum  lineare.    Caput  corpore  conti- 
nuum,  plica  transversa  terminal]  bilabiatum,  labio  inferiore 
emarginato.   Proboscis  ...   Os  .  .  .  Oeelli  duo.  Maricolae. 
Genera  exstincta. 

70.  Nemertites.  Corpus  longissimum  filiforme.  —  In  formatione 
cambrica. 

71.  Lombricaria.  Corpus  longissimum  filiforme.  —  In  formatione 
calcarea  lithographica. 

TRIBUS  I.     ARHYNCHOCOELA  SCHULTZE. 

Vermes:  Intestina  Linne  ex  parte.  —  Vers  planulaires  Lamareh  ex  parte.  — 

Apodes  planaires  Blainville.  —  Apoda  trematodina  Oersted  ex  parte.   —  Tur- 

bellaria  rhabdocoela  Ehrenberg  partim. 

Animalcula  solitaria  libera,  decolora  vel  colorata,  utplurima 
microscopica,  alia  aliquot  lineas  longa,  paucissima  vix  semipollicaria. 
Corpus  inolle,  parencbymatosum,  totum  vel  passim  ciliis  vibrantibus 
obsessum,  utplurimum  lineare,  planum  vel  teretiusculum,  rarius  di- 
latatum,  continuum,  interdum  corpusculis  bacillaribus  vel  organis 
urticantibus  (vesiculis  elongatis  appendice  filiformi)  subeutaneis  vel 
apieibus  prominentibus  instruetum.  Acetabulum  nullum.  Caput  cor- 
pore continuum  vel  discretum,  cephaloporis  nullis  vel  rarius  duobus, 
uno  in  dextro,  altero  in  sinistro  capitis  latere  s.  marginalibus  l).  Pro- 
boscis aggressoria  nulla.  Tentacula  genuina  nulla,  rarissime  pseudo- 
tentacula  2).  Ocelli  nulli  vel  1,  2,  3,  4  vel  6  simplices,  rarissime  2 
compositi  et  4  simplices,  nigri,  rarissime  rubri  v.  decolores.  Oto- 
lithi  nulli  vel  1  vel  2,  cum  otolithotheca  (s.  tympano)  1  vel  2.  Os  ter- 
minale aut  ventrale  antrorsum,  retrorsum  vel  in  medio  corporis  situin, 


')  Cephalopori  sunt  organa  rimne-  v.  fo veaeformia ,  utriculo  instrueta,  iueertae  func- 

tionis,  in  Rhynchocoelis  haud  raro  obvia. 
2)  In  genere  Vorticeroti. 


Revision  der  Turbellarien.  Cu5 

oesophago  s.  pharynge  rarissime  protractili,  integro  vel  limbo  lobato. 
Tractus  cibarius  simplex  coecus  aut  ano  stipatus.  dp  parat  us  aqui- 
ferus  cum  poro  excretorio,  rarissime  apertura  duplici,  una  exceptoria, 
altera  excretoria  *)  instructus.  dndrogyna  et  tuno  apertura  genitali 
unica  (Monogonopora),  aut  sexus  discreti  et  tunc  interdum  periodice 
agama.  Penis  chitiueus  v.  mollis.  Organa  genitalia  interna  (in  andro- 
gynis)  ;  mascula :  utriculi  duo  (vasa  seminalia)  ductibus  suis  vesicula 
seminali  communi  inserta,  ductu  brevi  ejaculatorio  a  vesicula  seminali 
in  organon  copulationis  saepe  cliitineum  vel  solummodo  appendicibus 
chitineis  insignitum  excurrente;  feminea:  organon  germinativum  et 
organon  vitelligerum.  discieta,  rarissime  juncta  2),  paria,  rarius  im- 
jiaria,  utero,  in  quo  ovula  evolvuntur  et  testa  dura  teguntur,  inserta, 
cum  bursa  seminali  utero  affixa;  rarissime  3):  sacculi  solitarii  clausi 
ad  latera  intestini,  quorum  anteriores  ovula,  posteriores  sperma  virile 
continent;  in  illis  sexus  discreti,  mascula:  testiculus  cylindricus 
cum  vesicula  seminali  et  pene  chitineo;  feminea:  ovarium  cum  ovi- 
ductu  extrorsum  patente.  Multiplicatio  per  ovula,  rarius  per  ovo- 
vivipartum  4),  haud  raro  per  divisionem  spontaneam  transversalem. 
Evolutio  directa.  Systema  musculare  parum  evolutum.  Ganglion 
cerebrale  duplex,  fila  nervea  emittens.  —  Aquarum  dulcium,  rarius 
rnaris  incolae,  rarissime  endoparasita. 

Motus  gliscens  v.  natatorius.  Onila  aestiva  solitaria,  libera,  ovula  hyberna 
plurima,  Capsula  libera  subglobosa  colorata  (ootheca),  pedicellata  vel  pedicello 
ilestituta  inclusa. 

Subtribus  I.     Arhynchocoela  aprocta. 
Tractus  cibarius  coecus.  —  Androgyna. 
*  Acrostomata.    Os  terminale. 
Familia  I.  ifle^astomea  Dies.  Character  generis  unici 
simul  familiae. 

I.   MEGASTOMUM  SCHMARDA. 
Telostomum  Schmarda,   nee  Oersted. 
Corpus  subcylindricum.    Caput   corpore   continuum.     0.9   ter- 
minale  rimaeforme   transversum  amplum,  oesophago  subeylindrico. 


!)  Fn  genere  Stylacio. 

2)  In  genere  Macrostomo  Oersted,   cujus  species  hujns   loci  generibus  Tu  r  I)  e  1 1  a  e  . 
Spiroclyto  et  Monolo  adnumeratae  sunt. 

3)  In  genere  S  i  d  o  n  i  a. 

4 J   I  u   V  o  r  t  i  c  e  \V  a  r  i-  e  n  i  i  Girard. 


200  Diesing. 

Ocelli  nulli.   Otolithi  nullit  Androgyna?  Apertur»  genitalis...  ylw/s 
nullus.  Aquarum  dulcium  Americae  centralis  incolae. 
1.  Megastomum  ferrugineum  SCHMARDA. 

Corpus  subcylindricum  flavo-griseum.  Os  dimidiae  fere  cor- 
poris latitudinis.   Longit.  i/z'". 

Ovula  matura  magna.    Organa  genitalia  mascula  haud  observata. 
Telostomum  ferrugineum  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  8. 
Megastomum  ferrugineum  Schmarda  1.  s.  c.  Tab.  I.  17. 
Habitaculum.  In  aqua  dulci,  prope  San  Juan  del  Norte  in 
America  centrali  (Schmarda). 

Familia  II.  Proporidea  Dies.  Corpus  ellipticum  vel 
teretiusculum.  Caput  corpore  continuum.  Os  terminale,  oesophago 
tubaeformi.  Ocelli  nulli.  Otolithus  unus  supra  capsulam,  aut  otoli- 
thotheca  una  inclusus.  Androgyna.  Apertura  genitalis  retrorsum  sita. 
Anus  nullus.  Aquarum  subsalinarum  Americae  borealis  vel  maris 
Europae  septentrionalis  incolae. 

II.  ACELIS  DIESING. 
Acmostomi  spec.  Schmarda. 
Corpus  teretiusculum.  Caput  corpore  continuum.  Os  terminale, 
oesophago  protractili  tubaeformi  margine  sexlobato.  Ocelli  nulli. 
Otolithus  globosus  capsulae  cervicali  insidens.  Androgyna.  Penis 
cultriformis  retrorsum  situs.  Anus  nullus.  Aquarum  subsalinarum 
Americae  borealis  incolae. 

Ovaria  magna  uvaeformia  retrorsum  sita. 

1 .  Acelis  creoulata  DIESING. 

Corpus  flavidulum.  Longit.  </8"'. 

Acmostomum  crenulatum  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  3.  Tab.  I.  2. 
Habitaculum.  In  aqua  subsalsa  prope  Hobocken  haud  procul 
;i  New  York  (Schmarda). 

III.    PROPORUS    O.  SCHMIDT. 
Gyratoris  spec.  Busch. 
Corpus  ellipticum  retrorsum  atteniiatum.   Caput  corpore  con- 
tinuum. Os  terminale,  oesophago  tubaeformi  margine  integro.  Ocelli 
nulli.     Otolithus   unus   otolithotheca    inclusus    (oculus    Schmidt). 
Androgyna.  Apertura  genitalis  dorsalis.   Anus  nullus.  Maricolae. 
1.  Proporos  Cyclops  0.  SCHMIDT.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  219. 
Habi  taeul  um.  Faeroe  in  sinu  Thorshavensi,  vere (Schmidt). 


Iti'\ i.siiui  der  TiH'bellarien.  Cv  i 

Species  inquirenda. 
2.  Proporas  viridis  Ä.  LEÜCKART. 

Corpus  fere  teretiusculum  interdum  retrorsum  attenuatum,  vi- 
ride,  corpusculis  bacillaribus  rubris  vel  violaceis  prominentibus. 
Longit.  V',0  —  «/8. 

Gyrator  viridis  Busch:   Bcobacht.  wirbell.  Seethiere  117 — 118.   Tab. 

XIV.  11—14  (cum  anatom.). 
Proporus?  viridis  Leuckart:    in  Troschel's  Areh.  1854.  II.  349. 
Habitaculum.  In  mare  adriatico  prope  Tergestum  (Busch). 
Penis  (?):    Organum  corneum  imperforatum  bipartitum,   globulis  duobus 
insidens.   Organa  genitalia  solummodo  mascula  observata. 

Familia  III.  Acmostomea  Schmarda.  Character 
generis  unici  siinul  familiae. 

IV.   ACMOSTOMUM    SCHMARDA. 

Corpus  teretiusculum.  Caput  corpore  continuum.   Os  terminale, 
oesophago  protractili  conico  margine  denticulato.    Ocelli  duo.    Oto- 
lithus   nullus.     Androgyna.     Penis   flagelliformis    retrorsum   situs. 
Anus  nullus.  Aquarum  dulcium  stagnantium  Australiae  incolae. 
Testiculi  duo  fusiformes.    Ovaria  duo  filiformia. 

1.  Aemostomum  denticalatam  SCHMARDA. 

Corpus  teretiusculum,  capite  rotundato ,  postice  attenuatum, 
flavo-griseum.    Ocelli  elliptici  nigri.  Longit.  1%'". 

Aemostomum  denticulatum  Schmarda:   Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  3.    Tab. 
I.  1,  1*. 

Habitaculum.  In  aqua  stagnante  ad  Cook's  River  in  Nova 
Cambria  (S  c  h  m  a  r  d  a). 

Familia  IV.  Otocelidea  Dies.  Corpus  teretiusculum 
vel  depressiusculum.  Caput  corpore  continuum.  Os  terminale,  oeso- 
phago cylindrico.  Ocelli  duo.  Otolithus  unicus  vel  otolithi  duo.  An- 
drogyna. Anus  nullus.    Maricolae. 

V.  OTOCELIS  DTESING. 

Propori  spec.  0.  Schmidt. 

Corpus  teretiusculum  ciliatum.   Caput  corpore  continuum.   Os 

terminale,  oesophago.  .  .  Ocelli  duo.  Otolithus  unus  otolithotheca  in- 

clusus.    Androgyna.    Apertura  genitalis  haud  proeul  ab  extremitate 

postica.  Anus  nullus.   Maricolae. 


208  D  i  e  s  i  n  g. 

1 .  Otocelis  rubropunetata  D1ESING. 

Corpus  hyalinum.   Ocelli  marginales,  rubri.  Longit  xj%" . 
Proporus  rubropunctatus   0.  Schmidt:   in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  d. 
Wissensch.  IX.  (1852)  498.  Tab.  XLVI.  10. 

Habitaculum.  Prope  Lesinam  (0.  Schmidt). 

VI.    SIDONIA   SCHUL  TZE. 

Corpus  depressiusculum  gracile.  Caput  corpore  continuum. 
Os  terminale,  oesophago  gracili  cylindrico  intestino  oblique  inserto. 
Ocelli  duo.  Otolithi  duo.  Androgyna.  Apertur a  genitalis  . . .  Anus 
nullus.   Maricolae. 

Organa  genitalia:  sacculi  solitarii  clausi  ad  latera  intestini,  quorum  ante- 
riores majores  ovula  in  omni  evolutionis  stadio,  posteriores  sperma  virile  plus 
minusve  perfeetum  continent.  —  Genus  structura  et  dispositione  organorum 
genitalium  ab  Arhyncbocoelis  omnino  dift'erens,  cum  Rhynchocoelis  contra 
maxime  congruens,  valde  memorabile. 

1.  Sidona  elegans  SCHULTZE. 

Corpus  album,  dorso  lateritio  cruciato,  capite  rotundato.  Longit. 
2V,'",  latit.  i/,w. 

Corpuscula  calcarea  subcutanea  numerosa  teretiuscula. 

Sidonia  elegans  M.  Schätze:  in  Verhandl.  d.  phys.  med.  Gesellsch.  zu 
Würzburg  IV.  (1854)  223  (cum  anatom.). 

Habitaculum.  Prope  Tergestum  haud  raro  Augusto 
(Schultze). 

*  *  Hypostomata:    Os  ventrale,  vel  antrorsum,  vel  in  medio  fere  corporis, 
vel  retrorsum  situm. 

Familia  V.  Typhloplaiiidea  Dies.  Character  generis 
uniei  simul  familiae. 

VII.  TYPHLOPLANA  HEMPRICH  et  EHRENBERG.  Char.  amplif. 

Fasciolae  et  Planariae  spec   Müller.  —  Derostomatis  spec.  Duges  et  Schmarda. 
Opistomum  0.  Schmidt.  —  Mesostomi  spec.  0.  Schmidt.  —  Anoplodium  Schnei- 
der. —  Macrostomi  spec.  Schmarda. 

Corpus  depressum  v.  teretiusculum.  Caput  corpore  continuum. 
Os  ventrale,  superum  subterminale,  antrorsum  v.  in  medio  fere  cor- 
poris situm.  Ocelli  nulli.  Otolit/ius  nullus.  Androgyna.  Apertur a 
genitalis  retrorsum  sita.  Anus  nullus.  Aquarum  dulcium,  rarius  maris 
incolae,  rarissime  endoparasita. 


Revision  der  Turbellarien.  -iU«' 

*  Os  superum  subterminale  vcl  untrorsum  situm. 

Opistomum  0.  Schmidt.  —  Macrostomi,  Derostomi  et  Strongylostomi  spec. 

Schmarda.  —  Anoplodium  Schneider. 

1 .  Typhloplana  pallida. 

Corpus  latiusculum,  albicans,  transparens.  Os  superum  sub- 
terminale, oesophago  amphoraeformi.  Aculei  ad  basin  continuationis 
vaSorum  deferentium  vomeriformes.  Penis  armatus  tortuosus.  Longit. 
ultra  1'". 

Opistomum  pallidum    0.  Schmidt.   —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  233.   —   0. 
Schmidt:   in  Sitzungsb.  d.  k.  Akad.  XXV.  (1857)  87.  —  Idem  in 
Denkschr.  XV.  27. 
Habita  cul um.    Prope  Axien  ad  Albim:    in  paludosis,  Martin 
et  Aprili  (0.  Schmidt). 

2.  Typhloplana  Scholtzeana  DIES1NG. 

Corpus  gracile.  Os  superum  subterminale,  oesophago  amphorae- 
formi. Aculei  ad  basin  continuationis  vasorum  deferentium  haud 
vomeriformes.  Penis  armatus  tortuosus.  Longit.  \\/2'"  —  2'",  lati- 
tudo  «/„"'. 

Opistomum  pallidum  Schmidt.  —  M.  Schnitze:  ßeitr.  Turbell.  I.  40,  74 
et  75  (cum  deseript.).  Tab.  III.  1  (animal.).  Tab.  I.  13,  14,  26,  39. 
Tab.  III.  2 — 3  (anatom.).  —  Idem  in  V.  Carus:  leon.  Zootom.  Tab. 
VIII.  17. 
Opistomum  pallidum  M.  Schätze  neque  Schmidt.  --  0.  Schmidt:  in 
Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV.  27.  —  Idem  in  Denkschr.  XV.  27. 

Habita  cul  um.  In  fossa  pratensi,  Decembri  et  per  totam 
hyemem  sub  glacie,  animalcula  organis  genitalibus  imperfectis  (sub 
calore  cubiculi  mox  evolutis);  Martio  usque  ad  Aprilem  animalcula 
organis  genitalibus  instructa,  Gryphiae  (Schultze):  Majo  organis 
genitalibus  evolutis  prope  Cracoviam  (0.  Schmidt). 

3.  Typhloplana  pellncida. 

Corpus  depressiusculum  utrinque  attenuatum  decolor  et  pel- 
lucidum.  Os  subterminale  circulare,  oesophago  amphoraeformi.  Penis 
tubulosus  apiculo  longo  setiformi  terminali,  retrorsum  situs.  Longit. 
1'",  latit.  i/g"'. 

Vortex  coecus  Oersted.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  283. 
Vortex  pellucidus  Schultze:    Beitr.  Turbellar.  49  et  96.    Tab.  IV.   5 
(animal.). 
Habitaculum.    In   littoribus  Daniae   (Oersted).     In  mare 
baltico  ad  algas,  Septembri  Gryphiae,  rarissime  (Schultze). 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  PI.  XLV.  R.l.  I.  Ab«h.  lä 


210  U  i  e  s  i  ii  g. 

4.  Typhloplana  ceylonica. 

Corpus  taeniael'orme  pallide  griseum.    Os  sultterminale  rimae- 

forme.   Longit.  2/V". 

In  medio  corporis  Organum  tubulosum  postice  apertura  cireulari  patente. 

(An  vas  aquiferum?   Schmarda.*) 
Macrostomum  ceylanicum  Schmarda:  Neue  wirhell.  Th.  1.1.8.  Tab.  1.16. 
H  abi  t  aculurn.     Ad  oras  Ceyloniae  (Schmarda). 

5.  Typhloplana  parasita. 

Corpus  planum  ellipticum.  Os  antrorsum  siturn,  oesophago  .  .  . 
Peniä  tubulus  mollis  inermis.  Longit.  1 — 2"\ 

Tractus  cibarius  antrorsum  regulariter  sinuatus.  Bursa  seminalis.  Ovum 

unicum  in  singulo  individuo. 
Anoplodium  parasita  Schneider:   in  Müller's  Arch.  1858.  324.    Tab. 
XII.  1—4  (cum  anatom.).  —  Idem  ibid.  1861.  183. 
Habitaculu  m.     HolothuHa   tuhulosa:    in   cavo   corporis 
(Schneider). 

6.  Typhloplana  clongata. 

Corpus  elongatum  depressum  retrorsum  attenuatum  rnfo- 
griseum.  Os  antrorsum  situm  ellipticum,  oesophago  doliif'ormi. 
Longit.  1"'. 

Derostomum  elongatum  Schmarda:  Neue  wirbell.  Tb.  I.  1.  7.  Tab.  I.  9. 

Habitaculum.  In  aqua  subsalsa  paludosa,  New  Orleans  in 
America  septentrionali  (Schmarda). 

7.  Typhloplana  cocca. 

Derostoma  coecum  Oefsted.  —  Dies.  Syst.  Helm.  1.  283. 
Habitaculum.  In  fossis,  Hafniae  (Oersted). 

°   Os  in  medio  fere  corporis  situm. 
Typhloplana  H.  et  E. 

8.  Typhloplana  variabilis  OERSTED.—  Dies.  Syst.  Helm.  I.  231. 
Habitaculum.   In  Daniae  pratis  inundatis  (Müller,  Fabri- 

cius  et  Oersted,  —  in  Gallia:   Duges). 

9.  Typhloplana  viridata  EHRENDER*;. 

Akaleph.  d.  roth.  Meeres  66. 

Typhloplana    viridata    0.    Schmidt.    —    Dies.    Syst.   Helm.    I.   232.   — 

Schmarda  i  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  9. 
Mesostomum  viridatum  Schnitze:  Beitr.  Turbellar.  I.  53. 
Habitaculu  adde:   In  aqua  dulci  prope  Auckland  in  Nova  Zee- 
landia  (Schmarda). 


Hcvision  der  Turfoellarien.  tt  I  1 

10.  Typhloplana  lapponica  0.  srnunn. 

Mesostomum  (Typhloplana)  lapponicum  0.  Schmidt:    in  Sitzungsb.  d. 

kais.  Akad.  IX.  (1852)  562.    Tab.  XLV1I.  16.  —  Fdem  ibid.  XXV. 

(1857)  87.  —  Idem  in  Denksehr.  XV.  (1858)  36. 

Habitaculum.     In  Lapponia,   in   palude  aquae  dulcis  prope 

Muonioniska;  inter  Torneo  et  Haparanda  et  prope  Cracoviam  haud 

raro  (0.  Schmidt). 

Specimina  Cracoviensia  os  paulum  ante  medium,  speeimina  lapponica  exaete 
in  corporis  medio  exhibent. 

1 1 .  Typhloplana  gracilis  SCHMARDA. 

Corpus  subeylindrieuni  llavidulum.  Os  in  medio  corporis  situm. 

Penis  curvatus.  Longit.  '/V". 

Typhloplana  gracilis  Schmarda:  Nene  wirbell.  Th.  I.  1.  9.  Tab.  I.  19. 

Habitaculum.  In  aqua  dulei  prope  Cali  in  valle  Cauca  in  Nova 
Granada  (Seh  mar  da). 

12.  Typhloplana  flirudo. 

Mesostomum  (Typhloplana)  Hirudo   0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais. 

Akad.  XXV.  87  et  in  Denkschr.  XV.  35  et  46.  Tab.  III.  9,  10,  H. 
Habitaculum.  Prope  Cracoviam  (0.  Schmidt). 

Generi  Typhloplanae  fortasse  adnumeranda: 

Convolnta  anotica  SCH3IAMDA. 

Os  semilunare  in  quarta  corporis  parte.  Longit.  i/2 '"• 

Convoluta  anotica  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  8.   Tab.  1.  18. 
Habitaculum.     In   aqua  stagnante  prope  Peili-Aar  et  prope 
Badulla  in  Ceylonia  (Schmarda). 

Familia  VI.  Otophora  Dies.  Corpus  planum  vel  tere- 
tiusculum.  Caput  corpore  continuum.  Os  ventrale,  vel  antrorsum  vel 
in  medio  corporis  vel  retrorsum  situm,  oesophago  cylindrico,  conico 
v.  amphoraeformi.  Ocelli  nulli.  Otolithus  unus  prominentiis  duabus 
v.  nullis,  otolithotheca  inclusus  v.  duo  otolithothecis  duabus  inclusi. 
Androgyna.  Apertura  genitalis  .  .  .  Anus  nullus.  Aquarum  dulcium 
vel  maris  incolae. 

VIII.  MONOTUS  DlESJNG. 

Monocelis  Altctorum.  —  Convoluta  Oersted.  —  Monostomi  spec.  Schnitze.  — 
Mesopharyngis  spec.   Schmarda. 

Corpus  planum  v.  teretiusculum,  utroque  margine  involutum  vel 
marginibus  haud  involutum,  extremitate  caudali  interdum  in  discum 

15» 


212  Die  sing. 

dilatabili.  Caput  corpore  continuum.  Os  ventrale  antrorsum  vel  iit 
vel  retro  medium  corporis  situm,  oesophago  cyündrico  v.  amphorae- 
formi.  OcelH  nulli.  Otolithus  uuus  prominentiis  duabus  vel  nullis, 
otolitotheca  inclusus.  Androgyna.  Penis  retrorsum  situs.  Anus  nnllus. 
Maricolae  vel  aquarum  dulcium  incolae. 

*   Os   antrorsum   situm.     Corpus  utroque   margine   longitudinaliter  involutum. 
Convoluta   Oersted. 

1.  Monotus  paradox us. 

Convoluta  paradoxa  Oersted.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  218.  —  0.  Schmidt: 
in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  (1852)  492-  Tab.  XLIV.  1.  —  Gosse: 
in  Ann.  nat.  hist.  2.  ser.  XVI.  (1855)  312.  —  Leuekart:  in  Tro- 
sehel's  Arch.  1859.  II.  183. 

Planaria  haustrum  Dalyell:  Powers  of  the  Creator  II.  (1853)  106.  Tab. 
XIV.  3(5 -38. 

Habita culo  adde:  Prope  Bergen  in  Norwegia  (0.  Schmidt). 
—  Ad  littora  Scotiae  (Dalyell). 

2.  Monotus  Johnstoni. 

Convoluta  Johnstoni  Diesing :   Syst.  Helm.  I.  219. 
Habit  acutum.  In  sinu  Berwickcensi,  inter  Confervas  (John- 
ston). 

3.  Monotus  Diesingii. 

Convoluta  Diesingii   0.  Se//?tiidt:    in   Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  493. 

Tab.  XLIV.  2. 
Habitaculum.    Ad  insulam  Lesinam  (0.  Schmidt). 

4.  Monotus  Schultz!!. 

Convoluta  Schultzii  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  493. 
Tab.  XLIV.  3.  —  M.  Schnitze:  in  Würzburg.  phys.  med.  Gesellsch. 
IV.  (1854)  223  et  224  (cum  anatom.). 

Habitaculum.  Ad  insulam  Lesinam  (0.  Schmidt).  Septem- 

bri,  Anconae  (M.  Schultze). 

5.  Monotus  albicinetns. 

Corpus  planum  oblongum  ovatum,  anlice  rotundatum,  retror- 
sum  acuminatum,    faseiis    duabus    transversalibus  dorsalibus   albis. 

Longit 

Convoluta  albicincla  M.  Schultze:  inTroschel's  Arch.  1849.  I.  281. 
Habitaculum.  Ad  Batrachospermum  in  littore  orae  orientalis 
iusulae  Rugiae  (M.  Schultze). 


Revision  der  Turbellarien.  C  1  o 

*  *  Os  in  medio  corporis  situm.    Corpus  marginihu.s  haud  involutum. 
Mesopharynx  Schmarda  partim. 

6.  lonotus  mesopharynx  DIESJNG. 

Corpus  planuii)  oblongum  retrorsum  attenuatum,  rufo - griseum. 
Os  in  medio  corporis  situm,  oesophago  cylindrico.  Otolithus  promi- 
nentiis  duabus  lenticularibus.  Penis  retrorsum  situs,  sagittaeformis. 

Lorigit.  '/V". 

Ganglion  cerebrale  antrorsum  emittit  rainuluni  crassum  apice  urceiformem 
otolithum  excipienteiii.  —  Ovula  obscure  rubra. 
Mesopharynx  otophorus  Schmarda:   Neue  wirbelt.  Th.  I.  1.  4.   Tab.  I. 

10.  11. 
Habitaculum.  In  ;iqua  dulci  stagnante  prope  Stellenbosch  ad 
caput  bonae  spei  (Schmarda). 

*  *':i  Os  retro  medium  corporis  situm.    Corpus  marginibus  haud  involutum. 
Monocelis  Aurtor. 

7.  Nonotus  nnipunctatus  üIESING. 

Otolithus  prominentiis  duabus.    Penis  pyramidatus  armatus. 

Monocelis  unipunctata   Oersted.   —  Dies.  Syst.   Helm.  I.   185.   —  M. 
Schultze:  Beitr.  Turbell.  I.  38  et  75.  Tab.  II.  8—10  (anatom.). 

Habitaculo  adde:  Sub  superficie  aquae  ad  littns  maris  baltici 
(Schultze). 

8.  Ilonotus  rotilans. 

Monocelis  rutilans  Hempr.  et  Ehrenb.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  185. 
Habitaculum.  Ad  Fucos  maris  baltici  (Müller). 

9.  Monotus  hyalines. 

Corpus  ovale  postice  rotundatum,  hyalinuin.  Caput  rotundatum. 
Longit.  2'/2'",  latit.  '/a'". 

Embryo  breve  post  exclusionem  subj^lobosus  ciliis  vibrantibus  obsitus,  ex- 
cavatione  circulari. 

Monocelis   hyalina  Benedeit:    Recberch.  Faun.  litt.  Belgique  40  et  56. 
Tab.  VII.  5 — 9  (et  de  evolut.  embryonis). 
Habitaculum.  Ad  littora  Belgiae  (ßeneden). 

10.  .11  »not us  lacteos  DIESING. 

Corpus  sublineare  antrorsum  attenuatum,  extremitate  postica 
interdum  in  discum  dilatabili,  lacteum.  Os  retro  medium  corporis 
situm,  oesophago  amphoraeformi  liinho  crenulato.    Otolithus  globo- 

sus  in  otolithotheca  crlobosa.    Longit.  .  .  . 


Z  1  4  Diesing. 

Gaimard:  Voyage  en  Scandinavie  etc.   Zool.  Tab.  D.   (Aporocephala) 
1 — 11  (et  fig.  anatom.). 
Habitaculum.  In  mari  boreali  (Gaimard). 

Species  inquirendae. 

11.  Monotus  glaucus. 

Monocelis  glauca  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  186. 
Habitaculum.  In  aquis  Daniae  (Müller). 

12.  11  on »I iis  subalattis. 

Monocelis  subulata  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  186. 

Habitaculum.  Inter  Convervas  marinas  et  in  fundo  limoso 
cavernarum  rupium  aquam  sub  aestu  retinentium,  in  Groenlandia 
copiose  (Fabricius). 

13.  11  o not us  excavatus. 

Monocelis  excavata  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  187. 

Macrostomum  auritum  M.  Schnitze:  Beitr.  Turbell.  58  et  77.  Tab.  V.  4 
(animal.). 
Habitaculo  adde:  Ad  littus  maris  baltici  Gryphiae  aestate  et 
autumno  (Schultze). 

IX.    DIOTIS   SCHMARDA. 

Corpus  planum  oblongum.  Caput  corpore  continuum.  Os  ven- 
trale retrorsum  situm,  oesophago  conico.  Ocelli  nulli.  Otolithi  duo, 
singulo  otolithotheca  propria  incluso.  Androgyna.  Penis  .  .  .  Anus 
nullus.    Aquarum  dulcium  Americae  aequinoctialis  incolae. 

1.  Diotis  grisea  SCHMARDA. 

Corpus  oblongum  ovale  depressum  griseum.  Longit.  l1/^'". 

Diotis  grisea  Schmarda:   Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  5.  Tab.  I.  14. 
Habitaculum    In  aqua  dulci,  San  Juan  del  Norte  in  America 
centrali  (Schmarda). 

FamiliaVIl.  Vorticinea  Hempr.  etEhrenb.  Charact. 
amplif.  Corpus  planum  vel  teretiusculum.  Caput  corpore  continuum, 
haud  cristatum  v.  ciliis  rigidis  cristatum.  Os  ventrale,  antrorsurn,  in 
medio  corporis  v.  retrorsum  situm,  oesophago  cylindrico,  amphorae- 
formi,  subgloboso,  infundibuliformi  v.  panduraeforrni.  Ocelli  2  v.  4, 
raiissiine  3.  Otolithi  nulli.  Androgyna.  Apertura  genitalis  retrorsum 
sita.  Ovipara,  rarissime  ovovivipara.  Anus  nullus.  Aquarum  dulcium 
vel  maris  incolae. 


Revision  der  Turbellarien.  i  I  .) 

-;-  oc-iii  duo. 

X.  TURBELLA  MEMPRICH  et  EHRENBERG.  Char.  amplificato. 

Planaria  Fabricius.  —  Derostoina  DugeS  partim.  —  Mesostomi  spec.  Duges. 
Maerostoma  Oersted.        Strongylostoma  Oersted.  —  Orthostomum  0.  Schmidt 
nee  Hcinpr.  et  Ehrerib.   —    Sebizoslomum   Schmidt.   —   Mesopharynjjis  spec. 
Schmarda.  —  Cbonostomum  Schmarda.  —  Catesthia  Leidy. 

Corpus  teretiusculum  v.  depressum.  Caput  corpore  coiitiinuim. 
Os  ventrale  superum,  rirnaeforme,  longitudiuale  vel  transversum,  vel 
subellipticum,  v.  in  medio  fere  corporis  situm  circulare,  v.  posticum 
subterminale,  oesophago  cylindrico,  amphoraeformi  vel  infundibuli- 
formi,  protractili  v.haud  ppotraetfli.  Ocelli  duo  antici.  Otolithus  nullus. 
Androgyna.  Anas  nullus.  Aquarum  dnlcium,  rarius  maris  incolae. 

Conspectus   dispositionis    spedernm. 

*   Os  superum,  rirnaeforme,  subellipticum  v.  circulare  sp.  1 — 25. 
*  *  Os  in  medio   vel  paulum  supra  vel  retro  corporis  medium  situm  sp 
26—46. 
***  Os  subterminale  posticum  sp.  47. 
Speeies  inquirendae:  48 — 57. 


*  Os  superum,  rirnaeforme,  subellipticum  v.  circulare. 

Turbella  Hempr.  et  Eltvcnb.  —  Derostoina  Duges  partim.  —  Maerostoma 

Oersted.  —  Strongylostomi  et  Vorticis  spec.  Sehmarda. 

1.  Turbella  platyura   EEMPRICH  et  EHRENBERG.   -       Dies.   Syst. 
Helm.  I.  223. 

Hab  itaculum.  Monspessulani  (I)  uges). —  ßerolini  (Eh  ren- 
berg). 

2.  Turbella  appcndlculata  D1ESING:  Syst.  Helm.  1.  224  adde. 

Macrostomum  Hystrix  Oerst.       Schnitze:  Beitr.  Turbell.  I.  56,  7.3  et  77. 

Tab.  V.  3  (animal.).  Tab.  I.  15  (anatom.). 
Habitaculo  adde:   Prope  littus  in  proi'unditate  aliquot  pedum 
in  mare  baltico  ah  initio  aestatis  usque  ad  autumnum  organis  geni- 
talibus  evolutis  (Schnitze). 

Sed.  cl.  Schnitze  cum  specie  subsequente  identica. 

3.  Turbella  Hystrix  DJE&ING,:  Syst.  Helm.  I.  224  adde. 

Macrostomum  Hystrix  Oer.sted.  —  Sc/udlze:   Beitr.  Turbcllar.  I.  c.   - 
0.  Schmidt:    in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV.  (1857)   87    et   in 
Denkschr.  d.  kais.  Akad.  XV.  36. 
Habitaculo  adde:  Prope  Cracoviam  (Schmidt). 


216  D  i  e  s  i  11  g. 

4.  Tarbella  piscicnlns  HEMPRICH  et  EHRENBERG.  —  Dies.  Syst. 
Helm.  I.  224. 

Habitaculum.  Berolini  (Ehrenberg). 

5.  Tarbella  Squalas  EHRENBERG: 

Akaleph.  d.  rothen  Meeres  66. 
Turbella  Squalus  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  224. 
Habitaculum.  Monspessulani,  in  paludosis  (Duges). 

6.  Tarbella  lanulata  HEMPRICH  et  EHRENBERG.   —  Dies.  Syst. 
Helm.  I.  225. 

Habitaculum.  Berolini  (Ehrenberg). 

7.  Tarbella  seleuops  EHRENBERG: 

Akaleph.  d.  rothen  Meeres  66. 
Turbella  selenops  Diesing:  Syst.  Helm.  1.  225. 
Habitaculum.  Monspessulani,  in  paludosis  (Duges). 

8.  Tarbellaria  oolpaoctata  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  225  adde. 

Derostomum  Schmidtianum  Schnitze :  Beitr.  Turbellar.  I.  SO,  73  et  76. 

Tab.  IV.  6  (animal.).  Tab.  I.  7,  8,  38.   Tab.  IV.  7-9  (anatom.). 
?  Planaria  fodinae  Dalyell:   Powers  of  the  Creator  II.  HO.   Tab.  XV. 

7—12. 
Derostomum  unipunetatum  Oersted?  —  Leuchart;  inTroschel's  Arch. 
1839.  II.  183. 
Habitaculo  adde:    In  fossis  et  piscinis,   Januario — Martio 
organis  genitalibus  minus  evolutis,   Gryphiae  (Schul tze).  —  Ad 
littora  Scotiae  (Dalyell). 

Secundum  cl.  Schnitze  cum  specie  subsequente  identica. 

9.  Turbella  Schmidtiaoa  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  225  adde: 

Derostomum  Schmidtianum  Schnitze:  Beitr.  Turbell.  I.  c. 
Habitaculum.     Prope   Axien   ad    Albim    in   limosis,    Junio 
(Schmidt). 

10.  Tarbella  gibba  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  226. 
Habitaculum.    Hafniae  (Fabricius),   ad  Hofmansgave 

(Oersted). 

11.  Tarbella  viridis. 

Corpus  subcylindricum,   capite  rotundato,  extremitate  postica 
acuminata,  viride  tinctum.   Os  subterminale  circulare,  oesophago  am- 
phoraeformi.   Ocelli  ovales,  nigri.  Longit.  1 — t1/»"'»  latit.  J/3  —  i/i'". 
Vortex  viridis  Schätze:  Beitr.  Turbell.  I.  47,  73-74.  Tab.  III.  4  (ani- 
mal.). Tab.  1.  1,  2,  2  \  6 »,  17,  30,  35,  37  et  Tab.  III.  5  (analom.). 
-  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  XXV.  87  et  in  Denkschr.  XV.  22. 


Revision  der  Turbellarieii.  c\  t 

?  Hypostonunn  viride  Schmidt.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  229.  —  Leuckarti 
in  Troschel's  Arch.  1854.  II.  348  (de  identitate  cum  PI.  Helluone; 
cfr.  Turbellae  sp.  inquirendas  Nr.  4.  —  Leydig :  in  Müller's  Arcli. 
1857.  415.  —  Leuchart:  in  Troschel's  Arch.  1858.  11.89. 

Habitaculum.  In  pratis  inundatis  Decembri  usque  ad  finem 
Martii  organis  genitalibus  haud  evolutis,  hand  raro  decoloria;  postea 
versus  aestatem  organis  genitalibus  instructa  et  rarissime  decoloria, 
prope  Gryphiam  (Schul  tze)  —  Axien  ad  AI  bim  in  Borussia,  Martio 
et  Aprili  in  lacubus  prope  Cracoviam  (Schmidt). 

12.  Turbella  scoparia. 

Vortex  scoparius  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV.  87  et 

in  Denkschr.  XV.  22  et  46.  Tab.  I.  1—4  (cum  anatom.). 
H  a  b  i  t  a  c  u  I  u  m.    In  piscino  prope  Cracoviam  copiose  cum 
T.  viridi  (0.  Schmidt). 

13.  Tarbella  baltica  SCIIULTZE. 

Corpus  subcylindricum,  capite  obtusato,  extremitate  postica 
acuminata,  laete  brunneum.  Os  subtenninale  subcirculare,  oesophago 
amphoraeformi.  Ocelli  ovales  vel  reniformes,  nigri.  Penis  corneus 
subcylindricus  uncinulo  terminali,  retrorsum  Situs.  Longit.  l/.> — 2/8'", 
latit.  Vs'". 

Vortex  balticus  Schultze :  Beitr.  Turbellar.  I.  48,  74  et  76.  Tab.  IV.  1 
(animal.).  Tab.  I.  28 b-  Tab.  IV.  2—4  (anatom.).  —  Van  Beneden: 
Recherch.  Faun.  litt.  Belgique  34.  Tab.  V.  10—12  (ovula). 

Habitaculum.    In  mare  baltico  prope  Gryphiam  frequenter 
animalcula  organis  genitalibus  evolutis  et.  simul  juvenilia  ab  Aprili 
usque  ad  autumnum;  animalcula  solum  juvenilia  Martio  (Schnitze). 
In  uno  ovulo  embryones  duo. 

14.  Turbella  notops. 

Corpus  subfusiforme  postice  attenuatum,  albidum.  Os  antrorsum 

situm.   Ocelli  nigri  rotundati.  Longit.  ad  2'". 

Derostoma  notops  Duges:  in  Annal.  des  sc.  nat.  XV.  141.  Tab.  IV.  2. 
Turbella?  Phaenocora?  Ehrenberg:  Akaleph.  des  rothen  Meeres  66. 
Gyralor  herniaphroditus  (partim)  Üie&ing:  Syst.  Helm.  I.  227. 

Habitaculum.  Monspessulani  (Duges). 

15.  Turbella  galiziana. 

üerostomum  galizianum  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV. 
I.  (1857)  87  et  in  Denkschr.  XV.  (1858)  26  (et  de  organ.  genital.). 
Tab.  III.  1. 


218 


l>    I    i'    S    I     II 


Habitaculum.  Prope  Cracoviam  saepe  cum  Vortice  viridi  et 
scopario  (0.  Schmidt). 

16.  Tarbella  reticulata. 

Vortex  reticulatus  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  (1852) 

496.  Tab.  XLV.  7. 
Vortex  reticulatus?  Idera  ibid.  XXIII.  (1857)  353.  Tab.  II.  4. 

Habitaculum.  Prope  Lesinam  et  prope  Neapolin  (Schmidt). 

17.  Tarbella  leacocelis. 

Corpus  subcylindrieum,  pallide  griseum.  Os  antrorsum  situm 
rimaeforme,  oesophago  doliiformi.  Ocelli  circulares  albescentes. 
Longit  lVV". 

Derostomum  leucocelis  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  6.  Tab.  I.  7. 

Habitaculum.  In  aqua  dulci  prope  San  Juan  del  Norte  in 
America  centrali  (Schmarda). 

18.  Tarbella  truocata. 

Corpus  subcylindrieum,  retrorsum  depressiuseulum,  antiee  trun- 
catum, lateritium.  Os  antrorsum  situm,  rimaeforme,  oesophago  ara- 
phorae-  s.  doliiformi.  Ocelli  pyrifurmes  nigri.  Penis  hamatus  in  basi 
semilunari,  retrorsum  situs.  Longit.  1  %'". 

Derostomum  truncatum  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  6.  Tab.  I.  8. 

Habitaculum.  In  aqua  stagnante  cum  Stentore  nigro  prope 
Illawara,  in  Nova  Cambria  (Schmarda). 

19.  Tarbella  siphooophora. 

Orthostomum  siphonophorum  0.  Schmidt:   in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad. 

IX.  500.  Tab.  XL VII.  14. 
Macrostomum  siphonophorum  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  8  (nota). 

Habitaculum.  Prope  Lesinam  (0.  Schmidt). 

20.  Tarbella  aadicola  (Schmarda). 

Corpus  planum  oblongum,  antiee  truncatum,  postice  latum, 
flavo-griseum.  Os  antrorsum  situm  circulare.  Ocelli  in  fronte  remoti 
nigri.  Penis  curvatus,  aculeis  retrorsum  directis  utrinque  duobus 
brevibus.   Longit.  3/4'". 

Strongylostomum  andicola  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.9.   Tab. 
II.  20. 
Habitaculum.     In   aqua   dulci   stagnante   ad   pedem    montis 
Pichincha  in  republica  Ecuador  (Schmarda). 


Revision  der  Turbellarien.  C  1  v 

21.  Turbclla  nictopoglcna. 

Corpus  planiusculum  oblongum,  flavo-griseum.  Os  in  primo  cor- 
poris triente.  Ocelli  frontales  nigri.  Penis  curratus  aculeis  retrorsum 
directis  utrinque  duobus  longioribus.  Longit.  l/4'". 
Ovula  matura  oehracea,  (esta  dura  ehitinacea. 

Strongylostonium  metopoglenuin  Schmarda:  Neue  wirhell.  Th.  I.  L9 

Tab.  II.  21  et  21*. 
Habitaculum.    In  aqua  stagnante  prope  Sidney  in  Australia 
(Schmarda). 

22.  Turbella  sphaeropharynx. 

Corpus  planum,  oblongo  ovale,  rufo - griseum ,  tractu  cibario 
brunneo  transparente.  Os  circulare  antrorsuin  situm,  oesophago  glo- 
boso.   öcetli  elliptici  nigri.  Longit.  1". 

Vortex  sphaeropharynx  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  U.  Tab.  I.  3. 

Habitaculum.  In  aqua  stagnante  prope  Cali  in  valle  Cauca» 
Novae  Granadae  (Schmarda). 

23.  Turbclla  caudata. 

Corpus  cylindricum  postice  in  formam  caudae  attenuatum,  rufo- 
griseum.  Os  autrorsum  situm,  oesophago  ovali.  Ocelli  sphaerici 
nigri.  Penis  subuliformis,  basi  incrassatus,  scutello  insidens.   Longit. 

i  «/*'"• 

Ganglion  cerebrale  distinetum,  fila  nervea  5  emittens,  quorum  duo  versus 
oculos  excurrunt.    0.s  ciliis  vihrantihus  magnis  nbsessum. 
Vortex  caudatus  Schmarda:  Neue  wirhell.  Th.  I.  1.  5.  Tab.  I.  4. 
H  a  b  i  t  a  c  u  I  u  m.    In  fönte  prope  Popayan  Novae  Granadae 
(Schmarda). 

24.  Tnrbella  trigonoglena. 

Corpus  subcylindricuin,  inedio  paruni  dilatalum,  retrorsum  atte- 
nuatum. Os  autrorsum  situm,  oesophago  ovali.  Ocelli  trianguläres 
nigri.   Penis  longe  subulatus.  Longit.  '/a'". 

Testiculi  duo  elongati.    Vesieula  seniinalis  globosa.    Ovaria  duo  longa  utri- 
culifonnia. 

Vortex  trigonoglena  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.6.  Tab.  I.  5. 
Habitaculum.     In    aqua   stagnante  prope  Bathurst   in  Nova 
Cambria  (Schmarda). 

25.  Tarbella  Conus. 

Corpus  conicum.  Os  autrorsum  situm,  oesophago  doliiformi 
margine  denticulato.   Ocelli  reniformes  nigri.   Longit.  I  vV". 


220  Diesing. 

Intestinum  conicum. 

Vortex  conus  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  6.  Tab.  I.  6. 
Habitaculum.    In  aquis  stagnantibus  sylvarum,  San  Juan  del 
Norte,  in  America  centrali  (Schmarda). 

*  Os  in  medio  vel  paulum  supra  vel  retro  corporis  medium  situm. 

Mesostomum  Duges.  —  Strongylostoma  Oersted.  —  Mesopharyngis  spec.  et 
Chonostomum  Schmarda. 

26.  Turbella  fasiformis. 

Derostoma  (Mesostoma)  fusiforme  Duges.  —  Ehrenberg :  Akaleph.  des 

rothen  Meeres  66. 
Mesostomum  fusiforme  Buges-  —  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  222. 
Strongylostoma  assimile  Oersted.  —  Schnitze:  Beitr.  Turbellar.  53. 
Habitaculum.  In  aquis  stagnantibus  Galliae  (Duges);  —  in 
Dania  (Oersted). 

27.  Turbella  radiata. 

Mesostomum  radiatum  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  222. 
Strongylostoma  radiatum  Schnitze:  Beitr.  Turbellar.  53. 

Habitaculum.  In  Daniae  aquis  paludosis  et  piscinis  (Müller 

et  Oersted). 

28.  Turbella  rostrata. 

Derostoma  (Mesostoma)  rostratum  Duges.  —  Ehrenberg:   Akaleph.  des 
rothen  Meeres  66. 

Mesostomum    rostratum   Duges.    —    Diesing:    Syst.   Helm.   I.  220.    — 
Schätze:   Beitr.  Turbell.  I.  73-74.  Tab.  I.  10—12,  23  (anatom.  et 
de  corp.  bacill.).   —   Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  10. 
Habitaculo  adde:  Prope  Badulla  in  Ceylonia  (Schmarda). 

29.  Turbella  Ehrenbergii. 

Os  in  calycem  s.  reeeptaculum  vasorum  aquiferorum  excurrens. 
Planaria  tetragona  var.  Ehrenberg:  Akaleph.  d.  roth.  Meeres  66. 
Mesostomum  Ehrenbergi  Oersted.  —  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  220.  — 

Leuckart:  inTroschel's  Arch.  1852.  I.  234  (anatom.). 
Mesostomum  Ehrenbergii  O.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV. 
87,  88  et  in  Denkschr.  XV.  32  et  46.   Tab.  III.  34  (anatom.  cum 
notit.  biograph.). 
Habitaculo  adde :  Prope  Cracoviam  frequenter  (O.  S  c  b  m  i  d  t). 

30.  Turbella  Lingua. 

Mesostomum  Lingua  Schmidt.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  221. 
Habitaculum.     Prope  Axien   ad   Albim ,    Aprili  et  Junio 
(0.  Schmidt). 


Revision  der  Turbellarien.  221 

■'<  1 .  Tarbella  personata. 

Mesostomum  personatum  Schmidt.  —  Diesiiig :  Syst.  Helm.  I.  221.  — 
0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV.  87  et  in  Denkschr. 
XV.  81.  Tab.  III.  2. 

Habitaculo  adde:  Prope  Cracoviam  frequenter  (0.  Seh  midt). 

32.  Turbella  pusilla. 

Mesostomum  pusillum  Schmidt.  —  Üicsing :  Syst.  Helm.  I.  221. 
Habitaculum.  Prope  Axien  ad  AI  bim,  Majo  (Schmidt). 

3.3.  Turbella  tetragoua. 

Mesostomum   tetragonum    Schmidt.    -  -    Dies.  Syst.   Helm.  I.  222.   - 
31.  Schultze:  Beitr.  Turbell.  I.  73—74.  Tab.  I.  4-6.  18—20,  24  a—d, 
25,  29,  31—33,  34  (anatom.). 

Habitaculo  adde:  Gryphiae  (Schultze). 

34.  Tarbella  Craci. 

Mesostomum  Craci  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV.  87  et 
in  Denkschr.  XV.  27—29  et  46.  Tab.  II.  1— 3. 

Habitaculu m.  Prope  Cracoviam  (S c h rn i d t). 

35.  Tarbella  lenticulata. 

Mesostomum  lenticulatum  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX. 
(18S2)  497.  Tab.  XLVI.  9. 

Habitaculum.    Färö  in  portu  Thorshavn  (Schmidt). 

36.  Tarbella  producta. 

Schizostomum  produetum  Schmidt.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  226. 
Mesostomum  produetum  Leuchart:  in  Troschel's  Arch.  18S4.  II.  349. 

—  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV.  88  et  in  Denkschr. 

XV.  34. 

Habitaculum.    Prope  Axien  ad  Albim.   in  lacnnis  pluvialibus 
gregarie,  Majo  et  Junio  (Schmidt). 

37.  Turbella  fallax. 

Mesostomum  fallax  0.  Schmidt:  in  Denkschr.  d.  kais.  Akad.  XV.  34. 
Tab.  III.  6-7. 

Habitaculum.   Prope  Cracoviam  fine  Maji  et  initio  Junii  fre- 
quenter  (0.  Schmidt). 

38.  Tarbella  cyatbus. 

Mesostomum  cyathus  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV.  87 
et  in  Denkschr.  XV.  29.  Tab.  II.  6.  7  (anatom.). 


222  0  i  e  s  i  n  g . 

Habitaculum.  Prope  Cracoviam  variis  locis,  frequens,  nee 
310»  prope  Gratiam  (0.  Schmidt). 

39.  Tarbella  Wandae. 

Mesostomum  Wandae   0.  Schmidt:    in  Sitzungsb.   d.  kais.  Akad.  XXV. 
87  et  in  Denkschr.  XV.  33  et  46.  Tab.  II.  8—9.  Tab.  III.  5. 

Habitaculum.  In  paludibus  prope  Cracoviam  Aprili  raro,  fine 

Maji  frequenter  (0.  Schmidt). 

40.  Tnrbella  bacillifera  DIESING. 

Corpus  planum  oblongum,  capite  truncato,  extremitate  postica 
rotundatum,  corpusculis  bacillaribus  retrorsum  prominentibus  muni- 
tum,  flavidum.  Os  in  medio  fere  corporis.  Ocelli  elliptici  nigri. 
Longit.  1'". 

Mesostomum  hystrix  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  10.   Tab.  II.  23. 

Habitaculum.  In  aqua  dulci  stagnante  prope  Pisino  in  Istria 
(Schmarda). 

41 .  Torbella  diglena. 

Corpus  subcylindricum  depressiusculum,  capite  rotundato,  ex- 
tremitate postica  sensim  attenuatum,  cyaneo-griseum.  Os  in  medio 
corporis,  oesophago  cylindrico  protractili.  Ocelli  nigri.  Penis  tri- 
cuspidatus.   Longit.  3/V". 

Mesopharynx  diglena  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  4.   Tab.  I.  12. 

Habitaculum.  In  aqua  dulci  stagnante  prope  Sidney  et  Para- 
matta  in  Nova  Camhria  (Schmarda). 

42.  Torbella  creoolata. 

Corpus  subcylindricum  retrorsum  parum  attenuatum.  Os  in 
medio  corporis  situm,  oesophago  infundibuliformi,  margine  crenu- 
lato,  protractili.   Ocelli  purpureL  Penis  cirrifovmis.    Longit.  i'". 

Chonostomum  crenulatum  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  4.  Tab.  I. 

13  et  13« 
Habitaculum.     In    aqua  dulci    stagnante   pope  Auckland    in 
Nova  Zeelandia  (Schmarda). 

43.  Tarbella  ovoidea. 

Mesostomum  ovoideum  0.  Schmidt :  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  497. 
Tab.  XLV.  8. 

Habitaculum.     Prope  Lesinam  (0.  Schmidt). 


Revision  der  Turbeilarien.  223 

44.  Turbella  Solen. 

Mesoslomum  Solea  0.  Schmidt  ibid.  XXIII.  334  et  365.  Tab.  II.  5. 
Hahitaculum.    In  mare  prope  Neapolim  (0.  Schmidt). 

45.  Tarbella  trnneula. 

Mesostomum   trunculum    0.    Schmidt:    in    Sitzungsb.    XXV.    87    et   in 
Denkscbr.  XV.  35  et  46.  Tab.  III.  8 
Habitaculum.  Prope  Cracoviam,  rarissime  (0.  Schmidt). 

46.  Tnrbella  oigroveoosa  DIESING. 

('opus  elongatum  planum,  capite  obtuso,  extremitate  postica 
acuminata,  clare  brunneum,  nigrovenosum.  Os  parum  retro  medium 
corporis  sitnm.  Ocelli  reniformes  nigri.  Penis  longissimus  tortuo- 
sus.  Apertura  genitalis  retrorsum  sita.    Longit.  V",  latit.  i/!i'". 

Mesostomum  marmoratum  M.  Schnitze:  Beitr.  Turbell.  I.  54.  Tab.  V.  2. 

1a,  2(5.  —   Van  Beneden:  Rechereh.  Faun.  litt.  Belgique  41. 

Habitaculum.    Ad  algas  marinas  raro,  Gryphiae;   animalcula 

organis  genitalibus  evolutis  sed   numquam  cum  ovulis  ab  Aprili  per 

totum   aestatem   (Schnitze),   fine  Maji,  vulgaris,  Ostendae  (B  e- 

ned  en). 

*  *  Os  subterminale  posticum. 
Catesthia  Leid]/. 

47.  Tarbella  stellato-maculata  LEIDY. 

Corpus  subeylindricum  capite  et  extremitate  postica  rotundatis. 
supra  maculis  stellato-ramosis  nigris  versus  margines  evanescenti- 
bus  dense  et  regulariter,  antrorsum  maculis  tribus  cum  oeellis  alter- 
nantibus  notatum,  subtus  albidum  transparens.  Os  subterminale  posti- 
cum, oesophago  amphoraeformi.  Ocelli  globosi  nigri.  Longit.  3 — 8'". 
latit.  </4—  1"'. 

Animalcula  voracissima;  speeimina  longitudinis  8'"  ore  suo  valde  dilata- 
bili  Planariam  maculatam  6"  longam  deglutire  cl.  Leidy  testat. 
Catesthia    stellato-maculata    Leid]/:     in    Proceed.    Acad.    Philad.    V. 

(1851)  290. 
Habitaculum.     Snb    saxis   in    fluviis  Delaware   et  Scbuylkill 
(Leidy). 

Species  inquirendae: 

48.  Tarbella  assioiilis  DIESING     Syst.  Helm.  1.  226. 

49.  Tarbella  caudata. 

Corpus  oblongum,  capite  truncato,  extremitate  postica  in  cau- 
dam  attenuata,  griseo-flavescens.     Os.  .  .    Ocelli  lunati  vel  subro- 


£  't  4-  D  i  e  s  i  n  g-. 

tundi.     Penis   ovalis    in   iippendieem   styliformem   antice   uncinatam 
attenuatus.   Longit.  3"'. 

Vortex  caudatus  Oersted:  in  Kroyer's  Naturhist.  Tidssk.  I.  (1844— 

1845),  416. 
Habitaculum.   Prope  Dröbak  inter  algas  (Oersted). 

50.  Tarbella  strigata. 

Mesostomum  strigatum  Oersted.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  222. 

51.  Tarbella  bistrigata. 

Mesostomum  bistrigatum  Oersted.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  223. 

52.  Tarbella?   stagni. 

Planaria  stagni  Dalyell:  Powers  of  the  Creator  II.  118.  Tab.  XVI.  30. 
Mesostomum?  Leuckart:  in  Troschel's  Arch.  1859.  II.  183. 

Habitaculum.    In  Scotia  (Dalyell). 

53.  Tarbella  Planaria. 

Distigma1)  Planaria  Hempr.  et  Ehr.  —  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  187. 

54.  Tarbella  Proteus. 

Distigma  Proteus  Hempr.  et  Ehr.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  187  et  648.  — 
Bailey  in  Smithson.  Contrib.  II.  45. 

Habitaculo  adde:  Salem  in  Massachusetts  (Co le). 

55.  Tarbella  viridis. 

Distigma  viride  Hempr.  et  Ehr.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  188  et  648. 

56.  Tarbella  Helluo. 

Distigma?  Helluo  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  188. 
Vortex  viridis  Schnitze:  Beitr.  Turbell.  47  (solum  in  nota). 
Planaria  graminea  Dalyell:  Powers  of  the  Creator  II.  119 — 121. 
Mesostomum  viridatum?  Leuckart:  in  Troschel's  Arch.  1859.  II.  183. 

Habitaculo  adde:    In  Scotia  (Dalyell). 

57.  Tnrbella  tenax. 

Distigma?  tenax  Hempr.  et  Ehr.        Diesing:  Syst.  Helm.  I.  188  et  648. 

XI.  SPIROCLYTUS  0.  SCHMIDT. 
Macrostomi  et  Goniocarenae  spec.  Schmarda. 
Corpus  gracile  ciliatum.  Caput  corpore  continuum,  ciliis  rigidis 
loni^is  cristatum.     Os  ventrale  circulare  vel  rimaeforme,  antrorsum 


l)  Cfr.  Stirapson  Prodr.  I    1   (de  Iranslatione  ad  Rhabdocoela). 


Revision  der  Turbellarien.  22!) 

situm,  oesophago  subgloboso.  Ocelli  duo  ante  os.  Otolithus  nullus. 
Androgyna.  Penis  corneus  bispiralis  apiculo  recto,  retrorsum  situs. 
Anus  nullus.   Maricolae. 

1.  Spiroclytus  Nisus  0.  SCHMIDT: 

in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXIII.  (1857)  356  et  365.  Tab.  III.  8  (cum 
anatom.). 
Habitaculum.    Neapoli  (0.  Schmidt). 

2.  Spiroclytus  setosus. 

Corpus  cylindricum  ciliis  vibrantibus  et  rigidis,  extremitate  po- 
stica  corporis  lanceolata,  (lavo-griseum.  Caput  rotundatum  setis  4 
symmetrice  dispositis.  Os  rimaeforme,  oesophago .  .  .  0 Celli  circula- 
res  nigri.  Longit.  1'". 

Superficies  corporis  corpusculis  bacillaribus  solitariis,  binis  v.  ternis  pro- 

minentibus  exasperatum. 
Macrostomum  setosum  Schmarda:    Neue  wirbell.  Th.  I.  t.  7.    Tab.  I. 

15,  15»- 
Habitaculum    In  aqua  stagnante  vallis  Cauca  prope  Popayan 
(Schmarda). 

S  p  e  c  i  e  s  i  n  q  u  i  r  e  n  d  a  : 

3.  Spiroclytus  capitatus. 

Corpus  oblongum,  postice  acuminatum,  marginibus  undulatis, 
subpellucidum  flavescens.  Caput  a  corpore  discretum  trigonum 
ciliis  longis  obsitum.   Ocelli  lunati.   Os.  .  .    Longit.  3/V". 

Vortex  capitata  Oersted:  Entw.  syst.  Einth.  Plattw.  65,  fig.  7. 
Goniocarena  capitata  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  14. 
Habitaculum.    In  profunditate  6  orgyiarum  in  fretu  Oresund 
semel  repertum  (Oersted). 

■J* *J-   Ocelli  tres. 
XII.   TRICELIS    QÜATREFAGES. 
Mesostomi  spec.  Schnitze. 
Corpus  planum  dilatatum.    Caput  corpore  continuum.    Os  ven- 
trale, retro  medium  corporis  situm,  oesophago  subgloboso.    Ocelli 
tres  antrorsum  siti  transverse  uniseriales.     Androgyna.    Apertura 
genitalis.  .  .   Anus  nullus.   Maricolae  v.  aquarum  dulcium  incolae. 
1.  Tricelis  fasciata  QÜATREFAGES.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  189. 
Habitaculum.    Mitozo   in  Sicilia    inter  lapides  maris  (Qua- 
tre  fages). 

sif/.l..  .1.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  16 


226  I)  i  e  s  i  n  g. 

2.  Tricelis  qaadripunctata  DIESING :    Syst.  Helm.  I.  190. 

H  a  b  i  t ii  c  u  1  u  m.  Inter  Ülvam  Linzam,  Hafniae  (Fa b r ici u  s). 

3.  Tricelis  obtasa 

Corpus  planum,  capite  et  extremitate  postica  obtusis,  album. 
Ocelli  subfrontales.  Os  retro  corporis  medium  situm,  oesophago  sub- 
globoso?  Longit.  1—  1 '/3'",  latit.  i/g—t/t'". 

Mesostomum  obtusum  Schnitze:  Beitr.  Turbell.  54.  Tab.  V.  1. 

Ha  bitacul  um.  In  fossa,  Julio,  specimina  duo,  propeGrypbiam 
(Scbultze). 

f-J-f   Ocelli  4. 

XIII.   VORTEX  HEMPR1CH  et  E1IRENBERG.  Charactere  amplific. 

Planaria  Müller.  —  Vertex  Hempr.  et  Ehrenb.  —  Tetracelis  Hempr.  et  Ehr.  — 

Prostoma  X,eidy    —  Pseudostomum,  Hypostomum  et  Trigonostomum  0.  Schmidt. 

-  Telostomum  et  Cylindrostomum  Oersted.  —  Allostoma  Beneden. 

Corpus  teretiuseulum  v.  depressum.  Caput  corpore  continuum. 
Os  ventrale,  supernm  subterminale,  v.  antrorsum  v.  in  medio  fere  cor- 
poris v.  retrorsum  situm,  oesophago  amphoraeformi,  subgloboso  vel 
cylindrico.  protractili  v.  baud  protractili.  Ocelli  quatuor  in  quadran- 
gulum  dispositi,  interdum  bini  lineola  curva  nigra  longitudinaliter 
juncti,  quasi  semilunati.  Androgyna.  Apertura  genitalis  retrorsum 
sita.  Amts  nullus.   Aquarum  dulciuin  aut  maris  incolae. 

*    Os  antrorsum  situm,  imo  subterminale. 
Vortex  Hempr.  et  Ehren/). 

1 .  Vortex    truncatus    HEMPRICF1  et  EHRENBERG.    —    Dies.   Syst. 
Helm.  I.  229.  adde: 

Schmarda:    in   Denksehr.   d.   kais.   Akad.    VII.   7.    —    0.    Schmidt:    in 

Sitzungsb.  XXV.  87  et  in  Denksehr.  XV.  22. 
Planaria  euneus  Dalyell:  Powers  of  the  Creator  II.  12t.  Tab.  XV.  15.  16. 
Vortex  truncatus?  Leuckart;  in  Troschel's  Areh.  1859.  II.  183. 
Ilabitaculo    adde:     In    aqua    stagnante,    Februario    prope 
Alexandriarn  (Sc  binar  da)  —  in  Scotia  (Dalyell)  —  prope  Cra- 
Cöviam  (0.  Schmid  t). 

2.  Vortex  pictns  0.  SCHMIDT.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  230.  adde: 

0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV.  87  et  in  Denksehr.  XV. 
24  et  40.  Tab.  I.  5—!)  (anatom.  et  pliysiol.). 
Habitaculo  adde:   Prope  Cracoviam  (().  Schmidt). 


Revision  der  Turbellarien.  227 

3.  Vortex  coronarius  0.  SCHMIDT: 

in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXV.  87  et  in  Denkschr.  XV.  26  et  46.  Tab. 
1.  iO— 11   (de  organ.  genital.). 

Habitaculum.    Prope  Cracoviam,  raro  (O.Schmidt). 

4.  Vortcx  Benedeni  0.  SCHMIDT: 

in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  496.  Tab.  XLV.  6. 
Habitaculum.    Prope  Lesinam  (O.Schmidt). 

5.  Vortex  penicillatus  0.  SCHMIDT: 

in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXIII.  352.  Tab.  1.  3. 
Habitaculum.    Prope  Lesiuam  (0.  Schmidt). 

6.  Vortex  Girardi  0.  SCHMIDT: 

in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  1.  c.  351.  Tab.  I.  2. 
Habitaculum.    Neapoli  prope  St.  Luciam  (O.Schmidt). 

7.  Vortex  ferroginens  SCHMARDA: 

in  Denkschr.  d.  kais.  Akad.  VII.  16,  26  et  28.  Tab.  V.  2. 
Habitaculum.    In   lacu   subsalso   prope  El-Kab   in  Egypto, 
Martio  (Schmarda). 

*  *  Os  in  medio  fere  corporis. 
Cylindrostomum  Oersted.  —  Pseudostomum  0.  Schmidt. 

8.  Vortex  qnadrioculatus  FREY  et  LE UCKART.  —  Dies.  Syst.  Helm. 
I.  130.  adde: 

Pseudostomum  Feroense  0.  Schmidt.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  236. 

Van  Beneden:  Recherch.  Faun.  litt.  Belgique  41. 
Pseudostomum  quadrioculatum  Leuchart:  in  Götting.  gel.  Anzeig.  1851. 

1940  etinTroschel's  Arch.  1854.11.  348. 

H  a  b  i  t  a  c  u  1  o  adde :  Faeroe  in  sinu  Thorshavensi,  vere 
(0.  Schmidt)  ad  superficiem  Ostrearum  ad  littora  Belgiae 
(ßeneden). 

9.  Vortex  eaudatus. 

Corpus  oblongo- ovale,  cauda  minuta  acuminata  terminatum, 
grisescens,  medio  nigrescens.  Os  in  medio  corporis  situm,  oesophago 
cylindrico.  Ocelli  posteriores  magis  inter  se  remoti  quam  anteriores. 
Longit.  1 '". 

Cylindrostoma   caudatum   Oersted:    in  K  royer' s  Naturhist.  Tidssk.  I. 
1844-1845.416. 

16° 


ääö  D  i  e  8  i  n  g. 

Habitaculum.  Inter  algas  prope  Dröbak  haud  procul  a 
Christiania   (0 erstell). 

10.  Vortex  dubius. 

Corpus  oblongum,  capite  obtuso,  postice  in  caudam  attenuatum, 
subhyalinurn,  medio  grisescens.  Os  in  medio  corporis  situm,  oeso- 
phago cylindrico.  Geeilt  posteriores  magis  inter  se  remoti  quam 
anteriores.  Longit. . .  . 

Cylindrostomum  dubium  Oersted  1.  s.  c.  417. 

Habitaculum.     Prope  DrÖbak  (Oersted). 

1 1 .  Vortex  mutabilis. 

Planaria  mutabilis  Eichwald.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  649. 
Habitaculum.     In  aquis  stagnantibus  prope  Kaugern,  Jnlio 
(Eichwald). 

*  *  *   Os  retrorsum  situm. 
Allostoma  Beneden.  —  Telostoma  Oersted.  —  Tetracelis  spec.  Diesiny. 

12.  Vortex  pallidus. 

Corpus  proteum.  Os  transversale,  retrorsum  situm,  oesophago 
subgloboso  retrorsum  directo.  ücelli  quatuor  in  quadrangulum  dis- 
positi.  Aperturu  genitalis  retro  os  sita.   Longit.  1 — \x/s". 

In  capite  statu  expanso  foveolae  (cephalopori?)  duae.  —  Filamenta  spi- 
ralia  vesiculis  ovalibus  inclusa  antrorsum  prope  ganglia  cerebralia  sita,  in- 
certae  funclionis.  Vas  aquiferum  in  postica  corporis  parte  poro  exeretorio 
terminali.  Organum  vitelligenum?  Ovaria  duo  ad  latera  oesophagi  symmetriee 
disposita.  Testiculi  duo  in  vicinis  ovariorum.  Vesicula  seminalis.  Spermatozoi- 
dea  spiralia.  Ovula  ovalia,  pedicellata.  —  Embryo  breve  post  exclusionem  sac- 
eiformis,  ovalis,  ciliatus,  coecus,  ocellis  sub  evolulionis  progressu  apparentibus 
primum  2,  lente  cristallina  instruetis. 

Allostoma  pallida   Van  Beneden:  Rechercb.  Faun.  litt.  Belgique  34 — 39 
et  55.  Tab.  VI.  1—21   (et  de  evolut,  et  anatom.). 

Habitaculum.  Ad  saxa  in  aqua  marina  ad  littoraBelgiaecopiose 
(Beneden). 

1 3.  Vortex  Mytili. 

Corpus  depressum,  ovale,  ferrugineum.  Os  subterminale  posti- 
cum.    Ocelli  nigri,  gt'iniui,  antici  minores.  Longit.  '/,'". 

Planaria  tubulosa  Fabr-icius?  in  Kongl.  Danske  Vidensk.  Selsk.  Skr.  II. 

32.  Tab.  III.  T.  1—2. 
Telostoma  Mytili  Oersted:  in  Kroyer's  Naturbist.  Tidsskr.  IV.  555.  — 

[dem:  Entw.  einer  system.  Einth.  d.  Plattw.  59. 
Tetracelis  Mytili  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  190. 

Habitaculum,    Mytilus  edulis :  ad  branchias  (Oersted). 


Revision  der  TurBellarien  .  >.'.' 

S  p  e  c  i  e  s  i  n  q  u  i  r  e  n  d  a  e : 

14.  Vortex  marginatas  DIESING-'  Syst.  Helm.  I.  230. 

15.  Vortex  cmargiuatus  i>ii;si\g  .•  Syst.  Helm.  I.  231. 

16.  Vortex  cruciatas  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  231. 

17.  Vortex  Warrenii  GIRARD. 

Corpus  elongattim  subliueare,  rufo-brunneum,  capite  et  extremi- 
tate  postica  rotundatis.   Os.  .     Ocelli.  ■  .  Longif. .  .  . 

Vortex  Warrenii  Girard:  Proceed.  Bost.  Soc.  nat.  hist.  III.  264  et  363. 

Habitaculum.     Ad    littus,    Boston    Harbour,    band    vulgaris 
(Girard). 

Speeies  vivipara;  juvencula  ocellis  destituta. 

18.  Vortex  variegatns  lelckart. 

Corpus  flavum ,    fasciis  transversalibus   duabns   nigris,    priore 
retro  oculos  sita. 

Planaria  variegata  Dalyell:  Powers  of  the  Creator  II.  HS.  Tab.  XVI.  20. 
Planaria   (Vortex)  variegata   Leuchart:    in  Troschel's   Arcli.  1859. 

II.  183. 
Habitaculum.  Ad  littora  Scotiae  (Dalyell). 

19.  Vortex  chlorostictus. 

Mesostomum?  chlorostictuni  0.  Schmidt:    in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad. 
XXIII.  354  et  365.  Tab.  II.  5. 
Habitaculum.     Prope  Neapolim  (0.  Schmidt). 

20.  Vortex  marmoratas. 

Tetraeelis  marmorata  Hempr.  et  Ehrenb.  —  Dies.  Syst.  Heiin.  I.  190. 

21.  Vortex  fontanns. 

Tetraeelis  fontana  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  19t. 

XIV.  TRIGONOSTOMUM  0.  SCHMIDT. 

Spiroclyti  spec.  Schmidt. 
Corpus  gracile,  ciliatum.  Caput  corpore  continuum,  ciliis  rigidis 
lougis,  cristatum.  Os  ventrale,  trifissum,  antrorsum  situm,  oesophago 
elliptico  medio  constricto  s.  panduraeformi.  Ocelli  4  retro  os.  Andro- 
gyna?  Penis  corneus  trispiralis  apiculo  recto,  retrorsum  situs.  Anus 
nullus?  Maricolae. 

1.  Trigonostomum  setigerum  0.  SCHMIDT: 

in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  500.  Tab.  XLVII.  13. 
Spiroclytus  Euryalus  0.  Schmidt  ibid.  XXIII.  356-358. 
Habitaculum.    Propp  Lesinam  (O.Schmidt). 


230  niesing. 

Famiüa  VIII«  Vorticeridea.  Dies.  Character  gene- 
ris  unici  simul  familiae. 

XV.  VORTICEROS  0.  SCHMIDT. 

Corpus  gracile.  Caput  a  corpore  subdiscretum,  pseudotenta- 
culis  duobus  frontalibus.  Os  ventrale,  antrorsum  pone  ocellos  situm, 
subcirculare,  oesophago  subgloboso.  Ocelli  duo.  Otolithus  nullus. 
Androgyna?  Anus  nullus?  Maricolae. 

1.  Vorticeros  pakhellam  0.  SCHMIDT. 

in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  499.  Tab.  XLVI.  11. 
Habitaculum.    Prope  Lesinam  (0.  Schmidt). 

Familia  IX*  Celidotidea.  Dies.  Corpus  teretiusculurn 
vel  depressiusculum.  Caput  corpore  continuum  v.  strictura  discretum. 
Os  ventrale,  antrorsum,  in  vel  infra  medium  corporis  situm,  oeso- 
phago cylindrico.  Ocelli  1  vel  2.  Otolithus  unus  prominentiis  dua- 
bus  vel  nullis,  otolithotheca  inclusus.  Androgyna.  Apertura  genitalis 
retrorsum  sita.  Anus  nullus.  Maricolae. 

•j-  Ocellus  unicus. 

XVI.   MONOPS   D1ESING. 

Monocelis  Schnitze  nee  Hempr.  et  Ehrenb. 

Corpus  teretiusculurn,  extremitate  postica  interdum  in  discum 

dilataläli.    Caput  corpore   continuum  vel   strictura  discretum.     Os 

infra  medium  vel   in  medio   corporis  situm,    oesophago  cylindrico. 

Otolithus    unus    globosus    prominentiis   nullis   vel   2,    otolithotheca 

inclusus.    Androgyna.    Penis  retrorsum   situs.    Apertura  genitalis 

feminea .  .  .  Ocellus  otolitho  antepositus.  Amis  nullus.  Maricolae. 

ö  Os  infra  medium  corporis  situm. 

1.  Monops  lineatns. 

Otolithus  prominentiis  duabus. 

Monocelis   iineata  Ocrsted.  —   Dies.  Syst.  Helm.  I.   185.  —   Schnitze: 
Beitr.  Turbell.  I.  39  et  75.  Tab.  II.  12  (anatom.). 
Habitaculo  adde:  Gryphiae,  aestatc  organis  genitalibus  evo- 
lutis  (Schultze). 

2.  Monops  agilis. 

Corpus  antrorsum  atlenuatum ,  postice  obtusum ,  hyalimim, 
brunneo-tinetum.    Otolithus  prominentiis  duabus.    Ocellus  magnus 


Revision  der  Turhffllarien.  '£',\  | 

semilunaris  nigrobrunneus  otolitho  antepositus.  Penis  papillacformis, 
rnollis.    Longit.  1  —  !  */,'",  latit.  ',,'"• 

Species  haec  corpore  postico  in  t'ormam  acetabuli   membranacei   dilatato 
Hirudinum  more  sese  attigit  (  Van  Beneden). 
Monocelis  agilis  Schnitze:  Beitr.  Turbellar.  I.  37  et  75.  Tab.  II.  I  (ani- 

raal.).  Tab.  II.  2 — 7  (anatom.).  —    Van  Beneden:  Kechercb.  Faune 

litt  Belgique  39-40  et  56.  rüib.  VII.  1-4. 

Habitaculum.  Ad  superficiem  algarum,  vere  usque  ad  autum- 
num,  copiose,  Gryphiae  (M.  Schnitze);  ad  littora  Belgiae,  ahunde 
( \i  e  n  e  d  e  n). 

3.  Monops  fuscas. 

Otolithus  prominentiis  duabus. 
Monocelis  fusca  Oersted.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  186.  —  M.  Schnitze: 
in  Zeitscbr.  f.  wissensch.  Zool.  IV.  (1852)  184. 

Habitaculo  adde :   Prope  Cuxhaven,  Martio  (M.  Schnitze) 

4.  ülonops  umliriiius  DIESING. 

Corpus  antrorsum  attenuatum,    extremitate   caudali   in  discuin 

dilatabili,  umbrinuin,  band  raro  albo-variegatum.    Os  retro  corporis 

medium,    oesophago    subcylindrico.     Otolithus   prominentiis    nullis. 

Ocellus  brunneus,  trausverse  sublinearis,  otolitho  antepositus.   Penis 

subulatus.  Longit. .  .  . 

Gaimard:   Voyage  en  Scandinavie  etc.  Zool.  Tab.  D.  (Aporocephala) 
12—18. 

Habitaculum.    In  mari  boreali  (Gaimard). 

5.  Monops  elegans  DIESING. 

Corpus  sublineare,  extremitate  postica  in  discum  dilatabili,  hya- 
liuum,  tractu  eibario  transparente.  Os  retro  medium  corporis,  oeso- 
phago subcylindrico.  Otolithus  prominentiis  duabus.  Ocellus  brurr- 
neus,  trausverse  sublinearis,  otolitho  antepositus.    Longit.  .  . 

Corpuscula  bacillaria  dorsalia  passini  prominentia. 

Gaimard:   Voyage  en  Scandinavie  etc.  Zool.  Tab.   F.  (Apococephala } 
1 — 15  (cum  fig.  anatom.). 

Habitaculum.    In  mari  boreali  (Gaimard). 

6.  Monops  obesas  DIESING. 

Corpus  crassum  utrinque  attenuatum,  extremitate  caudali  in 
discum  dilatabili,  ilavo-brunneum.  Os  relro  corporis  medium,  oeso- 
phago subcylindrico  medio  incrassato.  Otolithus  prominentiis  nullis. 


232  D  i  e  s  i  n  g. 

Ocellus  rufo-brunneus,  transverse  sublinearis,  otolitho  antepositus. 
Penis  subulatus.  Longit. .  .  . 

Corpuscula  bacillaria  dorsalia  versus  extremitatem  caudalem  prominula. 
Gaimard:  Voyage  en  Scandinavie  etc.  Zool.  Tab.  F.  (Apococephala) 
i6— 39?  (cum  fig.  anatom.). 
Habitaculum.    In  mari  boreali  (Gaimard). 

7.  Monops  nigroflavus  DIESING. 

Corpus  gracile  antrorsum  attenuatum,    extremitate  postica  in 
discum  dilatabili,  nigrum  flavo-limbatum.    Os  retro  corporis  medium, 
oesophago  subcylindrico.  Otolithus  prominentiis  nullis.  Ocellus  trans- 
verse sublinearis,  otolitho  antepositus.   Penis  subulatus.   Longit.... 
Gaimard:  Voyage  en  Scandinavie  etc.  Zool.  Tab.  D.  (Aporocephala) 
19-26? 
Habitaculum.    In  mari  boreali  (Gaimard). 

*  *   Os  in  medio  corporis  situm. 

8.  Monops  assimilis. 

Corpus  lineare,  retrorsum  in  caudam  depressam  dilatatum, 
fusco-grisescens,  pone  otolithum  rubescens.  Caput  a  corpore  strictura 
discretum.  Os  in  medio  corporis  situm.  Ocellus  otolitho  antepositus. 
Penis  globosus  apice  subulatus.  Longit..  .  . 

Monocelis  assimilis  Oersted:  in  Kroyer's  Naturhist.  Tidsskr.  1844 — 

1845.  416. 
Habitaculum.  Inter  algas  prope  Dröbak  (Oersted). 

Species  incertae  sedis: 

9.  Monops  agilis. 

Corpus  elongatum  ellipticum,  capite  et  extremitate  postica  sub- 
acutis,  nigrum  vel  fuliginosum.  Ocellus  (?)  brunneus.  Longit.  \'", 
latit.  i/8'". 

Monocelis  agilis  Leidy:  in  Journ.  Acad.  Philad.  2.  ser.  III.  (1855)  11. 
Habitaculum.    Ad  Mytilum  edulem,  Augusto,  Point  Judith, 
Rhode  Island  (Leidy). 

Adhuc  incertum  num  huic  generi,  num  Monoto  haec  species  adnumeranda  sit. 

10.  Monops  spatolicandus  G1RARD  l). 

Monocelis  spatulicauda  Girard:   in  Keller  et  Tiedemann's  Nord- 
Amer.  Monatsber.  II.  1851.  1. 
Habitaculum.    Bostoniae  (Girard?). 


'I   Operibus  in  quibus  descriptiones  speciurum  n.  10  et  tl  continentur,  mihi  uon  visis, 
diagnoses  earum  subjungere  nequeo. 


Revision  der  Turbellarieii  i.i.» 

1 1    Monops  Flustrac. 

Planaria  flustrae  DalyeU:  Powers  of  the  Creator  II.  118.  Tal,.  XVI.  32. 
Monocelis  sp.  Leuckart:  in  Troschel's  Arch.  1859.  II.  183. 
Ha b it a c u I u  m.    Ad  littora  Scotiae  (D  a  I  y  e  1 1). 

-}•-{-  Ocel li  duo. 
XVII.  CELIDOTIS  DIESING. 

Monocelis  0.  Schmidt  et  Leydig.  —  Schizoprora  0.  Schmidt. 
Corpus  gracile.  Caput  corpore  continuum.  Os  ventrale  superum, 
subterminale,  longitudinaliter  rimaeforme  vel  infra  medium  corporis 
situm,  oesophago  snbcylindrico  vel  fusiforrni,  exsertili.  Ocelli  duo. 
Otolithus  unus  retro  ocellos,  prominentiis  nullis  vel  duabus,  otolitho- 
theca  inclusus.  Androgyna.  Apertura  genitalis  retrorsum  sita.  Anus 
nullus.  Maricolae. 

1.  Celidotis  veneuosa  ÜIESING. 

Os  superuin  suhterminale  longitudinaliter  rimaeforme,  oesophago...  Oto- 
lithus prominentiis  nullis.  Organa  urticationis  cutanea:  vesiculae  elongatae, 
appendice  filiformi. 

Schizoprora   venenosa   0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  501. 

Tab.  XLVII.  15. 
Ha  hitacu  lum.    Prope  Lesinam  (0.  Schmidt). 

2.  Celidotis  Anguilla  DIESING. 

Os  infra  medium  corporis  situm ,  oesophago  fusiforrni.  Otolithus  promi- 
nentiis nullis. 

Monocelis  Anguilla  0.  Schmidt:   in  Sitzungsb.   d.  kais.  Akad.  XXIII.  358 
et  365.  Tab.  IV.  9. 
Habitaculum.    St.  Lucia,  prope  Neapolim  (0.  Schmidt). 

3.  Celidotis  bipunctata. 

Corpus  gracile,  album.  Caput  attenuatum.  Os  infra  corporis 
medium  situm,  oesophago  subcyliudrico.  Ocelli  rubro-brunnei,  lente 
destituti.  Otolithus  prominentiis  duabus.  Apertura  genitalis  retror- 
sum sita.    Longit.  vix  2'". 

Monocelis  bipunctata  Leydig:  in  Müll  er' s  Arch.  1854.  288.  Tab.  XI.  3. 

Habitaculum.    Inter  algas  marinas,  Genuae  (Leydig). 

Subtribus  II.    Arby nchocoela  proctucha. 
Tractus  cibarius  ano  stipatus.  —  Sexus  discretus,  interdum  perio- 

dice  agama. 
*  Acrostomata:  Os  terminale. 

Familia  X.  Orthostomca.  Dies.  Charaeter  generis 
unici  simul  familiae. 


234  I)  i  e  s  i  n  g. 

XVIII.   ORTHOSTOMUM   HEMPRICH  et  EHRENDERG. 
Corpus  elongatum    teretiusculurn    proteum,    ciliis    vibrantibus 
munitum.    Caput  corpore  continuum.    Os  terminale,  oesophago  sub- 
cylindrico.     Ocelli  nulli.    Otolithus  nullus.    Sexiis  discretus.    Aper- 
tur a  genitalis...  Anus  posticus  terminalis.  Aquarum  dulcium  incolae. 

1.  Orthostomnm  pH  lucidum  HEMPRICH  et  EHRENBERG-  —  Dies. 
Syst.  Helm.  I.  237  adde: 

Schmarda:  in  Denkschr.  d.  kais.  Akad.  VII.  5. 

Habitaculo  adde:  In  aqua  slagnante,  Januario,  prope  Alex- 
andriam  (Schmarda). 

Familia  XI.    Anorthidea  Dies.    Character   geueris 
unici  simul  familiae. 

XIX.  ANORTHA  LEWY. 

Anarthra  Leuckart. 
Corpus  compressiusculum.   Os  terminale,  oesophago...   Ocelli 
nulli.   Otolithus  unus,  otolithotheca  inclusus.    Sexus  . . .    Anus  posti- 
cus terminalis.  Aquarum  dulcium  Americae  borealis  incolae. 

1.  Anortha  gracilis  LEWY. 

Corpus  panduraeforme,  album,  opalizans.  Longit.  totalis  animalc. 
sub  partitione  i/2 — 2'". 

Multiplicatio  divisione  spontanea  transversali  operata. 

Anortha  gracilis  Leidy:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  V.  1851.  124. 
Anarthra  gracilis  Leuckart:  in  Troschel's  Arch.  1854.  II.  350. 
Habitacul  um.    In  paludosis  prope  Philadelphiam:  motu  glis- 
cens,  corpore  verticaliter  erecto  quiescens. 

Familia  XII.    Disorea  Dies.    Character  generis  unici 
simul  familiae. 

XX.    DISORUS  HEMPRICH  et  EHRENBERG. 
Corpus  teretiusculurn,   obsolete  anniilatum ,    proteum.     Caput 
corpore  continuum.   Os  terminale,  oesophago...   Ocelli  sex  cervica- 
les  biternati.    Otolithus  nullus.   Sexus  .  .  .  Anus  posticus  terminalis. 
Maricolae. 
1.  Disorns  viridis  HEMPRICH  et  EHREN BEUG.  —  Dies.  Syst.  Helm. 
I.  237. 

Habita  culum.  Inter  Corallia  maris  rubri  prope  Tor  (II em- 
prich  et  Ebrenberg). 


Revision  der  Turhellarien.  -£',t'.\ 

**  Hypostomata:    Os  ventrale,  antrorsum  situm,  imo  subtenninale. 

Familia  XIII.  Anotocelidea  Dies.  Corpus  teretius- 
culum  vel  planum.  Caput  corpore  continuum.  Cephalopori  uulli  auf 
duo  marginales.  Os  ventrale,  antrorsum  situm,  oesophago  sub- 
cylindrico  angusto.  Ocelli  nulli.  Otolithus  nullus.  Sexus...  Anus 
ventralis  ante  caudae  apicem.  Aquarum  dulcium  incolae. 

Subfamilia  I.  Anotocelidea  aporocephala. 
XXI.  TYPHLOMICROSTOMUM  DIES. 

Strongylostomi  spec.  Sckmarda. 

Corpus  planum  oblongum.  Caput  corpore  continuum.  Cepha- 
lopori nulli.  Os  ventrale,  antrorsum  situm,  oesophago...  Ocelli  et 
otolithi  nulli.    Sexus  et  anus  .  .  .  Aquarum  dulcium  incolae. 

1.  Typhlomicrostomum  coerulescens  ülESING. 

Corpus  planum  oblongum,  antice  truncatum,  coerulescens.  Os 
ellipticum.   Longit.  ad  */,'". 

Organa  genitalia  nulla  observata;  animalcula  plurima  in  partitionc  spon- 
tanea  transversali  versantia. 

Strongylostomum  coerulescens  Sckmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.10. 
Tab.  II.  22. 
Habitaculum.     In  aqua  dulci  stagnante  prope  Kingston   in 
Jamaica  (Schmarda). 

Genus,  characteribus  nonnnllis  gravioris  momenti  ignotis,  adhue  anceps. 

Subfamilia  II.  Anotocelidea  porocepliala. 
XXII.  ANOTOCELIS  ÜlESING. 

Stenostomi  spec.  0.  Schmidt.  —  Microstomi  spec.  Leidy- 

Corpus  teretiusculum  gracile.  Caput  corpore  continuum. 
Cephalopori  duo  marginales.  Os  ventrale,  antrorsum  situm,  oeso- 
phago subcyliiidrico  longo,  angusto  vel  amphoraeformi.  Ocelli  et 
otolithi  nulli.  Organa  genitalia  .  ■  .  Anus  ventralis  supra  caudae 
apicem.  Aquarum  dulcium  Europae  et  Americae  borealis  incolae. 

*  Tractus  intestinalis  in  oesopbaguni  subcylindricum  angustum  productus. 

1.  Anotocclis  unicolor  DIESING. 

Multiplicatio  ovulorum?  ac  partitionis  spontaneae  transversalis  opera. 
Derostoma  leucops  Buges?  in  Annal.  des  sc.  nat.  XV.  141.  Tab.  IV.  4.  — 
Eempr.  et  Ehrcnb. :  Symb.  Phys.Turbell.  Nr.  9,  nota  2.  Nr.  17,  nota  1. 


ZoXi  D  i  e  s  i  n  g. 

Stonostomum  unieolor  Schmidt:   Die  rhabdocoelen  Strudelwürmer  60. 
Tab.  VI.  19.      • 

Microstomum  (Stenostomum)  achroophthalmum  partim  Diesing :  Syst. 
Helm.  I.  235. 

Microstomum  (Stenostomum)  unieolor  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  235. 

Habitaculum.  Axien  ad  Albim,  Majo  et  Junio,  haud  raro 
(Schmidt). 

**   Traetus  intestinalis  supra  os  produetus  apice  clausus,  oesophago 
amphoraeformi. 

2.  Anotocelis  philadelphica. 

Corpus  lineare,  retrorsum  parum  attenuatum,  postice  obtuse 
rotundatum,  transparens,  decolor.  Caput  conicum,  papilla  ovali  ter- 
minali.  Cephalopori  hemisphaerici  ad  basin  capitis.  Os  antrorsum 
situm,  ovale,  oesophago  amphoraeformi.    Longit.  */3'". 

Multiplicatio  divisionis  spontaneae  transversalis  opera;  segmentis  binis. 
Microstomum   (Eustomum)   Philadelphicum  Leidy:    in  Proceed.   Acad. 
Philad.  V.  350. 

Habitaculum.  In  paludibus  et  piscinis  prope  Philadelphiam 
(Leidy). 

3.  Anotocelis  variabiüs. 

Corpus  lineare  latum,  capite  et  extremitate  postica  obtuse  ro- 
tundatis,  decolor.  Cephalopori  longitudinaliter  ovales,  laterales.  Os 
antrorsum  situm,  oesophago  amphoraeformi.   Longit.  ad  */*". 

Multiplicatio  divisionis  spontaneae  transversalis  opera;  segmentis  binis. 
Microstomum  (Eustomum)  variabile  Leidy  1.  c.  350. 
Habitaculum.  Cum  praecedente  (Leidy). 

4.  Anotocelis  caudata. 

Corpus  lineare  angustum,  capite  obtuse  rotundato,  extremitate 
postica  in  caudam  angustam  obtusam  elevatam  producta.  Cephalo- 
pori ..  .     Os  antrorsum  situm,  oesophago  amphoraeformi.     Longit. 

Multiplicatio  partitionis  spontaneae  transversalis  opera;  segmentis  binis. 
Microstonuun  (Eustomum)  caudatum  Leid;/  1.  c.  350. 

Habitaculum.  Cum  praecedentibus  (Leidy). 


IS. -Vision  der  Turbellarien.  '  A  t 

S p e c i e s  inquirendae: 

5.  Anotocelis  Coluber. 

Corpus  gracile,  tortuosum,  album.  Cephalopori. ..  Os  antrorsum 

situm,  transversale  rimaeforme,  oesophago  utriculiformi.   Longit.  .3'". 

Stenostomum  Coluber  Leydig:  in  Müller 's  Arch.  i8S4.  284.  Tab.  XI.  I. 

Habitaculum.  In  palude  prope  Moenum,  Novembri 
(Leydig). 

6.  Anotocelis  flavicans. 

Derostoma  flavicans  Hempr.  et  Ehrenb.  ~  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  283. 
Habitaculum.   Berolini  (Ehrenberg). 

7.  Anotocelis  linearis. 

Corpus  lineare,  deeies  longius  quam  latum,  albidum.     Longit. 

ad  V*'"- 

Derostoma  lineare  Duges:  in  Annal.  des  sc.  nat.  XV.  141 .  Tab.  IV.  3.  — 

Ehrenberg:  Akaleph.  d.  rothen  Meeres  66. 
Microstomum  lineare?  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  234. 
Habitaculum.   Monspessulaui  (Duges). 

Familia  XIV.   Stenostomea.    Corpus  teretiusculum 

vel  planum.  Caput  corpore  continuum  vel  a  corpore  discretum. 
Cephalopori  nulli  aut  duo  marginales.  Os  ventrale,  antrorsum  situm, 
oesophago  subeylindrico,  angusto  vel  crasso,  medio  angustato.  Ocelli 
nulli.  Otolithi  1  vel  2.  Sexus...  Anus  ventralis  ante  caudae  apicem. 
Aquarum  dulcium  incolae. 

Subfamüia  I.  Stenostomea  aporocephala. 

XXIII.  CATENULA  DUGES. 

Derostoma tis  spec.  Leydig. 

Corpus  subeylindricum  vel  depressum.  Caput  a  corpore  dis- 
cretum. Cephalopori  nulli.  Os  ventrale,  sub trianguläre ,  antrorsum 
situm,  oesophago  subeylindrico,  crasso,  medio  angustato.  Ocelli  nulli. 
Otolithus  globosus,  otolithotheca  inclusus.  Sexus...  Anus...  Aqua- 
rum dulcium  utriusque  hemisphaerae  incolae. 

Oesophagus  subeylindricus  medio  angustatus,  ciliis  vibrantibus  obsessus; 
intestinum  utriculiforme  haud  ciliatum,  ano . . . .  Systema  vasorum  aquifero- 
rum.  Organa  g«nitalia  nulla,  Multiplicatio  partitione  spontanea  Iransversali 
(Leydig). 


238  ü  i  e  s  i  ii  ». 

1.  Catenula  Lemnae  DUGES.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  284  adde: 

Derostomum  Catenula  Leyd'uj :  in  Mü  1  Ier's  Arch.  1854.  285.  Tab. XI.  2. 
Habitaculo  adde:   In  fossula  ad  Moenum,  copiose,  Augusto 
(Leydig). 

2.  Catenula  quaterna  SCHMARDA. 

Corpus  oblongo-ovale,  capite  latius,  flavidum.   Longit.  1fi,,r. 
Organa  genitalia  null».    Individua  (segmenta)  semper  quaternatim  juncta. 
Vasa  aquifera  duo  longitudinalia. 

Catenula  quaterna  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  12.  Tab.  II.  27.  28. 

Habit  acutum.  In  aqua  dulci  stagnante  prope  Stellenbosch  ad 
Promontorium  bonae  spei  (Schmarda). 

Species  inquirenda: 

3.  Catenula  bina  SCHMARDA. 

Corpus  teretiusculum  gracile  laete  ochraceum.  Caput  corporis 
latitudine.   Longit.  vix  l/8"'. 

Otolithus  nullus.   Nee  vasa  aquifera,  nee  Organa  genitalia  observata.    Indi- 
vidua (segmenta)  semper  per  paria  juncta. 

Catenula  bina  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  12.  Tab.  II.  29. 
Habitaculum.    In   aqua   dulci   stagnante  prope  Bathurst  in 
Nova  Cambria  (Schmarda). 

Subfamilia  II.  Ste?iostomea  porocepkala. 
XXIV.  STENOSTOMUM  0.  SCHMIDT. 

Corpus  teretiusculum.  Caput  corpore  continuum.  Cephalopori 
duo  marginales.  Os  ventrale,  antrorsuin  situm,  oesophago  subcylin- 
drico  longo  angusto.  Ocelli  nulli.  Otoüthi  duo  ante  vel  retro  os  siti. 
Sexus  discretus.  Anus  ventralis  ante  caudae  apicem.  Aquarum 
dulcium  incolae. 

Multiplicatio  ovulorum  simulque  partitionis  spontaneae  transversalis  opera. 

1.  Stenostoniuin  lencops  O.SCHMIDT. 

Microstomum  (Stenostomum)  achroophthalmum  Dies.:  Syst.  Helm.  1.235. 

Microstomum  (Eumicrostomum)  leueops  Oersted?  —  Diesiiig:  Syst. 
Helm.  I.  234. 

Stenostomum  leueops  O.Schmidt.  —  Schulde:  in  Troschel's  Arch.  1849. 
I.  281  et  285  (de  sexu  discreto).  —  Leuckart  ibid.  1854.  II.  343  (de 
vasis  aquiferis  et  de  cephaloporis  vibrantibus)  et  350  (deotolithis).  — 
0.  Schmidt:  in  Sitzber.  d.  k.  Akad.  XXV.  87  et  in  Denkschr.  XV.  3G. 


Revision  der  Tnrbellarien.  239 

Habitaculo  adde:  Gryphiae,  aestate  statu  agamo,  autumno 
Individuum  femineum  evoliitum  (Schultze).  —  Prope  Cracoviam 
(0.  Schmidt). 

2.  Stcnostomum  torneense  0.  SCHMIDT. 

in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  502.  Tab.  XLVII.  17. 
H  a  b  i  t  a  c  u  I  u  m.    Inter  Torneo   et   Haparanda    in  Lapponia 
(0.  Schmidt). 

Familia  XV.  Jllicrostomea  Oersted.  Corpus  teretius- 
culum  v.  depressum.  Caput  corpore  continuum.  Cephalopori  nulli  aut 
duo  marginales.  Os  ventrale  antrorsum  situm  vel  superum  subtermi- 
nale, circulare  vel  transversum,  rimaeforme,  oesophago...  Ocelli  duo 
simplices  vel  6,  quorum  2  compositi,  4  simpliees.  Otolithus  nullius. 
Sexus  discretus.  Apertura  genitalis  retrorsum  sita.  Anus  ventralis 
ante  caudae  apicem.  Aquarum  dulcium  v.  maris  incolae. 

Sub familia  I.    Microstomen  aporocephala. 
XXV.  STYLACIUM  CORDA. 

Corpus  elongatum  depressiusculum.  Caput  corpore  continuum. 
Cephalopori  nulli.  Os  ventrale  superum  subterminale  circulare  cilia- 
rum  vibrantium  coronula  simplici  cinctum,  oesophago  clavaeformi. 
Ocellorum  paria  tria,  par  primura  ocelluüs  sex,  septimum  centrale 
cingentibus  compositum,  ocelli  paris  secundi  et  tertii  simpliees,  glo- 
bosi.  Otolithus  nullus.  Appuratus  aquiferus  apertura  duplici,  una 
receptoria,  altera  excretoria  iustructus.  Sexus  discretus.  Anus  ven- 
tralis subterminalis.  Aquarum  dulcium  incolae. 

Tractus  intestinalis  amplus  rectus.  Organon  hippocrepiforme  transpa- 
rens  subcutaneum,  os  cingens,  utraque  extremitate  globulo  terminatum,  ignotae 
functionis.  Apparatus  aquiferus  (app.  respiratorius  Cord  a) :  utriculus  summe 
contractilis  extremitate  anteriore  organo  infundibuliformi  intus  villis  et  ciliis 
vibrantibus  instructo;  posteriore  tubulo  cum  poro  excretorio  circulari ,  dorsali 
extusque  patenti  extremitate  stipatus,  aquam  rhytmice  recipiens.  Ovarium  vesi- 
culaeforme  et  ovulum  in  posteriore  corporis  parte.  Multiplicatio  praeter  Ovula 
per  partitionem  spontaneam  transversalem. 

1.   Stylaeium  isabcllinom  CORDA. 

Corpus  extremitate  postica  acuminata,  isabellinum,  agile,  gelati- 
nosum.  Caput  rotundatum.  Ocelli  paris  primi  antici  maxime  ab  invi- 
cem  remoti,  paris  tertii  quam  maxime  sibi  approximati,  ocelli  paris 
secundi  illis  tertii  multo  majores;  omnes  juventute  purpurei,  demum 
decolores.  Longit.  fem.  l/10'". 


240  D  i  e  s  i  n  g. 

Stylacium   isabellinuni   A.  C.  Corda:    in  Wei tenvveber's  Beitr.  zur 

gesammt.  Natur-  u.  Heilwissensch.  Prag.  IV.  1840.  71—78.  Tab.  VI. 

Habitaculum.    Ad    folia    submersa    praesertim    putrescentia 

Alismae  Plantaginis  et   Potamogetonum ,    Lieben    prope   Pragam 

(Corda). 

XXVI.  DINOPHILUS  0.  SCHMIDT.  Charactere  reformato. 

Vorticis  spec.  Frey  et  Leuekart.  —  Gyratoris  spec.  Diesing.  —  Prostomatis 
spec.  Mailland.  —  Plagiostomum  0.  Schmidt. 

Corpus  eiongatum  teretiusculum  vel  proteum.  Caput  corpore 
contiimum.  Cephalopori  nulli.  Os  ventrale,  antrorsum  situm  trans- 
versum,  rimaeforme,  oesophago...  Ocelli  duo  reniformes  vel  cir- 
culares.  Otolithus  nulliis.  Sexus  discretus.  Apertura  genitalis 
retrorsum  sita.  Anus  ventralis  subterminalis.  Maricolae. 

Character  genericus  secundum  descriptiones  cl.  virorum  Frey  et  Leuekart 
et  Van  Beneden  reformatus. 

1.  Dinophilns  vortieoides  0.  SCHMIDT. 

Corpus  proteum,  lateritium  vel  aurantiacum.  Os  oesophago 
clavaeformi.   Ocelli  reniformes.  Longit.  3/± — 1'". 

Testiculi  duo  ovales  retrorsum  ad  latera  intestini  siti,  spermatozoideis  re- 
pleti.  Ovaria:  bursae  duae  vel  plures  retrorsum  ad  latera  intestini  sitae,  in  qui- 
bus  ovula  formantur. 

Dinophilus  vortieoides  0.  Schmidt.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  23S.  — 
Schnitze:  in  Troschel's  Arch.  1849.  I.  290.  —  Van  Beneden:  in 
Bullet.  Acad.  Belgique  XVIII.  I.  IS  — 23  (et  anatom.)  cum  tab.  - 
Quatrefages  ibid.  368.  —  Leuekart:  in  Troschel's  Arch.  1854.  II. 
351.  —  Beneden:  Recherch.  Faun.  litt.  Belgique  29.  Tab.  V.  13—18 
(de  evolut.). 
Habit aculo  adde:  Marti o  et  Aprili  Ostendae  (Beneden). 

2.  Dinophilns  gyrociliatus  0.  SCHMIDT: 

in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  XXIII.  II.  (1857)  348-351  et  364.  Tab.  I. 
1,  1 a,  1  '■   (cum  anatom.). 
Habitaculum.  S.  Luciae,  prope  Neapolin  (O.Schmidt). 

3.  Dinophilus  borealis  DIESING. 

Corpus  subeylindricum  v.  fusiforme,  extremitate  postica  acumi- 
nata,  albuin,  vitlis  tribus  latis  transversalibus  rubris  v.  brunnesceutibus. 
Ocelli  circulares  in  adultis  nigri.  Longit.  ad  1"'. 

Ovula  in  capsulis  pyriformibus,  filamentis  quibus  ovula  Homqri  inter  se 
junguntur,  vel  Homari  appendieibus  abdominalibus  adhaerentibns]  de  prae- 
sentia  ani  e(  <le  sexu  discreto  confer  Van  Beneden  I.  i.  c. 


Revision  der  Turbellarien.  c4-I 

Zeeslak  Slabber  Natuurk.  Verlust,  bl.  62.  Tab.  VIII.  2. 
Vortex  vittata  Frey  et  Leuckart:  Beitr.  zur  Kenntniss  wirbell.  Th.  149. 
Leuchart:   in  Troschcl's  Arch.  1854.  11.348.   ■ —  Van  Beneden: 
Recherch.  Faun.  litt.  Belgique  30  —  33.  Tab.  1  —  9  (cum  anatom.). 
Gyrator  vittatus  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  228. 
Prostoma  vittatum  Mailland:  Faun.  Belg.  sept.  I.  183. 
Plagiostomum  boreale  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  kais.  Akad.  IX.  499. 
Tab.  XLVI.  12. 
Habitati]  I um.    In  Belgia  (Slabber).  —  Ad  littora  Helgo- 
landiae  inter  Fucos,  vulgaris  (Frey  et  Leuckart).  —  Färö,  insula 
Loppen  in  Norvegia  boreali  (0.  Schmidt);  inter  Sertularias  et 
Fucos  haud  raro,  Ostendae,  cum  ovulis  maturis  Majo  (Ben  e den). 

Subfamilia  II.   Microstomen  porocephala. 
XXVII.   MICBOSTOMUM  OERSTED. 

Fasciola  et  Planaria  Müller.  —  Derostoma  Duges  part. 
Corpus  elongatum  teretiusculum  ciliatum.  Caput  corpore  con- 
tinuum.  Cephalopori  duo,  marginales.  Os  ventrale,  antrorsum  situm, 
circulare.  Ocelli  duo.  Otolithus  nullus.  Sexus  discretus,  periodice 
agama.  Apertura  genitalis  retrorsum  sita.  Anus  ventralis  ante  cau- 
dae  apicem.   Aquarum  dulcium  et  maris  incolae. 

1.  fflicrostomnm  lineare  OERSTED. 

Organa  genitalia  feminea:  Gvarium  cum  oviduetu  extrorsum  patente; 
Organa  genitalia  mascula :  Testiculus  cylindricus  cum  vesicula  seminali  et  pene 
chitineo  tortuoso  apice  curvato.  Spermatozoidea  in  testiculo  evoluta  in  que 
vesicula  seminali  immobilia,  moniliformia  utraque  extremitate  attenuata.  — 
Animalcula  periodice  (vere  et  aestate)  agama  et  periodice  (autumno)  organis 
genitalibus  discretis  instructa.  Propagatio  per  ovula  vel  per  partitionem  spon- 
taneam  transversalem  ita,  ut  pars  posterior  animalculi  materni,  organa  genitalia 
includens,  strictura  separetur  et  in  parle  anteriore  animalculi  materni  organa 
genitalia  nova,  interdum  sexus  oppositi,  oriantur.  Sic  in  uno  individuo  inter- 
dum  sexus  uterque  alternat  (M.  Schultze). 

Microstomuni  (Eumicrostomum)  lineare  Oersted.  —  Diesing  :  Syst.  Helm. 

I.  234. 
Microstomum  lineare  Oersted.  —  M.  Schultze:   in  Troscbel's  Arch. 

1849.  I.  280  —  292.  Tab.  VI.  (de  modo  propagationis,  anatom.  etc.). 

—  Idem  Beitr.  Turbell.  15  (de  organ.   urticat.).    —    Leuckart:  in 

Götting.  gel.  Anzeig.  1851.  929.  —  0.  Schmidt:   in  Sitzungsb.  der 

kais.  Akad.  XXV.  87  et  in  Denkschr.  XV.  36. 
Habitaculo  adde:   Ad  Charam  et  Batrachospermum  in  mare 
baltico  et  in  aquis  dulcibus  prope  Gryphiam  (Schultze).     Prope 
Cracoviam  (0.  Schmidt). 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  17 


242  Diesing. 

Species   inquirenda. 

2.  Microstoninm  littorale  OERSTED. 

Corpus  oblongum  lineare,  capite  et  extremitate  postica  aequali- 
ter  obtusis,    fuseum.    Os  apertura  longitudinali.    Ocelli  in  margine 
laterali,  ab  apice  corporis  quinta  ejus  parte  remoti.    Longit.  2"'. 
Multiplioatio  per  partitionem  spontaneam  transversalem. 

Microstoma  littorale  Oersted:  in  Kroyer's  Naturhist.  Tidsskr.  1844 — 
1845.  417. 
Habitaculum.  Prope  Dröbak  haud  procui  a  littore  (Oersted). 

Genus  situ  oris  ignoto  adhue  dubium  num  Acrostomatibus  v.  Hypostomatibus 
adnumerandum: 

XXVIII.   APHANOSTOMUM   OERSTED. 

Corpus  oblongum.   Os  .  .  .   Ocellus  (otolithus?)  unicus  hyalinus 
in  medio  corpore  anteriore.  Sexus  .  .  .   Anus  .  .  .  Maricolae. 

1.  Aphanostomani  griseum  OERSTED. 

Corpus  oblongum,  autice  obtusum,  posteriora  versus  sensim  an- 
gustiuSj  grisescens  vel  flavescens.  Longit.  1'". 

Aphanostoma   griseum    Oersted:    in  Kroyer's   Naturhist.  Tidsskr.   I. 

1844— 184S.  417. 
Habitaculum.  Ad  littus  prope  Dröbak  (Oersted). 

2.  Aphanostouiuni  värescens  OERSTED. 

Corpus  oblongum  utriuque  ferme  aequaliter  obtusum,  virescens, 
maculis  duabus  brunneis  in  margine  anteriore  laterali.   Longit. .. . 
Aphanostoma  virescens  Oersted  1.  c.  417. 
Habitaculum.  Ibidem  (Oersted). 

3.  Aphanostouiuni  diversicolor  OERSTED. 

Corpus  oblongum,   antice  obtusum,   flavescens,    medio  latius, 
cyaneuin,  poslice  subacuminatum,  fuseum.  Longit.  1'". 
Aphanostoma  diversicolor  Oersted  1.  c.  417. 
Habitaculum.  Ibidem  (Oersted). 

4.  Aphanostouiuni  Iatum  OERSTED. 

Corpus   oblongum  utriuque  aequaliter  dilatatum,   rotundatum, 
medio  angustius,  grisescens.  Longit.  V". 
Aphanostoma  Iatum  Oersted  1.  e.  4t7. 
Habitaculum.  Ibidem  (Oersted). 


Revisio/i  der Turbellarien.  <£4«J 

TRIBUS  II.   RHYNCIIOCOELA  SCHULTZ!-;. 

Terctularia  Blainvüle.  —  Turbellaria  rhabdococla  Ehrenberg.  —  Apoda 
neiner ti na  Oersted. 

Animalia  solitaria  libera,  rarius  tubicola,  coeca  v.  ocellata,  polli- 
caria  imo  pedalia,  rarius  microscopica.  Corpus  molle  parenchymato- 
sum  v.  parencliymatoso-cavernosum,  lineare,  planum  v.  teretiusculum, 
multo  longius  quam  latum,  saepissime  ciliis  vibrantibus  munitum,  inter- 
dum  summe  contraetile,  tum  utplurinium  sponte  transverse  fragile,  ex- 
appendiculatom,  rarissime  appendiculo  caudali.  Acetabuhim  proprium 
nullum,  rarissime  discus  acetabuliformis  basilaris.  Caput  corpore  con- 
tinuum  v.  discretum,  cepbaloporis  nullis  aut  unico  terminali  aut  2  v.  4, 
i.  e.  uno  vel  binis  in  capitis  latere  dextro  et  sinistro  s.  marginalibus, 
rarius  duobus  in  capitis  pagina  infera  juxtapositis  instructum,  integrum 
vel  lobatum  •).  Proboscis  aggressoria  (agonorhynchus)  aut  terminalis 
et  tunc  vel  ex  medio  capitis  vel  rarius  ex  ejus  margine  protractilis  3), 
aut  infera  s.  ex  pagina  infera  capitis  3)  protractilis,  sub  quiete  retracta, 
inermis  vel  pugione  armata,  musculo  retractorio  basilari  cum  tractu 
cibario  juncta.  Ocelli  nulli  v.  2,  4,  6  v.  plurimi.  Os  ventrale,  antror- 
sum  situm,  oesophago  integro.  Tractus  cibarius  simplex  ano  stipatus. 
Hepar  longum  cum  intestino  parallelum,  uno  latere  tractu  cibario 
altero  ligamentorum  ope  parieti  interno  corporis  adhaerens,  cellulis 
hepaticis  expletum  4).  Systema  circulationis  liquore  limpido  rarius 
rubro  repletum,  vasa  longitudinalia  parietibus  contractilibus  absque 
ciliis  vibrantibus  munita,  ad  ganglia  cerebralia  excurrentia.  Vasa  aqui- 
fcra  s.  excretoria  introitu  ciliata  ad  cepbaloporos  excurrentia. 

Cor  nullum  vel  corda  duo  5).  Androgyna  et  tunc  apertura  geni- 
tali  in  posteriore  corporis  parte,  et  pene  plerumque  chitineo,  aut 
sexus  discreti  et  tunc  organis  genitalibus  externis  propriis  nullis: 
mas  a  femina  habitu  externo  non  differt,  solummodo  brevior.  Organa 
genitalia  interna  (in  androgynis);  mascula:  testiculus,  vesicula 
seminalis,  et  vesicula  altera  bumore  granuloso  repleta,  cum  pene 
communicantes;   feminea:  organon  germinativum  et  organon  vitelli- 


J)  Nee  tentaciila  nee  otolithi  in  generibus  hujus  tribus,  quod  sciam,  bueusque  ohservatn. 

2)  Polina  ,  Cosinocephala  et  Stimpsonia. 

3)  Valencinia,  Tubulanus,  Cerebratulus  et  Quatrefagea. 
■»)  Beneden  Rech.  Faune  Belg.  43. 

5)  Cf.  Schmarda:  Neue  wirbell.  Tb.  I.  1.  4S  (Nemertes  polyhopla). 

17  * 


244  Di  e  sing. 

genum  discreta,  et  bursa  seminalis  (in  illis  sexus  discreti);  tau» 
mascula  quam  feminea  sunt  saeculi  undique  clausi,  in  pagina  interna 
gignentes  spermatozoidea  vel  ovula,  per  porös  separatos  tot,  quot 
sunt  glandulae,  in  cavum  abdominis  expellenda  et  per  dehiscentias  in 
integurnento  cornmuni  extus  dem  um  delata  *)•  Multiplicatio  per  ovula 
vel  per  ovovivipartum,  quod  in  animalculis  sexus  discreti,  foecundatio- 
nem  ovulorum  intra  sacculum  maternum  aut  saltem  intra  cavum  cor- 
poris materni  absolute  exigeret,  et  spermatozoideorum  introitum  in 
corpus  maternum  supponere  suaderet;  nee  non  per  segmenta  trans- 
verse  fissilia?  Evolutio  direeta,  rarius  per  metamorphosin.  Strata 
museuhtria  subcutanea  duo,  externum  e  fibris  circularibus,  internum 
e  fibris  longitudinalibus  eontextum,  cum  integurnento  cornmuni  arete 
juncla.  Ganglia  duo,  commissura  una  aut  duabus  juneta,  ante  os  sita, 
rubra,  fila  nervea  antrorsum  et  retrorsum  praesertim  ad  ocellos  emit- 
tentia.  —  Maris  rarius  aquarum  dulcium  incolae,  maricola  rarissime 

parasita. 

Corpus  in  nonnullis  mueuin  copiosum  excernit.  —  Motus  gliscens  vel  nata- 
torius.  —  Animalcula  proboseidem  retraetam  sub  stimulatione  corporis  haud 
raro  protrahunt.  —  Ovula  exclusa  vagina  cornmuni  excepta. 

Subtribus  I.     Rhy  nc  hocoel  a  aporoc  ep  hala. 
Cephalopo"ri  nulli,  Androgyna  vel  sexus  discreti. 
*   Holocephalä.     Caput  haud  lobatum. 

Familia  XVI.  Rhynchoscolecidea.  Dies.  Cha- 
racter  generis  unioi  simul  familiae. 

XXIX.   RHYNCHOSCOLEX  LEIDY. 

Rhynchoproboli  spec.  Schmarda. 

Corpus  teretiusculurn  exappendiculatum.  Caput  corpore  conti - 
nuum  haud  lobatum.  Proboscis  terminalis,  protractilis  pugione  nullo. 
Os  ventrale  antrorsum  v.  in  medio  corporis  situm,  oesophago  sub- 
globoso.  Ocelli  nulli.  Androgyna.  Penis....  Anus  terminalis  po- 
sticus.  Aquarum  dulcium  et  subsalsarum  Americae  borealis  incolae. 
—  Formae  minores  imo  microscopicae. 


*)  Oe  peculiari    modo  propogationis  Malacobdellae,    haud  absimili    eonfer  genus  hoc 
in  Sitiung-sb.  d.  k.  Akad.  XXX1I1.   (1858).  491. 


Revision  der  Turbellarien.  !^  \,) 

i.  Rhynclioscolex  simplex  LE1DY. 

Corpus  subcylindricum  ciliatum  transverse  striatum  opacum, 
flavo-albidum.  Proboscis  clavata.  Os  antrorsum  siturn,  oesophago..  . 
Anus  posticus  terminalis.    Longit.  2 — 3'",  latit.  1/6' ". 

Rhynclioscolex   simplex   Leid;/:    in   Proceed.    Acad.    Philad.  V.   (1831) 
124. 

Habitaculura.  Inter  confervas  in  fundo  rivulorum  prope  Phi- 
ladelphiam  (fjeidy). 

2.  Rhynchoscolex  pupillosns  DIESING. 

Corpus  teretiusculum  retrorsum  attenuafum,  pallide  cinereuin. 
Proboscis  papulosa.  Os  in  medio  corporis  situm,  oesophago  subglo- 
Itoso  crenato-plicato.  Longit.  xl\'". 

Rhynchoprobolus  papillosus  Schmarda:  Neue  wirbell.  Thiere.   I.  1.   11. 
Tab.  II.  25. 

Habitaculum.    In  aqua  subsalsa,  Hoboken  prope  New-York 

(Seh  mard  a). 

Familia  XVII.  Gyratricinea.  Hempr.  et  Ehrenb. 
(Charactere  restrieto).  Corpus  teretiusculum  vel  oblongum  ovale, 
ciliatum,  exappendiculatum.  Caput  corpore  continuum  haud  loba- 
tum.  Proboscis  terminalis  protractilis,  pugione  nullo.  Os  ventrale 
antrorsum  vel  in  medio  corporis  situm,  oesophago  subgloboso  vel 
doliiformi.  Ocelli  2,  4  vel  6.  Androgyna,  apertura  genitali  retror- 
sum sita,  pene  chitineo.  Anus  terminalis  posticus.  —  Maricolae, 
rarius  aquarum  dulcium  incolae.  —  Formae  minores  imo  micro- 
scopicae. 

XXX.    GYRATOR  EHRENBERG.    Charactere   emendato. 

Gyratrix  Ehrenberg.  —  Prostoma  Auclor.  —  Rhynchoproboli  spec.  Schmarda. 

Corpus  subcylindricum  ciliis  vibraritibus.  Caput  corpore  conti- 
nuum. Proboscis  terminalis,  protractilis  (directe  retractilis,  parte 
anteriore  intus  papillis  oltsita,  posteriore  musculosa).  Os  ventrale  in 
medio  fere  corporis  siturn,  oesophago  subgloboso.  Ocelli  duo  cer- 
vicales.  Androgyna.  Penis  chitineus  retrorsum  situs.  Anns  termi- 
nalis posticus.  —  Aquarum  dulcium  vel  maris  incolae. 

Penis  in  speciebus  aquarum  dulcium  (1.  et  2.),  sufl'ulero  instruetus,  quo  in 
maricolis  caret.  Forma  penis  in  speciebus  diversis  di versa. 


246  Di  e  s  i  n  g. 

1.  Gyrator  hermaphroditüs  EHRENBERG. 

Corpus  oblongo-üneare  antrorsum  attenuatum,  pellucidum,  fla- 
vescens.  Proboscis  subconica.  Ocelli  nigri.  Penis  pusticus  subuli- 
formis,  suft'ulcro  lineari  annulo  terminali  instiucto,  cum  hoc  chitineus. 
Longit.  1'". 

Gyrator  hermaphroditüs  Ehrenb.  —  Dieaing:  Syst.  Helm.  I.  227  (excl. 

syn.  Buges. 
Prostomum  lineare  Oersted.  —  Schnitze:  Beitr.  73  et  74.  Tab.  I.  9,  27, 
40  (anatom.).  —  Idem  in  V.  Ca  ms  Icon.  Zoot.  Tab.  VIII.  i6  (cum 
anatom.).  —  Leuchart:  in  Zusätze  zu  van  der  Hoeven's  Handb. 
der  Zool.  1856,  111  (de  proboscide). 

Habitaculo  adde:    Prope  Gryphiam  (Schultze). 

2.  Gyrator  foriosus. 

Prostomum  furiosum  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  k.  Ak.  XXV.  (1857) 
87,  88  et  in  Denkschr.  XV.  38  et  46.  Tab.  III.  12,  13. 

Habitaculum.    Prope  Cracoviam  (O.Schmidt). 

3.  Gyrator  Botterii. 

Prostomum  Botterii  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  d.  k.  Ak.  IX.  (1852)  494. 
Tab.  XLIV.  4. 

H*a  b  i  t  a  c  u  1  u  m.     Prope  Lesinam  (0.  S  c  h  m  i  d  t). 

4.  Gyrator  immandus. 

Prostomum  immundum  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  XXIII.  II.  (1857)  355 

et  365.  Tab.  III.  7. 
Habit acul um.    S.  Luciae  prope  Neapolim  (0.  Schmidt). 

5.  Gyrator  Steenstropii. 

Prostomum  croceum  Oerst.?   —    0.  Schmidt:  Neue  Beitr.  16.  Tab.  I.  4 

(organ.  genital.). 
Prostomum  Steenstrupii  0.  Schmidt:  in  Sitzungsb.  IX.  494.  Tab.  XLV.  5. 

Habitaculum.  In  portu  Thorshavn  in  Stromö ,  insularum 
Faeröensium  (0.  Schmidt). 

6.  Gyrator  erythrophthalmns. 

Corpus  teretiusculum  flavo-griseum.  Proboscis  subcylindrica. 
Os  oesophago  plicato.  Ocelli  rubri.  Penis  retrorsum  situs  subuli- 
formis.    Longit.  l/±". 

Rhynchoprobolus  erythrophthalmus  Schmarda:   Neue  wirbell.  Th.  I.  I. 

11.  Tab.  II.  26. 
Habitaculum.    In  aqua  stagnante  prope  Stellenbosch  ad  Pro- 
montorium bonae  spei  (Schmarda). 


Revision  der  Turbe Marien.  &\i 

S p e c i e s   ioquirendae: 

7.  Gyrator  croceus  DIESING.       Syst.  Helm.  I.  228. 

8.  Gyrator  subovilormis  DIESING.       Syst.  Helm.  I.  227. 

9.  Gyrator  littoralis  DIESING.       Syst.  Helm.  I.  228. 
10.  Gyrator  leucophraeus  DIESING.       Syst.  Helm.  I.  228. 

XXXI.  RHYNCHOPROBOLUS  SCHMARDA.    Charact.  restricto. 

Corpus  oblongo- ovale,  ciliatum.  Caput  corpore  continuum. 
Proboscis  terminalis  protractilis.  Os  ventrale  antrorsum  situm,  oeso- 
phago doliiformi.  Ocelli  4.  Androgyna...  Penis  retrorsum  situs. 
Anus.  .  .  Aquarum  dulcium  Indiae  occidentalis  incolae. 

1.  Rhynchoprobolas  tetrophtluilmas  SCHMARDA. 

Corpus  oblongo -ovale,  flavo-griseum.  Proboscis  füsiformis, 
brevis,  graeilis.  Ocelli  duo  frontales  nigri,  et  tiuo  cervieales  fere 
decolores.   Penis  globosus  tricuspidatus.    Longit.  ultra  1/i"'. 

Rhynchoprobolus  tetrophthalmus  Schmarda:  Neue  wirbell.  TIi.  1.  i.  iO. 

Tab.  II.  24  et  24a. 
Habitaculum.    In  aqua  dulci  in  Jamaica  (Schmarda). 

XXXII.  PROSTOMUM  DUGES  nee  OERSTED.    Charact.  einend. 

Corpus  teretiusculum  ciliis  vibrantibus.  Caput  corpore  conti- 
nuum. Proboscis  terminalis,  protractilis.  Os  .  .  .  Ocelli  6  antrorsum 
sili,  bini  postpositi  paralleli.  Androgyna?  .  .  .  Penis  .  .  .  Anus  ter- 
minalis posticus.  —  Aquarum  dulcium  Enropae  temperatae  incolae. 

1.  Prostoniuni  clepsinoideum  DUGES.—  Dies.  Syst.  Helm.  I.  236. 
—  Schnitze  Beitr.  Turbell.  I.  61. 
Habitaculum.Monspessulani,sublapidibusrivulorum(Duges). 

Familia  XVIII.  Borlasiea.  Dies.  Corpus  teretius- 
culum vel  depressiusciilum,  exappondiculatum,  disco  acetabuliformi 
caudali  nullo,  rarissime  unico.  Caput  corpore  continuum  vel  discre- 
tum,  haud  lobatuin.  Proboscis  terminalis  aut  infera,  protractilis.  Os 
ventrale  subterminale  v.  antrorsum  situm.  Ocelli  niilli.  Sexus  discre- 
tus.  Anus  terminalis  posticus.  —  Maricolae  utriusque  hemispiiaerae. 
Formae  majores  saepe  pedales,  imo  longitudinem  orgyiae  excedentes. 

Juvencula  Borlasiae  unicoloris  .lohnst,  oeellis  duobiis.  adulta  ocellis  nullis 
instruetu. 


248  D  i  e  s  i  n  g. 

a.  Proboscis  terminalis. 

XXXIII.    BORLASIA  OKEN  et  OERSTED.    Charact.  reformato. 

Planariae  spec.  Johnston.  —  Nemertis  spec.  Hemprich  et  Ehrenberg.  —  Polia? 
Delle  Chiaje.  —  Astemma,  Cephalothrix  et  Amphiporus  Oersted. 

Corpus  longum  teretiusculum  vel  depressum,  valde  contractile, 
haud  raro  sponte  transverse  fissile  (fragile),  disco  caudali  nullo. 
Caput  corpore  continuum  v.  discretum,  sulcis  lateralibus  nullis.  Pro- 
boscis terminalis,  protractilis.  Os  ventrale  subterminale  anticum,  inter- 
dum  acetabuliforme.  Ocelli  nulli.  Seocus  discretus.  Anus  terminalis 
posticus.  Maricolae  utriusque  hemisphaerae. 

Caput  corpore  continuum. 

1.  Borlasia  nigrofosca  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  239. 

Habitaculum.  Sinus  Suezensis  maris  rubri ,  sub  lapidibus 
(Hemprich  et  Ehrenberg). 

2.  Borlasia  viridis  GRUBE.  -  Dies.  Syst.  Helm.  I.  239. 

Habitaculum.  Prope  Cataneam  et  Neapolim,  inter  Algas 
(Grube). 

3.  Borlasia  bilineata  SCHMARDA. 

Corpus  longissimum  depressum  ex  albo  coerulescens,  supra 
lineis  duabus  brunneis  longitudinalibus  parallelis.  Caput  corpore 
continuum,  ovatum.  Os  subterminale  subcirculare.  Longit.  10", 
latit.  1 1/2"'. 

Borlasia  bilineata  Schmarda:  Neue  wirbell. Th.  I.  1.  40.  Tab.  IX.  84. 

Habitaculum.  In  mare  Antillarum  ad  oram  meridionalem  Ja- 
maicae  (Schmarda). 

4.  Borlasia  Dröbachensis. 

Corpus  badio-nigrescens,  antice  album.  Caput  corpore  conti- 
nuum. Os  dupla  corporis  latitudine  ab  apice  remotum.  Longit. 
3—4". 

Astemma  Dröbachense  Oersted:  in  Kroyer's  Naturh.Tidsskr.  I.  (1844 — 
1845)  418. 

Habitaculum.    Prope  Dröbak  in  Norvegia  (Oersted). 


Revision    der   Turuellaiien.  ^49 

5.  Borlasia  longa  DIESING. 

Corpus  teretiusculum  lineare,  antice  acutiusculum,  coeruleo- 
griseum.  Caput  corpore  continuum.  Os  haud  procul  ab  extremitate 
antica.  Longit.  3*/»",  latit.  i1/*'". 

Borlasia  longa  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  241. 

Habi  tacu  I  um.    Ad  littora  prope  Skagen  (Oerstedj. 

6.  Borlasia  rofifrons  JOHNSTON. 

Corpus  teretiusculum  lineare,  flavescens.   Caput  corpore  conti- 
nuum, rotundatum,  fuseum.  Os  antrorsum  situm.  Longit.  2",  latit.  l/g"\ 
Borlasia  rufifrons  Johnston.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  241. 
Astemma  rufifrons  Oersted.  —  De  region.  marinis  79. 
Habitaculum.     In   sinu    Berwickcensi   (Johnston).  —  In 
regione    argillacea    s.  Buccinoideorum ,    aestate    in    fretu   Öresund 
(Oersted). 

7.  Borlasia  Neesii. 

Amphiporus  Neesii  Oersted.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  245.  —  Leuckart: 
in  Troschel's  Arch.  1849.  I.  149—152. 
Habitaculum.  Ad  insulas  Faröenses  (Nees),  ad  littus  austro- 
occidentale  Islandiae  (Bergmann). 

8.  Borlasia  groenlandica. 

Amphiporus  groenlandicus  Oersted.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  245. 
Habitaculum.     Ad  littora  Groenlandiae. 

9.  Borlasia  sangainea. 

Corpus  depressum  antrorsum  increscens  retrorsum  attenuatum, 
sanguineo- rubrum.  Caput  corpore  continuum,  acuminatum.  Os 
valde  elongatum.    Longit.  .  .  . 

Amphiporus  sanguineus  Girard:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  VI.  366. 

Habitaculum.   Ad  oras  Carolinae  meridionalis  (Girard). 

Caput  a  corpore  discretum. 

10.  Borlasia  Hemprichii  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  240. 
Habitaculum.    Prope  Scherm  et  Scheech  in  sinu  maris  rubri 

sinaitico.    Pinnam  vetustam  inhabitabat  (E  h  r  e  n  b  e  r  g). 

11.  Borlasia  trienspidata   Ol  OY  et  GAIMARD.  —  Dies.  Syst.  Helm. 
I.  240. 

Habitaculum.    Ad  insulam  Guam  (Quoy  et  Gaimard). 


250  D  i  e  s  i  11  g. 

Situs  oris  in  speciebus  subsequentibus  ignotus. 

12.  Borlasia  coernlescens  D1ESING:  Syst.  Helm.  I.  241. 
Habitaculum.  Prope  Neapolino  inter  tophos  (Delle  Chiaje). 

13.  Borlasia  Cephalothrix  D1ESING:  Syst.  Helm.  I.  241. 
Habitaculum.    Ad  littora  Hafniae  (0 erste d). 

14.  Borlasia  filiformis  JOHNSTON.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  242. 
Habitaculum.    Ad  littora  Britanniae,    in   limo   inter   lapides 

(Johnston). 

15.  Borlasia  flaccida  JOHNSTON.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  242. 
Habitaculum.    Sinus  Berwickcensis ,  e  profundo  maris  cum 

rete  piscatorum  allata  (Johnston). 

16.  Borlasia  linearis  DIESING-.  Syst.  Helm.  I.  242. 
Habitaculum.    Ad  littora  Daniae  (Rathke). 

17.  Borlasia  nnicolor  JOHNSTON.  -  Dies.  Syst.  Helm.  I.  242. 
Habitaculum.  Inter  radices  Laminariarum  in  Britannia  haud 

raro  (Johnston). 

1 8.  Borlasia  trilineata  SCHMARDa. 

Corpus  depressiusculum  proteum,  supra  brunnescens,  lineis 
parallelis  tribus,  mediana  nigra,  externis  laete  rubris.  Caput  cor- 
pore continuum.  Longit.  ultra  5",  latit.  intumescentiarum  periodi- 
carum  ad  1". 

Borlasia  trilineata  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  1.  1.  40.  Tab.  IX.  85. 

Habitaculum.  Sub  saxis  maritimis  ad  Promontorium  bonae 
spei  (Schmarda). 

19.  Borlasia  nnilineata  SCHMARDA. 

Corpus  teretiusculum  rufescens,  linea  mediana  brunnea,  mar- 
ginibus  flavis.  Caput  corpore  continuum.  Longit.  ad  4",  latit. 
ad  H/2"'. 

Borlasia  (?)  unilineata  Schmarda:  Neue  wirbell.Th.  I.  1.  41.  Tab.  IX.  88. 

Habitaculum.  In  oceano  pacifico,  in  arena  sinus  Paita  ad 
oras  Peruviae  (Schmarda). 

20.  Borlasia  cardiocephala  SCHMARDA. 

Corpus  depressum  vix  proteum,  testaceo-rubrum.  Caput  cor- 
diforme.    Longit.  fere  5*/2",  latit.  21/3'". 


Revision  der   rurbellnrien.  *«5  1 

Borlasia   eardiocepbala    Schmarda:    Neue    wirbellose   Thiere   I.    1.  41. 

Tab.  IX.  87. 
Habitaculum.    In  oceano  paciGco  in  arena   prope  Vioa  d<*l 
Mar  ad  oram  Chilensem  (Schmarda). 

21.  Borlasia  doryccphala  SCHMARDA. 

Corpus  teretiusculiim  protoum  nigrum.  Caput  lanceolatimi. 
Longit.  ultra  41//.   I i* 1 1 1 _  >/8— 3  V»"'. 

Borlasia  dorycephala  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  40.  Tab.  IX.  86. 

Habitaculu  in.  In  limo,  ad  Promontorium  honae  spei 
(Schmarda). 

22.  Borlasia  Hartzii  GIRARü. 

Corpus  subcylindricum  depressiusculum,  brunneo-rnfum,  subtus 
pallidius.  Caput  discretum  rotundatum,  retractum  ellipticum,  pro- 
tractum  conicum.    Longit.  3 — 4". 

Borlasia  Kurtzii  Girant :  in  Proceed.  Aead.  Philad.  VI.  366. 

Habitaculum.    Ad  littus  Carolinae  meridionalis  (Stimpson). 

XXXIV.   TAENIOSOMA  STIMPSON. 

Borlasiae  spec.  Quoy  et  Gaimard. 

Corpus  longissimum,  lineare  depressum,  disco  caudali  nullo. 
Caput  vix  discretum  sulco  indistincto  (rima  obsoleta  v.  linea  impressa 
decolore)  longitudiuali  in  utroque  margine.  Proboscis  terminalis 
protractilis.  Os  ventrale  antrorsum  situm.  Ocelli  nulli.  Sexus  et 
anns  .  .  .   Marium  orientalium  incolae. 

1.  Tacniosoma  qainqnelineatum  STIMPSON. 

Borlasia  quinquelineata  Quoy  et  Gaimard.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  240. 
Taeniosoma  quinquelineatum  Stimpson:  Prodr.  II.  18. 
Habitaculum.  Ad  portum  Dorey  in  Nova  Guinea  et  ad  Novarn 
Hiberniam,  nee  non  et  aliis  locisOceaui  paciGci  (Quoy  et  Gaimard). 

2.  Taeniosoma  septemlineatmn  STIMPSON. 

Corpus    depressum    retrorsum    complanatum    subangustatum, 

supra  album,  lineis  longitudinirlibus  antice  septem,  postice  quinque 
ornatum;   subtus  bilineatum.     Caput  lineis  supra   tribus   (interdum 
quinque)  subtus  duabus  notatum.    Longit.  2 — 3',  latit.  ultra  4'". 
Taeniosoma  septemlineatum  Stimpson:  Prodr.  II.  18. 
Habitaculum.     Sublittorale ,     ad    insulas   freti    „Gaspar" 
(Stimpson). 


252  D  i  e  s  i  n  g-. 

3.  Taeniosoma  aequale  STIMPSON. 

Corpus  lineare  subobesum,  coeruleo-album,  lineis  purpureo- 
nigris  supra  quinque  (tribus  vel  quatuor  in  capite),  subtus  duabus 
ornatum;  lineis  omnibus  versus  corporis  extremitates  confluentibus. 
Caput  continuuin  antice  rotundatum.  Os  parvum  minus  antrorsum 
situm.  Longit.  2',  latit.  vix  4'". 

Taeniosoma  aequale  Stimpson:  Prodr.  II.  18. 

Habitaculum.  Littorale  sub  lapidibus,  in  sinu  insulae  „Ou- 
sima"   (Stimpson). 

XXXV.  BASEOD1SCUS  DIESING. 

Poliae  spec.  Delle  Chiaje.  —  Borlasiae  (?)  spec.  Oersted. 
Corpus  longum  teretiusculum ,  extremitate  caudali  in  discum 
acetabuliformem  explanata.  Caput  a  corpore  discretum.  Proboscis 
terminalis,  protractilis.  Os  ventrale  retro  caput  situm.  Ocelli  nulli. 
Sexus  ....  Anus  in  centro  disci  caudalis?  Maricolae  bemisphaerae 
borealis. 

1.  Baseodiscus  delineatus  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  243. 

Habitaculum.  Prope  Neapolim  (Delle  Chiaje)  —  Panormi 
(Grube). 

ß.  Proboscis  infera. 

XXXVI.    VALENC1NIA  QUäTREFaGES.     Charact.  reform. 

Borlasiae  spec.  Quoy  et  Gaimard. 
Corpus  longum,  teretiusculum  v.  depressuin.  Caput  a  corpore 
strictura  discretum.  Proboscis  ex  apertura  in  medio  capitis  paginae 
ventralis  sita  protractilis.  Os  ventrale  infra  ostium  meatus  proboscidem 
protractilem  excipientis.  Ocelli  nulli.  Sexus  discretus.  Amis  .  . 
Maricolae  utriusque  hemisphaerae.  —  Tubicolae. 

Proboscis  pugione  nullo  instructa  (Quatrefa  ges). 

1.  Valencinia   splendida    QUÄTREFAGES.   —    Dies.    Syst.    Helm. 
I.  243. 

Habitaculum.    Ad  insulam  Brehat  raro   (Qu  atrefages). 

2.  Valencinia  ornata  QUÄTREFAGES.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  244. 
adde : 

Jok.  Müller:  in  ejus  Arch.  1854.  83.  --  Grude :  Ausflug  nach  Triest  und 

dem  Quarnero.  1861.  129. 
Valencinia  elegans  Grube:  1.  c.  35. 


Revision  der  Turbellarien.  CDt\ 

II  ubitaculo    adde:    In   linio   maris    adriatici    Muggiae    (Joh. 
Müller)  —  in  mare  adriatico  (Grube). 
Confer  Tubulanum  elegantem  hujus  loci. 

3.  Valencinia   longirostris    QUATREFAGES.  —   Dies.  Syst.   Helm. 
I.  244. 

Ilabi taculum.  Ad  insularn  Chausey  et  Brebat  (Quatre- 
fages). 

4.  Valencinia  striata  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  244. 

H ab i taculum.  .Ad  insularn  Guam,  Agagua  et  Humata  oeeani 
pacifici  (Qnoy  et  Gaimard). 

5.  Valencinia  elegans  STIMPSON. 

Corpus  gracile,  feie  lineare,  supra  convexum  purpureo-fuscum, 
irilineatum ;  lineis  albis,  mediana  antice  in  fronte,  lateralihus  post 
cervicem  incipienfibus;  et  fasciis  transversis  albis  ad  16  annulatum. 
Caput  breve,  paulo  latius  quam  corpus,  truncaturn,  fronte  in  medio 
sinuata,  lateribus  rotundatis,  fascia  postfrontali  pallide  fusca.  Longit. 
3",  latit.  ultra  i"\ 

Valencinia    annulata   Stimpson    (nee    Quatrefages) :   in  Proceed.  Acad. 

Philad.  VII.  380. 
Valencinia  elegans  Stimpson:  Prodr.  II.  19. 

H  abitacu  lu  m.    Inter  algas  in  fundo  arenoso  profunditate  12 
orgyiarum  prope  Promontorium  bonae  spei  (Stimpson). 
Tubulum  membranaceum  format. 

Species    inquirenda: 

6.  Valencinia  annulata   QUATREFAGES.   —   Dies.  Syst.   Helm.  I. 
244. 

Habi taculum.  Ad  littora  Britanniae  inter  conchas  Cyprin  ae 
vulgaris  Sow.;   tubicola. 

Familia  XIX.  Ommatophora.  Dies.  Corpus  tere- 
tiusculum  vel  depressiusculum  exappendiculatum.  Caput  corpore 
continuum  vel  discretum  haud  lobatum.  Proboscis  terminalis,  pro- 
tractilis,  pugione  et  burseolis  aciculiferis  instrueta.  Os  ventrale 
antrorsum  vel  in  medio  fere  corporis  situm.  Ocelli  2,  6  vel  plurimi. 
Sexus  discretus.  Anus  terminalis  posticus.  Maricolae.  Formae 
mediocies. 


254  Diesi  ng. 

XXXVII.  CEPHALOTRIX  OERSTED. 
Tetrastemma  Oersted  ex  parte.  —  Poliae  spec.  Quatrefages  et  Van  Beneden. 
Corpus  teretiusculum  vel  depressiusculum,  liberum  vel  tubulo 
inclusum.  Caput  corpore  continuum.  Proboscis  terminalis,  protrac- 
tilis,  pugione  et  burseolis  aciculiferis  instructa.  Os  ventrale  antror- 
sum  vel  in  medio  fere  corporis  situm.  Ocelfi  duo.  Sexus  discretus. 
Anus  terminalis  posticus.  —  Maricolae.  —  Formae  longitudinis  me- 
diocris  (5'"- 3"). 

Proboscis  armata  cum  burseolis  solummodo  in  speeie  2.  certissima. 

1.  Cephalotrix  Oerstedii  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  246.  adde: 

Cephalothrix  bioculata  Oersted.  De  region.  marinis  79. 
H  a  b  i  t a  c  u  1  u  m.  In  regione  argillacea  s.  Buccinoideorum  aestate 
in  fretu  Oresund  (Oersted). 

2.  Cephalotrix  involnta  DIESING. 

Corpus  subcylindricum  flavidum  vel  roseum,  tubulo  inclusum. 
Proboscis  brevis,  antice  dilatata,  per  intussusceptionem  retractilis, 
pugione  subiilifonni  et  burseolis  aciculiferis  duabus  instructa.  Os  in 
medio  fere  corporis.  Ocelli  eirculares.  Longit.  maris  5"',  fem. 
9—14". 

Ovula  in  vagina  hyalina  et  glabra  deposila.  —  Embryo  ovulo  exclusus  flagello 
frontali  interdum  et  caudali  instructus;  postea  cutem  vibrantem  exuit. — 
Individua  2-3  sexus  diversi  in  uno  tubulo  squainato  firmo  inclusa. 
Polia  involuta  Van  Beneden:  Faune  litt.  Belgique.  18.  Tab.  III  (de  evolu- 
tione  et  de  foecundatione). 
Habitaculu  m.    In  tubulis  appendicibus  subabdominalibus 
Canceris  maenadis  affixis,  in  Belgia  (Beneden). 

Species   inquirendae: 

3.  Cephalothrix  Filum  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  246. 

4.  Cephalothrix  Hroyeri  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  246. 

XXXVIII.   OMMATOPLEA  HEMPR.  et  EHRENB. 

Fasciola  et  Planaria  Müller.   —    Polia  Delle  Chiaje.    —   Nemertes  et  Prosloma 
Johnston.  —  Ampbiporus  Ilemprieh  et  Ehrenberg,  nee  Oersted.  —  Polystemma- 

tis  spec.  Oersted. 

Corpus  teretiusculum  vel  depressiusculum.  Caput  corpore  con- 
tinuum v.  discretum.  Proboscis  terminalis,  protraclilis,  pugione  et  bur- 
seolis aciculiferis  duabus  instructa.  Os  ventrale  subterminale  anticum. 


Revision  der  Turbellarien.  2Ö5 

Ocelli  sex  vel  plurimi  varie  dispositi.  Sexus  ....  Anus  terminalis 
posticus.  Maricolae.  —  Formae  mediocres  pollicares  et  majores 
pedales. 

Situs  proboscidis,  oris  et  praesentia  pugionis  et  burseolarum  nee   non  in 
omnibus  speciebus  exaete  indicati;  in  specie  5  pugiones  tres  observati. 

w  Ocelli  sex. 

1.  Ommatoplea  peronea  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  248. 
Habitaculum.    Ad  insulam  Breliat  (Quatrefages). 

*°  Ocelli  plurimi  longitudinaliter  dispositi. 

2.  Ommatoplea  Polii  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  249.  adde: 

Polia  oculata  Vcrany :  Catalogo  degli  animali  marini.  1846.  9. 
Habitaculum.     Prope  Neapolim   (Delle  Chiaje)    in  sinu 
Genuensi  et  Nicaeensi  (Yerany). 

3.  Ommatoplea  punctata  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  249. 
Habitaculum.    Prope  Neapolim  (Delle  Chiaje). 

4.  Ommatoplea  balmea  DIESIA TG  .-  Syst.  Helm.  I.  249. 
Habitaculum.     Ad    insulam    Brehat,    communis   (Quatre- 
fages). 

5.  Ommatoplea  heterophthalma  SCHMARDA. 

Corpus  depressum  taeniaeforme,  supra  rubrum  linea  mediana 
alba,  subtus  pallide  rubrum.  Caput  indistinetum  acuminatum.  Pro- 
boscis  terminalis  organis  urticantibus  tota  sua  longitudine  obsessa, 
pugionibus  tribus  longe  lanceolatis.  Os  .  .  .  .  Ocelli  in  parte  acumi- 
nata  capitis  duo,  subsequentes  septem  in  lineam  longitudinalem  dis- 
positi, et  tres  ultimi  in  triangulum  dispositi.    Longit.  21/,",  latit.  2'". 

Ommatoplea  heterophthalma  Schmarda:  Neue  wirbell.  Thiere.  I.  1.  41. 
Tab.  X.  90  et  90»». 

Habitaculum.  In  oceano  paeifico  sub  saxis  prope  Auckland 
in  Nova  Zelandia  (Schmarda). 

6.  Ommatoplea  gracilis  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  250. 
Habitaculum.    Sub  lapidibus  in  sinu  ßerwickcensi   (.lohn- 
st o  n). 

7.  Ommatoplea  albicans  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  250. 
Habitaculum.    Inter  Corallia  maris  rubri  prope  Tor  (Hern- 

prich  et  Ehrenberg). 


256  1)  i  e  s  i  n  g. 

8.  Ommatoplea  Stimpsoni  GIRARD. 

Corpus  compressiusculum,  supra  convexum  subtus  planum, 
retrorsum  attenuatum,  supra  brunneum.  Caput  a  corpore  strictura 
discretum  acuminatum,  marginibus  anticis,  fascia  transversali  me- 
diana, arcuata  et  macula  utrinque  subtriangulari  basilari  albis.  Pro- 
boscis  terminalis.  Os  .  .  .  .  Ocelli  biseriati  submarginales  antrorsum 
conveigentes.  Longit.  6 — 10"  et  ultra,  latit.  corp.  expansi  l1/*'", 
contracti  ad  6'". 

Ommatoplea  Stimpsoni   Girard :    in    Smithson     Contrib.   VI.   28.    Tab. 
IL  18. 

H  a  b  i  t  a  c  u  1  u  in.  Sub  saxis,  frequeuter,  Grand  Manan 
(S  timpson). 

9.  Ommatoplea  ophiocephala  SCHMARDA. 

Corpus  longissiinum  depressiusculum,  proteum,  obscure  flavum. 
Caput  laneeolatnm.  Proboscis  terminalis.  Os  exiguum  ovale,  in  fine 
primae  capitis  sextae  partis.  Ocelli  octo  in  lineas  duas  longitudinales 
arcuatas  dispositi.    Longit.  fere  tripedalis,  latit.  ad  5'". 

Ommatoplea   ophiocephala   Schmarda:   Neue  wirbell.  Thiere.   I.   1.   41. 
Tab.  X.  89. 

Habita  culum.    Sub  saxis  et  in  arena  in  sinu  tabulari  promon- 
tarii  bonae  spei,   frequenter  (Schmarda). 
Mucum  copiose  excernit. 

10.  Ommatoplea  taeniata  HEMPRICH  et  EHRENBERG.  —  Dies.  Syst. 
Helm.  I.  250. 

Habitaculum.  Inter  Corallia  maris  rubri  prope  Tor  (Hem- 
prich  etEhrenber g). 

11.  Ommatoplea  bembix  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  251. 
Habitaculum.  Ad  littora  Siciliae  inter Algas  (Quatrefages). 

12.  Ommatoplea  rosea  DIESING:   Syst.  Helm.  I.  251.  adde: 

Polystemma  roseum  Ocrsted:  De  Region,  marin.  80. 
Habitaculum.     In   sinu   Drobachiensi  (Müller).  —  In  re- 
gione  argillacea  5,  ßaccinoideorum  aestaie,  in  fretu  Oresund  (0 er- 
ste d)  —  ad  Bristolliam  (Johnston). 

13.  Ommatoplea  Grabe!  DIESING:   Syst.  Helm.  I.  251. 
Habitaculum.     Ad  Panormum  (Grube). 


Ituvision  der  Turbellarien.  Z,\i 

14.  Ommatoplca  alba  DIE  SING:  Syst.  Helm.  I.  252. 
Habitaculum.  Littora  Angliae  ad  Carrickfergus  (Hyndman). 

•"*  Ocelli  plurimi  in  acervum  unum  vel  plures  consociati. 

15.  Ommatoplca  pulclira  DIESING:  Syst.  Helm.  1.  252. 
Habitaculum.     Littus  Berwickcense ,  inter  Corallineas  et  in 

testaceis  vacuis ,  frequens  (.1  o  li  n  s  t  o  n). 

16.  Ommatoplea  berea  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  252. 
Habitaculum.     Ad  insulam  Brehat  inter  lapides  (Quatre- 

fages). 

17.  Ommatoplca  mutabilis  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  252. 
H  a bita c ul  u  m.    Prope  St.  Vaast  (Q  u  a t r  e f a g  e s). 

18.  Ommatoplca  glauca  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  253. 
Habitaculum.    Prope  St.  Vaast,  rarius  (Quatr  efages). 

19.  Ommatoplca  violacea  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  253. 
Habitaculum.    Prope  St.  Vaast,  raro  (Quatrefages). 

****  Ocelli  in  series  plurcs  angulum  retrorsum  patentem  formantes  dispositi. 

20.  Ommatoplea  glauca  DIESING. 

Corpus  depressum,  supra  glaucum,  subtus  album.  Caput  cor- 
pore continuum.  Proboscis  vaginata.  Occlli  numerosi  in  series  plures 
dispositi,  angulum  retrorsum  patentem  formantes.    Lougit.  1". 

Nemertes  glancus  Kölliker:  in  Verhandl.  d.  Schweiz,  naturf.  Gesellseh. 
zu  Chur  im  Juli  1844.  Chur  1845.  89.  —  Siebold:  in  Troschel's 
Arch.  1850.  II.  382. 

Habitaculum.    Neapoli  (Kolli  ker). 

Species    inquirendae: 

21.  Ommatoplea  pellacida  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  253  adde: 

Polystemma  pellucidum  Oersted:  De  region.  marin.  80. 
H  a  1)  i  t  a  c  ii  I  ii  m.    In  regione  argillacea  s.  Buccinoideorum 
aestate,   prope  Hellebaek  in  fretu  Öicsund  (Oersted). 

22.  Ommatoplca  rubra  DIESING  I.  c.  253. 

23.  Ommatoplca  armata  DIESING  I.  c.  253.  adde: 

Prostoma?  Ommatoplea?  Ehrenberg:  Akalepli.  des  rothen  Meeres  66. 
Sitzb.  d    mathem.-iiatui'w.  Cl.  XLV.  Bd.   t.  Abt  Ii.  18 


258  D  i  e  s  i  n  g. 

Familia  XX.  Ulieruraea.  Hemprich  et  Ehrenberg. 
Corpus  depressiusculüm  vel  teretiiisculum,  obsolete  annulatum,  ex- 
tremitafe  caudali  appendiculata.  Caput  corpore  continuum  vel  dis- 
cretum,  haud  löbatum.  Proboscis  fermiualis  protractilis.  Os  ventrale 
anlrorsum  situm,  oesophago...  Ocelli  numerosi.  Sexus  discretus. 
Anus  in  extrema  corporis  parte  postica  sub  processu  caudali.  Mari- 
colae.   Formae  mediocres,  pollicares. 

Evolutio  in  uno  saltem  genere  per  metamorphosin. 

XXXIX.    MICRURA  HEMPRICH  et  EHRENBERG. 
Nemertis  spec.  Oersted.  —  Gordii  spec.  Dalyell. 

Corpus  depressum  lineare,  proieum,  obsolete  annulatum,  pro- 
cessu caudali  terrainali  filiformi.  Caput  corpore  continuum.  Pro- 
boscis terminalis  e  plica  transversa  protractilis.  Os  ventrale  infra 
caput.  Ocelli  frontales  10  serie  longitudinali  duplici  dispositi.  Sexus 
discretus.  Anus  terminalis  sub  processu  caudali.  Evolutio  per  meta- 
morpbosin.     Maricolae,   hemispbaerae  borealis. 

Animalculum  juvenile  sladio  Alardi  cephaloporis  duobus  instructum.  — 
Quodsi  plica  transversalis,  a  cel.  Ehrenberg  in  animali  adulto  observata,  e  sym- 
pbysi  cephalopororum  duorum  coalescentinni  oriretur,  tunc  genus  hoc  ad 
Rbynchocoela  porocephala  esset  referendum. 

1.  Micrura  fasciolata  HEMPR.  et  EHRENBERG. 

Corpus  supra  nigro-fuscum,  capite  vtmtre  et  cauda  fasciis 
transversis  angustis  13  albis,  appendiculo  caudali  parvo  aibo.  Os 
rimaeforme  longitudinale.  Ocelli  frontales  longitudinaliter  biseriati, 
seriebus  curviuscnlis  parallelis  antiee  convergentibus,  una  quaque 
ocidlis  5  efformata ,  quorum  binis  anticis  linea  rubella  junctis. 
Longit.  16'",   latit.  i/,'". 

Micrura  fasciolata  Hemprich  et  Ehrenberg.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  261.  — 

J.  Müller:  in  ejus  Areb.  18ü8.  2Ö8. 
Gordius  fascialus  spinifer.  —  Dalyell:  Powers  of  tlie  Creator  II.  80.  Tab.  XI. 
6-9. 
Slalus  larvae:  Stadium  primum  s.  progressionis ;  Corpus  subquadrangu- 
lare,  planum,  lobis  duobus  lateralibus,  squamulis  imbricatim  teetum,  margini- 
bus  ciüis  vibrantibus  obsessum;  crista  centrali  longa  e  filis  gracilibus  composita, 
vibrante,  nodulo  insidente.    Os  inferum  subcentrale  parietibus  tractus  in  cor- 
poris cavum  ducentis  ciliatis.  Stadium  seeundum  s.  aemes:  Corpus  lobis  laterali- 
bus introflexis  fornicatum,  bis  sensim  increscentibus,  lobo  anteriore  et  posteriore 
valde  produetis,  liinbo  ciliato,  crista  persistente,  squamulis  evanescentibus.  Os 
inferum   subcentrale    ventriculo    subgloboso.     Longit.    larvae    %'"   vermiculuin 


Revision  der Turbellarien.  259 

includit;  vermiculus  inclusus,  limbo  oris  cum  Pilidü  apertura  ventrali  connalus, 

parictem  cauda  sua  penetrat;   residua  Pilidü  vermiculi  liberis  oris  limbo  ad- 

haerent.   Incertum  an  baec  residua  sponte  decidua  vel  devorata  evanescant 4). 

Pilidium  gyrans  ./.  Müller  in  Müller's  Arch.  1N47.  iS9.  Tab.  VII.  1  —  4.  — 

Busch:  Untersuchungen  107—110.  Tab.  XVI.  1—8.  (evolut.).  —  Krohn: 

in  litt,  ad  eel.  Müller:   19.  Nov.  1851  apud  cel.  Müller  1.  i.  c.  18.14,  de 

fibris  inuscularibus.  —  /.  Müller:  Über.  d.  allgem.  Plan  in  d.  Kntwickl. 

d.  Eehinoderm.  Abhandl.  Berl.  Akad.  1852.  Berl.  1853.  59.  —  Gegenbauer: 

in  Zeitscbr.  f.  wissenscb.  Zool.  V.  345.  —  J.  Müller:  in  ejus  Arch.  1854. 

75 — 83.  Tab.  IV.  3—8  (de  Alardo  caudato  in  Pilidio  incluso).  —  Krohn: 

in  Müller's  Arch.  1858.  289-293. 

Pilidium  gyrans?  Gegenbauer:  in  Zeitscbr.  f.  wissensch.  Zool.  V.  345  (de 
animalculo  in  Pilidio  incluso). 
Status  vermiculi  exclusi:  Corpus  ovale,  ciliatum,  obscure  brunneum,  appen- 
diculo  caudali  e  segmentis  tribus  composito,  aculeo  terminali  armato.  Caput 
corpore  continuum,  foveolis  marginalibus  duabus  (cephaloporis)  oppositis  cum 
ductibus  lagenaeformibus  coecis,  intus  ciliis  vibrantibus  instructis.  Proboscis 
terminalis.  Os  ventrale  subcentrale.  Ocelli  nunc  nulli,  nunc  solummodo  duo  evo- 
luti.  Anus  .  . .  Longit.  l/± — 2/a'"- 

Alardus  eaudatus  Busch:  Beobacht.  111  et  134.  Tab.  XI.  8.  —  J.  Müller: 
in  ejus  Arch.  1854.  79—83.  Tab.  IV.  2—4.  —  Krohn:  in  Mül  ler's  Arch. 
1858.  289—293. 


*)  Exactam  descriptionem  evolutionis  embryonis  incerti  generis  in  Pili<lio  orti,  dederunt 
cl.  viri  Leuckart  et  Pagenstecher:   in  Müller's  Arch.  18">8.  569—588.  Tat'.  XIX.: 

Statu  larvae :  Os  inferum  subcentrale  infundibulifonne ,  oesophago  brevi  et 
ventrieulo  globoso  ;  reliqui  characteres  illis  Pilidü  gyrantis  similes.  Evolutio  ver- 
miculi inter  Pilidium:  Vermiculus  in  peripheria  infitndibuli  oris  evolvitur,  mox 
extremitate  posteriore,  dein  et  anteriore  ventriculum  supercrescit,  ita  ut  demum 
Organa  digestoria  Pilidü  a  vermiculo  penitus   includantur. 

Statu  Alardi:  Corpus  ovale  flavo-brunneum ,  appendicuto  nullo.  Caput  foveolis 
utrinque  duabus  (cephaloporis)  ciliatis  binis  in  vas  aquiferum  ducentibus  et  suleo 
longitudinali  ciliato  utrinque  ante  foveolas.  Proboscis  inermis.  Os  in  medio  fere 
corporis.   Ocelli  duo.   Anus  .  .  .   Longit.  ultra  •  4'". 

Habitaculum.    Ad   Helgolandiam  (Leuckart  et  Pagenstecher). 

Status  perfectus  secundum  el.  Leuck.  et  Pagenstecher  fortasse  Borlasia  rubra 
nova   spee. 

Praesentia  quatuor  cephalopororum  in  studio  penultimo  evolutionis  vermiculi 
characteri  generico  tarn  Borlasiae  quam  Micrurae,  repjignat,  et  fortasse 
speciem  Loxo  r  rhochmatis  supponere  suaderet. 

Altera  forma  Pilidü  alp  iiscleni  scrutatonbus  descripta  est: 

Pilidium  auriculatum  leuckart  et  pagensteches. 

Corpus  campanulatum  lobis  lateralibus  duobus  brevibiis  augustis  anriculae- 
formibus,  paruin  inllexis.  crista  eentrali  terminali  e  filis  brevibus  paucis  com- 
posita,  hyalinuin,  tota  superficie  et  margine  ciliatum.    Longit,  '  .,'". 

Pilidium  anricnlatum Leuckart  et  Pagenstecher:  in  Müller's  Arch.  1838.  .'>7I.  Tab.  XIX.  I. 

Habitaculum.     Helgolandiae,  raro  (Leuck.  et   P'agenst). 

18* 


260  D  i  e  s  i  n  g. 

H  abitaculum.  Statu  larvae :  In  mare  germanico  prope  Hel- 
golandiam  gregarie  natantia  (J.Müller),  Tergesti  (J.  et  M.  Müller 
et  Busch),  hieme  Messinae  (Gegenbauer),  Aprili  prope  Neapolim 
(Krohn). 

Statu  Alardi:  Tergesti  gregarie  (Busch  et  J.  et  M.  Müller). 

Statu  perfecto:  In  concharum  superficie  scabra,  Februario, 
Tergesti  (Ehr enberg).    Ad  littora  Scotiae  (Dalyell). 

Species  minus  bene  cognitae: 

2.  Micrura  filaris  Joh.  MÜLLER. 

Planaria  filaris  0.  F.  Müller:  Zool.  Dan.  Tab.  LXV1II.  18—20. 
Nemertes  pusilla   Oersfed:   in  Kroyer's  Naturhist.  Tiddskr.  IV.  578. 

(partim)  et  Entwurf  einer  system.  Einth.  d.  Plattw.  90  (partim).  — 

Dies.  Syst.  Helm.  I.  271  (partim). 
Gordius  fragilis  spinifer  Dalyell:   Powers  of  the  Creator  II.  79.    Tab. 

XI.  5. 
Micrura  filaris  J.  Müller  in  ejus  Arch.  1858.  300. 

Habita  culum.    In   Dania  (Müller),    ad    oras  Scotiae  (Da- 

lyell). 

3.  Micrura  viridis  J.  MÜLLER. 

Gordius  viridis  spinifer  Dalyell  I.  e.  II.  78.  Tab.  XI.  1. 
Micrura  viridis  J.  Müller  in  ejus  Arch.  1858.  300. 

Habitaculum.    Ad  oras  Scotiae  (Dalyell). 

4.  Micrnra  purpurea  /.  MÜLLER. 

Gordius  purpureus  spinifer  Dalyell  1.  c.  II.  78.  Tab.  XI.  2 — 4. 
Micrura  purpurea  J.  Müller  in  ejus  Arch.  1858.  300. 

Habitaculum.     Ad  oras  Scotiae  (Dalyell). 

XL.    POLYSTEMMA  HEMPRICH  et  EHRENBERG.    Charact.  modif. 

Corpus  teretiusculuin  vel  depressiusculum  obsolete  annulatum, 
(feminae)  postice  in  processum  ellipticuin  ovigerum  dilatatum.  Caput 
discretum.  Proboscis  terminalis.  Os  ventrale  antrorsum  situm. 
Ocelli  plurimi  serie  dnpiici  antrorsum  reflexa  longitudinali.  Sexus 
discretus.  Anus  veutralis  subterminalis  sul»  apice  caudali  reflexo.  — 
Maricolae  hernisphaerae  borealis. 

Cauda  saepius  non  dilatata  Stimpson.  Fortasse  individua  exappendicu- 
lafa  mascuia. 


Revision  der  Turbellarien.  "dbl 

1.  Polystemma  adriaticam  EEMPR.  ei  EBRENB.  —  Dies.  Syst.  Helm. 
I.  2Ö4. 

Habitacnlum.  In  mare  adriatico,  specimen  unicum  lectuin, 
Februario  (E  hr  enberg). 

Species  inquirenda. 

2.  Polystemma  sinnosnm  STJMPSON. 

Corpus  gracile  depressiusculurn,  album,  interdum  carneo-tinc- 
tum.  Caput  subeiongatum  Ocelli  magnitudine  variabiles:  duo  in 
capitis  parte  posteriore;  plurimi  sparsi  in  parte  anteriore  in  acervos 
quatuor  irregulariter  aggregati,  posteriores  minores.  Longit.  14'", 
latit.  1". 

Polystemma  sinuosum  Stimpson:  Prodr.  II.  20. 

Habitacnlum.  Inter  concbas  vacuas  e  profunditate  10  orgyia- 
rum  in  portu  Hongkong  (Stimpson). 

An  hujus  generis? 

3.  Polystemma  pasillnm  OERSTED. 

Corpus  oblongum  postice  acutiusculum  carneum.  Caput  subreni- 
forme  duplo  latius  quam  longurn.    Longit.  7'". 

Polystemma  pusillum  Oersted:  in  Kroyer's  Naturh.  Tidssk.  I.  (1844 — 
1845)  418. 

Habitacnlum.    Prope  Dröbak  in  Norvegia  (Oersted). 

Situs  oris  in  generibus  subsequentibus  Holocephaloriim  ignotus. 

Corpus  exappendiculatum.     Maricolae. 

■j*  Proboscis  terminalis  e  medio  capitis  protractilis. 
Ocelli  nu lli. 

XLI.  ACKOSTOMUM  GRUBE.    Charact.  reform. 

Poliae  spec.  Lcuckart. 

Corpus  elongatum  depressum.  Caput  corpore  continuum  vel 
sulco  cii  culari  discretum.  Proboscis  terminalis  protractilis.  Os  .  .  .  . 
Ocelli  nulli.    Sexus  ....    Anus  terminalis  posticus.    Maricolae. 

1.  Acrostomnm  Stannii  GRUBE.  —  Dies.  Syst   Helm.  I.  246. 

Habitaculum.  In  mare  mediterranen  prope  Neapolim 
(Grube). 


-CO'w  D  i  e  s  i  n  g. 

2.  Acrostonium  canescens. 

Corpus  depressiuscnlum  aequale,  postice  rotundatum,  canescens. 
Caput  corpore  continuum   rotundatum.    Longit.  5'",  latit.  3/V". 
Polia  canescens  Leuckart:  in  Troschel's  Arch.  1849.  I.  154. 

Ha  bitacu  I  u  m.  Ad  littus  austro-occidentale  Islandiae  (Berg- 
mann). 

Ocelli  2. 

XLII.    DIPLOMMA  STIMPSON.   Charact.  modific. 

Dicelis  et  Naredae  species  Stimpson. 

Corpus  depressiuscnlum.  Caput  corpore  continuum  vel  discre- 
tum,  fronte  emarginatum.  Proboscis  terminalis,  protractilis.  Os  .  .  . 
Ocelli  duo  bilobi  vel  circulares.  Sexus  et  anus ....  Marium  orien- 
talium  incolae. 

1.  Diplomma  serpentina  STIMPSON. 

Corpus  elongatum  graei'e,  fere  lineare,  antrorsum  vix  atte- 
nuatum ,  supra  pallide  rubrum,  linea  mediana  brunnea.  Caput 
discretum  subovatum  sinu  aperturae  proboscidis  magno.  Ocelli 
magni  bilobati ,  remoti ,  retrorsum  convergentes.  Longit.  3", 
latit.   »/,'". 

Cerebella  cervicalia,  valde  remota,  rosea.  Cavum  intestinale  angustius; 
cava  genitalia  ampla. 

Nareda  serpentina  Stimpson:  Proceed.  Acad.  Pliilad.  VII.  338. 
Diplomma  serpentina  Stimpson:  Prodi*.  II.  20. 

Ha  bitacul  um.  Sub  lapidibus  in  locis  arenoso-limosis  ad  lit- 
tora  insulae  Loo  Cboo  (Stimpson). 

2.  Diplomma  rnbra  D1ESING. 

Corpus  lineare,   depressiusculum,   utrinque  obtusum  rubrum  v. 
purpureum.   Caput  corpore  continuum  v.  subdiscretum.    Ocelli  parvi 
simplices  circulares  subterminales.     Longit.  iys",  latit.... 
Dicelis  rubra  Stimpson:  Prodr.  II.  20. 

Habita  etil  um.  Inter  Balanos  et  Spongias  saxatiles  e  pro- 
funditate  12  orgyiarum  prope  insulam  „Tanega"  Japoniae  auslralis 
(Stimp  son), 


Itevisj ler  Turbellarien.  «Qu 

XLIII.    NAREDA  GIRARD. 

Corpus  subcylindricum.  Ca  put  a  corpore  discretum  triangu- 
läre. Proboscis  ...  Os  .  .  .  Ocelli  <luo.  Sexus  et  onus  .  .  .  Oceani 
atlantici  incolae. 

1.  Nareda  saperba  (Uli ARD. 

Corpus  retrorsura  attenuatum,  supra  pallide  rubrum,  fascia 
transversa  alba  cervicali,  subtus  album.  Caput  anguste  albo-mar- 
ginatum.  Ocelli  circulares  in  cervicis  fascia  transversali.  Longit. 
1—2". 

Nareda   superba    Girard.    —    Stimpson:    in  Smithson.   Contrib.   VI. 
(1854)  28.  Tab.  II.  17. 

H  a  I)  i  t  a  c  u  1  u  m.  Hake  Bay,  Grand  Manan  e  profunditate  35 
orgyiarum  (St im  pson). 

Ocelli  4. 

XLIV.    OERSTEDIA  QUATREFAGES.    Charact.  reform. 

Poliae  spec.  Quatrefages. 

Corpus  teretiusculum  vel  depressiusculum  liberum  vel  tubulo 
inclusum.  Caput  corpore  continuum.  Proboscis  terininaiis  protrac- 
tilis  pugione  et  burseolis  aciculiferis  duabus  instrueta.  Os  . .  .  Ocelli 
quatuor  in  quadrangulum  dispositi.  Sexus  discretus.  Anus  termi- 
nalis  posticus.    Maricolae. 

1.  Oerstedia  macalata  QUATREFAGES.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  247. 

Ha  bi  tacul  ii  m.  In  Sicilia  iuter  radices  plantarum  marinarum 
(Q  na  tr  efages). 

2.  Oerstedia  tabicola  QUATREFAGES.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  247. 

Habitaculum.  Ad  littora  Siciliae,  in  tubulo  pellucido  (Qua- 
trefages). 

Species  inquirendae; 

3.  Oerstedia  Bacnlus  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  247. 

4.  Oerstedia  armata  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  248. 

5.  Oerstedia  pulchella  DIESING:   Syst.  Helm.  I.  248. 


264  H  i  e  s  i  n  g. 

Ocelli  plu  rimi. 

XLV.  HEMICYCLIA  HEMPRICH  et  EHRENBERG.    Charact.  reform. 

Nemertes  Oersted. 

Corpus  teretiusculum  filiforme,  proteum.  Caput  corpore  con- 
tinuum  plica  transversa  terminali  *).  Proboscis  terminalis,  protrac- 
tilis  centralis.  Os  .  .  .  .  Ocelli  plurimi  in  serie  frontali  transversa 
semicirculari  simplici.  Sexus  ....  Anus  terminalis  posticus.  — 
Maricolae. 

1.  Hemicyclia  albicans  HEMPR.  et  EHREND.  —  Dies.  Syst.  Helm. 
I.  262. 

Habitaculum.  Prope  Tor  inter  Corallia  (Hemprich  et 
Ehrenberg). 

XLVI.  TATSiNOSKIA  STIMPSON. 

Corpus  depressum.  Caput  subdiscretum.  Proboscis  terminalis 
centralis  ex  apertura  cruciata  protractilis  2).  Os  .  . .  .  Ocelli  plurimi 
in  acervos  duos  lineares,  aggregati.  Sexus  et  anus  . .  . .  Marium 
orientalium  incolae. 

In  honorem  cl.  Tatsnoskii,  viri  Japonensis  eruditi  et  nobilis. 

1.  Tatsnoskia  depressa  STIMPSON. 

Corpus  snpra  cinnabarinum,  Iateribus  obscnrioribus.  Caput 
parvum,  obtusum,  fronte  emarginatum.  Ocelli  fusci,  posteriores  sen- 
sim  majores,  sex  in  utroque  acervo,  acervi  antici  convergentes. 
Longit.  ultra  1",  latit.  2'". 

Tatsnoskia  depressa  Stimpson:  Prodr.  II.  21. 

Habitaculum.  In  fundo  arenos«)  e  profunditate  6 — 10 
orgyiarum,  in  portu  „Hakodadi"  insulae  Jesso  (Stimpson). 


*)  An  rephalopororun)  duorum  subhorizontalium  symphysi  orta? 

2)  Apertura  cruciata,  proboscidis  egressui  inserviens,  fortasse  ex  ounvergentia 
cephalopororum  quatnor  sul»  angulo  recto  orta.  Num  res  ita  se  haltet  nee  ne, 
exarnen  a  cj.  auetore  denUO  instituenduin  doceltit.  Dummodo  coniirmaretur  com- 
mola  mea  opinio,  geuus  hoc  ad  linem  familiae  Enn  omerl  i  nen  r  tun  esset  col- 
locandum. 


Revision  der  Turbellarien, 


205 


•J-  |    Proboscis  terminalis  e  margine  capitis  protraciilis. 

XLVII.  POLINA   STIMPSON  i). 

Poliae  spec.  Slimpson. 

Corpus  valde  contractile  depressiusculum.  Caput  discretum  vel 
subdiscretum.  Proboscis  terminalis  laevis,  ex  apertura  in  margine 
frontali  inferiore  sita  protractilis.  Os  .  .  .  .  Ocelli  plurimi  in  acervos 
quatuor  aggregati.  Sexus  et  atius  ....  Oceani  indici  et  atlantici 
incolae. 

1.  Polina  rhomboidalis  STIMPSON. 

Corpus  depressiusculum,  antrorsum  latius,  pallide  rubrum,  fas- 
ciis  duabus  longitudinalibus  inconspicuis.  Caput  parvum,  subdiscre- 
tum, breve,  antice  rotundatum.  Ocelli  quatuor  in  singulo  acervo,  in 
rbombum  dispositi;  acervi  posteriores  minores  maculis  obscuriori- 
bus  impositi.    Longit.  1",   latit.  vix  1/2'". 

Polia  rhomboidalis  Stimpson:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  VII.  390. 
Polina  rhomboidalis  Stimpson:  Prodr.  II.  21. 

Habi  tacul  u  m.  Liitoraiis  sub  lapidibus  in  portu  Jacksoni  Au- 
straliae  (Stimpson). 

2.  Polina  grisea  STIMPSON. 

Corpus  longum  depressiusculum,  sub  extensione  subcylindricum, 
pallide  griseum.  Caput  discretum,  ovatum  v.  subcordatum,  corpore 
angustius,  antice  acutum.  Ocellorum  acervi  anteriores  majores,  elon- 
gati,  in  parte  anteriore  laterali  capitis  submarginaliter  dispositi, 
ocellis  in  utroque  acervo  decem;  acervi  posteriores  cervicales  parvi 
lineares,  ocellis  in  utroque  quatuor.  Longit.  ad  1",  latit.  '/3'". 
Polia  giisea  Stimpson:  Proceed.  Acad.  Philad.  VII.  390. 
Polina  grisea  Stimpson:    Prodr.  II.  21. 

Habi  tacul  um.  Sublittoralis  inter  Vlvas  in  locis  limosis,  in 
porfu  Virginiano  ,.Norfolk"  (Stimpson). 

3.  Polina  cervicalis  STIMPSON. 

Corpus  gracile  cervice  angustatum,  supra  salmoneo- rubrum. 
Caput  discretum  late  rhomboidale,  antice  obtusum  et  emaryinatum. 
Ocelli  minuti,  in  acervos  quatuor  confluentes  aggregati;  anteriores 


i)  Animalcula  a  cl.  Gaimard   in  Voyage  en  Scandinavie  etc.    Zool.  Tab.  C.  23—29 
depicta  forlasse  huie  generi  proxima. 


266  D  i  e  s  i  n  g. 

elongati  laterales ;    posteriores  rotundati   sublaterales.    Longit.  3", 
latit.  ultra  1"'. 

Polina  cervicalis  Stimpson:  Prodr.  11.21. 

Habit aculum.  Littoralis  inter  lapides  in  portu  Simoda,  Ja- 
poniae   (Stimpson). 

XLV1II.  COSMOCEPHALA  STIMPSON. 

Corpus  depressum,  minus  contractile.  Caput  corpore  continuum 
vel  subdiscretum,  pictum,  utrinque  pseudorimis  incouspicuis  (lineis 
impressis  deculoribus)  cervicalibus  instructum.  Proboscis  laevis  ex 
apertura  in  margine  frontali  inferiore  sita  protractilis.  Os  .  .  .  Ocelli 
plurimi,  minus  conspicui,  utplurimum  in  margine  capitis  antico-late- 
rali  dispositi.    Sexus  et  anus  ....  Marium  orientalium  incolae. 

1.  Cosmocephala  Beringiana  STIMPSON. 

Corpus  elongatum  depressiusculum  pseudorimis  cervicalibus  in- 
ferioribus,  una  transversa  utrinque  sita,  in  medio  vix  confluentibus, 
supra  cervinum,  subtus  pallide  aurantiacum.  Caput  vix  subdiscre- 
tum, breve,  corpore  angustius,  antice  rotundatuui  et  emarginatum, 
infra  pseudorima  longitudinali  mediana  cervinum,  maculis  angu- 
laribus  albis  in  fronte  et  lateribus;  fascia  pone  cervicem  transversa 
angusta,  alba,  retrorsum  convexa.  Ocelli  numerosi ,  utrinque  in 
acervos  duos  dense  aggregati.  Longit.  3",  latit.  ultra  2'". 
Cosmocepliala  Beringiana  Stimpson:  Prodr.  II.  21. 

H  abitacu  lum.  E  fondo  sabuloso  profunditalis  5  orgyiarum, 
in  freto  Beringiano  (Stimpson). 

2.  Cosmocephala  Japonica  STIMPSON. 

Corpus  subelongatum ,  postiee  obtusum,  subaequale,  cervice 
utrinque  pseudorima  obliqua  antrorsum  curvata  notatum,  supra  brun- 
neum  subtus  album.  Caput  breve  subdiscretum,  fronte  rotundatum, 
ad  aperturam  profunde  fissum,  brunneutn,  linea  mediana  et  maculis 
in  fronte  minutis  irregularibus  decoloriluis  nee  non  fronte  et  maculis 
cervicalibus  triangularibus  albis  pictum.  Ocelli  niagni,  in  capitis 
marginibus  anticis  lateralibus,  utrinque  10 — 15.  Longit.  4",  latit. 
ultra  2'". 

Cosmocephala  Japonica  Stimpson:  Prodr.  II.  22. 

Habita  eulum.  Littoralis  in  rupiura  fissuris  et  sub  lapidibus 
in  portu  Simoda  in  Japonia  (Stimpson). 


Revision  der  Turbellarien.  <wt)7 

ö*  Lobocephala:  Caput  lodatum. 

Familia  XXI.  Hypoloba  Dies.  Corpus  depressum  vel 
planum.  Caput  tliscretum  subtus  rima  longitudinali  v.  marginibus  Ion— 
gitudinalibus  inflexis  bilobum,  cavum  v.  solidum.  Proboscis  et  os  .  .  . 
OceJIi  nullt.    Sexus  et  anus .  .  .   Maricolae  hemisphaerae  australis. 

XLIX.  COLPOCEPHALUS  DJESING.     Charaef.  emeiid. 

Borlasiae  spce.  Quoy  et  Gaimard.  —  Tetrastemmatis  sp.  ?  Oersted. 

Corpus  depressum  lineare.  Caput  diseretum  subovatum,  sub- 
tus rima  longitudinali  bilobum,  cavum,  supra  apice  emarginatum. 
Proboscis  ...  Os  .  .  .  Ocelli  nulli.  Sexus  et  anus  .  .  .  Mari  um  orien- 
talium  incolae. 

1.  Colpoeephalus  quadripunctatas  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  255. 
II  ab  i  ta  cu  1  um.     In    Anatifa    maris    Amboiuensis    (Quoy    et 
Gaim  a  rd). 

L.   CHLAMYDOCEPHALUS  DIESING.     Charaet.  emend. 

Borlasiae  spee.   Quoy  et   Gaimard. 

Corpus  elongatum  planum.  Caput  diseretum  cordatum  depres- 
sum, subtus  marginibus  longiludinalibus  inflexis  bilobum,  solidum. 
Proboscis  ...  Os  .  .  .  Ocelli  nulli.  Sexus  et  anus  ....  Maricolae, 
hemisphaerae  meridionalis  incolae. 

1.  Chlamydoceplialns  Gaiinardi  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  255. 
Habita eul um.    In  sinn  insulae  Novae  Zeelandiae  (Quoy  et 
Gaiiii  ard). 

Familia  XXII.     Acroloba  Dies.     Corpus    proteum, 

teretiusculum  vel  subeylindricum  compressiuseulum  vel  depressum. 
Caput  corpore  coutinuum  uniiobum  aut  bilobum,  lobis  terminalibus. 
Proboscis  terminalis  e  capitis  margine  superiore  protractilis.  Os  ter- 
minale in  medio  capitis.  Ocelli  nulli.  Sexus  ....  Anus  terminalis 
posticus.  ; —  Maricolae  hemisphaerae  borealis. 

LI.    STTMPSONIA  GIRAllD. 

Corpus  subeylindricum  compressiuseulum.  Caput  corpore  con- 
tinuum,  membrana  circnlari  laevi  retroflexa  einetum,  margine  cepbalico 
.superiore  in  lobum  terminalem  spathaeformem  produeto.    Proboscis 


£Öo  D  i  e  s  i  n  jj. 

protracta  spatha  inclusa.    Os  terminale  in  medio  capitis.   Ocelli  nulli. 
Sexus  et  anus  ....   Marieolae  Americae  septentrionalis. 
Lobus  cephalicus  organon  adhaesionis. 

1.  Stimpsonia  anrantiaca  GIRARD. 

Corpus  compressiusculum  purpurascens  vel  virescens,  fasciis 
transver.salibus  irregularibus  numerosis,  laete  aureis.  Lobus  cepha- 
licus ovato-lanceolatus  margine  undulatus,  interdum  marginibus 
basilaribus  inflexis.  Os  amplum  circulare.  Longit.  ad  6",  latit. 
ad  3"'. 

Stimpsonia  aurantiaca  Girard:   in  Proceed.  Acad.  Philad.  VI.  366.  — 
R.  Leuchart;  in  Troschel's  Arch.  1854.  II.  354. 

H  a  bita  cu  lum.  In  arenae  cavis  vertiealibus  Fort  Johnston  in 
Carolina  ineridionali  (Girard). 

LH.  RAMPHOGORDIUS  RATHKE.     Charact.  reform. 

Corpus  teretiusculum  tiliforme.  Caput  corpore  continuum,  lobis 
duobus  terininalibus  superpositis,  supero  majore,  rostrum  simulanti- 
bus.  Ost  tum  meatus  proboscidem  protractilem  excipientis  ad  basin 
loborum  collocatum.  Os  . . .  Ocelli  nulli.  Sexus...  Anus  terminalis 
posticus.   Marieolae  Europae  septentrionalis. 

Apertura  ad  basin  loborum  sita,  ex  analogia  cum  genere  praecedente, 
proboseidis  exitui  potius  inservire ,  quam  oris  aperturam  in  mentem  cl.  auctoris 
sistere  videtur,  quod  simul  de  genere  subsequente  valeret. 

1.  Rhaniphogordins  lactens  RATHKE.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  256. 
H  a  bita  c u lum.    In  Norvegia  prope  Molde  (Rathke). 

LI1I.   LOBILABRÜM  BLAINVILLE.     Charact.  refbrm. 

Corpus  elongatum  depressum  utrinqne  dilatatum ,  proteum. 
Caput  corpore  continuum  lobis  duobus  terininalibus  horizontaler 
patentibus,  bilobis.  Ostium  meatus  proboscidem  protractilem  exci- 
pientis amplum  inter  lobos.  Os  .  .  .  Ocelli  nulli.  Sexus  ....  Anus 
terminalis  posticus.  Marieolae  Europae  temperatae. 

1.  Lobilabrum  ©strearium  BLAINVILLE.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I. 
256. 

Hahitaculum.  In  tubulo  ex  arena  contlato,  ad  superficiem 
testae  Ostreae  edulis,  in  canale  La  Manche  (Blainville). 


Revision  der  Turliellarien.  <&uil 

Subtrihus  II.     Rh  y  nchocoel  a  porocephala. 

Cephaloporus  iniicus  ant  2  v.  4  oppositi,  rarius  2  juxtapositi  *). 
—  Sexus  discretus. 

Familia  XXIII.  Prorliyiichidea.  Dies.    Character 

generis  unici  simul  familiae. 

UV.  PRORHYNCHUS  SCHUTZE. 

Corpus  subcylincfrieum.  Caput  corpore  continuum.  Cephalopori 

foveaefonnes  marginales  duo  oppositi.  Proboscis  terminalis,  centralis 
protractilis,  pugione  armata.  Os  proprium  nulluni.  Oesophagus  ex- 
tensilis  cylindricus.  Aperiura  capitis  terminalis  nunc  oesophagi 
nunc  proboscidis  egressui  inserviens.  Ocelli  nulli.  Sexus  discretus. 
Anus  terminalis  posticus.  —  Aquarum  dulcium  Europae  incolae.  — 
Formae  minores,   aliquot  lineas  longae. 

1.  Prorhynchas  stagnalis  SCHULTZE. 

Corpus  subcylindricum  antrorsum  parum  attenuatom,  alhum. 
Cephalopori  reniformes,  ciliati.  Proboscis  directe  retractilis,  brevis, 
pugione  terminali,  sagittato,  aperturae  proboscidis  approximato  ar- 
mata. Oesophagus  margine  crenulata.  Longit.  fem.  il/2  —  2'", 
latit  i/§'#/. 

Notitiae  anatomicae.  Pugio  proboscidis  Capsula  subcylindrica  antice  per- 
forata  inclusus.  Vesica  liquorcm  venenosuni  continens  cum  pugione  canalis  ope 
juncta  in  musculosa  posteriore  proboscidis  parte.  —  Ovarium  utriculiforme 
retrorsum  situm.  Apertura  genitalis  nulla  observata.  —  Vasa  aquifera  ramosa 
haud  contractilia  intus  vibrantia  in  anteriore  corporis  parte  visa.  —  Ganglia 
cerebralia  duo  commissura  una  juncta,  singulum  filum  nerveum  ad  cephalo- 
poruin  et  alterum  retrorsum  emittens. 

Prorhynchus  stagnalis  Schultze :  Beitr.  Turbell.  60—62.  Tab.  VI.  1. 

Habitaculum.  In  piscino  turfoso  prope  Gryphiam  initio 
Aprili  individua  juvenilia  agama,  fine  Aprilis  et  Augusto  individua 
feminea  organis  genitalilius  instructa  (Schultze). 

2.  Prorhynchas  fluTiatilis  LEYDIG. 

Corpus  antrorsum  parum  angustatum,  alhum.  Proboscis  brevis, 
pugione  hicruri.    Longit.  .  .  . 

Prorhyncbus    fluviatilis    Leydig:    in    Müller's    Archiv.     1854.    290. 

Tab.  XI.  7. 
Habitaculum.    Sub  saxis  fluvii  Moeni,  Novembri  (Leydig). 


*)    Ditaetoirhochma. 


ä70  D  i  e  s  i  n  g. 

Familia  XXIV.  Emeidea  Dies.  Cbaracter  generis 
unici  simul  farniliae. 

LV.   EMEA  LEIDY. 

Corpus  lineare  depressum.  Caput  corpore  continuum.  Cepha- 
lopori  foveaeformes  marginales  utrinque  duo.  Proboscis  terminalis 
excentrica,  protractilis,  pugione  armata.  Os  et  Oesophagus.... 
Ocelli  nunc  4  nunc  6.  Sexus  discretus.  Anus  ....  Aquarum  dul- 
cium  Americae  borealis  incolae.  Formae  minores,  aliquot  lineas 
longae. 

1.  Emea  rubra  LEIDY. 

Corpus  irregulariter  contractile  postice  rotundatum,  rufescenti- 
vel  flävescenti-carneum.  Caput  rotundatum.  Cephalopori  cireulares. 
Proboscis  per  intus  susceptionem  retractilis,  longa,  tortuosa,  villosa, 
pugione  subulato,  et  aciculis  auxiliaribus  utrinque  4  burseola  inclusis 
armata.  Ocelli  nunc  4  nunc  6;  utrinqne  2  vel  3  in  serie  longitudiuali 
postpositi,  interdum  irreguläres,  nigri.  Longit.  feminae  1 — 6  imo 
10"',  latit.  Vr-Vs  iino  W"- 

Emea  rubra  Leidy :  in  Proceed.  Acad.  Phil  ad.  V.  125  et  288. 

Habitaculum.  In  paludosis  prope  Philadelphiam;  individua 
feminea  maxima  saepe  ovulis  evolutis  carentia,  aliaque  1—3  lineas 
longa  ovulis  magnis  flavis  3  —  18  praedita  interdum  observavit 
Leidy. 

Var.  a.     Corpus  album.     Longit.  2'",   latit.  1/6 "'. 
Emea  rubra  var.  a  Leidy  1.  s.  c. 
Habitaculum.    Sub  saxis  in  rivolo  Schuylkill  (Leidy). 

S p e c i e s  inquirendae. 

2.  Emea  Dngesii  LEIDY. 

Polia  Dugesii  Qualrefages:  Reell.  Anatom,  et  Zool.  II.  211. 
Emea  Dugesii  Leidy:  in  Proceed.  Acad.  Pliilad.  V.  288. 

3.  Emea  lumbricoidcs. 

Tetrastemma  lumbricoidcs  Ehrenberg:  Akaleph.  des  rotlieu  Meeres  6ß. 

—  Diesing:  Syst.  Helm.  1.  2S9.  —  Schultee:  Turbell.  I.  61. 
Habilaculo  adde:   Berolini  (Müller). 
A  el.  Müller  proboscis  et  burseolae  aciculiferae  observatae. 


Revision  der  Turbellarien.  Z  /  1 

Familia  XXV.  Tjpliloneniertinoa  Dies.  Corpus 
depressum  vel  teretiusculum.  Caput  corpore  confinuum  vel  strictura 
discrelum.  Ceplialoporus  unus  terminalis  aut  2  marginales  oppositi 
vel  4  cruciatim  eonvergentes.  Proboscis  terminalis  aut  in  capitis 
pagina  ventrali  collocatus,  protractilis,  inermis,  rärissime  pugione  et 
burseolis  aciculiferis  instructa.  Os  ventrale  infra  caput  situm,  utplu- 
rimum  acetabuliforme,  oesophago  ....  Ocelli  nulli.  Sexus  discretus. 
Anus  terminalis  posticus.  Maricolae.  Formae  majores  saepe  lon- 
gissimae. 

ol  Proboscis  infera. 
LVI.   TUBÜLANl  S  HEMER.    Cbaract.  reform. 

Nemertis  spec.  Ocrsted.  —  Gordii  spec.  Delle  Chiaje?  —  Cerebratuli  et  Sipho- 
nenteronis  spec.  Renier.  —  Valenciniae  spec.  ?  Meneghini. 

Corpus  elongatum  teretiusculum.  Caput  strictura  a  corpore 
discretum.  Ceplialoporus  terminalis  transverse  riniaeformis.  Probo- 
scis in  medio  capitis  paginae  ventralis  ex  apertura  longitudinali  prö- 
tractilis. Os  ventrale  retro  caput  situm.  Ocelli  nulli.  Sexus  .... 
Anus  terminalis  posticus.  —  Maricolae. 

An  apertura  terminalis  revera  ceplialoporus  sit,  adhuc  incertum,  et  inde 
ebaraeter  genericus  nequaquam  satis  bene  stabilitus. 

1.  Tubulanus  polymorphe  HEMER. 

Corpus  retrorsum  partim  attenuaturo,  variabile,  castaneo-brun- 
neum.  Caput  liemispliericum.  Proboscis  ex  apertura  lineari  prö- 
tractilis (?).  Os  longitudinale  labiis  lateralibus  elevatis,  albis.  Longit. 
ad  11",  latit.  ad  3'";  longit.  capit.  3'";  longit.  oris  2'".  Renier. 
—  Specimen  spiritu  vini  servatum  3 — 4"  longum,  ad  2"  latum. 

Tubulanus  polymorphus  Renier:  in  Collect.  Mus.  Caes.  —  Idein  Prosp. 
della  cl.  dei  Vermi  p.  XX.  1804.  —  Idem  Tavole  alla  classif.  VI.  (Ver- 
mi)  1807.  —  Idem  Eiern,  di  Zool.  111.  fasc.  I.  Tab.  XII.  1828.  —  Blain- 
ville:  in  Dict.  se.  nat.  LVII.  ö?3.  Atlas.  —  Aporoeeph.  Tab.  XXXVIII. 
3  (medioeris).  —  Meneghini:  in  Renier  Osserr.  postume  07 — 66  et 
120.  Tab.  XI.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  262  (excl.  diagnosi). 
Habitaculum.    In  mare  adriatico  (Renier). 

2.  Tubulanus  elegans  REMER. 

Corpus  depressiusculum  retrorsum  parum  altenuatum  liaud  va- 
riabile intense  castaneo-brunneum,  linea  longitudinali  dorsali  et  ven- 


272  D  i  e  s  i  n  g. 

trali  alba  et  transversalibus  numerosis  picturn.  Caput  ellipsoideum. 
Apertur a  proboscidis  exitui  inserviens  fissuraeformis ,  obsoleta.  Os 
subquadrangulare.  Longit.  ad  6",  latit.  ad  2",  Renier;  specimen 
spiritu  vini  servatum  21/2"  longum,  ad  1 l/z'"  latum. 

Cerebratolo  crocicchiato  Renier:  Comp.  Elem.  di  Zool.  Mss.  596. 
Sifonentero  elegante  Renier:  Elem.  di  Zool.  III.  fasc.  I.  Tab.  XII.  1828. 
Tubulanus  elegans  Renier:  in  Collect.  Mus.  Caes.  —  Blainville :  in  Dict. 
des  sc.  nat.  LVII.  574.  Atlas.  —  Aporoceph.  fig.  IV.  (satis  bona  ex- 
cept.  fissura).  —  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  262  (excl.  diagnosi). 
Siphonenteron  elegans  Meneghini:  in  Renier  Osserv.  postume  63. 
Habitaculum.    In  mare  adriatico  (Renier). 
Cl.  Meneghini  Valenciniam  ornatam  Quatrefages  ad  hanc  speciem 
non  sine  dubio  retulit. 

Species  inquirendae: 

3.  Tubulanus  pusillus  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  263. 

4.  Tubulanus  defractus  RENIER. 
Corpus  cinereum. 

Tabulano  disrompentesi  Renier:    Elem.  di  Zool.  III.  fasc.   I.   Tab.  XII. 

1828 
Tabulanus  defractus  Meneghini:  in  Renier  Osserv.  post.  63. 

Habitaculum.     In  mare  adriatico  (Renier). 

LVII.   CERERRATULUS  RENIER. 

Meckeliae  spec.  Auetor.  —  Siphonenteron  Renier.  —  Renieria  Girard. 

Corpus  elongatum  depressum  vel  teretiusculum ,  band  raro 
sponte  transverse  fissile.  Caput  corpore  contiuuum  v.  subdiscretum. 
Cephalopori  duo  longitudinales  marginales  antice  convergentes  vel 
paralleli.  Proboscis  in  pagina  ventrali  capitis  ex  apertura  rimae- 
formi  vel  circulari  protractilis,  inermis  vel  organis  urticationis  ob- 
sessa.  Os  ventrale  infra  eaput  vel  in  capitis  pagina  inferiore  situm. 
OceUi  nulli.  Sexus  ....  Anus  terminalis  posticus.  —  Maricolae 
utriusque  hemisphaerae. 

1.  Cerebratulus  marginatus  RENIER. 

Corpus  antrorsum  subeylindricum,  retrorsum  planum  taeniae- 
forme,  postice  truncatum,  lissile,  marginibus  crassis  suleo  lougitu- 

dinali  rnedio  percursis,  eiuerasceiis,  marginibus  albis  coerulesccnti- 


Revision  iler  Turhellarien.  4IO 

limbatis.  Caput  corpore  continuura  depresso-conicum.  Cephalopori 
ampli.  Proboscis  ex  apertura  subterminali  2l/2'"  ante  os  sita  pro- 
tractilis.  Os  amplum  in  medio  capitis  paginae  inferioris  situm,  lon- 
gitudinale,  4 — 5  lineas  longum,  labiis  rotundatis  rugosis.  Longit. 
8"  diametr.  corp.  ad  capit.  basiu  4 —  5'",  latit.  retrors.  9'"  —  1", 
crassit.  i/8— 3'". 

Cerebratulus  marginatus  Renier:  Prospetto  della  elasse  dei  Vermi  1804. 

XXI.  —   Idem  Tavol.  di   classif.  1807.  VI.  —  Idem  Elem.  di  Zoolog. 

III.  1.  Tab.  XII.  1828.  —  Meneghini:  in  Renier  Osserv.  post.  60—64 

(cum  anatom.). 

Marginato  murino  Renier:  Comp.  elem.  di  Zool.  msc.  §.  98 — 100. 

Cerebratulus  bilineatus  Blainv.,  nee  Renier:  in  Dict.  des  sc.  nat.  LVII. 

574.  Atlas.  —  Aporoceph.  f.  2  et  2  a- 
Meckelia  somatotomus  Diesing  (nee  Leuckart):  Syst.  Helm.  1.263  (par- 
tim). —  J.  Müller:  in  ejus  Aren.  18154.  83  remedium  contra  dilapsum 
spontaneum  vermium. 

Habita  cii  In m.    In  mare  adriatico  (Renier).  Tergesti  (Joh. 

Müller). 

Num  Cerebratulus  marginatus  a  cl.  Oers  ted  in  freto  prope  Hveen  repertus; 
(cfr.  Kroyer's  Naturbist.  Tidsskr.  IV  et  180  et  Oersted:  De  region.  marin. 
80  et  Entw.  einer  System.  Einth.  d.  Plattw.  94)  revera  ad  banc  speciem  pertineat 
nee  ne,  in  dubium  relinquo. 

2.  Cerebratulus  bilineatus  RENIER. 

Corpus  depressum  variabiie,  fissile,  intense  cinnamomeum, 
lineis  duabus  albis  parallel is  longitndine  corporis.  Cephalopori  bre- 
vissimi  convergentes.  Proboscidis  egressus  ....  Os  exiguum  ovale 
Longit.  ultra  2',  latit.  max.  */a". 

Cerebratulus  bilineatus  Renier:  Prospetto  della  class.  dei  Vermi  1804. 
p.  XXI.  —  Idem  Tav.  di  classif.  1807.  VI.  —   Blainville:  Dict.  des 
sc.  nat.  LVII.  1828.  574  (ex  descript.  nee  figura). 
Sifonentero  bilineato  Renier :  Elem.  di  Zoolog.  III.  1.  Tab.  XII.  1828. 
Cerebratulus  bilineatus  Delle  Chiaje?  Mem.  sugli  anim.  s.  vert.  IV.  204. 

Tab.  LXII.  9. 
Opbiocephalus  bilineatus  Delle  Chiaje?  Descr.  e  notom.  degli  anim.  invert 

1841.  III.  127.  V.  111.  Tab.  CVI.  9. 
Meckelia  bilineata  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  264. 
Siphonentei  on  bilineatum  Meneghini:  in  Renier  Osserv.  post.  64. 
Habitaculum.     In  mare  adriatico  (Ken  i er). 

3.  Cerebratulus  acutus  NARDO. 

Corpus  depressiini  utrinque  attenuutum,   medio  et  parte  poste- 
riore magis  comphinatum,  marginibus  acutis,  lacteum,  rufescens,  sub- 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  19 


Z  7  4  I)  i  e  s  i  n  g. 

pellucidum.  Caput  discrelum  ellipsoideum,  antice  truncatum.  Cepha- 
lopori breves  angusti.  Proboscis  ex  apertura  subterminali  rimaeformi 
longitudinali  protractilis.  Os  angiiste  ellipticum.  Longit.  ad  10",  latit. 
ad  5"';  longit.  capit.  ultra  1"',  latit.  1'". 

Cerebratulus  marginatus  Baer  nee  Renier:  in  Journ.  de  St.  Petersbourg 

1847.  April. 
Cerebratulus  acutus  Nardo  apud  Meneghini:  in  Renier  Osserv.  post.  65. 
Habitaculum.   In  limo  in  lagunis  Venetis  (Nardo)  —  prope 
Tergestum  (B  a  e  r). 

Animalculum  agile  nonnuinquam  natans. 

4.  Cerebratulus  rnber. 

Corpus  subeylindricum  depressiusculum,  lateritium,  subtus  pal- 
lidius.     Caput  corpore  continuum  conicum,  subtriangulare.     Cepha- 
lopori  marginales.    Proboscis   ex  apertura  angusta  elongata,   haud 
proeul  ab  apice  anteriore  sita,  protractilis.   Os  .  .  < .  Longit.  4 — 5". 
Renieria  rubra  Girard:  in  Proceed.  Aead.  Philad.  VI.  (1854)  366. 

Habitaculum.  In  arenosis  et  limosis  prope  Fort  Johnston, 
Charleston  Harbor  (Girard). 

5.  Cerebratulns  inacrostoutus. 

Corpus  depressiusculum  viride-coeruleum.  Caput  attenuatum. 
Cephalopori  subterminales  breves  apice  convergentes.  Proboscis 
ex  apertura  circulari  ante  os  sita  protractilis  organis  urticantibus 
obsessa,  apice  acetabuliformis,  eminentiis  4  Organa  urticantia  longa 
foventibus.  Os  oblongo-ovale,  longitudinale,  amplum,  ad  basin  ca- 
pitis.   Longit.  ad  73/4",  latit.  4'". 

Meckelia  macrostoma  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  XIV  et  42.  Tab. 
XI.  92. 

Habitaculum.  In  oceano  paeifico,  Auckland  in  Nova  Zelan- 
dia  (Schmarda). 

Fortasse  hujus  generis: 

6.  Cerebratulus?  urticans. 

Corpus  depressum  retrorsum  attenuatum,  fissile,  carneum  vel 
rufo-brunneum.  Cephalopori  rimaeforuies  paralleli  (?).  Proboscis 
organis  urticantibus  insignibus  et  simul  corpusculis  bacillaribus  multo 
minoribus  inter  parietes  praedita.    Longit.  .  .  . 

Meekeliae   spec.   Max  Müller:   Observ.  anat.  de  verm.  quibusd.  marit. 

1852.28.  Tab.  III.  13. 
Meckelia  (Cnidon)  urticans  Job.  Midier  in  ejus  Arch.  1854.  84. 


Revision  der  Turbellnrien.  -i75 

Habitaculum.    In    mare  adriatico    prope  Tergestum   (Job. 
Müller). 

Armatura  proboseidis  similis  illi  C.  macrostomi  Sc  hm  ar  da. 

,3)  Proboscis  terminalis. 
LVIII.    MECKELIA  LEUCKART. 

Ascaris,  Faseiolae  et  Planariae  spec.  Müller.  —  Borlasiae  spec.  Oleen.  —  Gor- 

dius  Montagu.  —  Linnens  Sowerby.  —  Carinella  Johnston.  —  Nemertes  Jfem- 

prich  et  Ehrenberg.  —  Ophiocephalus  Quoy  et  Gaimard.  —  Polia  Delle  Chiaje. 

—  Serpentaria  Goodsir.  —  Leodes  Girard.  —  Cerebratulus  Stimpson  nee 

Renier. 

Corpus  elongatum  depressum  v.  teretiusculum,  baud  raro  sponte 
transverse  fissile.  Caput  corpore  continuum  vel  strictura  discretum. 
Cephalopori  duo  longitudinales  marginales.  Proboscis  terminalis 
protractilis  inermis,  rarissime  pugione  et  burseolis  aciculiferis  in- 
strueta.  Os  ventrale  infra  caput,  utplurioium  acetabuliforrne.  Ocelli 
nulli.  Sexus  et  anus  .  .  .  Maricolae,  utriusque  bemisphaerae. 

Ex  observationibus  a  cl.  viiis  Stimpson  etSchmarda  in  animalibus 
vivis  institutis  patet,  proboseidem  in  speciebus  suis  deseriptis  (exeepta  Mecke- 
lia  macrostoma  Schmarda)  ex  apertura  tenninali  esse  protractilem;  hinc 
genus  hoc  a  praecedente  eo  modo  dilTert  quam  Borlasia  a   Valencinia. 

Situ  proboseidis  in  omnibus  speciebus  hujus  generis  rite  cognito,  non- 
nullae  earum  fortasse  generi  piaecedenti  adnumerandae  erunt.  —  Principium 
firmum  in  distributione  specierum  frustra  quaesivi  et  hinc  colores  in  dispositionc 
Meckeliarum  praedilexi. 

Conspectns  dispusitionis  speciemni. 

*  Corpus  supra  album,  cinereum  vel  cinereo-fuscum  sp.  1 — 7. 
**  Corpus  supra  flavum,  flavido-album,  ochraceum,  aurantiacum  vel  cro- 
ceum  sp.  8 —  1 5. 
***  Corpus  supra  viride,  olivaceum.  fusco-olivaceum  v.  nigro-viride  sp.  16 — 2a. 
****  Corpus  supra  atro-coeruleum  sp.  26 — 27. 
*****  Corpus  supra  rubrum,  roseum,  carneum,  sanguineo-rubrum,  brunneum 
vel  nigro-fuscum  sp.  28 — 45. 
Species  inquirendae:   sp.  46 — 52. 


*    Corpus  supra  album,  cinereum,  vel  cinereo-fuscum. 

1.  Meckelia  lactea  LEIDY. 

Corpus  lacteum,  teretiuscnlum,  expanstim  depressiusculum,  an- 
troisum  increscens,  postice  subacutum,  marginibus  tenuibus  undulatis. 


276  D  i  e  s  i  n  g-. 

Caput  depressiuseulum  antice  obfusum,  mutabile,  nunc  subconicum, 
nunc  hastatum.  Cephalopori  1  i/zl"  longi.  Proboscis  ...  Os  longi- 
tudinale  ovale.  Longit.  corp.  expansi  5 — 6",  latit.  3'",  crassit.  1'"; 
corp.  contracti  1",  latit.  2'";  crassit.  \xl%'". 

Meckclia  lactea  Leidy:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  V.  (18S1).  243. 
Habitaculum.     In   limo   sub   Iapidibus   et  conchis   vacuis  ad 
littora  Great  Egg  Harbor,  New  Jersey  (Leidy). 

2.  Meckelia  iagens  LEIDY: 

Corpus  lacteum,  taeniaeforme,  retrorsum  attenuatum.  Caput 
depressum,  obtusangulum.  Proboscis....  Cephalopori  profundi. 
Os  rimaeforme,  longituilinale.  Longit.  uniusulnae;  speciminis  spiritu 
vini  servati  15",  latit.  8'",  crassit.  ^i/2'"- 

Meckelia  ingens  Leidy:  in  Journal  Aead.  Philad.  2.  ser.  III.  (1855).  11. 

Habitaculum.  In  ostreariis  Beesley's  Point,  New  Jersey 
(Ashmead). 

3.  Meckelia  albnla  STI3IPS0N. 

Corpus  depressum  album,  retrorsum  dilatatum,  pallide  aurantia- 
cum.  Caput  strictura  discretum,  lanceolatum,  apiceobtuso,  pallide 
griseum.  Cephalopori  ad  cervicem  usque  protracti,  rimaeformes. 
Proboscis  ex  apertura  minuta  protractilis.  Os  amplum  versus  tinem 
cephalopororum.   Longit.  3",  latit.  3'". 

Meckelia  albula  Stimpson:  Prodr.  II.  18. 

Habitaculum.  In  mare  Sinensi  boreali,  latit.  bor.  23°,  longit. 
Orient.  115°;  in  fundo  arenoso  profunditate  24  orgyiarum  (Stimp- 
son). 

4.  Meckelia  .Somatotomus  LEUCKART. 

Corpus  depressum  Iigulaeforme  retrorsum  fissile,  obscure 
cinereum,  inarginibus  albo  - limbatis.  Caput  corpore  continuum, 
trianguläre.  Os  amplum  Iongitudinale  bilabiatum.  Longit.  fragmenti 
unius  l'/a',  alterius  fere  3'. 

Meckelia  Somatotomus  Leuchart:  Breves  animai.  descript.  1828.  17.  — 

Dies.  Syst.  Helm.  I.  263.  (excl.  Cerebratulo). 
Nemertes  Somatotomus  Oersled:  Entw.  einer  syst.  Kinth.  d.  Blattw.  92. 

Habitaculum.   Prope  Cette  (L  e  u  c  k  a  r t). 
Vermis   hie   Nemerti   ligurico    (Cerebratulo  ligurico   Quatref.)   valde 
similis,  ast  ocellis  ael.  Leuckart  haud  memoratis  abunde  diversus. 


Revision  der  Turbellarien.  Zit 

5.  Meckelia  Leuekarti  DIESING. 

Corpus  teretiusculum  retrorsum  attenuatum,  sulcis  annularibus 
regularibus,  lissile,  supra  griseurn  suhtus  sordide  Hamm.  Caput 
breve  obtuse  conicum  depressiusculum.  Cephalopori  insignes  antice 
arcuatim  confluentes.  Proboscis  ex  apertura  rimaeformi  protractilis. 
Os  amplum  ovale.    Longit.  1"  2'",  latit.  antrorsum  ad  2'". 

Ncmertes  annellata  Leuckart:  in  Troschel's  Arch.  1849.  I.  153. 
Habitaculum.  Ad  littus  austro-occidentale  Islandiae  (Berg- 
mann). 

Propter  ocellos   a  cl.  auctore  haud  memoratos  speciem  hanc  Meckeliae 
generi  adnuraeravi. 

6.  Meckelia  impressa. 

Corpus  complanatum,  in  medio  dilatatum,  utrinque  subangusta- 
tum,  supra  griseo  -  fuscum ,  lineis  impressis  (vel  sulcis  linearibus) 
transversis  decoloribus.  Caput  elongatum  parvum  subtruncatum,  cor- 
pore inulto  angustius,  carneum,  punctis  fuscis  prope  angulos  anticos 
laterales.  Cephalopori  ad  cervicem  usque  producti,  rimaeformes. 
Proboscis  ex  apertura  minuta  protractilis.  Os  ad  basin  cepbaloporo- 
rum.    Longit.  fere  4",  latit.  ad  4'". 

Cerebratulus  impressus  Stimpson:  Prodr.  II.  16. 

Habitaculum.  Prope  insulas  freti  Beringiani,  in  fundo  limoso 
profunditate  20  orgyiarum  (Stimpson), 

7.  Meckelia  bella. 

Corpus  depressum  postice  subtruncatum,  in  medio  vix  dilatatum, 
supra  cinereo-luscuin,  fasciis  aut  lineis  transversis  coeruleo-albis  ad 
decem  oinatum,  subtus  albuni.   Caput  breve  antice  truncaturn,  cinna- 
barinum.   Cephalopori  ad  cervicem  usque  protracti,  rimaeformes  .  . 
Proboscis  ex  apertura  minuta  protractilis.    Os  .  .  .    Longit.  9"',  latit. 

ad  y4'". 

Cerebratulus  bellus  Stimpson:  Prodr.  II.  17. 

Habitaculum.  Prope  oras  insulae  Jesso  in  concliis  vacuis 
e  fundo  limoso  profunditate  sex  orgyiarum  (Stimpson). 

**  Corpus  supra  tlavum,  tlavido-albuni,  oehraceum,  aurantiacum  vel  croceum. 

8.  Meckelia  Lizziae  GIRARD. 

Corpus  depressiusculum  flavido-album.  Caput  breve  rotundatum. 
Cephalopori  et  proboscis . . .  Os  ovale  anfice  acutum.  Longit.  6 — 8". 
Meckelia  Lizziae  Girard:  in  Proceed.  Aead.  Philad.  VI.  367. 


278 


D  i  e  s  i  n 


Habitaculum.  In  arena  prope  Fort  Johnston,  Charleston 
Harbor  (Girard). 

9.  Meckelia  Pocohontas  GIRARD. 

Corpus  longissimum  depressnm,  marginibus  acutis,  flavido- 
album,  antrorsum  rufescens.  Caput  corpore  continuum,  acute  coni- 
cum.  Cephalopori  antrorsum  convergentes.  Proboscis  ex  apertura 
rimaeformi  protractilis.  Os  elongatum  angustum.  Longit.  ad  3'; 
spiritu  vini  contr.  1  l/z'. 

Meckelia  Pocohontas  Girard:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  VI.  366. 
Habitaculum.     Ad    oras   Carolinae    borealis    et  meridionalis 
(Girard). 

10.  Meckelia  piperata  ST1MPSON. 

Corpus  longissimum  graeile  retrorsum  vix  dilatatum,  supra 
pallide  fulvum,  nigro-punctatum  et  transverse  notatum,  fascia  longi- 
tudinali  mediana  nigra  antrorsum  interrupta;  marginibus  albis.  Caput 
vix  subdiscretum  quadrangulare  maculis  duabus  magnis  nigris.  Cepha- 
lopori longi  parum  convergentes.  Proboscis  ex  apertura  ampla  pro- 
tractilis. Os  inter  cepbaloporos  situtn,  parvum,  transverse- ovale. 
Longit.  8",  latit.  ultra  V" . 

Meckelia  piperata  Stimpson:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  VII.  381. 
Lineus  piperatus  Stimpson:  Prodr.  II.  16. 

Habitaculum.  In  portu  insulae  „Kikaisima"  Japoniae  austra- 
lis;  sublittoralis  inter  lapillos  et  algas  (Stimpson). 

11.  Meckelia  gracilis  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  268. 
Habitaculum.  Ad  littora  Hiberniae  (Goodsir). 

12.  Meckelia  carmellina  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  265. 
Habitaculum.  Drepani  in  Sicilia  (Quatrefages). 

13.  Meckelia  striata  SCHMARDA. 

Corpus  planum  flavum,  lineis  dorsalibus  tribus,  mediana  obscure 
rubra,  exterioribus  rosaceis.  Caput  vix  discretum  sublanceolatum. 
Cephalopori  paralleli,  cinnabarini.  Proboscis  ex  apertura  ellipsoidea 
protractilis.  Os  subtriangulare  antice  latius  ad  basin  cephalopororum. 
Longit.  9i/2",  latit.  2'". 

Meckelia  striata  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  43.  Tab.  XI.  95. 

II  a  b  i  t  a  c  u  1  u  in.  In  oceano  indico,  ad  oram  Orientalen!  Ceyloniae 
sub  saxis  (Schmarda). 


Revision  der  Turbellarien.  tt  (\) 

14.  Mcckclia  aurantiaca  GRUBE. 

Corpus  teretiusculum  haud  proteum,  supra  aurantiacum,  sulttus 
marginibusque  album.  Caput  corpore  conti nuum,  album,  supra  ma- 
cula  triangulari  violacea  frontali.   Proboscis  inermis.    fls...  Longit. 

corporis  expansi  i  —  \*/z",  latil.  '  ./";   longit.  corp.  contracti  T1/.'", 
latit.  vV". 

Meckelia  aurantiaca  Grube:  in  Troscbel's  Arcb.  1855.1. 148.  Tab.  VJI.l. 

Habitaculum.  Inter  plantas  marinas  in  limo,  in  sinn  prope 
Villafranca  rarius  (Grube). 

Cephaloporis  nullis  observatis  fortasse  potius  Borlasiae  quam  Meckeliae 
species.  —  Animalculum  agile,  serpentis  nioilo  natans.  —  Corpus  fragile. 

15.  Meckelia  fittata  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  266. 
Habitaculum.    Ad  Australasiam  prope  Hobart -Town  (Quoy 

et  Gaimard). 

"**  Corpus  supra  viride,  olivaceum,  fuseo-olivaceum,  vel  nigro-viride. 

16.  Meckelia  albovittata  STI3IPSOtf. 

Corpus  gracile,  supra  viride,  subtus  pallidius.    Caput  corpore 
continuntn  elongatum,  subreetangulare,  truncatum,  corpore  angustius, 
fascia  transversa  submeiliana  alba,    ante  fasciam  albo-marginatum. 
Cephalopori  ultra  fasciam  lorige  produeti,  rimäeformes.   Proboscis  ex 
apertnra  minuta  protractilis.    Os  .  .  .  Longit.  3",   latit.  ultra  1"'. 
Meckelia  albovittata  Stimpson:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  VII.  382. 
Cerebratulus  albovittatus  Stimpson:  Prodr.  II.  17. 
Habitaculum.     Littoralis  inter  algas  in  rupium  fissuris,  ad 
insulam  Loo  Cboo  (Stimpson). 

17.  Meckelia  viridis  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  267  adde: 

Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  43. 

Habitaculum.  In  Australasia  ad  Port  -  Jackson,  inter 
Fucos  (Quoy  et  Gaimard)  prope  Trinkomali  ad  oras  Ceyloniae 
(Schmarda). 

18.  Meckelia  trigonocephala  SCHMARDA. 

Corpus  depressiusculum  olivaceum.  Caput  discretum,  triangu- 
läre. Cephalopori  antrorsum  convergentes ,  oblongi,  ampli  et  pro- 
fundi,  rosaeei.  Proboscis  ex  apertura  terminali  (?)  oblonga  ovali 
protractilis.  Os  ovale  longitudinale  rosaceum  ad  basin  cephalo- 
pororum.  Longit.  2",  8'",  latit.  2'". 


280  D  i  e  8  i  n  g. 

Meckelia  trigonocephala  Schmarda  1.  s.  c.  43.  Tab.  XL  94  (solum  pars 

anterior). 
Habitaculum.  In  oceano  indico,  ad  oram  meridionalem  Cey- 
loniae,  ad  rupes  Corallium  (Schmarda). 

Numne,  proboscide,  ut  videtur,  haud  exacte  terminali,  potius  generi  Cere- 
bratulo  adnumeranda. 

19.  Meckelia  ©leagina  STIMPSON. 

Corpus  supra  convexum,  antrorsum  latins,  obscure  olivaceum, 
retrorsum  pallide  viride.  Caput  corpore  continuum  ejusdemque  lati- 
tudinis,  breve,  fronte  elliptice  rotundata.  Cephalopori  ad  cervicem 
usque  producti,  rimaeformes.  Proboscis  ex  apertura  rimaeformi  ver- 
ticali  protractilis.  Os  amplum  ad  basin  cephalopororum.  Longit.  3", 
ladt,  ultra  1". 

Meckelia  olivacea  Stimpson:  Proceed.  Acad.  Philad.  VII.  390. 
Cerebratulus  oleaginus  Stimpson:  Prodr.  II.  16. 

Habitaculum.  Portus  Simonis  apud  Promontorium  bonae 
spei,  vulgaris  in  fundo  arenoso,  profunditate  15  orgyiarum 
(Stimpson). 

20.  Meckelia  olivacea  RATHKE.  —  Dies.  Syst.  Heim.  I.  264. 
Cephalopori  albi. 

Habitaculum.  Prope  Melde  in  Norvegia  (Rathke). 

21.  Meckelia  Siphuncnlns  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  266. 
Habitaculum.   Prope  Neapolin  (Delle  Chiaje). 

22.  Meckelia  macrorrhochma  SCHMARDA. 

Corpus  planiusculurn  fusco  -  olivaceum.  Caput  discretum, 
oblongo  -  lanceolatum.  Cephalopori  ad  2y8'"  longi,  antrorsum 
convergentes ,  sanguineo-rubri.  Proboscis  ex  apertura  circulari 
protractilis.  Os  rimaeforme  longitudinale  fere  2'"  longum,  rubro- 
limbatum,    ad  basin  cephalopororum.      Longit.    fere    4",    latit.    ad 

2y3'". 

Var. ?  capensis.     Similis   praecedenti   sed   capite  obsolete  lanceolato 
linea  mediana  rubra  et  lineis  transversalibus  albis  ineompletis  distineta. 
Meckelia  macrorrhochma  Schmarda  I.  s.  c.  43. 
Meckelia  (capensis)  No.  731  •'•  Schmarda  ibid.  43.  Tab.  XI.  9(5. 
Habitaculum.    In  oceano  paeifico  ad  oram  Novae  Zelandiae. 
Var.  Ad  Promontorium  bonae  spei  (Schmarda). 


Revision  der  Turbellarien-  40  1 

23.  Meckelia  ceylanica  SCHMARDA. 

Corpus  taeniaeforme  ex  viridi  brunnescens.  Caput  corpore  con- 
tinuuin.  Cephalopori  longi  parallel),  rubescentes.  Proboscis  .  .  .  Os 
circulare  ad  basin  cepbalopororum.   Longit.  fere  4",  latit.  2'". 

Meckelia  ceylanica  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  1.  1.  42.  Tab.  XI.  93. 

Habitaculum.  In  oceano  indico  ad  oram  Orientalen!  Ceyloniae 
(S  c  h  in  a  r  d  a). 

24.  Meckelia  a  nun  In  in  GRUBE. 

Corpus  longissimum  depressiusculum  retrorsum  angustatum, 
fusco-viride,  faseiis  transversis  albis  dorso  interruptis  inaequaliter 
distantibus  30  —  70.  Caput  corpore  continuum.  Cephalopori  \l/2 — 
2"'  longi  antrorsum  convergentes(?).  —  Proboscis  inermis.  Os  pro- 
teum,  retro  basin  cepbalopororum.    Longit.  4 — 15",  latit.  1  >/3 — 6'". 

Meckelia  annulata  Grube:  Actin.  Echinoderm.  u.  Würmer  des  Adriatisch 
u.  Mittelmeeres  58.  Fig.  7  et  7  a-  —  Oersted:  in  Kroyer's  Naturh. 
Tidsskr.  IV.  579  in    nota.  —  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  264  (partim). 

—  Grube:  in  Troschel's  Arcli.  1855.  I.  146  (cum  descr.  exaeta). 

—  Idem  Ausflug  nach  d.  Quarnero  80. 

Nemertes  annulata  Oersted :  Entw.  einer  system.  Einth.  d.  Plattw.  91. 
Habitaculum.    Frope  Panormum  et  Neapolin,  in  cavis  saxo- 
rum  calcareorum  ad  littus  prope  Villafrancam  solitarie  (Grube). 

25.  Meckelia  Rnerii  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  265. 
Habitaculum.  Prope  Sebenico  in  Dalmatia  (Kner). 

****  Corpus  supra  atro - coeruleum. 

26.  Meckelia  atrocoeralea  SCHMARDA. 

Corpus  longissimum  subcylindrieum  nigro- coeruleum,  lineis 
transversalibus  albis.  Cephalopori  oblongi  breves  subterminales  an- 
trorsum convergentes,  rubri.  Proboscis...  Os  ovale  ad  basin  (?) 
cephalopororum.  Longit.  ad  19",  latit.  ad  4'". 

Meckelia  atrocoerulea  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  42.  Tab.  X.  91. 

Habitaculum.  In  oceano  paeifico  sub  saxis  in  arena  cum  limo 
mixta  ad  oram  Cbilensem  (Schmarda). 

27.  Meckelia  Serpentaria  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  266. 
Habitaculum.  Ad  littora  Hiberniae  (G  o  o  d  s  i  r). 


282 


'**  Corpus  supra  rubrum,  roseum,  carneum,  sanguineo-rubrum,  brunneum 
vel  nigro-fuscum. 

28.  Meckelia  rubella  ST1MPSON. 

Corpus  postice  valde  dilatatum ,  pallide  roseum.  Caput  discre- 
tum  parvum,  late  lanceolatum.  Cephalopori  valde  eiongati  post  cer- 
vicem  producti,  rimaeformes.  Proboscis .  .  .  Os  amplum,  longe  ellip- 
ticum  infra  Caput.  Longit.  2",  Iatit.  4"'. 

Meckelia  rubella  Stimpson:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  VII.  382. 
Serpentaria  rubella  Stimpson:  Prodr.  II.  18. 

H  abitacul  um.  In  portu  Hong-Kong  in  fundo  limoso,  profundi- 
tate  10  orgyiarüm  (Stimpson). 

29.  Meckelia  rosea  LEIDY. 

Corpus  expansnm  subcylindrieum,  eontractum  convexiusculum, 
subtus  planum,  postice  obtusum,  roseum  s.  laete  carneum,  margini- 
bus  pallidioribus,  subtus  lioea  mediana  obscuriore.  Caput  depressius- 
culum,  mutabile,  nunc  subconicum,  nunc  hastatum  albidum.  Probo- 
scis .  .  .   Os  circulare.    Longit.  2 — 6"'. 

Meckelia  rosea  Leidy:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  V.  (1851)  244. 

H  abitacul  um.  In  limo  sub  lapidibus  et  concbis  vacuis  ad 
littora  Great  Egg  Harbor,  New  Jersey  (Leidy). 

30.  meckelia  Oerstedii. 

Corpus  antrorsum  dilatatum  retrorsum  attenuatum,  roseum  vel 
brunnescens,  fascia  flava  pulverulenta  longitudine  corporis.  Caput 
corpore  continuum.  Cephalopori  antrorsum  convergentes,  retrorsum 
dilatati.  Proboscis  inermis.  Os  parvum  mutabile,  nunc  circulare,  nunc 
quincunciforme.     Longit.  ad  2",  latit.  max.  1  yV". 

Cerebratula  Oerstedii  Beneden:  Rech.  Faune  litt;  Belgique  16.  Tab.  II. 
1 — 4  (et  anatom.). 
Ha  bitaeul  um.  Inter  saxa  et  ad  plantas  marinas  in  profundo 
maris  ad  oras  Belgiae  (Beneden). 

31.  Meckelia  carnea  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  267. 
H  abitacul  um.  In  littore  Daniae  (Rathke). 

32.  Meckelia  aostralis  STIMPSON. 

Corpus  depressum  crassum,  marginibus  acutis,  carneum.  Caput 
lanceolatum  obtusum.    Cephalopori  breves.    Proboscis  ex  apertura 


I!e\  ision  der  Turbellarien. 


283 


minuta  protractilis.   Os  amplum,  antice  acutum,  postice  bifurcatum. 
Longit  6",  latit.  ad  4'". 

Bleckelia  australis  Stimpson:  Prodr.  II.  1tt. 

Habitaculuro.  In  portu  Jacksoni  Australiens!,  sublittoralis,  in 
arenis  läpidosis  (Stimpson). 

33.  Mcckclia  striolcntu. 

Corpus  elongatum,  antrorsum  convexiusculum,  retrorsum  depres- 
siusculum,  postice  attenuatum  acutum,  carneo-rubrum,  utrinque  linea 
marginal!  angusta  obscure  rubra  et  lineis  crebris  angustis  obscure 
griseis  vel  nigris  longitudinalibus  antrorsum  obscurioribus,  margini- 
bus  corporis  trientum  duorum  ultimorum  flavido- griseis;  subtus  ob- 
scure rubrum,  antrorsum  maculis  obscure  griseis  et  linea  mediana 
alba,  retrorsum  maculis  obscuris  nullis,  sed  linea  mediana  rubra  et 
marginibus  flavidis;  extremitas  caudalis  pallida,  maculis  paucis  sparsis. 
Caput  a  corpore  strictura  discretum,  corpore  parum  angustius,  elon- 
gatum  acutiusculum,  cinereum  maculis  longitudinalibus  nigris.  Cepha- 
lopori  profundi.  Proboscis  ex  apertura  longa  rimaeformi  protractilis. 
Os  .  .  .   Longit.  corp.  expansi  6",  latit.  ad  3"'. 

Leodes  striolenta  Girard:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  VI.  (18o4).  366. 

Habitaculum.   Sub  saxis,  prope  Furt  Jobnston  (Girard). 
Animaleulum  haud  fodiens. 

34.  Meckelia  palodicola. 

Corpus  depressum,  utrinque  obtusum,  postice  vix  dilatatum, 
sanguineo-rubrum,  antrorsum  nigricans,  retrorsum  pallide  olivaceum. 
Caput  latum  quadratum  antice  apiculatum.  Cephalopori  ad  cervicem 
usque  protracti,  rimaeformes.  Proboscis  ex  apertura  minuta  protrac- 
tilis. Os  ad  finem  cephalopororum.  Longit.  2X/Z ",  latit.  ultra  1'". 
Cerebratulus  paludicolus  Stimpson:  Prodr.  II.  16. 

Habitaculum.  Prope  urbem  Sinensem  Canton,  littoralis,  in 
aquis  subsalsis  fluvii  (Stimpson). 

35.  Meckelia  subacuta  STIMPSON. 

Corpus  antrorsum  vix  depressum,  carneum,  retrorsum  depres- 
sum subdilatatum ,  sanguineo-fnscum,  extremitate  postica  rotundata. 
Caput  corpore  continuum,  lanceolatum.  Cephalopori  rimaeformes. 
Proboscis  ex  apertura  minuta  protractilis.  Os  amplum.  Longit.  3i/s", 
latit.  ultra  1"'. 

Meckelia  subacuta  Stimpson:  Prodr.  IL  18. 


284 


D  i  e  s  i  n 


Habitaculum.  In  portu  Napa  insulae  Loo-Choo,  littoralis,  in 
Iimo  (Stimpson). 

36.  Meckelia  sinensis  STIMPSON. 

Corpus  teretiusculum,  retrorsum  parum  dilatatum,  rufo-brun- 
neum.  Caput  discretum,  elongatum,  antrorsum  angustatum  troncatum, 
pallide  fulvum,  maculis  rufo-brunneis,  postice  confertis,  antice  sparsis. 
Cephalopori  ad  cervicem  usque  protracti,  rimaeformes.  Proboscis  ex 
apertura  minuta  protractilis.   Os  .  .  .    Longit.  1  »/a",  latit.  ultra  1"'. 
Meckelia  Sinensis  Stimpson :  in  Proceed.  Acad.  Philad.  VII.  382. 
Cerebratulus  Sinensis  Stimpson:  Prodr.  II.  17. 
Habitaculum.    In  portu  Hong-Kong  in  fundo  conchoso  pro- 
funditate  10  orgyiarum  (Stimpson). 

37.  Meckelia  borealis  DIESING. 

Corpus  elongatum  proteum,  nunc  subcylindricum,  nunc  passim 
constrictum  s.  moniliforme,  rufo-brunneum.  Caput  corpore  continuum 
attenuatum.  Cephalopori  antrorsum  convergentes,  pallide  carnei. 
Proboscis  pugione  subulato  basi  globoso,  manubrio  subcylindrico 
medio  constricto  insidente  et  burseolis  aciculiferis  duabus  instructa. 
Os  retro  cephaloporos  situm.  Longit.  corp.  expans.  (ex  icone)  ad 
21/a">  contract.  vix  1". 

Gaimard:    Voyage  en  Scandinavie  etc.  Zool.  (Aporocephala).  Tab.  E. 
1 — 16  (cum  fig.  anatom.). 

Habitaculum.  In  mare  boreali  (Gai  ma  r  d). 

38.  Dleckelia  fasciata. 

Corpus  valde  depressum,  retrorsum  dilatatum,  antrorsum  sub- 
angustatum,  purpureo-fuscum,  lineis  transversis  subdistantibus  albis 
annulatum,  linea  cervicali  latiore.  Caput  oblongum  subdiscretum 
fronte  subtruncata  albo-marginata.  Cephalopori  ad  cervicem  usque 
producti,  rimaeformes.  Proboscis  ex  apertura  minuta  protractilis. 
Os  parvum  ellipticum,  ad  finem  cephalopororum.  Longit.  .  .  . 
Cerebratulus  fasciatus  Stimpson:  Prodr.  II.  17. 

Habitaculum.  Apud  oras  insulae  Jesso  Japoniae  borealis,  in 
fundo  arenoso-limoso  profunditate  4  orgyiarum  (Stimpson)- 

39.  Meckelia  cingalata  STIMPSON. 

Corpus  teretiusculum  gracile,  purpureo-fuscum,  albo-annulatum, 
annulorum  angustorum  dislantium  binorum  paribus  ad  decem.  Caput 
discretum  corpore  multo  angustius,  oblongum,  antrorsum  subattenua- 


Revision  der  Turbellarien.  vOi) 

tum  truncatum,  albo-marginatum,  fascia  transversa  bilunata  alba,  ante 
medium  sita.  Cephalopori  ad  cervicem  usque  producti,  rimaeformes. 
Proboscis  ex  apertura  minuta  protractilis.  Os  parvuin  ad  basin  capi- 
tis. Longit.  4",  latit.  U/S'. 

Meekelia  cingulata  Stimpson:  in  Proceed.  Acad.  I'hilad.  VII.  381. 
Habi taculum.     Prope   insulain   Sinensem   Hong-Kong   inter 
lapillos,  profunditate  25  orgyiarum  (Stimpson). 

40.  Meekelia  Borlasii  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  265  adde: 

Lineus  longissimus  lieaüie :  in  Proceed.  Zool.  Soe.  London  1858.  307  et 
in  Ann.  of  nat.  hist.  3.  ser.  III.  (1859)  160  (de  partu  pulli  18"  longi 
et  23'"  lati  e  speeimine  aqua  niarina  servato). 
Habitaculo  adde:  Ad  oras  Angliae,  Februario  (Beattie). 

41.  Meekelia  Beattiaei  J.  E.  GRAY. 

Corpus  longissimum  proteum,  fissile.  Caput  obtusum.  Cepha- 
lopori breves  subparalleli.  Proboscis  .  .  .  Os  amplum  longitudinale. 
Longit.  18—20". 

Lineus?  Beattiaei  J.  E.  Gray:  in  Proceed.  Zool.  Soc.  London  1857.  210. 
Tab.  XLVIII. 

Habitaculum.  Ad  oram  prope  Montrose,  Julio  (Beattie). 

Corpus  fissile  prinium  in  partes  duas,  fere  aequales,  parte  postica  vero 
denuo  in  segmenta  32  per  totam  diem  mobilia  divisa;  pars  antica  per  dies 
duas  vivens  sub  continua  inutatione  formae ,  quandoque  segmentum  ulterius 
dejiciens. 

42.  Meekelia  fasca  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  266  adde: 
Cephalopori  prol'undi  marginibus  prominulis,  antice  arcuatim 

confluentibus.    Proboscis  ex  apertura  brevi  rimaeformi  protractilis. 
Os  longe  ovale  3/3"'  retro  apicem  anticam  situm. 

Nemertes  fusca  Leuchart:  in  Troschel's  Arch.  1849.  I.  152. 
Habitaculum.    In  littore  Norvegiae  (Ström)  —  Grönlandiae 
prope  Pullateriak  (Fabricius);  ad  littus  austro-occidentale  Islandiae 
(B  ergm  a  n  n). 

43.  Meekelia  Ehrenbergii  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  267. 

Habitaculum.  Prope  Tor  Arabiae,  inter  Corallia  serpit 
(Hern  p  rieh  et  Ehrenberg).  —  Panormi?  (Grube). 

44.  Meekelia  nigrofusca. 

Corpus  gracillimum ,  sublineare,  retrorsum  subattenuatum,  de- 
pressiusculum,  supra  e  rubro-fusco  nigricans.    Caput  corpore  con- 


286  D  i  e  s  i  ii  g. 

tinuum ,  elongatum,  fronte  truncata  dimidiam  latitudinem  occipitis 
metiens.  Cephalopori  ad  cervicem  usque  protracti ,  rimaeformes. 
Proboscis  ex  apertura  minuta  protractilis.  Os  lineare  pone  finem 
cephalopororum.  Longit.  5*4",  latit.  3/4"\ 

Cerebratulus  nigrofuscus  Stimpsofi :  Prodr.  II.  17. 
Habit  acutum.  Ad  insulam  Ousima  Japoniae  australis,  littoralis, 
inter  lapillos  (Stimpson). 

45.  Meckelia  nigra  STIMPSON. 

Corpus  antrorsum  angustatum,  e  purpureo  nigricans,  retrorsum 
depressum  et  subdilatatum,  pallescens.  Caput  subdiscretum,  elonga- 
tum, antrorsum  angustatum,  antice  truncatum,  macula  alba  ad  pro- 
boscidis  aperturam.  Cephalopori  ad  cervicem  usque  protracti,  rimae- 
formes.  Proboscis  ex  apertura  minuta  protractilis.  Os...  Longit.  3", 
latit.  vix  2'". 

Meckelia  nigra  Stimpson:  in  Proceed.  Acad.  Philad.  VII.  382. 

Cerebratulus  niger  Stimpson:  Prodr.  II.  17. 

H  abitaculum.  In  portu  Sinensi  Hong-Kong,  in  fundo  conchoso, 
profunditate  10  orgyiarum  (Stimpson). 

Speeies  inquirendae: 

46.  Meckelia  coeca. 

Corpus  lineari-depressum,  retrorsum  paulurn  angustius,  cauda 
filiform!  terminatum,  supra  cinereo-albescens  subtus  album.  Longit... 
Nemertes   cocca   Oersted:   in  Kroyer's   Naturhist.  Tidskr.   I.   1844 — 
1845.  419. 
Habitaculum.  Ad  littus  Norvegiae  (Oersted). 

47.  Meckelia  depressa  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  269. 

48.  Meckelia  pallida  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  268. 

49.  Meckelia  Cerebratulus  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  269. 

Speeies  quidem  descriptae,  ast  libris,  in  quibus  fusius  sunt  descriptae,  mihi 
non  prostantibus,  nomine  solum  notae. 

50.  Meckelia  angulata  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  268. 

51.  Meckelia  atra  GIB  ARD: 

in  Proceed.  Bost.  Soc.  IV.  (1852)  137. 

52.  Meckelia  fragilis  GIB  ARD: 

in  Keller  u.  Ticdemann's  Nord-Amer.  Monatsber.  für  Natur-  und 
Heilk.  11.  1851.  1. 
llabi  t  it  cm  I  ii  in.   Massachusetts. 


Revision  dei  Turbellarien.  £87 

LIX.    DIPLOPLEURA  STIMPSON. 

Corpus  elongaturtj  dilatatum,  marginibus  pone  caput  revolutis, 
in  linea  dorsali  mediana  vix  eontiguis.  Caput  discretum.  Cepha- 
lopori diio  marginales  longitudinales.  Proboscis  terminalis  protrac- 
tilis.  Os  ventrale  retro  Citput  situtn.  Ocelü  nulli.  Sexus  et  anus... 
Maris  Japonici  incolae. 

Genus  hoc  a  praecedente  simili  modo  dillert  quam  Convoluta  a  spe- 
ciebus  Mesopharyngis  et  Monocelidis  cum  ea  in  genere  Monoto  junctis. 

1.  Diplepleara  Japonica  STIMPSON. 

Corpus  gracile  helvoliim.  Caput  trianguläre  v.  subcordatum. 
Cephalopori  rimaeformes  ad  cervieem  usque  protracti.  Os  parvum. 
Longit.  li/o",  latit.  ii/4'". 

Diplopleura  Japonica  Stimpson :  Prodr.  II.  18. 

Habitaculum.  In  sinn  Kagosima,  insulae  Kinsiu,  in  Japonia, 
in  arenis,  profunditate  5  orgyiarum  (Stimpson). 

LX.    OPHIOCEPHALUS  DELLE  CHIAJE. 

Corpus  elongatum  supra  convexum,  subtus  planum.  Caput  a 
corpore  discretum.  Cephalopori  quatuor  longitudinales  antice  cru- 
ciatim  couvergentes.  Proboscis  terminalis  protractilis.  Os  ventrale 
retro  basin  capitis  situm.  Ocelli  nulli.  Sexus  et  anus  .  .  .  Maricolae 
utriusque  hemisphaerae. 

1 .  Ophiocephalus  mnrenoides  DELLE  CHIAJE.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I. 
277. 

Habitaculum.   Prope  Neapolim?  (Delle  Chiaje). 

2.  Ophiocephalas  auripunctatus  GRUBE. 

Corpus  teretiusculum  antrorsum  increscens,  supra  convexius- 
culum,  subtus  planiusculum  rubro-purpureum,  maculis  aureis  orna- 
tum.  Caput  a  corpore  sulco  annulari  discretum,  rotundatum.  Cepha- 
lopori inaequales,  duobus  marginalibus  longitudine  capitis,  dorsali  et 
ventrali  multo  brevioribus.  Os  circulare,  clausum  v.  apertum,  retro 
basin  capitis.  Longit.  ultra  10",  latit.  antrors.  3'",  retrors.  iya'". 

Ophiocephalus  auripunctatus  Grube:  in  Troschel's  Arch.  1855. 1.  149. 
Tab.  VII.  2  (fig.  part.  anter.). 
Habitaculum.   Prope  Aztk  in  mare  Ochotskico  (Tiling). 


288  D  i  e  s  i  n  g. 

3.  Ophiocephalus  heterorrhochmus  SCHMARDA. 

Corpus  teretiusculum  supra  magis  convexum,  brunneo -rubrum. 

Caput  subdiscretum  ellipticurn.    Cephalopori  rubri,  inaequales  duo- 

bus  marginalibus  longitudine  capitis,  dorsali  et  ventrali  multo  brevio- 

ribus.   Os  circulare  ad  basin  capitis.  Longit.  ultra  21/2",  latit.  li/2'". 

Ophiocephalus  heterorrhochmus  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  45. 

Tab.  XI.  101. 

Habitaculum.    In  oceano  pacifico  sub  saxis  in  arena  cum  luto 

mixta  (Schmarda). 

Familia  XXVI.  Loxorrhochmidea  Dies.  Corpus 
teretiusculum  filiforme  v.  depressiusculum,  haud  raro  proteum.  Caput 
corpore  continuum  v.  discretum.  Cephalopori  transversales  interdum 
obliqui,  bini  et  tunc  oppositi  v.  juxtapositi,  aut  quatuor,  binis  oppo- 
sitis.  Proboscis  terminalis  plerumque  pugione  et  burseolis  aciculiferis 
instructa.  Os  ventrale  antrorsum  situm.  Ocelli  2,  4  vel  numerosi. 
Sexus  discretus.  Anus  terminalis  posticus.  Maricolae.  —  Formae 
minores  et  mediocres. 

LXI.    CEPHALONEMA  STIMPSON. 

Corpus  teretiusculum  filiforme.  Caput  strictura  discretum, 
rhomboidale,  antrorsum  subconicum.  Cephaloporus  transversus  in 
utroque  latere.  Proboscis  terminalis  protractilis.  Os  .  .  .  Ocelli  duo. 
Sexus  et  onus  .  .  .  Marium  orientalium  incolae. 

1.  Cephalonema  branniceps  STIMPSON. 

Corpus  subpellucidum  pallide  flavo-carneum,  gracile,  retrorsum 
attenuatum.  Caput  antice  obscure  fuscum ,  postice  fulvum ,  fascia 
transversa  alba  ante  ocellos,  fronte  lineis  tribus  albis  notata.  Ocelli 
occipitales.    Longit.  2",  latit.  circa  */,"'. 

Cephalonema  brunniceps  Stimpson:  Prodr.  II.  19. 
Habitaculum.     Sublittorale  sub  lapidibus  in  limo  poitus  Si- 
nensis Hong-Kong  (Stimpson). 

LXII.  TETRASTEMMA  HEMPR.  et  EHRENB.  Charact.  reform. 

Planariae  spec.  Äbildgaard.  —  Nemerlis  spec.  Johnston  et  Diesing.  —  Prosto- 
matis spec.  Johnston.  —  Poliae  spec.  Quatrefages.  —  Hecate  Girard. 

Corpus  filiforme  teretiusculum  vel  depressiusculum,  proteum. 
Caput  corpore  continuum  v.  discretum.  Cephalopori  marginales  duo 
transversales,  interdum  obliqui,  ciliati  vel  nudi.   Proboscis  terminalis 


Revision  der  Turhellarien.  28i) 

haut!  raro  e  plica  transversa  protraetilis,  pugione  et  burseolis  aci- 
culiferis  1 —  2  instructa.  Os  ventrale  antrorsum  situm.  Ocefli  quatuor 
in  quadrangulum  dispositi.  Sexus  discretus.  Anus  terminalis  posticus. 
—  Maricolae.  —  Formae  longitudinis  mediocris,  aliquot  linearum  vel 
pollicum. 

Nee  situs  proboseidis  ae  oris,  nee  praesentia  cephalopororum,  nee  plica 
transversalis  in  omnibus  speciebus  exaeto  cognitae.  —  In  Tetrastemmate 
obscuro ,  specie  ovovivipara  a  el.  Schwitze  sedulo  examinata,  proboscis 
pugione  et  burseolis  acieuliferis  est  instructa. 

1 .  Tetrastemina  flavidum  BEMPRICH  et  EHRENBERG.  -  Dies.  Syst. 
Helm.  I.  257. 

Habitaculum.    Inter  Tubiporae  Coiallia  prope  Tor  (Hem- 
p  rieh  et  Ehrenberg). 

2.  Tetrastemma  varicolor  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  257. 
adile: 

Ocrsted:  De  region.  marin.  80. 
Habitaculum.  Ad  littora  Daniae  (Abildgaard);  ad  Lami- 
nariam  in  tubülo  membranaceo  hyalino  angusto;  in  regione  argillacea 
s.  Buccinoideorum ,  aestate,  in  freto  üresund  (Oersted);  Helgo- 
landiae  (Frey  et  Leuckart);  Angliae  (Johnston);  Galliae  ? 
(Quatrefages). 

3.  Tetrastemma  fnscom   OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  257. 
adde: 

Oerxted:  De  region.  marin.  80. 
Habitaculum.  In  regione  argillacea  s.  Buceinoideorum  aestate 
Kullen  in  freto  Öresund  (Oersted). 

4.  Tetrastemma  rofescens  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  258. 
Habitaculum.  In  sinu  Codano  (Oersted). 

5.  Tetrastemma  subpellucidum  OEIiSTED.  -  Dies.  Syst.  Helm.  I. 
258. 

Habitaculum.  In  sinu  Codano  (Oersted). 

6.  Tetrastemma  assimile  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  258. 
H  a  b  i  t  a  c  u  1  u  m.  In  arenosis  freti  prope  Snedkersteen  (0  e  r  s  t  e  d). 

7.  Tetrastemma  famosam  DIESING. 

Corpus  planum  proteum,  fusco- viride.    Caput  corpore  conti- 
nuum  apice  truncatum.    Ceplutlopori  elliptici,  lati,  margine  elevati. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  20 


290  Diesing. 

Proboscis  pugione  et  burseolis  aciculiferis  duabus  instructa.  Oeelli  2 
in  utroque  margine,  brunneo-nigri.  Longit.  1  —  i1/^'- 

Polia  fumosa  Qiiatrefages:  Rech.  anat.  et  physiol.  Tab.  XIV.  9 — 11.  — 

Idein  Annal.  des  sc.  nat.  3.  ser.VI.  206,  207. 
Nemertes  fumosa  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  269. 

Habit acul um.  Prope  St.  Vaast  et  ad  insulam  Brehat,  vulgaris 
(Q  uatrefages). 

8.  Tctrasteninia  vermicalus  STIMPSON. 

Corpus  depressiusculum  filiforme  flavido-roseum.  Caput  cor- 
pore eontinuum.  Cephalopori  parvi  oblique  transversi  ciliati.  Pro- 
boscis pugione  et  burseolis  aciculiferis  duabus  instructa.  Oeelli  per 
paria  dispositi.  Longit.  1 — ly2". 

Poüa  vermiculus  Qiiatrefages :  Rech.  anat.  et  phys.  Tab.  IV.   12 — 15.  — 

Idem  in  Annai.  des  sc.  nat.  I.  s.  c.  214. 
Nemertes  vermiculus  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  270. 
Tetrastemma?  vermiculus  Stimpson:  Prodi* .  II.  19. 
Habitaci.il um.    Ad  insulam  Brehat,  in  rupium  tissuris,  minus 
frequt-ns  (Q  uatrefages). 

9.  Tetrastemma  homilis  STIMPSON. 

Corpus  planum  proteum,  fusco-brunneum.  Caput  corpore  eon- 
tinuum. Cephalopori  longi  oblique  transversi.  Proboscis  pugione  et 
burseola  aeiculifera  dextra  instructa.  Oeelli  in  rectangulum  dispositi. 
Longit.  4— 5". 

Polia  humilis  Qiiatrefages:  Rech.  anat. et  phys.  Tab. XI. 5  (Spermatozoid.). 
XIV.  7  (Anat.).  XVI.  2—4.  —  Idem  in  Annal.  des  sc.  nat.  1.  s.  c.  212. 
Nemertes  humilis  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  270. 
Tetrastemma?  humilis  Stimpson:  Prodi*.  II.  19. 

H ab i  tac  ulum.  La  Torre  dell'Isola,  in  Sicilia  (Qiiatrefages). 

10.  Tetrastemma  sangnirnbraui  STIMPSON. 

Corpus  teretiusculum  filiforme  flavido-roseum.   Caput  a  corpore 
strictura  discretum.   Cephalopori  parvi  subcirculares.  Proboscis  pu- 
gione armata?  Oeelli  in  quadrangulum  dispositi.  Longit.  3  —  %x/z". 
Sanguis  ruber. 

Polia  sanguirubra  Qiiatrefages:  Rech.  anat.  et  phys.  Tab.  XI.  3  et  7.  XII.  1. 

(Anatom.)    XV.  10—12.  —  Idem  in  Annal.  I.  c.  208,  209. 
Nemertes  haematodes  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  270. 
Tetrastemma?  sanguirubrum  Stimpson:  Prodr.  II.  19. 
Habitaculum.   Prope  St.  Vaast,  St.  Malo  et  ad  insulam  Brehat, 
in  oslreariis  (Q uatrefages). 


Revision  «ler  Turbellai'ien.  £v  1 

1 1.  Tetrasttuima  nielanocephalam. 

Corpus  teretiusculum  lineare,  lacteo-flavescens.  Caput  linea 
transversa  media  fusca.  Cephalopori  parvi.  Proboscis  ...  Ocelli  in 
quadrangulum  dispositi.    Longit.  l'/a'',  latit.  l/a"'. 

Nemertes  melanocephala  Johnston:  in  Map.  of  Zool.  and  Botany.  I.  535. 
Tab.  XVII.  5.  —  Oersted:  in  Kroyer's  Naturh.  Tidsskr.  IV.  577.  - 
[dem:  Entw.  einer  syst.  Einth.  d.  Plattw.  88.  —  Thompson:  in  Ann. 
nat.  bist.  XVIII.  387.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  270. 

Prostoma  melanocephala  Johnston:  in  Ann.  of  nat.  hist.  XVI.  436. 

Habita cul um.  Ad  littora  Angliae  (Johns ton),  in  sinn  Co- 
dano  (Oersted),  ad  littora  Hiberniae  (Thomson). 

12.  Tetrastemma  obscurnm  SCHULTZE. 

Corpus  subeylindricum,  antrorsum  parum  attenuatum,  ciliatum, 
obscure  olivaceum.  Caput  corpore  continuum.  Cephalopori  trans- 
versales, lineares,  ciliati.  Proboscis  per  intussusceptionem  retractilis, 
parte  anteriore  intus  papillis  obsita,  pugione  subulato  manubrio 
cylindrico  medio  constricto  insidente,  et  bnrseolis  duabus  aciculas 
auxiliarias  2 —  4  ineludentibus  instructa.  Os  antrorsum  situm,  rimae- 
forme.  Ocelli  duo  anteriores  inter  se  parum  approximati.  Longit. 
fere  1  —  2</V',  latit.  i/t—  1'". 

Vasa  circulationis  tria  contractilia,  haud  ramosa,  rhytmice  undulantia, 
longitudinalia,  antrorsum  et  retrorsum  anastomosantia,  liquore  limpido  repleta. 
—  Vasa  aquifera:  trunci  duo  longitudinales  ramosi,  passim  intus  ciliis  vibranti- 
bus  obsessi,  singulus  apertura  dorsali  in  medio  fere  corporis  sita  instructus. 
Ovovivipara. 

Animalculi  ovulo  vix  exclusi,  Vto"'  l°n?i>  corpus  ovatum,  ciliatum,  ocellis 

nullis,  proboscide  nee  pugione  nee  burseolis  aciculiferis  instructa  (Schultze). 

Ovarium  per  totam  corporis  longitudinem  decurrens.   Ovula  solitaria  cap- 

sulis  pedieellatis  inclusa,  in  cavitate  corporis  inter  cutem  et  interstitia  sacculo- 

rum  biliarium  nidulantia  (Beneden). 

De  individuis  a  cl.  Beneden  lectis ,  cephaloporis  quatuor ,  sanguine 
rubro  et  vasis  divisis  instruetis  (fig.  10  et  ii)  confer  genus  Loxorrhochma 
Schmarda. 

Tetrastemma  obscurum  Schultze:  Beitr.Turbell.  62  —  66.  Tab.  VI.  2—10. 
—  Idem:  in  Zeitscbr.  f.  wissensch.  Zool.  IV.  184  (de  vasis  aquiferis 
apertura  duplici  instruetis).  —  Idem:  in  V.  Carus'  Icon.  Zootoni. 
Tab.  VIII.  10—13  (cum  anatom.).  —  Leuckarl:  in  Gott,  gelehrt- 
Anzeig.  1851.  1941. 
Polia  obscura  Beneden:  Bech.  Faune  litt.  Belgique.  23—28,  46  et  47. 
Tab.  IV.  1—9  (et  10,  11?). 

20* 


292  L»  i  e  s  i  u  g. 

Habitaculum.  Inter  Algas  et  ligna  submersa  in  mare  baltico 
prope  Grypbiam,  Aprili  (Schultze);  ad  Fucos  et  ad  Ostreas,  indi- 
vidua  adulta  organis  genitalibus  haud  evolutis  fine  Septembris,  semel 
et  femina  gravida,  tubulo  membranaceo  byalino  inclusa,  Ostendae 
(Beneden). 

13.  Tetrastemiiia  capitata!»  IUESING. 

Corpus  depressiusculum  proteum,  flavum,  vitta  dorsali  mediana 
pallidiore  longitudine  corporis.  Caput  a  corpore  strictura  discretnm. 
Cephalopori  transversales  distincti.  Prohoscis  pugione  subulato, 
niannbrio  subcylindrico  medio  constricto  insidente,  burseolisque  aci- 
culiferis  duabus,  singula  aciculas  dnas  continentes,  instructa.  Ocelli 
duo  anteriores  invicem  magis  approximati.     Longit.  41/2'". 

Secundum  cl.  Beneden  duetus  exeretorius  in  foveolam  capitis  (cephalo- 
porum)  excurrit;  apertura  foveolae  ciliis  major ibus  instructa. 

Polia  capitata  Beneden:  Rech.  Faune  litt.  Belgique  28.  Tab.  IV.  12  —  16 
(anatom.). 

Habitaculum.  Inter  stirpes  Sertularinarum  ad  oras  ßelgiae 
(Bene  den). 

14.  Tetrastemma  stigmatum  STMPSON. 

Corpus  teretiusculum  gracile,  pallide  anrantiacum.  Caput  dis- 
cretuni,  paulo  longins  quam  latum,  antice  subattenuatum.  Cephalo- 
pori validi;  pone  ocellos  anteriores  fascia  transversa  obscure  rubra. 
Prohoscis...  Ocelli  posteriores  paulo  majores.  Longit.  1",  latit. 
vix  i/s'". 

Tetrastemma  stigmatum  Stimpson:  Prodr.  II.  19. 

Habitaculum.  In  fundö  limoso  et  algoso  profunditate  6  or- 
gyiarum  in  siuu  Hakodadi  insulae  Jesso  (Stimpson). 

15.  Tetrastemma  iacisom  STIMPSON. 

Corpus  teretiusculum  utrinqne  subattenuatum,  pallide  fuscum. 
Caput  strictura  discretnm  qua  dran  gulare,  dimidio  longius  quam  latum. 
Cephalopori  transversales  lineares,  interoculares.  Prohoscis.. .  Ocelli 
aequales.   Longit.  ad  5'",  latit.  ad  l/t". 

Tetrastemma   incisum   Stimpson:   Proceed.  Acad.  Philad.  VII.  380. — 
Idcm  Prodr.  II.  19. 

Habitaculum.  In  fundo  arenoso  et  algoso  profunditate  12 
orgyiarum  prope  Promontorium  bonae  spei  (Slimpson). 


I!i'\  ision  der  Turbellai  ien  Z «j«> 

16.  Tetrustcmma  longccapitatum  OERSTED. 

Corpus  lineare  postice  cauda  minuta  terminatum,  griseo-Iute- 
scens.  Caput  anlief  subtruncatum,  3 — 4plo  longius  quam  latum. 
Cephalopori. .  '.  Proboscis...  Ocelli  4  subfröntales  approximati, 
posteriores  inter  se  magis  remoti.    Longit.  10 — 11". 

Tetrastemma  longeeapitatum  Oersted:  in  Kroyer's  Naturh.  Tidsskr.  I. 
1S44-184Ö.  418. 

Habitaculum.  E  profunditate  maris  50  orgyiarum,  prope 
Dröbak  in  Norvegia  (Oersted). 

17.  Tetrastemina  dabium  OERSTED. 

Corpus  öblongo- lineare,  retrorsum  dilatatum  postice  obtusüm 
griseo-flavescens.  Caput  a  corpore  linea  transversali  discretum  simulac 
angustius,  antice  obtusum,  duplo  a  longius  quam  latum.   Cephalopori 

transversales  lineares  interoculares.    Proboscis  .  .  .   Ocelli  anteriores 
subterminales.    Longil.  3'". 

Tetrastemma  dubium  Oersted:  in  Kroyer's  Naturhist.  Tidsskr.  I.  418. 
Habitaculum.     E  profunditate  SO  orgyiarum    prope  Dröbak 
in  Norvegia  (Oersted). 

Speeres   i  n qu  i  r  e  n  d  a  e : 

18.  Tetrastemina  candidum  EHRENBERG. 

Akal.  d.  rothen  Meeres  66. 

Tetrastemma  candidum  Oersted-  —  Diesing:  Syst.  Helm.  1.  258. 

19.  Tetrastemina  groenlandicum  D1ESING:  Syst.  Helm.  I.  259. 

20.  Tetrastemma  Siphnnculos  OEIiSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  259. 

21.  Tctrastemma  farinosum. 

Corpus  subeylindricum,  diversis  coloribus  farinoso-adspersum, 
maculis  nigris  marginalibus  aequaliter  distantibus.  Caput  discretum. 
Longit.  41/,'". 

Organa  genitalia  nondum  evoluta. 

Polia  iarinosa  Beneden:  Rech.  Faune  litt.  Belgique.  29.  Tab.  IV.   17. 
Habitaculum.    Ad  fasciculos  Sertularinarum  ad  oras  Belgiae 
(Bened  e  n). 

22.  Tetrastemma. 

Tetrastemma  spec.  M.  Schnitze:    in  Carus   leon.  Zool.  Tab.   VIII.   1!> 
(proboscis  et  Organa  genital ia  feminea). 
Habitaculum.     Tergesli  (Schult  ze). 


294  D  i  e  s  i  n  g. 

23.  Tetrast eiiima  serpentina  GIRARD: 

in  Keller  et  Tied emann's  N.Amer.  Monatsber.  II.  1851.  1.  —  Stimp- 
son:  in  Smith  son's  Contrib.  VI.  28. 
Habitaculum.  Massuchusetts  (...);  Grand  Manon  (Stimps.). 

24.  Tetrastemma  elegans  SCHMARDA. 

Hecate  elegans  Girard:  in  Proceed.  Bost.  Soc.  nat.  hist.  IV.  (1852)  185. 
Tetrastemma  elegans  Sclimarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  38. 

25.  Tetrastemma  Krohnii. 

Corpus  filiforme  depressiusculum,  griseo-virescens.   Proboscis 

armata,  haud  vaginata.  Ocelii  4,  in  quadrangulum  dispositi.  Longit.  2'". 

Nemertes  Krohnii  Köliiker:  in  Verhandl.  d.  Schweiz,  naturf.  Versamml. 

Chur,  im  Juli  1844.    Chur  1845.  89.  —  Siebold:  in  Troschel's 

Arch.  1850.  II.  382. 

Habitaculum.   Inter  plantas  marinas  in  fretu  Messinae  (Köl- 
iiker). 

26.  Tetrastemma  Ehrenbergii. 

Corpus  filiforme  depressiusculum,    obscure  viride.    Proboscis 
armata  haud  vaginata.    Ocelii  4.    Longit.  4 — 5. 

Nemertes  Ehrenbergii  Köliiker:  in  Verhandl.  d.  Schweiz,  naturf.  Gesell- 
schaft zu  Chur  im  Juli  1844.  Chur  1845.89.  —  Siebold:  in  Troschel's 
Arch.  1850.  II.  382. 

Habitaculum.    Inter  plantas  marinas  in  fretu  Messinae  (Köl- 
iiker). 

27.  Tetrastemma  roseum. 

Corpus  depressiusculum  roseum.  Proboscis  armata.  haud  vagi- 
nata.   Ocelii  4  in  quadrangulum  dispositi.    Longit.  3 — 3  t/V". 

Nemertes  roseus  Köliiker:  in  Verh.  d.  Schweiz,  naturf.  Gesellsch.  Chur, 
Juli  1844.  Chur  1845.  89.  —  Siebold:  in  Troschel's  Arch.  1850. 
II.  382. 
Habitaculum.    Inter  plantas  marinas  in  fretu  Messinae  (Köl- 
iiker). 

Situs  cephalopororum  in  speciebus  25.,  26.  et  27.  et  dispositio  ocellorum 
in  specie  26.  in  excerpto  saltem  non  indicantur;  acta  soc.  nat.  scrut. 
helvet.  in  bibliothecis  publicis  frustra  quaesivi. 

LXIII.  DITACTORRHOCHMA  DIESING. 

Corpus  elongatuin  proteum.    Caput  a  corpore  discretum  sub- 
triangulare.    Cephalopori  duo  ventrales,  transversales,  juxtapositi, 


Hi'wsmpii  der  Tnrbellarien.  ^Jl.) 

arcuati,  ciliati.  Proboscis  terminalis  protractilis  pugione  <il  bur- 
seolis  aciculiferis  duabus  (?)  instructa,  versus  apicem  appeudieibus 
foliaeeis  cineta.  Os  ventrale  versus  capitis  basin.  Ocelli  numerosi. 
Sexus  et  anus  .  .  .    Maris  aretici  incolae. 

1.  Ditactorrhorhma  typicum  DIESING. 

Corpus  subaequale  lateritium.  Cephalopori  horizontales,  arcuati 
antice  convexi.  Os  rimaeforme  longitudinale.  Proboscis  pugione 
subulato  manubrio  subeylindrico  insidente.  Longit.  \"  — 1"8'" 
(seed.  icon.). 

Ganglia  eerebralia  duo  commissuris  duabus  inter  se  juneta,  fila  nervea 
antrorsum  emittentia. 

Gaimard:     Voyage    en   Scandinavie   etc.    Zool.   (Aporoceph.)    Tab.   C. 
1 — 22  (cum  fig.  anatom.). 

Habitaculum.    In  mare  boreali  (Gaimard). 

LXIV.  LOXORRHOCHMA  SCHMARDA. 

Poliae  spec.  Qualrefages  et  Beneden.   —  Nemertis  spec.  Diesing. 

Corpus  filiforme  depressiusculum.  Caput  corpore  continuum. 
Cephalopori  quatuor  transversales,  bini  oppositi.  Proboscis  termi- 
nalis, pugione  et  burseolis  aciculiferis  duabus  instructa.  Os  ventrale 
antrorsum  situm.  Ocelli  quatuor  in  quadrangulum  dispositi.  Sexus 
discretus.  Anus  terminalis  posticus.  Maricolae  hemisphaerae  borea- 
lis.  —  Formae  medioeres,  1 — 2  pollicares. 

1.  liOiorrhochma  coro  na  tu  in  SCHMARDA. 

Corpus  coeruleo-vinde.  Caput  fascia  transversa  violacea  inter 
ocellorum  par  primum  et  seeundum.    Longit.  vix  2". 

Polia  coronata  Quatrefages:    in  Annal.  des  sc.  uat.  3.  ser.  VI.  213  et 

Rech.  anat.  et  phys.  Tab.  XIII.  6-9. 
Nemertes  coronata  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  271. 
Loxorrhochma  coronatum  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  39. 
Habitaculum.   In  rupium  tissuri;,  vulgaris  ad  insulam  ßreliat 
(Quatrefages). 

2.  Loxorrhochma  obscnrain  DIESING. 
Corpus  obscure  olivaceum.    Longit.  .  .  . 

Vasa  longitudinalia  inarginaüa  divisa;  sanguis  ruber. 
Polia  obscura  (foveolis  quatuor)  Beneden:    Recherch.  Faun.    litt.  Bel- 
gique  26  et  34.  Tab.  IV.  10.  II. 


4tlb  D  i  e  s  i  n  g. 

Habitaculum.  Ostendae  simul  cum  Tetrast emmate  obscuro 
(Beneden). 

Familia  XXVII.  Euneniertinea  Dies.  Corpus  de- 
pressum  v.  teretiusculum,  haud  raro  proteum.  Caput  corpore  eon- 
tinuum  v.  subdiscretum.  Cephalopori  duo  longitudinales  marginales, 
continui  vel  bipartiti.  Proboscis  terminalis  aut  in  capitis  pagina  ven- 
trali,  inermis  v.  pugione  armata,  aut  apice  capitellata  et  tunc  parte 
basilari  organis  urticantibus  obsessa.  Os  ventrale  subterminale  vel 
infra  caput  situm.  Ocelli  2,  4,  6 — 12  aut  numerosi  varie  dispositi. 
Sexus  discretus.  Anus  terminalis  posticus.  Maricolae,  rarissime  aqua- 
rum  dulcium  incolae.  —  Formae  majores,  utplurimum  pollicares,  imo 
pedales. 

Evolutio  in  nonnullis  s«aitem  speciebus  generis  Nemertis  via  metamorphosis. 

a)    Proboscis  infera. 
LXV.    QUATREFAGEA  DIESING. 

Valenciniae  spec.  Quatrefages.  —  Nemertis  spec.  Viesing. 

Corpus  elongatum.    Caput  a  corpore  discretum.    Cephalopori 

duo  longitudinales  marginales.  Proboscis  ex  apertura  in  capitis  pagina 

ventrali  protractilis,  armata.  Os.. .  Ocelli  numerosi.  Sexus  et  anus. . . 

Maricolae  bemisphaerae  borealis. 

Quatrefagea  a  Aemer^' pari  modo  dift'ert  quemadmodum  Cerebratulus  a  Meckelia. 

1.  Quatrefagea  insignis  DIESING. 

Corpus  rosaceum.  Cephalopori  ampli.  Ocelli  4  minimi  ante 
cephaloporos  in  lineam  seriati,  subsequentes  5 — 6  in  acervum  circu- 
larem  retro  cepbaloporos  situm,  binique  maximi  in  capitis  linea 
mediana  dispositi.  Longit.  2 — 3". 

Valencinia  dubia  Quatrefages :  in  Anna),  des  sc.  nat.  3.  ser.  VI.  190,  191. 
et  Rech.  anat.  et  phys.  Tab.  IX.  6. 
Habitaculum.   In  limo  arenoso  cum  Arenicolis  prope  insulam 
Chausey  (Quatrefages). 

ß)  Proboscis  terminalis. 
LXVI.    POLYHOPLA  DIESING. 

Nemertis  spec.  Sehmarda. 

Corpus  taeniaeforme.  Caput  subdiscretum.  Cephalopori  duo 
longitudinales  marginales.    Proboscis  terminalis  apice  capitellata,  in 


Revision  der  Turbellarien.  Co  i 

partem  basilarem  crassiorem  cylindricam,  organis  urtieationis  magnis 
numerosis  obsessam,  usque  ad  capitellum  retractilis.  Os  vetotrale  sdb- 
terminale,  transverse  rimaeformp.  Ocelli  numerosi  in  acervos  quatuor 
dispositi.  Sexus  et  anus.  —  Aquarum  dulcium  Americae  centralis 
incolae. 

Caput  musculis  utrinque  (!  retraetoribus  praediturn.  Organa  urtieationis  in  parte 
basilari  proboseidis:  capsulae  cylindrieae  eirciter80,  stylis  brevibus  acutis  glochi- 
dibus  (inobilibus?)  instruetis,  '/joo'"  longis,  prominentibus  obsessae.  Capitellum 
proboseidis  capsulis  similibus  ad  30  instruetum.  Oesophagus  (pharynx)  muscu- 
losus  antrorsum  dilatatus  band  protractilis.  Appendices  intestini  sub  extensione 
animalis  fere  evanescentes.  Systema  vasorum:  canales  duo  longi  cum  intestino 
decurrentes,  antice  et  postice  anastomosantes,  inter  caput  et  corpus  in  sinus 
duos  globosos  contractiles  seu  corda  dilatali.  Vasa  duo  cum  prioribus  decur- 
rentia,  extus  patentia  (?)  (vasa  aquifera).  Systema  nervorum:  ganglia  duo 
oblong»  eoalita.  —  Motus  animaleulorum  glisecns  vel  natans  (Sei)  mar  da). 

1.   Polyhopla  Newertes  DIESING. 

Corpus  retrorsum  attenuatum  flavidulum,  tractu  eibario  brunneo 
transparente.  Caput  olttuse  lanceolatum.  Cephalopori  subparalleli, 
longe  ciliati.  Proboscis  ex  apertura  subovali  ciliata  protractils.  Os 
rimaeforme  breve,  ciliatum.  Ocellorum  acervi  quatuor  pone  apicem 
capitis,  exteriores  majores  ocellis  13  eonipositi,  quorum  12  in  lineas 
transversales  4  dispositi,  interiores  minus  conspicui,  lineares.  Longit. 
ultra  9'",  latit.  »yV". 

Nemertes  polyhopla   Schmarda:    Neue   wirbell.  Th.  I.   1.  pag.  XIV.  et 
44—45.    Tab.  XI.  100  (cum  anatom.). 

Habitaculum.  In  aqua  dulei  lacus  Nicaraguae  in  America 
central i  (Schmarda). 

LXVII.    NEMERTES  CUVIER.  Charact.  reform. 

Planariae  spec.  Müller.  —  Borlasiae  syec.  Rathke.  —  Polystemmatis  et  Prostomi 

spee.  Johnston.   —  Cerebratuli  et  Poliae  spec.   Quatrefages.   —  Notospermus 

Huschke.  —  Notogymnus  Hemprich  et  Ehrenberg. 

Corpus  elongatum  depressum  vel  teretiusculum.  Caput  corpore 
continuum  vel  subdiscretum.  Cephalopori  duo  longitudinales  margi- 
nales convergentes  vel  parallel!.  Proboscis  terminalis  protractilis 
inermis  vel  pugione  armata.  Os  ventrale  infra  caput  sittim.  Ocelli  2, 
4,  6 — 8,  10.   12  vel  numerosi1).    Sexus  diseretus.    Anns  terminalis 


l)  In  conspectu  familiarum  et  genenim  ,jam  pridem  absoluta  praesentia  ocellorum  qua- 
tuor non  est  iudicata. 


298  ü  i  e  s  i  n  g. 

posticus.  Maricolae  hemisphaerae  borealis,  rarissime  australis  *). 
Formae  mediocres  vel  majores  aliquot  lineas  longae,  pollicares,  imo 
pedales. 

Evolutio  in  nonnullis  saltem  speciebus  via  metamorphosis. 

*  Ocel  Ii  du  o. 

1.  Nemertes  carcinophila  KöLUKER. 

Corpus  subcylindricum  depressiusculum  pallide  aurantiacum. 
Proboscis  pugione  unico  armata  haud  vaginata.  Ocelli  2  elliptici. 
Longit.  1 — -3'". 

Nemertes  carcinophilus  Kölliker :  in  Verhandl.  d.  Schweiz,  naturf.  Ge- 
sellsch.  in  Chur  1844.  Chur  1845.  89.  —  Excerpt.  Siebold:  in  Tro- 
schel's  Arch.  1850.  II.  382. 
Habitaculum.    Inter  acervos  ovulorum   Cancern  brachyuri 
prope  Messinam  (Kölliker). 

2.  Nemertes?  microcephala  OERSTED. 

Corpus  lineare  utrinque  pauliilum  angustatum,  obtusum,  sub- 
pellucidum,  fusco-grisescens.  Caput  parvum  subreniforme.  Pro- 
boscis .  .  .   Ocelli  2  pone  marginem  anteriorem.   Longit.  8"'. 

Nemertes?   microcephala   Oersted:  in  Kroyer's  Naturhist.  Tidsskr.  I. 
1844—1845,  418. 

Habitaculum.  In  profunditate  maris  40  orgyiarum  prope 
Dröbak  in  Norvegia  (Oersted). 

Ä*    Ocelli  4,  6-8. 

3.  Nemertes  socialis  LEIDY. 

Corpus  lineare  depressum,  postice  obtusum  v.  subacutum,  supra 

nigrum,  sublus  fusco-cinereuin,  interdum  totumfusco-ciiiereum.  Caput 

corpore  contimium,  subacutum,  interdum  apice  nigrum.   Proboscis... 

Ocelli  4 — 8  per  paria  poslposita  disposili.  Longit.  ad  6",  latit.  i/3'". 

Nemertes  soeialis  in  Journ.  Acad.  Philad.  2  ser.  III.  11. 

Habitaculum.  Abunde  ad  radices  Corallinarum,  Point  Judith 
in  America  septentrionaü  (Leidy). 

4.  Nemertes  rufa  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  271. 
Habitaculum.   Christianssund  in  Norvegia  (Katbke). 

5.  Nemertes  pusilla  OERSTED.—  Dies.  Syst.  Helm.  I.  271  adde: 

Oersted:  De  region.  marin.  80. 


l)  Nemertes  pachyrhyncha  et  N.  poliophthalma  Schmarda. 


Re>  ision  der  Turhellarien.  <*.F  J 

Ha bi taculum.  In  regione  argillacea  s.  Buccinoideorvm  aestate 
in  freto  Öresund  (Oersted). 

6.  Nemertes  Benedeneana  DJESING. 

Corpus  taeniaeforme  proteum,  antrorsum  nif'escens,  retrorsum 
sensim  sensimque  sordide  flavum,  tota  lon^itiidine  lineis  transversis 
albis  aequaliter  distantibus  oniatuin.  Ocelli  <>  per  paria  3  dispositi. 
Cephalopori  longi  antrqrsum  convergentes.  Os  longitudinale  cepha- 
lopuris  postpositum.  Longit.  circa  4". 

Nemertes  flaccida  Van  Beneden  (nee  Oersted^:    Rech.  Faun.  litt.  Bel- 
gique  14.  Tab.  I.  14  —  17. 
Ilabitaculum.    In  superficie  Ostrene  hypopodis  et  rarius  sub 
saxis  at  Iittus  Belgiae  (Beneden). 

7.  Nemertes  Gesserensis  DIESING. 

Notospermus  Gesserensis  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  260. 
Ilabitaculum.  In  Fnco  furcellato  littoris  Gesserensis  Falstriae 
(Müller). 

8.  Nemertes  biocnlata  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  272. 
H;i bitaeul um.   in  sinu  Codano  (Oersted). 

9.  Nemertes  badia  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  272  adde : 

Oersted:  in  Kroye  r's  Naturhist   Tidsskr.  1844— 184ä.  419. 
Habitaculum.   Prope  Hofmannsgave,  et  inter  Oculinam  pro- 
liferam  prope  Dröbak  in  Norvegia  (Oersted). 

10.  Nemertes  pnrporea  JOHNSTON.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  275  adde: 

Grube:  in  Troschel's  Arch.  1855.  I.  150. 
Habitaculum.     Sub  lapidibus  in  sinu   Berwickiensi  (John- 
ston) —  ad  ins"ulam  Brehat?  in  rupiam  fissuris  (Quatrefages)- — 
in    fissuris   saxorum  cretaeeorum  cum  Lithocrypto  prasino   Dieppe 
(Grube). 

11.  Nemertes  opaca  DIESING:  Syst.  Helm.  I  272. 
Habitaculum.     Insula  Tatihou   prope  St.  Vaast  (Quatre- 
fages). 

12.  Nemertes  speetabilis  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  272  adde. 

Cerebratulus  speetabilis  Quatrefages.  —  Max  Schulde :  in  Zeitscbr.  f. 
wissenseb.  Zool.  IV.  183.  —  Grube:  Ausflug  nach  Triest  u.  d.  Quar- 
nero  129. 


300  D  i  e  s  i  n  g. 

Habitaculum.    In  Vermetorvm  interstitiis,  Siciliae  (Quatre- 
fages).  Quarnero  (Grube). 

***  Ocelli  10. 

13.  NeDiertes  ©bscora  DESOR. 

Corpus  nbscure  viride.  Ocelli  10  (?).  Longit.  l*/2 — -2". 
Saccula  ovigera  (lagenulae  Desor)  in  filo  longo  gelatinoso  flavidulo  de- 
posita  vitellos  3 — 6,  rarissime  solummodo  unicum,  vel  10—11,  liquido  proprio 
(biogenico  Desor)  cireumdatos  continentia.  Stratum  vitelli  externum  embryonis 
involucrum,  ciliis  autoniatice  vibrantibus  obsitum,  postmodum  dejectum  sistit. 
Embryo,  iuvoiucro  dejecto,  elongatus,  proteus,  ciliis  spontanee  vibrantibus  tectus, 
tractu  intestinali  sensim  apparente.  Tractus  cibarii  exordia  jara  per  involucrum 
translucentia  maculae  semilunaris  forma  conspicua.  Embryo  exclusus  haud  raro 
adhuc  per  aliquot  dies  in  lagenula  perstitit  Desor.  Evolutio  ad  34.  diem 
usque  observata. 

Nemertes   obscura  Desor:    in  Journ.  Boston.  Soc.  Nat.  hist.  VI.  Nr.  1 

(1848)  1  —  12.  Tab.  I.  et  II.  22—31.  -  Versio  germanica:  Peters: 

in  Müller's  Arch.  1848.511-526.   Tab.  XVIII.  et  XIX.  (de  evo- 

lutione). 

Nemertes  olivacea?  31.  Schnitze:  in  Zeitschr.  f.  wissenscb.  Zool.  IV.  180 

(opiniones  variae). 
Polia  gracilis  Girard:  in  Keller  et  Ti  e  d  ein,  Nord -Am.  Monatsber.  II. 

1851.  4. 
Polia  obscura  Stimpson :  im  Smithson.  Contrib.  VI.  (1854)  28. 
Habitaculum.     Sub    saxis    et  plantis  marinis  ad  littus  inter 
fluxum  et  refluxum  maris  prope  Bostoniam,  fine  Januarii  (Desor), 
Grand  Manan  (Stimpson). 

14.  Nemertes  olivacea  JOHNSTON. 

Corpus  teretiusculum ,  utrinque  aequaliter  obtusum,  fusco- 
virescens,  antice  apice  rufescens.  Cephalopori  parvi.  Ocelli  10  *) 
snbinarginales  paralleli  distantes.  Longit.  2" — 1',  latit.  1'". 

Animalculum  sub  parlu  per  totam  corporis  superficiem  (capite  et  cauda 
exceptis)  mucum  gelatinosum  transparentem  excernit,  et  ovula  jam  foeeundata 
per  debiscentias  cutis  in  mucum  ita  expellit,  ut  ovula  prius  in  uno  ovario  coa- 
lita  (1—20  et  ultra)  nunc,  liquore  pellucido  suspensa,  membrana  communi  ho- 
mogenea  transparente,  sacculum  pyriforme  (ovarii  simulacrum)  formante  inclusa 
sint.  Animalculum  ovulis  depositis  tubulum  gelatinosum  deserit,  cujus  cavum 
sensim  sensimque  obliteratur. 

Status  larvae :  Larva  globosa,  tarde  rotans,  contractionibus  nullis,  rima 
semilunari  (ore).   Animalculum  die  45.  e  larva  exclusum  agile,  corpore  anlror- 


*)  In  adultis;  2  v.  4  in  speeiminibus  juvenilibus  ex  observ.  cl.  O  erst  ed. 


Revision  der  Turbellarien.  oO  1 

sum  attenuato,  retrorsum  rotuDdato,  ciliato;   tractu  intestinali  distincto;  pro- 
boscidis  et  cephalopororum  solum  exordia  conspicua.    Ante  exclusionem  ani- 
malculiim  juvenile  larvae  ori,  anibobus  coinmuni,  adhaeret  (AI.  Schultze)  *). 
Planaria  bioculata  Johnston;  in  Zool.  Joiirn.  IV.  56. 
Nemertes  olivaeea  Johnston:  in  Magaz.  of  Zool.  und  Botany  I.  536.  Tab. 
XVIII.  1   (ocellis  solummodo  4).  —  Oersted:  in  Kroyer's  Naturh. 
Tidsskr.  IV.  578  ei  Entw.  einer  system.  Einth.  d.  Plattw.  80.   -    Dir- 
sing:   Syst.  Helm.  I.  273.  —  .)/.  Schultze:  in  Zeitschr.  f.  vvissenscb. 
Zool.  IV.  (1<S)»2)   178  (de   depositione  et  evolutione   ovulorum).  ■ — 
Idem  in   1*.  Carus  Icon.  Zootom.  Tab.  VIII.  14. 
Borlasia  olivaeea  Thompson:  in  Ann.  nat.  bist.  XVIII.  (1846)  388. 

Habitacu  lum.  Ad  littora  AngHae  (.1»  lins  ton),  Hiberniae 
(Thompson),  —  in  sinn  Codano  (Oersted),  in  insula  Neuwerk 
prope  Cuxhaven  Martio  sub  lapidibus  cum  sacculo  ovigero  deposito 
(M.  Schultze). 

****    ücelli  12  vel  numerosi. 

15.  Nemertes  assimilis  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  273.  adde: 

Oersted:  De  region.  marin.  80. 

Habitaculum.  In  regione  argillacea  s. Buccinoideorum  aestate 
prope  Knllen  in  freto  Üresund  (Oersted). 

16.  Nemertes  lateritia  OERSTED.—  Dies.  Syst.  Helm.  I.  273. 
Habitaculum.  Ad  littora  Da niae  (Rat hke). 

17.  Nemertes  geniculata  OERSTED. 

Corpus  supra  convexiusculum  subtus  depressiuseulum ,  retror- 
sum  sensim  attenuatum,  supra  viride,  faseiis  argenteo  -albis,  trans- 
versalibus,  medio  haud  interruptis,  distantibus  ornatum,  subtus  album. 
Caput  corpore  continuum  alho-marginatum.  Cephalopori  distineti. 
Probosch  inermis.  Ocelli  12,  6  in  utroque  margine  longitudinaliter 
uniserialibus.    Longit.  l\'z —  8",  latit.  2 — 3"'. 

Polia  geniculata  Delle  Chiaje:  Alem.  sulla  slor.  e  notom.  III.  173  —  177 
et  181.  Tab.XLIII.  10  et  Tab.  LXXVIII.  4.  —  Oersted:  in  Kroyer's 
Naturh.  Tidsskr.  IV.  579  in  nota. 
Nemertes  geniculata  Oersted:  Entw.  einer  system.  Enth.  d.  Plattw.  91. 
Cerebratulus  geniculatus  Quatrefages :  in  Annal.  des  sc.  nat.  3.  ser.  VI. 
221   et  Rech.  anat.  et  phys.  Tab.  XVII.  1.  —  Grube:  Ausflug  nach 
Triest  u.  d.  Quarnero  1861.  80. 
Aleckelia  annulata  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  264  partim. 


*)  Confer  evolutionem  in  geoere  Uierurae  per  Pilidium  et  Alardum.  Pilidium  Mierurae 
larvae  Nemerfis  olivaceae,  pf  Alardus  animalculo  e  larva  Semertix  excluso  analognm 
\  idetur. 


f>0  C  U  i  e  s  i  n  g. 

Habitaeulum.  Prope  Panormum  et  Neapolin  (Delle  Chi aje) 
ad  oras  Siciliae  (Quatrefages),  Quamero  (Grube). 

18.  Neinertes  pachyrhyncha  SCHMARDA. 

Corpus  depressiuscnlum  parum  mutabile,  sordide  viride  lineis 
transversis  laetioribus.  Caput  corpore  continuum.  Cephalopori  paral- 
leli.  Proboscis  crassa.  Os  rimaeforme  longitudiuale  post  cephalo- 
poros  situm,  rosaceum.  Ocelli  12  per  paria  utrinque  tria  postpositi, 
a  capitis  apice  remoti.   Longit.  ad  2",  latit.  2'". 

Nemertes  pachyrhyncha  Schmarda :  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  44.    Tab. 
XI.  99. 
Habitaculu  m.     In   sinu  tabulari    promontorii   bonae   spei 
(Schmarda). 

19.  Nemertes  communis  BENEDEN. 

Corpus  longissimum  proteum,  nigrum,  saepe  in  uno  eodemque 
individuo  viride  -brunneum.  pallide  flavum  vel  roseum ,  interdum 
(plerumque  in  maribus)  totum  roseum  vel  flavidum.  Caput  sub- 
discretum  depressiusculum,  antice  truncatum.  Cephalopori  subpa- 
ralleli  retrorsum  dilatati.  Proboscis  longissima  tortuosa,  tenuis,  sub- 
aequalis,  inermis.  Os  retro  capuf,  Iabiis  mobilibus  instructum,  nunc 
rimaefornie  longitudinale,  nunc  subcirculare,  Iabiis  longe  ciliatis, 
corpore  p;illidioribus.  Ocelli  12  —  14  in  series  duas  longitudinales 
submarginales  dispositi.  Longit.  corporis  expansi  feminae  11 — 12", 
latit.  l/2 — 1'";  rnas  minor. 

Animalcula  nonnuniquam  corpus  eum  in  modum  invertere  possunt  ut  pagina 
interna  extrorsum  spectet. 

Nemertes  communis  Beneden:  Faun.  litt.  Belgique  7—14.  Tab.  1.1 — 13 
(cum  anatorn.). 
Habit aculum.    Sub  saxis  per  totum  annum,   tubulo  inclusus 
Ostendae  (Beneden). 

20.  Nemertes  flaccida  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  273.  adde: 

Oersted:  De  region.  marin.  80. 

II  abitacu  lum.  Inter  rndera  testarum  in  sinubus  Norvegiae 
(Müller),  —  in  regione  argillacea  s.  Buccinoideorum  aestate  in 
freto  Oresund  (Oersted). 

21.  Nemertes  drepaneusis  OERSTED. 

Nolospernuis  drepanensis  Huschke.  —  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  2(30. 
H  abitacu  I  um.  Drepani  in  Sicilia  inter  Corallinas  (H  uschke). 


Revision  der  Turbellarien.  «)0i> 

22.  Nemertes  microplitlialiiia  OERSTED. 

Corpus  oblongo-lineare,  depressum,  retrorsum  paululum  atigu- 
statum,  supra  ferrugineum  albo-marginatum,  subtus  albescens.  Cepna- 
lopori,  proboscis  et  os .  .  .  Ocelli  16  per  paria  dispositi.  Longit.  3'/V'- 

Nemertes  microphthalma   Oersted:   in  Kroyer's  Naturhist.  Tidsskr.  I 

1844-  184Ö.  418. 
Habitaculum.  Prope  Dröbak  in  Norvegia  (Oersted). 
Nemerti  lateritiae  sp.  16.  haud  absimilis. 

23.  Nemertes  striata  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  274. 
Habitaculum.  Prope  Molde  et  Christianssund  in  Norvegia  in 

ostreariis  (Ha thk e). 

24.  Nemertes  lactea  GRUBE. 

Corpus  filiforme,  retrorsum  attenuatum,  album,  antrorsum  san- 
guineo-rubrum.  Caput  strictura  discretum,  antice  rotundatum.  Cepha- 
lopori  conspieui.  Os  subcirculare  distantia  lineae  a  margine  frontali 
collücatuiu.  Ocelli  16 — 18,  utrinque  8 — -9  submarginales  serie  sim- 
plici  collocäti.  Longit.  circa  3". 

Nemertes  lactea  Grube:  in  Tro sehe l's  Arch.  1855. 1. 151.  Tab.  VII.  3.  4. 

Habitaculum.   In  limo  littoris  in  sinu  Villafrancae  (Grube). 

25.  Nemertes  Mandilla  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  274. 
Habitaculum.  Prope  St.  Vaast,  vulgaris  (Quatrefages). 

26.  Nemertes  Antonina  QUATREFAGES.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  274 
adde. 

Grube:  Ausflug  nach  Triest  u.  d.  Quarnero  1861.  80. 
Habitaculum.   La  Torre  dell'Isola  in  Sicilia  (Quatrefages), 
prope  Cherso  et  Martinsica  (Grube). 

27.  Nemertes  multiocnlata  KÖLLIKER. 

Corpus  depressiusculum   cinereo  -  flavidum.     Proboscis  armata 

haud  vaginata.   Ocelli  numerosi  in  circulum  dispositi.  Longit.  3 — 5'". 

Nemertes  multioculatus  Kölliker:  in  Verhandl.  d.  Schweiz,  naturf.  Ge- 

sellsch.  in  Chur  1844.  Chur  1845.  89.  —  Siebold:  in  Troschel's 

Arch.  1850.  II.  382. 

Habitaculum.     Inter    plantas    marinas    in    freto   Messinae 

(Kölliker). 

28.  Nemertes  collaris  SCHMARDA, 

Corpus  teretiusculum  vix  depressum  partim  mulabile  viride- 
fuscum.   Caput  oblongum  a  corpore  linea  transversa]!  alba  interrupta 


304  Die.ti.ng. 

s.  collari  distinctum.  Cephalopori  subparalleli  1  yV"  longi,  rubri. 
Proboscis  inermis.  Os  rimaeforme  longitudinale  post  cephaloporos 
situm.  Ocelli  numerosi  in  acervos  duos  versus  margines  capitis  sitos 
dispositi.  Longit.  fere  4";  latit.  i1/,'". 

Nemertes  collaris  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1,  44.  Tab.  XI,  98. 
Habita culum.  In  oceano  indico  ad  oram  Orientalen)  Ceyloniae 
(Schinard  a). 

29.  Neuiertes  polyophthalma  SCHMARDA. 

Corpus  planiusculum  rubescens.  Caput  corpore  continuum. 
Cephalopori  anlrorsuin  latiores,  breves,  paralleli,  a  capitis  apice  valde 
reinoti.  Os  ovale  subterminale  (?).  Ocelli  plurimi ,  irregulariter  dis- 
persi.    Longit.  fere  6",  latit.  ad  2,/a'". 

Nemertes  polyophthalma  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  44.  Tab.  XI. 
97  (solum  pars  anterior). 
Habitaculum.   In  oceano  pacifico  in  sinn  Paita  ad  oras  Peru- 
viae  (Seil  mar  da). 

30.  Nemertes  ftnatrefagei  BENEDEN. 

Corpus  elongatum  depressiusculum,  varie  contortum,  fissile, 
pallide  bruuneum,  supra  faseiis  8  multo  obscurioribus,  corpori  aequi- 
longis,  subtus  unicolor  fascia  mediana  longitudinali  pallida.  Caput 
a  corpore  vix  discretnm.  Cephalopori  longi  retrorsum  dilatati,  an- 
tice  convergentes.  Proboscis  inermis  (?).  Os  nunc  rimaeforme, 
nunc  infundibuliforme,  retro  cephaloporos  situm.  Ocelli  60  —  80, 
utrinque  30  —  40  versus  capitis  marginem  irregulariter  dispositi. 
Longit.  4i/a". 

Nemertes  Quatrefagii   Van  Beneden;  Rech.  Faun  litt.  Belgique  IS  (cum 
anaton..).  Tab.  II.  5-9. 

Habitaculum.  Ad  Ulvas  prope  Ostendam,  specirnina  duo 
(ßeneden). 

31.  Nemertes  crassa  DIESING:  Syst.  Helm.  I.  275  adde. 

Cerebratulus  crassus  Quatrefages.  —  Grube:  Ausflug  nach  Triest  u.  d. 
Quarnero  1861.  76,  81  et  129  (de  natura  tubuli). 
Habitaculum.     In   Vermetorum   interstitiis   Iittorum  Siciliae, 
baud  raro  (Quatrefages),  Cherso  in  Quarnero  in  tubulis  (Grube). 

32.  Nemertes  maculata  OERSTED.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  275  adde: 

Oerated:  De  region.  marin.  80, 

Habitaculum.  In  regippe  argillacea  s.  Buccinoideorum, 
aestate,  Hellebaek  in  (Veto  Ö  res  und  (Oersted). 


[{«viaioii  der  Turhellarien  305 

S  pe  ei  6  s   in  q  u  i  reu  d  a  e. 

33.  Nemertcs  octoculata  JOHNSTON.  —  Dies.  Syst.  Holm.  I.  276. 

34.  Nemertes  sanguinea  DIESING:  ibid.  276. 

35.  Nemertcs  ligurica. 

Corpus  crassum  fere  planum,  ntrinque  retrorsum  tarnen  magis 
attenuatum,  supra  cinerascens,  snbtus  pallidius.  Caput  corpore  con- 
tinuuin  antice  rotundatum.  Proboscis  inermis.  Ocellorum  numerus 
incertus.  Longit.  4i/8— 6«/8",  latit.  3— 3</2'". 

Cercbratulus  Iigurir?us  Blanchard:   in  Annal.  des  so.   nat.  3.  ser.  XII. 

31 — 35  (cum  anatom.). 
Habitaculum.      Sul»    saxis     ad     litlus     prope     Genuam 
(Blanchard). 

Meekeliae  somatotomae  similis  sed  ocellorum  praesentia  diversa;  confer 
R.  Leuchart:  in  Trosehel's  Arch.  1854.  II.  354. 

36.  Nemertes  complanata  KöLLIKER. 

Corpus  planum  pallide  viride  marginibus  albidis.  Caput  a  cor- 
pore discretum.  Proboscis  vaginata.  Os  et  ocelli .  .  .  Longit.  .  .  . 

Nemertes  complanatus  Kölliker:    in  Verhandl.  d.  Schweiz,  naturf.  Ge- 
sellsch.  in  Chur  1844.  Chur  1845.  89.  -    Siebold:   in  Trosehel's 
Arch.  1850.  II.  382. 
Habitaculum.  Neapoli  (Kölliker). 

37.  Nemertes  sopera  KöLLIKER. 

Corpus  planum  rufo  -  brunneum,  faseiis  quatuor  longitudinalibus 
alhis,  annulis  albis  distantibus.  Caput  a  corpore  discretum.  Probos- 
cis vaginata.  Os  et  ocelli  .  .  .  Longit.  3 — 4". 

Nemertes  superus  Kölliker  1.  s.  c.  8!).  —  Siebold  I.  c.  382. 

Habitaculum.  Neapoli  (K  ö  1 1  i  k  e  r). 

38.  Nemertes  viridis. 

Notospermus  viridis  Diesing:  Syst.  Helm.  I.  260. 

LXVIII.    EMPLECTONEMA  STIMPSON. 

Korlasiae  spec.  Quatrefages.  —  Nemertis  spec.  Diesing. 

Corpus  longissimura  subfiliforme,  depressüfn,  proteum.  Caput 
subdiscretum  stricturis  nullis.  Cephalopori  duo  longitudinales,  bi- 
partiti  antici  marginales.    Proboscis  terminalis,  protraetilis.  Os  .  .  . 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XF.V.  Bd.  I.  Abth.  21 


306  D  i  e  s  i  n  g. 

Ocelli  numerosi.  Sexus  et  anus . .  .    Maricolae,  Europae  meridiunalis 
et  Americae  septentrionalis  occidentalis  incolae. 

1.  Einplcctonema  viride  STIMPSON. 

Corpus  depressum,  lineare  vel  proteum,  supra  viride,  subtus 
album.  Caput  subdiscretum  marginibus  albis,  fronte  emarginata. 
Cephalopori  elongati  bipartiti.  Ocellorum  acervi  quatuor,  posteriores 
distincti,  rotundati,  oeellis  confertis;  anteriores  marginales  juxta 
cephaloporos,  oeellis  sparsis.  Longit.  11",  latit.  2/3'"- 
Emplectonema  viride  Stimpson :  Prodr.  II.  20. 

Habitaculum.  Littorales  inter  lapillos  in  portu  San  Francisco 
(Stimpson). 

2.  Emplectonema  Camillea  STIMPSON. 

Nemertes  Camillea  Diesing :  Syst.  Helm.  I.  274. 

Nemertes  Camillae  Williams:    in  Ann.  nat.  hist.  2.  ser.  XII.  348.  Tab. 

XIII.  1  (de  nutrit.  et  respirat.). 
Emplectonema  camillea  Stimpson:  Prodr.  I.  20. 

Habitaculum.  Prope  St.  Vaast  (Quatrefages).  Ad  oras 
Angliae  (William  s). 

Genus  inquirendum: 

LXIX.    DICHILUS  STIMPSON. 

Corpus  lineare  depressum.  Caput  corpore  continuum  ,  sub- 
quadratum,  plica  transversa  termiuali  bilabiatum,  labio  inferiore 
emarginato.  Proboscis  ...  Os  .  .  .  Ocelli  duo.  Sexus  et  anus  .  .  . 
Marium  orientaliuin  incolae. 

Proboscis  fortasse  ex  emarginatura  labii  inferioris  protractilis. 

1 .   Uichilus  obscurus  STIMPSON. 

Corpus  supra  pallide  rubro -fulvum.  Caput  maculis  duabus 
oblongis.  Ilimae  obsoletae  (pseudorimae)  cervicales  tres;  una  me- 
diana longitudinali,  ex  cujus  medio  aliae  versus  marginem  utrinque 
oblique  decurrunt.  Ocelli  subterminales  magni  fusci  subdistantes 
in  maculis  siti.  Longit.  3'',  latit.  vix  4'". 

Dichilus  obscurus  Stimpson:  Prodr.  II.  19. 

Habitaculum.  Littoralis  inter  lapillos  in  portu  insulae  Ousimä 

(Stimpson). 


Revision  der  Turbellarien  o\)  i 

Genera   exstincta: 

LXX.    NEMERTITES  MURCMSON. 

Corpus  longissimum  filiforme. 
1 .  Ncmortites  Olivantii  MURCMSON.  —  Dies.  Syst.  Helm.  1. 277  adde. 
Pictet  Tr.  elem.  de  Paleontolog.  2.  edit.  II.  572. 
Habita culum.  In  formatione  Cambriae  (Murchison). 

LXXI.    LUMBRICARIA  MÜNSTER. 

Vermiculites  et  Lumbrieites  Auetor.  —  Medusites  Germai-    —  Colololites 

Agassis. 

Corpus  cylindricum  elongatum  varie  contortum,  flexuosum  vel 
rectum. 

1.  Lumbricaria  Filaria  MÜNSTER.  —   Dies.   Syst.   Helm.  I.  277 
adde. 

Pictet  Tr.  de  Paleontol.  2.  edit.  II.  297. 

Habitaculum.  Formatio  calcarea  lithographica  prope  Solen- 
hofen  (Germar,  Comes  de  Münster). 

2.  Lumbricaria  conjngata  MÜNSTER.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  278 
adde. 

Pictet  ibid.  297. 
Habitaculum.  Ibidem  (Münster). 

3.  Lumbricaria  gordialis  MÜNSTER.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  278 
adde. 

Pictet  ibid.  297. 
Habitaculum.  Ibidem  (Germar,  Münster). 

4.  Lumbricaria  Intestinum  MÜNSTER.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  278 
adde. 

Pictet  ibid.  297. 

Habitaculum.  Ibidem  (Münster). 

5.  lumbricaria  Colon   MÜNSTER.  —   Dies.   Syst.   Helm.   I.   279 
iidde. 

Pictet  ibid.  297. 

Habitaculum.  Ibidem  (M  ü  n  s  t  e  r). 

21« 


308  D  i  e  s  i  „  g. 

6.  Lambricaria  antiqua  PORTLOCK.  --  Dies.  Syst.  Helm.  1.  279. 
Habitaculum.     Formatio   Silurica,    Desertereat  in   comitatu 

Tyrone  Hiberniae  (Portlock). 

7.  Luinbricaria?  gregaria  PORTLOCK.  —  Dies.  Syst.  Helm.  I.  279. 
Habitaculum.   Ibidem  (Portlock). 

8.  lambricaria?   recta  MÜNSTER.  —    Dies.   Syst.   Helm.    I.   279 
adde. 

Pictet  ibid.  297. 

Habitaculum.  Formatio  calcarea  litliograpbica  prope  Soleu- 
hofen  (Münster). 

Turbellaria  incertae  sedis: 
AC1CULA  RENIER. 

Gordii  spee.  Renier. 

Corpus  aciculaeforme  depressiusculum  proteum.  Caput  a  cor- 
pore subdiscretum.   Os  ad  basin  capitis.   Ocelli  duo.  Maricolae. 

Tr actus  cibarius  corpore  duplo  longior  tortuosus,  tandem  extre- 
niitatem  caudalem  petens.  Ganglion  cerebrale  nigrum,  filo  nerveo  corpus 
percurrente. 

1 .  Acicula  macula  RENIER. 

Corpus  cinereo-flavidum,  transparens.  Caput  corpore  angustius, 
subovale,  macula  nigra  (ganglio  cerebrali  transparente)  insignitum. 
0.9  transversale.  Ocelli  nigri  globosi  inter  se  remoti,  cervicales. 
Longit.  10—12'". 

Gordius  macula  Renier:  Prosp.  della  Classe  de' Vernii  1804.  XX. 
Acicula  macula  Renier:  Tav.  di  Classif.  1807.  VI.  —  Meneghini  in  Renier: 

Osserv.  post.  H7  et  var.  locis. 
Acicula  bioculata  Renier:  Comp.  elem.  di  Zoologia  mss.  §.  90 — 93. 
Habitaculum.  In  lagunis  Venetis  cum  Nereidibus,  gregarie 
(Renier). 

CHLORA1MA   KÖLLIKER  nee  DUJARDIN. 

Corpus  elongatum.  Caput  a  corpore  subdiscretum.  Proboscis 
nulla,  ejus  loco  vesiculae  pyriformes  duac  in  apice  fere  capitis. 
Ocelli  numerosi.   Maricolae. 

Oesophagus  postice  jjlobose  tumens. 


Revision  dar  Turbeilarien  »»Un 

I.   fliloraima  siculum  KÖLLIKER. 

Corpus  album.  Ocelli  in  series  duas  longitudinaleä  dispositi. 
Longit.  3 — 5'". 

Chloraima  siculum    Kölliker:  in  Verhandl.  d.  Schweiz,  naturf.  Gesellsch. 
in  Chur  1844.    Chur  1845.  89.—  Siebold:  in  Troschel's   .Wh. 
1850.  II.  382. 
Habitaculum.    Intei*  pläntas  marinas  prope  Messinam  (Köl- 
liker). 

Derostonia  angusticcps  DUGES: 

in  Annal.  des  sc.  nat.  XXI.  (1836)  77.  —  Ehrenb,:  Aralepl».  des  rolhen 
Meeres  60. 

Uerostoma  hui  labile  ÜUGES:  1.  c. 
Derostonia?  inutaliile  Ehrefiberg  I.  c. 
Cum  praecedente  fortasse  generi  Typhlöplanae  adflümerandä. 

Uerostoma  laticeps  DUGES: 

1.  c.  et  in  nouv.  Annal.  des  sc.  nat.  VIII.  30  (Nais).  Ehrenb.  I.  c. 
Chaetogaster  laticeps  Dies.  Syst.  Heini.  III.  nase. 

Derostoina  megalops  DUGES:  I.  c. 
Phaenocora  megalops  Ehrenb.  1.  c.  78  (soluminodo  nomen). 

Planaria  limacina  FABRICIUS: 

Dies.:  Syst.  Helm.  I.  283  teste  cl.  Oersted:  De  region.  marin.  70,  nunc 
Limapontia  nigra  Johnston.  Lond.  Magaz.  V.  9,  79  et  Molluscis 
adnumeranda. 

Planaria  operculata  M  ü  1 1  e  r ,  P.  vittata  Schrank,  P.  gros- 
sula  Schrank,  P.  acuminata  Schrank,  P.  Edinensis 
Dalyell,  P.  nigricans  Fabr.,  P.  emarginata  Fabr.  — 
Syst.  Helm.  I.  281—283.  —  P.  pusio  Eichwald  ibid.  648. 

Genus  fortasse  novum,    libro  mihi  non  praestante,    incogni  tum: 

1.  Poseidon  Colei  GIRARD: 

in  Proceed.  Bost.  Soc.  IV.  (18  52)  185. 

Species  serius  exposita: 

2.  Poseidon  affinis  GIRARD. 

Corpus  gracile  subfiliforme  supra  laete  rubrum,  subtus  album. 
Os  ventrale  retro  ocellorum  acervos.  Ocellorum  acervi  2  elungati 
pone  extremitatem  anticam.  Longit.  2". 

Poseidon  affinis  Girard.  —  Stimpson:  in  Smithson.  Contrib.  VI.  28. 


0 1  0  D  i  e  s  i  n  g. 

Habitaculum.     In    zona    Laminariarum ,    Grand    Manan 
(Stimpson). 

Genus  hoc  a  cl.  Schmarda:  Neue  wirbell.  Th.  I.  1.  38  generi  Nemerti 
consociatum. 

Genus  fortasse  fictitium: 

SCOTIA  R.  LEUCKART. 

Corpus  filiforme  margine  convexo  canaliculo  lato  et  profundo, 
limbis  parallelis  elevatis  rugoso-crispatis  instructum.  Maricolae. 

1.  Scotia  rngosa  R.  LEUCKART. 

Corpus  utrinque  attenuatum  spiraliter  convolutum,  flavo-albidum. 
Longit.  1". 

Seotia  rugosa  R.  Leuckart:  in  Troschel's  Arch.  1849.  I.  154.  Tab. 
III.  1.  —  Idem  ibid.  18S4.  II.  354. 
Habitaculum.    Ad  littus  austro-occidentale  Islandiae  (Berg- 
mann). 

Fortasse  nil  aliud  quam  tentacula  Terebellae  R.  Leuckart. 


Rei  Isinii  der  Turhellarien.  o  1 


Index  geiiemm  et  specierom. 

Acelis  Diesing:  crenulata  206. 

Acicula  Renier:  bioculata  308,  macula  308. 

Acinostomum  Sehmarda:  crennlatum  206,  denticulatum  207. 

Acrostomum  Grube:  canescens  262,  Stannii  261. 

Jlardus  Busch:  caudatus  259. 

Allostoma  Beneden:  pallida  228. 

Amphiporus  Oersted:  groenlandicus  249,  Neesii2&9,  sangui- 

neus  249. 
Anarthra  Leuekart:  gracilis  234. 
Anoplodium  Schneider:  parasita  21 0. 
Anortha  Leidy:  gracilis  234. 
Anotocelis  Diesing:    caudata  236,    Coluber  237,    Qavicans  237, 

linearis  237,  philadelphica  236,  unicolor  235,  variabilis  236. 
Aphanostomum  Oersted:   diversicolor  242,   griseum  242,    laturn 

242,  virescens  242. 
Astemma  Oersted:  Dröbachense  248,  rufifrons  249. 

Baseodiscus  Diesing:   delineatus  252. 

Borlasia  Oken  et  Oersted:  bilineata  248,  cardiocephala  250, 
Cephalothrix  250,  coerulescens  250,  dorycephala  251 ,  Drö- 
bachensis  248,  filiformis  250,  flaccida  250,  grönlandica  249, 
Hemprichii  249,  Kurtzii  251,  linearis  250,  longa  249,  Neesii 
249,  nigrofusca  248,  olivacea  301,  quinquelineata  251,  rubra 
259  (nota)  rufifrons  249,  sanguinea  249,  tricuspidata  249. 
trilineata  250,  unicolor  250.  unilineata  250,  viridis  248. 

Catenula  Duges:  bina  238,  Lemnae  238,  quaterna  238. 
Catesthia  Leidy:  stellato-maculata  223. 

Celidotis  Diesing:  Anguilla  233,  bipunctata  233.  venenosa  233. 
Cephalonema  Stirn pson:  brunniceps  288. 


d  1  Z  D  i  e  3  i  n  g. 

Ceplialothrix  Oer stech  bioculata  254,  Filum  254,  involuta  254, 
Kroyeri  254,  Oerstedii  254. 

Cereliratulus  Ren  i er:  acutus  273,  albovittalus  279,  bellus  277, 
bilineatus  273,  bilineatus  273,  crassus  304,  fasciatus  284, 
geniculatus  30t,  impressus  277 ',  liguricus  305,  maerostomus 
274,  marginatus  272,  marginatus  274,  wi^er  286,  nigro- 
fuscus  286,  Oerstedii  282,  oleaginus  280,  paludicolus  283, 
ruber  274,  sinensis  284,  spectabilis  299,  urticans  274. 

Chlamydocephalus  Diesing:  Güimardi  267. 

Chlor  aima  Kölliker:  siculum  309. 

Chonostomum  Schmarda:  crenulatum  222. 

Cnidon  J.  Müller:  urticans  274. 

Colpocephalus  Diesing:  quadripunctatus  267. 

Convoluta  O  e r  s  t  e  d  :  albicincta  212,  anotica  2\\,  Diesingii  212, 
Johnstoni  212,  paradoxa  212,  Schultzii  212. 

Cosmocephala  Stirn pson  :  Beringiana  266,  Japonica  266. 

Cylindrostomum  O  e  r  s  t  e  d  :  caudatum  227,  dubium  228. 

Derostomnm  Duges:  angusticeps  309.  Catenula  238,  coecum  210, 
elongatum  210,  flavicans  237,  fusiforme  220,  galizianum 
217,  laticeps  309,  leucocelis  218,  leucops  235,  lineare  237, 
megalops  309,  mutabile  309,  notops  217,  rostratum  220, 
Schmidtianum 2 1 6  sp.  8  et  9,  truncatum  218,  unipunctatum  216. 

Dicelis  S  t  i  m  p  s  o  n  :  rubra  262. 

Dichilus  Stirn p so u :  obscnrus  306. 

Dinophilus  O.  Schmidt:  borealis  240,  gyrociliatus  240,  vorti- 
coides  240. 

Diotis  Schmarda:  grisea  214. 

Diplomma  Stimpsou:  rubra  262,  serpentina  262. 

Diplopleura  Stirn  pson:  Japonica  287. 

Disorus  Hemprich  et  Ehren  berg:  viridis  234. 

Distigma  Hemprich  et  Ehren  berg:  Helluo  224,  Planaria  224, 
Proteus  224,  fewaa?  224,  nrufe  224. 

Ditactorrbocbma  Diesing:  typicum  295. 

EmeaLeidy:  Dugesii  270,  lumbricoides  270,  rubra  270. 
Eui|)lectonema  Stimpsou:  Camillea  306,  viride  306. 
Eustomum  Leidy:  caudatum  236,  Philadelphicum  236.  variabile 
236. 


Revis lei   Turbellarien  o  1  o 

Goniocarena  S  e  h  m  a  p d a :  capitata  225. 

Gordius  Linne:  fasciatus  spinifer  258,  fragilis  spinifer  260, 
macula  308,  purpureus  spinifer  260,  viridis  spinifer  260. 

Gyrator  Ehrenberg:  Botterii  246 ,  croeeus  247 ,  ery  throphthal- 
mus  246,  furiosus  246,  hermaphroditus  217,  hermaphroditus 
246,  immuiidus  246,  leucophraeus  247,  littoralis  247,  Steen- 
strujtii  246,  suliovifonnis  247,  viridis  207,  rittatus  241. 

Hecate  Gi  r  a  r d :  elegans  294. 

Hemicylia  Hemprich  et  Ehren  her g  :  albicans  264. 

Hypostomum  0.  Schmidt:  viride  217. 

Leodes  Girard:  striolenta  283. 

Lineits  Sovverby:  Beuttiaei  285,  long issimus  285,  piperatus  278. 

Lobila hrum  B  I  a  i  n  v  i  1 1  e  :  ostrearium  268. 

Loxorrhochma  Schmarda:  coronatum  295,  obscurum  295,  rubrum 

259  (nota). 
Lumbricaria  Münster:    antiqua  307,   Colon  307,  conjugata  307, 

Filaria  307,    gordialis  307,    gregaria  307.    [ntestinuai  307, 

recta  307. 

Macrostomum  O  e  r  s  t  e  d  :  auritum  214,  ceylanicum  210,  Hystrix' 
215,  sp.  2  et  3,  setosum  225,  siphonophorum  218. 

Meckelia  Leuckart:  albovittata  279,  albula  276,  angulata  286, 
annulata  281,  annnlata  301,  atra  286,  atrocoerulea  281, 
aurantiaca  279,  australis  282,  Beattiaei  285,  bella  277,  bili- 
neata  273,  bilineata  273,  borealis  284,  Borlasii  285,  carmel- 
lina  278,  carnea  282,  Cerebratulus  286,  ceylanica  281,  cin- 
gulata  284,  coeca  286,  depressa  286,  Ehrenbergii  285, 
fasciata  284,    fragilis  286,   fusca  285,   gracilis  278,  impressa 

277,  ingens  276,  Knerii  281,  lactea  275,  Leuckarti  277, 
Lizziac  277,  macrorrhochma  280,  mucrostoma  274,  nigra 
286,  nigrofusca  285,  Oerstedii  282,  oleagina  280,  olivacea 
280,    pallida  286,   paludieola  '283,    piperata  278,    Pocohontas 

278,  rosea  282,  rubelte  282,  Serpentaria  281,  sinensis  284, 
Siplmnculus  280,  somatotomus  273,  Somatotomus  276,  striata 
278,  striolenta  283,  subacuta  283,  trigonocephala  279,  urti- 
cans  274,  viridis  279.  vittata  279. 

Megastomurn  Schmarda:  ferrogineum  206. 
Mesopharynx  Schmarda:  diglena  222,  otophorus  213. 


314  Diesing-. 

Mesostomum  Duges:  bistrigatum  224,  chlorostictum  229,  Craei 
221,  cyathus  221,  Ehrenbergii  220,  fallax  221,  fusiforme 
220,  Hirudo  211,  hystrLv  222,  lapponicum  211,  lenticula- 
tum  221,  Lingua  220,  marmoratum  223,  obtusum  226,  ouo«- 
</e«wü  222,  personatum  221,  productum  221,  pusülum  221, 
radiatum  220,  rostratum  220,  stagni  224,  strigatum  224, 
«Sofea  223,  tetragonum  221,  trunculum  223,  viridatum  210 
et  224,    TFßwrfae  222. 

Microstomum  Oersted:  achroophthalmum  236  et  238,  caudatum 
236,  fc«co/)s  238,  ftnozre  237,  lineare  241,  littorale  242, 
Philadelphicum  236,  unicolqr  236,  variabile  236. 

Micrura  H ein p rieh  et  Ehrenberg:  fasciolata  258,  filaris  259, 
purpurea  260,  viridis  260. 

Motiocelis  Hemprich  et  Ehrenberg:  «</*7/s  23 1  et  232, 
Anguilla  233,  assimilis  232,  bipunetata  233,  excavata 
214,  /wsc«  231,  glauca  214,  hyalina  213,  lineata  230, 
rutilans  213,  spatulicauda  232,  subulata  214,  unipunetata 
213. 

Monops  Diesing:  agilis  230  et  232,  assimilis  232,  elegans  231, 
Flustrae  233,  fuscus  231,  lineatus  230,  nigroflavus  232,  obesus 
231,  spatulicaudus  232,  umbrinus  231. 

Monotus  Diesing:  albicinetus  212,  Diesingii  212,  excavatus  214, 
glaueus  214,  hyalinus  213,  Johnstoni  212,  lacteus  213,  meso- 
pharynx  213,  paradoxus  212,  rutilans  213,  Schultzii  212, 
subulatus  214,   unipunetatus  213. 

Nareda  Girard:  serpentina  262,  superba  263. 

Nemertes  C  u  v  i  e  r :  annettata  277 ,  annulat a  281 ,  Antonina  303, 
assimilis  301,  badia  299,  Benedeneana  299,  bioeulata  299, 
Camillae  306,  Camillea  306,  carcinophila  298,  collaris  303, 
communis  302,  complanata  305,  coronata  295,  crassa  304, 
drepanensis  302,  Ehrenbergii  294,  flaccida  298,  flaeeida 
302,  fumosa  289,  /«sca  285,  geniculata  301,  Gesserensis 
299,  glauca  257,  haematodes  290,  humilis  290,  Krohnii 
294,  Iactea  303,  lateritia  301  ,  ligurica  305,  maculata  304, 
Mamlilla  303,  melanocephala  291 ,  microeephala  298,  micro- 
phthalma  303,  multioculata  303,  obscura  300,  oetoculata  305. 
olivacea  300,   olivacea  300,  opaca  299,   paehyrhyocha  302, 


Revision  der  Turbellarien,  Ol  5 

polyhopla  297 ,  polyophthalma  303 ,  purpurea  299 ,  pusilla 
298,  pusilla  260,  Quatrefagei  304,  rosea  294,  rufa  298, 
sanguinea  305,  Somatotomus  276,  spectabilis  299,  striata 
303,  supera  305,  vermiculus  290,  viridis  305. 

Nemertites  Murchison:  Olivantii  307. 

Notospermus  Huschke:  drepanensis  302,  Gesserensis  299,  viri- 
dis 305. 

Oerstedia  Quatrefages:  armata  263,  Baculus  263,  maculata  263, 
pulchella  263,  tubicola  263. 

Ommatoplea  Hempr.  et  Ehrenb. :  alba  257,  albicans  255,  armata 
257,  balmoa  255,  bembix  256,  berea  257,  glauca  257,  sp.  18 
et  20,  gracilis  255,  Grubei  256,  heterophtbalma  255,  mutabilis 
257,  opbiocephala  256,  pellucida  257,  peronea  255,  Polii  255, 
pulchra  257,  punctata  255,  rosea  256,  rubra  257,  Stimpsoui 
256,  taeniata  256,  violacea  257. 

Ophiocephalus  Delle  Chiaje:  auripunctatus  287,  bilineatus  273, 
heterorrhochmus  288,  murenoides  287. 

Opistomum  O.  Schmidt:  pallidum  209,  sp.  1  et  2. 

Ortbostomum  Hempr.  et  Ehrenb.:  pellucidum  234,  siphonopho- 
rum  218. 

Otocelis  Diesing:  rubropunctata  208. 

Phaenocora  Ehrenb  :  megalops  309,  notops  217. 

Pilidium  Müller:  auriculatum  259,  gyrans  259. 

Plagiostomum  O.  Schmidt:  boreale  241. 

Planaria  Müller:  acuminata  309,  bioculata  301,  cuneus  256, 
Edinensis  309,  emarginata  309,  filaris  260,  flustrae  233, 
fodinae  216,  gramineä  224,  grossula  309,  limacina  309, 
mutabilis  228,  nigricans  309,  operculata  309,  pusio  309, 
stagni  224,  tetragona  220,  variegata  229,  vittata  399. 

Polia  Delle  Chiaje:  canescens  262,  capitata  292.  coronata 295, 
Dagesii  270,  farinosa  293,  fumosa  290,  geniculata  301,  </>v/- 
c/Z/s  300,  grisea  265,  humilis  290,  involuta  254,  obscura 
291,  295  et  300,  oculata  255,  rhomboidalis  265,  sanguiru- 
bra  290,  vermiculus  290. 

Polina  Stimpson:  cervicalis  265,  grisea  265,  rhomboidalis 
265. 

Polyhopla  Diesing:  Nemertes  297. 


31b  D  i  e  s  i  n  g. 

Polystemma  Hempr.  et  Ehrenb. :  adriaticum  261,  pellucidnm  257, 

pusillum  261,  roseum  256,  sinuosum  261. 
Poseidon  Girard:  affinis  310,  Colei  310. 
Proporus  0.  Schmidt:  Cyclops  206,  rubropunctatus  208,  viridis 

207. 
Prorhynchus  Schultze:  tluviatilis  269,  stagnalis  269. 
Prostomum  Duges:  armatum  257,  Botterii  246,  clepsinoideum  247, 

croceum  246,  furiosum  246,    immundum  246,    lineare  246, 

melanocephalum  291,  Steenstrupii  246,  vittatum  241. 
Pseudostomum  0.  Schmidt:  Feroense  227,  quadrioculatum  227. 

Quatrefagea  Diesing:  insignis  296. 

Ramphogordius  Rathke:  lacteus  268. 

Renieria  Girard:  rubra  274. 

Rhynehoprobolus  Schmarda:    erythro phthalmus  246,   papillosus 

245,  tetrophthalmus  247. 
Rhynehoscolex  Leidy:  papillosus  245,  simplex  245. 

Schizoprora  0.  Schmidt:  venenosa  233. 

Schizostomum  0.  Schmidt:  prodnctiim  221. 

Scotia  Leuckart:  rugosa  310. 

Serpentaria  G  o  o  d  s  i  r :  rubella  282. 

Sidonia  Schultze:  elegans  208. 

Sifonenteron  Renier:  bilineatum  273,  elegans  272. 

Spiroclytus  0.  Schmidt:  capitatus  225,  Euryalus  229,  Nisns  225, 

setosus  225. 
Stenostomum  O.Schmidt:  achroophthalmum  236  et  238,   Cofa- 

6er  237,  leucops  238,  torneense  239,  nnicolor  236. 
Stimpsonia  Girard:  aurantiaca  268. 
Strongylostomum  Oersted:  andicola  218,  assimile  220,  coeru- 

lescens  235,  metoploglenum  219,  radiatum  220. 
Stylacium  Cor  da:  isabellinum  239. 

Taeniosoma  Stimpson:  aequale  252,  quinqueliueatum  251 ,  sep- 

temlineatum  251. 
Tatsnoskia  Stimpson:  depressa  264. 
Telostomum  Oersted:  ferrug&neum  206,  Mytili  228. 
Tetracelis  Hempr  ich  et  Ehrenberg:  fontana  229.  marmorata 

229,  Mytili  228. 


Revision  der  Turbellarieu.  317 

Tefrastemma  Hemprich  et  Ehrenberg:  assimile  289,  candidum 

293,  capitatmn  292,  dubium  293,  Ehrenbergii  294,  elegans 

294,  farinosum  293,  flavidum  289,  fumosum  289,  fuscum 
289,  groenlandieum  293,  luirnile  290.  inrismn  292,  Krohnii 
294,  longecapitatum  293,  lumbricoides  270,  melanooephalum 
291,  ohsciirum  291,  roseum  294,  rufescens  289,  san- 
gui rubrum  290,  serpeutinum  294,  Siphunculus  293,  stig- 
matum  292,  subpellucidura  289,  varicolor  289,  vermiculus 
290. 

Tricelis  Quatrefages:  faseiata  225,  obtusa  226,  quadripunctata 
226. 

Trigonostomum  0.  Schmidt:  setigerum  229. 

Tubulanus  Renier:  defractus  272,  elegans  271,  polymorphns  271, 
pusillus  272. 

Turbella  Hemprich  et  Ehrenberg:  andicola  218.  appendiculata 
215,  ■assimilis  223,  bacillifera  222,  baltiea  217,  bistrigata 
224,  caudata  219  et  223,  Conus  219,  Craci  221  ,  crenulata 
222,  cyathus  221,  diglena  222,  Ehrenbergii  220,  fallax  221, 
fusiformis  220,  galiziana  217,  gibha  216,  Helluo  224,  Hystrix 

215,  lenticulata  221,    leucocelis  218,    lingua  220,   lunulata 

216,  metopoglena  219,  nigrovenosa  223 ,  notops  217,  ovoi- 
dea  222,  personata  221,  pisciculus  216,  Planaria  224,  pla- 
tyura  215,  producta  221,  Proteus  224,  pusilla  221,  radiata 
220,  reticulata  218,  rostrata  220,  Scbmidtiana  216,  scoparia 

217,  selenops  216,  siphonophora  218,  Solea  223,  sphaero- 
pharynx  219,  Squalus  216,  stagni  224,  stellato-maculata  223, 
strigata  224,  tenax  224.  tetragona  221,  trisronoglena  219, 
truncula  223,  unipunctata  216,  viridis  216  et  224,  Wandae 
222. 

Typhlomicrostomum  D  i  e  s  i  n  g :  coerulescens  235. 

Typhloplana  Hemprich  et  Elirenberg:  anotica  211,  ceylonica 
210,  coeca  210,  elongata  210,  gracilis  211,  Hirudo  211, 
lapponica  21t,  pallida  209,  parasita  210,  pellucida  209, 
Schultzeana  209,  variabilis  210,  viridata  210. 

Valencinia  Quatrefages:  annulata  253.  annulata  253,  dubia 
296.  elegans  252,  elegans  253,  longin.stris  253,  ornata  252. 
splendida  252,  striata  253. 


O  1  ö  D  i  e  s  i  n  g.    Revision  der  Turbellarien. 

Vortex  Hernprich  et  Ehrenberg:  halticus  217,  Benedeni  227, 
capitatus  225,  caudatus  219  et  224,  eaudatus  227,  chloro- 
stictus  229,  coecus  209,  conus  220,  coronarius  227,  crucia- 
tus  229,  dubius  228,  emarginatus  229,  ferrugineus  227, 
fontanus  229,  Girardi  227,  marginatus  229,  marmoratus  229, 
mutabilis  228,  Mytili  228,  pallidus  228,  pellacidas  209, 
peniciliatus  227,  pictus  226,  quadrioculatus  227,  reticulatus 
218,  scoparius  217,  sphaeropharyncc  219,  trigonoglena  219, 
truncatus  226,  variegatus  229,  viridis  216  et  224,  vittatus 
241,  Warreim  229. 

Vorticeros  0.  Schmidt:  pulchellum  230. 


319 


VII.  SITZUNG  VOM  27.  FEBRUAR  1862. 


Herr  Prof.  Dr.  Aug.  Em.  Reuss  übersendet  eine  Abhandlung: 
„Die  Foraminierfen  des  norddeutschen  Hils  und  Gault". 

Herr  Regierungsrath  A.  Ritter  v.  Burg  legt  eine  Abhandlung 
„über  die  Wirksamkeit  der  Sicherheitsventile  bei  Dampfkesseln"  vor. 

Herr  Prof.  Dr.  Fr.  Unger  überreicht  die  II.  Abtheilung  seiner 
für  die  Denkschriften  bestimmten  Abhandlung:  „Syttoge  plantarum 
fossilium*. 

Herr  Dr.  S.  Subic  übergibt  den  I.  Abschnitt  einer  Abhandlung, 
betitelt:  „Grundzüge  einer  Moleeularphysik  und  einer  mechanischen 
Theorie  der  Elektricität  und  des  Magnetismus". 

Herr  Dr.  V.  v.  Lang  zeigt  und  erläutert  einen  nach  seiner  An- 
gabe eonstruirten  Apparat  zum  Messen  des  Winkels  der  optischen  Axen. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Akademie  der  Wissenschaften,  Königl.  Preuss.,  zu  Berlin,  Monats- 
bericht. December  1861.  Berlin,  1862;  8»- 
—  der  Wissenschaften,   Königl.    Bayer.,    zu  München,  Sitzungs- 
berichte. 1861.  II.  Heft  I.  München,  1861;  8" 
Annales   des  mines,  5e  Serie.  Tome  XX.  5"  Livraison    de   1861. 

Paris,  1861;  So- 
Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1348  — 1349.  Altona,  1862;  4»- 
Austria,  XIV.  Jahrgang,  VII.  &  VIII.  Heft.  Wien,  1862;  8°' 
Bauzeitung,  allgemeine,  XXVII.  Jahrgang,  I.  Heft  sammt  Atlas. 

Wien,  1862;  4"-  und  Folio. 
Canestrini,    Giov.,  I  Gobii   del   Golfo  di    Genova.  Con  4  tavole. 
(Estr.  dalPArch.  per  la  Zool.  t.  1.  f.  2  Febbr.  1862.)  8°- 


320 

Cos  mos,  XIe  Annee,  20e  Volume,  V  Livraison.  Paris,  1862;  So- 
Gesellschaft,  k.  k.  m.  schl.,  zur  Beförderung  des  Ackerbaues, 
der  Natur-  und  Landeskunde,  Mittheilungen.  Jahrgang  1861. 
Brunn;   4°*  —  Jahresheft  der  naturwissenschaftlichen  Section 
für  das  Jahr  1859.  Brunn,  1860;  8»-— Stmhal,  Jakob,  Anlei- 
tung zur  rationellen  Bienenzucht.  Brunn,  1861;  8°-  —  Idem 
Nävod  k  rozumnemu  vcelafstvi.  V  Brne,  1861;  8°- 
Gcw  erbe- Verein  ,  nieder-österreichischer,   Verhandlungen    und 
Mittheilungen.  Jahrgang   1862,  2.  Heft.   Mit  5  Holzschnitten. 
Wien,  1862;  8<>- 
Jena,  Universität,  Akademische  Gelegenheitsschriften  für  das  zweite 

Halbjahr  1861.  Camburg  und  Jena;  8<>-  und  4°- 
Land-    und   forstwirtschaftliche    Zeitung,   XII.    Jahrgang.   Nr.  6. 

Wien,  1862;  kl.  4°- 
Lot os.   Zeitschrift  für  Naturwissenschaften,  XII.  Jahrgang,  Januar 

1862.  Prag;  So- 
M  i  tth  ei  1  u ng e  n  aus  J.  Perthes*  geographischer  Anstalt.  Jahrgang 

1862,1.  Heft.  Gotha;  4«- 
Sociedad  deNaturalistas  Neo-Granadinos,  Boletin,  Junio  de  1860 — 

Enero  de  1861  (pag.  23—138).  Bogota  &  Loudres;  So- 
Verein,  physikalischer,  zu   Frankfurt  a.  M.,  Jahresbericht  für  das 

Rechnungsjahr  1860—1861;  So- 
Wiener  medicinische  Wochenschrift,  XII.  Jahrgang,  Nr.  7  und  8. 

Wien,  1862;  4o- 
Wochen-Blatt  der  k.  k.  steierm.   Landwirthschafts-Gesellschaft, 
XI.  Jahrgang.  Nr.  9.  Gratz,  1S62;  4o- 


SITZUNGSBERICHTE 


DEK 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE  CLASSE. 


xl\.  band. 


ERSTE  ABTHEILUNG. 


Enthält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Botanik, 
Zoologie,  Anatomie,  Geologie  und  Paläontologie. 


22 


321 


VIII.  SITZUNG  VOM  13.   MÄRZ   1862. 


Herr  Hofrath  W.  Haidinger  übersendet  eine  Mittheilung 
„über  das  Regenbogen-Phänomen  am  28.  Juli  1861". 

Herr  Director  K.  v.  Littrow  überreicht  die  Fortsetzung  seiner 
Arbeiten  über  physische  Zusammenkünfte  der  Asteroiden  im  Jahre 
1862,  nebst  einer  von  Herrn  Dr.  J.  Frischauf  durchgeführten 
Bahnbestimmung  der  Asia. 

Herr  Director  K.  Kr  eil  legt  eine  Abhandlung  „über  Barometer- 
schwankungen in  längeren  Perioden"  vor. 

Das  c.  M.,  Herr  Dr.  K.  Hörn  stein,  übergibt  eine  Abhandlung: 
„Helligkeits-Ephemeriden  und  Darstellung  des  Laufes  der  Asteroiden 
im  Jahre  1862",  von  Herrn  R.  So nnd orfer,  Assistenten  an  der 
hiesigen  k.  k.  Oberrealschule  auf  dem  Schottenfelde. 

Herr  Dr.  Ferd.  Zirkel  aus  Bonn  legt  eine  Abhandlung  vor, 
betitelt:   „Versuch  einer  Monographie  des  Bournonit". 

Herr  Dr.  S.  Subic  überreicht  den  II.  Abschnitt  seiner  Abhand- 
lung: „Grundzüge  einer  Molecularphysik  und  einer  mechanischen 
Theorie  der  Elektricität  und  des  Magnetismus". 

Herr  Dr.  Edm.  Reitlinger,  Assistent  am  hiesigen  k.  k.  physi- 
kalischen Institute,  übergibt  eine  Abhandlung:  „Über  Töne  und 
einige  Bewegungserscheinungen  im  Schliessungsbogen  des  galvani- 
schen Stromes". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Akademie  der  Wissenschaften,  Königl.,  zu  Amsterdam,  Verhande- 
lingen. IX.  Deel.  Met  Platen.  Amsterdam,  1861;  4»-  —  Vers- 
lagen en  Mededeelingen.  Afdeeling  Natuurkunde.  XI.  &  XII.  Deel. 
Amsterdam,  1861;  8°- — Jaarboekvoor  1860.  Amsterdam;  8°-  — 


322 

Verhandelingen  der  1.  Klasse  van  het  voormalig  koninkl.  Neder- 
landsch  Instituut,  Deel  III,  IV,V,  VII.  Amsterdam,  1817,  1818, 
1820  &  1825;  4°-  — Nieuwe  Verhandelingen  der  1.  Klasse,  Deel 

1,  II,  VI  &  XII.  Amsterdam,  1827-1829,  1837  &  1846;  4<>-  — 
Verhandelingen  der  2.  Klasse,  Deel  I — VIII.  In  den  Haag  &  Am- 
sterdam,  1818—1843;   4°-   —   Nieuwe    Verhandelingen    der 

2.  Klasse,  Deel  I  &  II.  Amsterdam,  1850  &  1851 ;  8<>-  — Gedenk- 
schrifteninde  Hedendaagsche Talen  van  de  3.  Klasse,  Deel  I — VI. 
Amsterdam,  1817—1848;  4«- 

American  Journal  of  Science  and  Arts,  New  Series.  Vol.  XXXIII. 

No.  97.  New  Haven,  1862;  8<>- 
Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1350  — 1351.  Altona,  1862;  4«- 
Austria,  XIV.  Jahrgang,  VIII.  — X.  Heft.  Wien,  1862;  8<>- 
Comptes  rendus  des  seances  de  l'Academie  des  sciences.  Tome 

LIV,  No.  5  &  6.  Paris,  1862;  4<>- 
Cosmos,    XI"   Armee,    20e  Volume,    8e  —    10"  Livraison.  Paris, 

1862;   8o- 
Favre,  P.A.,  Notices  sur  ses  travaux  scientifiques.  Paris,  1862;  4°- 
Fichtner,  J.,  Über  künstliche  Fischzucht.  (Aus  dem  2.  und  3.  Hefte 
der    Verhandlungen  und  Mittheilungen  des  nieder- österreichi- 
schen Gewerbe-Vereins.)  8°* 
Gazette  medieale  d  'Orient,  VeAnnee,  No.  1 1  .Constantinople.l  862 ;  4°- 
Gesellschaft,  k.  k.  zoologisch -botanische,   in  Wien,  Verhand- 
lungen. Jahrgang  1861.  XI.  Band.  Wien,  1861;  S°- 
—  naturforschende  zu  Bamberg,  V.  Bericht.  Für  das  Jahr  1860 — 61. 
Bamberg,  1861;  8°- 
Instituut,  Koninklijk  Nederlandsch  Meteorologisch,  —  Meteorologi- 
sche Waarnemingen,  1860.  Utrecht,  1861;  4°- 
Jahrbuch,  Neues,  für  Pharmacie  und  verwandte  Fächer.    Heraus- 
gegeben von  G.  F.  Walz  und  F.  L.  W  ine  kl  er.  Band  XVII. 
Heft  1.  Heidelberg,  1862;  So- 
Land-  und  forstwirtschaftliche  Zeitung,  XII.  Jahrg.,  Nr.  7  und  8. 

Wien,  1862;  kl.  4°- 
Mittheilungen  aus  J.   Perthes*  geographischer  Anstalt,  Jahrg. 

1862,  II.  Heft.  Gotha;  4<>- 
Neureich,  August,  Nachträge  zu  Maly's  Enumeratio  plantarum 
phanerogamicarwn  imperii  Austriaci  universi.  Herausgegeben 
von  der  k.  k.  zoolog.-bot.  Gesellschaft  in  Wien.  Wien,  1861 :  8°- 


323 

Society,  Tlie  Natural  History,  of  Montreal,  The  Canadian  Naturalist 
&  Geologist.  Vol.  VI.,  No.  6.  Montreal  &  London,  1861;  8«- 

Staring,  W.  C.  H.,  Geologische  Karte  der  Niederlande.  Blatt 
Nr.  19  &  20.  Harlem;  Folio. 

Wiener  medicinische  Wochenschrift,  XI.  Jahrgang,  Nr.  9  &  10. 
Wien,  1862;  4»- 

Wochen- Blatt  der  k.  k.  steierm.  Landwirthschafts-Gesellschaft, 
XI.  Jahrgang,  Nr.  10.  Gratz,  1862;  4°- 

Zeitschrift  für  Chemie  und  Pharmacie,  von  Emil  Erlenmeyer. 
V.  Jahrgang,  Heft  4.  Heidelberg,  1862;  8°- 
—  für  Fotografie  und  Stereoskopie,  II.  Jahrgang,  1861.  Nr.  22. 
Wien,  1862;  8°- 

Zerrenner,  Karl,  Über  die  Erweiterungsfähigkeit  des  Schwefel- 
bergbaues zu  Swoszowice  in  südlicher  Nachbarschaft  von 
Krakau.  (Berg-,  und  Hüttenmännische  Zeitung.  Jahrgang  XXI, 
Nr.  1  &  2.)  Freiberg,  1862;  4»- 


Giimhel.  Die  Dachsteinbivalvc  und  ihre  alpinen  Verwandten.  325 


Die  Dachsteinbivalue  (Megalodon  triqueter)  und  ihre  alpinen 

Verwandten. 

(Ein  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Fauna  der  Alpen.) 
Von  C.  W.  Giimbel, 

königlich   baierischera  Bergmeister. 

(Mit  7  Tafeln.) 

(Vorgelegt  von  dem  w.  M.  Berg  rat  h  Franz  v.  Haner.) 


Die  Dachsteinbivalve  and  die  alpinen  IQegalodonten. 

EINLEITUNG. 

In  der  nördlichen,  wie  in  der  südlichen  Nebenzone  der  Ost- 
alpen kommen  sehr  ausgedehnte  und  mächtige  Kalk-  und  Dolomit- 
bildungen vor,  welche  der  Hauptmasse  nach  sich  auf  eine  für  den 
Geognosten  höchst  unerfreuliche  Weise  durch  eine  grosse  Armuth 
an  organischen  Überresten  auszeichnen  und  daher  bei  der  geognosti- 
schen  Einreihung  grosse  Schwierigkeiten  machen.  Über  den 
schwarzen  Kalken  (Guttensteiner  Schichten),  welche  ihren  organi- 
schen Einschlüssen  zu  Folge  nach  fast  allseitiger  Annahme  dem 
mitteldeutschen  Muschelkalke  im  Alter  gleichzustellen  sind,  beginnt 
in  den  Alpen,  nur  durch  eine  verhältnissmässig  nicht  sehr  machtige 
Mergelschiefer-  (Partnachschichten-)  Bildung  von  dem  alpinen 
Muschelkalke  getrennt,  eine  Kalk-  und  Dolomitmasse  von  ungeheurer 
Mächtigkeit  sich  aufzuthürmen.  Sie  wird  nach  Oben  von  denjenigen 
Schichten  bedeckt  und  begrenzt,  welche  unzweideutig  dem  ausser- 
alpinischen  Lias  entsprechen.  Ammonites  angulatus  und  zahlreiche 
Arieten  bezeugen,  dass  diese  hangenden ,  meist  als  rothe,  platten- 
förmige  Kalke  entwickelten  Liasschichten  wenigstens  in  ihren  ersten 
und  tiefsten  Lagen  als  ein  Analogon  der  untersten  Stufen  des  ausser- 


326  Gümbel. 

alpinischen  unteren  Lias  anzusehen  sind.  Die  Kalk-  und  Dolomit- 
massen zwischen  jenem  Alpenmuschelkalke  und  dem  unzweideutigen 
alpinischen  Stellvertreter  der  unteren  Liasbildung  werden  zwar 
durch  mehrere  eingefügte,  bald  mehr  kalkige,  bald  mehr  thonige, 
versteinerungsreiche,  meist  schieferige  Zwischenlagen  in 
mehrere  Abteilungen  geschieden  und  getrennt,  doch  ist  die  petro- 
graphische  Beschaffenheit  dieser  darnach  unterscheidbaren  Kalke 
und  Dolomite  so  nahe  übereinstimmend,  dass  es  schwer  hält,  wo 
jene  Zwischenschichten  undeutlich,  verwischt  oder  nicht  entwickelt 
sind,  oder  wo  die  Lagerungsverhältnisse  durch  Schichtenver- 
rückungen  gestört  und  undeutlich  sind,  die  einzelnen  Gruppen  nach 
den  Lagerungsverhältnissen  und  der  Gesteinsbeschaffenheit  mit 
Sicherheit  zu  unterscheiden  und  zu  bestimmen.  Jene  erwähnten, 
versteinerungführenden  Zwischenschichten  sind  in  der  Regel  nur 
von  sehr  geringer  Mächtigkeit,  so  dass  sie  den  ausgedehnten  Kalk- 
und  Dolomitmassen  gegenüber  sehr  untergeordnet  erscheinen  und 
oft  nur  mit  grosser  Aufmerksamkeit  im  Gebirge  aufgefunden  werden 
können.  Ausserdem  bewirkt  ihre  meist  thonige  Beschaffenheit  eine 
rasche  Zerstörung  an  der  Oberfläche,  wodurch  sie  in  vollstän- 
dig zersetzten  Lehm  übergehen,  bei  meist  stark  geneigter  Schich- 
tenlage thalartige  Vertiefungen,  Sättel  und  Wasserrinnen  veranlassen 
und  im  Ausgehenden  auf  den  bei  Weitem  grössten  Strecken  von 
dem  aus  ihrer  Zersetzung  hervorgegangenen,  dem  ursprünglichen 
Gestein  sehr  unähnlich  gewordenen  Zersetzungsproducte  (Lehm) 
oder  von  Schutt  und  Geröll  überdeckt  und  dadurch  der  directen 
Beobachtung  entzogen  sind.  Im  gleichen  Masse  verlieren  sie  als 
Hilfsmittel  zu  der  geognostischen  Orientirung  an  Bedeutsamkeit. 

In  den  nördlichen  Kalkalpen  legen  sich  bald  mehr  thonig- 
kalkige,  bald  mehr  sandige  oder  mergelkalkige  Schichten  zwischen 
den  dunkelfarbigen  Alpenmuschelkalk  und  den  zunächst  höher  fol- 
genden hellgrauen,  meist  weisslichen  Kalk  und  Dolomit.  Es  sind 
dies  jene  Bildungen,  die  ich  unter  dem  Namen  der  Partnachschichten 
oder  des  alpinischen  Lettenkohlen-Schiefers  und  Sandsteines  in  den 
nördlichen  Kalkalpen  beschrieben  habe. 

In  den  südlichen  Kalkalpen  entsprechen  mit  grosser  Wahr- 
scheinlichkeit die  unter  dem  Collectivnamen  St.  Cassianer 
Schichten  zusammengefassten  Bildungen  mindestens  theilweise 
diesen  Lettenkohlenschichten    der  Nordalpen.     Zwischen    der  auf 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  327 

diese  thonig-sandige  Schichtenreihe  folgenden  Kalk-  und  Dolomit- 
inassen  (llallstätter  Kalk  und  Dolomit)  selbst,  lagern  zwei  thonig- 
kalkige  Zwischenbildungen,  die  sogenannten  Raibler  und  Kö sse- 
ner Schichten  *),  welche  ich  den  ausseralpinischen  Ablagerungen 
entsprechend  als  alpinische  untere  und  o  b  e  r  e  M  u  s  c  h  e  1  k  e  u  p  e  r- 
schichten  bezeichne2).  Diese  zwei  Zwischenbildungen  trennen 
die  hellfarbige  Kalk-  und  Dolomitmasse  in  drei  Abtheilungen. 

Die  tiefsten  und  ersten  Kalk-  und  Dolomitbildungen  —  die  so- 
genannten llallstätter  Schichten  und  die  Kalk-  und  Dolomit- 
schichten von  Esino,  oder  nach  meiner  Bezeichnungsweise  der 
untere  alpinische  Keuperkalk  —  liegen  demnach  zwischen 
den  Lettenkohlen-  oder  Partnachschichten  und  den  Raibler-  oder 
unteren  Muschelkeuperschichten  und  sind,  wo  diese  wirklich  ent- 
wickelt sind,  nach  der  Lagerung  leicht  zu  erkennen  und  zu  scheiden. 
Ott  aber  schliessen  sie  sich  unmittelbar  älteren  Gesteinsunterlagen 
an  oder  setzen  ohne  Zwischenlagen  und  desshalb  ohne  sehr  bemerk- 
bare Grenze  in  höhere  dolomitische  Massen  fort,  so  dass  sie  mit 
letzteren  einen  Schichtencomplex  ausmachen. 

Die  tiefste  Kalk-  und  Dolomitabtheilung  in  ihrer  bestimmten 
Abgrenzung  nach  unten  und  oben  ist  durch  gewisse  Eigenthümlich- 
keiten  vor  den  übrigen  zunächst  verwandten  Kalk-  und  Dolomitge- 
bilden ausgezeichnet. 

Wir  können  hier  zwar  weder  die  auf  grossen  Verbreitungs- 
strecken anhaltende  grössere  Reinheit  und  zugleich  reine  weissliche 
Färbung  dieser  Kalk-  und  Dolomitmasse,  noch  die  von  Stelle  zu 
Stelle  bemerkbaren  eigenthünilichen  grossoolithischen  und  mäandri- 
nisch-streifigen  Zeichnungen  als  sichere  Unterscheidungskennzeichen 
anführen.  Denn  diese  lithologischen  Charaktere  sind  viel  zu  unbe- 
ständig und  trügerisch,  um  sich  auf  dieselben  zu  verlassen,  so  ferne 
es  sich  um  Wiedererkennung  gleichartiger  Gebilde  an  etwas  von 
einander  entfernt  gelegenen  Fundorten  handelt.  Dagegen  stellen 
sich  hier  häufiger  als  in  den  nächst  höheren  Dolomitregionen  orga- 
nische Oberreste  ein,  welche,  wo  sie  vorkommen,  dem  Gesteine 
einen  bestimmten  paläontologischen  Charakter  verleihen.    Besonders 


*)  v.  Hauer,  SiUungsber.  d.  math.-natuw.  Cl.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  Bd.  XXIV,    S.  537 

und  Jahrb.  d.  k.  geol.  Reichsanst.  1853,  S.  736. 
2)  Güinbel    in:  Geognostische  Beschreibung  des  baierischen  Alpengebirges ,   S.     259 

und  356. 


328  Gümbel. 

sind  es  die  speciell  als  Hallstätter  Kalke  zu  bezeichnenden 
rothen  oder  rothgefleckten  und  weisslichen  Kalke  in  den  Nordalpen, 
welche  stellenweise  durch  die  Fülle  ihrer  Versteinerungen  so  grosse 
Berühmtheit  unter  den  Alpengesteinen  erlangt  haben. 

Stellenweise  sind  die  organischen  Stoffe  so  gehäuft,  dass  eine 
wahre  Lumachelle  entsteht.  Globose  Ammoniten  ganz  insbesondere, 
dann  gewisse  Chemnitzien,  die  überaus  häufig  vorkommende  Monotis 
salinaria,  Brachiopoden,  Gasteropoden  und  Pelecypoden  von  eigen- 
tümlichem Habitus  und  Korallen  machen  den  nicht  unbeträchtlichen 
Kreis  dieser  organischen  Einschlüsse  aus  und  reichen  vollständig  zu, 
das  Eigentümliche  dieser  Bildung  festzustellen,  sie  von  tieferen  und 
höheren  Lagen  abzutrennen  und  diese  Gesteinsstufe  an  entfernten 
Orten  wieder  zu  erkennen. 

In  den  Südalpen  umschliessen  zuckerkörnige,  weissliche  Dolo- 
mite (Schichten  von  Esino)  zahlreiche  Versteinerungen,  welche 
nach  allgemeinem  Urtheile  die  sie  einschliessenden  Sedimente  im 
Alter  den  Hallstätter  Schichten  gleichstellen  *). 

In  den  nördlichen  und  südlichen  Kalkalpen  erscheinen  diese 
Versteinerungen  in  gewisser  Häufigkeit,  aber  immerhin  nur  an 
wenigen  Punkten;  hier  aber  gleichsam  angehäuft,  so  dass  sie  gegen- 
über der  ausgedehnten  Verbreitung  der  hierher  gehörigen  Gebirgs- 
massen  demnach  im  Allgemeinen  nur  als  spärlich  verbreitet  bezeich- 
net werden  müssen. 

Die  grosse  Masse  des  Kalkes  und  Dolomites  ist  versteinerungs- 
arm, oder  es  finden  sich  darin  nur  wenige,  oft  dürftig  erhaltene, 
undeutliche  Fragmente  organischer  Überreste,  so  dass  man  in  den 
allermeisten  Fällen  genöthigt  ist,  die  Stufe,  welche  die  hierher  zu 
zählenden  Gesteine  einnehmen,  nach  den  oft  verwickelten  Lage- 
rungsverhältnissen und  nach  dem  nicht  immer  zuverlässigen  litho- 
logischen  Charakter  zu  bestimmen.  Am  meisten  Vorschub  leistet 
in  dieser  Hinsicht  ihre  Lagerung  zwischen  den  zwei  thonig-merge- 
ligen  Schichtenreihen,  nämlich  zwischen  den  Part  nach-  und 
Raibler  Schichten,  doch  stossen  wir  auch  hier  wieder  auf  neue 
Unsicherheiten.  Denn  selbst  in  den  Nordalpen  ist  die  Unterscheidung 
der  beiden  mergeligen  Schichtenreihen,  an  welche  als  dritte  nächst- 


*)  s  i  ii  |i  |i  ;i  n  i  .  Paleo.ntologie  lombarde,  Monographie  des  Gasteropodes  des  environs 
d'Esiuo,  p.  9. 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  3*9 

verwandte  Gruppe  die  des  oberen  Muschelkeupers  (Kössener 
Schichten)  sich  anschliesst,  nicht  ohne  Schwierigkeit.  Wollen  wir 
von  dem  Vorkommen  der  oft  mehreren  Stufen  gemeinsamen,  seltenen 
Pflanzenreste,  sowie  von  dem  Einschlüsse  der  polymorphen  llalubia 
Lommeli  absehen,  so  ist  nicht  zu  verkennen,  dass  die  unteren 
Muschelkeuperschichten  (Raibler)  ziemlich  zahlreiche,  oft  iden- 
tische, oft  zunächst  mit  Arten  von  St.  Cassian  verwandte  Formen 
einschliessen,  wodurch  die  genaue  paläontologische  Unterscheidung 
beider  Stufen  erschwert  wird.  Doch  finden  sich  eigenthümliche 
Species  in  den  Raibler  Schichten,  welche  die  Selbstständigkeit 
dieser  Stufe  in  den  Nordalpen  ausser  Zweifel  setzen  und  auf  wenig- 
stens einigermassen  ausgedehnte  Strecken  diese  Bildung  bestimmt 
zu  erkennen  gestatten.  Aber  in  wie  viel  hundert  Fällen  ist  auf 
meilenweiten  Strecken  deren  Spur  verwischt  oder  sind  die  Schichten 
selbst  zweideutig  ausgebildet,  oder  durch  überstürzte  Lagerung 
sogar  in  scheinbar  umgekehrte  Lagerungsbeziehung  zu  den  Kalk- 
massen gesetzt? 

Weniger  sicher  scheinen  die  Verhältnisse  in  den  Südalpen 
festgestellt  zu  sein.  Zwar  ist  durch  F.  v.  Hauer  in  den  lombardi- 
schen Alpen  eine  gleiche  Schichtenordnung,  wie  in  den  Nordalpen 
nachgewiesen  worden.  Aber  diese  Auffassung  wurde  von  Seite 
einiger  italienischer  Geognosten  nicht  ohne  Einrede  aufgenommen1), 
indem  behauptet  wurde,  dass  hier  die  Repräsentanten  der  Raibler 
Schichten  —  die  Schichten  von  Dossena  —  unter  dem  Esino-Dolomit 
gelagert  angenommen  werden  müssten.  Diese  Unsicherheit  vermehrt 
sich  durch  die  fast  gleichförmige  lithologische  Beschaffenheit  der 
mit  den  Mergel-  und  Sandstein-Zwischenlagen  zusammen  vorkom- 
menden Dolomite  ,  wodurch  Verwechslungen  der  verschiedenen 
Stufen  so  leicht  möglich  sind.  Schon  Escher  v.  d.  Linth  glaubte 
(Geol.  Bern.  ü.  Vorarlb.  p.  112u.  113)  vier  Dolomitetagen  wenigstens 
örtlich  in  den  lombardischen  Alpen  unterscheiden  zu  können ,  worin 
zwei  obere  Etagen  den  Dachsteinkalk  (mit  Megalodon  scutatus 
Schafh.)  und  die  Kössener  Schichten  repräsentiren,  während  die 
Hauptmassen  des  Dolomites,  zu  welchen  auch  jene  versteinerungs- 
reichen Schichten  von  Esino  gehören,  über  den  Schichten  (Dossena, 
Oncta)  mit  Myophoria  Whatleyae  ihre  Stelle  fänden.  Stoppani  stellt 


i)  Stoppani  I.  c.  p.  8. 


330  Gümbel. 

1.  c.  7 — 9)  den  versteinerungsreichen  Dolomit  und  Kalk  von  Esino 
mit  dem  Hallstätter  Kalke  in  gleiches  Niveau  und  glaubt  annehmen 
zu  müssen,  dass  diese  Esinoschichten  über  den  mehr  mergeligen 
Gebilden  von  Dossena  liegen,  folglich,  dass  letztere  kein  Äquivalent 
für  die  Raibler  Schichten,  vielmehr  mit  den  eigentlichen  Gebilden 
von  St.  Cassian  von  gleichem  Alter  seien.  Ragazzoni *)  erklärt 
diese  von  der  Auffassung  v.  Hauer's  abweichende  Ansicht  Stop- 
pani's  daraus,  dass  Stoppani  den  Kalk  von  Esino  mit  dem  oberen 
Triasdolomit  (Hauptdolomit)  identificirte,  unter  welchem  letzteren 
allerdings  die  Raibler  Schichten  lagern.. 

Stoppani 's  neue  Gliederung3)  gibt  folgende  Reihenfolge: 

A.  Lias. 

1.  Rildungen  von  Saltrio,  Kalk  mit  Ammonites  bisulcatus, 
Gryphaea  arcuata. 

2.  Oberer  Dolomit  (Dachsteinkalk)  mit  einer  Bivalve  Mega- 
lodon  scM^M^s-ähnlich  oder  mit  ihr  identisch. 

!a)  Schichten  v.  Azzarola, 
b)  Lumachelle  u.  schwar- 
ze Mergelschichten. 

B.  Oberer  Trias. 

4.  Mittlerer  Dolomit  (mittlerer  Dolomit  im  besonderen  mit 
Cardium,  Esinokalk)  mit  der  Fauna  von  Esino  (Äquivalent  der 
Hallstätter  und  Cassianer  Bildungen). 

5.  Schichten  von  Gorno  und  Dossena  (Äquivalent  der 
Raibler  Schichten). 

Diese  neueste  Gliederung  der  südalpinischen  Kalkmassen  im 
Vergleiche  zu  jenen  in  den  Nordalpen  Hesse  sich,  falls  sie  richtig  ist, 
nur  erklären,  wenn  in  den  Südalpen  entweder  das  wahre  Äquivalent 
der  Raibler  Schichten  fehlt  und  so  der  unter  den  Kössener  Schichten 
(3)  gelagerte  Hauptdolomit  (unterer  Dachsteinkalk  und  Dolomit  von 
Richthofen)  mit  dem  Hallstätter  Kalke  in  ein  Kalkschichtensystem 
verschmilzt,  oder  indem  beide,  Hauptdolomit  und  Raibler  Schichten 
zugleich,  nicht  entwickelt  sind,  oder  endlich  indem  das  wahre  Äqui- 
valent der  Hallstätter  Kalke  und  Dolomite  ausfiele  und  so  die  Schichten 
von  Esino  in  das  Niveau  desHauptdolomits  zu  setzen  und  die  Schichten 


!)  Jahrb.  der  geol.  Reichsansi.  1859.  X.  Verh.  p.  192. 
2)  Paleont.  lombarde,  2.  Se'rie,  p.  147. 


Die  Dachsteinunralve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  o»)l 

von  Dossena  mit  jenen  von  St.  Cassian  oder  bestimmter  mit  den 
Partnach-Schichten  der  Nordalpen  zu  vereinigen  wären.  Vergleicht 
man  hiermit  die  Beobachtungen,  welche  von  verschiedenen  Forschern 
in  den  Südalpen  angestellt  wurden,  so  scheint  es  am  wahrschein- 
lichsten, dassStoppani  den  Kalk  und  Dolomit  unmittelbar  unter 
den  Schichten  mit  Avicula  contorta,  die  nach  verschiedenen  Angaben 
noch  die  berühmte  grosse  Bivalve  enthalten,  mit  denjenigen  kalkigen 
Schichten  vereinigt  hat,  die  das  echte  Äquivalent  der  Hallstätter 
Schichten  sind,  indem  wohl  das  trennende  Glied  —  Raibler  Schich- 
ten —  wie  es  in  den  Nordalpen  öfters  der  Fall  ist,  stellenweise  ver- 
wischt, unentwickelt  oder  unansehnlich  ist. 

Leider  fehlt  es  gerade  in  diesen  Gliedern  an  häufiger  verbreiteten 
und  leitenden  Versteinerungen,  die  hier  sichere  Anhaltspunkte  ge- 
währten. Nur  die  eine  Thatsache  scheint  sich  hieraus  festzustellen, 
dass  nämlich  der  ganze  Schichtencomplex  von  den  St.  Cassianer 
Bildungen  bis  hinauf  zum  oberen  Dolomite,  oder  dem  Repräsentanten 
des  Dachsteinkalkes,  ein  ebenso  eng  verbundenes  Ganzes 
bildet,  wie  ich  dasselbe  in  den  Nordalpen  nachgewiesen  habe.  Hier 
nimmt  über  dem  in  fiist  ununterbrochenem  Zuge  zu  verfolgenden 
Schichtenstreifen  des  unteren  Muschelkeupers  (Raibler Schich- 
ten) zunächst  eine  sehr  mächtige  Dolomitmasse  ihre  Stelle  ein.  Es 
ist  dies  der  sogenannte  Hauptdolomit  oder  der  untere  Dach- 
steinkalk und  Dolomit.  Durch  den  ganzen  Zug  der  bayerischen 
und  Tiroler  Alpen ,  in  welchem  der  Dolomit  häufig  eine  Mächtigkeit 
von  mehreren  tausend  Fuss  gewinnt  und  in  mehrere  parallele  Züge 
von  meilengrosser  Breite  sich  ausdehnt,  ist  diese  Lagerungsweise 
conslatiit  und  dadurch  die  Altersbeziehung  sicher  gestellt,  wenn 
auch  trotz  dieser  enormen  Verbreitung  fast  jede  Spur  von  organi- 
schen Einschlüssen  fehlt.  Ausser  den  Fisch-  und  Pflanzenresten  in 
den  eingelagerten  bituminösen  oder  Asphaltschiefern  sind  solche 
nur  äusserst  spärlich  bekannt  geworden.  So  hat  bei  LeibelGng  im 
Iunthale  Herr  v.  Hauer  den  Einschluss  eines  Megalodon  ähnlichen 
Steinkernes  beobachtet  und  hie  und  da  sieht  man  Spuren  von  Stein- 
kernen, meist  aber  in  Blöcken,  deren  ursprüngliche  Lagerstätte 
schwierig  zu  ermitteln  ist.  Zum  Glück  lässt  in  einem  grossen  Theile 
der  Nordalpen  weder  die  so  bestimmt  ausgeprägte  Gesteinsbeschaf- 
fenheit, noch  die  meist  klar  aufgeschlossene  Lagerung  einen  Zweifel, 
ob  diese  oder  jene  Dolomitmasse  dem  Hauptdolomite  angehöre  oder 


332  Gfimbei. 

nicht.  Wo  aber,  wie  es  bereits  in  den  östlichen  Gegenden  der  baye- 
rischen, häufiger  noch  in  den  Salzburger  Alpen ,  und  wie  es  wahr- 
scheinlich ähnlich  auf  grösseren  Strecken  in  den  Südalpen  vorkommt, 
die  Zwischenschicht  des  unteren  Muschelkeupers  (Raibler  Schich- 
ten) fehlt,  oder  undeutlich  und  verwischt  ist,  da  schmilzt  sehr  häufig 
das  dolomitische  Gestein  der  Hallstätter  Schichten  mit  dem  Haupt- 
dolomite zu  einem  scheinbar  ungetheilten  Ganzen  zusammen.  Ein 
ganz  ähnliches  Verhältniss  findet  auch  nach  Oben  Statt.  Wenn 
zwischen  dem  Hauptdolomite  und  dem  Dachsteinkalke  oder  dem 
diesen  letzteren  vertretenden  Dolomite  selbst  die  meist  versteine- 
rungsreichen, mergeligen  Bänke  des  oberen  Muschelkeupers  oder 
der  Kössener  Schichten  vorkommen,  dann  ist  eine  Sonderung  leicht. 
Stellenweise  ist  dies  jedoch  nicht  der  Fall;  es  fehlen  auf  weite 
Strecken  zuweilen  diese  trennenden  Zwischenschichten,  so  dass  dann 
Hauptdolomit  und  Dachsteinkalk  unmittelbar  an  einander  stossen  und 
in  einander  übergehen.  Hier  sind  wir  nun  am  Punkte  angelangt,  wo 
uns  die  Hilfe  der  Paläontologie  doppelt  nothwendig  wäre.  Der  Dach- 
steinkalk ist  meist  mit  organischen  Einschlüssen,  wenn  auch  gerade 
nicht  reichlich,  versehen ;  die  D  a  c  h  s  t  e  i  n  b i  v  a  1  v  e  ist  hier  häufig ; 
häufiger  noch  stellen  sich  Koralleneinschlüsse  ein.  Im  Übrigen  sind 
es  vorherrschend  die  Arten  des  oberen  Muschelkeupers,  die  sich 
auch  im  Dachsteinkalke  wieder  finden.  Die  dem  Dachsteinkalke  so 
häufig  eingebettete  sogenannte  Da  chsteinbivalve  und  ihr  ähn- 
liche Formen  werden  in  den  Alpen  sehr  häufig  erwähnt.  Bei  der 
grossen  Seltenheit  leitender  Versteinerungen  in  einem  sehr  grossen 
Theile  der  alpinischen  Kalk-  und  Dolomitmassen  ist  gerade  der  Fund 
dieser  äusserlich  leicht  sich  bemerkbar  machenden  und  selbst  in 
Fragmenten  vorleuchtenden  Muschel  von  grösster  Wichtigkeit.  Man 
pflegt  den  Fund  dieser  charakteristischen  Muschel  als  ein  sicheres 
Zeichen  anzusehen,  dass  das  sie  umschliessende  Gestein  dem  Dach- 
steinkalke gleichzustellen  sei.  Ehe  diese  Schlussfolge  in  ihrer  All- 
gemeinheit als  richtig  anzuerkennen  ist,  scheint  es  nothwendig  einige 
Thatsachen  vorher  erst  sicher  festzustellen.  Es  entsteht  zunächst 
die  Frage,  gehören  alle  als  sogenannte  Dachsteinbivalven  ange- 
sprochenen, oft  nur  dürftig  erhaltenen  Muscheltheile  einer  einzigen 
Species  und  einem  einzigen  Schichtencomplexe  an ,  oder  sind  unter 
einer  anscheinend  gleichen  Form  verwandte  Arten  versteckt,  welche 
durch    eine  Heihe   von  Schichten  hindurchreichen.    Es  wird  um  so 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  333 

mehr  nothwendig  sein,  dies  einer  sorgfältigeren  Untersuchung  zu 
unterziehen,  als  häufig  nur  Steinkerne,  welche  ohnehin  bezüglich 
ihrer  Bestimmung  die  Sicherheit,  wie  bei  einer  mit  Schale  erhaltenen 
Muschel  nicht  mehr  gewähren,  beobachtet  werden.  Ferner  ist  fest- 
zustellen, ob  diese  Dachsteinbivalve  lediglich  auf  den  Dachsteinkalk, 
d.  h.  auf  die  Kalkbänke  oberhalb  des  oberen  Muschelkeupers  be- 
schränkt sei,  oder  auch  in  Schichten  von  tieferem  Niveau  vorkomme. 
Erst  nachdem  diese  Verhältnisse  festgestellt  sind,  kann  man  ge- 
sicherte Schlüsse  bezüglich  der  Stellung  der  die  Dachsteinbivalve 
führenden  Kalkbildungen  ziehen.  Es  ist  daher  wohl  einleuchtend, 
von  welch'  grossem  Interesse  für  die  Alpengeognosie  es  ist,  diese 
Frage  über  die  Dachsteinbivalve  näher  zu  erörtern  und  soweit  thun- 
lich  zu  beantworten.  Ehe  wir  jedoch  dieses  zu  thun  versuchen, 
wollen  wir  noch  einen  Blick  auf  den  umfangreichen  Schichtencomplex 
zurückwerfen,  der  hier  als  alpinischer  Keuper  zum  Theil  abweichend 
gegen  gewichtige  Ansichten  vieler  Alpenforscher  aufgefasst  wurde, 
und  uns  über  diese  Parallelisirung  rechtfertigen. 

Geognostische  Stellang. 

Wir  wissen  wohl,  dass  es  bei  Entscheidung  der  Frage,  ob  der 
grosse  Schichtencomplex  vom  Hallstätter  bis  zum  Dachsteinkalke 
ungetheilt  der  oberen  Trias  (Keuper)  zuzuzählen  sei,  oder  halb  der 
Trias,  halb  dem  Lias  zufalle,  nicht  vom  grossen  Gewichte  ist,  auf  die 
lithologische  Entwicklung  sich  zustutzen.  Indessen  scheint  die  merk- 
würdige Übereinstimmung  der  Entwickelung,  welche  wir  durch  alle 
diese  Schichten  wahrnehmen  in  dieser  Hinsicht  dennoch  nicht  unbe- 
achtet bleiben  zu  dürfen.  Wer  wollte  nicht  in  der  gleichartigen  mecha- 
nischen Bildung  der  sogenannten  Cassianer,  Raibler,  Kössener  Schich- 
ten, welche  oft  mit  staunenswerther,  bis  in's  Kleine  gehender  Ähnlich- 
keit sich  wiederholt,  eine  Andeutung  finden,  dass  alle  diese  Bildungen 
unter  ziemlich  gleichen  Verhältnissen  entstanden  sind,  und  einem  ge- 
meinsamen grossen  Zeitabschnitte  in  der  Bildung  der  Erdrinde  zuge- 
hören? Und  vollends,  wenn  wir  die  meist  nach  petrographischen 
Kennzeichen  nicht  zu  unterscheidenden  Kalke  von  Hallstatt  und  jene 
des  Dachsteinkalkes,  oder  die  Dolomite  der  Hallstätter  Schichten,  des 
Hauptdolomites  und  des  Dachsteinkalkes  mit  einander  vergleichen, 
und  wenn  wir,  wo  Zwischenschichten  fehlen,  sämmtliche  Schichten 
in  einem  Kalkmassiv  vereinigt  sehen,   wer  wollte  es  nicht  natür- 


334  Gümbel. 

lieber  erachten,  dass  diese  Massen  allein  ganz  zusammengefasst 
werden,  als  dass  man  sie  auseininderreisse  und  verschiedenen  Forma- 
tionen zutheile.  Auch  die  ununterbrochen  gleichförmig  fortschrei- 
tende Lagerung  durch  alle  diese  Schichten  spricht  für  eine  solche 
Zusammenfassung.  Doch  wir  gestehen,  dies  ist  nur  Nebensache- 
Das  Hauptgewicht  liegt  unstreitig  in  den  paläontologischen  Verhält- 
nissen. Hier  sprechen  Zahlen.  Wir  haben  nachgewiesen  *),  dass  in 
den  obersten  Schichten  des  Alpenkeupers  unter  166  Arten,  IS  mit 
solchen  der  Cassianer  Schichten  und  7  mit  solchen  der  Raibler 
Schichten  identisch  sind,  während  nur  höchstens  2  Species  mit 
solchen  des  ausseralpinischen  Lias  übereinstimmen,  mit  dem  Alpen- 
lias  sich  jedoch  keine  einzige  Art  identisch  erwies. 

Auf  Grund  dieses  paläontologischen  Verhaltens  haben  wir  die 
Schichten  mit  Einschluss  jener  des  Dachsteinkalkes  dem  Alpenkeuper 
zugewiesen.  Man  stützt  sich  häufig  bei  einer  dieser  Ansicht  ent- 
gegenstehenden Auffassung  auf  die  Ähnlichkeit  und  Analogie  mehre- 
rer Species  der  Kössener  Schichten  mit  Arten  des  ausseralpinischen 
Lias,  und  hebt  die  geringere  Verwandtschaft  mit  triasischen  Formen 
betonend  hervor.  Bei  dieser  Vergleichung  vergisst  man  gänzlicb, 
dass  es  auch,  abgesehen  von  den  absolut  identischen  Muschelschich- 
ten des  Bonebed,  ausserhalb  der  Alpen  fast  total  an  einer  triasi- 
schen Fauna  fehlt,  welche  jener  der  Kössener  Schichten  im  Alter 
zunächst  stände.  Wie  können  die  nur  dürftig  vorkommenden  und 
nur  erst  höchst  unvollkommen  bekannten  Conchylienreste  der  Letten- 
kohle und  des  mittleren  Keuperdolomites  in  dieser  Beziehung  in 
Vergleichung  gestellt  werden  mit  dem  an  zahllosen  Orten  gesammel- 
ten und  sorgsamst  beschriebenen  Versteinerungen  des  unteren  Lias? 
Meist  ist  es  daher  nur  die  viel  ältere  Muschelkalkfauna,  mit  welcher 
die  der  Kössener  Schichten  verglichen  wird,  da  die  am  meisten  ver- 
wandte, nächst  ältere  ausseralpinische  Fauna  des  mittleren  und 
oberen  Keupers  artenarm  und  wenig  bekannt  ist.  Und  doch  kann 
man  nicht  annehmen,  dass  in  der  ungeheuren  Zeitperiode  zwischen 
der  Muschelkalk-  oder  der  Lettenkohlenbildung  und  der  Entstehung 
des  Bonebeds  die  organischen  Wesen  auf  der  Erde  gefehlt  haben, 
oder  so  spärlich  gewesen  sind,   wie  es  die  Aimuth  der  Keupersand- 


*)   Gümbel,  Geogn.    Beschreibung   des    baier.   Alpengebirges   und   seines   Vorlandes. 
S.  413. 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  )>))!> 

steine  und  der  Lettenschiefer  anzuzeigen  scheint.  Es  wurden  diese 
eben  unter  eigentümlichen  Bedingungen  in  Wasserhecken  abgesetzt, 
in  welchen  fast  ausschliesslich  die  durchgreifende  Bildung  von  Sand 
und  Schief  erthon  gleichen  Schritt  hielt  mit  den  eine  reiche  und  gedeih- 
liehe Eiitwickelung  der  Organismen  hindernden,  störenden  oder  aus- 
.schüessenden  Verhältnissen.  Die  Fauna  der  Partnach,  der  B;iihler 
und  Kössener  Schichten  repräsentirt  eben  gerade  die  Thierwclt  der 
Lettenkohlen,  der  mittleren  und  oberen  Keuperzeit,  welche  ausser- 
halb den  Alpen  nicht  zur  gleich  weiten  Entwickelang  kam,  und  muss 
daher  vermöge  dieser  ihrer  Zeitstellung  in  den  tiefsten  Schichten 
mehr  mit  der  Muschelkalkfauna,  in  den  Hangenden  mehr  mit  jener 
des  Liäs  Analogien  vorkommen  lassen,  wie  es  sich  in  der  That  zeigt- 

Ausserhalb  der  Alpen  sind  es  die  nächst  höhern  Liasschiehten, 
mit  deren  organischen  Einschlüssen  man  die  Muschelversteiuerungen 
des  Bonebed  vergleicht  und  auf  Grund  dieser  Vergleichung  haben 
mehrere  Geognosten  dieses  als  supratriasisch  der  Juraformation 
zutheilen  zu  müssen  geglaubt.  Aber  ist  dieses  Verfahren  nicht  ein- 
seitig, so  lange  man  nicht  in  der  Lage  ist,  die  Bonebedmuscheln 
auch  bezüglich  ihrer  Ähnlichkeit  mit  Formen  solcher  Schichten 
zusammenzuhalten,  die  in  entsprechender  Weise,  wie  die  Lias- 
schiehten nach  oben,  so  nach  unten  den  Schichten  der  Avicula 
contorta  benachbart  lagern?  In  den  Alpen  sind  diese  Verhältnisse 
etwas  anders.  Die  Kalkbank  oberhalb  der  Kössener  Schichten 
(Dachsteinkalk)  ist  völlig  getrennt  von  den  tiefsten  und  ersten 
Liasbildungen  —  keine  Species  geht  von  der  einen  in  die  andere 
über,  wohl  aber  in  die  unter  den  Kössener  Schichten  gelagerten 
Bildungen,  die  man  demnach  auch  als  unteren  Dachsteinkalk  bezeich- 
net hat;  ja  Kössener  Species  reichen  selbst  bis  in  die  Baibier 
Schichten  und  noch  tiefer  hinab. 

In  nicht  seltenen  Fällen  verschmilzt  der  graue,  untere  Dach- 
steinkalk untrennbar  mit  den  Hallstätter  Schichten,  die  doch  sammt 
den  Baibier  Schichten  allseitig  als  triasisch  angenommen  werden.  Ist 
es  nun  nach  alle  dem  naturgemäss,  in  den  Alpen  sogar  noch  den 
unteren  Dachsteinkalk  —  eine  Bildung  von  oft  mehr  als  1000' 
Mächtigkeit  —  gleichsam  als  Anhängsel  dem  Lias  zuzutheilen,  mit 
welchem  dieser  ganze  Schichtencomplex  keine  einzige  Art  von 
organischen  Einschlüssen  gemeinsam  besitzt  und  von  welchem  er 
durch  Lagerung  und  Gesteinsbeschaffenheit  ziemlich  scharf  getrennt 
Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Cd.  I.  Abth.  •>■> 


336  G  iim  bei. 

ist?  Scheint  es  diesem  gegenüber  nicht  naturgemässer,  die  Ge- 
sainmtbildung  des  Dachsteinkalks  und  der  Kössener  Schichten, 
welche  gemäss  vieler  durch  sie  hindurchreichender  Versteinerungen, 
durch  gleichförmige  lithologische  Entwicklung  und  Lagerung  mit 
den  tiefer  gelagerten  Schichten  so  innig  verwandt  sind,  mit  diesen 
enger  vereinigt  zu  lassen  und  dem  Keuper  anzuschliessen  und  dem- 
gemäss  diese  oberen  Glieder  schon  allein  wegen  ihrer  kolossalen 
Mächtigkeit,  als  eine  besondere  triasische  Abtheilung  —  Rhätische 
Stufe  9  —  zu  behandeln. 

Wir  konnten  uns  bis  jetzt  von  der  Natürlichkeit  der  letzten 
Auffassung  durch  keine  Gegengründe  abbringen  lassen  und  glauben 
um  so  mehr  auf  unserem  früheren  Vorschlag  bestehen  zu  dürfen,  als 
auch  Prof.  Suess3)  neuerlich  demselben  beigestimmt  hat. 

Wir  wenden  uns  nunmehr  den  näheren  Untersuchungen  der 
Dachsteinbivalve  zu.  Hier  erscheint  es  in  erster  Linie  not- 
wendig, zu  bestimmen,  welche  organischen  Überreste  und  mit  weichen 
verschiedenen  Namen  dieselben  überhaupt  unter  dieser  Bezeichnung 
zusammengefasst  worden  sind.  Es  kommen  hier  begreiflicherweise 
nur  organische  Überreste  aus  den  Alpen  in  Frage,  da  ausserhalb 
dem  Alpensystem  und  seinen  Verzweigungen  ähnliche  Formen  in 
analogen  Bildungen  nirgends  gefunden  wurden. 

Die  ureigentliche  Dachsteinbivalve  ist  jene  auf  dem  Dach- 
steingebirge der  Salzburger  Alpen  in  einem  weissiichen,  bis- 
weilen röthlichen  Kalke  eingeschlossene  Muschel ,  welche  wegen 
der  Häutigkeit  ihres  Vorkommens  und  der  auffallenden  Form  ihrer 
verschiedenen  Durchschnitte  schon  frühzeitig  die  Aufmerksamkeit 
des  Gebirgsbewohners  und  des  Gebirgsforschers  auf  sich  gezogen 
hatte.  Bald  sind  es  herzförmig  gestaltete  Buckeln,  welche  sich  aus 
der  Oberfläche  des  verwitternden  Kalkfelsens  erheben,  bald  jene  durch 
den  Querdurchschnitt  zum  Vorschein  kommenden  Zeichnungen, 
welche  die  Form  eines  Kartenspielherzens  zeigen,  bald  jene  neben 
einander  gestellten  Vertiefungen,  welche  der  Fährte  des  Hirsches 
am  ähnlichsten  sehen.  Daher  bezeichnete  der  Mund  des  Volkes  diese 
Gestalten  bald  als  „versteinerte  Herzen",  bald  als  „Hirschentritte"; 
dem  Kundigen  galt  sie  als  eine  versteinerte  Muschel,   welche  sich 


i)  G  um  bei,  im  amtl.  Ber   über  d.  XXXIV.  Versamml.  d.  Nat.  in  Karlsruhe,  |>.  S4. 
2)  Suess,  im  Jalub.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst  in  Wien. 


Die  Dachsteinbivalre  und  ihre  alpinen  Verwandten.,  33 T 

zunächst  dem  Genus  hocardia  oder  Cardium  anschliesse.  Auch  an 
vielen  anderen  Stellen  hatte  man  in  den  Kalkalpen  ähnliche  grosse  herz- 
förmige Versteinerungen  hemerkt.  Zuerst  war  es  wohl  Wu  1  f  e  n,  welcher 
mit  wissenschaftlichem  Kruste  einer  solchen  Herzmuschel  seine  Auf- 
merksamkeit zuwendete.  Die  von  ihm  untersuchten  Exemplare  waren 
Steinkerne  aus  dem  Kalk-  und  Dolomitgebirge  bei  Bleiberg  in 
Kärnten.  Er  hatte  sie  früher  für  Bucarditen  gehalten.  In  seiner 
neueren  Schrift <)  gab  er  in  der  zweiten  Figur  u.  p.  47  u.  f.  eine 
eben  so  gute  Abbildung  als  treffliche  Beschreibung  von  diesem  Blei- 
berger Steinkern,  dem  er  den  Namen  Cardium  triquetrum  beilegte. 

Eine  besondere  Form  hat  schon  1781  Hacquet  in  dem  zwei- 
ten Theile  seiner  Oryctographia  carniolica,  S.  3  und  4  beschrieben 
und  auf  dem  Titelblatte  abgebildet.  Sie  stammt  von  dem  Dorfe 
Podpetsch  bei  Laibach  aus  einem  mergeligen  Kalke  und  besteht 
selbst  aus  schwarzem  Kalkspath,  der  von  eisenschüssigem  Thone 
überzogen  ist.  Dies  stimmt  so  vollständig  mit  den  Exemplaren 
überein,  die  ich  von  gleicher  Fundstätte  vor  mir  habe,  dass  die 
Identität  mit  dieser  Ha  cqu et' sehen  Art  unzweifelhaft  ist.  Dieselbe 
Art  erwähnt  später  1788  Joh.  Sam.  Schröter  in  seinem  lith.  Beal- 
und  Verballexikon,  Bd.  VIII,  p.  188  unter  seinen  Venusmuscheln  von 
gleichem  Fundorte  unter  Bezugnahme  auf  Hacquet' s  Beschreibung 
und  Abbildung,  ohne  ihr  einen  besonderen  Namen  zu  geben. 

Erst  v.  Schlot  heim  bezeichnet  1820  in  seiner  Petrefacten- 
kunde,  p.  208  die  Hacquet' sehe  Muschel  als  Bucardites  chamae- 
formis,  ohne  sie  weiter  zu  beschreiben.  Es  erweist  sich  damit, 
dass  Schlotheim  nicht  die  eigentliche  Dachsteinbivalve,  sondern 
eine  Art  vor  sich  hatte,  die  später  näher  beschrieben  werden  soll. 

Auch  in  den  italienischen  Alpen  wurden  ähnliche  Thierreste 
gefunden.  Brocch  i2)  identificirte  diese  1822  mit  dem  Wulfe  n'schen 
Cardium  triquetrum  und  Ca  tu  Ho3)  folgte  dieser  Annahme.  Seine 
Figuren  t.  I,  D,  E,  F  entsprechen  genau  und  in  allen  Theilen  der 
W u I fe n' sehen  Figur,  nämlich  dem  Cardium  triquetrum  des  Dolo- 


1)  Xaver i us  Wulfen' 9  Abhandlungen  vom  Känifen'scheu    pfauenschweifigen    Hel- 

iiiiiitliulüli  oder  dem  sogenannten  opalisirenden  Muschelmarmor.Erlangen  bei  Jobann 
Jakob  Palm.  1793 

2)  Brocchi    Mem.  sopro   le   speloncbe   di  Adelsberg  in:  ßihliot.  Italiania  1822.  279. 
t.  XXV. 

s)  Catullo    Saggio  di  zool.  fossile     p.  140,  t.  I.  fig.  D,  E,  E  und  t.  II.  fig.  A  a. 

23  * 


338  G  um  bei. 

mites,  während  Fig.  t.  II,  f.  A  bis  iu's  Einzelne  dem  Steinkern  der 
Dachsteinbivalve  gleichkommt,  welche  statt  aus  Dolomit  aus  Kalk- 
masse besteht  Wir  finden  bei  diesen  Kalken  namentlich  die  Längs- 
leisten, wie  sie  die  Zeichnung  andeutet,  meist  gut  erhalten.  Ein 
specieller  Unterschied  zwischen  beiden  Tafel  I  und  II  scheint  dem- 
nach nicht  zu  bestehen ,  ausser  dass  die  dolomitischen  Stein- 
kerne weit  abgewitterler  und  unvollständiger  sind.  Auf  ähnlich 
gestaltete  Muscheln  hatte  unter  dem  Namen  Isocardia  carinthiaca 
frühzeitig  schon  Boue1)  wiederholt  aufmerksam  gemacht.  Auch 
Boue's  Exemplare  stammen  aus  der  Nähe  Bleibergs,  wie  das 
Wulfen' sehe  Cardium  triquetrum,  fanden  sich  aber  in  Gesellschaft 
von  Versteinerungen  der  Baibier  Schiebten : 

Myophoria  Kef'ersteini  (Cryptina  Raibeliana  Boue^),  Corbula 
Rosthorni,  Corbis  Mellingi  (?  Cypricardia  antiqua  Bou ej. 

Boue  selbst  hält  seine  Isocardia  identisch  mit  Wulfe  n's  Car- 
dium, dessen  Abbildung  er  für  nicht  gelungen  erklärt.  Indess  ist 
zwischen  beiden  Abbildungen  schwer  eine  Vergleichung  zu  ziehen, 
da  beide  Steinkerne,  und  zwar  in  sehr  ungleichem  Grade  der  Abwrit- 
terung  darstellen.  Boue's  Zeichnung  passt  mit  Ausnahme  der  mehr 
auseinander  stehenden  Wirbelenden  viel  besser  mit  gewissen  der 
Dachsteinbivalve  ähnlichen  Muscheln,  wofür  Herr  v.  Hauer  die  Be- 
zeichnung Megalodon  carinthiacus  gewählt  hat;  sie  liegen  in  den 
Baibier  Schichten,  gehören  aber  nicht  zum  Genus  der  Dachstein- 
bivalve, daher  auch  nach  y.  Hauer 's  Vorgang  Boue's  und  Wul- 
fen 's  Art  nicht  für  identisch  zu  halten  sind. 

Unter  der  Bezeichnung  Isocardia  exaltala  beschreibt  1837 
P lisch  einen  Steinkern,  der  so  viel  Ähnliches  mit  der  Dachstein- 
bivalve besitzt,  dass  derselbe  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  hieher 
zu  ziehen  ist.  (Pusch,  Polens  Paläontologie  1837,  p.  67,  t.  VII,  9.) 

Auch  in  den  Nordalpen  zog  der  Einschluss  dieser  Herzmuschel 
im  sonst  versteinerungsarmen  Kalke  die  Aufmerksamkeit  der  alten 
Alpenforscher  nicht  wenig  auf  sich.  Man  findet  sie  in  den  älteren 
geognostischen  Nachrichten  meist  als  Gryphitcs,  später  als  Gry- 
pliuca  erwähnt.  Murchison  und  Sedgwick2)  scheinen  noch 
1831  sie  unter  der  Bezeichnung  Gryphaea  ineurva  (Gr.  cymbium) 


1)  Boue,  Memoires  d.  1.  soc.  geol.  ile  France,  tom.  11,  1,  p.  47,  pl.  IV,  fig.  ;>. 

2)  Transactiona  of  Ihe  geol.  soc.  2  Scr.  Vol.  III. 


Die  Dachsteinbiralre  und  ihre  alpinen  Verwandten.  339 

zu  verstehen;  und  Li II1)  in  seinen  classiseh  gewordenen  Profileu 
bezeichnet  mit  seiner  Gryphaea  cymbium  (1831)  unzweifelhaft  die 
echte  Dachsteinhivalve.  Bronn  erklärte  jedoch  schon  1832,  dass 
diese  von  Li  11  ihm  überschickte  undeutliche  Versteinerung-)  nicht 
Gryphaea  cymbium  sein  könne,  sondern  zu  Diceras  oder  zu  den 
Cyrtoceratiten  gehöre,  undBoue3)  sagt  ausdrücklich,  dass  diese 
von  Murchison  und  Lill  als  Gryphaea  angegebene  Salzburger 
Muschel  nichts  anderes,  als  die  Bleiberger  Isocardia  sei. 

Diese  Isocardia  ähnliche  Muschel  wurde  nun  in  der  Folge  in 
den  nördlichen,  namentlich  Salzburger  Alpen  häufig  beobachtet  und 
von  den  Geologen  der  neuen  Wiener  Schule,  wegen  ihrem  haupt- 
sächlichsten Vorkommen  auf  dem  Dachsteingebirge  als  Dachstein- 
hivalve bekannt  gemacht.  Auch  in  den  östlichen  Alpen,  wo  die 
geognostische  Durchforschung  des  Tiroler  Gebirges  mit  erstaun- 
lichem Eifer  und  Beharrlichkeit  betrieben  wurde,  konnte  die  auch  hier 
häutige  Muschelversteinerung  der  Aufmerksamkeit  nicht  entgehen.  Ein 
auf  Naturerscheinungen  besonders  aufmerksamer  Beobachter  in 
Elbigenalp,  Herr  Falger,  hatte  in  der  Nähe  seiner  Heimat  in  zahl- 
reichen, besonders  wohl  erhaltenen  Exemplaren  diese  Muschel  gesam- 
melt und  in  freigebiger  Weise  an  ihn  besuchende  Gebirgsforscher 
vertheilt.  So  gelangte  sie  zuerst  in  die  Hände  der  Tiroler  Geognosten» 
welche  sie  nun  an  zahlreichen  Punkten  des  Tiroler  Gebirges  wieder 
fanden  und  in  ihrem  Berichte4)  mit  dem  Namen  Isocardia  striata 
belegten  (1844). 

In  ein  neues  glänzendes  Stadium  trat  das  geognostische 
Studium  der  Alpen  mit  der  Gründung  der  k.  k.  geologischen  Beichs- 
anstalt  in  Wien.  In  deren  erstem  Berichte5)  vergleicht  F.  v.  Hauer 
die  Dachsteinhivalve  noch  einer  Isocardia  und  nennt  als 
gemeinschaftlichen  Ort  ihres  Vorkommens  Echernthal  am  Dachstein, 
Golling,  Bernhardsthal  bei  Elbigenalp,  Bleiberg,  die  venetianischen 
und  vicentinischen  Alpen.  Damit  wurde  zuerst  auf  die  Identität 
aller  der  oben  genannten  Formen  hingedeutet.  Schon  in  demselben 


l)  Jahrbuch  von  JLeonh.  und  Bronn.  1S31,  p.  74. 

~)        *       *      1823,  p.  iö:>. 

3)         »  1833,  p.  03. 

')  Bericht  des  geogn.  montan.  Vereines  für  Tirol  und  Vorarlberg  (1841  — lyi  \) 

5)  Jahrb.  d.  geol.  Reichsanstalt  in  Wien.  18ÖÜ. 


340  G  um  bei. 

Bunde  des  Jahrbuches  der  geologischen  Reichsansialt  (I,  p.  154, 
644,  660)  wird  die  Dachsteinbivalve  von  Echeruthal  und  Hallstatt 
mit  Cardium  triquetrum  Catullo's  durch  v.  Hauer1)»  identiflcirt 
und  auch  eine  zweite  Homocardium  ähnliche  Form  genannt,  die  hin 
und  wieder  jenem  Cardium  beigesellt  sei. 

In  allen  späteren  Berichten  dieses  wissenschaftlichen  Instituts 
wird  nun  an  der  Annahme  festgehalten,  dass  die  Dachstein- 
bivalve des  Dach  stein  gebirg  es  mitCardium  triquetrum 
Wulfen's  identisch  sei. 

Dieselbe  Bivalve,  welche  die  Tiroler  Geognosten  Isocardia 
striata  genannt  hatten  ,  gelangte  von  demselben  Fundorte  durch 
H.  Falger  auch  in  die  Hand  des  Herrn  Professor  Schafhäutl. 
Demselben  gebührt  das  Verdienst  zuerst  (1851)  2)  die  wahre  Stel- 
lung dieser  Muschel  dadurch  erkannt  zu  haben,  dass  er  sie  dem 
Genus  Megalodon  zutheilte;  er  belegte  sie  mit  dem  Speciesnamen 
scutatus  und  veranstaltete  zuerst  eine  Abbildung  der  Muschel  mit  der 
Schale.  Zugleich  machte  er  uns  mit  dem  Durchschnitte  derselben 
Muschel  nach  der  Längenrichtung  bekannt  (1.  c.  p.  143,  t.  XVIII 
und  XIX),  hielt  diesen  Körper  aber  für  etwas  ganz  besonderes,  dem 
er  den  Namen  Pholas  ungulata  beilegte.  Später  beschrieb  er  den 
Steinkern3)  und  hielt  auch  diesen  für  den  Überrest  einer  besonderen 
Muschel,  welche  er  als  Isocardia  grandicornis  bezeichnete.  Später4) 
beschreibt  derselbe  Gelehrte  dieselbe  Art  eines  Steinkernes  unter 
der  Bezeichnung  Tauroceras  tiara.  Die  Identität  dieser  beiden  als 
besondere  Arten  bezeichneten  Theile  der  Dachsteinbivalve  wurde 
sowohl  durch  Aufsammlungen  von  denselben  Localitäten,  als  auch 
durch  Autopsie  der  Originale  sicher  gestellt. 

Im  Jahre  1853  gab  F.  v.  Hauer5)  in  seiner  classischen  Dar- 
stellung über  die  Gliederung  der  Trias-,  Lias-  und  Juragebilde  in 
den  Nordost-Alpen  p.  731  die  erste  umfassende  Nachricht  über 
die  Dachsteinbivalve  und  der  ihr  zugehörigen  Gestalten,  wobei 
er  bezüglich  der  Genus-Zutheilung  der  Ansicht  Schaf häutl's  zu- 
stimmend   und  Wulfen's   Cardium  triquetrum  identificirend,   die 


i)  Sitzungsber.  d.  mathem.-naturw.  Ci.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  1850,  p.  285. 

2)  Geogn.  Unters,  d.  südbair.  Alpen  1831,  p.  145,  Taf.  XXIII,  XXIV,  31,  3'J 

3)  N.  Jahrbuch  von  Leonhard  und  Bronn,  1851,  p.  146. 

4)  „  „  „  „  „  „        1854,  p.  550,  Taf   VIII,  Fig.  I». 
*)  Jahrb  d.  geol.  Reichsanst.  1833.  p.  715. 


Die  Dachsteinbivalre  and  ihre  alpinen  Verwandten.  34-1 

Dachsteinbivalve  als  Megalodon  triqueter  sp.  Wulf,  bezeichnet 
und  auch  Boue's  hocardia  carintkiaca  damals  noch  damit  ver- 
einigt. Von  nun  an  gilt  einstimmig  bei  den  Wiener  Geognosten 
Cardium  triquetrum  Wulfen  für  dieselbe  Muschel  wie  Megalodon 

scutatus  Schafhäutl.  Nicht  so  bei  den  Schweizer  und  italieni- 
schen Geognosten.  Escher  und  Merian*)  glauben,  dass  diese 
[dentifieirung  mit  Unrecht  vorgenommen  worden  sei,  doch  erwähnt 
F.  v.  Hauer2),  dass  auch  P.  Merian  neuerlich  von  seiner  früheren 
Ansicht  abgegangen  sei,  und  die  Bleiberger  Bivalve  für  identisch 
mit  Megalodon  scutatus  ansehe. 

Die  Italiener,  namentlich  Curioni3)  beharrten  bis  in .  der 
neuesten  Zeit  bei  der  Annahme,  dass  Cardium  triquetrum  Wulf,  ver- 
schieden sei  von  Megalodon  scutatus  Schafh.  ,  dass  jenes  im 
Mitteldolomit  unter  den  Schichten  von  Azzarola  (Kössener  Schich- 
ten oder  oberer  Muschelkeuper) ,  letzterer  im  Kalke  über  den 
Schichten  von  Azzarola  seine  Lagerstätte  habe,  ohne  jedoch  auch 
nur  entfernt  einen  Unterschied  zwischen  beiden  anzugeben  und 
dadurch  diese  Ansicht  zu  begründen.  Stoppani*)  in  seinem  Send- 
schreiben nennt  die  Dachsteinbivalve  ausdrücklich  Cardium  trique- 
trum und  setzt  ihre  Lage  in  den  oberen  Dolomit,  der  dem  Dach- 
steinkalke entspricht.  Ausführlich  wird  dieser  Gelehrte,  wie  er 
ankündigt ,  am  Schlüsse  der  3.  Abtheilung  seiner  Paleontologie 
lombarde  von  dieser  grossen  Muschel  handeln.  Vorläufig  gibt  der- 
selbe (1861)  als  das  Resultat  seiner  bisher  gesammelten  Beobach- 
tungen an,  dass5)  die  zwei  Kalk-  oder  Dolomitgruppen,  welche  in 
der  Lombardie  eine  grosse  Cardium  ähnliche  Muschel  einschliessen, 
die  eine  über  den  Schichten  der  Avicula  contorta  —  oberer 
Dolomit  —  die  andere  unter  denselben  —  unterer  Dolomit  — 
gelagert  sei,  dass  aber  die  in  diesen  Gruppen  vorkommenden  ähn- 
lichen Muscheln  nicht  identisch  seien,  sondern  zwei  verschiedenen 
Arten  angehören. 


i)  Geol.  Bemerk,  über  d.  N.  Vorarlberg  etc.  1S53,  p.  IS. 
-)  Jahrb.  d.  geol. Reichsanstalt  1855,  p.  894.  Anmerkung. 

3)  Jahrb.  d.  geol.  Reiehsanst.  1858,   p.  474  und  Mein,  tl e II '  I.  I!.  insliluto   lomhardn  di 
science  ecc.  1859,  p,  137. 

4)  Jahrb.  d.  g-eol.  Reichsanst.  1858,  p.  139. 

5)  Essai  sur  les  conditions  generales  des  eonches  a  avicula  cnnlorta  Milan.  1861,  p.  45. 


342  Gürabel. 

Die  mit  Megalodon  triqueter  von  F.  v.  Hauer  als  identisch 
angesehene  Isocardia  carinthiaca  Bone  hat  der  genannte  Gelehrte 
neuerlich  *)  davon  wieder  getrennt  und  mit  dem  Namen  Megalodon 
carinthiacus  sp.  Bone  bezeichnet.  Weiter  stellte  eine  mit  dieser 
Gruppe  von  Muscheln,  um  die  es  sich  handelt,  verwandte  Art  Herr 
Director  Hörn  es2)  als  Pachyrisma  columbella  auf. 

Was  die  erstere,  Megalodon  carinthiacus  anbelangt,  so  haben 
mich  die  Originale,  deren  Vergleichung  mir  durch  die  seltene  Libe- 
ralität des  Herrn  Bergrathes  v.  Hauer  ermöglicht  wurde,  vollständig 
überzeugt,  dass  diese  Art  der  Gruppe  der  alpinen  Megalodonten  nicht 
angehöre,  so  sehr  die  Äusserlichkeit  der  Form  dies  vermuthen  lässt. 
Vor  allem  spricht  die  Dünnschaligkeit  namentlich  in  der  Wirbel- 
gegend mit  Bestimmtheit  dagegen;  ferner  fehlt  der  charakteristische 
Längskiel  an  der  hinteren  Seite,  sowie  die  eigentümliche  Depres- 
sion, die  hinter  diesem  Kiele  constant  vorkommt.  Die  Wirbel  sind 
zwar  stark  nach  vorn  gebogen,  aber  nur  gedreht  und  nicht  einge- 
rollt. Die  geringe  Dicke  der  Schale  lässt  auf  ein  Schloss  schliessen, 
das  keine  Ähnlichkeit  mit  dem  der  Megalodonten  besitzen  kann.  Der 
ganze  Habitus  der  Muschel  erinnert  an  hoarca.  Auch  Pachyrisma 
columbella  konnte  ich  in  Originalexemplaren  durch  die  Gewogenheit 
des  Herrn  Directors  Hörn  es  untersuchen.  Ich  fand  eine  solche 
Übereinstimmung  dieser  schönen  Muschel  mit  einer  Art,  deren 
Steinkerne  bei  Nassereit  im  Hallstätter  Kalke  vorkommen  und  welche 
durch  ihren  Schlossbau  unzweifelhaft  dem  Genus  der  Dachstein- 
bivalven  angehören,  dass  ich  mir  nicht  versagen  konnte,  diese  Nasse- 
reiter Art  als  Megalodon  columbella  zu  bezeichnen,  um  die  innigste 
Verwandtschaft,  vielleicht  Identität  mit  Pachyrisma  columbella  an- 
zuzeigen. 

Endlich  habe  ich3)  eine  von  den  Dachsteinhivalven  abwei- 
chende, doch  sehr  nahestehende  Art  als  Megalodon  gry\)hoides  neu 
benannt  und  beschrieben. 

Damit  möchte  der  Kreis  der  bis  jetzt  bekannt  gewordenen 
organischen  Überreste  aus  den  Alpenkaiken,   die  hier   in  Betracht 


*)  Sitzungsber.  d.  iiiathem.-natiirw.  Cl.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  Bd.  XXIV,  S.  545. 

2)  Denksehr.   d.   k.  Akad.  d.  Wiss.    mathera.-naturw.  Cl.    1855,  IX.   Bd.,   s.  49,  Taf.  II, 
Fig.  13  a— d. 

3)  Güinbel,  in  Geoga.  Besehr.  d.  I>air.  Alpengeb.  und  seiner  Vorländer.  1858 — 18(51, 
p.  421. 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  343 

kommen,  erschöpft  sein.  Ohne  auf  die  Frage  bezüglich  der  Identität 
aller  dieser  Formen  vorerst  näher  einzugehen  ,  stellen  sich 
demnach  folgende  Formen  als  Gegenstand  für  unsere  Unter- 
suchung dar: 

Cardium  triquetrum  Wulfen. 

Isocardia  striata  Geogn.  montan.  Verein  v.  Tirol. 

Megalodon  scutatus  S  c  h  a  f  h. 

Tauroceras  tiara  S  c  h  a  f  h. 

Megalodon  gryphoides  Gümb.  Daran  reiht  sich 

?  Pachyrisma  columbella  Hörn  es,  und 

Megalodon  columbella  Gümb. 

Cardium  des  oberen  Dolomits  Stopp. 

Cardium  des  mittleren  Dolomits  Stopp. 

Es  treten  nun  zunächst  zwei  Hauptfragen  in  den  Vordergrund, 
nämlich : 

1.  Ist  die  Dachsteinbivalve  identisch  mit  Isocardia  striata  oder 
Megalodon  scutatus  Schafh.  von  Elbigenalp? 

2.  Ist  die  Dachsteinbivalve  (der  Salzburger  Alpen)  als  identisch 
mit  Wulfen' s  Cardium  triquetrum  anzunehmen? 

Daran  reihen  sich  dann  die  übrigen  Fragen,  wohin  die  sonst  als 
Dachsteinbivalven  bezeichneten  Muscheln  der  verschiedenen  Fund- 
orte gehören,  ob  sie  identisch  oder  nicht,  oder  ob  sie  anderen  Arten 
zuzutheilen  seien ;  welchem  Niveau  die  als  bestimmt  erkannten 
Arten  angehören  und  schliesslich ,  welchem  Genus  die  Dachstein- 
bivalve und  ihre  nächsten  Alpenverwandten  angehören. 

Indem  ich  mich  vorerst  zur  Untersuchung  wende,  ob  die  Dach- 
steinbivalve Megalodon  triqueter  Wulfe n's  und  v.  Hauer' s  für  iden- 
tisch zu  gelten  habe  mit  Isocardia  striata  oder  Megalodon  scutatus 
von  Elbigenalp  fühle  ich  mich  ganz  besonders  gedrungen,  den 
Herren  k.  k.  Bergrath  F.  v.  Hauer  und  Director  Dr.  Hörnes  in 
Wien,  welche  mit  seltener  Liberalität  sowohl  mit  Exemplaren  zur 
Untersuchung  und  zur  Vergleichung,  als  auch  mit  Literatur  freund- 
lich Beihilfe  leisteten,  dann  den  Herren  Prof.  Escher  von  der 
Linth  in  Zürich,  Prof.  Pichler  und  Dr.  Lindner  in  Inns- 
bruck, Herrn  Hofrath  Fischer  in  München,  Prof.  Oppel  in 
München  und  Herrn  Fa  lg  er  in  Elbigenalp,  welche  mir  gleichfalls 
Exemplare  ihrer  Sammlungen  anvertrauten,  den  besten  Dank  für  ihr 
Wohlwollen  und  die  Förderung  meiner  Arbeit  auszusprechen. 


344  Gfimbel. 

Aus  dem  Dachsteingebirge,  namentlich  vom  Echernthal  lagen 
eine  namhafte  Anzahl  von  Exemplaren,  viele  mit  noch  erhaltener 
Schale  zur  Vergleichung  mit  gleichfalls  zahlreichen  Exemplaren  aus 
dem  Bernhardsthale  bei  Elbigenalp,  woher  die  Originale  zu  Iso- 
cardia  striata  und  Megalodon  scutatus  stammen,  vor.  Obwohl  die 
umhüllende  Steinmasse  beider  Localitäten  eine  wesentlich  andere 
Beschaffenheit  besitzt,  an  letztem  Orte  nämlich  aus  einem  thonigen 
schwärzlichgrauen  Kalke  mit  weisslichpn  Tupfen,  am  erstgenannten 
Gebirge  dagegen  aus  einem  meist  sehr  dichten,  oft  blendend  weissen 
oder  etwas  röthlich  gefärbten,  ziemlich  reinen  Kalke  besteht,  demzu- 
folge auch  der  Schalenkörper  aus  verschieden  gefärbtem  Material  gebil- 
det ist,  so  zeigte  sich  doch  in  allen  und  jeden  Einzelheiten  eine  solche 
Übereinstimmung,  dass  an  der  Identität  der  Dach  steinbiva  lve 
mit  der  grossen  Bivalve  von  Elbigenalp  nicht  im  Ent- 
ferntesten gezweifelt  werden  kann.  Alle  Äusserlichkeiten 
sowohl,  als  auch  Beschaffenheit  des  Schlosses  und  Lage  des  Muskel- 
eindruckes beweisen  diese  Identität. 

Es  ist  sonach  Megalodon  triqueter  v.  Hauer  —  vorläufig  noch 
abgesehen  von  Cardium  triquetrum  Wulfen  —  gleichbedeutend 
mit  Isocardia  striata  oder  Megalodon  scutatus.  Diese  Übereinstim- 
mung erstreckt  sich  sogar  bis  auf  die  eigenthümliche,  stellenweise 
bemerkbare,  unregelmässig  gebogene  feine  Schalenstreifung  und 
lässt  sich  auch  in  gleichem  Masse  am  innern  Bau  und  namentlich  am 
Schlosse,  das  von  einzelnen  Stücken  beider  Fundstätten  näher 
kennen  zu  lernen  mir  sehr  gut  gelungen  ist,  erkennen.  Blossgelegte 
Theile  des  Schlosses,  Lage  und  Beschaffenheit  der  Muskeleindriicke 
des  Mantelsaumes,  wie  überhaupt  die  gesammte  Eigentümlichkeit, 
wie  sie  auf  dem  Steinkerne  sich  ausgeprägt  findet,  stimmen  voll- 
kommen überein.  Es  bedarf  daher  eines  weiteren  Beweises  der  etwa 
aus  der  Gleichaltrigkeit  des  umschliessenden  Gesteins  beigebracht 
werden  konnte,  nicht.  Ich  bemerke  jedoch,  dass  ich  diese  die  Dach- 
steinbivalve  umschliessende  Gesteinslage  so  zu  sagen  Schritt  für 
Schritt  vorn  Dachsteingebirge  und  den  Salzburger  Alpen  aus  durch 
Baiern  und  Tirol  bis  zum  Lechthale  und  Elbigenalp  verfolgt  und 
dadurch  die  Identität  des  umschliessenden  Gesteins  mit  grosser 
Sicherheit  ermittelt  habe. 

Schwieriger  ist  die  zweite  Frage  zu  beantworten.  IstWulfen's 
Cardium  triquetrum  aus  Kärnten  identisch  mit  der  Dachsteinbivalve, 


nie  Dachsteinbivalve  and  ihre  alpinen  Verwandten.  154- i) 

mithin  die  Dachsteinbivalve,  falls  sie  dem  Genus  Megalodon  zuzu- 
theilen  ist,  als  Megalodon  triqueter  spec.  Wulf,  zu  bezeichnen?  Die 
Entscheidung  wird  desshalb  schwierig,  weil  Wulfen' s  Abbildung 
und  Beschreibung  sich  auf  Steinkerne  beziehen,  die  ungleich  weniger 
sichere  Anhaltspunkte  geben,  als  Schalenkürper.  Die  Sache  wurde 
indess  wesentlich  dadurch  erleichtert,  dass  mir  aus  dem  Kärntner 
Erzgebirge  zahlreiche  Exemplare  zu  Gebote  standen,  deren  Überein- 
stimmung mit  der  von  Wulfen  beschriebenen  Art,  nach  Form  und 
Ort  des  Vorkommens,  als  sicher  anzunehmen  ist. 

Die  Exemplare  aus  dem  Dachsteingebirge  haben  das  Eigen- 
tümliche, dass  sie,  weil  aus  Kalk  und  nicht,  wie  jene  von  Bleiberg, 
aus  Dolomit  bestehend,  in  ihrer  Natur  zwischen  Steinkern  und  Exem- 
plaren mit  erhaltener  Schale  schwanken,  bald  mehr  Steinkern  sind, 
bald  Theile  des  Schalenkörpers  besitzen.  Um  daher  die  anzustellende 
Vergleichung  genauer  vornehmen  zu  können,  sprengte  ich  an  einem 
im  Umrisse  vollständigen  und  nicht  verdrückten  Exemplare  aus  dem 
Dachsteinkalke  die  vorhandenen  Sclialenlheile  mit  grosser  Behutsam- 
keit ab,  und  erhielt  hierdurch  einen  völlig  brauchbaren  Steinkern,  der 
mit  grösster  Schärfe  die  Abdrücke  der  inneren  Schalentheile 
erkennen  Hess.  Bei  der  in's  Einzelne  gehenden,  vergleichenden 
Nebeneinanderstellung  der  Steinkerne  von  Kärnten  und  vom  Dach- 
stein, war  es  mir  nicht  möglich,  irgend  einen  nenne  nswerthen 
und  constanten  Unterschied  zu  constatiren.  Die  Dimensionen 
sind  freilich  selten  völlig  gleich,  aber  gerade  diese  sind,  wie  ich 
mich  an  sämmtlichen  Exemplaren  vom  gleichen  Ort  des  Vorkommens, 
wie  etwa  vom  Dachstein  und  jenem  von  Elbigenalp  hinlänglich  über- 
zeugte, in  Folge  von  Druck,  Verschiebung  und  Alter  selbst  an 
Schalenexemplaren  so  difterent,  dass  an  eine  Trennung  und  Schei- 
dung, die  sich  darauf  gründet,  wohl  im  Ernste  nicht  gedacht  werden 
kann.  Wie  sehr  verstärkt  sich  dies  bei  Steinkernen ,  oder  gar  bei 
solchen  aus  verschiedenem  Materiale  —  Kalk  und  Dolomit  — !  Ich 
halte  mich  nach  sorgfältiger  Prüfung  für  vollständig  überzeugt,  dass 
Wulfen's  Cardium  triquetrum  den  Stein  kern  zu  der  Species 
der  Dachsteinbivalve  darstelle  —  mithin  auch  von  der 
Bivalve  des  Bernhardsthaies  bei  Elbigenalp.  Um  diese  Annahme 
gleichsam  zu  coutroliren  ,  opferte  ich  ein  Schalenexemplar  von 
letzterem  Fundorte,  und  erhielt  so  durch  Entfernung  der  Schale 
einen  Steinkern.  Dieser  zeigte   ganz  insbesonders  die  grösste  Über- 


34(5  ü  um  bei. 

einstimmung  mit  den  vorherrschenden  Formen  der  Kärntner  Stein- 
kerne. Es  ist  derselbe  fast  gleichseitige  dreieckige  Umriss,  das- 
selbe Biegen  des  rasch  verschmälerten  Wirbeltheiles  nach  vorn,  die- 
selbe tiefe  Einbuchtung  an  der  vorderen  Seite,  vor  und  unter  dem 
Wirbel,  derselbe  durch  eine  abgerundete  Kante  von  dem  grösseren 
Körpertheil  getrennte,  fast  rechtwinkelige  Abfall  zu  einem  verhält- 
nissmässig  breiten,  mit  der  grössten  Ausdehnung  der  Muschel  gleich 
langem,  hinterem  Felde ,  dieselbe  Art  und  Beschaffenheit  einer 
Längsimpression  nahe  vor  und  längs  der  abgerundeten  Kante  am 
hinteren  Rande,  welche  diese  Steinkerne  von  Elbigenalp  und  Blei- 
berg auszeichnen  und  beide  derselben  Art  zuweisen.  Bei  näherer 
Betrachtung  stimmt  auch  die  Lage,  Grösse  und  Beschaffenheit  des 
sehr  markirten,  hoch  aufragenden  Abdruckes  des  vorderen  Muskels 
und  des  deutlich  erkennbaren  Mantelsaums  vollkommen  überein.  Die 
erwähnte  Längsimpression  vor  der  hinteren  Kante  rührt,  wie  sich 
bei  Entfernung  der  Schale  der  Elbigenalper  Exemplare  zeigte,  von 
einer  flachen  Leiste  her,  welche  von  der  Gegend  des  Wirbels 
gegen  die  hintere  Ecke  verläuft.  Zwischen  dieser  Längsimpression 
und  der  Längskante  nahe  an  dem  unteren  Rande  erkennt  man  die 
wenig  tiefen,  scharf  ausgeprägten  Spuren  des  hinteren  Muskelein- 
druckes, welcher  demnach,  wie  bei  Megalodon ,  durch  eine 
Längsleiste  gestützt  ist.  Dies  deutet  darauf  hin,  dass  das  Gardium 
triquetrum  Wulf,  weder  zu  Cardium  noch  zu  Isoeardia  gerechnet 
werden  darf,  vielmehr  in  die  Nähe  von  Megalodon  gehört.  Noch  ist 
eine  Längslciste  zu  erwähnen ,  welche  an  dem  Steinkerne  bald 
stärker,  bald  schwächer  entwickelt  ist  und  dann,  wie  angedeutet,  von 
dem  Wirbelende  an  der  anderen  Seite  bis  gegen  die  kleine  Muskel- 
erhöhung an  der  Kante  herabläuft,  und  welche  den  gerundeten  Theil 
des  Muschelkernes  von  der  starken  Vertiefung  unter  dem  Wirbel 
scheidet.  Es  ist  an  vielen  Steinkernen  hinter  der  Erhöhung  des  vor- 
deren Muskels  und  unter  dem  Wirbel,  in  der  Gegend  des  Schlosses 
der  Muschel,  eine  bis  in  die  Mitte  des  hinteren  Randes  reichende, 
wandartig  aufragende  Gesteinslamelle  wahrnehmbar,  welche  zahn- 
und  gnibenartige  Erhöhungen  und  Vertiefungen  besitzt,  und  auf  den 
ersten  Blick  als  Rest  des  Schlosses  erscheinen  könnte.  Da  aber  alle 
Schalensubstanz  völlig  weggeführt  ist,  kann  diese  lamellenartige  Er- 
höhung nicht  als  Überrest  des  Schlosses  selbst  angesehen  werden, 
vielmehr  scheint  sie  theilweise  die  Stelle  des  hornartigen  Ligaments 


Die  Dachsteinbiralre  und  ihre  alpinen  Verwandten.  347 

einzunehmen,  insbesondere  aber  durch  die  Ausfüllung  eines  erst  nach- 
träglich durch  die  Lockerung  der  Schlösser  gebildeten  Zwischen- 
raumes entstanden  zu  sein.  Es  hat  sich  beim  Ausarbeiten  des  Schlosses 
gezeigt,  dass  nicht  sämmtliche  Theile  des  Schlosses  beider  Klappen 
vollständig  dicht  aufeinander  liegen,  sondern  dass  in  Folge  des  einge- 
tretenen Todes  die  Zähne  gelockert  wurden  und  klafften,  so  dass  bei 
Ausfüllung  des  Innern  mit  Gesteinssubstanz,  diese  auch  zugleich  in 
die  Zwischenräume  eingedrungen  ist.  Obgleich  diese  lamellenartigen 
Erhöhungen  nicht  als  vollkommener  Abdruck  des  Schlosses  sich 
ansehen  lassen,  so  gewinnen  sie  doch  dadurch  eine  Bedeutsamkeit, 
dass  sie  eine  übereinstimmende  Form  besitzen,  mithin  benützt  werden 
können,  um  an  dem  Steinkerne  die  specielle  Natur  kenntlich  zu 
machen.  Sehr  häufig  beobachtet  man  an  den  Steinkernen,  dass 
beide  Schalen  unten  auseinander  gerückt  waren,  als  seien  sie  klaffend, 
wodurch  zwischen  beiden  eine  mehr  oder  weniger  dicke  Masse 
von  Gesteinssubstanz  eindringen  konnte;  dadurch  sind  zugleich  die 
Wirbelenden  näher  aneinander  geschoben,  als  es  in  normaler  Lage 
der  Fall  ist.  Auch  kommen  stark  verdrückte,  und  dadurch  an  den 
äusseren  Umrissen  abweichend  gestaltete  Formen  vor. 

Mit  den  beschälten  Exemplaren  von  Elbigenalp  stimmen  nun 
sämmtliche  mir  zu  Gesichte  gekommenen  Exemplare  aus  den  Nord- 
alpen, die  ich  in  zahlreichen  Eremplaren  selbst  zu  sammeln  Gelegen- 
heit hatte,  so  dass  also  die  Identität  der  Dachsteinbivalve  im  Dach- 
steinkalke durch  die  ganzen  Nordalpen  festgestellt  ist.  Nur  eine  Form 
habe  ich  davon  ausgeschieden  und  unter  dem  Namen  Megalodon 
grypkoides*)  wegen  ihrer  charakteristischen  Bucht  am  vorderen 
Rande  als  besondere  Species  aufgestellt.  Aus  den  Südalpen  sind  mir 
bis  jetzt  verhältnissmässig  wenige  beschalte  Exemplare  von  einiger 
Grösse  zu  Gesichte  gekommen.  Die  Steinkerne  zeigen  sich  dagegen 
in  den  Nordalpen  ziemlich  selten;  aus  Dolomit  oder  dolomitischem 
Kalke  sind  innerhalb  des  Bereiches  meiner  Untersuchung  solche  nur 
an  drei  Stellen  bekannt  geworden,  und  zwar  in  einem  dolomitischen 
Kalke  im  Alpgartenthale  bei  Reichenhall,  dann  im  Hauptdolomite  bei 
Leibelfing  oberhalb  Innsbruck,  wo  Herr  v.  Hauer  sie  entdeckte  und 
endlich  ebenfalls  durch  Herrn  v.  Hauer  zuerst  aufgefunden  bei 
Nassereit  unfern  Innsbruck. 


*)     Geogn.  Beschr.  der  baier.  Alpen,  p.  4'it. 


348  G  um  bei. 

Die  Exemplare  aus  dem  Alpgarten  entstammen  einem  dolo- 
mitischen Gesteine,  von  dem  es  nicht  zweifelhaft  sein  kann,  dass  es 
dem  Hauptdolomite  unter  dem  Dachsteinkalke  angehört,  obwohl 
es  nur  Blöcke  sind,  in  welchen  diese  Steinkerne  gefunden  wurden. 
Doch  kommt  in  der  ganzen  Gebirgsstocks-Umgegend,  die  ich  genau 
untersuchte,  keine  andere  Gesteinsstufe  in  Form  von  Dolomit  vor, 
als  die  des  Hauptdolomites.  Auch  stimmt  Dolomit  mit  dem  Gesteins- 
charakter der  Blöcke  sehr  wohl  überein.  Die  Steinkerne  gehören 
zur  Dachsteinbivalve;  Prof.  Schafhäutl  hielt  dafür,  dass  sie 
einer  besonderen  Art  angehören,  und  nannte  sie  erst  Isocardia 
grandicornis  *)■  Drei  Jahre  später3)  beschrieb  er  ähnliche  Stein- 
kerne unter  dem  Namen  Tauroceras  tiara. 

Von  den  Exemplaren  bei  Leibelfing  sind  nur  Querschnitte 
bekannt,  die  allerdings  einer  Dachsteinbivalve  entsprechen,  ohne 
dass  sich  jedoch  deren  genauere  Bestimmung  vornehmen  Hesse.  Das 
Gestein  ist  ebenfalls  Hauptdolomit.  Die  Steinkerne  aus  der  Gegend 
von  Nassereit  stammen  entschieden  aus  dem  Hallstätter  Kalke,  wie  mit 
grosser  Zuverlässigkeit  aus  dessen  klar  aufgeschlossenen  Über- 
lagerung durch  unteren  Muschelkeuper  und  Hauptdolomit  zu  ersehen 
ist.  Ich  hielt  die  Steinkerne  früher  sämmtlich  für  identisch  mit  der 
Dachsteinbivalve.  Neuere  Eifunde  haben  mich  eines  Anderen  belehrt. 
Viele  Steinkerne  von  Nassereit  unterscheiden  sich  von  jenen  der 
Dachsteinbivalve  bei  unverkennbar  grosser  Ähnlichkeit  dadurch,  dass 
die  hintere  steil  abfallende  Fläche  viel  breiter  als  bei  der  Dachstein- 
bivalve, fast  so  breit  als  die  Dicke  der  Muschel  ist,  und  etwa  in  der 
Mitte  durch  einen  abgerundeten  Längskiel  in  zwei  etwas 
concave  Theile  getrennt  wird.  Dadurch  gewinnt  der  Steinkern 
grosse  Ähnlichkeit  mit  Pachyrisma  columbella  Hörn.,  von  dem  in- 
dess  nur  der  Schalenkörper  bekannt  ist.  Übrigens  finden  wir  dieselbe 
grosse  Erhöhung  am  vorderen  Muskeleindrucke,  dieselbe  Längsver- 
tiefung vor  dem  hinteren  Längskiele,  mit  Spuren  eines  Muskelein- 
druckes nahe  am  unteren  Rande,  dieselbe,  oder  doch  sehr  ähnlich 
gestaltete  Lamellenerhöhung  unter  dem  Wirheiende  wie  bei  dem 
Steinkerne  der  Dachsteinbivalve;  so  dass  wir  kein  Bedenken  tragen, 
sie  zu  demselben  Genus  zu  rechnen.  Dies  dürfte  um  so  mehr  gerecht- 


1)  N.  Jahrb.  1851,  S.  14G. 

2)  N.  Jahrb.  1854,  S.  530.  Taf.  VIII,  Fig.  19. 


Die  Dachsteinbiralve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  340 

fertigt  sein,  als  der  Hohlraum  um  den  Steinkern  die  äussere  Be- 
schaffenheit und  Form  der  Schale  in  grösster  Schärfe  und  mit  allen 
ihren  feinen  Streif un gen  erkennen  lässt,  und  ein  davon  genommener 
Ahdruck,  wie  ihn  die  Zeichnung  Taf.  VI,  Fig.  1  —  3  darstellt,  alles 
wesentliche  einer  mit  der  Schale  erhaltenen  Muschel  besitzt.  —  So 
nahe  diese  Art  übrigens  dem  Pacltyrisma  columbella  steht  ,  so 
konnten  wir  bei  letzterem,  wovon  ich  Originale  der  Freundlichkeit  des 
Herrn  Director  Hörn  es  zu  verdanken  habe,  an  dem  zufällig  von  der 
Schale  enthlössten  Theile,  da  wo  die  Längsimpression  sich  finden 
sollte,  keine  Spur  derselben  entdecken.  Auch  besitzt,  nach  dem 
Abdruck  zu  urtheilen,  die  Schale  wie  bei  der  eigentlichen  Dachstein- 
bivalve,  eine  deutlich  abgegrenzte  Lunula ,  die  dem  Pachyrisma 
columbella  zu  fehlen  scheint.  Nach  alledem  wäre  es  mehr  als 
gewagt,  diese  hinten  doppelgekielte  Art  von  Nassereit  mit  der 
letzteren  Species  zu  identificiren. 

Um  aber  die  sehr  grosse  Ähnlichkeit  anzudeuten,  schlug  ich  *) 
für  sie  die  Bezeichnung  Megalodon  columbella  vor.  Andere 
mit  dieser  Form  vorkommende  Steinkerne  weichen  zwar  von  den 
allgemeinen  Umrissen  der  Dachsteinbivalve  wenig  ab,  doch  lässt  die 
grosse  Abnagung  in  Folge  der  Verwitterung  keine  sichere  Bestim- 
mung zu. 

Was  nun  die  Steinkerne  aus  den  Südalpen  anbelangt,  so 
fand  ich  die  Steinkerne  aus  dem  Dolomite  bei  Trient  und  jene  aus 
dem  lombardischen  Gebiete,  die  ich  der  Güte  des  Herrn  Professor 
Es  eher  verdanke,  vollkommen  in  Übereinstimmung  mit  jenen  von 
Bleiberg  und  aus  den  Nordalpen.  Leider  konnte  ich  eine  grössere 
Anzahl  von  Exemplaren  und  namentlich  Originale  von  jenen  zwei 
Formen  des  sogenannten  oberen  und  mittleren  Dolomits,  welche  die 
italienischen  Geologen  in  zwei  Arten  getrennt  halten  zu  müssen 
glauben,  nicht  zur  Vergleichung  erlangen,  da  Herr  Abbe  Stopp ani, 
wie  er  mir  mittheilte,  gerade  selbst  eine  Arbeit  über  diesen  Gegen- 
stand zu  publiciren  vorhabe.  Diese  beiden  Arten  unterscheidet 
Stoppani2),  abgesehen  von  dem  an  und  für  sich  schwankenden 
Verhältnisse  der  Breite  und  Länge,  durch  die  mehr  constante 
grössere  Dicke  der  ersten  Art  (des  oberen  Dolomites),   und  deren 


*)  Geog-n.  ßeschr.  d.  bair.  Alpengebirgs  und  seines  Vorlandes.  S.  S.'>9.  Anmerkung. 
2)  Essai  sur  les  conditions  gene'rales  des  couches  r  Arne.  eont.  18ßl.  p.  4fi. 


350  Gümbel. 

stärkere  Krümmung  der  Wirbel  nach  Innen,  wodurch  die  Spitzen 
derselben  sehr  genähert,  sich  gegenseitig  zugekehrt  stehen,  während 
bei  der  zweiten  Art  (des  mittleren  Dolomifs)  die  Wirbelenden  wegen 
mangelnder  Krümmung  nach  Innen  mehr  auswärts  gerichtet  und  von 
einander  abgekehrt,  weit  auseinander  gerückt  sind.  Es  liegen  mir 
aus  dem  Val  di  Sarezzo  aus  einem  Dolomite,  den  auch  Stoppani 
seihst  ohne  Vorbehalt  (I.  c.  p.  45)  als  zu  seinem  mittleren  Dolomite 
gehörend,  angibt,  acht  vom  Prof.  Escher  v.  der  Linth  selbst 
gesammelte  und  gütigst  mitgetheilte  Exemplare  von  ein  und  dem- 
selben Fundorte  vor.  Das  Gestein  ist  ein  körniger  Dolomit  und  in 
allen  Exemplaren  das  gleiche.  Sechs  dieser  Exemplare  gleichen  bei 
dem  ersten  Anblicke  dem  Steinkerne  der  Dachsteinbivalve;  zwei  sind 
mit  der  oben  beschriebenen,  auf  der  hinten  eingedrückten  Fläche 
gekielten  Art  von  Nassereit  absolut  identisch.  Jene  dem  gewöhn- 
lichen Steinkerne  der  Dachsteinbivalve  gleichenden  Exemplare  wur- 
den nun  Angesichts  der  von  Stoppani  angegebenen  Unter- 
scheidungsmerkmale sorgfältig  geprüft  und  in  der  That  an  zwei 
Exemplaren  eine  geringere  Krümmung  der  kurzen,  weit  auseinander 
stehenden  Wirbel  beobachtet,  aber  gerade  zeigte  sich  bei  einem 
Exemplare  eine  normale  Dicke,  eine  sogar  verhältnissmässig  kurze 
stark  concave  Lunulaseite,  neben  sehr  stark  vorragendem  spitzem 
Höcker  der  Muskeleindrücke;  während  bei  einem  Exemplare  eine 
verhältnissmässig  geringe  Dicke,  verbunden  mit  sehr  genäherter, 
stark  nach  innen  gebogener  Wirbelendung  sich  vorfand.  Ich  glaube 
mich  auch  an  diesen  Exemplaren  des  mittleren  Dolomites,  die  zwar 
durchschnittlich  klein  sind,  wovon  jedoch  eines  die  beträchtliche 
Länge  von  145  Millim.  besitzt,  überzeugt  zu  haben,  dass  alle  die 
erwähnten  abweichenden  Verhältnisse  an  den  Steinkernen  nur  Folge 
von  verschiedener  Art  der  Abwitterung  der  ursprünglichen  Ausfüllung 
und  eingetretenen  Verdrückung  und  Verschiebung  sei.  Dies  zeigt 
sich  unzweideutig  an  einem  Exemplare,  dessen  eine  Hälfte  aus  einem 
etwas  gröber  gekörnten  Dolomit,  als  die  andere  Hälfte  besteht.  Die 
erstere  ist  stark  abgewittert;  dabei  die  Dicke  geringer,  die  Wirbel 
stark  verkürzt  und  in  Folge  davon  an  den  Enden  wenig  gekrümmt, 
nach  aussen  gerichtet  und  weit  von  der  Mitte  abstehend,  während 
die  andere  Hälfte  sehr  deutlich  höhere,  nach  Innen  gedrehte,  nahe 
an  der  Mitte  erst  endende  Wirbel  besitzt  und  ganz  normalen  Dach- 
steinbivalven  gleich  steht.  Ein  besonderes  Gewicht  lege  ich  noch  auf 


Die  Dachsteinbivalve  und  ilire  al|>inen  Verwandten.  3!)  1 

den  Umstand,  dass  die  lamellenartig  aufragende  Wand  zwischen  den 
vorderen  Seiten,  welche  die  Eindrücke  der  Zähne  erkennen  lässf,  in 
diesen  Erhöhungen  und  Vertiefungen  genau  mit  den  gleichen  Höckern 
und  Gruben  bei  den  Steinkernen  der  normalen  Dachsteinbivalve 
übereinstimmt.  Audi  der  Zahnbau  scheint  demnach  derselbe  zu  sein 
wie  bei  der  Dachsteinbivalve.  Ich  kann  die  mir  vorliegenden  Exem- 
plare des  mittleren  Dolomits  der  lombardischen  Alpen,  soweit  die 
Unterscheidung  einer  Species  aus  Steinkernen  überhaupt  möglich 
ist,  für  nichts  anderes,  als  für  Steinkerne  der  echten  Dachsteinbivalve 
erklären. 

Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  das  Mitvoi  kommen  der  zweiten 
Art  von  Nassereit.  Ich  schlug  ein  kleines  Exemplar  aus  demselben 
Steine,  der  einen  der  oben  erwähnten  normalen  Steinkerne  umgab, 
heraus.    Sohin  kommen  beide  Arten  mit  einander  vergesellschaftet 
vor,   und   zwar   im    mittleren  Dolomit,   der,  wenn  nicht    dem 
Hallstätter   Kalke,  so   doch    zuverlässig   dem   Hauptdolomite  gleich 
gestellt  werden   darf.    Ausserdem   konnte   ich   zwei  Exemplare   aus 
einem  weisslichen  Dolomite,  östlich  unter  dem  Gipfel  des  Resegone 
di    Lecco    (Es eher    von    der  Linth)    untersuchen.    Hier    ist    es 
unsicher,  ob  das  Gestein  zu  dem  oberen  oder  mittleren  Dolomit  der 
Italiener  gehört;   Herr   v.  Hauer's   Karte   gibt   in    dieser  Gegend 
Dachsteinkalk   an.    Beide   Exemplare    sind  klein,    verhältnissmässig 
sehr  wenig  dick,  die  Wirbel  sind  nach  Innen  gekehrt  und  bei  ihrem 
Ende  sehr  genähert.    Auch  diese  scheinen  zur  Dachsteinbivalve  zu 
gehören.  Wichtiger  sind  fünf  Exemplare  ausEscher's  Sendung  von 
dem  Grathe  südlich  von  St.  Vito,  am  Wege  nach  Limonta,  auf  der 
Westseite  des  Lago  di  Lecco.   Das  fast  reimveisse,  dichte  und  halb 
dolomitische  Kalkgestein  deutet  auf  Dachsteinkalk  (oberer  Dolomit), 
mit  welcher  Annahme  auch  die  bedeutende  Grösse  der  eingeschlos- 
senen Steinkerne  (140  —  180  Millim.  Länge)  nach  Annahme  der 
italienischen  Geologen  stimmt.  Diese  Exemplare  zeichnen  sich  durch 
ihre    kurzen,    wenig  vorstehenden,  wenig  gebogenen  Wirbel   aus, 
deren   Enden   weit   auseinander   stehen;    oft  sind   die  Wirbelenden 
offenbar    durch    unvollständige    Ausfüllung    des   Steinmaterials    wie 
zweiköpfig  ausgebildet;  die  vordere  Seite  ist  kurz  und  stark  concav, 
die  Analfläche  sehr  breit,   stark  vertieft  und  durch   einen  scharfen 
Kiel  begrenzt;    die  vorstehende  Wand  zwischen  den  Wirbeln  trä"t 
die  Vertiefungen   und  Erhöhungen,    wie   bei   der  Dachsteinbivalve. 
Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  CI.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  24 


352  Gttmbel. 

Auf  einem  Exemplare  beobachtete  ich  nocli  Reste  der  Schalen- 
bedeckung;  sie  ist  wie  bei  der  Dachsteinbivalve  fein  gestreift.  Diese 
Exemplare  sind  um  so  bemerkenswerther,  weil  sie  bei  ihrer  bedeuten- 
den Grösse,  durch  sonstige  Übereinstimmung  mit  der  Art  des  oberen 
Dolomites  gerade  solche  Beschaffenheit  der  Wirbel  wahrnehmen 
lassen,  wie  sie  für  die  Species  des  mittleren  Dolomites  angegeben 
wird,  obwohl  das  umschliessende  Gestein  zum  oberen  Dolomit 
gehört.  Ein  weiteres  zur  Untersuchung  vorliegendes  Exemplar 
stammt  aus  einem  dichten  Dolomite  bei  Vello  am  Lago  dlseo,  wel- 
ches Gestein  gleichfalls  der  Region  des  Dachsteinkalkes  angehört. 
Das  über  110  Millim.  lange  Exemplar  ist  sehr  wenig  dick  (40Millim.), 
die  Wirbel  sind  schmal,  schlank,  spitz,  und  wenig  nach  Innen  ge- 
bogen, die  Enden  stehen  daher  weit  aus  einander  (20  Millim.);  die 
vordere  Seite  ist  sehr  kurz  und  stark  concav,  die  Höcker  und  Gruben 
in  der  Lamelle  der  Lunulavertiefung  gleichen  denen  der  Dachstein- 
bivalvenkerne  vollständig,  sowie  alles  übrige  damit  übereinstimmt. 

Exemplare  von  Matarello  bei  Trient,  aus  einem  deutlich  körni- 
gen Dolomit,  dann  solche  aus  der  Umgegend  von  St.  Cassian  und 
endlich  von  Agordo,  theils  im  dichten  dolomitischen  Kalke,  theils  im 
grob  krystallinischen  Dolomite,  bieten  nicht  das  geringste  Abwei- 
chende, wodurch  man  sie  durch  irgend  ein  wesentliches  Verhalten 
von  den  Bleiberger  und  nordalpinischen  Exemplaren  unterscheiden 
könnte.  Die  Stufe,  welche  das  Gestein  dieser  drei  letzten  Fundorte 
einnimmt,  ist  nicht  genau  ermittelt. 

Eine  ausgezeichnete,  der  Dachsteinbivalve  ähnliche  Muschel  mit 
Schale  erhielt  ich  durch  die  Güte  des  Herrn  v.  Hauer  aus  einem 
mürben,  grob  krystallinischen,  schwärzlichen,  heller  gestreiften  Dolo- 
mit von  Clusone  in  den  lombardischen  Alpen.  Es  ist  ganz  dasselbe 
dunkelfarbige  Gestein,  wie  ich  es  voll  undeutlicher  Versteinerungen 
durch  Herrn  Escher  von  Postiola  (Porticola)  zwischen  Taleggio 
und  St.  Giovan-Bianco  erhalten  habe  (Es  eher  1.  c.  p.  101). 

Herr  v.  Ha  uer  erwähnt  dieser  schwarzen  Dolomite  von  Porticola 
(Jahrb.  d.  geol.  R.  IX,  p.  478)  als  unter  den  Kössener  Schich- 
ten und  ober  den  Raibler  Schichten  gelagert.  Stoppani  (Pal. 
lomb.  1.  Ser.  p.  143)  zählt  diese  Bildung  den  Esinoschichten  zu. 
Auch  das  Gestein  von  Clusone  scheint  in  nächster  Nähe  über  den 
Raibler  Schichten  (Seh.  v.  Dossena)  zu  liegen  (Stoppani  I.  c. 
p.  145).  Es  ist  wohl  dasselbe  Vorkommen  des  Megalodon  triqueter, 


Die  Dachsteinbivalre  and  ihre  :i!  [>  ■  tieii  Verwandten.  ){i)^i 

das  Herr  v.  Hauer  (I.  c.  p.  478)  selbst  von  Clusone  erwähnt.  Wir 
werden  nicht  viel  fehlgreifen,  wenn  wir  diese  schwärzlichen  Dolomite 
in  das  Niveau  unseres  Hauptdoloinites  stellen.  Die  darin  einge- 
schlossene der  Dachsteinhivalve  ähnliche  Muschel  mit  wohl  erhaltener 
Schale  gestattete  eine  vollständige  Ausarbeitung  des  Schlosses  und 
gab  damit  Anhaltspunkte,  sie  einestheils  unmittelbar  als  echte  Ver- 
wandte der  Dachsteinhivalve  anzugreifen,  anderseits  sie,  sonst  ab- 
weichender Merkmale  wegen,  als  selbstständige  Art  davon  zu  tren- 
nen. Es  wird  dieselbe  später  als  Megalodon  complanatus  ausführlich 
beschrieben  werden.  Eine  andere  verwandte  Muschel  von  Podpec 
bei  Laibach  verdanke  ich  gleichfalls  den  gütigen  Mittheilungen  aus 
den  Wiener  Sammlungen.  Es  waren  mir  ein  vollständiges  Exemplar 
mit  beiden  Schalen  und  mehrere  einzelne  Schalen  mit  sehr  gut  erhal- 
tenem Schlosse  zu  Händen.  Diese  Form  wurde  mir  von  Herrn  Direc- 
tor  Hör nes  als  vermuthlich  identisch  mit  Pachyrisma  columbella 
gesendet.  Es  ist  jedoch  der  ganze  Habitus  ein  anderer ,  als 
jener  der  Pachyrisma  columbella,  wovon  ich  ebenfalls  Originale 
durch  die  Güte  des  Herrn  Director  Hörn  es  vergleichen  konnte. 
Die  Schale  ist  derb,  rauh  und  unverhältnissmässig  dick,  die 
concentrischen  Streifen  gleichfalls  viel  gröber  und  mit  ziemlich 
feinen  wechselnd,  von  Zone  zu  Zone  fast  blätterig  rauh.  Die  Anal- 
fläche zeigt  sich  sehr  breit.  Das  Schloss  ist  sehr  kräftig  und  erinnert 
zunächst  an  das  der  Dachsteinhivalve;  auch  stimmt  damit  die  Lage 
und  Tiefe  der  vorderen  Muskeleindrücke,  die  Längsleiste  im  Innern, 
die  vom  Wirbel  zum  hinteren  Muskeleindruck  zieht  und  der  Mantel- 
saum, so  dass  ihre  Nachbarstellung  neben  Megalodon  nicht  in  Frage 
steht. 

Wir  haben  nun  eine  Reihe  von  Formen  alpiner  Muscheln,  welche 
der  Dachsteinhivalve  entsprechen,  oder  mit  ihr  zunächst  ver- 
wandt sind,  kennen  gelernt,  und  sind  nunmehr  direct  auf  die  Erör- 
terung der  Frage  hingeführt,  die  wir  bisher  geflissentlich  unerörtert 
Hessen:  zu  welchem  Genus  gehören  diese  Muscheln? 
Professor  Schafhäutl  war  der  erste,  welcher  die  Muschel  von 
Elbigenalp  zu  Megalodon  stellte.  Auch  Herr  v.  Hauer  entschied 
sich  nach  einer  Vergleichung  mit  Megalodon  cucullatus  für  das 
Genus  Megalodon.  Indess  war  diese  Zuzählung  mehr  auf  äussere 
Formähnlichkeit  begründet,  da  man  bisher  die  Beschaffenheit  des 
Schlosses   nicht  kannte.    An   einem  Exemplare   aus   dem  Berchtes- 

24* 


354  Gümbel. 

gadener  Gebirge  glückte  es  mir,  bei  der  ungleichen  Festigkeit  des  den 
Kern  ausmachenden  dichten  Kalkes  und  des  die  Schale  bildenden 
späthigen  Kalkes,  das  Schloss  blosszulegen  und  die  Beschaffenheit 
der  inneren  Schalenfläche,  mit  Zuhilfenahme  zahlreicher  Fragmente 
anderer  Exemplare,  vollständig  zu  ermitteln,  wie  es  die  Fig.  4  und  5 
der  Taf.  I  darstellen.  Nachträglich  gelang  dieses  selbst  mit  einem 
Exemplare  von  Elbigenalp.  Vorerst  abgesehen  von  der  allgemeinen 
Ähnlichkeit,  Beschaffenheit  und  dem  Baue  der  inneren  Theile  der 
Schale,  wodurch  die  Verwandtschaft  der  Dachsteinbivalve  mit  dem 
Genus  Megalodon  ausser  Frage  gestellt  ist,  handelt  es  sich  zunächst, 
die  bestimmten  Charaktere ,  welche  die  echte  Dachsteinbivalve  und 
die  im  Schlossbau  genau  damit  übereinstimmende  Muschel  von 
Elbigenalp  mit  jenen  von  Megalodon  gemeinschaftlich  hat,  festzu- 
setzen, indem  wir  Megalodon  cucullatus  als  Typus  dieses  Geschlech- 
tes ansehen. 

Wir  betrachten  vorerst  das  Schloss,  wie  dasselbe  sich  an  einem 
Exemplare  aus  dem  Dachsteinkalke  zeigte. 

Auf  sehr  breiter,  massiver,  dicker  Schlossplatte,  welche  gegen 
den  vorderen  Rand  mit  der  Schale  verschmilzt,  gegen  hinten  die  zum 
Wirbel  reichende  Höhlung  bedeckt,  stehen  unter  dem  Wirbel  in  der 
rechten  Klappe  drei  (Taf.  I,  Fig.  4)  zahnartige  Erhöhungen  (a,  b,  c) 
von  ohrähnlicher  Gestalt.  Sie  sind  durch  zwei  tiefe  Längsgruben 
(d,  e)  in  der  Weise  getrennt,  dass  der  nach  hinten  stehende  Zahn 
(a)  völlig  isolirt  wird,  während  die  zwei  nach  vorn  liegenden  Zähne 
{b,  c}  durch  die  nach  unten  sich  aushebende  Grube  unten  verbunden 
bleiben  und  ein  Ganzes  ausmachen.  Vor  diesem  Zahnpaar  und  ober- 
halb des  tiefen,  jedoch  ziemlich  breiten,  durch  eine  hohe  scharfe 
Leiste  begrenzten  Muskeleindruckes  (</)  liegt  eine  seichte  runde 
Grube  (f),  seitlich  neben  dem  Muskeleindruck  findet  sich  die  sehr 
markirte  kleine  Grube  der  Fussanheftung.  Die  Zähne  sind  runzlich 
und  fein  gefaltet,  die  Gruben  entsprechend  uneben.  Neben  der  Area 
verlängert  sich  die  Schlossplatte  bis  zum  unteren  Rande  und  zeigt 
nur  eine  seichte  Impression  in  der  Mitte  und  feine  Querstreifen  von 
der  Stelle  an  abwärts,  wo  das  halb  äusserliche  hornartige  Ligament 
aufhört.  Dieses  letztere  breitet  sich  dann  über  den  oberen  fast 
ebenen  Theil  der  Schlossplatte  weiter  aus.  Der  hintere  Muskelein- 
druck ist  schwach  vertieft  und  liegt  weit  unten  am  Mantelsaum  auf 
einem  verdickten  Schalentheil,    der  durch  eine  vom  Wirbel  herab- 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  3«55 

laufende  Längsleiste  gegen  innen  abgegrenzt  wird.  In  der  linken 
Klappe  (Taf.  I,  Fi*^.  ü)  entspricht  dem  Doppelzahn  b — c  die  Grube 
b'  und  c,  die  Grube  a'  dem  Zahne  a  der  rechten  Klappe,  während 
der  als  gespalten  erscheinende  Zahn  d — e  unter  dem  Wirbel  mit 
den  Gruben  d  und  e  correspondirt.  Ganz  vorn  am  Rande  unter  dem 
Lunula-Ausschnitt  steht  ein  kleiner  Zahn,  der  in  eine  leistenähnliche 
Erhöhung  längs  des  Muskeleindruckes  verläuft.  Die  der  Querfläche 
gleichlaufende  zahnartige  Leiste  ist  breit,  aber  wenig  vorragend. 
Der  ganze  Zahnbau  hat  unverkennbare  Ähnlichkeit  mit  dem  des 
Megalodon  cucullutus.  In  der  rechten  Klappe  entsprechen  dem 
grossen  Hauptzahn  der  letztgenannten  Art,  welcher  durch  eine  Mit- 
telfurche  eine  Neigung  zur  Spaltung  verräth,  die  bei  unserer  Art 
durch  eine  tiefe  Grube  oben  gespaltenen  Zähne  b  —  c,  während  der 
Zahn  a  der  grösser  entwickelte  Stellvertreter  einer  Längsleiste  ist, 
die  bei  M.  cucirflatus  am  hinteren  Rande  der  hinteren  Läncrsgrube 
deutlich  bemerkt  werden  kann.  In  der  linken  Klappe  ist  die  Spaltung 
des  in  die  hintere  Furche  der  rechten  Klappe  passenden  Zahnes, 
welche  bei  M.  cucullutus  ebenfalls  angedeutet  ist,  bei  der  Dachstein- 
bivalve  gleichfalls  weiter  ausgebildet  und  dagegen  der  vordere  rund- 
liche Nebenzahn  f  nur  schwach  entwickelt.  Bemerkenswert!)  und 
abweichend  von  dem  Verhalten  des  Zahnbaues  bei  31.  cucullutus  ist 
die  starke  Krümmung  der  Zahne  nach  vorne,  die  übrigens  in  ähn- 
licher Weise  gerunzelt  sind. 

Zu  dieser  grossen  Analogie  des  Zahnbaues  der  Dachsteinbivalve 
mit  jenem  des  M.  cucullutus  gesellen  sich  noch  die  gleiche  Lage  des 
vorderen  Muskeleindrucks /'unmittelbar  neben,  fast  noch  auf  der 
Schlossplatte,  dann  die  Abgrenzung  dieses  Muscheleindrucks  durch 
eine  hohe  scharfe  Leiste,  ferner  das  Herabziehen  der  Schlossplatte 
längs  der  ganzen  hinteren  Fläche,  das  Vorhandensein  einer  Impres- 
sion und  leistenartiger  Erhöhung  auf  dieser  Verlängerung,  die  Lage 
und  Beschaffenheit  des  schwachen  hinteren  Muskeleindrucks  am 
unteren  Rande  und  auf  einem  verdickten  Theil  der  Schale,  welcher 
gegen  innen  mit  einer  Längsleiste  abgegrenzt  ist  und  endlich  die 
Einfachheit  des  Mantelsaumes,  um  nach  dem  Bau  der  inneren 
Schalenseite  die  Dachsteinbivalve  der  Gruppe  des  M.  cucullutus 
auf's  Engste  anzuschliessen. 

Dass  der  äussere  Habitus  in  gleicher  Weise  damit  stimmt, 
beweist  die   Zutheilung  derselben  zum  Genus  Megalodon,   welche 


356  G  um  Lei. 

Prof.  Schafhäutl   blos  nach  der  äusseren  Ähnlichkeit  zuerst  ver- 
suchte.   Es  unterliegt   keinem   Zweifel,   dass   die   Daehsteinbivalve 
dem  31.  cucullatus  näher  steht,    als   alle  die  übrigen  Arten,   welche 
Goldfuss  in  dieses  Genus  einrechnete.  Nach  der  Goldfuss' sehen 
Umgrenzung  des  Genus  Megalodon  gehört  die  Daehsteinbivalve  unbe- 
streitbar zu  diesem  Genus;  sie  dürfte  aber  selbst  nach  der  v.  Grün  e- 
wa ldt'schen  Einschränkung   der   Gattung  Megalodon *)   noch    der 
Gruppe  des  31.  cucullatus  anzureihen  sein.  Abweichend  von  der  Art 
31.    cucullatus   sind   zwar   einigermassen    die    Beschaffenheit    der 
Schlosszähne,  insbesondere  die  grössere  Breite  und  geringere  Tiefe 
des    vorderen    Muskeleindruckes,    dann    die    mehr  in    die   Breite 
gestreckte  Form  der  Muschel  überhaupt  und  die  grössere  Schärfe 
des  Längskiels ,  vor  welchem  eine  flache  Impression  herabzieht.  — 
Der  Umstand,  dass  die  Gattung  Megalodon  bisher  auf  die  devonischen 
Schichten2)  beschränkt  zu  sein  schien,  kann  hier  keinen  Ausschlag 
geben.    In  jurassischen  Schichten  kehren  sehr  verwandte  Formen 
wieder.  Hier  ist  es  das  von  Morris  und  Lycett  neu  aufgestellte 
Genus  Paehyrisma,   welches  die   allernächste  Verwandtschaft   mit 
unserer  Daehsteinbivalve  besitzt,  wie  denn  schon  die  Gründer  dieser 
Gattung  auf  Catullo's  Abbildung   des  Cardium  triquetrum  hin- 
weisen.   Die   äussere  Form   der   Muschel,   ihr  herzförmiger,   fast 
eckiger  Umriss  und  die  fast  spiralgebogenen  Wirbel,  die  sehr  dicke 
Schale,  der  schieflaufende  Kiel,  die  breite  und  weit  herabreichende 
Ligamentplatte;  das   alles  passt  vortrefflich  zu  unserer  Daehstein- 
bivalve, aber  eben  so  gut  zu  Megalodon  (Gruppe  des  31.  cucullatus). 
Auch  scheint  die  Beschaffenheit  des  vorderen  Muskeleindrucks  — 
tief  und  oval  —  abweichend  von  dem  tiefen  und  sehr  schmalen  Ein- 
druck des  31.  cucullatus  mehr  dem  der  Daehsteinbivalve  sich  anzu- 
nähern,  so   dass  die  Form  der  letzteren   einen  völligen  Übergang 
zwischen  der  devonischen  und  jurassischen  darstellt.   Dagegen  passt 
der  Zahnbau  der  Paehyrisma  viel  weniger  zu  dem  der  Daehstein- 
bivalve,  als  die   Schlossbeschaffenheit    der  letzteren    zu    der   des 
M.  cucidlatus. 

Für  den  bei  Paehyrisma  so  charakteristischen  dicken  konischen 
Zahn  kann  man  gar  keine  Analogie  bei  der  Daehsteinbivalve  finden  ; 


•)  Zeitschr.  d.  geol.  Gesellsch.  1851.  III.  p.  252  ff. 

2)  Deshayes,  Traite  eiern,  de  Concliyiologie  t.  II,  p.  236. 


Die  Dachsteinbivalre  und  ihre  alpinen  Verwandten.  357 

wenn  aber,  wie  neuere  Untersuchungen  lehren  sollen,  dieser  konische 
Zahn  nicht  existirt,  so  fallt  damit  das  wichtigst«  und  einzig  wesent- 
liche Trennungsmerkmal  für  Pachyrisma  und  damit  die  Selbst- 
ständigkeit der  Gattung  selbst  und  es  dürfte  nicht  naturgemäss  sein, 
sie  blos  wegen  ihres  jugendlichen  Alters  von  ihren  älteren  Genossen 
getrennt  zu  halten.  Vielmehr  scheint  gerade  der  höchst  interessante 
Umstand,  dass  selbst  bis  zur  Jurazeit  herab  Muscheln  vorkommen, 
welche  dem  Geschlechte  der  Megalodonten  so  nahe  stehen  und 
ihm  entsprechen,  es  um  so  dringender  wünschenswerth  zu  machen, 
diese  Analogie  auch  dadurch  auszudrücken  und  leicht  erkenntlich  zu 
machen,  dass  man  diese  Form  des  Dachsteinkalks  mit  Pachyrisma 
bei  dem  Genus  Megalodon  belässt  und  ihre  Besonderheiten 
dadurch  hervorhebt,  dass  man  gewisse  Subgenera  aufstellt  und  sie 
diesen  zutheilt.  Die  Verwandtschaft  der  Dachsteinbivalve  mit  M. 
cucullatus  scheint  mir  zu  gross,  um  sie  vom  Genus  Megalodon  zu 
trennen  und  ihre  Verschiedenheit  nicht  bedeutungsvoll  genug,  um 
darauf  eine  neue  Gattung  zu  gründen. 

Dies  die  Gründe,  welche  das  Belassen  der  Dachsteinbivalve 
bei  der  Gattung  der  Megalodon  naturgemäss  erscheinen  Hessen. 

Doch  dürfte  es  zweckdienlich  sein,  für  einen  gewissen  Umfang 
von  triasiscfien  Arten  des  Subgenus  Neomegalodon  wie  für  ein 
zweites  das  Subgenus  Pachymegalodon  aufzustellen.  Wir  werden 
dieselben  später  näher  begründen. 

Es  ist  hier  zunächst  noch  zu  erörtern,  in  welchem  Verhältnisse 
die  übrigen  der  Dachsteinbivalve  sich  anschliessenden  und  ihr  sehr 
ähnlichen  alpinischen  Muscheln  zum  Genus  der  Dachsteinbivalve 
stehen. 

Die  zweite  Species,  welche  als  Megalodon  gryphoides  bezeich- 
net ist,  stimmt,  obwohl  nur  Schalenexemplare  vorliegen,  in  der 
äusseren  Form  so  genau  mit  der  Dachsteinbivalve  überein,  dass  wohl 
kein  Zweifel  über  die  Zugehörigkeit  zu  demselben  Genus  obwalten 
kann.  Auch  stimmt  damit  ihre  Vergesellschaftung  mit  Megalodon 
triqueter. 

Eben  so  kann  kein  Bedenken  erhoben  werden,  die  Muschel  von 
Clusone,  die  als M.  complanatus  beschrieben  wird,  in  dasgleicheSub- 
genus  einzureihen,  da  das  vollständig  blossgelegte  Schloss  der  linken 
Klappe  bis  in's  Einzelnste  mit  dem  der  Dachsteinbivalve  stimmt- 
(Taf.  V,   Fig.  2).    Wiis  die  Arten   mit   doppelt  gekielter  hinterer 


358  Gümbel. 

Flüche  anbelangt ,  so  stimmt  bezüglich  der  als  M.  columbella 
beschriebenen  Art  nicht  nur  der  äussere  Umriss  im  Allgemeinen, 
dann  die  Art  der  feinen  Stceifung,  die  Beschaffenheit  des  Ligaments 
und  der  Lunula  mit  der  Dachsteinbivalve,  sondern  es  finden  sich 
auch  an  den  Steinkernen  dieselbe  vorspringende  Erhöhung  an  der 
Stelle  des  vorderen  Muskeleindrucks,  dieselbe  Impression  vor  der 
hinteren  Längskante  mit  Spuren  des  dahinter  liegenden  Muskelein- 
druckes, ferner  dieselbe  Vertiefung  unter  dem  nach  vorne  umgebo- 
genen Wirbel  und  zugleich  auch  auf  der  lamellenartigen  Wand  in 
dieser  Bucht  bei  genauer  Vertheilung  die  analogen  Erhöhungen  und 
Vertiefungen,  wie  sie  an  Steinkernen  von  M.  triqueter  wahrgenom- 
men werden,  wieder. 

Desshalb  durfte  auch  diese  doppelt  gekielte  Art  nicht  blos  dem 
Genus  Megalodon  zugetheilt  werden  müssen,  sondern  es  lässt  sich 
ausser  der  zweifach  gebrochenen  Analfläche  und  deren  grösserer 
Breite  kein  weiteres  Kennzeichen  finden,  um  sie  zu  einem  anderen 
Subgenus  zu  verweisen. 

Wir  haben  schliesslich  noch  die  als  M.  chamaeformis  bezeich- 
nete Art  zu  prüfen.  Ihr  Äusseres  weicht  merklich  von  dem  der  soeben 
der  Gruppe  Neomegalodon  zugetheilten  Arten  ab;  der  Umriss  ist  herz- 
förmig, die  Linien  dieses  Umrisses  sind  nicht  durch  eine  gleichmässig 
verlaufende  Cuive  gebildet,  sondern  es  stossen  mehrere  solcher 
Curven  winkelig  an  einander,  so  dass  der  Umriss  dadurch  gleichsam 
eckig  wird,  die  Lunula  ist  undeutlich,  die  Schale  doppelt  gekielt  und 
viel  dicker  als  bei  der  Dachsteinbivalve,  derber,  die  concentrischen 
Streifen  sind  gröber,  rauher,  zor^nweise  fast  lamellenartig  vorste- 
hend; das  Schloss  endlich  bietet  noch  mehr  Abweichendes. 

In  der  rechten  Klappe  (Taf.  VII,  Fig.  5)  steht  ein  grosser  nach 
vorne  gekrümmter  Zahn  unter  dem  Wirbel,  der  dem  Zahne  a  der 
Dachsteinbivalve  entspricht,  davor  ist  eine  tiefe  Grube  d  mit  einer 
schwachen  zahnähnlichen  Begrenzung  nach  vorne  und  neben  b,  c. 
Diese  Theile  sind  analog  in  dem  gespaltenen  Zahn  b,  c  der  Dach- 
steinbivalve, die  Grube  davor  ist  seicht,  nach  unten  von  einer  Quer- 
leiste begrenzt,  die  nach  hinten  eine  Fussgrube  besitzt;  nach  vorne 
und  unten  liegt  der  nicht  sehr  tiefe,  halbmondförmig  ovale,  nach 
oben  von  einer  nicht  hohen  abgerundeten  Leiste  abgeschlossene 
Muskeleindruck  g.  Die  Schlossplalte  zieht  sich  längs  der  hinteren 
Seite  tief  herab:  sie  hat  keinen  markirten  Zahn  oder  Furche;   davon 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  359 

ist  ein  verdickter  Schale' ntheil  der  Träger  des  hinteren  IM tiskeleindrucks, 
der  sehr  undeutlich  ist  und  wahrscheinlich  dem  unteren  Rande  nahe 
steht.  In  der  linken  Klappe  ist  ein  grosser  Zahn  für  die  Grube  d  und 
davor  eine  breite,  seichte  Grube,  welche  nach  unten  mit  einem  rund- 
lichen Seitenzahn  abschliesst.  Nach  hinten  ist  eine  tiefe  Grube  für 
den  Zahn  a  der  rechten  Klappe  und  eine  Langsleiste,  welche  nach 
unten  sich  mit  dem  Hauptzahn  d,  die  Grube  umschliessend,  verbindet. 
Diese  Art  weicht  im  Schlossbau  merklich  mehr  von  Megalodon 
ah,  als  die  Dachsteinbivalve  und  selbst  mit  dieser  stimmt  sie  weder 
im  Schlossbau,  noch  im  allgemeinen  Habitus  vollständig  überein. 
Diese  Art  stelle  ich  daher  als  Typus  eines  zweiten  Subgenus,  Pachy- 
megalodon  auf,  zu  welchem  wahrscheinlich  auch  Pachyrisma  zu 
ziehen  sein  möchte. 

Horizonte. 

Bevor  wir  nach  dieser  Feststellung  auf  die  Beschreibung  der 
hierher  gehörigen  Muscheln  übergehen,  scheint  es  nöthig,  einen 
Blick  auf  die  Lagerstätte  und  Verbreitung  der  verschiedenen ,  hier 
namhaft  gemachten  Arten  zu  werfen. 

Das  Resultat,  zu  welchem  wir  bei  Prüfung  der  Lagerstätten 
gelangten,  aufweiche  die  verschiedenen  Arten  beschränkt  sind,  ist 
in  der  Alpengeoguosie  von  der  grössteu  Wichtigkeit  für  das  Erkennen 
der  verschiedenen  Stufen  lithologisch  ähnlicher  Gesteinsschichten. 
Hier  tritt  die  Beobachtung  in  den  Vordergrund,  dass  sich  durch 
eine  ganze  Reihe  alpinischer  Gesteinsschichten  der 
Dachsteinbivalve  ähnliche  Einschlüsse  finden,  welche 
namentlich  in  den  verschiedenen  Querschnitten  ein- 
ander so  ähnlich  sind,  dass  sie  ohne  nähere  Unter- 
suchung sehr  leicht  verwechselt  werden  können. 

Es  dürfen  daher  ohne  genaue  Untersuchung  nicht  alle  Kalk- 
steine, welche  sogenannte  Dachsteinbivalven  enthalten,  für  identische 
Gebilde  gehalten  und  derselben  Schichtenstufe  zugetheilt  werden. 

Megalodon  triqueter  findet  sich  in  den  Nordalpen  fast  aus- 
schliesslich im  eigentlichen  Dachsteinkalke,  d.  h.  in  der  dem  oberen 
Muschelkeuper  (Kössener  Schichten)  ein-  oder  aufgelagerten  Kalk- 
bank überaus  häufig  und  weit  verbreitet.  Stellenweise  geht  sie  auch 
in   die    Mergelschichteu    des    oberen  Musehelkeupers    selbst    über 


360  G  um  bei. 

(Bernhardsthal,  Kammerkahrsattel).  Zu  derselben  Art  gehören 
aber  auch  die  Steinkerne  von  Leibelfing  und  vom  Alpgarten.  Dem- 
nach kommt  diese  Species  auch  im  Hauptdolomite  vor.  Somit  ist 
anzunehmen,  dass  die  eigentliche  Dachsteinbivalve  in  den  Nord- 
alpen vom  Hauptdolomit  bis  zum  Dachsteinkalke  reicht. 

In  den  Südalpen  ist  die  Verbreitung  der  Dachsteinbivalve  vor- 
züglich im  dolomitischen  Gesteine,  welches  sowohl  dem  Hauptdolomit 
als  dem  Dachsteinkalk  angehört,  ebenfalls  constatirt.  Italienische 
Geognosten  unterscheiden  nach  dieser  zweifachen  Lagerung  ein 
Cardium  des  sogenannten  mittleren  Dolomits  und  ein  Cardium  des 
eigentlichen  Dachsteinkalks.  Stoppani  selbst  gibt  die  Dachstein- 
bivalve unter  der  Bezeichnung  Cardium  triquetrum  als  charak- 
teristisch für  den  oberen  Dolomit  oder  den  Dachsteinkalk  an. 
Bei  Trient  liegt  sie  nach  Emmrich's  Entdeckung1)  in  der  That 
in  einem  oolithischen  Gestein,  das  dem  Dachsteinkalk  entspricht. 

Von  einer  Stelle  (Val  di  Sarezzo)  finden  sich  in  ein  und  dem- 
selben Stücke  entschieden  der  Dachsteinbivalve  angehörige  Stein- 
kerne mit  der  später  zu  erörternden  Art  31.  columbclla  der  Hall- 
stätter  Schichten  zusammen. 

Das  Gestein  dieses  Fundortes  wird  noch  von  St  oppani  als  zur 
Esinokalkstufe  gehörend  bezeichnet.  Diese  Annahme  und  die  un- 
mittelbare Vergesellschaftung  mit  einer  Hallstätter  Art  machen  es 
mehr,  als  wahrscheinlich,  dass  die  Dachsteinbivalve  bis  zu  dem 
unteren  Keuperkalk  (Hallstätter  Schichten)  hinabreiche.  M egal o- 
don  gryphoides  beschränkt  sich  nach  den  bisherigen  Erfahrun- 
gen blos  auf  den  Dachsteinkalk  der  Nordalpen. 

Megalo  don  columbella  findet  sich  bis  jetzt  sowohl  in  den 
hängendsten  Kalkschichten  des  unteren  alpinischen  Keuperkalkes 
(Hallstätter  Schichten)  in  den  Nordalpen,  als  auch  wie  eben  erwähnt 
in  den  Südalpen  der  Dachsteinbivalve  vergesellschaftet  in  der  Begion 
der  Esinoschichten-Gruppe.  Es  ist  besonders  hervorzuheben,  dass 
sie  weder  Stoppani  in  den  versteinerungsreichen  Esinoschichten 
anführt,  noch  auch,  dass  sie  mehr  als  sporadisch  und  nur  in  der 
oberen  Lage  der  Hallstätter  Schichten  beobachtet  wurde.  Auch  bei 
Bleiberg  kommen  Steinkerne,  welche  zu  M.  columbella  gehören,  mit 
der  Normalform  des  M.  triqueter  vergesellschaftet  vor.  Ein  Exemplar 


')   Emmi' ich,  im  Jahrb.  d.  g-eol.  Reichsanst.  1857.  |>.  .'»04. 


Die  Dachsteinbivalre  und  ihre  alpinen  Verwandten.  361 

liegt  im  dichten,  weissen,  dem  Uallstätter  ganz  gleichen  Kalke  und 
zeigt  zugleich  jene  grosse  Breite  der  Analfläche,  welche  diese  Art 
charakterisirt.  Das  zweite  Exemplar  aus  einem  gelblich  weissen 
Kalke  ist  unregelmässiger.  Dieses  Vorkommen  scheint  darauf  hinzu- 
deuten, dass  nicht  alle  Kalke  mit  Dachsteinbivalven  ähnlichen  Ein- 
schlüssen bei  Bleiberg  unbedingt  dem  Dachsteinkalke  zuzurechnen 
seien.  Pachyrisma  columbella  Hörn,  kommt  in  den  rothenHallstätter 
Kalken  mit  den  globosen  Ammoniten  vor. 

Der  Megalodon  complanatus  hat,  wie  schon  näher 
erörtert  wurde,  seine  Lage  wahrscheinlich  im  Hauptdolomite  und 
der  Meg.  chama  efurmis  endlich  gehört  einer  Schichtenstufe  an, 
welche  mit  den  Raibler  Schichten  zu  correspondiren  scheint.  In  der 
Specialbeschreibung  wird  versucht  werden,  die  einzelnen  Fundorte, 
so  weit  sie  bekannt  geworden  sind,  nach  den  verschiedenen  Stufen 
getrennt  anzuführen.  Wenn  in  den  Angaben  der  Fundorte  der  ein- 
zelnen Species  nicht  immer  das  Richtige  getroffen  wurde ,  so  möge 
dies  aus  dem  Umstände  entschuldigt  werden,  dass  sich  Species  und 
Schicht  nicht  in  allen  Fällen  mit  voller  Sicherheit  ermitteln  Hess. 

Der  Beschreibung  der  einzelnen  Species  setzen  wir  hier  eine 
Definition  des  Genus  Megalodon  voraus ,  wie  dies  am  natürlichsten 
abgegrenzt  erscheint,  und  lassen  dann  die  Beschreibung  der  Sub- 
genera,  welche  in  der  Alpeiitrias  neu  aufzustellen  sich  als  naturgemäss 
erwies,  folgen. 


Specielle  Beschreibung. 
MEGALODON.    Sow.    Gen. 

Megalodus  G  o  1  d  f.  (partim). 

Typische  Form:  31.  cucullatus  Gold  f. 
(Zum  Subgenus  Eumegalodon  gehörig.) 

Schale  länglich  ei- oder  herzförmig,  stark  gewölbt,  gleichklappig, 
ungleichseitig,  rings  vollkommen  schliessend  ,  gegen  den  Wirbel 
sehr  stark  verdickt,  hinten  der  Länge  nach  stumpf  oder  scharf  gekielt 
und  abgestumpft  oder  eingedrückt;  Wirbel  vorragend,  stark  nach 
vorn  gewendet,  mehr  oder  weniger  stark  eingerollt;  Ligament  halb 
äusserlich;    Schloss  stark   entwickelt,    bestehend  aus  einer  dicken 


362  G  um  bei. 

Hauptplatte  unter  dem  Wirbel,  welche  den  Hauptzahnbau  trägt,  und 
einem  von  dieser  Platte  aus  längs  der  hinteren  Seite  fast  bis  zum 
unteren  Rande  herablaufenden  Randplatte.  In  der  rechten  Klappe 
steht  unter  dem  Wirbel  ein  einfacher  durch  eine  seichte  Furche 
schwach  getrennter  oder  ein  durch  eine  Grube  geschiedener  Doppel- 
zahn; dahinter  liegt  eine  tiefe  Grube  und  am  Rande  gegen  die  sich 
abzweigende  hintere  Randplatte  eine  Leiste  in  der  linken,  oder  ein 
Längszahn  in  der  rechten  Klappe,  in  der  linken  Klappe  ein  einfacher 
oder  tiefgetheilter  Zahn  und  ganz  nach  vorn  ein  Nebenzahn.  Auf  der 
Längsplatte  zeigt  sich  mehr  oder  weniger  deutlich  eine  Längs- 
erhöhung und  Vertiefung;  der  vordere  Muskeleindruck  liegt  hoch 
oben  am  Schlosse  fast  noch  auf  der  Schlossplatte,  ist  verhält- 
nissmässig  schmal ,  tief  und  seitlich  von  einer  schmalen  Leiste 
begrenzt;  der  hintere  Muskeleindruck  ist  schwach,  liegt  nahe  am  hin- 
teren und  unteren  Rande  auf  einem  verdickten  Schalentheil ,  der 
durch  eine  vom  Wirbel  herabziehende  schmale  seichte  Längsfurche 
gegen  innen  abgegrenzt  ist. 

ALPEN  -SPECIES, 

I.  Subgenus:  Neomegalodon. 

Schale  fein  concentrisch  gestreift;  Schloss  mit  einem  durch 
eine  tiefe  Grube  getrennten  doppelten  Hauptzahn  in  jeder  Klappe, 
einem  hinteren  nach  vorn  gekrümmten  Leistenzahn  in  der  rechten  und 
Andeutung  einer  vorderen  rundlichen  Zahnes  in  der  linken  Klappe; 
vorderer  Muskeleindruck  tief  und  etwas  breit ,  von  einer  hohen 
schmalen  seitlich  gestellten  Leiste  begrenzt.  Sonst  wie  das  typische 
Subgenus  Eumegalodon  (M.  cucullatus). 

a)  Vnitruneatim  Hinterer  eingedrückter  Schalentheil  einflächig. 
I.  Mcgnlodon  tripeter  Wulfen  spec. 

Taf.  I,  Fig.  1-8;  Taf.  II,  Fig.  1—7;  Taf.  III,  Fig.  1—9;  Taf.  IV,   Fig.  4  und  5;  Taf.  V. 

Fig.  7. 

Cardium  triquetrum  Wulfen  (Abh.  v.  Kärnten.  Pfauenschweif.  Helmintho- 
lith.;  Erlangen,  1793)  i). 


!)  Wir  beschränken  uns  liier  auf  die  Anführung  des  Wichtigsten   aus  der  Literatur  zur 
Dachsteinbivalve. 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  361$ 

Cardium  triquelrum  Brocchi  (ßibl.  Ital.  1822,  p.  279,  Taf.  XXVj. 
Cardium  triquetrum  Catullo  (Saggio  d.  Zool.  fo  ss.  p.  140,  t.  I,  fig.  D,  E,  F, 

t.  II,  flg.  Ä,  a). 
Gryphaea  incurva   Murchison  a.  Sedgwick  (Transact.  of  tlie  geol.  soc. 

1831,  Vol.  III). 
Gryphaea  cymbium    Li II    v.    Lilienbach  (N.  Jahrb.   von  Lconhard   und 

Bronn,  1831,  p.  74). 
Isocardia  von  Bleiberg  Boue  (N.  Jahrb.  1833,  p.  63). 

?  Isocardia  exaltata  Pusch  (Polens  Paliiont.  1857,  p.  67,  Taf. VII,  Fig. 9). 
Isocardia  striata,   Geogn.  niont.  Verein  für  Tirol  (Berichte  d.  geogn. 

mont.  Vereines  für  Tirol  und  Vorarlberg,  1841 — 1844). 
Dachsteinbivalve ,  Isocardia  sp.,  Wiener  Geognosten  (v.  Hauer,  Jahrb. 

d.  geol.  Reichsanst.  1850,  p.  154,  656). 
Dachsteinbivalve,  Cardium  triquetrum  Wulfen's,  v.  Hauer  (Sitzungsb.  der 

naturw.-math.  Cl.  d.  k.  Akad.  d.  Wissensch.  in  Wien,  1850,  p.  285). 
Megalodon   scutatus  Schafhiiutl  (Geogn.  Untersuchungen  in  den  südbair. 

Alpen,  1851,  p.  145,  Taf.  XXIII  und  XXIV). 
Pholas  ungulata  Scbafhäutl  (1.  c.  p.  106,  143,  Taf.  XVIII  und  XIX). 
Isocardia  grandicomis  Schaf  hau  tl  (N.  Jahrb.  p.  146). 
Megalodon  triqueter   Wulf.  spec.  v.   Hauer  (Jahrb.   d.    geol.  Reichsanst. 

1853,  IV,  p.  715). 
Cardium    triquetrum    —    Megalodon    scutatus     Escher  v.    d.   Linth  und 

Merian    (Googn.   Bemerkungen    über   das    Nordtirol    und   Vorarlberg. 

1853,  p.  18). 
Tauroceras  tiara  Schafhäutl  (N.  Jahrb.  von  Leo  nh.  und  Bronn,  1854, 

p.  550,  Taf.  VIII,  Fig.  19). 
Megalodon  triqueter  Wulf.,    G  um  bei    (Jahrb.   d.   geol    Reichsanst.   1856, 

p.  8). 
Megalodon  triqueter  Wulf.,  E  mm  rieh  (1.  c.  1857,  p.304). 
Cardium   triquetrum    —     31ega/odon    scutatus   Curioni  (Mem.   d.   I.   R.  in 

lomb.  d.  seien.  1859,  p.  137). 
Cardium  des  oberen  Dolomits       i     Stoppani  (Essai  sur  les  cond.  1861, 
Cardium  des  mittleren  Dolomits   \       p.  45). 
Megalodon  triqueter  Wulf,  spec.,  Gümbel  (Geogn.  Beschr.  d.   bair.  Alpen, 

1862,  p.  419). 

M.  testa  subrotundo-elongata,  cordiformi,  aequivalvi,  inae- 
quilaterali,  strils  concentricis  numerosis  tenuibus  et  paucis 
zonatim  crassioribus  instituta,  crassissima ;  umbonibusmagnis, 
prominentibus,  antice  recurvis,  involutis;  latere  antico  brevi, 
excavato;  lunula  profunda,  m arg  in  ata;  latere  postico 
acute-carinato,  pro f'u n d e  dep resso:  dentibus cardinalibm, 
auriformibus,  lateraliter  subobliteratis :  impressione  musculari 
antica  latiuscula. 


364  Gümbel. 

M.  nucleo  subrotundo-elongato ,  inflato,  cordiformi,  subtrigonali, 
postice  obtuse  carinato;  parte  anali  depressa,  angusta;  parte 
umbonali  acuminata,  valde  prominente,  antice  recurva,  con- 
vergenti;  impressionis  muscularis  anticae  tuber cido  valde 
prominenti,  dentiformi. 

Die  Schale  ist  im  Umrisse  rundlich,  herzförmig,  etwas  dreiseitig 
gleichklappig,  rings  schliessend,  ungleichseitig,  stark  gewölbt,  fast 
so  dick  wie  breit;  der  untere  und  hintere  Rand  convex  ausgebogen, 
die  vordere  Seite  kurz,  stark  concav  ausgeschweift  mit  einer  tiefen 
grossen,  herzförmigen,  deutlich  abgegrenzten,  stark  gestreiften 
Lunula,  gegen  welche  die  stark  nach  vorn  verlängerten  Wirbel  halb- 
spiralig  eingebogen  sind;  hinterer  Schalentheil  durch  eine  ziemlich 
scharfe,  schief  gebogene  Längskante  gekielt  und  zum  hinteren  Rande 
mit  einer  schmalen  Fläche  steil  abfallend.  Vor  dieser  Kante  verläuft 
in  ihrer  nächsten  Nähe  vom  Wirbel  zur  unteren  Seite  eine  oft 
schwache  Längs-Impression,  so  dass  die  Schale  von  dieser  windisch 
gebogenen  Vertiefung  gegen  die  Kante  etwas  ansteigt.  Eine  ähnliche 
jedoch  schwache  Depression  zieht  parallel  hinter  der  kurzen  vor- 
deren Seite  herab. 

Die  ganze  Schalenoberfläche  (sammt  Analfläche  und  Lunula) 
ist  von  verschieden  starken  concentrischen  feinen  Streifen  dicht 
bedeckt,  einzelne  dieser  Streifen  treten  in  ziemlich  schmalen  regel- 
mässigen Zwischenräumen  stärker  hervor  und  verleihen  der  Schale 
ein  streifig  gebändertes  Aussehen;  in  der  Richtung  der  eben  bezeich- 
neten schwachen  Längsdepressionen  sieht  man  häufig  eine  Streifung, 
welche  die  regelmässigen  concentrischen  Linien  schief  durchschneiden 
und  meist  selbst  knieförmig  gebrochen  sind;  dieses  an  sich  unbe- 
deutende Merkzeichen  ist  so  constant,  dass  es  oft  allein  schon  hin- 
reicht, kleine  Schalenfragmente  als  dieser  Species  angehörig  mit 
Zuverlässigkeit  zu  erkennen  (Taf.  I,  Fig.  6). 

Durch  Druck,  Pressung,  Auseinanderdrängen  der  Schalen  und 
Verschiebung  einer  Klappe  gegen  die  andere  nimmt  der  Umriss  der 
Muschel  oft  eine  Gestalt  an,  die  von  der  normalen  so  sehr  abweicht, 
dass  mau  solche  verdrückte  Formen  schwierig  als  zu  gleicher  Species 
gehörend  erkennen  kann. 

Namentlich  sind  es  die  in  die  Länge  gezogenen  schmalen  For- 
men, die  besonders  häufig  vorkommen  (Echernthal),  dann  platt 
gedrückte  breite  Gestalten,    bei  denen  die  untere  Seite  eine  bogen- 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  3G5 

förmige  Krümmung  annimmt,  die  neben  normalen  Muscheln  gefunden 
werden.  Unzählige  Übergänge  aus  solchen  Extremen  zur  Normal- 
form verbinden  die  ganze  Reihe  heterogener  Formen  zu  einem 
Ganzen. 

Die  Dimensionen  an  einem  mittelgrossen  Exemplare  betragen, 
und  zwar  an  einem  und  demselben  Exemplare  mit  und  ohne  Schale 
in  Millimeter: 

Schalenexemplar  Steinkern 

Grösste  Dicke 62  Millim.     45       Millim. 

Länge 95        „         82 

„       Breite 74       „         63 

„       senkrechte  Tiefe   der   Anal- 
einsenkung  unter  dem  Niveau  des 

Kiels 5        „  2%        „ 

Grösste  Breite  einer  Analfläche    .    .  14        „         11  „ 

Abstand  der  Wirbelenden     ....     8        „         18  „ 

Grösste  Tiefe  der  Lunulabucht      .    .     7        „  6  „ 

Die  gemessene  Schalendicke  beträgt  an  diesem  Exemplare: 
am  Wirbelende,   d.    h.    von  der   Spitze    des   Wirbels 
des   äusseren   Schalenkörpers   bis   zur   Spitze    der 

inneren  Höhlung 20       Millim. 

von   diesem  Ende  der  inneren  Höhlung  senkrecht  zur 

Schalenoberfläche  am  Rücken 10  „ 

in  der  Mitte  der  vorderen  Seite 22  „ 

„     „       „des  Kiels 10 

„     „    Schalenmitte  am  Rücken 9  „ 

unterhalb  des  vorderen  Muskeleindrucks 7  „ 

am  Mantelsaum,  Schalenmitte 5y2        » 

von   da    an   verschwächt  sich  die  Schale  rasch  bis  an 

den  äussersten  unleren  Rand */2        „ 

Um  nur  an  einem  Beispiele  die  Grösse  der  Schwankungen  in 
diesen  Dimensionen  an  manchen  Exemplaren  anzudeuten,  folgen  hier 
die  Maasse  eines  Schalenexemplares  vom  Echernthale  am  Dachstein- 
gebirge, das  unzweifelhaft  der  Dachsteinbivalve  angehört: 

Grösste  Länge 140  Millim. 

„       Breite 100 

Dicke 94 


366  G  um  bei. 

Noch  mehr  Schwankungen  zeigen  die  Steinkerne,  bei  denen 
häufig  Abnagung  noch  formändernd  eingewirkt  hat.  Das  kleinste  mir 
zu  Gesicht  gekommene  Exemplar  dieser  Art  besitzt  nur  eine  Länge 
von  18  Millim.,  eine  Breite  von  14  Millim.  und  eine  Dicke  von 
\2i/i  Millim.  Von  diesen  Dimensionen  an  finden  sich  Exemplare  bis 
zu  kolossalen  Massen.  Ich  habe  im  Königsee-Gebirge  Durchschnitte 
gemessen,  die  auf  eine  Länge  der  Muschel  von  über  600  Millim. 
schliessen  lassen;  aus  dem  Loferer  Gebirge  liegt  mir  ein  gut  erhal- 
tenes Schalenexemplar  vor,  das  eine  Länge  von  475  Millim.  bei  einer 
Breite  von  370  Millim.  und  einer  Dicke  von  300  Millim.  besitzt.  Die 
Area  ist  sehr  deutlich,  schmal,  lang  gestreckt,  vom  Wirbel  bis  zur 
halben  Länge  des  hinteren  Randes  reichend,  in  der  Richtung  der 
concaven  Streifen  fein  gestreift  und  mit  sehr  feinen  radialen 
Strichen  bedeckt.  Schloss  dick,  massiv,  auf  eine  breite,  längs  des 
hinteren  Randes  verlängerte  Platte  aufgesetzt,  Hauptzahngruppe  der 
rechten  Klappe  ohrähnlich  gestaltet.  In  der  Mitte,  gerade  unter 
dem  Wirbel,  steht  ein  durch  eine  nach  unten  sich  aushebende  Grube 
gespaltener,  wulstiger,  vielfach  gerunzelter  Zahn.  Der  kleine  Zahn- 
theil  liegt  nach  innen  und  unten,  biegt  sich  hier  um  und  verbindet 
sich  mit  dem  nach  vorn  und  oben  gerichteten  grösseren  Zahntheil; 
beide  sind,  wie  die  Gruben,  uneben  furchig;  hinter  diesem  Doppel- 
zahn liegt  eine  tiefe  Grube,  dann  ein  hoher,  stark  nach  vorne 
gekrümmter,  leistenförmiger  Zahn,  der  die  hintere,  fast  ebene 
Schlossplatte  abgrenzt;  vor  dem  Doppelzahn  ist  eine  kleine  flache 
Grube,  über  demselben  strahlig  gefaltete  kleine  Erhöhungen1)-  Auf 
der  hinteren  Verlängerung  der  Zahnplatte  ist  eine  seichte  Vertiefung 
zu  bemerken.  In  der  linken  Klappe  steht  in  der  Mitte  ein  durch 
eine  Grube  gelheilter  Hauptzahn,  der  nach  oben  sich  verflächt,  nach 
unten  anschwillt;  dahinter  ist  eine  stark  nach  vorn  gekrümmte 
Grube,  davor  eine  breite  Grube  und  noch  weiter  nach  vorne  das 
Rudiment  eines  vorderen  Seitenzahnes,  von  dem  schief  nach  unten 
und  hinten  eine  runzelige  leistenartige  Erhöhung  den  Muskeleindruck 
begrenzend  ausläuft;  der  Fusspunkt  liegt  zwischen  diesem  Ausläufer 


')  Die  Zeichnung  Tal'.  II,  Fig.  4  5  ist  in  der  Darstellung-  der  Partie  zwischen  dem  Haupt- 
zalm  und  dem  vorderen  Muskeleindrucke  nielit  sehr  deutlieh,  weil  gerade  hier  an  dem 
dünnen  Theile  des  Schlosses  dasselbe  beim  Ausarbeiten  am  leichtesten  zerbricht  und 
die  Zeichnung  nur  nach  solchen  Bruchstücken  entworfen  werden  musste. 


Die  Dachstein  bivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  3ß7 

und  dem  vorderen  Theile  des  Hauptzahnes.  —  Der  vordere  Muskel- 
eindruck hat  dicht  unter  dem  Rudiment  des  vorderen  Zahnes  oder 
der  entsprechenden  Grube  seinen  Platz;  er  ist  verhältnissmässig 
breiter  als  bei  M.  cucullatus,  kreuzweise  gestreift,  von  einer  nach 
vorn  und  unten  schief  stehenden  hohen,  schmalen  Leiste  gestützt. 
Der  hintere,  sehr  schwache  Muskeleindruck  ist  weit  nach  unten 
gerückt  und  stützt  sich  auf  eine  Längs  verdickung  der  Schale, 
welche  am  Wirbel  beginnt  und  durch  eine  seichte  Längsvertiefung 
gegen  das  Innere  der  Schale  abschliesst.  Eine  leistenartige  Erhö- 
hung verläuft  auch  vom  Wirbel  neben  der  vorderen  Seite  zum  vor- 
deren Muskeleindruck;  der  Mantelsaum  ist  einfach,  schmal.  Kalk- 
stäbchenschicht (Taf.  II,  Fig.  7)  verhältnissmässig  dick. 

Neulichst  vom  Herrn  Prof.  Oppel  aus  Südtirol  mitgebrachte 
und  mir  freundlich  mitgetheilte  Exemplare  zeichnen  sich  durch 
ihre  constante  und  ziemlich  übereinstimmend  geringe  Grösse  aus; 
sie  liegen  in  zahlloser  Menge  zusammengehäuft,  eine  in  die  andere 
geschoben,  und  meist  in  einzelne  Klappen  zerfallen  in  einer  Luma- 
chelle von  schwärzlichem  Mergelkalke;  ihre  Schale  selbst  besteht 
aus  Kalkspath.  Sie  sind  im  Allgemeinen  nicht  so  hoch  gewölbt, 
als  die  Normalform,  auch  ist  die  vordere  Seite  äusserst  kurz 
und  eine  deutlich  abgegrenzte  Lunula  ist  nicht  vorhanden;  vielmehr 
steigt  die  Schale  aus  der  nur  seichten  Einbuchtung  unter  dem 
Wirbel  allmählich  ohne  Rand  zum  Rücken  an.  Die  Schale  ist  fein 
gestreift  und  mit  6  —  10  groben  concentrischen  Anwachsstreifen 
bedeckt.  Vor  dem  hinteren  scharfen  Kiel  zieht  noch  ein  schwacher 
Rückenkiel,  zwischen  beiden  ist  die  Schale  schwach  abgeplattet;  die 
hintere  steil  und  tief  eingedrückte  Fläche  ist  so  breit,  wie  bei  der 
Normalform.  Theile  des  Schlosses,  die  blosszulegen  mir  gelang, 
zeigen  eine  mit  dem  Schlossbau  des  M.  triqueter  übereinstimmende 
Beschaffenheit  (Taf.  IV,  Fig.  4,  5).  Dies  besonders  veranlasst  mich, 
diese  Form  nicht  als  eigene  Species  anzusehen  und  darin  nur  eine 
Jugend  form  des  M.  triqueter  zu  vermuthen  (var.  pumilus). 

Der  Stein  kern  der  Normalform  ist  etwas  länglich  rund,  dick 
im  Umrisse,  untere  Seite  weniger  stark  gebogen,  dreieckig,  hinterer 
Rand  stark  convex  ausgebogen,  an  der  vorderen  Seite  tief  concav 
ausgeschnitten ,  der  untere  Seitenrand  weniger  stark  ausgebogen. 
Die  Wirbelenden  laufen  stark  zu,  sind  nach  vorn  gebogen,  schwach 
gedreht   und   einander   mit  meist  abgestumpften  Enden   zugekehrt. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  25 


368  G  ü  m  b  e  I. 

Nach  hinten  ist  der  Steinkern  durch  eine  abgerundete  Kante  gekielt 
und  fällt  von  einer  schmalen  Analflüche  steil  ab;  vor  der  Kante 
zunächst  zeigt  sich  eine  Längsimpression;  zwischen  dieser  und  dem 
Kiel,  nahe  am  unteren  Rande  sind  Spuren  des  hinteren  Muskelein- 
druckes. Von  hier  an  zieht  sich  längs  der  unteren  Seite  die  Spur 
des  Mantelsaumes  bis  zum  vorderen  Muskeleindruck;  ein  zahnähn- 
licher stark  hervorragender  Wulst  bezeichnet  hier  dessen  Stelle, 
dieser  Muskelhöcker  wird  von  einer  schmalen  tiefen  Grube  schief 
nach  vorn,  durch  eine  breitere  nach  oben  begrenzt.  In  der  lamellen- 
artig aufragenden  Wand,  welche  an  vielen  Exemplaren  in  Folge  des 
Auseinanderweichens  der  Klappen  zwischen  dem  Schlosse  durch 
eingedrungene  Steinsubstanz  gebildet  wurde,  macht  sich  auf  der  zur 
rechten  Klappe  gewendeten  Seite  unter  dem  Wirbel  eine  zahnartige 
schief  nach  oben  und  hinten  gerichtete  Erhöhung  bemerkbar,  nach 
vorn  liegt  eine  tiefe  Grube,  nach  hinten  zwei  schmälere  leisten- 
artige Erhöhungen  und  Vertiefungen,  entsprechend  den  Zahner- 
höhungen und  Gruben  der  linken  Klappe;  auf  der  der  linken  Klappe 
zugekehrten  Seite  finden  sich  entsprechende  Unebenheiten,  welche 
den  Eindrücken  des  Schlosses  der  rechten  Klappe  entsprechen. 

Von  der  vorderen  Muskelerhöhung  zieht  bei  sehr  gut  erhaltenen 
Exemplaren  eine  mehr  oder  minder  hohe  leistenartige  Längsrippe 
aufwärts  gegen  den  Wirbel  erst  in  der  Tiefe  der  Lunulahöhlung, 
dann  nach  oben  über  deren  Rand  hinübertretend  biegt  sie  sich  nahe 
unter  dem  Wirbelende,  ohne  dieses  ganz  zu  erreichen,  um  und  geht 
nun  nahe  gleichlaufend  mit  dem  Kiele  zum  hinteren  Muskeleindruck 
herab;  auf  der  inneren  Seite  der  Schale  entspricht  dieser  Rippe 
eine  markirte  Rinne. 

Wie  bei  manchen  Steinkernen  von  Terebrateln  sind  auch  zu- 
weilen von  dieser  Rinne  entspringende  von  Blutgefässen  herrüh- 
rende Adern  angedeutet,  die  selbst  zuweilen  am  Mantelsaume  noch 
bemerkbar  sind.  Gegen  die  hintere  Seite  treten  zuweilen  einzelne 
concentrische  Linien  hervor,  im  Übrigen  ist  der  Steinkern  glatt. 

Die  Form  der  zahnähnlichen  Erhöhungen  und  Gruben  auf  der 
Wand  zwischen  dem  Schlosse  beider  Klappen,  welche  an  den  meisten 
Steinkernen  vorhanden  ist,  bleibt  bei  allen  untersuchten  Exemplaren 
stets  die  gleiche;  sie  entspricht  einem  Abdruck  der  Schlosszähne 
und  Gruben  mehr  oder  weniger  genau,  je  nachdem  die  Klappen 
stärker  oder  schwächer  in  ihrer  gegenseitigen  Lage  gelockert  und 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  309 

gegen  einander  verschoben  wurden.  Die  Gestalt  dieser  aus  der  Tiefe 
der  LunulahÖhlung  aufragenden  Gesteinslamelle  ist  daher  sehr 
charakteristisch  und  kann  wesentlich  dazu  benützt  werden,  die 
Steinkerne  des  31.  triqueter  von  anderen  ähnlichen  Bildungen  zu 
unterscheiden  (vergl.  Taf.  I,  Fig.  6  und  8,  Taf.  III,  Fig.  1,  2,  4,  5, 
7  und  8).  Zur  Trennung  von  ihren  nächsten  alpinen  Genus-Ver- 
wandten reicht  sie  allein  jedoch  nicht  aus. 

Sehr  häufig-  werden  namentlich  an  dem  hinteren  Rande  die 
beiden  Schalen  durch  eine  breite  Kalkmasse  von  einander  getrennt, 
gleichsam  als  ob  die  Schale  liier  klaffend  gewesen  sei ,  indess  ist 
dies  blos  eine  Folge  einer  theilweisen  Lockerung  der  Schale  nach 
dem  Absterben  des  Thieres,  wobei  zuweilen  die  beiden  Klappen 
etwas  auseinander  wichen.  Die  Form  des  Steinkernes  erleidet  da- 
durch eine  wesentliche  Änderung.  Sowohl  der  Durchschnitt  nach 
der  Länge,  wenn  er  mehr  nach  hinten  liegt,  als  nach  der  Breite  und 
Quere  ist  meist  von  herzförmigem  Umrisse.  Der  Querschnitt  nach 
der  Länge,  wenn  er  mehr  nach  vorn  liegt,  nimmt  eine  klauenförmige 
Gestalt  an.  Diese  Durchschnitte  sind  es,  welche  die  Gebirgs- 
bewohner als  Hirsch-  oder  Kuhtritte  bezeichnen.  Prof.  Schafhäutl 
(Geogn.  Untersuch,  d.südbair.  Alpen,  p.  106—143,  Taf. XVIII  u.  XIX) 
hat  solche  als  Pholas  ungulata  abgebildet  und  beschrieben.  Ein 
besonders  interessanter  Durchschnitt  dieser  Art  wurde  in  Taf.  V, 
Fig.  7  dargestellt.  Derselbe  zeigt  in  der  Mitte  unter  den  nur 
durch  Steinmasse  ausgefüllten  Wirbelhöhlen  einen  krummen  zum 
Theil  durch  krystallisirten  Kalkspath  ersetzten  Theil  ,  neben 
welchem  nach  unten  3 — 4  ziemlich  concentrische,  radial  lamellirte, 
ungleich  breite  Streifen  liegen;  in  der  Mitte  unten  bilden  sie  einen 
rundlichen  und  von  homogener  Steinsubstanz  angefüllten  Ausschnitt. 
Diese  merkwürdigen,  bis  in"s  Innere  reichenden,  lamellirten  Theile 
können  nicht  von  einem  gefalteten  Mantelsaume  herrühren,  einmal, 
weil  an  den  Steinkernen  keine  Spuren  dieser  Faltung  ausgedrückt 
sind  und  dann,  weil  mehrere  lamellirte  Streifen  neben  einander 
liegen,  vielmehr  dürften  sie  als  Reste  von  Kiemenblättern  zu  deuten 
sein.  Diese  versteinerten  Theile  des  eigentlichen  Thieres  sind  um  so 
bemerkenswerther,  als  sie  in  der  Gegend  der  Gugelalpe  am  Fusse 
des  Watzmanns  bei  Berchtesgaden  häufig  gefunden  werden  und 
dadurch  anzudeuten  scheinen,  dass  an  dieser  Stelle  wenigstens  die 
im  Dachsteinkalke  so   häufig  eingeschlossenen  Muscheln  nicht  blos 

2ö* 


370  G  um  bei. 

von  längst  abgestorbenen  Thieren  stammen,  sondern  auch  von 
solchen,  welche  bald  nach  dem  Absterben  vielleicht  noch  lebend  in 
den  sich  niederschlagenden  Kalkschlamm  versenkt  und  von  demselben 
eingeschlossen  wurden.  —  Dass  diese  klauenförmigen  Reste  zu 
Megalodon  triqueter  gehören,  davon  habe  ich  mich  durch  Heraus- 
schlagen und  ßlosslegen  des  übrigen  Schalenkürpeis  überzeugt. 
Fundorte: 

1.  Unterer  Renperkalk  der  Alpen  (Hallstätter  Esinoschichten): 
zweifelhaftes  Vorkommen  im  Kalke  zuTernowa  im Isonzothale  (sicherer 
mit  M.  columbella  in  Dolonitz),  von  Val  di  Sarezzo  in  den  lom- 
bardischen Alpen. 

2.  Hauptdolomit.  (Mitteldolomit  unter  den  Schichten  des  oberen 
Muschelketipers):  In  dem  westlichen  Theile  der  nordöstlichen  Alpen 
spärlich,  (?)  Leibelfing  bei  Innsbruck,  Alpgarten  bei  Reichenhall,  in 
den  österreichischen  Alpen  wahrscheinlich  häufiger,  doch  ist  meist 
bei  der  Fundangabe  diese  Schicht  nicht  besonders  ausgeschieden,  so 
dass  eine  sichere  Zutheilung  zu  diesen  Schichten  nicht  durchzu- 
führen ist,  in  den  Südalpen  häufig  nach  den  italienischen  Geognosten 
z.  B.  bei  Bleiberg,  Trient  (Matarello),  am  Monte  Maran,  bei  Amano, 
östlich  von  Tolmezzo,  am  Lago  d'Iseo.  Andere  Fundorte  sind  zwei- 
felhaft und  werden  unter  dem  Daehsteinkalke  und  Dolomit  ange- 
führt. 

3.  Oberer  Mnschelkenper.  (Kössener  Schichten):  Im  Bern- 
hardsthale  bei  Elbigenalp  in  Tirol;  an  dem  Kammerkahr  (Sattel- 
übergang nach  Waidring)  in  den  Südalpen  bei  Bene  westlich 
von  Menaggio. 

4.  Dachsteinkalk  und  Dolomit  des  Dachsteinkalks  in  den  Nord- 
alpen, oberer  Dolomit  in  den  Südalpen: 

Lorüns  und  Montafonthal  in  Vorarlberg,  Spullersee  daselbst; 
(?)  Alberschon  in  Tirol.  Pass  zwischen  Schrecken  und  Lechthal,  am 
Kühjochpasse  daselbst;  im  ßernhardsthale  bei  Elbigenalp  und  bei 
Elmen  in  Tirol;  in  den  Algauer  Alpen1)  (im  Rettenschwang-Sattel 
und  Thal,  an  der  Beckeralp  im  Birgsauerthal,  am  Ausgange  des 
Trettachthales  unterhalb  Spielmannsau,  im  Oythale,  am  Seealpsee, 
an  der  Palmwand  bei  Hindelang);  im  Naidernachthale  bei  Garmisch, 


l)  Bei  den  zahlreichen  Orten,  an  welchen  ich  sie  in  den  bairischen  Alpen  fand,  genügt 
es,  dieselbe  summarisch  aufzuführen. 


Die  Dachsteiubivah e  and  ili  e  alpinen  Verwandten.  371 

am  Schafreiter,  an  der  Jocheralpe  bei  Jachenau,  am  Rosssteio  hei 
Kreuth,  au  der  Rothalpe  und  Sonnwendjoch  amAchensee,  am  Hirsch- 
berge bei  Tegernsee,  Maroulschneid  bei  Valepp,  Hoclifellen  bei 
Traunstein,  überaus  häufig  über  das  Reutalp-Lattengebirge,  auf  dem 
Untersberg-Plateau,  in  dem  Hochkalter,  Watzmann  (Gugelalpe), 
Göhl-,  Haagen-,  Königssee-  (Lafeld-),  Ewiges  Schnee-,  Steinernes 
Meer-Gebirge,  am  Eckmarkkogel,  Scheibelberg,  Sondersberg,  Kam- 
merkahr,  Loferer  Alpe,  Pass  Lueg;  in  dem  Loferer  Steingebirge,  an 
der  Ofen-Klamm  bei  Golling,  im  Täunengebirge  (Duscherbrücke, 
Wieselstein,  Wieselwand,  Bleikogel ,  am  mittleren  Hochplateau),  im 
Dachsteingebirge  (Echernthal,  Wiesalpe,  Fuss  des  Niederen  Kreuz, 
Hoher  Dachstein);  am  Teufelhaus  bei  Starhemberg,  Tonionalpe 
Grimniing  bei  Pyhrn,  im  Gesäuse  südlich  vom  Hammer  bei  Mittern- 
dorf,  Bärenreith  im  Weissenbach  bei  Hinterstoder,  Grössenberg 
zwischen  Hieflau  und  Admont,  südwestlich  von  Hieflau ;  Tamisch- 
buchthurm,  Lugauer  Hochkahr,  südlich  von  Lassing;  Dirnstein; 
Hocheck  im  Hintergrunde  des  Erlafthales  bei  Mariazeil,  bei  Ischl 
über  der  Traunwandalpe;  im  Helenenthale  bei  Baden;  Oetscher,  an 
der  Enns,  am  Erzberg  bei  Eisenerz,  bei  Bleiberg,  am  Gehänge  des 
Weissenbachgrabens  im  heiligen  Geist-Reviere;  Nordabhang  des 
nördlichen  Bleibergs;  in  Ost-Kärnten  (Ursulaberg,  südlich  von 
Guttenstein,  Eisenhammer  am  Rech  berge);  am  Obirberge;  am 
Siegersberg;  am  Petzen;  nächst  dem  Sagotaig,  bei  der  Schmelz- 
hütte von  Windiscb-Bleiberg;  im  Koschutta-  und  Stou-Gebirge  (am 
li.  Kocnakamme  und  südlichen  Abhang  des  Na  Stole);  in  den 
Vainarschhergen;  im  obersten  Theile  desBruscakammes;  im  Sucha- 
graben  südlich  der  Save;  zu  Zardeis  und  am  Kumberg  in  Unter- 
Krain;  in  Kram  (bei  Andrea,  Oberfeld  und  Ober-Javorschitz,  Berg- 
haus in  Sepeina,  bei  Kosses  und  Mannsburg);  in  der  Wochein 
(nördlicher  Abhang  des  Matajun  ,  am  Wratny  Wrh  ,  Hochplateau  des 
Flitschergebirges,  am  Krn ,  Kostjack,  in  den  Althammer  Alpen,  im 
Sattel  der  Titscherza,  am  Schwarzenberg  und  in  den  Kahren  nörd- 
lich vom  letzteren,  bei  Deutsch-Gereuth)  ;  im  Coritzathale  am  Isonzo' 
an  der  Flitscherklause;  im  Idrizzathale  bei  Idria,  bei  Ternowa;  im 
Pirhaugebirge,  bei  Caporetto  Amaro,  bei  Talmozzo;  bei  Lienz ;  bei 
Cognola  unfern  Trient;  bei  Roveredo  an  der  Strasse  nach  Foxi  (eine 
halbe  Stunde  hinter  Roveredo),  bei  Mori  unfern  Roveredo;  am 
Maison  monte  zwischen  Calliano  und  Volgaria;  am  südlichen  Abhang 


3  i  J£  (j  ü  m  1)  e  I. 

des  Monte  Mariana  in  den  venetianischen  Alpen;  beiCarnia;  am  Monte 
Verzegniss;  bei  St.  Cassian;  bei  Anteiao  unfern  Cadorino;  bei  Can- 
tevia  im  Comerseegebirge;  bei  Lenno;  Tremezzo;  im  Val  Assina 
(Bellagio  und  Barni);  zwischen  Abbadia  und  Mandello;  bei  St. 
Pellegrino  im  Val  Brembana;  zwischen  Toline  und  Vello  am  öst- 
lichen Ufer  des  Lago  d'Iseo;  bei  Clusone;  am  Monte  Pio  none;  bei 
Longavazzo  und  Arma  im  Val  Trompia;  bei  Storo;  bei  Bene  west- 
lich von  Menaggio;  bei  Homonna  im  Saroser  Comitate;  bei  Schloss 
Barko  in  Ungarn,  im  Kalke  von  Pilis  und  auf  dem  OregkÖ  bei  Bajot; 
im  Teufelsgraben  bei  Oszlopp  im  Bakonyer  Walde  (Veszprimer  Comitat) 
in  Ungarn,  am  südlichen  Fusse  des  Balboshügels  südlich  vonDoroph 
am  Schlangenberg;  ?  zu  Pieklo  bei  Inowlodz  in  Polen  (Pasch). 

2.  MegalodoD  gryphoides  Gümb. 

(Taf.  IV,  Fig.  1—3.) 
Megalodon  gryphoides  Gümb el  (Geogn.  Beschr.  der  bair.  Alpen,  p.  421). 

M.  testa  oblonga,  cordiformi,  aequivalvi,  vafde  inaequilatera, 
crassa  ;  striis  numerosis  concentricis ,  tenuibus,  zonatim  pli- 
cis  concentrice  interpositis  instituta  impr essione; 
longitudinali  margini  par allein,  in  parte  antica 
incisaj  umbonibus  prominentibus  magnis,  antice  recurvis, 
involutis ;  latere  antico  brcvi,  cxcavato;  lunula  magna,  pro- 
funda, cor  data,  marginatu ;  latere  postico  acute  carinato  et 
profunde  angusteque  depresso. 

Diese  Art  unterscheidet  sich  augenfällig  von  der  vorhergehen- 
den durch  die  mehr  längliche  Gestalt,  die  rauhere  Streifung  der 
Schalenoberfläche  und  ganz  besonders  durch  die  Längseinbuchtung, 
welche  hinter  dem  vorderen  Rande  mit  demselben  parallel  nach 
unten  zieht.  Schloss  und  Steinkerne  sind  bis  jetzt  unbekannt.  Da 
diese  Art  in  der  allgemeinen  Tracht  und  vielen  Specialitäten  dem 
M.  triqueter  sehr  nahe  steht,  so  ist  ihre  Zugehörigkeit  zu  demselben 
Subgenus  keinem  Zweifel  zu  unterstellen. 

Die  Dimensionen  an  einem  grossen  Exemplare  sind: 

Grösste  Länge 170  Millim. 

„      Breite 112       „ 

„      Dicke 120       „ 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  ',]  (  3 

Breite  der  Analfläche —  Milliin. 

Länge  der  vorderen  Seile SO        „ 

Fundorte: 

Dachstein  kalk   im   Kammerkahr  -Gebirge  hei  Reit  im 
Winkel  und  Lofer. 


3.  Megalodon  coaiplanatus  n.  spec.  Güinb. 

Taf.  V,  Fig.  1—6. 

.1/.  lesta  subrotundu,  compresso-cordiformi,  aequivalvi,  inaequi- 
laterali ,  suberussa;  striis  tenuibus  instituta ,  antice 
brevissima,  postice  acute  carinuta,  depressa,  ante  curinum 
longitudinaliter  vix  conspicue  impressa,  parte  postica  de- 
pressa angusta;  umbonibus  parvis,  antice  recurvis,  involu- 
tis;  lunula  parva,  haud  profunda,  marginata;  dentlbus 
cardinalibus  vulvae  sinistrae  geminatis;  deute  laterali 
postico  elongato,  lamellosa ;  deute  laterali  antico  subobliteruto  ; 
impressione  musculari  antica  explanuta  ,  lata,  semilunulari, 
lamina  laterali  angusta  munita. 

Diese  Art,  die  zwar  nur  in  einem  Schalenexemplare  vorliegt, 
bietet  von  allen  verwandten  Formen  so  bestimmte  und  leicht  erkenn- 
bare Merkmale  dar,  dass  sie  für  eine  sehr  gute  Art  gehalten  werden 
muss.  Der  runde  Umriss,  die  wenig  dicke,  daher  flache  Form  und 
die  grosse  Kürze  der  vorderen  Seite  finden  sich  bei  keiner  anderen 
Art,  selbst  nicht  in  den  extremsten  Verzerrungen  wieder.  Ausserdem 
ist  der  Schlossbau,  der  schon  früher  ausführlich  beschrieben  wurde, 
sehr  eigenthümlich;  ebenso  zeichnet  die  Breite  und  seichte  vordere 
Muskelimpression  die  Art  sehr  aus.  Der  Fusspunkt  liegt  dicht  neben 
diesem  Muskeleindruck,  der  fein  radial  und  quergestreift  ist;  auf 
der  schmalen  seitlichen  Verlängerung  der  Schlossplatte,  welche 
letzlere  hinter  dem  Hauptzahnpaar  sehr  weit  gegen  den  Wirbel  aus- 
geschweift ist,  steht  ein  schmaler,  leistenfürmiger  Zahn.  Derselbe 
tritt  deutlicher  als  bei  anderen  verwandten  Arten  hervor.  Die  Anal- 
fläche ist  schmal,  deutlich  gestreift  und  stösst  fast  rechtwinkelig  an 
die  untere  Seite;  längs  der  hinteren  Seite  ist  die  Schale  verdickt, 
doch  konnten  die  Spuren  des  hinteren  Muskeleindruckes  nicht  deut- 
lich  erkannt   werden.  Als  Steinkerne  sind  wahrscheinlich  gewisse 


374  Gümbei: 

flache  Formen  der  Siidalpen  hierher  zu  ziehen,  wie  ein  solcher  aus 
dem  Val  di  Sarezzo ,  Taf.  V,  Fig.  5  und  6,  abgebildet  ist.  Die 
grössere  Breite  und  geringere  Höhe  der  dem  vorderen  Muskelein- 
druck entsprechenden  Erhöhung,  sowie  die  sehr  geringe  Länge  der 
vorderen  Seite  charakterisirten  die  zu  dieser  Art  gehörenden  Stein- 
kerne. 

Fundort: 

Graulicher  und  schwärzlicher  krystallinischer  Dolomit  (Haupt- 
dolomit) bei  Clusone  in  den  lombardischen  Alpen  (Samml.  d.  geol. 
Reichsanst);  ?  Dolomit  aus  Val  di  Sarezzo  (Es eher  von  der 
Linth). 

b)  Bitvuncati,  (Der  hintere  eingedrückte  Schalentheil  gekielt,  zweiflächig.) 
4.  Megalodon  colombelk. 

Taf.  VI,  Fig'.  1—11. 

M.  testa  aequivalvi ,  inaequilaterali ,  subrotunda  ,  cor dif omni, 
crassa,  striis  concentricis  immer osis,  tenuibus,  paucis  cras- 
sioribus  interpositis  instituta;  umbonibus  magnis,  antice 
recurvis ,  involutis ,  latere  antico  brevi  excavato  lunula 
minore ;  latere  postico  carinato,  profunde  depresso;  parte 
depressa  lata,    carina  obtusa  seeunda  divisa. 

Nucleo  ob  longo  cordiformi  triquetro,  antice  brevi,  excavato,  postice 
carinato,  profunde  depresso;  parte  depressa  lata,  in  medio 
Herum  obtuse  carinata,  inter  carinas  excavata;  parte  um- 
bonali  acuminata,  valde  prominente ,  antice  recurva  et  con- 
ver geilte ;  tuber culo  musculari  valde  prominente,  denti- 
formi. 

Diese  Art  in  Schalenexemplaren  unterscheidet  sich  leicht  von 
M.  triqueter ,  der  sie  im  Allgemeinen  gleicht,  durch  die  hintere  ein- 
gedrückte Fläche,  welche  durch  einen  zweiten  Kiel  in  zwei  etwas 
vertiefte  Felder  getheilt  wird  und  durch  die  rauhere  Streifung  der 
Schale.  Steinkerne  dieser  Art  sind  durch  die  grosse  Breite  der  hin- 
teren eingedrückten  Seite,  welche  wie  an  Schalenexemplaren  durch 
einen  Seitenkiel  getheilt  und  in  zwei  Felder  gebrochen  ist,  sehr  gut 
charackterisirt. 

Die  Grösse  der  Muschel  ist  sehr  verschieden.  Die  kleinsten 
Exemplare  (Steinkerne)  stammen  aus  Val  di  Sarezzo,  die  grössten 
von  Nassereit  in  Tirol. 


Die  Dachs teinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  37!) 

Mass  der  Länge  der  ersteren  19      Millim.,  der  letzteren  118  Millim. 
„      „    Breite     „  1 1  </3        »         »  »  85        „ 

„      „    Dicke     „  „15  »         *  »  56       „ 

Ein  Schalencxemplar   und   ein  Steinkern  von  mittlerer  Grösse 

gab  folgende  Masse: 

Schalenexemplar       Steinkern 

Grösste  Länge .50  Millim.,    46  Millim. 

„       Breite 45        „  38       „ 

„      Dicke 40       „         34       „ 

„       Breite  der  hinteren  Fläche  .    .  30       „  28       „ 

Die  nahe  Übereinstimmung  mit  M.  triqueter  macht  es  unnöthig, 
noch  weiter  auf  eine  Detailbeschreibung  einzugehen.  Es  ist  bis  jetzt 
zwar  das  Schloss  noch  nicht  blossgelegt;  die  an  manchen  Steinkernen 
gut  erhaltene  Wand  in  der  Lunulavertiefung,  welche  Eindrücke  des 
Schlosses  besitzt,  zeigt  in  den  auf  ihr  vorfindlichen  Erhöhungen 
und  Gruben  eine  fast  völlige  Übereinstimmung  mit  dem  Steinkerne 
von  31.  triqueter,  so  dass  daraus  auf  einen  fast  vollständig  gleichen 
oder  sehr  ähnlichen  Schlossbau  bei  beiden  Species  geschlossen 
werden  darf. 

Hieran  reiht  sich: 

Pachyrisma  columbella  Hörnes  (Denkschr.  d.  math.-naturw. 
Cl.  d.  kais.  Akad.  d.  Wissensch.  in  Wien,  Bd.  IX,  p.  48,  Tab.  II, 
Fig.  13  a — d),  deren  Identität  mit  der  hier  beschriebenen  Art  zwar 
sehr  wahrscheinlich,  jedoch  nicht  völlig  sicher  ist. 

Fundorte: 

Unterer  Keuperkalk  der  Alpen  (Hallstätter  Schichten): 
Nassereith  bei  Innsbruck;  (?)  Beutte  im  Lechthale;  (?)  Seeberg  am 
Lödensee;  (?)  Lercheck  bei  Berchtesgaden. 

Im  Esinokalk  (?)  im  Val  di  Sarezzo ;  in  einem  gelblich 
weissen  Kalke  (Hallstätter?)  mit  einem  Überzuge  von  Ocher  zu 
Bleiberg.  (Samml.  d.  geol.  Beichsanst.) 


II.  Subgenus  Pachymegalodon. 

Bueardites    chamaeformis    v.     Schlotheim     (Pelrefactenkur.de,      1820, 

p.  208). 
Venusmuschel  oder  Hysterolit    Hacquet  (Oryctograph    carniol.    II.  Thei) 

Titelkupfer  und  p.  3  und  4.  1781). 


376  Güinbel. 

Venusmuschel  Schröter  Joh.  Lam.    (Lithol.  Real-  und  Verballexikon  VIII. 
Bd.,  p.  188). 

Die  Schaleist  mit  grob  lame Hirten  concentrischen  Streifen, 
das  Schloss  mit  einem  länglichen  Hauptzalin  in  der  linken,  und 
einem  niedrigen,  durch  eine  schwache  Ausbiegung  gebuchteten 
Hauptzahn  in  der  rechten  Schale  versehen;  hinter  letzterem  ist  eine 
tiefe  Grube  und  ein  stark  nach  vorn  gekrümmter,  langgezogener, 
hinterer  Zahn,  dem  in  der  linken  Klappe  eine  tiefe  Grube  entspricht; 
der  Seitenzahn  ist  kaum  bemerkbar ,  der  vordere  Muschelein- 
druck nicht  sehr  tief,  breit  mit  nicht  sehr  hoher,  seitlich 
gestellter  Leiste  begrenzt,  der  Mantelsaum  sehr  breit. 

5.  Megalodon  chamaeformis  n.  spec.  Gümb. 

Taf.  VII,  Fig\  1—7. 

M.    testa   oblongo-rotunda,    subangulato-cordiformi,    aequivalvi, 
valde  inaequilaterali ,  crassissima,  striis  tenuibus  et  crassio- 
ribus  rugoso-plicatis  numerosis  concentricis  instituta; 
umbonibas  antice  recurvis,    valde   involutis;    latere    antico 
brevi,  excavato,  sublunulato ;  latere  postico  acute  cari- 
nato ,  profunde   depresso ,  parte  depressa  latissima,  it e- 
rum  carinata,  duploexcavata;  dente  cardinali  magno 
vulvae  sinistrae,  dente  postico  magno  elongato  curvato  vulvae 
dextrae;  impressione  musculari  antica  lata,  haud profunda. 
Diese  höchst  merkwürdige  Form  lässt  sich  auf  den  ersten  Blick 
durch  die  schuppig  runzelige,  stark  hervortretende  Schalenstreifung 
und  sehr  breite,   durch  einen  ziemlich  scharfen  Kiel  in  zwei  Felder 
gebrochene  hintere   Abfallfläche   erkennen;    das   innerste   Feld    ist 
schmal  und  schliesst  das  schmale,  halb  äusserliche,  über  die  Mitte  der 
hinteren  Seite  herabreichende  Ligament  ein;    das  Feld   gegen  den 
äusseren  Kiel  ist  seicht  ausgehöhlt,   die  vordere  Seite  ist  schwach 
vertieft,   in  der  Mitte  der  Vertiefung  wieder  etwas  convex  gewölbt, 
das  Mondchen  klein,    nicht   scharf  abgegrenzt;  vor  dem  Hauptkiel 
lässt  sieh  eine  schwache  Längsdepression  bemerken.   Die  Schale  ist 
bis  zu  den  üussersten  Rändern,  wo  bei  den  übrigen  früher  genannten 
Arten  dieselbe  sehr  rasch  und  stark  sich  verschwächt,  dick,  beson- 
ders am  Wirbel  und  längs  der  hinteren  Seite.  —  Ein  Exemplar  von 
88  Millim.  Länge,   54  Millim.   Breite,   60  Millim.  Dicke   hat   eine 
Schalendicke   unter  dem  Schloss   am  Rücken    von  15  Millim.,   am 


Die  Dachsteinbivalve  und  ihre  alpinen  Verwandten.  »$77 

Schloss  selbst  von  19  Millim.,  unter  dem  vorderen  Muskeleindruck 
von  9  Millim.,  am  Mantelsaum  8'/2  Millim.,  die  grösste  Breite  der 
hinteren  eingedrückten  Fläche  misst  54  Millim.  Zwischen  Schloss- 
platte  und  Rücken  der  Schale  ist  nur  eine  kleine  Höhlung,  die  gegen 
die  Wirbel  sich  wendet,  daher  am  Steinkerne  hier  keine  hervor- 
ragenden Hörner  vorkommen  können.  —  Der  Eindruck  des  Mantel- 
saumes ist  einfach,  der  Saum  selbst  sehr  breit.  Der  vordere  Muskel- 
eindruck zeigt  sich  nicht  sehr  tief,  aber  breit,  der  hintere  ist  kaum 
deutlich  zu  erkennen,  doch  bleibt  die  Schale  längs  der  hinteren  Seite 
bis  zum  unteren  Rande,  wie  bei  den  übrigen  Megalodonten,  verdickt 
und  trägt,  wie  schwache  Spuren  annehmen  lassen,  am  unteren  Ende 
dieser  Verdickung  den  hinteren  Muskeleindruck. 

Steinkerne  sind  von  diesen  Species  keine  bekannt.  Künstlich 
hergestellte  Kerne  (Taf.  VII,  Fig.  6  und  7)  haben  eine  sehr  eigen- 
tümliche nicht  an  die  Dachsteinbivalvenkerne  erinnernde  Form. 

Fundort: 

Podpec  bei  Laibach  in  einem  schwarzen,  rothstreifigen  Mergel- 
kalke ?RaibIer  Schichten  (Samml.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  und  des 
k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinets  in  Wien.) 


G   n  bei.  Die  DachsteinbivaJ  r 


Tal'.J 


I  5 .  Megalodon    friaueier  Wulf.spet   (BaclisM/rfri-nalveJ  vom  DueJisteiiit/ebirrfr . 

li  S    S/<r/i/.iri/    in s.iii' /n.'i  il/ni  ilulivi . 

Sii'/.un»sh  (i  V   UiJ  ,1  W  inath  natura  C]   XLY.Jid.LAbth  1862. 


(.iimlicl   Die  Dachsteinbivalvi 

1.     wr? 


Taf.  II 


* 


Megalodmi  Iriyueter  Ifidf.sptc.ausdem   Bernhards  thali   I>k    Elbigenalp  im  IcclUhah 
6.  ein  ftiidb  der  Schalenoöcrfläcne       }   da  Sduilendurcuschnitl  dieser  Art. 
NiUiin<:'sb<IU..\ka.iil.\V.  ni.it  I«.  naiurw  CI XLV  Bd.LAbtll    I862 


Ciiiriliil.  Die    D.irhslniilnv.-ilvi 
2 


/_  3. Steinkern  des  Megalodon  trtinwtcr  uns  dem  Beruhardsthale.    'I  J  Steinkern  derselben  Species 
p/m  Matantto  />//    'IHrnt .    /   9.  Steinkern  derselben  Sftecus  von  Wettern  in  liiirnlh'» 
Nil'/.imqsl).il.k..\l;n(l  il  W  in.iili  natunr.CJ  XI.V.  B.l  I  .Uilli   l«62. 


rrriml>H   Die  Daclurtetnbhratvt 


Taf.  IV 


<Gr 


m>   <^0r 


/  3.  SCegaJeäoH  gryphoides  Gümb.    *   i  Tbeilt  des  StMe&es  von  Mcyoforien  triqueta 
eines  Exemplar*  von  Roueredo. 
Sil'AimaSbd.k  Akart  d.W  iiialh naturw.Cl.  XLV  BiLÄbth.  18G2. 


Giimbel   Dir  Dachsteiribivalve 


Tatf.V. 


*     . 


",r„ 


\    Gt 


i  ^  ■ 


iA.Megakdon nuii/jhiiHihi.t  Gümb    ■>   0   Stänkern  wahrscheinlich  derselben  Spedee  angehörig 
am  Valdi  Sarezxo.     '/.  ein  Durchschnitt  von  Mcgalodon  trieputer  mit  Spuren  der  ffomtndfflter 

vSilv.mi«\sl>  d.k ..\kail.d  W malli.  nalurw  CI    XI.Ylul  I  .U.lli    L862 


Gum.be]   Die  D&disteinbivalvi 


/  3 .  Mtgalodon  eolumbelfa <  Giimh  'i  <i   Steinhern   derselben  Art  von   Äußeret/ 
,'/  //.Steinkern    dtrsrlben  Maus  Val  di  Sarezxo . 
Sitsuntfsb.cLk  Akad.d.'W  math.naturw.Cl.    XLV  Bd.  I.AIhIi.  L86Z. 


Oülll bei      Dir    n.M'lixIrinliu  ;ilvi 


Taf  VII 


i-S.MegaiodoncfuanarArmis  Gümb.    (i  /./.•//// sttuh  hergestellte  Ktmc dieser  Species 

Sily.iiiiüslMl.lv.Vkad.ii.U' inalli.  nalurw.  CI.   XLV  Bd.  I.AUtli.lKti». 


;*7<> 


IX.  SITZUNG  VOM  20.  MÄRZ   1862. 


Herr  Prof.  Dr.  J.  U.  Lerch  aus  Prag  übersendet  eine  Abhand- 
lung: „Über  Kohlenoxydkalium  und  die  aus  demselben  darstellbaren 
Säuren". 

Die  kais.  Akademie  der  Wissenschaften  zu  St.  Petersburg  über- 
mittelt die  Concursausschreibung  für  den  „Preis  Rklitzki"  für  Ar- 
beiten auf  dem  Gebiete  anatomisch-mikroskopischer  Untersuchungen 
über  die  Centraltheile  des  Nervensystems  mit  Anwendung  auf  Physio- 
logie und  Pathologie. 

Die  königl.  Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu  Göttingen  sendet 
den  Prospectus  für  die  Herausgabe  der  Werke  von  Karl  Friedrich 
Gauss. 

Zur  Ansicht  ist  aufgestellt  ein  in  der  Werkstätte  des  hiesigen 
k.  k.  polytechnischen  Institutes  construirtes  Reflexionsgoniometer  mit 
horizontalem  Kreise,  das  auch  für  Spectralmessungen  eingerichtet  ist. 

Herr  Dr.  A.  Boue  legt  einige  Zusätze  zu  seinem  Katalog  der 
Nordlichter  von  Herrn  S.  Groth  vor,  und  bespricht  das  neue  Werk 
des  Herrn  J.  Fournet,  betitelt:  „Geologie  Lyonnaise". 

Der  Secretär  macht  weitere  Mittheilungen  über  die  Darstellung 
im  Grossen  von  Rubidiumchlorid  und  Cäsiumchlorid  aus  dem  Lithion- 
glimmer  von  Zinnwald  (siehe  Sitzung  vom  17.  und  18.  October  1861) 
und  zeigt  von  ihm  dargestelltes  Rubidium-Platin-Cyanid. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Akademie  der  Wissenschaften,  Königl.  Preuss.,  zu  Berlin,  Monats- 
bericht. Januar  1862.  Berlin,  1862;  So- 
Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1352.  Altona,  1862;  4°- 
Au stria,  XIV.  Jahrgang,  XI.  Heft.  Wien,  1862;  8°- 
Comptes  rendus  de  TAcademii-  des  sciences,  Tome  UV,  Nr.  7. 
Paris,  1862;  4"- 


380 

Cosmos,  XI.  Annee,  20e  Volume,  lle  Livraison.  Paris,  1862;  8°- 
Gewerbe-Verein,    nieder-österreichischer,  Verhandlungen  und 

Mittheilungen.  Jahrgang  1862,  3.  Heft.  Wien,  1862;  8°- 
Istituto,  I.  R.,  Veneto  tli  scienze,  lettere  ed  arti,  Atti.  Tomo  VI1°, 

Serie  3%  Disp.  3\  Venezia,  1861  —  62;  So- 
Sternwarte,  k.,  zu  Mailand,  Effemeridi  astronomiche  di  Milano  per 
l'anno  1861  &  1862.  Milano,  1860  &  1861 ;  8°— Osservazioni 
meteorologiche  eseguite  nella  R.  sperola  astronomica  di  Milano 
negli  anni  1848  al  1859  inclusivi  dall'  abate  Giovanni  Capelli. 
Milano,  1861;  4°- 
Übersichten  der  Witterung  in  Österreich  und  einigen  auswärtigen 
Stationen  im  Jahre  1860.  Zusammengestellt  an  der  k.  k.  Central- 
Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  Wien,  1861;  4°- 
Wiener  medicinische  Wochenschrift,  XII.  Jahrgang,  Nr.  11.  Wien, 

1862;  4°- 
Zantedeschi,  Franc,  Nota  al  rapporto  del  chimico  Dumas  intorno 
alle  scoperte  spettroscopiche  dei  sigg.  Bunsen  e  Kirchhoff 
con  documenti.  (Estr.  dal  Vol.  VII.  Serie  III,  degli  Atti  del  I.  R. 
Istituto  Veneto.)  Venezia,  1862;  8°- 


381 


Berichtigung  und  Ergänzung  meiner  Abhandlung   über  die 
Kry stallformen  des  Epidot, 

in  dem  34.  Bande,  Jahrgang  1859,  dieser  Sitzungsberichte. 

Von  V.  Ritter  v.  Zepharovich. 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  vom  20.  Jänner  1862.) 
(Mit  1  Tafel.) 

N.  v.  Kokscharow's  Materialien  zur  Mineralogie  Russlands, 
ein  Werk  gleich  hervorragend  durch  grossartige  Anlage  und  umfas- 
sende, sorgfältige  krystallographische  Arbeit,  brachten  in  ihrem 
dritten  Bande  eine  umfangreiche  Abhandlung  über  den  Epidot, 
welche  sich  auch  mit  der  Frage  über  die  Unterschiede  der  Winkel 
an  Epidot -Krystallen  verschiedener  Fundorte  beschäftigt.  Für  eine 
grössere  Anzahl  von  Localitäten  dürften  nach  v.  Kokscharow 
die  Epidot -Winkel  als  fast  identisch  anzunehmen  sein,  während 
bezüglich  der  Krystalle  von  Zermatt  in  der  Schweiz  die  Ent- 
scheidung noch  offen  bliebe,  da  sich  die  Messungen,  welche  ich 
im  Jahre  1858  an  einem,  wahrscheinlich  von  dem  genannten  Fund- 
orte stammenden  Krystalle  vorgenommen,  nur  auf  ein  Individuum 
bezögen  *). 

Die  bedeutenden,  meist  um  10  Minuten  schwankenden  Diffe- 
renzen, welche  meine  damaligen  Messungen  mit  einem  Mitscher- 
li einsehen  Reflexions-Goniometer  im  Wiener  k.  k.  polytechnischen 
Institute,  verglichen  mit  jenen  anderer  Forscher,  zeigten,  waren 
allerdings  auffallend;  ich  glaubte  aber  meine  Beobachtungen  unver- 
ändert iuitlheilen  zu  sollen  und  die  Winkel-Differenzen  in  der  ver- 

i)  A.  a.  0.  Seite  338. 


382  v.    Z  e  p  h  a  r  o  v  i  c  Ii. 

änderlichen  chemischen  Beschaffenheit  des  Epidot  erklärt  zu  finden. 
Einstweilen  hatte  ich  eine  andere  krystallographische  Arbeit  mit  dem 
genannten  Instrumente  in  Wien  begonnen  und  dieselbe  in  Krakau  mit 
einem  in  meinem  Besitze  befindlichen,  ganz  vorzüglichen  Goniometer 
fortgesetzt.  Den  Grad  der  Genauigkeit,  welcher  sich  mit  meinem 
Instrumente  erreichen  lässt,  habe  ich  durch  sorgfältige  Prüfung 
ermittelt  und  bei  einer  früheren  Gelegenheit1)  darüber  einige  Worte 
eingeschaltet.  —  Es  war  nun  durch  das  Resultat  der  Vergleichung 
meiner  Messungen  gleichnamiger  Winkel  eines  und  desselben 
Krystalles  mit  den  beiden  Instrumenten,  zugleich  mit  obiger  Epidot- 
frage,  unabweislich  die  Forderung  gegeben,  den  damals  untersuchten 
Krystall  nochmals  und  zwar  mit  meinem  eigenen  Instrumente 
vorzunehmen2). 

Es  folgen  hier  diese  Wiederhol ungs-Messungen  (Z)  der  wich- 
tigsten Krystallwinkel  mit  Angabe  der  Anzahl  von  Einzelbestim- 
mungen  (ra),  aus  welchen  das  arithmetische  Mittel  genommen  wurde 
und  ihrer  Gewichte  (</)»  nach  der  Güte  der  Flächenreflexion,  auf- 
steigend bezeichnet  durch  a  (approximativ)  1,  2,  3  und  4.  Zur 
Vergleichung  wurden  jene  Werthe  (ÜT),  welche  v.  Kok  schar  ow 
in  seiner  genannten  Abhandlung  aus  den  Winkeln  der  Normalen 
der  Flächen: 

M:  T  =  (101)  :  (100)  =  64°  36'  — 
T:  r  =  (101)  :  (101)  =  51  42  - 
z:  z    =  (111)  :  (111)  =  70      0    30' 

berechnet,  nebengestellt3). 


')  Über  die  Krystallformen  des  ameisensauren  Kupferoxydes  u.  8.  w. ;  diese  Sitzungs- 
berichte, 43.  Band,  1861. 

2)  Dieser  Krystall  von  Zermatt?  welchen  mir  der  Director  des  Wiener  k.  k.  Mineralien- 
Cabinetes  Dr.  M.  Hörnes  wiederholt  zur  Untersuchung  anvertraute,  ist  mit 
11828,  XL,  95,  Hpts.  -r-  e  j  in  den  Cabinets-Katalogen  bezeichnet.  Sein  specifi- 
sches  Gewicht,  bei  1??5  C.  =  3-448.  —  Zwei  Krystalle  aus  dem  Zillerthale  gaben 
ein  specifisches  Gewicht  =  3-395  und  3- 398. 

3)  Unmittelbar  durch  Messung  erhielt  v.  Kokscharow  für  die  obigen  Winkel  die 
arithmetischen  Mittelwerthe  : 

M :  T  =  64     35'    54"   durch   18  Bestimmungen  an   14  Krystallen, 
T  :r  =  Sl     42      9         „11  „  ,      8 

z   :  *   =  70       1     59         »        8  „  „8 


Krystailformen  <lfs  Rpjdot. 


383 


Winki']  der  Normalen 

(I  c  in  i'  s  s  e  n 

B 

'rechne! 

Z 

n 

ff 

K 

(101)  :  (301) 

29° 

49' 

— 

2 

1 

29° 

53' 

41° 

(101)  :  (TOI) 

51 

44 

40' 

6 

2 

51 

42 

— 

(TOI)  :  (100) 

63 

43 

20 

6 

2 

63 

42 

— 

(210)  :  (100) 

58 

27 

50 

3 

3 

58 

29 

22 

(210)  :  (101) 

77 

4 

7 

6 

3 

77 

2 

42 

(111)  :  (010) 

34 

59 

23 

12 

4 

35 

0 

15 

(111)  :  (100) 

75 

43 

20 

12 

1 

75 

45 

21 

(111)  :  (210) 

34 

11 

— 

6 

3 

34 

12 

56 

(111)  :  (111) 

20 

1 

46 

12 

4 

29 

2 

42 

(111)  :  (TlT) 

69 

58 

10 

6 

4 

70 

0 

30 

(711)  :  (301) 

29 

55 

40 

3 

3 

29 

55 

15 

(711)  :  (TU) 

64 

54 

40 

3 

2 

64 

58 

48 

(111)  :  (010) 

35 

7 

42 

12 

4 

35 

12 

34 

(TU)  :  (100) 

75 

12 

46 

12 

3 

75 

11 

57 

(TU)  :  (101) 

69 

6 

40 

6 

3 

69 

3 

46 

(fll)  :  (301) 

85 

8 

40 

6 

3 

85 

9 

50 

(111)  :  (101) 

54 

50 

45 

6 

3 

54 

47 

26 

(TU)  :  (11T) 

70 

13 

50 

6 

4 

70 

25 

8 

(T21)  :  (T00) 

81 

33 

35 

6 

3 

81 

31 

20 

(121)  :  (TU) 

15 

43 

46 

6 

3 

15 

46 

29 

(151)  :  (151) 

16 

2 

20 

3 

3 

16 

4 

— 

(151)  :  (121) 

11 

26 

10 

3 

3 

11 

24 

5 

(151)  :  (111) 

27 

9 

56 

6 

3 

27 

10 

34 

(432)  :  (210) 

23 

3 

55 

12 

3 

23 

4 

11 

(432)  :  (Tll) 

10 

48 

55 

6 

3 

10 

49 

21 

Diese  mit  meinem  Reflexionsgoniometer  erhaltenen  Winkel- 
werthe  lassen  den  Zermatter-Krystall  nun  nicht  mehr  als  Sonderling 
erscheinen,  und  es  geben  die  Abweichungen  von  den  in  den  Tabellen 
meiner  ersteren  Abhandlung  enthaltenen  gleichnamigen  Angaben 
auch  den  beiläufigen  Massstab  an  die  Hand,  nach  welchen  die  übrigen 
dort  genannten  Winkel  zu  verändern  wären.  Eine  neuerliche 
Berechnung  der  Winkel  glaubte  ich  um  so  weniger  vornehmen  zu 
sollen,  als  v.  Kokscharow  in  seiner  Monographie,  auf  genauen 
Messungen  fussend,  mit  grosser  Vollzähligkeit  solche  mitgetheilt  hat. 
Aus  diesen  folgt  für  die  Epidot-Grundgestalt  nach  Mohs,  das  Ver- 
hältnis der  Längen  von  Hauptaxe,  Klino-  und  Orthodiagonale 


a  :  b  :  c  =  1  :  20639  :  06362 

Silzb.  der  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  2*> 


384  v-    Zepharovich. 

und  die  Neigung  von  Hauptaxe  und  Klinodiagonale 

C  =  89°  26*  39". 

Ich  war  aber  diesmal  nicht  nur  in  der  Lage  die  früher  gemes- 
senen Winkel  richtig  zu  stellen,  es  gelang  mir  auch  jene  äusserst 
kleinen  Flächen  zu  bestimmen,  für  welche  in  meiner  vorigen  Arbeit 
nur  im  weitesten  Sinne  der  Ort  bezeichnet  werden  konnte.  Nebstdem 
hatte  die  vollständigere  Entwicklung  der  Combination  des  bespro- 
chenen Krystalles  die  abermalige  Auffindung  von  zwei  neuen  Flächen- 
paaren zum  Erfolge,  so  dass  die  Untersuchung  desselben  im  Ganzen 
vier  neue  Formen  lieferte,  nämlich  die  bereits  mitgetheilten  nega- 
tiven Hemipyramiden 

{151}     und    {432} 
— 5P5  -  2Py3 

und  nun  die  beiden  positiven  Hemipyramiden 

{337}    und    {521}. 
•/iP  SP*/, 

{337}  wurde  an  der  obern  Seite  des  Krystalles  an  der  Combina- 
tionsecke  von  (101),  (201),  (111)  und  (111)  als  wenig  gekrümmte, 
sehr  schmale  Fläche  in  der  Zone  {(001). (111)}  beobachtet. 


Geinet 

s  e  n 

Berechnet 

Winkel  der  Normalen 

z 

H 

9 

z 

(337)  :  (001) 

35°  21'   — 

6 

a 

35°  22'   27* 

(337)  :  (010) 

56     27     50° 

6 

a 

50    23     34 

(337)  :  (100) 

— 

— 

— 

80     41     32 

(337)  :  (101) 

35     53     20 

6 

a 

36      6    30 

(337)  :  (111) 

23     36     10 

6 

a 

23     34     36 

(337)  :  (TU) 

33     50     20 

3 

a 

— 

(337)  :  (212) 

11       7     — 

3 

a 

— 

(337)  :  (410) 

61     25     40 

3 

a 

— 

Die  Berechnung  der  Indices  dieser  Fläche  auf  Grundlage 
Koks charo w'scher  Daten  und  mit  Benützung  der  obigen  beiden 
ersten  approximativen  Messungen  gab  (hkl)  =  (1;  0-985;  2-30), 
wofür  mit  Rücksicht  auf  die,  bei  der  Kleinheit  der  Fläche,  ganz  unsi- 
cheren Messungen,  wohl  (337)  gesetzt  werden  darf. 


kryatallformen  des  E-pidoi 


381) 


{521}  an  der  oberen  und  unteren  Seite  des  Krystalles,  ohne 
Lupe  kaum  wahrnehmbar,  auftretend,  war  durch  die  Lage  in  den 
beiden  Zonen  {(100)  .  (121)}  und  {(101)  .  (210)}  hinreichend 
bestimmt. 


Winkel  der  Normalen 

Gerne 

s  s  e  n 

Berechnet 

z 

// 

9 

z 

(521)  :  (001) 

— 



— 

76°  13'   25' 

(521)  :  (010) 

— 

— 

39     33     48 

(521)  :  (100) 

53     55     20" 

12 

a 

53     57     23 

(521)  :  (121) 

44     33     30 

6 

a 

44     31     17 

(521)  :  (101) 

61     48     45 

12 

a 

61     47     33 

(521)  :  (210) 

15     12     15 

12 

a 

15     15       9 

Die  übrigen  äusserst  kleinen  Flächen,  welche  durch  approximative 
Messungen  noch  bestimmt  wurden,  sind  die  bereits  bekannten  {212} , 
{812}  und  {410}. 


Gemessen 

Winkel  der  Normalen 

Z 

n 

9 

K 

(212)  :  (100) 

69° 

30' 

— 

3 

a 

69°  34'     6" 

(212)  :  (TU) 

39 

38 

50° 

4 

a 

40      2     27 

(212)  :  (301) 

44 

56 

— 

1 

a 

45       7     29 

(812)  :  (100) 

33 

27 

50 

6 

a 

33     27     58 

(812)  :  (212) 

36 

3 

— 

3 

a 

36      6      8 

(812)  :  (111) 

44 

43 

— 

3 

a 

— 

(812)  :  (210) 

43 

19 

— 

3 

a 

— 

(410)  :  (100) 

39 

18 

— 

1 

a 

39     12       1 

(410)  :  (711) 

20 

34 

■ — 

3 

a 

20     30     18 

Demnach  ist  die  vollständige  Bezeichnung  der  Combination  des 
Zermatter  Krystalles  nach  Miller  und  Naumann: 

{100}.    {301}    .    {201}    .    {101}    .    {001}    .  {101}.'  {301}  .    {501} 


ooPoc. 

SPoo 

.    2Poo    . 

Poo     . 

0P     . 

-Poo. 

-3POO. 

— 5Poo 

{410}  . 

{210} 

{010}    . 

{337}    . 

{212}    . 

{1H}. 

{812}  . 

{521| 

ooP4  . 

ooP2 

.(ooPoo). 

3AP    • 

P2     . 

P    . 

4P8    . 

5/>s  , 

{711}. 

{111} 

.    {432}    . 

{121}    . 

{151}    . 

1P1  . 

—  P 

-2PVS 

-(2P2) 

-(5/>5). 

•ili- 


386 


v.    Z  e  p  h  ü  x  o  v  i  e  h. 


Durch  v.  Kokscharow's  neueste  Arbeit  sind  die  in  meiner 
früheren  Abhandlung  mitgetheilten  44  Epidotforinen  um  weitere  9 
bereichert  worden;,  so  dass  gegenwärtig  bereits,  mit  den  beiden 
zuletzt  von  mir  aufgefundenen,  55  verschiedene  Gestalten  beobachtet 
sind.  Ist  der  Überblick  bei  einer  solchen  Anzahl  schon  an  und  für 
sich  schwer,  so  wird  er  ganz  unmöglich,  wenn  wie  es  beim  Epidot 
der  Fall  ist,  von  den  neueren  Beobachtein  nicht  weniger  als  4  ver- 
schiedene Grundformen  (I  —  IV  in  der  Tabelle  am  Schlüsse  dieser 
Zeilen)  angenommen  werden.  Kokschar ow  bezieht  sich  in  seiner 
Bezeichnung  und  seinen  trefflichen  Krystallbildem  auf  die  von 
Marignac  gewählte  Grundform;  doch  gibt  er  mit  dankenswerter 
Vollständigkeit  die  Reductionen  für  die  bisher  wohl  am  meisten 
übliche  Betrachtungsweise  nach  dem  Vorgänge  von  Mohs1). 

Tabellarische  Zusammenstellungen  in  der  Art  wie  ich  sie  meiner 
früheren  Schrift  zur  Übersicht  des  Beobachteten  beigelegt,  erleichtern 
wohl  den  Überblick  über  manche  Verhältnisse  und  die  Vergleichung 
der  verschiedenen  Symbolik.  Doch  reichen  auch  solche  Übersichten 
bei  flächenreichen  Species  nicht  au«  und  kommen  erst  durch  graphi- 
sche Darstellungen,  welche  den  Zonenverband  unmittelbar  hervor- 
treten lassen  sollen,  zum  völligen,  jede  fernere  Arbeit  wesentlich 
fördernden  Abschluss. 

Die  folgende  Tabelle  und  die  stereographische  Projection 
(Taf.  I)  entsprechen  dem  heutigen  Standpunkte  unserer  Kenntniss 
der  Epidotformen.  In  der  Colonne  Kokscharow  sind  durch  die 
den  Symbolen  beigegebenen  Buchstaben  die  an  den  russischen 
Epbloten  erscheinenden  Gestalten  ersichtlich  gemacht,  ferner  in  der 
zweiten  Colonne  durch  H und  Z 2)  die  von  Hesse nberg  und  mir  auf- 
gefundenen Flächen  und  in  der  ersten  durch  Steinchen  jene  Flächen 
bezeichnet,  welche  dies-  und  jenseits  der  Zone  |(010).(001)} 
auftreten. 


l)  In  «leii  mineralogischen  Mittheilungen  von  Dr.  G.  vom  Rath  (Poggend.  Ann.  CXV, 
3,  1862),  welche  ich  während  der  Correctur  dieses  Aufsatzes  vom  Verfasser  freund- 
lichst zugesandt  erhielt,  werden  noch  zwei  neue  Epidotforinen,  an  Krystallen  aus  dem 
Zillerthale  beobachtet,  bekannt  gemacht:  die  Hemipyramiden  }325j  =  3  bPs,  2  und 
;14I(  =  —  (4/'4).  (i.  vom  Rath  schliesst  sich  mit  Kokscharow  der  von 
Marignac  angenommenen  Aufstellung  an,  wornach  seine  neuen  Formen  die 
Zeichen  ">/'~  5  und  (4/*4)  erhallen,  und  giht  (auf  Taf.  IV)  eine  Linear-l'rojeelion 
der   wichtigsten   Flachen 

*)  li  —   (,.  vom  Rath. 


Krystallfor n  des  Epidol  ^{87 

fbersicht  der  um  Kpidot  bekannten  Krvsliilll'ornu'n.  (57.) 


Bezeichnung     nach 

Miller 

Naumann 

Mohs               Levy 
1824                1838 

Brooke  und 
Miller 
1853 

Du-   I 
rejioy 
1856 

Mari- 
en at 
1847 

Kuk 

tcharow 
1859 

(0 

(0 

(1)               1   Ol) 

(II) 

(III)  1 

(IV) 

(IV) 

1.  Pinakoide.  (3) 

{U01{ 

oP 

(0  p-~ 

a2   | 

(0 1102} 

*9 

Z~ 

0 

2Poa 

{100} 

oaPoo 

(Jf)Pr+c* 

Ä* 

(;«){100} 

M 

P 

(J0 

oP 

{010} 

(  OB  Pos) 

(P)Fr+ co 

01 

(6) {010} 

P 

L 

(/>)  («/'«,) 

2.  Prismen.  (3) 

{210} 

OB  P% 

(0)(p+«>)a 

m 

(o) {110} 

e1 

l 

00 

(P~) 

{410} 

oo  P'\ 

(A)(P+«>)4 

A* 

O)  1210} 

c% 

1% 

CA) 

C2/'~) 

{610} 

oaP6 

— 

— 

— 

- 

00 

CVsP«) 

3.  Orthodomen.  (16) 

a)  Positive  Heinidomen.  (7 

> 

{103}  * 

v3/j~ 

—     . 

— 

(?)  {1»3} 

%9 

z3 

(f) 

3Poa 

{101}« 

p~ 

Pr 

VO-- 

P 

(0  |ooi} 

.'/' 

T 

(D 

ooPoo 

{503} 

5/3Poc 

— 

— 

- 

— 

— 

00 

-  3  /'~ 

{201}» 
{301}* 

2P«> 

3  Pos 

■/v+2(>) 
2 

0* 

00  {101} 

9% 
92 

t* 
t 

00 

00 

—  2Poo 

~Poo 

{501}  * 

5  Pos 

— 

- 

— 

- 

- 

(m> 

-1/2P~ 

{11,0,1} 

11  Poe 

— 

— 

— 

9° 

t% 

l/5Poc 

h)   Negative  Hemidomen.  (9) 

{104} 

—  y4foo(«i 

%P«o 

{T03}  • 

-%Poo 

- 

- 

— 

39 

"°/2 

%p~ 

{102} 

-%P<s> 

— 

— 

- 

— 

0») 

V3P<x> 

{507} 

—  *;vPoo 

- 

- 

79 

*% 

7  6  *>~ 

{T01}* 

Poo 

(r)  +  ~ 

«' 

00  |ioi} 

T 

Z 

(r) 

Pos 

{501}  • 

-     2Poo 

0)       2 

— 

0)  1502} 

% 

— 

2/sP«3 

{301}* 

-     3P«= 

CO  — — 

flVs 

CO  W 

Ä» 

-1 

•      2 

(0 

l/a  P«B 

{501}* 

—    SP«. 

- 

«Vs 

— 

/,« 

~ 

l/,Pao 

{701} 

—       7POO(H) 

— 

— 

— 

— 

'4/J~ 

4.  Klinodomen.  (3) 

{013} 

(%p«)w 

— 

- 

- 

— 

!     

2  P3 

{012} 

C1/»*») 

00  P>-\ 

— 

(2/)  {112} 

— 

- 

w 

2  /'2 

{011} 

(P«0 

00  P> 

— 

(</)  |T22} 

e% 

^ 

Ig) 

2/' 

!)   Haidinger,   Edinburgh  philosophieal  Journal,   Vol.  X,   1824,  p.  312. 


388 


v.  Z  e  p  h  a  ro  v  i  c  h.   Krystallformen  des  Epidot. 


Bezeichnung     nach 

Miller 

Naumann 

Mohs 
1S24 

i  Brooke  und 
Levy  !       Miller 
ls3s           1852 

Du-   1  Mari- 
frenoyl  gnae 
1856  1  1847 

Kukseliaiow 
1859 

CO 

(0 

CO 

CO  1      (") 

(III)     (IV) 

(IV) 

5.  Pyramiden.  (32) 

{115} m 

VsP 

— 

— 

— 

i" 

?y. 

— 

{113} 

VsP 

(c)        3P3 

{225}  (?) 

%p 

— 

— 

— 

i" 

£10 

"/■J17/, 

{337} 

%P         (Z> 

— 

— 

— 

— 

— 

{111}* 

P 

v                2 

el 

(Oioii} 

e1 

ilf 

0)       ~P 

{432}  • 

2P*/3  w 

— 

— 

— 

- 

-  (3P3/8) 

{325} 

%P%  m 

— 

{323} 

P% 

- 

- 

— 

— 

— 

(0     ~^% 

{321}  * 
{212}  * 

3P%  w 
P2 

fP-2)> 

0)        , 

e3 

00 1<)12| 

eVz 

iV 

-(2P2) 
(u)      ~  P2 

{941} * 

9P% 

— 

— 

- 

i 

r 

-  (W 

{521}  * 

SP%  <z) 

y 

— 

{311}* 

3P3 

(<0 Y 

d% 

00IH1} 

e% 

m 

(<Q      -P 

{412} 

2P4 

— 

- 

— 

— 

— 

(«0  —  2P2 

{511}* 

5P5 

— 

— 

— 

— 

— 

(0-v2p 

{711}* 

7P7 

— 

— 

— 

ek 

m% 

co-Va* 

{812} 

4P8 

— 

- 

— 

i* 

n% 

-%P2 

{121} # 

(2P2)  c*) 

- 

- 

— 

- 

— 

(~P2) 

{151}* 

(SPS)  im 

(~P5) 

{112} 

—  VsP     <"> 

— 

— 

- 

- 

%  P2 

{TU}  * 

—     P 

00  t-  7 

i» 

0){Tlij 

6* 

r4 

oo     p 

{432}  * 

—  2P*/s  <Z) 

— 

— 

— 

- 

— 

(*%) 

{321}* 

-  3P»/, 

— 

— 

— 

a3 

? 

(P2) 

{212}  * 

—     P2 

- 

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Heller.    Beitrag«  t.üt  näheren  Kenntniss  der  \iacrouren  i>S!> 


Beiträge  zur  näheren  Kenntniss  t/er  Macrouren. 
Von  Prof.  Dr.  Camil  Heller. 

(Mit  2  Tafeln.) 

In  der  nachfolgenden  Mittheilung  erlaube  ich  mir,  eine  Reihe 
interessanter  neuer  im  hiesigen  k.  k.  zoologischen  Museum  befindli- 
cher Macrouren  näher  zu  beschreiben,  die  zum  grössten  Theile  von 
den  österreichischen  Reisenden  Baron  Hügel,  Natter  er,  Ko- 
tschy,  Ida  P  feiffer,  Doleschal  und  Daninger  in  den  ver- 
schiedenen Erdstrichen  gesammeil  wurden.  Besonders  zahlreich  ist 
unter  ihnen  die  Familie  der  Cariden  vertreten,  aus  welcher  zwanzig 
neue  Arten  aufgeführt  werden.  Auch  ward  ich  durch  die  Untersu- 
chung mehrerer  Originalexemplare  in  den  Stand  gesetzt,  über  einige 
bisher  ganz  zweifelhafte  oder  unrichtig  beschriebene  Alten  wichtige 
Aufschlüsse  zu  ihrer  besseren  Bestimmung  mittheilen  zu  können. 

Polycheles  nov.  gen. 

Taf.  I,  Fig.  1—6. 

Diese  neue  Macrourenform  ist  ausgezeichnet  durch  den  Besitz 
von  vier  Scheerenfusspaaren,  wovon  das  erste  die  übrigen  an  Länge 
weit  übertrifft.  Der  von  oben  etwas  abgeflachte  länglich  viereckige 
Cephalothorax  hat  einige  Ähnlichkeit  mit  jenem  mancher  Crangon- 
arten,  auch  sind  die  Antennen  wie  bei  diesen  fast  in  horizontaler 
Linie  neben  einander  eingefügt;  doch  ist  die  Form  der  Füsse  und 
Mundwerkzeuge  eine  ganz  verschiedene  und  berechtigt  namentlich 
die  büschelförmige  Gestalt  der  Kiemen,  diese  Galtung  den  Astaciden 
einzureihen,  von  welchen  sie  ein  Übergangsglied  zu  den  Cariden 
bilden  würde. 

Der  ziemlich  dünnwandige  Cephalothorax  verschmälert  sich 
nach  vor-  und  rückwärts  nur  wenig,  der  Stirnrand  ist  fast  gerade, 


390  Heiler. 

von  den  stärker  vorspringenden  Seitenecken  durch  einen  dreiecki- 
gen Ausschnitt  getrennt.  Die  Seitenränder  sind  ziemlich  scharf  und 
fein  gezähnelt.  Die  flachgewölbte  Oberseite  wird  durch  eine  deut- 
liche Cervicalfurche  in  eine  fast  gleich  grosse  Vorder-  und  Hin- 
terhälfte getheilt.  Seitlich  schliesst  sie  zwischen  ihrem  nach  vorne 
sich  fortsetzenden  Hauptaste  und  einer  zweiten  von  ihr  ausgehenden 
und  den  Seitenrand  fast  in  der  Mitte  berührenden  Querfurche  ein 
dreieckiges,  mit  der  Spitze  nach  innen  gekehrtes  Lateralfeld  ein. 
Auf  der  Mitte  der  Riickenfläche  verläuft  vom  vordem  zum  hintern 
Rande  ein  niederer,  scharfer,  mit  feinen  Zähnchen  besetzter  Kiel» 
ebenso  bemerkt  man  beiderseits  dem  Rande  mehr  genähert,  einen 
zweiten  in  der  Mitte  etwas  unterbrochenen  ebenfalls  gezähnelten 
Kiel.  Dazwischen  ist  die  Oberfläche  etwas  rauh.  Der  Hinterrand  ist 
stark  ausgeschweift  und  oben  mit  sechs  spitzen  Zähnchen  besetzt. 
Die  Seitenflächen  erscheinen  ebenfalls  ziemlich  rauh  und  sind  mit 
ihrem  unteren  Rande  stark  einwärts  gegen  die  Basis  der  Füsse 
gekehrt. 

Die  Augen  fehlen  fast  ganz,  nur  an  der  Basis  der  oberen  An- 
tennen gewahrt  man  an  der  Stelle,  wo  sich  der  Stirnrand  nach 
unten  umbiegt,  zwei  schwarze  rundliche  Flecken  als  Rudimente  der- 
selben. Die  Antennen  entspringen  unter  dem  Vorderrande  und  stehen 
fast  in  horizontaler  Linie  neben  einander,  nur  nach  innen  decken 
sie  sich  in  geringem  Grade.  Der  Stiel  der  oberen  oder  inneren  An- 
tennen ist  etwas  kürzer  als  jener  der  äusseren  und  ziemlich  flachge- 
drückt. Von  seinen  drei  Gliedern  ist  das  erste  am  breitesten  und 
stärksten,  es  verlängert  sich  an  der  Innenseite  in  einen  spitzen  sta- 
chelartigen, über  das  Stielende  noch  hinausragenden  Fortsatz  ;  auch 
an  der  äusseren  mehr  abgerundeten  Seite  ist  ein  kleiner  Stachel 
sichtbar.  Die  beiden  folgenden  Glieder  sind  kurz  und  zwar  das  dritte 
Glied  noch  etwas  kürzer  als  das  zweite,  beide  an  ihrem  Vord.er.ende 
nach  aussen  mit  einem  kleinen  Stachel  versehen.  Die  einzelnen 
Glieder  sowie  der  innere  Fortsatz  zeigen  starke  Behaarung  am 
Rande.  Von  den  zwei  in  ihrer  ganzen  Länge  deutlich  getrennten 
Endborsten  ist  die  innere  lang,  die  äussere  kurz,  jedoch  immerhin 
noch  einmal  so  lang  als  der  Stiel,  auch  ist  sie  nach  innen  etwas  be- 
haart. Die  äusseren  Antennen,  welche  neben  und  etwas  unter  den 
vorigen  entspringen,  haben  einen  längeren  Stiel  mit  kurzem  aber 
breitem  fast  dreieckigen  Basalgliede.    Das  innere  Vorderende   des 


Beiträge  zur  näheren  Kenntniss  der  Man-oureu.  *,\[)  | 

letztern  ist  mit  einem  spitzen  Stachel  versehen.  Die  zwei  folgenden 
Glieder  sind  länglich  und  schmal,  das  zweite  etwas  länger  als  das 
dritte.  Der  nach  aussen  von  dem  Basalgliede  entspringenden  Blatt- 
anhang erreicht  nicht  ganz  die  Lange  des  Stieles  (die  Randwimpern 
abgerechnet),  er  ist  schmal  lanzettförmig.  Stiel  and  Anhang  erschei- 
nen am  Rande  dicht  behaart.  Die  Endborste  ist  von  mittelmässiger 
Länge. 

Die  äusseren  Maxillarfüsse  (Taf.  I,  Fig.  2)  sind  schlank  und 
reichen  nicht  ganz  his  zum  Vorderende  des  unteren  Antennenstieles. 
Sie  bestellen  aus  sechs  Gliedern.  Das  erste  Glied  ist  kurz  und  breit, 
fast  viereckig.  Das  zweite  Glied,  das  längste  von  allen,  ist  schmal 
und  etwas  nach  aussen  gekrümmt,  ihm  folgt  das  etwas  kürzere,  aber 
gerade  dritte  Glied.  Die  drei  letzten  Glieder  sind  kurz,  zusammen- 
genommen etwas  länger  als  das  dritte;  das  letzte  Glied  ist  konisch 
zugespitzt  und  mit  einer  nach  innen  gekrümmten  Erdklaue  versehen, 
überdies  am  Innenrande  mit  einer  Reihe  von  Stacheln  besetzt.  Auch 
sind  alle  Glieder  nach  innen  mit  langen  Fiederhaaren  bedeckt.  Ein 
Palpus  fehlt.  —  Der  zweite  Maxiilarfuss  (Taf.  I,  Fig.  3)  ist  gleich- 
falls schmal,  mit  kurzem  konischen  Endgliede  und  ohne  l'alpe.  — 
Der  erste  Maxiilarfuss  (Taf.  I,  Fig.  4)  zeichnet  sich  durch  seine 
Längenentwickelung  aus  und  ragt  ;iuch  über  die  anderen  Mundtheile 
ziemlich  hinaus.  Im  besondern  Grade  erscheint  der  Innenlappen 
(Endognath)  ausgebildet,  ihm  schliesst  sich  nach  aussen  und  vorne 
ein  kleines  Mittelläppchen  und  ganz  nach  rückwärts  ein  länglich 
dreieckiger  Aussenlappen  mit  dem  Palpalanhange  an.  —  An  der 
äussern  Maxille  (Fig.  5)  ist  dagegen  der  Innenlappen  sehr  wenig 
entwickelt,  dagegen  der  Aussenlappen  lang  und  breit  und  dicht 
bewimpert.  —  Die  Mandihei  (Fig.  6)  sind  an  ihrem  Kauende 
ziemlich  breit  und  am  Innen-  und  Vorderrande  mit  15 — 16  stumpf- 
spitzigen Zähnen  besetzt,  nach  aussen  tragen  sie  einen  drei- 
gliederigen  Palpus. 

Unter  den  fünf  Fusspaaren  sind  die  vier  vorderen  scheeren- 
tragend  und  nur  das  letzte  mit  einer  einfachen  Klaue  am  Ende  ver- 
sehen. Das  erste  Fusspaar  ist  sehr  lang,  es  überragt  nach  vorne  die 
Endhorsten,  so  wie  rückwärts  gelegt  auch  die  Schwanzflosse;  zu- 
gleich ist  es  ziemlich  schmächtig.  Bracbiurn  und  Carpus  sind  sehr 
flachgedrückt,  letzterer  um  das  Doppelte  kürzer  im  Verhältnisse  zu 
jenen,  gegen  das  Ende  hin   etwas  verdickt  und  hier  mit  einem  oder 


392  Heller. 

zwei  spitzen  Stacheln  versehen.  Das  längliche  Handglied  ist  ziemlich 
comprimirt,  am  obern  und  untern  Rande  mit  einigen  kleinen  spitzen 
Höckern  besetzt.  Die  Scheerenfinger  erscheinen  länger  als  das  Hand- 
glied, sind  dünn  und  schlank,  am  innern  Rande  fein  gezähnelt,  gegen 
das  Ende  hin  etwas  klaffend  und  kreuzen  sich  an  der  gekrümmten 
Spitze.  Die  einzelnen  Glieder  sind  fast  nackt.  Die  folgenden  Fuss- 
paare  sind  bedeutend  kürzer,  ihre  Glieder  mehr  cylindrisch,  etwas 
behaart.  Das  fünfte Fusspaar  endigt  mit  einem  spitzkonischen  Klauen- 
glied, das  viel  kürzer  ist  als  das  vorhergehende  Tarsalglied.  Am 
Coxalgliede  dieser  Füsse  gewahrt  man  zwei  hervorragende  rundliche 
Schüppchen  und  unmittelbar  hinter  ihnen  die  männlichen  Ge- 
schlechtsöffnungen. 

Der  Hinterleib  ist  länger  als  der  Cephalothorax,  nach  hinten  all- 
mählich verschmälert,  oben  flacligewölbt,  seitlich  stark  abwärts  ge- 
krümmt. Längs  der  Mitte  des  zweiten,  dritten,  vierten  und  fünften 
Segmentes  erhebt  sich  ein  Kiel,  welcher  am  hintern  Ende  eines  jeden 
Gliedes  in  eine  nach  vorne  gerichtete,  hakenförmige  Spitze  aus- 
läuft. Am  vierten  Gliede  ist  diese  Hervorragung  am  stärksten  ent- 
wickelt. Das  erste  Segment  ist  fast  ganz  glatt,  nur  in  der  Mitte  des 
Hinterrandes  gewahrt  man  einen  kleinen  Höckervorsprung.  Am  sech- 
sten Segmente  ragt  der  Mittelkiel  nur  noch  wenig  vor.  Die  Seiten- 
platten des  ersten  Ringes  sind  kurz,  jene  des  zweiten  dagegen  breit, 
vorne  etwas  mehr  als  hinten  vorspringend,  nach  unten  abgerundet; 
die  folgenden  werden  allmählich  schmäler  und  kürzer,  vorne  schief 
abgestutzt,  nach  hinten  abgerundet.  An  der  äussern  Oberfläche  des 
dritten,  vierten  und  fünften  Seitenplättchens  verlauft  von  oben  nach 
abwärts  in  schiefer  Richtung  eine  rauhe  Linie.  Die  mittlere  Platte 
der  Schwanzflosse  ist  dreieckig,  am  Hinterende  in  eine  Spitze  aus- 
laufend, an  der  Oberseite  nach  vorne  körnig  rauh,  von  der  Mitte  an 
mit  zwei  erhabenen,  gegen  die  Spitze  convergirenden  Längslinien 
versehen.  Die  seitlichen  haben  eine  fast  gleiche  Länge  mit  den 
vorigen  so  wie  auch  unter  einander,  sie  sind  oval  und  an  den  Rän- 
dern stark  bewimpert. 

f*.  typhlops  n. 

Das  einzige  mir  vorliegende  Exemplar  ist  männlichen  Geschlech- 
tes. Es  stammt  aus  Sicilien,  wo  es  von  G  rohmann  gesammelt 
wurde.  Der  Cephalothorax  misst  in  der  Länge  10'",  die  grösste 
Breite   bei  6'".  Am  ersten  verlängerten  Scheerenfusspaare  ist  das 


Beitrüge  xur  nähereo  Kenntniss  il>-i  Mncroureu,  »$<K» 

Brachialglied  7T5  lang,  das  Carpalglied  3*5,  die  ganze  Scheere 
9'",  wovon  auf  das  Handglied  4'"  kommen.  —  Das  /.weite  bedeutend 
kürzere  Fusspaar  ist  an  der  Palma  nach  aussen  und  unten  mit  einer 
Längsreihe  feiner  Stacheln  besetzt,  die  sich  auch  auf  den  unbeweg- 
lichen Finger  fortsetzt.  Die  Handglieder  des  dritten  und  vierten 
Fusspaares  haben  eine  mehr  prismatische,  kantige  Form,  die  Finger 
sind  dünn. 

Palinurus   Fab. 

f  *.  Hiigelii  n. 

Diese  Art  wurde  von  Baron  Hügel  im  indischen  Ocean  gesam- 
melt und  von  dem  verstorbenen  Director  des  Hof-Naturaliencabinetes 
Herrn  Begierungsrathe  Kollar,  welcher  sie  als  neu  erkannte,  mit 
dem  obigen  Namen  belegt.  Sie  gehört  zu  der  Abtheilung  mit  un- 
paarem,  mittlem  Stirnstachel,  also  zu  dem  Subgenus  Palinurus  s. 
s  tri  ct.  nach  Gray.  Durch  den  fast  vollkommen  platten  und  ebenen, 
durch  Querfurchen  nicht  unterbrochenen  Hinterleib  unterscheidet 
sie  sich  von  allen  bekannten  Arten. 

Ihr  Cephalothorax  ist  nach  vorne  etwas  verschmälert,  auf  den 
Branchialgegenden  massig  gewölbt.  Der  unpaare  Stirnstachel  ist  fast 
eben  so  lang  wie  die  seitlichen  Supraorbitalstachel ,  jedoch  etwas 
schmäler,  ziemlich  spitz  und  fast  gerade  nach  v>rne  gerichtet.  Die 
Bänder  der  tiefen  zwischen  Stirn  und  Supraorbitalstachel  liegenden 
Ausbuchtung  erscheinen  ganz  glatt,  eben  so  wie  diese  letztere  in 
ihrer  ganzen  Ausdehnung.  Diese  Supraorbitalstachel  bilden  mit  ihrer 
breiten  Basis  die  obere  Begrenzung  der  Augenhöhlen,  «eiche  tiefe 
quere  Gruben  darstellen,  in  denen  die  Augen  fast  ganz  verborgen 
sind.  Der  nach  aussen  am  Vorderrande  der  Hepaticalgegend  gelegene 
Antennalstachel  ist  ebenfalls  sehr  spitz,  jedoch  etwas  kleiner  als  der 
Supraorbitalstachel,  er  begrenzt  nach  aussen  die  Augenhöhle.  — 
Der  grösste  Theil  der  Oberfläche  ist  mit  grossen,  konischen,  stark 
vortretenden,  nach  vorne  in  eine  kurze  Spitze  auslaufenden  Stachel- 
höckern besetzt,  denen  sich  einige  kleine  beigesellen.  Zwischen 
diesen  Fortsätzen  ist  die  Oberfläche  sonst  glatt  und  unbeharrt.  Was 
die  Vertheilung  der  grösseren  Stachelhöcker  auf  den  einzelnen  Ge- 
genden betrifft,  so  bemerkt  man  auf  der  Magenge^end  unmittelbar 
hinter  den  Supraorbitalstacheln  jederseits  einen  Epigastricalstachel. 


394  Heller. 

diesen  folgen  nach  hinten  zwei  Proto-  und  zwei  Metagastricalstachel 
so  wie  zwischen  diesen  in  der  Mitte  zwei  hinter  einander  liegende 
Mesogastricalstachel.  Auf  der  Urogastricalgegend  sind  die  Stachel- 
höcker kleiner  und  zahlreicher,  in  zwei  unregelmässigen  Querreihen 
angeordnet.  Auf  der  Hepaticalgegend  stehen  hinter  dem  Antennal- 
stachel  noch  zwei  grössere  Stachel  hinter  einander.  Die  Stachel- 
höcker der  Cardiacal-  und  Branchialgegend  sind  ziemlieh  zahlreich 
und  von  wechselnder  Grösse.  Von  den  erwähnten  Gegenden  durch 
eine  tiefe  Querfurche  getrennt,  verläuft  längs  des  Hinterrandes 
wieder  eine  Reihe  grösserer  spitzer  solcher  Staehelhöcker.  — 

Das  kleine  Augensegment  wird  von  dem  mittlem  Stirnstachel  fast 
ganz  bedeckt.  Die  oberen  Antennenstiele  sind  stark  und  dick,  kürzer 
als  die  unteren,  beiläufig  die  Mitte  des  dritten  unteren  Stielgliedes 
erreichend.  Ihr  erstes  Glied  ist  kurz,  die  beiden  folgenden  fast 
doppelt  länger,  nach  oben  und  aussen  mit  spitzen  Stacheln  bewaff- 
net, dagegen  an  der  Unterseite  ziemlich  glatt,  höchstens  am  Rande 
der  Glieder  mit  einigen  kleinen  Stacheln  besetzt.  Die  Endborste 
erscheint  etwas  abgeflacht,  die  Glieder  sind  kurz,  mit  einzelnen, 
äusserst  kurzen,  aber  steifen  Döruchen  versehen.  —  Die  unteren 
Antennenstiele  sind  glatt,  ihr  erstes  Glied  so  lang  wie  die  zwei  fol- 
genden zusammen,  das  zweite  isl  das  kürzeste  von  allen.  Am  Vor- 
derrande der  Epistomalplatte  bemerkt  man  drei  Zähne,  von  denen 
der  mittlere  kürzer  ist  als  die  seitlichen.  —  Der  Palpus  der  äusseren 
Maxillarfüsse  überragt  das  zweite  Glied  derselben  etwas,  sein  End- 
theil  ist  deutlich  geringelt. 

Das  erste  Fusspaar  ist  kräftig,  das  Femoralglied  am  Ende  des 
obern  Randes  sowie  am  Ende  des  untern  Randes  mit  einem  Stachel 
bewehrt.  Der  Tarsus  ist  in  der  ersten  Hälfte  etwas  verdickt,  nach 
innen  und  unten  mit  einem  kleinen  Höcker  versehen,  das  Klauen- 
glied stark,  spitzkonisch,  leicht  gekrümmt,  an  der  Unterseite  be- 
haart. Die  folgenden  Fusspaare  sind  dünner,  die  einzelnen  Glieder, 
bis  auf  einen  spitzen  Stachel  am  Ende  des  obern  Randes  vom  Femo- 
ralglied, glatt  und  unbewehrt. 

Die  Abdominalsegmente  haben  im  Allgemeinen  eine  ziemlich 
ebene  und  glatte  Oberfläche,  höchstens  zeigt  sie  eine  grobe  Punkti- 
rung  so  wie  an  der  Vorderhälfte  eines  jeden  Segmentes,  namentlich 
gegen  den  Seitenrand  hin  einige  sparsam  zerstreute,  molinsamen- 
grosse   Höckerchen.    Die   Seitenhörner   sind  spitz  und   ihr  hinterer 


Beiträge  zur  näheren  Kenntniss  der  Macr tu.  »{!)!) 

Riind  am  zweiten  bis  sechsten  Segment  mit  mehreren  kleinen  Zähnen 
besetzt.  Oberseite  der  Schwanzflosse  spitzstachelig.  —  Körperfarbe 
bräunlichgrün,  Füsse  am  obern  Rande  des  dritten,  vierten,  fünften 
und  sechsten  Gliedes  mit  schmaler,  »eiber  Längslinie,  seitlich  und 
unten  »elbgefleekt.  Körperlänge  =15  Zoll. 

Eine  andere  hieber  gehörige,  dem  P.  frontalis  M.  Edw. 
verwandte  Art  wurde  von  den  Novara- Reisenden  auf  St.  Paul 
gesammelt. 

Pterocaris  nov.  gen. 

Taf.  I,  Fig.  7—18. 

Während  die  meisten  Cariden  in  ihrer  allgemeinen  Körper- 
gestalt eine  grosse  Übereinstimmung  zeigen  und  nur  bei  den  einen 
mehr  seitlich  comprimirt,  hei  den  anderen  mehr  abgeplattet  er- 
scheint, so  macht  diese  neue  Form  eine  merkwürdige  Ausnahme.  Hier 
ist  die  äussere  Körpergestalt  so  auffallend  von  der  gewöhnlichen  der 
übrigen  Cariden  verschieden,  dass  man  beim  ersten  Anblicke  ein 
Thier  aus  einer  andern  Ordnung  vor  sich  zu  haben  meint  Der 
Körper  erscheint  von  oben  angesehen  ganz  flach,  fast  scheiben- 
förmig, nach  vorne  mit  einer  breiten,  nach  hinten  mit  einer  schmä- 
lern aber  tiefem  Ausbuchtung  in  der  Mitte  versehen.  In  jener  sind 
die  Augen  und  Fühler  sichtbar,  welche  letztere  weit  über  den  Vor- 
derrand  des  Körpers  hinausragen.  In  dieser  liegt  der  nach  unten 
und  vorne  eingeschlagene  Hinterleib  verborgen.  Retrachtet  man  sich 
den  Körper  von  der  Unterseite,  so  bemerkt  man,  dass  hier  der 
Rumpf  seiner  ganzen  Länge  nach  in  der  Mitte  frei  hervorragt.  Die 
von  diesem  in  gewöhnlicher  Anzahl  und  Reihenfolge  entspringenden 
Gliedmassen,  dessgleichen  die  blätterigen  Kiemen  werden  seitlich 
nicht  bedeckt  von  Cephalothorax,  sondern  dieser  breitet  sich  in 
horizontaler  Richtung  beiderseits  zu  dem  erwähnten  rundlichen  Haupt- 
schilde aus,  ohne  sich  nach  abwärts  zu  erstrecken.  An  der  Ober- 
fläche ist  es  (ilzig  und  rauh  und  wird  durch  seitliche  tiefe  Ein- 
schnitte in  mehrere  hinter  einander  liegende  und  sich  gegenseitig 
deckende  Lappen  getheilt.  —  Der  erste  oder  vorderste  Lappen  ist 
schmäler  und  kürzer  "als  die  beiden  folgenden.  Er  reicht  nach  hinten 
bis  gegen  das  dritte  Fusspaar  und  wird  nach  oben  zum  grössten 
Theile  von  der  Vorderhälfte  des  zweiten  Lappens  bedeckt.  Seine 
beiden  Vorderenden    laufen  in  eine  stumpfe  Spitze  ans  und  begren- 


396  Heller. 

zen  beiderseits  der  Stirnrand,  welcher  in  der  Mitte  ein  kurzes  drei- 
eckiges Rostrurn  bildet;  die  hinteren  Endtheile  sind  mehr  abgerun- 
det. Der  zweite  Seitenlappen  ist  viel  länger  und  breiter,  er  bedeckt 
nach  vorne  zum  grössten  Theile  den  vorigen  und  verlängert  sich  mit 
seinem  abgerundeten  Hinterrande  bis  über  die  zwei  ersten  Abdomi- 
nalfüsse  und  endigt  nach  innen  beiläufig  über  dem  fünften  Fusspaare 
des  Thorax,  er  wird  wieder  von  dem  dritten  Seitenlappen  bedeckt, 
so  dass  nur  das  vordere  Drittel  frei  sichtbar  bleibt.  Der  Einschnitt 
zwischen  ihm  und  dem  vordem  Lappen  ist  äusserst  tief  und  steht 
sogar  mit  dem  der  andern  Seite  durch  eine  schmale  Querfurche  in 
der  Mitte  in  unmittelbarer  Verbindung.  Der  dritte  Seitenlappen  ist 
ebenfalls  gross,  vorne  fast  so  breit  wie  der  vorige,  nach  hinten 
etwas  verschmälert.  Er  bedeckt  nach  vorne  einen  grossen  Theil  des 
zweiten  Lappens,  liegt  zu  beiden  Seiten  des  Abdomen  und  ist  in  der 
Mitte  tief  ausgebuchtet  und  in  dieser  Ausbuchtung  liegt  gewöhnlich 
der  schmälere  Hintertheil  des  Abdomen  nach  unten  eingeschlagen. 
Er  besteht  aus  dem  vierten,  fünften  und  sechsten  Segmente,  sowie 
ans  der  Schwanzflosse.  Auch  hier  bemerkt  man  zu  beiden  Seiten  der 
erwähnten  Segmente  drei  rundliche,  von  vorne  nach  hinten  an 
Grösse  abnehmende  Läppchen ,  die  von  oben  meistens  vom  Hinter- 
ende des  dritten  Lappens  bedeckt  sind. 

Vergleicht  man  diese  einzelnen  Abschnitte  mit  den  analogen 
Theilen  am  Cephalothorax  und  Abdomen  der  übrigen  Crnstaceen,  so 
müssen  die  vorderen  kleinen  Lappen  dem  Kopftheile  (arceau  cepha- 
lique  M.  Edw.  oder  portion  anterior  Dana),  die  darauffolgenden 
grösseren  Lappen  dem  Schultertheile  (arceau  scapulaire  oder  par- 
tum posterior},  der  sie  scheidende  tiefe  Einschnitt  der  Cervicalfurche 
des  Cephalothorax  gleich  gesetzt  werden.  Die  hinteren  Seitenlappen 
aber  entsprechen  den  vereinten  Seitenplatten  der  drei  ersten  Abdo- 
minalsegmente, während  sie  an  den  drei  folgenden  deutlich  geson- 
dert sind. 

Die  Augen  ragen  nur  wenig  über  den  vordem  Stirnrand  her- 
vor, sie  liegen  durch  den  dreieckigen  Stirnfortsatz  getrennt,  in  der 
Einbuchtung  zwischen  diesem  und  dem  Vorderende  des  ersten  Seiten- 
läppchens. Die  inneren  Antennen  sind  gerade  unter  den  Augen  ein- 
gefügt. Ihr  kurzer  Stiel  besteht  aus  drei  nach  vorne  behaarten  Glie- 
dern. Von  den  beiden  vielgliederigen  Endborsten  ist  die  innere 
kürzer,    aber   etwas    dicker  als  die  äussere.    Die  einzelnen  Glieder 


Beiträge  aur  näheren  Kenntnisa  der  Macrouren.  »$97 

namentlich  die  inneren  sind  am  Vorderende  mit  ziemlich  langen  Här- 
chen wirtelförmig  besetzt.  Die  unteren  und  äusseren  Antennen 
entspringen  etwas  nach  aussen  von  den  vorigen  und  tragen  an  ihrer 
Basis  einen  Blattanhang  von  länglich  ovaler,  vorne  abgerundeter 
Gestalt.  Er  ist  an  den  Rändern  bewimpert  und  viel  länger  als  der 
cylindrische  Stiel.  Die  aus  vielen  kurzen  Gliedern  bestehende  End- 
borste ist  etwas  länger  als  die  äussere  der  oberen  Antennen.  Ihre 
Glieder  sind  an  ihrem  Vorderende  mit  feinen  Härchen  wirtelig  be- 
setzt,  die  kaum  die  Mitte  der  Glieder  erreichen,  während  sie  an 
den  Endfäden  der  obern  Antennen  länger  als  die  Glieder  sind. 

Die  Mundwerkzeuge  verhalten  sich  ähnlich  wie  bei  den  übrigen 
Cariden.  Die  Oberlippe  springt  stark  vor  und  endet  mit  einem  halb- 
mondförmigen Rande.  Die  äussern  Maxillarfüsse  (Fig.  9)  sind  schmal, 
länglich.  Sie  sind  aus  vier  Gliedern  zusammengesetzt,  hievon  ist  das 
erste  sehr  kurz  und  nach  aussen  in  einen  spitzen,  etwas  nach  vorne 
gewendeten  Fortsatz  verlängert;  das  zweite  und  längste  von  allen 
ist  etwas  nach  aussen  gekrümmt,  das  dritte  beträgt  beiläufig  den 
dritten  Theil  vom  vorigen  ,  dagegen  ist  das  letzte  stumpf  konische 
Glied  doppelt  so  lang  wie  das  vorhergehende.  Es  ist  nach  innen  mit 
mehreren  in  Querreihen  stehenden  Börstchen  besetzt,  ebenso  sind 
die  übrigen  Glieder  ziemlich  behaart.  Nach  aussen  findet  sich  ein 
ungegliederter,  das  Ende  des  Gliedes  etwas  überragender  und  an 
der  Spitze  behaarter  Palpalanhang.  Der  zweite  Maxillarfuss  (Fig.  10) 
zeigt  keine  besondere  Bildung.  Am  ersten  Maxillarfuss  (Fig.  11) 
erscheint  der  Innenlappen  länglich  oval  mit  verlängertem,  ungeglie- 
derten Palpalanhang,  dagegen  wird  ein  Mittelläppchen  vermisst.  Die 
äussere  Maxille  (Fig.  12)  hat  einen  breiten  ovalen,  vorne  und  hinten 
abgerundeten  Aussenlappen,  einen  schmalen  fast  nackten  Mittei-  und 
einen  rundlichen,  nach  innen  gebuchteten  Innenlappen.  —  Die  Man- 
dibel  (Fig.  13)  sind  zweiästig,  der  vordere  etwas  gekrümmte  Emi- 
ast ist  ziemlich  stark  und  am  Innenrande  mit  4 — 5  feinen  Zähnchen 
besetzt,  der  hintere  Ast  bedeutend  schmäler;  nach  aussen  tragen 
sie  einen  zweigliederigen,   am  Ende  bewimperten  Palpus. 

Die  Füsse  entspringen  zu  beiden  Seiten  des  unten  stark  vor- 
springenden Leibes.  Man  zählt  fünf  Paare  Thorax-  und  sechs  Paare 
Bauchfüsse.  Erstere  stehen  ziemlich  genähert  an  ihrer  Basis,  die 
letzteren  dagegen  mehr  nach  aufwärts  gerückt.  —  Die  Vorderfüsse 
(Fig.  14)  sind  die  stärksten  von  allen,   sie  überragen  nach  vorne 


398  "  e '  i  ■  '• 

gelegt  zwar  den  Stiel  der  inneren  Antennen ,  jedoch  erreichen  sie 
nicht  das  Vorderende  der  Blattanhänge.  Sie  endigen  mit  einer  läng- 
lichen Scheere ,  deren  Handglied  cylimlrisch,  nackt  und  glatt  ist 
und  die  stark  einwärts  gewendeten,  am  Innenrande  fein  behaarten 
Finger  um  mehr  als  das  Doppelte  an  Länge  übertrifft.  Das  zweite 
Fusspaar  ist  äusserst  dünn,  fadenförmig  und  länger  als  das  erste 
Fusspaar,  indem  es  bis  an's  Ende  der  ßlattanhänge  hinreicht.  Der 
Carpus  erscheint  sehr  verlängert,  aus  vier  Gliedern  zusammen- 
gesetzt, wovon  das  erste  am  längsten,  das  zweite  und  dritte  Glied 
aber  sehr  kurz,  das  vierte  wieder  länger  ist  und  beiläufig  ein  Dritt- 
theil  des  ersten  beträgt.  Am  Ende  findet  sich  eine  kleine  Scheere, 
deren  Finger  fast  so  lang  wie  das  Handglied  und  mit  langen  Börst- 
ehen besetzt  siiH.  Femoral-  und  Carpalglied  sind  nackt.  —  Die 
folgenden  Füsspaaie  sind  wieder  etwas  stärker,  jedoch  kürzer  als 
das  zweite  Fusspaar.  Sie  überragen  nicht  den  äussern  Rand  der 
Seitenlappen.  Ihr  verlängerter  Tarsus  i-t  am  untern  Rande  gegen 
das  Ende  hin  mit  2  —3  feinen  Börstehen,  am  Ende  des  ohern  Randes 
aber  mit  einem  Büschel  kurzer  Haare  besetzt,  die  Klaue  kurz, 
spitzkonisch. 

Das  Abdomen  ragt  mit  der  Schwanzflosse  etwas  über  den  Hinter- 
land der  Körperseheibe  hinaus.  Die  mittlere  Platte  der  Schwanz- 
flosse ist  viel  kürzer  als  die  Seitenplättchen,  nach  hinten  leicht  ver- 
schmälert und  abgerundet,  oben  mit  zwei  Dörnchenpaaren  besetzt. 

1*1.  typten  n. 

Der  Körper  ist  10  Linien  lang  und  9  Linien  breit,  an  der  Ober- 
seite filzig  behaart.  Das  untersuchte  Exemplar  war  ein  Weibchen 
und  wurde  von  Dr.  Dole  schal  aus  Amboina  eingesendet. 

Virbius,  Stimpson. 

Unter  dieser  Gattung  werden  von  Stimpson  alle  früher  mit 
Hippolyte  vereinigten  Arten  zusammengefasst,  bei  denen  das  Rostrum 
nach  hinten  am  Cephalothorax  nicht  kielartig  sich  fortsetzt,  die  einen 
dreiglietlerigen  Carpus  am  zweiten  Fusspaare  besitzen  und  an  den 
Mandibeln  keinen  Palpus  nachweisen  lassen.  Zu  dieser  Gattung 
gehören  aus  den  europäischen  Meeren:  Verbius  varians ,  V-  viridis, 
smaragdinus  und  Prideauaßianus.  Ihnen  füge  ich  hier  eine  neue  Art 
aus  dem  adriatischen  Meere  bei. 


Beiträge  mv  näheren  Kenntuisa  der  Vfacrouren.  Ii()il 

V.  gracilis  n. 

Taf.  I,  Fig.   19,    SO. 

Das  Rostrum  dieser  Art  ist  ziemlich  gerade  nach  vorne  gerichtet 
und  erreicht  mit  der  Spitze  nicht  das  Ende  der  Blattanhänge  von  den 
äussern  Fühlern.  Es  ist  am  obern  Rande  mit  4  Zähnen  besetzt,  hier- 
von stehen  zwei  hinter ,  zwei  ober  den  Augen,  zwischen  dem  letzten 
obern  Zahne  und  der  einfachen  Spitze  bleibt  ein  längerer  Zwischen- 
raum. Der  untere  Rand  ist  hinten  leicht  ausgeschweift  und  zeigt 
nach  vorne  hin  gewöhnlich  zwei,  seltener  drei  kleine  Zähnchen,  sie 
liegen  stets  vor  dem  ersten  obern  Zahne.  Die  Augen  sind  von  mas- 
siger Länge.  Das  erste  Glied  des  obern  Antennenstieles  ist  länger 
als  die  zwei  folgenden  Glieder  zusammengenommen,  der  Basalstachel 
dieses  Gliedes  reicht  nicht  bis  zu  dessen  Vorderende.  Von  den  bei- 
den Endfäden  ist  der  dickere  neungliederig,  er  ragt  nach  vorne 
zwar  über  den  Blattanhang  der  äusseren  Antennen  hinaus,  doch  ist 
er  kürzer  als  der  Stiel.  —  An  den  unteren  Antennen  ist  der  Stiel 
etwas  länger  als  das  erste  Stielglied  der  oberen  Antennen,  der  Blatt- 
anhang oval,  vorne  abgerundet. 

Der  Cephalothorax  seitlich  ziemlich  comprimirt.  An  der  Vor- 
derseite gewahrt  man  zu  beiden  Seiten  des  Rüssels  einen  spitzen 
Supraorbitalstachel,  ihm  folgt  nach  aussen  am  Vorderrande,  unmittel- 
bar unter  der  zahnartig  vorspringenden  äussern  Augenhöhlenecke 
ein  kleiner  spitzer  Antennalstachel.  Vom  Rande  etwas  entfernt,  nach 
unten  und  hinten  von  dem  vorigen,  findet  sich  auf  der  Fläche  ein 
kleiner  Hepaticalstachel.  Die  Seitenecke  ist  abgerundet. 

Die  äusseren  Maxillarfüsse  sind  schlank  und  ragen  etwas  über 
den  untern  Antennenstiel  hinaus,  ihr  letztes  Glied  ist  nach  innen  und 
an  der  Spitze  mit  Stachelborsten  besetzt,  der  Palpus  kurz.  Die 
Mandibel  sind  zweiästig,  der  vordere  Ast  ist  dünn,  gerade  und  am 
Endrande  vierzähnig,  der  hintere  Ast  dagegen  stark  verdeckt  und 
nach  innen  gebogen,  der  Palpus  fehlt. 

Das  erste  Fusspaar  ist  sehr  kurz  und  dick.  Das  zweite  Fusspaar 
dünn,  um  die  Länge  der  Scheere  über  den  untern  Antennenstiel 
hinausragend,  der  Carpus  dreigliederig;  das  erste  Glied  ist  das 
längste,  das  zweite  das  kürzeste.  Die  Scheere  hat  fast  die  Länge  der 
beiden  vorhergehenden  Glieder  zusammengenommen :  das  dritte 
Fusspaar  erreicht  unter  allen    die   bedeutendste   Länge,   da  es  fast 

Sitzb.  A    matheui  -uaturw.  Cl.  XLV.  Rd.  I.  Abth.  27 


400  Heller. 

bis  an'sEnde  der  Blattanhänge  der  äusseren  Antennen  hinreicht.  Die 
folgenden  nehmen  an  Länge  allmählich  ab.  Das  Tarsalglied  ist  bei 
allen  am  untern  Rande  mit  einer  Reihe  feiner  Stacheln  und  das 
spitzkonische  Klauenglied  mit  spitzen  Dörnchen  besetzt,  die  von 
innen  nach  aussen  an  Grösse  zunehmen. 

Das  Abdomen  stark  bucklig  gekrümmt,  nach  hinten  verschmäch- 
tigt.  Die  einzelnen  Segmente  sind  glatt,  der  Hinterrand  des  dritten 
Segments  in  der  Mitte  convex  vorspringend.  Die  mittlere  Platte  der 
Schwanzflosse  wenig  kürzer  als  die  Seitenplättchen,  nach  hinten 
verschmälert  und  mit  sechs  kleinen  Stacheln  besetzt. 

Die  Körperlänge  beträgt  7  Linien. 

Alpheus  Fab. 

A.  platyrhynchus  n. 

Taf.  I,  Fig.  21—24. 

Milne  Ed  w  ards  beschreibt  in  seiner  Naturgeschichte  der 
Krustaceen  (2.  Bd.,  S.  352)  einen  Alpheus  aus  dem  mittelländischen 
Meere  und  hält  ihn  identisch  mit  der  in  Savigny's  Werke  (Descrip- 
tion  de  TEgypte,  Crust.  pl.  10,  fig.  1)  dargestellten  Art,  für  welche 
A  u  d  o  u  i  n  in  der  „  Explication  des  planches  de  Savigny"  p.  274  den 
Namen  Alpheus  Edivardsii  aufgestellt  hat.  Nun  wurde  bereits  von 
Dana  (Unit.  Stat.  Explor.  Expedit.  Crust.  p.  542)  nachgewiesen, 
dass  die  von  Milne  Edwards  beschriebene  mittelländische  Art  von 
jener  Savigny's  ganz  verschieden  sei.  Auch  ich  konnte  mich  an 
zahlreichen  Exemplaren,  welche  mir  zur  Vergleichung  zu  Gebote 
standen,  von  der  vollkommenen  Verschiedenheit  beider  Arten  über- 
zeugen. Als  vorzüglichste,  am  meisten  in  die  Augen  fallende  Merk- 
male führe  ich  hier  an,  dass  bei  Alpheus  Edwardsii  aus  dem  rothen 
Meere  das  Rostrum  auch  nach  hinten  zwischen  den  Augen  sich  fort- 
setzt und  hier  einen  dreieckigen,  oben  abgerundeten  Vorsprung 
bildet,  während  das  kleine  spitze,  unmittelbar  vom  Stirnrande  ent- 
springende Rostrum  der  mittelländischen  Art  zwischen  den  Augen 
sich  nicht  fortsetzt,  so  dass  die  Stirnfläche  hier  ganz  flach  erscheint. 
Ferner  sind  die  Supraorbitaldecken  bei  Alpheus  Edwardsii  nach 
vorne  abgerundet  und  unbewaffnet,  bei  der  andern  Art  dagegen 
jederseits  mit  einem  kleinen  Stachel  bewehrt.  Auch  die  Vorderfüsse 
zeigen  bedeutende  Abweichungen  in  ihrer  Form.  Während   man  bei 


Beiträge  zur  näheren   Kemituiss  der  Macrouren.  401 

der  mittelländischen  Art  an  der  äussern  Fläche  unter  dem  obern 
Randeinschnitte  zwei  stark  vorspringende,  durch  eine  Furche  von 
einander  getrennte  Längswulste  bemerkt,  von  denen  der  obere 
breitere  nach  vorne  abgestutzt,  der  untere  schmälere  aber  mit  einem 
spitzen  Zahne  endet,  so  vermisst  man  diese  Vorsprünge  bei  Alpheus 
Edwards»  ganz,  dagegen  zieht  sich  vom  obern  Randeinschnitt  eine 
breite,  tiefe  Furche  unmittelbar  unter  dem  Rande  nach  hinten  und 
endet  ziemlich  plötzlich  an  der  längern  Grenzlinie  des  dreieckigen 
Feldchens.  —  Es  erscheint  daher  eine  Trennung  dieser  zwei  ver- 
schiedenen Arten  nothwendig  und  indem  der  von  Savigny  abgebil- 
deten Art  aus  dem  i'othen  Meere  der  ursprüngliche  Name  Audouin  s 
„Alpheus  Edwardsii"  verbleiben  muss,  erlaube  ich  mir  die  mittel- 
ländische Art  A.  platyrhynchus  zu  benennen.  —  Diese  Art  kömmt 
auch  im  adriatischen  Meere  vor.  Sie  wurde  von  Herrn  Steindach- 
ner  in  Lissa  und  Lesina  gesammelt. 

A,  laevimanus  n. 

Taf.  I,  Fig.  25-27. 

Diese  ebenfalls  im  adriatischen  und  mittelländischen  Meere 
vorkommende  Art  charakterisirt  sich  durch  die  länglich  eiförmigen, 
abgerundeten,  an  ihrer  Oberfläche  glatten  Handglieder  der  Vorder- 
füsse.  Der  Cephalothorax  ist  nach  vorne  hin  ziemlich  verschmächtigt, 
die  Stirn  mit  einem  kleinen  spitzen  Rostrum  versehen,  das  sich  nach 
hinten  zwischen  den  Augen  kaum  kielartig  fortsetzt.  Die  Supraorbi- 
taldecken  verlängern  sich  nach  vorne  ebenfalls  in  einen  spitzen 
Stachel,  fast  von  der  Länge  des  Stirnstachels  jedoch  etwas  stärker 
und  breiter  an  der  Rasis.  Sie  reichen  mit  ihrer  Spitze  bis  zur  Mitte 
des  ersten  Stielgliedes  der  oberen  Antennen.  Die  Seitenecke  springt 
in  Form  eines  stumpfen  Zahnes  etwas  vor.  Der  obere  Antennenstiel 
ist  zwar  kürzer  als  jener  der  untern,  jedoch  bedeutend  länger  als 
der  Blattanhang.  Das  erste  Stielglied  an  den  obern  Antennen  über- 
trifft die  beiden  übrigen  an  Länge,  das  dritte  ist  das  kürzeste  von 
allen,  der  Basalstachel  am  ersten  Gliede  ist  ziemlich  stark  und  reicht 
bis  zu  dessen  Vorderrande  oder  selbst  noch  etwas  darüber  hinaus. 
Die  Endborsten  sind  kurz.  Der  untere  Antennenstiel  ist  nur  wenig 
länger  als  der  obere,  an  der  Basis  nach  vorne  und  aussen  mit  zwei 
langen  spitzen  Stacheln  besetzt.  Der  innere  von  ihnen,  fast  so  lang 
wie  der  ganze  Stiel,  entspricht  dem  Basalstachel,  der  andere  etwas 

IT 


402  Heller. 

kürzere  dem  eigentlichen  Blattanhang,  an  dem  der  innere  häutige 
Theil  ganz  verkümmert  ist.  Die  äusseren  Maxillarfüsse  reichen  bis 
zum  Vordereride  des  untern  Antennenstiels. 

Dys  erste  Fusspaar  ist  ziemlich  lang  und  stark,  beiderseits 
ungleich.  Am  grossem  Scheerfusse  ist  das  Brachialglied  dreikantig, 
das  Carpalglied  sehr  kurz  von  vorne  nach  hinten  zusammengedrückt, 
nach  unten  in  einen  spitzen  flachen  Zahn  verlängert.  Die  Scheere  ist 
bei  4'"  lang,  wovon  drei  Linien  auf  das  Palmarglied  kommen. 
Letzteres  ist  länglich  eiförmig,  abgerundet,  etwas  von  innen  nach 
aussen  um  seine  Längsaxe  gedreht,  an  der  Oberfläche  glatt  und 
glänzend  und  am  Vorderrande  über  der  Basis  des  beweglichen  Fin- 
gers mit  einem  vorspringenden  spitzen  Zahne  bewehrt.  Der  unbe- 
wegliche Finger  ist  kurz  dreieckig,  oben  ausgehöhlt,  am  Ende 
stumpf;  der  bewegliche  etwas  längere  Finger  seitlich  compress, 
oben  bogig  gekrümmt  mit  kurzer  spitzer  Endklaue.  Überdies  erschei- 
nen die  Finger  leicht  behaart.  Am  kleinem  Scheerfuss  sind  die  ein- 
zelnen Glieder  bedeutend  dünner,  das  Carpalglied  verhältnissmässig 
länger,  obkonisch,  die  Scheere  bei  2'"  lang;  die  Hand  walzigrund 
und  glatt.  Die  kurzen,  an  einander  schliessenden  schmächtigen 
Finger  sind  an  der  Innenseite  mit  längeren  Haaren  in  Büschelform 
besetzt.  —  Das  zweite  Fusspaar  ist  dünn,  aber  etwas  länger  als  das 
dritte.  Der  fünfgiiederige  Carpus  zeigt  in  Zahlen  ausgedrückt  folgen- 
des Längenverhältniss  der  einzelnen  Glieder:  4-j-  1  -f-  i  -\-  1  -f-  2. 
Die  Scheere  ist  von  der  Länge  der  drei  letzten  Carpalglieder  zusam- 
mengenommen, die  Finger  sind  ziemlich  behaart.  Die  folgenden 
Fusspaare  sind  ziemlich  kurz  und  dünn,  die  Femoralglieder  am  Ende 
ihres  untern  Bandes  unbewaffnet,  die  Tarsalglieder  etwas  länger  als 
die  Tihialglieder,  mit  einigen  feinen  Stacheln  am  untern  Ende,  die 
Klauenglieder  sehr  kurz.  —  Die  mittlere  Schwanzplatte  erreicht 
nicht  ganz  die  Länge  der  seitlichen  Flossenblätter,  ist  oben  ziemlich 
flach,  in  der  Mitte  leicht  der  Länge  nach  vertieft  und  gegen  den 
Band  hin  mit  zwei  Dörnchenpaaren  besetzt,  sonstwie  bei  A.  ruber 
beschaffen.  Die  Länge  beträgt  8 — 9'".  —  Die  im  kais.  Naturalien- 
Cabinete  befindlichen  Exemplare  stammen  aus  Sicilien,  sowie  von 
Piraoo  aus  dem  adriatischen  Meere. 

Die  von  Costa  in  seiner  Fauna  del Regriß  dl  NapoÜ  beschrie- 
benen und  abgebildeten  zwei  Arten  von  Crgjiiopht/tahnus,  nämlich 
veitfricoßus  und  Costae  gehören  hieher  und   bilden  wahrscheinlich 


Beiträge  zw    näheren   Kenntuisa   de      ilacrouren  4-U») 

zusammen  blos  eine  einzige  Art.  Sie  stimmen  in  den  wesentlichen 
Merkmalen  ganz  iiberein  und  die  geringen  Abweichungen  von  ein- 
ander dürften  nur  auf  Alters  oder  Geschlechtsverseliiedenheit  beru- 
hen. Unter  den  Exemplaren,  welche  ich  untersuchen  konnte,  gleichen 
einige  mit  Eiern  reichlich  versehene  Weibehen  ganz  dem  C.  ventri- 
cosns  Costa 's,  während  andere  Exemplare  von  mehr  schmächtigem 
Habitus  mehr  mit  C.  Costme  übereinstimmten.  Ich  glaube  daher  mit 
gutem  Grunde  jene  zwei  Arten  Oostae  in  eine  einzige  Art  vereinen 
zu  können,  welche  ich  nach  der  charakteristischen  Beschaffenheit 
der  Handglieder  Aipheus  laevimanus  benenne. 

Ausser  den  erwähnten  zwei  Arten  kommen  im  mittel-  und 
adriatischen  Meere  noch  zwei  andere  vor,  nämlich  A.  ruber  und 
A.  dentipes.  Man  kann  diese  Arten  auf  folgende  Weise  leicht  unter- 
scheiden und  bestimmen. 

A.  Das  Handglied  der  vorderen  Scheerenfüsse  erscheint  abge- 
rundet und  glatt,  das  erste  Stielglied  der  oberen  Antennen  ist  länger 
als  die  zwei  folgenden A.  lacvhnuniis. 

B.  Das  Handglied  der  vorderen  Scheerenfüsse  erscheint  kantig, 
das  zweite  Stielglied  der  oberen  Antennen  ist  das  längste. 

a)  Die  Ränder  des  Handgliedes  sind  durch  keinen  Querausschnitt 
unterbrochen,  die  Supraorbitaldecken  vorne  abgerundet  .    .    . 

A.  ruber. 

b)  Die  Ränder  des  Handgliedes  sind  durch  einen  Querausschnitt 
unterbrochen,  die  Supraorbitaldecken  mit  einem  kleinen  Stachel 
vorne  besetzt. 

a)  Das  Femoralglied  des  dritten  und  vierten  Fusspaares  am  Ende 
des  untern  Randes  ohne  Zahn,  das  Stirnrostrum  llach,  nach 
hinten  zwischen  den  Augen  nicht  kielartig  vorspringend  .    .    . 

A.  p/utyrhj/Hchus. 

ß)  Das  Femoralglied  des  dritten  und  vierten  Fusspaares  mit  einem 
Zahne  am  Ende  des  untern  Randes,  das  Stirnrostrum  compress 
und  nach  hinten  zwischen  den  Augen  in  Form  eines  kleinen 
Kiels  sich  fortsetzend I    dentipes. 

Arete  Stimpson. 

Dieses  neue  von  Stimpson  (Proceed.  of  the  Acad.  nat.  Sciene. 
of  Philadelphia  1860,  p.  32)  aufgestellte  Geschlecht  hat  den  allge- 
meinen Habitus   eines  Alpheus,  jedoch   sind   die  Augen  nicht  voll- 


404  H  eile  >'. 

kommen  verborgen,  sondern  schauen  mit  der  Cornea  über  den  Vorder- 
rand des  Cephalothorax  hervor:  das  Stirnrostrum  erscheint  länglich 
dreieckig;  die  Vorderfüsse  sind  etwas  verdickt,  beiderseits  gleich 
entwickelt.  Die  Art,  aufweiche  Stimpson  die  Gattung  gründete, 
kommt  in  den  chinesischen  Gewässern  vor  und  wurde  als  A.  rostralis 
beschrieben.  Zu  dieser  Gattung  dürfte  auch  der  von  mir  in  den 
Sitzungsberichten  der  Wiener  kais.  Akademie  der  Wissenschaften 
(44.  Band,  Jahrgang  1861,  S.  274)  beschriebene  Alpheus  monoceros 
aus  dem  rothen  Meere  zu  rechnen  sein.  Eine  dritte  neue  Art  kommt 
im  adriatischen  Meere  vor  und  lasse  ich  die  Beschreibung  derselben 
hier  folgen. 

A,  Diolectiana  n. 

Taf.  I,  Fig.  28—33. 

Der  Cephalothorax  ist  ziemlich  compress,  nach  vorne  hin  leicht 
verschmälert,  glatt,  die  Rückenseite  von  vorn  nach  hinten  gerade. 
Das  Stirnrostrum  spitz,  fast  gerade  nach  vorn  gerichtet,  von  oben 
angesehen  leicht  dreikantig.  Es  erreicht  fast  das  Ende  des  obern 
Antennenstiels,  nach  hinten  setzt  es  sich  in  Form  eines  stumpfen 
Kiels  eine  kurze  Strecke  auf  der  Stirnfläche  zwischen  den  Augen 
fort.  Diese  letzteren  sind  zum  grössten  Theile  unter  dem  Cephalo- 
thorax versteckt  und  nur  die  vordere  Hälfte  der  Cornea  ragt  über 
den  Rand  frei  hervor.  Dieser  Orbitalrand  endet  nach  aussen  mit 
einem  kleinen  dreieckigen  Zähnchen,  unmittelbar  vor  diesem  ent- 
springt aber  noch  ein  spitzer,  die  Cornea  etwas  überragender  Stachel. 
Im  weitern  Verlaufe  erscheint  der  Vorderrand  des  Cephalothorax 
ganz  unbewaffnet  und  geht  unter  stumpfem  Winkel  in  den  Seitenrand 
über.  Die  oberen  Antennenstiele  sind  wenig  länger  als  das  Rostrum 
und  beiläufig  so  lang  wie  die  Blattanhänge  der  unteren  Antennen. 
Unter  den  einzelnen  Gliedern  ist  das  erste  das  längste,  die  folgenden 
nehmen  verhältnissmässig  an  Länge  ab  und  haben  eine  cylindrische 
Gestalt.  Der  Basalstachel  des  ersten  Gliedes  ist  sehr  entwickelt,  in- 
dem er  selbst  das  zweite  Stielglied  nach  vorn  hin  etwas  überragt.  Die 
beiden  Endfäden  sind  ungleich  lang,  der  äussere  kürzere  zugleich 
verdickt.  Der  Stiel  der  unteren  Antennen  ist  etwas  kürzer  als  jener 
der  oberen,  der  Blattanhang  länglich  oval,  vorn  regelmässig  abgerun- 
det, der  Seitenstachel  stark  entwickelt  und  der  Vorderrand  über- 
ragend. —  Die  äusseren  Maxillarfüsse  sind  ziemlich  schlank,   etwa 


Beiträge  zur  näheren  Kenntnis;  dei    Maerouren,  405 

so  lang  wie  der  untere  Stiel  der  Antennen  oder  ihn  nur  wenig  an 
Länge  übertreffend.  Die  zwei  letzten  Glieder  derselben  erreichen 
zusammen  nicht  die  Länge  des  zweiten  Gliedes,  das  spitz  konische 
Endglied  ist  nach  innen  mit  zahlreichen,  in  Querreihen  stehenden 
Horstchen  besetzt,  überdies  sind  die  einzelnen  Glieder  an  beiden 
Plaudern  mit  Haaren  bedeckt.  Der  Palpus  reicht  bis  zur  Mitte  des 
dritten  Gliedes.  Die  Mandibel  sind  zweiästig  ,  der  obere  Ast  dicker 
und  stärker  als  der  untere,  nach  aussen  mit  einem  zweigliederigen 
Palpus  versehen. 

Die  Vorderfüsse  sind  bedeutend  länger  als  die  folgenden,  bei- 
derseits gleich  entwickelt,  die  einzelnen  Glieder  nur  massig  verdickt 
und  glatt.  Die  Carpalglieder  sind  länglich,  obkonisch.  Die  Scheeren 
erscheinen  sehr  verlängert,  das  Palmarglied  fast  von  gleicher  Dicke 
wie  das  Ende  des  Carpus,  walzig  und  die  kleinen,  leicht  einwärts 
gekrümmten  Finger  um  mehr  als  das  Doppelte  an  Länge  übertreffend. 
Der  unbewegliche  Finger  ist  mit  3 — 4  kleinen  Zähnchen  am  Innenrande 
besetzt,  während  die  bewegliche  ungezahnt,  oben  leicht  bewimpert 
erscheint.  Die  übrigen  Glieder  sind  ganz  nackt.  —  Das  dünne,  faden- 
förmige zweite  Fusspaar  überragt  nach  vorn  etwas  den  Blattanhang  der 
Antennen.  Der  Carpus  ist  fünfgliederig,  von  den  einzelnen  Gliedern 
das  erste  das  längste,  fast  eben  so  lang,  wie  die  vier  folgenden  zu- 
sammen, von  denen  das  zweite  und  dritte  sehr  kurz  sind,  die  zwei 
folgenden  aber  an  Länge  etwas  zunehmen.  Die  Scheere  hat  fast  die 
Länge  der  zwei  vorhergehenden  Carpalglieder,  die  dünnen,  leicht 
comprimirten  Finger  sind  mit  einigen  Härchen  besetzt.  Die  folgenden 
Fussp;iare  nehmen  vom  dritten  an  allmählich  an  Länge  ab.  Die  einzelnen 
Glieder  sind  fast  ganz  nackt,  nur  am  Vorderende  des  Tibialgliedes 
finden  sich  einige  kurze  Härchen,  der  Unterrand  des  Tarsalgliedes 
ist  mit  9—10  Stachelbörstchen  besetzt,  wovon  die  letzten  etwas 
länger  sind. 

Der  Hinterleib  verschmälert  sich  nach  hinten  allmählich,  ist 
oben  abgerundet,  der  Hinterrand  des  dritten  Segmentes  gerade.  Die 
Seitenplättchen  der  drei  ersten  Segmente  erscheinen  abgerundet, 
blos  das  fünfte  ist  nach  hinten  in  eine  kurze  Spitze  ausgezogen. 
Die  Mittelplatte  der  Schwanzflosse  ist  viel  länger  als  das  sechste 
Abdominalsegment,  jedoch  kürzer  als  die  Seitenplättchen.  Sie  ist 
ziemlich  breit  und  wird  gegen  das  Hinterende  etwas  schmäler,  nach 
oben  ist  sie  flach  abgerundet,  mit  zwei  Dörneheupaaren  besetzt  und 


406  Heller. 

läuft  am  Hinterende  in  eine  stumpfe  Spitze  aus,  umgeben  von  zwei 
Seitenstacheln,  dazwischen  bewimpert.  Die  ganze  Körperlänge  des 
Tbieres  beträgt  6  Linien. 

Diese   interessante   Art  wurde   von  Herrn   P.  Pius   Titius  in 
Pirano  gesammelt. 

Pelias  Roux. 

Unter  diesen  Gattungsnamen  werden  von  Roux  (Memoire  sur 
la  Classification  des  Crustacees  de  la  Tribu  des  Salicoques  pag.  25) 
mehrere  Alpheusarten  Risso's  vereint  und  auf  folgende  Weise  charak- 
terisirt:  „Deuxieme  pairede  pattes  gueres  plus  grosse  que  la  premiere, 
plusrenflee.  Rostrefinimentdente;  corps  transparent.  Tete  lisse.  Pieds- 
mächoires  exterieurs  alonges.  Carpe  simplement  conforme".  Ich  hatte 
Gelegenheit,  im  hiesigen  zoologischen  Museum  zwei  Arten,  die  von 
Roux  selbst  bestimmt  wurden,  näher  untersuchen  zu  können  und  ich 
habe  gefunden,  dass  sie  dieselben  Merkmale  darbieten,  welche  Dana 
(1.  c.  I,  pag.  577)  für  sein  Geschlecht  Anchistia  als  charakteristisch 
hervorhebt.  Der  Körper  hat  im  Allgemeinen  den  Habitus  eines  Pa- 
lämon,  jedoch  sind  an  den  obern  Antennen  blos  zwei  Endfäden 
entwickelt  und  dieMandibel  haben  keine  Pulpen,  die  äusseren  Maxillar- 
füsse  erscheinen  schlank,  die  einzelnen  Glieder  derselben  schmal. 
—  Auch  die  Gattung  Periclimenes,  von  Costa  im  Jahre  1836  in  seiner 
Fauna  del  Regno  di  Napoli  aufgestellt,  dürfte  gleichfalls  als  identisch 
bieher  zu  ziehen  sein.  Nachdem  nun  aber  die  oben  citirte  Arbeit  von 
Roux  über  die  Cariden  bereits  im  Jahre  1831  publicirt  wurde,  so 
gebührt  ihm  jendenfalls  die  Priorität  und  wäre  demnach  künftig  hin 
diese  Gattung  mit  dem  Namen  Pelias  zu  bezeichnen.  Die  beiden  von 
Roux  bestimmten  Arten  sind:  Pelias  seriptus  und  P.  amethysteus. 
Sie  stammen  aus  dem  mittelländischen  Meere  und  werden  von  Kisso, 
als  zu  dem  Geschlecht  Alpheus  gehörig,  aufgeführt.  [Nachdem  aber 
eine  vollkommene  Bestimmung  nach  der  von  Risso  gegebenen  kurzen 
Beschreibung  nicht  möglich  ist,  so  will  ich  diese  beiden  Arten  im 
Nachfolgenden  näher  beschreiben. 

f*.  seriptus. 

Taf.  II,  Fig.  34. 

Diese  Art  unterscheidet  sich  von  der  folgenden  hauptsächlich 
durch    die    stärkere  Entwicklung    und    bedeutendere  Länge    des 


Beitrag«  i»r  näheren  Keuntniss  rtei   Macrouren  407 

zweiten  Fusspaares.  —  Das  gerade  nach  vorne  gerichtete  Rostruin 
beginnt  mit  einem  Kiel  schon  auf  der  Mitte  des  Cephalothorax  und 
reicht  fast  bis  an'sEnde  der  Blattanhänge  der  unteren  Antennen.  Es 
ist  am  ohern  Rande  mit  8  —  9  Zähnen  besetzt,  wovon  der  hinterste 
auf  der  Mitte  oder  selbst  etwas  hinter  der  Mitte  des  Cephalothorax 
steht,  der  dritte  bis  vierte  Zahn  ober  den  Augen  ;  die  einzelnen  Zähnchen 
sind  ziemlich  gleichweit  von  einander  entfernt,  der  erste  obere  und 
kleinere  Zahn  ist  der  Spitze  genähert.  Der  untere  Rand  ist  nach  hinten 
kaum  ausgeschweift,  in  der  vordem  Hälfte  mit  drei  spitzen  Zähnen 
bewaffnet,  der  erste  untere  ist  von  der  Spitze  eben  so  weit  entfernt 
wie  von  dem  zweiten  Zahne.  —  Der  Cephalothorax  ist  seitlich  eom- 
primirt,  vorne  und  hinten  fast  gleichbreit,  der  Vorderrand  beider- 
seits neben  dem  Rostrum  tief  ausgebuchtet  für  die  Augen,  an  deren 
äusseren  Seite  ein  zahnartiges  Läppchen  vorspringt;  ihm  folgt 
unmittelbar  nach  hinten  ein  kleiner  spitzer  Antennalstachel ,  von 
da  an  ist  aber  der  Vorderrand  bis  zur  stumpfen  Seitenecke  ganz 
unbewaffnet.  Auf  der  Seitenfläche  gewahrt  man  jedoch,  vom 
Vorderrande  ziemlich  entfernt,  einen  spitzen,  ziemlich  starken 
Hepaticalstachel.  — 

Die  Augen  haben  eine  mittelmässige  Länge.  Der  Stiel  der  obe- 
ren Antennen  ist  fast  so  lang  wie  der  ßlattanhang  der  untern;  das 
erste  Glied  länger  als  die  beiden  folgenden,  verbreitet  sich  blattförmig 
nach  aussen  und  ist  hier  mit  einem  kurzen,  die  Mitte  des  Gliedes 
kaum  überragenden  ßasalstachel  versehen.  Jedes  der  beiden  folgen- 
den Glieder  ist  von  cylindrischer  Form,  kurz,  alle  Glieder  nach  aus- 
sen stark  behaart.  Von  den  beiden  kurzen  Endfäden  ist  der  äussere 
etwas  dicker.  Der  Stiel  der  unteren  Antennen  ist  kürzer  als  der  obere, 
erreicht  kaum  die  Hälfte  seines  ßlattanhanges,  welcher  nach  vorne 
deutlich  gerundet,  nach  vorne  und  innen  bewimpert  ist.  Der  vordere 
Seitenstachel  reicht  mit  der  Spitze  bis  nahe  an's  Ende. 

Die  äusseren  Kaufüsse  sind  schlank,  die  einzelnen  Glieder  fast 
gleichbreit.  Ihr  zweites  Glied  ist  das  längste  von  allen ,  leicht  nach 
aussen  gekrümmt.  Das  dritte  Glied  erscheint  cylindrisch,  gerade  und 
etwas  kürzer  als  das  vorige;  das  vierte  ist  konisch  zugespitzt,  nicht 
so  lang  wie  das  vorhergehende,  im  Vereine  mit  diesem  übertrifft 
es  das  zweite  Glied  bedeutend  an  Länge.  Die  einzelnen  Glieder 
sind  behaart.  Der  Palpus  ist  beiläufig  so  lang  wie  das  zweite  Glied. 
Die  Mandibel  sind  deutlich  zweiästig,  der  vordere  Ast  stärker,   am 


408  Heller. 

Ende  mit  3  spitzen  Zähnen  besetzt,  wovon  der  mittlere  der  kleinste 
ist.  Ein  Palpus  fehlt. 

Das  erste  Fusspaar  ist  dünn  und  reicht  nach  vorne  gelegt  mit  der 
kleinen  Scheere  bis  an's  Vorderende  der  Blattanhänge.  Die  Finger 
erscheinen  um  ein  Drittheil  länger  als  das  Handglied.  Das  bedeu- 
tend stärkere,  beiderseits  gleich  entwickelte  zweite  Fusspaar  ragt  fast 
um  die  ganze  Länge  der  Scheere  über  den  Blattanhang  hinaus.  Das 
Handglied  ist  länglichrund,  etwas  dicker  als  das  vorhergehende 
kurze  Carpaiglied,  bei  1  Linie  lang;  die  Finger  etwas  länger 
(l*4Lin.),  spitz,  leicht  einwärts  gekrümmt,  mit  stumpfem  äussern  und 
zugescharrtem  innern  Rande.  Die  folgenden  Fusspaare  sind  schlank, 
kaum  kürzer  als  das  erste  Fusspaar,  mit  cylindrischen,  fast  ganz  glat- 
ten und  nackten  Gliedern  versehen,  nur  am  untern  Rande  des  Tar- 
salgliedes  finden  sich  gegen  das  Ende  hin  einige  feine  Börstehen. 
Das  spitz  konische  letzte  Glied  zeigt  unter  der  spitzen  Endklaue 
eine  zweite  kleinere. 

Der  Hinterleib  ist  stark  buckelig  gekrümmt,  der  Hinterrand  des 
dritten  Abdominalsegmentes  springt  in  der  Mitte  stark  nach  einwärts 
vor,  die  Hinterhälfte  des  Abdomens  vom  dritten  Segmente  an  ist  ziem- 
lich stark  comprimirt.  Die  Mittelplatte  der  Schwanzflosse  ist  sehr 
schmal,  nach  hinten  dreieckig  zugespitzt  und  hier  mit  zwei  längeren 
beweglichen  Stacheln  besetzt.  Die  Seitenplatten  sind  etwas  länger, 
oval,  am  Rande  bewimpert.  Länge  des  ganzen  Körpers  17  bis 
18  Linien. 

Wurde  auch  im  adriatischen  Meere  gefunden. 

J*.  amethysteus. 

Bei  dieser  Art  ist  das  Rostrum  ebenfalls  ziemlich  gerade  nach 
vorne  gerichtet,  nur  an  der  äussersten  Spitze  etwas  nach  oben  ge- 
kehrt, oben  mit  acht,  unten  mit  drei  Zähnchen  besetzt.  Die  zwei  hinter- 
sten Zähnchen  stehen  noch  am  Cephalothorax  hinter  den  Augen,  sie 
werden  von  hinten  nach  vorne  alimählich  kleiner  und  sind  mit  ihrer 
scharfen  Spitze  stark  vorwärts  geneigt,  der  letzte  obere  ist  der 
Spitze  sehr  genähert.  Das  Rostrum  erreicht  fast  das  Ende  der  Blatt- 
anhänge an  den  unteren  Antennen. —  Der  äussere  Augenhöhlenwinkel 
erscheint  zahnartig,  stumpf.  Der  Antennalstachel  ist  dünn  und  spitz, 
die  Seitenecke  stumpfwinkelig,  der  Hepaticalstachel  ziemlich  stark 
und  spitz. 


Beiträge  mr  näheren  Keuntoisa  dci    Macrouren.  409 

Der  obere  Antennenstiel  erreicht  nicht  ganz  die  Länge  des 
Rostrums  und  der  Blattanhänge.  Das  erste  Stielglied  ist  länger  als  die 
beiden  folgenden  zusammen,  nach  aussen  lamellös  erweitert,  die  zwei 
folgenden  Glieder  kurz,  cylindrisch.  Der  untere  Antennenstiel  ist 
etwas  kürzer  als  das  erste  obere  Stielglied,  sein  Blattanhang  erscheint 
länglich  oval,  nach  vorne  abgerundet,  der  vordere  Seitenstachel  etwas 
vom  Vorderrande  abgerückt.  Die  äusseren  Maxillarfüsse  sind  dünn 
und  schlank,  beiläuGg  von  der  Länge  des  untern  Stiels. 

Das  erste  und  zweite  Fusspaar  sind  fast  gleich  lang,  sie  reichen  bis 
an  das  Vorderende  der  Blattanhänge,  das  erste  ist  dünn,  das  zweite 
etwas  verdickt.  Am  ersten  ist  die  Scheere  fast  so  lang  wie  der  Carpus, 
am  zweiten  ist  dagegen  der  Carpus  sehr  verkürzt,  er  ist  3mal  kürzer  als 
das  Brachialglied  und  doppelt  kürzer  als  das  Handglied.  Letzteres  ist 
leicht  verdickt,  länglich,  doch  nicht  ganz  so  lang  als  die  schlanken, 
in  der  Mitte  etwas  klaffenden,  spitzen  Finger.  Alle  Glieder  sind  nackt. 
—  Die  drei  folgenden  Fusspaare  sind  fast  sämmtlich  länger  als  die 
zwei  vorhergehenden.  Sie  tragen  an  dem  Unterrande  des  Tarsalglied  s 
einige  Stachelbörstchen,  ihr  spitzkonisches  Khiuenglied  ist  mit  einer 
doppelten  Endklaue  versehen. —  Abdomen  und  Schwanzflossen  ver- 
halten sich  ganz  wie  bei  voriger  Art.  Die  Körperlänge  beträgt 
16  Linien. 

Vorkommen:  Mittelmeer. 

f*.  migratoriu*  n. 

Taf.  II,  Fig.  35. 

Diese  Art  unterscheidet  sich  von  den  beiden  eben  erwähnten 
durch  die  verschiedene  Gestalt  des  Rostrums,  durch  die  Anwesen- 
heit eines  Branchiostegalstachels  am  Vorderrande  des  Cephalothorax 
und  den  gleichzeitigen  Mangel  eines  Hepaticalstachels  an  der 
Seitenfläche. 

Der  Cephalothorax  ist  länglich,  coinpress,  vorne  und  hinten 
leicht  verschmächtigt,  oben  von  vorne  nach  hinten  etwas  abgerundet, 
glatt,  am  vorderen  Seitenrande  mit  kleinem  spitzen  Antennal-  und 
Branchiostegalstachel  versehen.  Hinter  letzterem  bemerkt  man  an 
der  Seitenfläche  eine  kurze  Nathlinie.  Das  Rostrum  entspringt  mit 
dreieckiger  Basis  zwischen  den  Augen.  Es  setzt  sich  am  Cephalo- 
thorax fast  bis  zur  Mitte  desselben  mit  einem  kleinen  stumpfen  Kiele 
fort,  an  dem  sich  jedoch  erst  ganz  nach  vorne  hinter  den  Augen  ein 


410  Heller. 

Zahn  befindet.  Die  übrigen  vier  bis  fünf  Zähnchen  sitzen  am  oberen 
Rande  des  Rostrums  selbst  und  zwar  zwei  ober  den  Augen,  zwei  oder 
drei  vor  denselben.  Die  Spitze  ist  einfach,  nach  vorne  und  etwas  nach 
oben  gerichtet.  Am  unteren  Rande  liegen  hinter  der  Spitze  gewöhn- 
lich zwei,  sehr  selten  drei  kleine  Zähnchen.  Die  Rasis  ist  nach  unten 
etwas  ausgebuchtet,  nach  vorne  hin  in  der  Mitte  ziemlich  breit,  die 
Form  des  Rostrums  im  Ganzen  lanzettähnlich  mit  kurzer  Spitze.  Es  ist 
stets  kürzer  als  die  Rlattanhänge  und  gleichlang  mit  den  oberen 
Antennenstielen.  Die  Augen  erscheinen  ziemlich  dick  und  reichen 
bis  zum  letzten  Drittheil  des  oberen  Antennenstiels.  Das  erste  Glied 
des  letzteren  ist  bedeutend  länger  als  die  zwei  folgenden  zusammen, 
mit  spitzem  bis  zur  Mitte  des  Gliedes  reichendem  Rasalstachel.  Von 
den  beiden  Endfäden  ist  der  äussere  an  der  Spitze  zweitheilig.  Der 
untere  Antennenstiel  besitzt  fast  die  Länge  des  ersten  obern  Stiel- 
gliedes, sein  Basalstachel  ist  sehr  klein,  der  Blattanhang  länglichoval, 
vorn  schmal  abgerundet,  der  Seitenstachel  vom  Vorderende  bedeu- 
tend entfernt.  Die  äusseren  Kaufüsse  haben  die  Länge  des  unteren 
Antennenstiels  oder  ragen  höchstens  mit  ihrer  Endspitze  etwas  dar- 
über hinaus,  ihr  letztes  Glied  ist  halb  so  lang  wie  das  vorher- 
gehende. 

Das  erste  Fusspaar  ist  dünn  und  glatt,  reicht  nach  vorne  bis  an's 
Vorderende  der  Blattanhänge,  das  Carpalglied  ist  etwas  länger  als 
das  Rrachialglied  und  fast  dreimal  länger  wie  die  kleine  Scheere. 
Das  zweite  Fusspaar  ist  auch  schlank,  aber  etwas  stärker  und  länger 
als  das  vorige,  indem  es  mit  der  ganzen  Scheere  über  die  Blatt- 
anhänge hinausragt.  Ihr  Brachialglied  ist  etwas  kürzer  als  das 
Carpalglied,  die  Scheere  beiläufig  so  lang  wie  das  Brachialglied,  die 
Hand  etwas  dicker  als  der  vorhergehende  Carpus,  länglich  walzen- 
förmig, glatt,  die  Finger  bedeutend  kürzer,  zugespitzt.  —  Die  drei 
hinteren  Fusspaare  sind  dünn,  grösstentheils  nackt,  blos  das  Tarsal- 
glied  am  Unterrande  mit'  einigen  feinen  Stacheln  besetzt:  Dactylus 
spitzkonisch,  mit  einfacher  Klaue. 

Der  Hinterleib  ist  ziemlich  gekrümmt,  nach  hinten  allmählich 
verschmälert,  der  Hinterrand  des  dritten  Segmentes  nur  massig 
vorspringend.  Die  Mittelplatte  der  Schwanzflosse  ist  schmal,  länglich 
dreieckig,  mit  seichter  Längsfurche  in  der  Mitte  und  zwei  schwach 
angedeuteten  Seitenleistchen,  auf  denen  zwei  Dörnchenpaare  stehen. 
Auf  dem  Hinterende  ist  sie  mit  drei  langen,  beweglichen  Endstachelu 


Beiträge  zur  näheren  Kenntniss  der   Macrouren.  4  11 

besetzt.  Die  seitlichen  Flossenblätter  sind  etwas  länger,  oval.  —  Die 
Körperlänge  beträft  16  Linien. 

Diese  Art  schliesst  sich  durch  die  angedeutete  Trennung  der 
äusseren  Endborste  in  zwei  Fäden  an  den  oberen  Antennen  mehr 
den  Palämonen  an,  jedoch  unterscheidet  sie  sich  durch  den  Mangel 
eines  Palpus  an  den  Maudibeln  von  diesen.  Sie  hat  viele  Ähnlichkeit 
in  der  äusseren  Gestalt  mit  dem  von  Leach  beschriebenen  Palaemon 
na  'ums  und  es  wäre  demnach  zu  untersuchen ,  wie  die  Mandibeln 
jener  Art  sich  verhalten.  Auch  ist  es  sehr  wahrscheinlich,  dass 
Palaemon  antennarius  Edw.,  sowie  P.  lacustris  Mart.  mit  unserer 
Art  identisch  sind.  Die  im  hiesigen  zoologischen  Museum  befind- 
lichen Exemplare ,  nach  welchen  diese  Art  beschrieben  wurde, 
stammen  aus  dem  adriatischen  Meere,  aus  dem  Gardasee  und  aus 
Ägypten. 

Caridina  M.  E  d  vv. 

i  .  fossarum  n. 

Hier  ist  das  Rostrum  ähnlich  wie  in  der  vorigen  Art  beschaffen, 
zeigt  dieselben  Längenverhältnisse,  jedoch  ist  der  obere  Rand  bis 
zur  Spitze  hin  bezahnt,  und  zwar  kommen  oben  20  —  25  Zähne, 
unten  7  —  9  Zähne  vor.  Am  Vorderrande  gewahrt  man  einen  deut- 
lichen Antennalstachel.  Das  zweite  Fusspaar  ist  etwas  kürzer  als  der 
obere  Antennenstiel,  jedoch  länger  als  der  untere;  ihr  Carpalglied 
übertrifft  das  Handglied  etwas  an  Länge,  die  Finger  sind  leicht  zu- 
sammengedrückt, mit  Haaren  büschelförmig  besetzt.  Die  hinteren 
Fusspaare  reichen  beiläufig  bis  zur  Mitte  der  Rlattanhäuge  hin,  ihr 
letztes  Glied  ist  kurz,  unten  mit  feinen  Stacheln  besetzt.  —  Die 
äusseren  Kaufüsse  sind  etwas  länger  als  das  zweite  Fusspaar,  jedoch 
ohne  das  Vorderende  der  Rlattanhäuge  zu  erreichen.  —  Die  mittlere 
Schwanz-platte  ist  am  Rücken  convex  abgerundet,  kürzer  als  die 
seitlichen  Flossenblätter,  und  mit  fünf  Dörnchenpaaren  besetzt.  — 
Körperlänge  =  1  Zoll. 

Wurde  in  Schiraz  von  Herrn  Dr.  Kotschy  gesammelt. 

C.  laevi*  n. 

Der  Cephalothorax  dieser  Art  ist  bedeutend  compress ,  das 
Rostrum  viel  kürzer  als  die  Blattanhänge  und  die  oberen  Antennen- 


412  Heller. 

stiele,  doch  beträchtlich  länger  als  die  Augen.  Am  oberen  leicht 
convexen  Rande  ist  es  bis  zur  Spitze  hin  mit  18  —  20  kleinen, 
schmalen  Zähnchen  besetzt,  am  untern  Rande  in  der  grösseren 
hinteren  Hälfte  nackt  und  nur  nach  vorne  gegen  die  Spitze  mit  drei 
Zähnchen  versehen.  Das  Vorder  ende  des  Rostrums  reicht  bis  zur 
Mitte  des  zweiten  Stielgliedes  der  oberen  Antennen.  —  Dieser  obere 
Antennenstiel  ist  nahe  so  lang  wie  der  Rlattanhang,  von  seinen 
Gliedern  ist  das  erste  ziemlich  lang,  das  zweite  wenig  kürzer,  jedoch 
viel  länger  als  das  dritte,  beide  schlank  und  cylindrisch.  Der  untere 
Antennenstiel  erscheint  etwas  länger  als  das  erste  obere  Stielglied, 
die  Blattanhänge  sind  länglich,  vorne  schief  abgerundet,  die  seitlichen 
Stachel  vom  Vorderrande  abgerückt.  Die  äusseren  Kaufüsse  schmal 
und  schlank  überragen  den  unteren  Stiel  fast  um  die  Länge  der 
zwei  letzten  Glieder,  jedoch  erreichen  sie  nicht  das  Vorderende  der 
Blattanhänge.  Das  erste  Fusspaar  besitzt  die  Länge  des  unteren 
Stieles,  die  Finger  sind  länger  als  das  Handglied,  der  Carpus 
erscheint  etwas  kürzer  als  die  Scheere.  Das  zweite  Fusspaar  reicht 
bis  aifs  Ende  des  Blattanhanges,  seine  Finger  sind  schmächtig, 
doppelt  länger  als  das  Handglied ,  der  Carpus  dagegen  ist  um  ein 
Drittheil  länger  als  die  ganze  Scheere.  Die  folgenden  Fusspaare 
sind  dünn,  ihre  beiden  Endglieder  mit  kleinen  Stacheln  unten 
besetzt.  Die  mittlere  Schwanzplatte  ist  flach  abgerundet,  nach  hinten 
wenig  verschmälert,  kürzer  als  die  seitlichen  Flossenblätter  und  mit 
zwei  Dörnchenpaaren  besetzt.  Die  Körperlänge  =  1  Zoll. 
Wurde  von  Ida  Pfeiffer  auf  Java  gesammelt. 

C.  longirostris. 

Mit  dieser  von  M.  Edwards  (Hist.  nat.  d.  Crust.  t.  II,  p.  363) 
beschriebenen  Art  stimmt  vollkommen  überein  der  von  Roux  im  Nil 
vorgefundene  Pelius  niloticus.  In  einem  an  Herrn  Baron  Ferussac 
gerichteten  Briefe  aus  Ägypten,  welcher  in  den  Annal.  d.  seien,  nat. 
tom.  28,  p.  72  abgedruckt  ist ,  wird  diese  Art  einfach  erwähnt  und 
auf  Taf.  7,  Fig.  8  abgebildet. 


Beiträge  zur  niiheren  Kenntnisa  >ler   Mnerouren.  413 

Falaemou  Fab. 

Subgenus  LEANDER  De  sin. 

Mj.  indicus  n. 

Diese  Art  hat  einige  Ähnlichkeit  mit  dem  L.  deb'dis  Dana,  so- 
wie L.  longicarpus  Stimps.  Sie  unterscheidet  sich  von  beiden 
durch  die  grössere  Anzahl  von  Zähnen  am  oberen  Rande  des 
Rostrums,  von  ersterem  überdies  noch  durch  die  bedeutendere 
Länge  des  zweiten  Fusspaares.  Der  Cephalothorax  ist  compress, 
vorne  und  hinten  fast  gleichbreit,  mit  spitzem  Antennalstachel  und 
einem  etwas  vom  Vorderrande  nach  hinten  abgerückten  kleinen 
Hepaticalstachel  versehen.  Die  Seitenecken  sind  stumpf  abgerundet. 
Das  Rostruin  entspringt  mit  einer  kurzen  Ciista  unmittelbar  zwischen 
den  Augen,  es  ist  anfangs  ziemlich  gerade  nach  vorn  gerichtet,  gegen 
dastünde  hin  nach  aufwärts  gekrümmt  und  überragt  bedeutend  die  Blatt- 
anhänge  der  unteren  Antennen.  Der  obere  Rand  ist  über  den  Augen 
leicht  convex  gekrümmt  und  hier  mit  eilf  kleinen  gleichweit  entfern- 
ten Zähnchen  besetzt,  hierauf  folgt  ein  langer  freier  Zwischenraum 
und  erst  unmittelbar  vor  der  Endspitze  bemerkt  man  noch  zwei 
kleinere  Zähnchen.  Der  untere  Rand  erscheint  im  hinteren  Umfange 
fast  gerade,  wenig  ausgebuchtet,  in  den  zwei  vorderen  Dritteln 
dagegen  mit  1  — 8  von  hinten  nach  vorn  kleiner  werdenden  Zähnen 
besetzt.  Die  Augen  sind  kurz  und  dick.  Die  oberen  Antennenstiele 
sind  bedeutend  kürzer  als  die  Blattanhänge  der  unteren  Antennen, 
das  erste  Stielglied  länger  als  die  zwei  folgenden  zusammen.  Der 
kurze  Endfaden  ist  nur  auf  kurze  Strecke  mit  dem  äusseren  ver- 
wachsen und  erreicht  rückwärts  gelegt  den  Vorderrand  des  Cephalo- 
thorax. Die  Blattanhänge  der  unteren  Antennen  sind  länglich,  vorn 
abgerundet,  der  Seitenstachel  von  dem  Vorderende  ziemlich  abgerückt. 
Die  dünnen  und  schlanken  Kaufüsse  ragen  fast  mit  dem  ganzen 
letzten  Gliede  über  den  untern  Stiel  hinaus  und  sind  blos  gegen  die 
Spitze  hin  mit,  einigen  Börstchen  besetzt,  sonst  ziemlich  nackt.  Das 
erste  fadenförmige  Fusspaar  besitzt  beiläufig  die  Länge  der  Blatt- 
anhänge, ihr  Carpalglied  ist  bedeutend  länger  als  die  Scheere.  Das 
zweite  ebenfalls  dünne  Fusspaar  ragt  dagegen  mit  der  ganzen 
Scheere  und  dem  Endtheil  des  Carpus  über  das  Vorderende  der 
Blattanhänge  hinaus;  ihr  Carpus  ist  doppelt  länger  als  die  Scheere 


414  Heller. 

das  zylindrische  Handglied  dagegen  nur  wenig  länger  als  die  Finger. 
—  Die  folgenden  Fusspaare  sind  dünn,  fast  nackt,  selbst  am  unteren 
Rande  des  Tarsalgliedes  nur  mit  wenigen  Börstchen  besetzt.  Die 
mittlere  Schwanzplalte  ist  länglich  dreieckig,  schmal,  nach  hinten 
zugespitzt  und  wird  von  den  seitlichen  Plättchen  etwas  überragt. 
Körperlänge  =--  20  Linien. 

Wurde  von  Ida  Pfeiffer  auf  Java  und  Borneo  gesammelt. 

bubgenus  PALAEMON  s.  Str.  Desin. 

M*.  caementarius. 

Diese  von  Popp  ig  in  Wiegmann's  Archiv  für  Naturgeschichte, 
Jahrg.  1836,  I,  S.  143  beschriebene,  aus  Brasilien  stammende  Art 
findet  sich  auch  im  Wiener  Museum  in  mehreren  Exemplaren  vor. 
Sie  stimmt  in  Körperform  und  Grösse  mit  dem  P.  Gaudichaudi 
M.  Edw.  ganz  überein,  nur  fehlt  die  Bezahnung  am  unteren  Rande 
des  Rostrums  vollständig. 

P.  IMattereri  u. 

Taf.  II,  Fig.  36,  37. 

Der  Cephalothorax  dieser  Art  ist  nach  vorn  etwas  verschmäch- 
tigt,  mit  breit  abgerundeter  Rückenfläche.  Das  Rostrurn  entspringt 
mit  einem  Kiel  am  vorderen  Deckel  des  Cephalothorax  und  ist  mit 
der  einfachen  Spitze  gerade  nach  vorne  gerichtet  und  beiläufig  so 
lang  wie  die  Blattanhänge  der  unteren  Antennen.  Am  obern  convexen 
Rande  ist  er  mit  11  — 12  spitzen  Zähnen  besetzt,  die  in  gedrängter 
ununterbrochener  Reihe  hinter  einander  stehen.  Der  untere  Rand 
ist  nach  hinten  ausgebucbtet,  in  der  Vorderhälfte  dagegen  ziemlich 
verbreitert  und  mit  2  —  3  Zähnen  bewaffnet.  Der  obere  Antennenstiel 
ist  kürzer  als  Blattanhang  und  Rostrum,  der  kurze  Endfaden  wenig 
mit  dem  äussern  verschmolzen.  Die  Blattanhänge  sind  vorne  abgerun- 
det, der  Seilenstachel  dem  Vorderende  sehr  genähert.  Die  äusseren 
Kaufüsse  ragen  um  die  Länge  ihres  letzten  Gliedes  über  den  untern 
Antennenstiel  hinaus.  Die  dünnen  Vorderfüsse  sind  etwas  länger  als 
der  Blattanhang.  Das  zweite  Fusspaar  ist  ebenfalls  sehr  verlängert, 
jedoch  auf  beiden  Seiten  ungleich  entwickelt.  Das  Vorderende  ihres 
Brachialgliedes erreichtnieht  ganz  denVorderrand  der  Blattanhänge.  Ihr 
Carpalglied  ist  gegen  das  Ende  hin  konisch  verdickt,  länger  als  das  Bra- 


BeilriijM'  zur  näheren  Kenntoiss  der  Macrouren.  415 

chiulglied,  aber  kürzer  als  das  cylindrische,  walzenförmige  Handglied. 
Die  Finger  sind  dünn,  viel  kürzer  als  die  Palma  und  am  Innenrande 
an  der  Basis  mit  kleinen  Höckerzähnchen  besetzt.  Die  einzelnen 
Glieder  sind  an  ihrer  Oberfläche  durch  kleine  spitze  Erhabenheiten 
rauh.  Die  Längenverhältnisse  der  einzelnen  Glieder  an  dem  grösseren 
Fussesind:  Brachialglied 4",  Carpus  i\'",  Palma  6*8"',  Dactylus  3"8; 
am  kleinen  Fusse:  Brachium  3'",  Carpus  4'",  Palma  4'74,  Dactylus 
3'".  Von  den  drei  hinteren  Fusspaaren  ist  das  dritte  das  längste, 
das  letzte  reicht  vorne  bis  zur  Mitte  des  Blattanhanges.  Die  mittlere 
Schwanzplatte  ist  ziemlich  breit,  hinten  mehr  abgerundet,  mit  kleinem, 
fast  rudimentären  Mitteldorn,  oben  längs  der  Mitte  mit  Andeutung 
einer  Furche.  Körper  länge  21/s  Zoll. 

Wurde  von  Natterer  in  Brasilien  im  Rio  Negro  gefangen. 

JP.  sundaicus  n* 

Taf.  II,  Fig.  38,  39. 

Eine  kleine  Art,  demP.  equidens  Dan.  in  der  Form  des  Rostrums 
verwandt,  doch  durch  die  Gestalt  des  zweiten Fusspaares  verschieden, 
indem  dieses  hier  viel  kürzer  und  schmächtiger  erscheint  und  die 
Länge  des  Fingers  der  Länge  des  Handgliedes  fast  gleichkömmt.  — 
Der  Cephalothorax  ist  nach  vorne  bedeutend  verschmächtigt,  oben  ab- 
gerundet. Das  Rostrum  ist  ziemlich  gerade  nach  vorne  gerichtet  oder  au 
der  Spitze  etwas  aufwärts  gekrümmt,  schwertförmig,  so  lang  wie  die 
Blattanhänge.  Am  obern  fast  geraden  Rande  bemerkt  man  10  — 12 
Zähne,  die  schmal,  spitz,  stark  vorwärts  geneigt  und  in  ununter- 
brochener Reihe  bis  zur  Spitze  hinstehen,  am  untern  erweiterten 
Rande  findet  man  4 — 5  Zähne.  —  Der  obere  Antennenstiel  ist  kürzer 
als  Rostrum  und  Blattanhang,  der  kurze  Endfaden  an  der  Basis  wenig 
verwachsen,  nach  aussen  hin  gezähnt,  beiläufig  von  der  Länge  des 
Stieles.  Der  Seitenstachel  der  vorne  abgerundeten  Blattanhänge  ist 
etwas  abgerückt.  Das  erste  Fusspaar  ragt  beiläufig  um  die  Länge  der 
Scheere  über  den  Blattanhang  hinaus.  Das  zweite  Fusspaar  ist  nur 
wenig  dicker  und  länger  als  das  erste.  Das  gegen  sein  Ende  hin 
etwas  anschwellende  Carpalglied  erscheint  länger  als  das  cylindrische 
Brachialglied,  jedoch  etwas  kürzer  als  die  Scheere,  fast  doppelt 
länger  als  das  Handglied,  welches  leicht  verdeckt,  cylindrich  ist  und 
mit  den  schlanken,  dünnen,  gut  schliessenden  Fingern  eine  gleiche 
Länge  besetzt.  Die  folgenden  Fusspaare  sind  dünn  und  erreichen 

SiUb.  d.  mathein.-uaturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  28 


41  (j  Heller. 

das  Vorderende  der  Blattanhänge  nicht  ganz.   Der  Mitteldorn   der 
hintern  Sehwanzplatte  ist  ziemlich  spitz.  Länge  3  Zoll. 
Wurde  von  Ida  P f e  iffer  auf  Java  gesammelt. 

f*.  idae  11. 

Taf.  II,  Fig.  40,  41. 

Unterscheidet  sich  von  P.  asper  Stirn  p.  durch  die  viel  geringere 
Anzahl  von  Zähnen  am  Rostrum,  so  wie  durch  die  auffallende  Form 
und  Länge  des  Carpalgliedes  am  zweiten  Fusspaare.  Durch  letzteres 
Merkmal  ist  diese  Art  auch  von  den  verwandten  Arten  P.  ornatus  und 
P.  lanceifrons  verschieden.  —  Der  Cephalothorax  ist  ohen  abgerun- 
det, nach  vorne  hin  ziemlich  verschmälert.  Das  Rostrum  entspringt  mit 
einem  vorspringenden  Kiele  etwas  vor  der  Mitte  des  Cephalothorax 
und  ist  ziemlich  gerade  nach  vorn  gerichtet.  Der  obere  Rand  erscheint 
eonvex,  durch  die  Seilenleisten  wird  das  Rostrum  in  eine  obere 
grössere  und  untere  kleinere  Hälfte  getheilt.  Am  obern  Rande  stehen 
in  ununterbrochenerReihe  hinter  einander  10 — 11  Zähnchen,  diezwei 
letzten  am  Cephalothorax  hinter  den  Augen,  das  erste  der  Spitze  sehr 
genähert,  so  dass  diese  fast  zweitheilig  erseheint.  Der  Unterrand  ist 
ebenfalls  convex,  springt  jedoch  weniger  vor  als  der  vordere  und  ist 
in  der  Vorderhälfte  mit  4 — 5  Zähnchen  besetzt.  —  Das  im  Ganzen 
lanzettähnliche  Rostrum  ist  etwas  kürzer  als  der  Blattanhang,  aber  be- 
deutend länger  als  der  obere  Antennenstiel.  Die  äussereAugenhöhlen- 
ecke  ist  breit  abgerundet,  hinter  ihr  folgt  unmittelbar  am  Vorderrande 
des  Cephalothorax  ein  starker  spitzer  Antennal-  und  hinter  diesem 
auf  der  Seitenfläche  ein  kleiner  Hepaticalstachel.  Die  seitliche 
Nathlinie  ist  ziemlich  deutlich.  —  Die  Oberfläche  des  Cephalothorax 
ist  etwas  körnig  rauh. 

Die  Augen  sind  kurz  und  dick.  Am  obern  Antennenstiele 
erseheint  das  erste  Glied  länger  als  die  beiden  folgenden  zusammen. 
Der  kurze  Endfaden  ist  mit  dem  äussern  wenig  verwachsen  und  ragt 
nach  vorne  etwas  über  das  Vorderende  des  Brachialgliedes  am  aus- 
gestreckten zweiten  Fusspaare,  nach  hinten  gelegt  aber  bis  an  die 
Basis  des  Rostrums.  Der  untere  Stiel  ist  kurz,  kaum  so  lang  wie 
das  erste  obere  Stielglied.  Der  Blattanhang  ist  fast  dreimal  länger 
als  breit,  das  Vorderende  schief  von  aussen  abgerundet,  der  Seiten- 
stachel etwas  abgerückt.  Die  äusseren  Kaufüsse  überragen  um  die  Länge 
des  vierten  Gliedes  den  untern  Stiel.  Das  erste  Fusspaar  ist  dünn  und 


Beiträge   zur  näheren  Kenntnis«  iler  Macrouren.  417 

etwas  länger  als  der  Blattanhang.  Das  zweite  Fusspaar  ist  sehr  ver- 
längert, auf  beiden  Seiten  ungleich  entwickelt.  Die  einzelnen  Glieder 
sind  rundlich  walzig,  an  der  Oberfläche  durch  spitze  Körnchen  rauh. 
Das  Carpalglied  zeichnet  sich  vor  allen  anderen  Gliedern  durch  seine 
bedeutende  Länge  (26  Lin.)  aus  und  ist  gegen  sein  Ende  hin  etwas 
verdickt.  Die  Scheere  ist  bedeutend  kürzer  als  der  Caipus  jedoch 
um  das  Doppelte  länger  wie  das  Brachialglied.  Das  länglich  walzen- 
förmige Handglied  erscheint  dünner  als  das  Carpalglied  au  seinem 
Vorderende  und  beträgt  zwei  Drittheile  der  ganzen  Scheerenlänge. 
Die  Finger  sind  dünn,  gerade,  an  der  Spitze  leicht  gekrümmt,  nach 
innen  mit  vorspringendem  dünnen  Hornrand,  ungezähnt  und  behaart. 

Die  drei  folgenden  Fusspaare  sind  bedeutend  kürzer,  jedoch 
überragen  sie  immerhin  den  Blattanhang  etwas.  Ihr  Tarsalglied  ist 
etwas  länger  als  der  Femur,  unten  mit  einigen  Stacheln  besetzt, 
Dactylus  spitzkonisch  mit  lichter  Endklaue  und  längs  des  obern  Ban- 
des behaart.  Die  längliche  dreieckige  Mittelplatte  der  Schwanzflosse 
ist  oben  abgerundet,  mit  zwei  seitlichen  Dörnchenpaaren  bewaffnet 
und  am  Hinterende  mit  einem  Mittel-  und  zweiSeitendörnchen  besetzt, 
dazwischen  mit  zwei  beweglichen  Stacheln. 

Die  Länge  des  Körpers  beträgt  4  Zoll. 

Wurde  von  Ida  Pfeiffer  auf  Borneo  gesammelt. 

M*.  vayus  n. 

Taf.  II,  Fig.  42,  43. 

Diese  Art  ist  in  der  allgemeinen  Körperform  dem  P.  ornatus 
ziemlich  ähnlich,  jedoch  unterscheidet  sie  sich  hievon  auffallend 
durch  die  Gestalt  des  zweiten  Fusspaares.  Bei  P.  ornatus  erscheint 
nämlich  das  Handglied  sehr  verlängert,  fast  noch  einmal  so  lang  wie 
die  dünnen,  grösstentheils  klaffenden  Finger.  In  unserer  Art  dagegen 
haben  Handglied  und  Finger  eine  fast  gleiche  Länge,  ersteres  ist 
walzenförmig,  die  Finger  sind  schlank,  dünn  und  schliessen  fast 
vollständig  ihrer  ganzen  Länge  nach.  Übrigens  sind  sie  beiderseits 
ziemlich  gleichmässig  entwickelt  und  reichen  mit  dem  grössten 
Theile  ihres  Carpalgliedes  über  den  Blattanhang  hinaus.  Die  Ober- 
fläche der  einzelnen  Glieder  ist  mit  spitzen,  kleinen  Bauhigkeiten 
besetzt.  Was  die  übrigen  Fusspaare  anbelangt,  so  ist  das  erste 
Fusspaar  nur  wenig  länger  als  der  Blattanhang,  die  hinteren  verkürzt, 
ziemlich  dick  und  rauh. 

•28* 


418  Heller. 

Der  Cephalothorax  ist  glatt,  das  Rostrum  fast  so  lang  wie  die 
Blattanhänge,  es  entspringt  mit  einem  Kiel  am  vordem  Drittheil  des 
Cephalothorax,  der  obere  leicht  convexe  Rand  ist  mit  8-  -9  gleich- 
weit entfernten  Zähnen  besetzt,  der  erste  Zahn  von  der  Spitze 
ziemlich  abstehend,  am  untern  Rande  findet  man  drei  Zähne.  Der 
obere  Antennenstiel  ist  stets  kürzer  als  das  Rostrum,  der  kurze  End- 
faden ist  nur  wenig  an  der  Basis  mit  dem  äussern  verwachsen. 

Die  Körperlänge  beträgt  41/s  Zoll. 

Wurde  von  Dr.  D oleschal  aus  Amboina  eingesendet. 

P,  equidens, 

Taf.  II,  Fig.  44. 

Die  vorliegenden  aus  Mauritius  stammenden  Exemplare  stimmen 
ziemlich  vollkommen  nach  der  Gestalt  und  Bezahnung  des  Rostrums 
mit  dem  von  Dana  (1.  c.  I.  p.  591  ,  Taf.  39,  Fig.  2)  beschriebenen 
und  abgebildeten  P.  equidens  überein.  Ich  will  hier  nur  einiges  über 
die  Form  der  Scheerenfusspaare  beifügen,  da  den  Exemplaren, 
welche  Dana  zur  Untersuchung  benützte,  das  zweite  Fusspaar 
mangelte.  Es  ist  lang,  ziemlich  gleichmässig  beiderseits  entwickelt 
und  reicht  mit  dem  Vorderende  des  Brachialgliedes  bis  zur  Spitze 
der  Blattanhänge.  Die  einzelnen  Glieder  sind  an  ihrer  Oberfläche  mit 
kleinen  kurzen  Stacheln  besetzt.  Das  bei  11  Linien  lange  Brachialglied 
erscheint  von  cylindrischer  Form ,  das  fast  gleichlange  Carpalglied 
nur  wenig  verdickt  am  Ende.  Das  Handglied  ist  etwas  länger  (14  Lin.), 
walzenförmig,  die  Finger  erscheinen  bedeutend  kürzer  (9  Lin.)  als  die 
Hand,  sie  sind  schlank,  schliessen  ihrer  ganzen  Länge  nach  an  ein- 
ander, besitzen  an  der  Innenseite  an  der  Basis  einige  kleine  Zähnchen, 
in  der  zweiten  Hälfte  aber  einen  kleinen  vorspringenden  Hornrand. 
Der  obere  Rand  des  beweglichen  Fingers  ist  mit  Stachelbörstcheu 
dicht  besetzt. 

Länge  des  Thieres  ==  5  Zoll. 

**.  amazonicus  n. 

Taf.  II,  Fig.  45. 

Ist  die  vicarirende  Form  von  P.  Lamarrei.  Der  Cephalothorax 
dieser  Art  ist  nach  vorne  verschmächtigt,  das  Rostrum  sehr  lang,  es 
überragt  bedeutend  die  Blattanhänge  der  unteren  Antennen,  und  ist 
gegen  sein  verschmälertes  Ende  hin  stark  aufwärts  gekrümmt.  An 


Beiträge  /.uv  näheren  Keoiitniss  iler  Macrouren.  410 

dem  obern  etwas  convexen  Rande  unmittelbar  über  den  Augen  findet 
man  7—8  ziemlich  starke,  gleichweit  von  einander  stehende  Zähne, 
sodann  nach  einem  längeren  Zwischenräume  an  dem  aufwärts  ge- 
krümmten Theile  noch  zwei  oder  drei  Zähne,  wovon  der  letzte  oder 
die  beiden  letzten  der  Spitze  sehr  genähert  sind.  Der  untere  Rand 
ist  nur  wenig  abwärts  erweitert  und  mit  8  —  9  Zähnen  besetzt. 
Der  obere  Antennenstiel  ist  kürzer  als  die  Rlattanhänge,  der  kurze 
Endfaden  nur  wenig  verwachsen.  —  Das  erste  Fusspaar  erreicht  die 
Länge  der  Rlattanhänge,  es  ist  sehr  dünn,  das  Carpalglied  fast  drei- 
mal länger  als  die  kurze,  wenig  behaarte  Scheere.  Das  zweite  Fuss- 
paar ist  ebenfalls  nur  wenig  verdickt,  beiderseits  ziemlich  gleich 
entwickelt  und  mit  dem  letzten  Drittheil  des  Carpalgliedes  über  den 
RIattanhang  hinausragend.  Das  Carpalglied  erscheint  sehr  verlängert, 
bedeutend  länger  als  Rrachialglied  und  Scheere,  letztere  beide  unter 
einander  fast  gleichlang.  Das  Handglied  ist  cylindrisch  und  nur  wenig 
länger  als  die  dünnen  geraden  Finger.  —  Die  mittlere  Schwanz- 
platte ist  schmal  und  läuft  nach  hinten  in  einen  spitzen  Stachel  aus. 
Die  Körperlänge  beträgt  4:%  Zoll. 

Wurde  von  Natter  er  im  Amazonenstrome  gefunden. 

f*.  brasiliensis  n. 

Taf.  II,  Fig.  46. 

Diese  Art  kömmt  ebenfalls  im  Süsswasser  vor,  sie  wurde  von 
Natterer  in  einem  Rache  zu  Camaroes  in  Rrasilien  gefunden.  Sie 
hat  einige  Ähnlichkeit  mit  dem  von  de  Saussure  beschriebenen 
P.  consibrinus,  doch  unterscheidet  sie  sich  von  dieser  Art  durch  die 
geringere  Anzahl  von  Zähnen  am  obern  Rande  des  Rostruins,  dann 
durch  die  verschiedene  Beschaffenheit  des  zweiten  Fusspaaies,  indem 
hier  die  Glieder  bedeutend  dicker  erscheinen,  ferner  das  Handglied 
viel  länger  als  das  Carpalglied  ist.  Übrigens  ist  der  Cephalothor.ix 
nach  vorne  nur  wenig  seitlich  verschmälert,  an  der  Oberfläche  beson- 
ders der  Rranchialgegenden  mit  kleinen,  körnigen  Rauhigkeiten  be- 
setzt. Das  Rostrum  ist  länger  als  der  obere  Antennenstiel,  jedoch 
kaum  so  lang  wie  die  Blattanhänge  der  unteren  Antennen.  Der  obere 
Rand  des  Rostrums  ist  leicht  convex,  mit  8 — 10  fast  gleich  grossen, 
genäherten  Zähnen  besetzt,  die  Spitze  nach  vorne  und  oben  gerichtet, 
unten  dreizähnig.  Die  Blatfanhänge  besitzen  einen  ziemlich  spitzen 
vordem  Seitenstachel,  der  dem  Endrande  genähert  ist.  Das   zweite 


420  Heller. 

Fusspaar  ist  ziemlich  lang,  mit  dem  Brachialgliede  nicht  das  Vorder- 
ende der  Blattanhänge  erreichend,  beiderseits  ungleich.  Die  einzelnen 
Glieder  sind  nicht  sehr  dick,  fast  cylindrisch ,  blos  das  Carpalglied 
gegen  sein  Ende  hin  etwas  anschwellend.  Was  die  Längenverhält- 
nisse der  einzelnen  Glieder  zu  einander  betrifft,  so  ist  das  Carpal- 
glied etwas  länger  als  das  vorhergehende  Brachialglied ,  die  Palma 
dagegen  wieder  bedeutend  länger  als  der  Carpus,  während  die 
schlanken,  dünnen  Finger  nur  die  halbe  Länge  der  Hand  erreichen. 
Die  Oberfläche  aller  Glieder  ist  mit  kurzen,  kleinen  Stachelspitzen 
dicht  besetzt.  Das  fünfte  Fusspaar  reicht  bis  zur  Mitte  des  Blatt- 
anhanges. Die  Mittelplatte  der  Schwanzflosse  endigt  nach  hinten 
in  eine  dreieckige  Spitze.  Körperläuge  =  2  Zoll. 

JP.  Desausuri  n. 

Taf.  II,  Fig.  47. 

Von  P.  aztecus  unterscheidet  sich  diese  Art  durch  das  fast 
nackte  zweite  Fusspaar,  dessen  Carpalglied  nicht  die  Blattanhänge  über- 
ragt und  nicht  dreimal  sondern  höchstens  doppelt  kürzer  ist  als  die 
Scheere.  Der  Cephalothorax  ist  ziemlich  compress,  nach  vorne  etwas 
verschmächtigt,  das  Rostrum  stets  kürzer  als  die  Blattanhänge,  so 
lang  oder  selbst  etwas  kürzer  als  der  obere  Antennenstiel,  am  obern 
convexen  Rande  mit  13 — 14  kleinen,  spitzen,  in  dichter  Reihe  auf 
einander  folgenden  Zähnen  besetzt,  die  Spitze  fast  gerade  nach  vorne 
gewendet.  Der  untere  Rand  des  Rostrums  ist  nach  hinten  ausge- 
buchtet, in  der  vordem  Hälfte  abwärts  erweitert  und  mit  3  —  4 
spitzen  Zähnchen  bewaffnet.  Die  Blattanhänge  sind  nach  vorne  regel- 
mässig abgerundet,  der  Seitenstachel  der  Spitze  sehr  genähert.  — 
Das  dünne  erste  Fusspaar  ragt  mit  der  Scheere  über  das  Vorderende 
des  Blattanhanges  hinaus.  Das  zweite  Fusspaar  ist  zwar  etwas  dicker, 
jedoch  kaum  länger  als  das  erste  und  ist  beiderseits  ziemlich  gleich 
entwickelt.  Carpus  und  Brachium  sind  fast  gleich  lang  (2  Lin.).  Die 
ganze  Scheere  misst  dagegen  4"'2,  wovon  l^S  auf  das  cylindiische 
Haudglied  kommen,  so  dass  es  von  den  schlanken,  geraden  Fingern 
noch  etwas  an  Länge  übertroffen  wird.  Das  letzte  Fusspaar  ragt  bis 
zur  Mitte  des  Blattanhanges.  Die  Mittelplatte  der  Schwanzflosse  ist 
nach  hinten  spitz  dreieckig.   Die  Körperlänge  beträgt  2  Zoll. 

Wurde  in  Neu-Granada  von  Natter  er  gesammelt. 


Beitrüge  zur  näheren  Kenntniss  der  Macrouren.  421 

f.  javanicus  n. 

Taf.  II,  Fis.  48. 

Diese  Art  hat  die  meiste  Verwandtschaft  mit  P.  grandimanus 
Dana.  Doch  ist  bei  der  letztern  Art  das  Wandglied  der  grössern 
Seheere  viel  mehr  verdickt  und  schon  von  der  Basis  an  mit  Haaren 
dicht  besetzt,  während  hier  dieses  Glied  an  der  Basis  fast  ganz  nackt 
bleibt  und  erst  gegen  das  Ende  hin  und  an  den  Fingern  stärker 
behaart  erscheint.  Das  Roslrum  entspringt  etwas  vor  der  Mitte  des 
Cepbalothoraxmit  einem  ziemlich  vorspringenden  Kiele.  An  demobern 
convexen  Rande  zählt  man  zehn,  ziemlich  gleich  weit  von  einander 
entfernte  Zahne,  wovon  die  drei  hintersten  noch  am  Cephalothoiax 
stehen,  der  erste  aber  der  Spitze  sehr  genähert  ist.  Am  untern,  nach 
hinten  ausgeschweiften,  nach  vorne  abwärts  erweiterten  Rande  findet 
man  vier  Zäline.  Die  Form  des  Rostrums  ist  im  Allgemeinen  lanzett- 
ähnlich; es  ragt  nach  vorneüber  den  ohern  Antennenstiel  etwas  hinaus, 
ohne  jedoch  das  Ende  der  Blattanhänge  ganz  zu  erreichen.  —  Das 
erste Fusspaar  ist  etwas  länger  als  die  Blattanhänge.  Das  zweite  Fuss- 
paar  ist  sehr  verlängert  und  stark,  ungleich  beiderseiis.Das  cylindrisebe 
Brachialglied  ist  etwas  kürzer  als  das  Carpalglied,  letzteres  länglich 
konisch,  beide  an  ihrer  Oberfläche  mit  kleinen  spitzen  Stacheln 
ringsum  besetzt.  Der  Carpus  erscheint  fast  um  die  Hälfte  kürzer 
wie  die  Seheere  und  ist  fast  gleich  lang  mit  dem  Handgliede,  welches 
nach  vorne  hin  ziemlich  verdickt  und  zugleich  von  oben  etwas  abge- 
plattet ist.  Die  Finger  sind  um  ein  Viertheil  kürzer  als  die  Hand. 
Letztere  ist  in  der  ersten  Hälfte  blos  durch  kleine  Stachelspitzen 
etwas  rauh,  gegen  das  Ende  hin  so  wie  an  den  Fingern  mit  Haaren 
dicht  besetzt.  Die  Finger  klaffen  blos  an  ihrer  Basis  etwas  und  sind 
hier  am  Innenrande  mit  4 — 5  stumpfen  Zähnen  besetzt.  Der  kürzere 
Fuss  reicht  beiläufig  bis  zur  Mitte  des  Handgliedes  vom  vorigen  und 
zeigt  fast  dieselben  Längenverhältnisse  der  einzelnen  Glieder,  nur 
ist  der  Carpus  etwas  kürzer  als  das  Handglied,  welches  mit  den 
Fingern  fast  gleiche  Länge  besitzt.  Finger  dünn,  ziemlich  klaffend, 
die  einzelnen  Glieder  rauh,  sparsam  behaart.  Die  folgenden  Fuss- 
paare  von  der  Länge  des  Blattanhangs.  Die  mittlere  Schwanzplatte, 
viel  kürzer  als  die  seitlichen  Flossenblätter,  ist  oben  abgerundet 
und  mit  vier  Dörnchenpaaren  besetzt.  Die  Körperlänge  beträgt  3  Zoll. 

Fundort:  Java. 


422 


Helle 


P.  niloticus. 

Unter  diesem  Namen  bezeichnet  Roux  in  dem  schon  oben 
bezeichneten  Briefe  an  Baron  Fernssac  (Annal.  des  sciences  natur. 
Tom.  28,  p.  72)  einen  neuen  Palämon  aus  dem  Nil  und  bildet 
diese  Art  auf  Taf.  7,  Fig.  2  ab,  ohne  jedoch  eine  Beschreibung 
beizufügen.  Nachdem  nun  zahlreiche  Exemplare  dieser  Art,  von 
Daningerim  weissen  Nil  gesammelt,  im  hiesigen  zoologischen 
Museum  sich  vorfinden,  so  hin  ich  in  denStand  gesetzt,  eineBeschrei- 
bung  derselben  hier  geben  zu  können. 

Der  Cephalothorax  ist  platt,  nach  vorne  ziemlich  verschmächtigts 
am  Vorderrande  mit  einem  spitzen  Antennal-  und  auf  der  Seitenfläche 
mit  deutlichem  Hepaticalstachel  besetzt.  Das  Rostrum  entspringt  un- 
mittelbar hinter  den  Augen  mit  hoher  Crista  am  Cephalothorax,  ist  so 
lang  oder  wenig  länger  als  der  Blattanhang,  jedoch  viel  länger  als 
der  ohere  Antennenstiel.  Am  obern  stark  convex  gebogenen  Rande 
bemerkt  man  9 — 13  kleine,  schmale,  nach  vorne  gebogene,  spitze 
Zähne,  unter  denen  der  letzte  hinter  den  Augen,  der  erste  aber  von 
der  Spitze  noch  ziemlich  entfernt  steht.  Am  untern  leicht  vorge- 
wölbten Rande  findet  man  blos  zwei,  zwischen  Haaren  versteckte 
Zähne.  Die  Form  des  Rostrums  ist  lanzettlich,  die  Spitze  einfach, 
vorwärts  gerichtet.  Die  Augen  sind  kurz  und  dick.  —  Der  kurze 
Endfaden  an  den  oberen  Antennen  ist  zu  einem  Drittheil  mit  dem 
äussern  verwachsen,  kurz  und  erreicht  kaum  den  Vorderrand  des 
Cephalothorax. — Der  untere  Antennenstiel  besitzt  die  Länge  des  ersten 
obern  Stielgliedes,  der  Blattanhang  ist  vorne  schief  abgerundet,  mit 
kleinem  etwas  abgerückten  Seitenstachel.  Die  äusseren  Maxillarfüsse 
sind  dünn.  Das  erste  Fusspaar  ist  wenig  länger  als  der  Blattanhang. 
Das  zweite  Fusspaar  erscheint  ebenfalls  sehr  schlank,  jedoch  etwas  stär- 
ker als  das  vorige  und  auch  länger,  indem  es  mit  dem  Endtheil  des 
Carpalgliedes  und  mit  der  ganzen  Scheere  über  den  Vorderrand  der 
Blattanhänge  hinausragt  Die  einzelnen  Glieder  sind  glatt,  fast  cylin- 
drisch,  das  Carpalglied  am  Ende  leicht  verdeckt.  Letzteres  ist  nur 
wenig  (Ve)  länger  als  die  Scheere.  Das  Handglied  ist  länglich  und 
besitzt  mit  den  geraden,  dünnen  Fingern  fast  dieselbe  Länge  oder 
ist  unmerklich  länger.  Die  folgenden  Fusspaare  sind  ebenfalls  nackt, 
das  Tarsalglied  bedeutend  verlängert,  unten  mit  einzelnen  Stacheln 
versehen;  Klauenglied  spitzkonisch.    Die  Mittelplatte  der  Schwanz- 


beitrage  zur  näheren  Renntniss  der  Macrouren.  4-2 «J 

flösse  ist  kürzer  als  die  seitlichen  Flossenblätter,    nach  hinten  stark 
verschmälert.  Die  Körperlänge  beträgt  bei  2  Zoll. 

Penaeus  Fab. 

f*.  membranaceus. 

Taf.  II,  Fig.  49. 

Die  Beschreibung  dieser  Art  in  M  ilne  Edwards'  bist.  nat.  des 
Crust.  t.  II.  p.  4 1 7  weicht  von  jener  R  i  s  s  o  's  auffallend  ab.  Letzterer  gibt 
als  Kennzeichen  ein  verlängertes  Rostrum  an,  während  M.  Edwards 
im  Gegentheil  hervorhebt ,  dass  das  Rostrum  dieser  Art  nicht  ein- 
mal die  Länge  der  Augen  erreicht.  Es  passt  überhaupt  die  Beschrei- 
bung M.  Edwards'  vielmehr  auf  eine  andere,  auch  im  mittelländischen 
Meere  vorkommende  Art,  die  sich  durch  ein  kurzes  Rostrum  und 
durch  eine  ganz  eigenthümliche  Beschaffenheit  der  oberen  Antennen- 
borsten auszeichnet  und  mit  Sole no ccr a  Philip pii  Lucas  identisch  ist. 
—  Ich  halte  es  aus  diesem  Grunde  nicht  für  überflüssig,  sowohl  von 
dem  P.  membranaceus  als  auch  von  P.  foliaceus  hier  eine  genauere 
Beschreibung  beizufügen,  um  diese  beiden  Arten  R  i  s  s  o's  besser  von 
einander  unterscheiden  zu  können. 

Bei  P.  membranaceus  ist  das  Rostrum  ziemlich  schmächtig, 
bedeutend  länger  als  die  Augen,  indem  es  mit  der  leicht  aufwärts 
gekrümmten  Spitze  bis  an's  Vordeiende  der  Blattanhänge  hinreicht. 
Von  seinem  Hinterende  verläuft  längs  der  Mitte  des  Cephalothorax 
bis  zum  Hinterrande  ein  ziemlich  scharfer  Kiel.  Am  oberen  Rande 
des  Rostrums  findet  man  7 — 10  kleine  spitze  Zähne,  hiervon  steht 
der  hinterste  von  den  übrigen  ziemlich  weit  abgerückt  am  Cephalo- 
thorax, der  eiste  ist  von  der  Endspitze  ebenfalls  ziemlich  entfernt. 
Der  untere  Rand  ist  ganz  unbewaffnet,  nach  hinten  behaart,  nach 
vorne  hin  nackt.  Der  Cephalothorax  ist  compress,  nach  vorne  am 
Rande  mit  einem  spitzen  gekielten  Antennalstachel,  hinter  ihm  auf 
der  Seitenfläche  mit  einem  Hepaticalstachel,  sowie  vor  diesem  in  der 
Nähe  der  abgerundeten  Seitenecke  mit  einem  Branchiostegalstachel 
bewaffnet.  Ein  kleines  Präorbitalzäbnchen  ist  nur  angedeutet.  — 
Die  Augen  sind  kurz  und  dick.  Der  obere  Antennenstiel  erreicht 
fast  die  Länge  des  Rostrums.  Sein  erstes  Glied  ist  so  lang,  wie  die 
beiden  folgenden  Glieder  zusammen.  Der  innere  lamellöse  Anhang 
überragt  nicht  die  Augen.  Von  den  beiden  Endfäden  ist  der  innere 

Sitzb.  d.  mathein. -naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  29 


424  Heller. 

länger  als  der  äussere,  jener  borstenförmig  fast  von  der  Länge  des 
Cephalothorax,  dieser  anfangs  dick  und  gegen  das  Ende  hin  plötz- 
lich verdünnt.  Der  untere  Antennenstachel  ist  nur  halb  so  lang,  wie 
das  erste  obere  Stielglied.  Der  Blattanhang  erscheint  länglich,  mit 
geradem  äusseren  und  convexem  innern  Rande,  der  Vorderrand  fast 
abgestutzt,  der  Seitenstachel  genähert.  Das  erste  Fusspaar  ist  kürzer, 
als  der  untere  Antennenstiel,  das  zweite  reicht  darüber  etwas  hinaus, 
das  dritte  geht  bis  zum  Vorderende  des  zweiten  oberen  Stielgliedes. 

Das  4.,  5.  und  6.  Abdominalsegment  ist  in   der  Mitte   scharf 
gekielt.    Das  sechste  Segment  ist  so  lang,    wie  die  Mittelplatte   der 
Schwanzflosse.  Jene  läuft  nach  hinten  in  eine  dreieckige  Spitze  aus 
und  ist  längs  der  Mitte  gefurcht. 

Länge  4*/a  Zoll.  —  Fundort:  Mittelmeer. 

J*.  foliaceus» 

Taf.  II.  Fig.  50. 

Diese  Art  unterscheidet  sich  von  der  vorigen  hauptsächlich 
durch  das  längere,  an  der  Basis  über  den  Augen  ziemlich  hohe, 
nach  vorne  hin  stark  verschmälerte  Rostium,  das  über  die  Blatt- 
anhänge weit  hinausragt  und  auch  den  Cephalothorax  an  Länge 
übertrifft.  Am  obern  Rande  findet  man  9  —  10  Zähne,  der  untere 
Rand  ist  unbewaffnet.  Von  den  oberen  Zähnen  stehen  die  5  —  6  hin- 
tersten auf  dem  convex  vorspringenden  Rande,  der  letzte  noch  am 
Cephalothorax,  jedoch  nicht  so  weit  entfernt  von  den  übrigen,  wie 
bei  der  vorigen  Art.  Die  übrigen  3 — 4  Zähne  folgen  in  grösseren 
Zwischenräumen  nach  vorne  aufeinander  und  werden  zugleich  kleiner. 
Der  Cephalothorax  ist  nicht  seiner  ganzen  Länge  nach,  sondern  blos 
von  der  Mitte  an  stumpf  gekielt.  Antennal-,  Branchiostegal-  und  Hepa- 
ticalstachel  verhalten  sich  wie  in  voriger  Art.  —  Die  oberen  Anten- 
nenstiele sind  bedeutend  kürzer  als  die  Blattanhänge  der  unteren 
Antennen,  die  innere  Lamelle  länger  als  die  Augen.  —  Das  dritte  Fuss- 
paar reicht  hier  bis  an's  Ende  der  Blattanhänge.  Das  4.,  5.,  6.  Abdo- 
minalsegment erscheint  längs  der  Mitte  gekielt;  die  mittlere 
Schwanzplatte  ist  etwas  kürzer  als  die  seitlichen  Flossenblätter  und 
geht  nach  hinten  in  eine  lange  scharfe  Spitze  aus,  oben  ist  sie  längs- 
gefurcht, seitlich  mit  zwei  Dörnchenpaaren  besetzt,  ein  drittes  folgt 
nach  hinten  an  der  Basis  der  mittleren  Endspitze.  Körperlän^e 
—  41/-  Zoll.   Vorkommen  im  Mittelmeer. 


Beitrügt-  nur  näheren  Kenntnis»  der  Macrouren.  4-25 

f*.  üroyeri  n. 

Taf.  II,  Fig.  81. 

Das  an  der  Basis  über  den  Augen  etwas  vorspringende ,  nach 
vorne  hin  stark  verdünnte,  fast  pfriemfürmige  und  aufwärts 
gekrümmte  Rostrum  ist  besonders  charakteristisch  für  diese  Art.  Es 
entspringt  mit  einem  aufsteigenden  Kiele  im  vorderen  Drittel  des 
Cephalothorax  und  ragt  mit  der  einfachen,  dünnen  Spitze  weit  über 
die  Blattanhänge  hinaus.  Am  untern  Rande  ist  es  nach  hinten  stark 
ausgeschweift  und  seiner  ganzen  Länge  nach  unbewaffnet.  Am  obern 
Rande  ist  es  nur  in  der  hintern  Hälfte  an  dem  convex  vorspringen- 
den Theile  mit  6  Zähnchen  besetzt,  der  letzte  etwas  abgerundet  am 
Cephalothorax,  in  der  vordem  Hälfte  ganz  zahnlos.  —  Der  obere 
Antennenstiel  besitzt  die  Länge  des  Blattanhanges  der  unteren 
Antennen,  die  Lamelle  des  1.  Stielgliedes  ist  kürzer  als  die  Augen, 
die  beiden  Endfäden  sind  etwas  länger  als  der  Stiel,  der  äussere 
Faden  ist  an  der  Basis  verdickt.  —  Die  mittlere  Platte  der  Schwanz- 
flosse ist  nur  wenig  länger,  als  das  6.  Abdominalsegment,  nach 
rückwärts  in  eine  einfache  Spitze  geendigt,  oben  mit  schwacher 
Furche  in  der  Mitte.  —  Die  Körperlänge  beträgt  3*/2  Zoll.  — 
Stammt  aus  Rio  Janeiro  und  wurde  von  Kroyer  dem  hiesigen 
Museum  übergeben. 


Erklärung  der  Abbildungen. 


Tafel  I. 

Fig.     i.  Polycheles  typhlops.  Ein  Männchen  von  der  Rückenseite. 
„       2.  Äusserer  Maxillarfuss  desselben. 
„       3.  Zweiter  ..  „ 

„       4.  Erster 
„       5.  Äussere  Maxille. 
„       6.  Mandibel. 

„       7.  Pterocaris  typica.  Ein  Weibchen  von  der  Rückenseite. 
„       8.  Dasselbe  von  der  Bauchseite. 
„       9.  Äusserer  Maxillarfuss. 

„  10.  Zweiter  „ 

„  11.  Erster  „ 

„  12.  Äussere  Maxille. 


426  Heller.   Beiträge   zur  näheren  Keniitniss  der  Macroui  en. 

Fig.  13.  Mandibel. 

„  14.  Erstes  Fusspaar. 

„  15.  Zweites        „ 

„  16.  Drittes         „ 

„  17.  Zweiter  Abdominalfuss. 

„  18.  Schwanzflosse. 

„  19.    Virbius  gracilis.  Vergrössert. 

„  20.  Mandibel  dieser  Art. 

„  21.  Alpheus  platyrhynchus.  Ansicht  von  oben. 

„  22.  Grössere  Scheere  am  ersten  Fusspaar. 

„  23.  Zweites  Fusspaar. 

„  24.  Drittes         „ 

„  23.  Alpheus  laevimanus.  Ansicht  von  oben. 

„  26.        „  „  Grössere  Scheere  am  ersten  Fusspaar. 

„  27.        „  „  Zweites  Fusspaar. 

„  28.  Arete  Diocletiana.  Ansicht  von  oben. 

„  29.      „  „  Seitenansicht. 

„  30.      „  „  Erstes  Fusspaar. 

»  Ol.  -■  „  »  » 

„  32.      „  „  Zweites 

„  33.      „  „  Mandibel. 


Tafel  II. 


Fig.  34.  Pelias  scriptus.  Seitenansicht. 
„     35.       „      migratorius- 
„     36.  Palaemon  Nattereri.  Rostrum. 


37. 

„ 

„          Zweites  Fusspaar. 

38. 

j> 

sundaicus.  Rostrum. 

39. 

» 

„           Zweites  Fusspaar, 

40. 

„ 

Idae.  Rostrum. 

41. 

» 

„      Zweites  Fusspaar. 

42. 

„ 

vagus.  Rostrum. 

43. 

„ 

„       Zweites  Fusspaar. 

44. 

99 

equidens.    „              „ 

45. 

» 

amazonicus. 

46. 

)» 

brasiliensis. 

47. 

„ 

Desansuri. 

48. 

„ 

javanicus. 

49.  Penaeus  membranaceus. 

50.  „        foliaceus. 

51.  „         Kroyeri. 


Taf  I 


mann.  Ans  der  kTcEof-Ti.  Staat 

Sitzmi£sb.a.k.JÜfaia:\VTmatli.naturw.  Cl.XL     M.I.AMh.  1862. 


neuer  Beilage  zur  nahem  Kemfani  3a  Mao 


Tal'  II 


-Aus  aerttH.if-u  Stjat«arucbTei. 


Sitzimjjsli.d  k  Akad.d  Vrniathiiaüirw  (|.  XL       Bd.IAlrth.1862. 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH  -NATURWISSENSCHAFTLICHE  CLASSE. 


xlv.  band. 


ERSTE  ABTHEILUNG. 


Enthält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Botanik, 
Zoologie,  Anatomie,  Geologie  und  Paläontologie. 


30 


427 


X.    SITZUNG  VOM  3.  APRIL   1862. 


Das  k.  k.  Staats-Ministerium  übermittelt  mit  Note  vom  22.  März 
I.  J.,  Z.  y^-.  eine  von  der  oberösterreichischen  Landes-Baudirec- 
tion  zusammengestellte  Tabelle,  enthaltend  die  höchsten  Wasser- 
stände an  den  vorzüglichsten  schiffbaren  Flüssen  in  Oberösterreich 
von  den  Jahren  1572  bis  inclusive  1862. 

Diese  schätzbare  Mittheilung  wird  in  die  Sitzungsberichte  auf- 
genommen. 

Herr  Hofrath  W.  Haidinger  richtet  ein  Schreiben  an  den 
Generalsecretär  in  Angelegenheit  der  Beobachtungen  des  Herrn 
Abbe  Richard  hinsichtlich  des  unterirdischen  Laufes  der  Recca. 

Das  c.  M.,  Herr  Prof.  Dr.  Th.  Wert  heim  in  Gratz,  übersen- 
det eine  Abhandlung:  „Beiträge  zur  Kenntniss  des  Coniins". 

Herr  Eng.  Matzenauer,  k.  k.  Telegraphen -Inspector  in 
Wien,  übermittelt  ein  versiegeltes  Schreiben  mit  dem  Ersuchen  um 
Aufbewahrung  zur  Sicherung  seiner  Priorität. 

Herr  Prof.  C.  Ludwig  legt  eine  Mittheilung  von  Herrn 
Eckhard  in  Giessen  vor:  „Über  Erection  des  Penis". 

Herr  Prof.  E.  Brücke  übergibt  eine  Notiz  „über  die  laryngo- 
skopischen Photographien  und  über  das  Mikrostereoskop"  von  dem 
c.  M.,  Herrn  Prof.  Dr.  J.  Czermak  in  Prag. 

Herr  Dr.  E.  Mach  macht  eine  Mittheilung  über  die  Theorie 
der  Pulswellenzeichner. 

Herr  Dr.  G.  Tschermak  legt  eine  Abhandlung  vor  „über  die 
Dichte  im  Verhältnisse  zur  Krystallform  und  chemischen  Beschaf- 
fenheit". 

30» 


428 

Herr  Friedrich  Kammer  er  spricht  über  Licht-Intensitäts- 
Curven  auf  krummen  Flächen. 

Herr  Prof.  Dr.  F.  C.Schneider  überreicht  die  Analysen 
einiger  Mineralquellen  Österreichs. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt : 

Akademie    der    Wissenschaften,    königl.    bayer.,     zu    München, 

Sitzungsberichte.  1861.  II.  Heft  2.  München,  1861;  8»- 
Annalen  der  Chemie  und  Pharmacie,  herausgegeben  von  Friedr. 
Wo  hier,   J.  Li  eh  ig   und    Herrn.   Kopp.    N.  R.    Band  XLV, 
Heft  2.  Leipzig  und  Heidelberg,  1862;  So- 
Astronomische     Nachrichten,     Nr.     1353    —     1354.     Altona, 

1862;    4°- 
Anst ria,  XIV.  Jahrgang,  XII.  &  XIII.  Heft.  Wien,  1862;  8<>- 
Barrande,  Joachim,  Defense  des  colonies  II.  Jncompatibilite  entre 
le    systeme   des   plis  et  la  realite  des  faits  materiels.  Prague 
&  Paris,  1862;  8«- 
Bern,   Universität,    Akademische   Gelegenheitsschriften    aus   dem 

Jahre  1861.  Bern,  Bellinzona,  Chur,  Thun;  4<>-  &  8°- 
Bibliotheque    Universelle    de   Geneve.    Archives    des    sciences 
physiques  et  naturelles.  Nouvelle  Periode.  Tome  XIII,  No.  49. 
Geneve,  Lausanne  &  Neuchatel,  1862;  80- 
Bonn,    Universität,    Akademische    Gelegenheitsschriften    für    das 

Jahr  1861.   Bonn;  4«-  &  8<>- 
Clausius,  R.,  Über  die  Anwendung  des  Satzes  von  der  Äquiva- 
lenz der  Verwandlungen  auf  die  innere  Arbeit.  (Vorgetragen 
in  der  Züricher  Naturf.-Gesellschaft  am  27.  Jänner  1862.)  8°- 
Comptes    rendus    des    seances    de    TAcadeinie    des    sciences. 

Tome  LIV,  No.  8  &  9.  Paris,  1862;  4"- 
Cosmos,    XIe    Armee,  20e  Volume,   12e  &   13e  Livraison.    Paris, 

1862;  8«- 
Cotta,  Bernhard  von,  und  Edm.  v.  Fellenberg,  die  Erzlager- 
stätten Ungarns  und  Siebenbürgens.  Mit  22  in  den  Text  ein- 
gedruckten Holzschnitten.  (Separat-Abdruck  aus  „Gangstudien". 
IV.  Band.)  Freiberg,  1862;  So- 
Gesellschaft,  Deutsche  geologische,  Zeitschrift.  XIII.  Band. 
2.  &  3.  Heft.  Berlin,  1861;  8<>- 


4  20 

Gesellschaft,  der  Wissenschaften,  Königl.  zu  Göttingen,  Göttin- 
gische  gelehrte  Anzeigen.  I.  --  III.  Band  auf  das  Jahr  1861. 
Göttingen;  8°  —  Nachrichten  von  der  Georg  -  Augusts- 
Universität.  Vom  Jahre  1861.  No.  1  —  22.  Nebst  Register. 
Göttingen;   8°- 

—  natu r historische,  zu  Nürnberg,  Abhandlungen.  II.  Band.  Nürn- 
berg, 1861 ;  8°- 

Grunert,   Johann    August,    Archiv    der   Mathematik    und    Physik. 

XXXVII.  Theil,  4.  Heft.  Greifswald,  1861;  S« 
Hippokrates,  Zeitschrift  für  die  medicinischen  Wissenschaften  in 

Athen.  Redigirt  von  Dr.  Kalliburces.  I.  Band,  2.  Heft.  Athen, 

1862;  4«- 
Kummer,  E.  E.,  Zwei  neue  Beweise  der  allgemeinen  Reciprocitäts- 

Gesetze  unter  den  Besten  und  Nichtigsten  der  Potenzen,  deren 

Grad  eine  Primzahl  ist.  (Aus  den  Abhandlungen  der  k.  Akad. 

d.  Wiss.  zu  Berlin,  1861.)  Berlin,  1862;4<>- 
Land-  und  forstwirtschaftliche  Zeitung,  XII.  Jahrg.  Nr.  9  &  10. 

Wien,  1862:   kl.  4«- 
Lotos.  Zeitschrift  für  Naturwissenschaften,  XII.  Jahrgang,  Februar 

&  März   1862.   Prag;  So- 
Museum  Francisco-Carolinum  in  Linz,  21.  Bericht.  Linz,  1861 ;  8°- 
Review,  The  Natural  History  — :  A  Quarterly  Journal  of  Biologicae 

Science.  Nr.  5.  January,  1862.  London;  8°- 
Societe    de   sciences    naturelles   de  Neuchatel,    Memoires.  Tome 

I  —  IV.  Neuchatel,  1835,  1839,   1845  &  1859;  4«-  —  Bulletin. 

Tome  II  —  V.  1847  ä  1861.  Neuchatel;  So- 
Society,  The  Chemical — ,  Quarterly  Journal.  Vol.  XV.  3;  Nr.  LV. 

October,    1861;    Vol.    XVI,    4,    No.    LVI.    January,    1862. 

London;    8°- 

—  The  Royal  Geographical — ,  of  London,   Proceedings.   Vol.  VI, 
Nr.  1.  London,  1862;  8o 

Verein,  nafurhistorischer,  der  preuss.  Rheinlande  und  West- 
phalens,  Verhandlungen.  XVIII.  Jahrgang,  1.  &  2.  Hälfte.  Bonn, 
1861;  8o- 

—  Siebenbürgischer,  Museum  — ,   zu  Klausenburg,   Jahrbücher, 
I.  Band.  Kolozsvärtt,  1861;  4»- 

Wiener  medicinische  Wochenschrift,  XII.  Jahrgang.  Nr.  12  &13. 
Wien.   1862:  4"- 


430 

Wochen-Blatt  der  k.  k.  steierm.  Landwirthschafts- Gesellschaft, 

XI.  Jahrg.  Nr.  11.  Gratz,  1862;  4<>- 
Zeitschrift  des  österr.  Ingenieur-Vereines,  XIV.  Jahrgang,  I. & II. 

Heft.  Wien,  1862;  4<>- 
—  für  Chemie  und  Pharmacie,  IV.  Jahrgang,  Heft  22  —  24.    Von 

E.  Erlenmayer  u.  G.  Lewinstein.  Erlangen,  1861;  8°; 

V.  Jahrgang,  3.  &  5.  Heft.  Von  E.  Erlenmayer.  Heidelberg, 

1862;  8o- 


Zirkel.    Versuch  einer  Monographie  des  Bournonit.  4-»> 


Versuch    einer    Monographie     des    Bournonil. 
Von  Dr.  Ferdinand  Zirkel  ;his  Bonn. 

(Mit   7  Tafeln.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  13.  März  1862.) 

Eines  derjenigen  Mineralien,  welche  wegen  des  Reichthums 
ihrer  Gestalten  das  Interesse  des  Forschers  im  hohen  Grade  in 
Anspruch  zu  nehmen  vermögen,  über  deren  krystallographische 
Verhältnisse  aber  weder  eine  vergleichende  Übersicht  der  bisher 
gewonnenen  Resultate,  noch  neue  Untersuchungen  angestellt  worden 
sind,  ist  der  Rournonit.  Wenn  es  daher  einerseits  nahe  lag,  die 
bisher  über  die  Rournonitkrystalle  gemachten  und  in  mehrere  Werke 
zerstreuten  Reobachtungen  zu  sammeln,  und  durch  eigene  Untersu- 
chungen unsere  Kenntniss  dieses  Minerals  zu  erweitern,  so  schien  es 
andererseits  nicht  unangemessen,  mit  der  Darstellung  jener  Ergeb- 
nisse zugleich  eine  Reschreibung  alles  dessen  zu  verbinden,  was  die 
Charakteristik  eines  Minerals  vervollständigt,  seiner  chemischen  Zu- 
sammensetzung, seiner  physikalischen  Verhältnisse,  seines  Vorkom- 
mens u.  s.  w. 

Durch  die  dankenswerthe  Güte  des  Directors  des  k.  k.  Hof- 
Mineraliencabinets,  Herrn  Dr.  Moriz  Hörnes  ward  mir  die 
Erlaubniss  zu  Theil,  das  überreiche  Material  dieser  Sammlung 
benützen  zu  dürfen.  Insbesondere  gedenke  ich  auch  hier  des  Herrn 
Dr.  Albrecht  Seh  rauf,  Assistenten  am  k.  k.  Hof-Mineralieu- 
Cabinet,  welcher  auf  die  zuvorkommendste  Weise  mich  unterstützte 
und  zu  grossem  Danke  verpflichtete. 

Der  Rournonit  wurde  zuerst  auf  der  Grube  Huel  Roys,  zu  dem 
Kirchspiel  Endellion  in  Cornwall  gehörend,  aufgefunden  und  Graf 
Rournon  erstattete  darüber  am  22.  December  1803  der  königlichen 
Gesellschaft  zu  London  einen  Rericht,  welcher  in  den  Philosophical 
Transactions  vom  Jahre  1804  (pag.  30)  abgedruckt  ist;  für  das 
Mineral  wird  dort  von  ihm  der  Name  Endellionit  in  Vorschlag  gebracht. 


432  Zirkel. 

Bournon  ist  indess  nicht,  wie  man  allgemein  annimmt,  der- 
jenige, welcher  das  Mineral  zuerst  erwähnt.  Philip  Rashleigh 
von  Menabilly  in  Cornwall  gibt  in  einem  Buche  „Specimens  of  bri- 
tish minerals,  selected  from  the  cabinet  of  Philip  Rashleigh  Esq. 
F.  R.  S.  etc.  Part.  I,  pag.  34,  Plate  XIX"  die  erste  Beschreibung  und 
Abbildung1). 

In  demselben  Jahre  1804  lehrte  Charles  Hatchett  seine 
Zusammensetzung  kennen  und  gab  ihm  zu  Ehren  Bournon's  den 
Namen  Bournonit.  Jameson3)  führt  das  Mineral  schon  unter  der 
Bezeichnung  „Axifrangible  antimony  glance  or  Bournonite"  auf. 
Thomson  beschreibt  in  seinem  System  de  chimie  (1809.  tom.  VII, 
pag.  455)  das  neuentdeckte  Mineral  ebenfalls  unter  dem  Namen 
Bournonite. 

Haüy8)  betrachtete  merkwürdiger  Weise  ohne  Rücksicht  auf 
die  schon  von  Bournon  mitgetheilten  Krystallfiguren  den  Bourno- 
nit als  eine  blei-  und  kupferhaltige  Varietät  des  Antimonglanzes 
(Antimoine  sulfure  plombo-cuprifere) ;  die  Grundformen  beider 
Mineralien  sind  zwar  einander  ziemlich  ähnlich,  Habitus  und  Spalt- 
barkeit dagegen  vollständig  von  einander  abweichend,  auch  erlauben 
die  grossen  Unterschiede  in  chemischer  Zusammensetzung  und  spe- 
cifischem  Gewicht  keine  Vereinigung. 

Werner4)  nannte  das  Mineral  Schwarzspiessglanz,  Klap- 
roth5)  und  Hausmann6)  Spiessglanzbleierz  und  Bleifahlerz. 

Mobs7)  gab  dem  Bournonit  den  Namen  diprismatischer 
Dystomglanz,  Haidinger  denselben  und  Diprismatic  copper 
glance8).  Breithaupt  nannte  ihn  in  seiner  Charakteristik  des 
Mineralsystems  (1832,  pag.  270)  polymorpher  Tripelglanz.  Der  alte 
Name  Bournonit  wurde  indessen  von  v.  L.  Leonhard,  Naumann9) 


1)  Charles  Hatchett  in  Philos.  Transact.  1804.  pag.  64. 

2)  Jameson,  System  antl  Manual,  vol.  III,  pag.  399. 

3)  Traite  de  erystallographie,  tom.  II,  408  and  Traite  de  inineralogie.  IV.  295. 

4)  Ho  ff  mann  H.  B.  IV,  1.  S.  iil. 

5)  Beitrüge  zur  chemischen  Kenutniss  der  Mineralkörper.  1795 — 1815. 

6)  Handbuch  der  Mineralogie.  1813.  I.  pag.  170,  173. 
1)  Physiologie  (Vol.  II).  1839.  pag.  531. 

*)   Handbuch  der  best.  Mineral.  1845.  pag.  564  und  Treatise  on  Mineralogy  (Edinburgh, 

1825).  III.  5. 
9)   Lehrbuch  der  Mineralogie.  1828.  pag.  593. 


Versuch  i r  Monographie  des  Bournonit.  411)5 

Beudant1),  Levy2)  und  anderen  Mineralogen,  aufrecht  erhalten 
und  ist  in  der  neuern  Zeit  der  allein  gebräuchliche  geworden»). 

Zippe*)  benennt  ihn  neuerdings  diprismatischer  Endellionit. 
Glocker5)  bildete  dafür  den  Namen  Bournonites  dystomus. 

Die  Kapniker  Bergleute  kennen  ihn  unter  dem  Trivialnamen 
Rädelerz  wegen  seiner,  den  Speichen  eines  Bades  ähnlichen  Zwü- 
lingsbildung. 

Der  erste,  welcher  das  neuentdeckte  Mineral  einer  chemischen 
Untersuchung  unterwarf,  war  Charles  Hatchett6);  er  nannte  es 
in  dem  am  26.  Januar  1804  der  königlichen  Gesellschaft  zu  London 
vorgelesenen  Bericht  „Triple  sulphuret  of  lead,  antimony  and 
copper",  und  fand  darin 

Schwefel 17 

Antimon 24-23 

Blei      42-62 

Eisen 1-20 

Kupfer 12-80 

WFsü 

Die  Differenz  rührt,  wie  aus  der  weiter  unten  angeführten 
berechneten  Zusammensetzung  ersichtlich  ist,  vom  Schwefel  her; 
die  übrigen  Bestandteile  stimmen  ungemein  gut  überein. 

Nach  Hatchett  waren  es  Klaproth7)  und  Meissner8), 
welche  sich  mit  der  Zusammensetzung  des  Bournonits  beschäftigten. 
Nach  den  in  neuerer  Zeit  angestellten  Untersuchungen  von 
H.  Böse9),  Bromeis10),  Zincken11)  und  Bammelsberg13) 
besteht  der  Bournonit  aus  Schwefel,  Antimon,  Kupfer  und  Blei  und 


')    Tratte  elem.  de  mineral.  1832.  II.  pag-.  433. 

2)  Descript.  d'une  collect.de  miuer.  f'orine'e  |>.  M.  Heuland.  1838.  II.  406. 

3)  Hausmann  llan.lhuch  der  Mineralogie.  1847.  II  170;  Phillips  Mineralogy  hy 
Brooke  and  Miller  1852.  201;  Dana,  a  System  of  mineralogy  1854.  II,  80; 
Blum,  Lehrbuch  der  Oryktognosie  1854,  pag*  578:  Diifrenoy,  Traite  de  .Mine- 
ralogie 1856.  III.  239.  Quenstedt,  Handb.  der  Mineralogie.  1855.  pag.  622. 

4i   l»ie  Charakteristik  des  natui  historischen  Mineralsystems.  Wien.  1859.  pag.  213. 
5l  Renerum  et  speciernm  mineraliuna  Synopsis.  Haiae,  1847.  pag.  32, 

6)  Philosophical  Transactions    1804   pag.  63. 

7)  Beiträge  zur  chemischen  Kenntniss  der  Mineralkörper   IV.  s3, 

8)  S  c  h  w  e i  g ge r -  S  ei  de  r«  Journal.  XXVI.  7i». 

9)  Poggendorffs  Annalen.  XV.  573. 

">)   und   ii)   Poggendorffs  Annalen.   LXXVH.  251. 
'-)  Handbuch  der  Mineralchemie.  80. 


434  Zirkel. 

zwar  verhallen  sieh  die  Schwefelmengen  für  Kupfer,  Blei  und  Anti- 
mon wie  1:2:3;  er  enthält  demzufolge  1  Atom  Antimon,  2  Atome 
Kupfer,  2  Atome  Blei,  6  Atome  Schwefel  und  ist  eine  isomorphe 
Mischung  von  zwei  Sulphosalzen,  von  1  Atom  Drittel  Schwefelanti- 
monkupfer und  2  Atomen  Drittel-Schwefela  ntimonblei.  Seine  Formel 
ist  nach  R  a  m  in  e  1  s  b  e  rg 

€u3Sb  -f  2  Pbs  Sb  oder  |  /"[  Sb 

Naumann  schreibt  die  Formel 

pVsb  -f  6u*  Sb  oder  (Pb^u)  Sb 

Letztere,  auch  von  Quenstedt   angenommene  Schreibweise 
gewährt  den  deutlichsten  Überblick. 
Dana  führt  an 

(£u  -f  Pb)  +  |  Sb»  oder  (3€u  +  Sb«)  +  2  (3Pb  -f-  Sb») 

Dufrenoy  vermuthet  in  dem  Bournonit  3  Atome  Blei,  3  Atome 
Kupfer,  3  Atome  Antimon  und  9  Atome  Schwefel  und  schreibt  die 
Formel  Cu  +  Pb  -f  Sb. 

Der  oben  angeführten  Formel  entspricht  die  Zusammensetzung 

Schwefel 19-72 

Antimon 24-71 

Blei 42-54 

Kupfer 13-03 

In  den  zuverlässig  erscheinenden  neueren  Analysen  schwankt 

der  Gehalt  an  Schwefel  von  17-8  bis  20-31 
„    Antimon      „     24  -34  „    29-4 
„    Blei  .,     38-9    „    42-88 

„    Kupfer        „     12-3    „    1516 

Einen  kleinen  Eisengehalt  wiesen  Klaproth,  Kerl  und 
Kuhlmann  in  den  derben  Bounioniten  von  der  Grube  Alter  Segen 
bei  Clausthal  nach.  Ein  constanter  Unterschied  in  der  Zusammen- 
setzung an  den  einzelnen  Fundorten  lässt  sich  aus  den  Analysen 
nicht  ersehen.  Die  Zersetzungsproducte  des  Bournonits  sind  Anti- 
monocher,  Malachit  und  Kupfergrün. 


Versuch   einer  Monographie  des   Bournonits.  435 

Mit  der  schwankenden  chemischen  Zusammensetzung  ist  auch 
das  specifische  Gewicht  des  Bournonits  Variationen  unterworfen;  im 
Allgemeinen  beträgt  es  zwischen  5-70  und  5-86.  Nachstehend  sind 
einige  Bestimmungen  des  specifischen  Gewichtes  von  verschiedenen 
Vorkommnissen  zusammengestellt. 

Meiseberg  bei  Harzgerode1): 

(5-7262  Brom  eis, 

tafelartig,  hellbleigrau <  5-703    Zinken, 

(5-779    Üammelsberg. 

(5-847    Bromeis, 
mit  vorherrschender  Pyramide,  schwärzlich  l  5*844    Zinken, 

(5-863    Ramme  lsberg. 

i  5-8013  Brom  eis, 
5-796    Zinken, 
5-726    Rammeisberg, 
5-857    Breithaupt*). 

Vom  Halsbrückener  Späth  bei  Frei- 
berg    5-600  Breithaupt*), 

Grube  Kurprinz  bei  Freiberg 5-733— 5-752  Breithaupt*), 

Wölch  bei  St.  Gertraud  in  Kärnten  5-828  Kenn gott 3), 

Rädelerz  von  Kapnik   5-820  Breithaupt2). 

Cornvall 5-79    ) 

Alais 5-829  (  , 

Mexico 5-845  ^ufrenoy*)- 

Servoz 5-710 

Baranco  Jaroso  in  Spanien 

aus  dem  frischen  Eisenspath 5  •  839) 

„      „    zu   Brauneisenstein   umgewandel-  /Breithaupt5), 

ten  Eisenspath 5-83l) 


4)  Poggendorff's  Annalen.  LXXVII.  252. 

2)  Vollständige  Charakteristik  des  Mineralsystems.  1832,  pag.  270. 

3)  Mineralogische  Notizen.  XIV.  Folge. 
■»)  Tratte  de  mineralogie.  1856.  III.  232. 

5)  Breithaupt  in  H  a  r  t  in  a  n  n's  Zeitschrift.   VI.  67. 


436  Zirkel. 

An  einfachen  Krystallen 

von  Kapnik  beobachtete  ich 5-766 

„    Cornwall        „  „       5-714 

am  Rädelerz  von  Kapnik  beobachtete  ich    .    5-809 

Die  Farbe  des  Bournonit  ist  stahlgrau,  dunkelbleigrau  bis  eisen- 
schwarz, manchmal  erscheint  er  bunt  angelaufen,  wo  dann  auf  der 
frischen  Bruchfläche  die  Farbe  besser  hervortritt.  Die  Härte  beträgt 
2-5 — 3  und  scheint  übprall  dieselbe  zu  sein. 

Der  Bournonit  besitzt  eine  undeutliche  Spaltbarkeit  parallel  der 
horizontalen  Endfläche  a  (100) ,  noch  undeutlicher  ist  sie  parallel 
den  verticalen  Endflächen  b  (010)  und  c  (001).  Miller  führt 
Spuren  von  Spaltbarkeit  an  parallel  der  Prismenflächen  o  (011)  und 
n  (101). 

Vor  der  Behandlung  der  krystallographischen  Verhältnisse  des 
Bournonits  mögen  in  Folgendem  sämmtliche  bis  jetzt  bekannte  Fund- 
orte desselben  zusammengestellt  werden;  zugleich  sind  über  das 
Vorkommen  alle  Angaben,  welche  mir  zu  Gebote  standen,  oder 
welche  ich  an  den  reichlich  vertretenen  Stücken  zu  machen  Gelegen- 
heit hatte,  hinzugefügt. 

Der  Bournonit  bricht  auf  Gängen  im  krystallinischen  Schiefer- 
und Übergiingsgebirge  hauptsächlich  mit  Bleiglanz  und  Zinkblende 
aber  auch  mit  Kupferkies,  Antimonglanz  und  Fahlerz,  begleitet  von 
Quarz  ,  Kalkspath  ,  Braunspath  und  Eisenspath. 

England. 

Cornvall:  Grube  Huel  Boys  im  Kirchspiel  Endellion,  wo  der 
Bournonit  mit  Antimonglanz,  Kupferkies,  Quarz  und  Schwerspat!)  in 
solcher  Menge  bricht,  dass  er  als  Kupfererz  gewonnen  wird. 

Nanslow.  —  St.  Merryn  bei  Padstow.  —  Grube  Budock  Vean 
und  andere  in  der  Umgegend  von  Falmouth.  —  Grube  Herodsfoot 
bei  Liskeard.  wo  er  derb  und  in  einfachen  Zwillingsgestalten  mit 
Bleiglanz,  Fahlerz,  Zinkblende,  Jamesonit,  Schwerspath,  Flussspath 
und  gehacktem  Quarz  bricht;  bisweilen  hoble  Bleiglanzkrystalle 
iheilweise  ausfüllend.  Der  Bournonit  ist  in  Cornvall  an  die  verbält- 
nissmässig  spärlichen,  nordsüdlichen  Bleigänge  (cross  courses) 
gebunden;  auf  den  ostwestlichen  Kupfer-  und  Zinngängen  findet  sich 
fast  keine  Spur. 


Versuch  einer  Monographie  des  Bournonit.  ^IJT 

Devonshire:  Beeralstone1).  —  Cumberland  ■). 


Irland. 

Auf  der  Bleigrube  Cahirglissawn  zwischen  Gort  und  Kennare, 
Kerry  (Greg  und  Lettsom). 

Deutschland« 

Meiseberg  und  Pfaffenberg  bei  Neudorf  auf  dem  Unterharz  in 
oft  faustgrossen  Krystallen  mit  Antimonglanz,  Quarz  und  Kalkspath. 
Wollsberg  bei  Stollberg  auf  dem  Harz  mit  Grauspiessglanz,  Feder- 
erz, Zinkenit  und  Plagionit.  —  Buchsegen  bei  Zellerfeld  mit  Blei- 
glanz und  Eisenspath.  —  Rosenhöfer  Zug  bei  Clausthal;  Gruben  alter 
Segen  und  braune  Lilie  mit  Rothgültigerz,  Blciglanz  und  Kalkspath. 

—  Gross- Voigtsberg   und    Bräunsdorf    bei    Freiberg   in   Sachsen, 
krystallinische   Partien,    bisweilen   in  Schwerspath  eingeschlossen. 

—  Holzappel  in  Nassau.  —  Linz  am  Rhein.  —  Silberwiese  bei  Ober- 
lahr  im  Sayn-Altenkirchenschen. 

Osterreich  3). 

Kärnten.  Wölch  bei  St.  Gertraud  unweit  Wolfsberg  im  Lavant- 
tlial4).  —  Mähren.  Domaschow,  derb  mit  Bleiglanz,  Kupferkies  und 
Quarz.  —  Korozna  (bei  Pernstein,  Brünner  Kreis)  derb  mit  Quarz 
und  Kalkspath  (Kolenati,  Mineral.  Mährens,  1854).  —  Böhmen. 
Prfbram.  Die  Krystalle  sitzen  gewöhnlich  auf  Eisenspath  oder  Quarz 
in  kleinen  meist  mit  Quarz  ausgekleideten  Ürusenräumen  und  wurden 
früher  theilweise  für  Stephanit  gehalten.  Reuss5)  beobachtete  fol- 
gende  Paragenesen :    1.    a    derbe    Blende;    b   körniger   Bleiglanz; 


•)  Dieses  Vorkommen,  welches  in  mehreren  Handbüchern  erwähnt  wird,  ist  in  dem 
für  Angabe  englischer  Fundorte  ausgezeichneten  „.Manual  of  the  mineralogy  of  Grea't 
ßritain  and  Ireland  by  (ireg  and  Lettsom"  nicht  mehr  aufgeführt. 

2)  In  der  I.  Handsammlung  des  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinets  lindet  sich  (bezeichnet 
mit  1819,  XVI.  17)  von  Partsch  auf  seiner  Reise  nach  England  daselbst  gekauft, 
eine  Gruppe  von  Bournonitkrystallen  auf  Zinkblende  aufsitzend,  als  deren  Fundort 
Cumberland  angegeben  wird.  Näheres  ist  darüber  nicht  bekannt.  Leine  andere  Quelle 
erwähnt  dieses  Vorkommens. 

*)  V.R.  v.  Zepharuvich.  .Mineralogisches  Lexikon  für  das  Kaiserthum  Öster- 
reich.   18ö'.t. 

*)  Ken  n  g ■  o  t  t  zeigte  |  Wien.  Akail.  XIII.  472) ,  dass  die  Wolehit  genannten  Krystalle 
meist  deutlich  erkennbare  Bournonit  seien. 

5)    Wien.  Akad.   Berichte.  XXII.    15t. 


438  Zirkel. 

c  krystallisirter  Eisenspath;  d  körniger  Bournonit;  2. a  derbe  Blende; 
b  körniger  Eisenspath;  c  körniger  Bournonit;  d  körniger  Kalkspath; 
e  Federerz.  3.  a  derber  Bleiglanz;  b  derber  und  krystallisirter  Quarz; 
c  krystallisirter  Bournonit;  d  krystallisirter  Quarz.  —  Ungarn. 
Neusohl.  Felsöbanya1).  Kapnik  auf  Erzgängen  im  Tracbyt  mit  Fahl- 
erz, Arsenikkies,  Kupferkies,  Zinkblende  und  Braunspath;  häufig 
auf  Quarz,  der  durch  Mangan  rosenroth  gefärbt  ist  (roth  man- 
gan  2).  —  Siebenbürgen.  Nagyag  und  OfFenbänya. 

Frankreich* 

Grube  Cendras  bei  Alais  im  Departement  du  Gard.  —  Ceilhes 
in  den  Cevennen  auf  einem  Gang  in  Porphyr.  —  Cransac  im 
Departement  de  l'Aveyron.  —  Barbecotin  der  Auvergne.  —  Pontgibaud 
(Puy  de  Dome).  —  Servoz  bei  Chamouni  in  Savoyen. 

Italien. 

Brozzo  in  Piemont. 

Spanien. 

Baranco  Jaroso  in  der  Sierra  Almagrera,  theils  in  eingewach- 
senen undeutlichen  Krystallen,  theils  in  kleinen,  derben  und  einge- 
sprengten Partien  (Breithaupt). 

Mexico. 

Guanaxuato  mit  Fahlerz,  Kupferglanz,  Malachit  und  Kalkspath. 

Peru. 
Potosi  3). 

Sibirien. 

(Nach  Miller.) 

Geht  man  nun  zur  Betrachtung  der  speciell  kry stallogra- 
phischen  Verhältnisse  über,  so  ist  vor  Allem  zu  erwähnen,  dass 
schon  die  ersten  Beobachter  das  Krystallsystem  des  Bournonit  als 


')  Von  diesem   sonst  nirgendwo  erwähnten  Fundort  rührt  das  Stück  4881.   1849.  XXI. 

II.  der  I.    Handsammlung ;  die  Bournonite  sitzen  auf  Quarz  mit  krystall.  Kupferkies, 
davon  theilweise  bedeckt. 

2)  Das  Porphyr  genannte  (iestein,  in  welchem  die  Gänge  in  Kapnik,  sowie  in  Felsö- 
ha'uya  aufsetzen,  ist  nach  v.  Richthofen  Trachyt  und  zwar  dasjenige  Glied, 
welches  er  Grünsteintiachyt  nennt.  Jahrbuch  der  geologischen  lieichsanstalt,  1860. 
2,  p.  233  und  243. 

3)  Von  diesem   Fundort  stammt  Nr.  3!>35  der  II.  Handsammlung,  bezeichnet  mit  1837, 

III,  32. 


Versuch  einer  Monographie  i\e*  Bournonit.  439 

rhombisch  erkannten.  Als  Grundprisma  werden  fast  allgemein  die 
Flüchen  angenommen,  welche  in  den  Figuren  mit  dem  Buchstaben 
m  bezeichnet  sind  und -eine  Säule  von  86°20'  mit  einander  bilden. 

Nur  Gustav  Rose  betrachtet  ein  anderes  Prisma  als  Grund- 
gestalt. Um  die  Form  des  Bournonits  mit  Arragonit  und  Weissbleierz 
in  Beziehung  zu  bringen,  gibt  er  den  Krystallen  eine  andere  Auf- 
stellung und  wählt  ein  Prisma  aus  einer  andern  Zone  (Miller's 
k  =  023)  von  64°44'  (nach  Miller  65°2')  zur  Grundform,  welche 
dadurch  nahezu  mit  der  des  Arragonits  (63°44)  und  des  Weissblei- 
erzes (62°47)  übereinstimmt.  Er  geht1)  davon  aus,  dass  CuS,  PbS 
und  AgS  zu  ersetzen  im  Stande  sei;  demgemäss  vereinfache  sich  die 
Formel  des  Bournonits  in  eine  solche,  welche  in  Rücksicht  der  Atom- 
zahl mit  der  des  dunkeln  Rothgültigerzes  vollständig  übereinstimme. 
Rose  zeigt  nun,  dass  Bournonit  und  Rothgültigerz,  welche  zwar  in 
der  Zusammensetzung  mit  einander  übereinstimmen,  aber  eine  ganz 
abweichende  Form  besitzen,  bei  Zugrundelegung  seines  neugewählten 
Grundprismas  ihre  vollständige  Parallele  in  den  heteromorphen 
Körpern  Kalkspath  und  Arragonit  finden,  so  zwar,  dass  sich  Bourno- 
nit zu  Bothgültigerz  verhält,  wie  Arragonit  zu  Kalkspath. 

Da  indess,  wenn  man  das  nur  in  den  seltensten  Fällen  auftre- 
tende Prisma  Rose's  als  Grundprisma  betrachtet,  die  abgeleiteten 
Indices  der  Flächen  als  sehr  ungefügige  Zahlenwerthe  sich  darstellen, 
so  habe  ich  mich  zwar  seiner  Aufstellungsweise  angeschlossen,  in- 
dem diese  fast  stets  mit  der  Art  und  Weise  übereinstimmt,  in  welcher 
die  Krystalle  aufgewachsen  sind,  und  das  Verhältniss  der  Axenlängen 
berücksichtigt,  dagegen  in  dieser  übereinstimmenden  vertiefen 
Säulenzone  ein  anderes  Prisma  und  zwar  das  offenbar  am  häufigsten 
vorkommende  als  Grundprisma  gewählt  (o.Oll),  dessen  Flächen 
einen  Winkel  von  87°26'  bilden;  dadurch  bewegen  sich  die  Indices 
in  den  niedrigsten  Zahlen. 

In  der  Wahl  der  Grundpyramide  weichen  die  einzelnen  Mine- 
ralogen von  einander  ab;  wir  begegnen  zwei  verschiedenen  Grund- 
pyramiden: i.  Miller,  Naumann,  Dana,  Hausmann  nehmen 
die  Fläche  ?/  als  Grundpyramide  an,  welche  mit  den  3  Endflächen 
ab  c  Winkel  von  57°3',  54°33\  52°40'  bildet.  In  der  folgenden 
Darstellung  habe  ich  diese  Fläche  als  Grundpyramide  gewählt. 


l)   Poggendo  r  ff\s    *nn»len.   76,   291. 


440  Zirkel. 

2.  Mohs,  Haiditiger  und  Quenstedt  nehmen  eine  andere 

Grundpyramide   an,   welche   nur   die   halbe   Axenlänge   von    c  hat 

(u,  112);  sie  bildet  mit  a,  b  c  Winkel  von  67°58',  66°26'  33°  15'. 

Für  die  Axenlängen  {a  :  b  :  c)  finden  sich  folgende  Angaben : 

Naumann  (Lehrbuch  der  Mineralogie  1828,  p.  593)  gibt  an 

1  :0-938:0-892, 

Dana 

0-95618:  1  :  10662, 

was  identisch  ist  mit  1  :  0-9379  :  0-8968. 
Miller  und  Brooke  führen  die  Winkel 
(110)  (010)  =  43°10' 
(101)  (001)  =  41  54 
an,  woraus  sich  das  Axenverhältniss  ergibt 

1  :  0-937969  :  0897149. 
Quenstedt  gibt  an 

a:b  =  V4421  :|/5025 

daraus  folgt 

2-24053  :  2-10245  :  1. 

Quenstedt  ertheilt  der  einen  Axe  nur  die  halbe  Länge;  auf 
unsere  Grundgestalt  bezogen  verwandelt  sich  obiges  Verhältniss  in 

1  :  0-9362  :  0-8926. 

Sämmtliche  Angaben  zeigen  eine  ziemlich  nahe  Übereinstimmung. 

Das  annähernde  Axenverhältniss,  welches  Mohs  bei  Zugrunde- 
legung seiner  Grundpyramide  angibt,  ist 

1  :  1/1-137  :  |/0  226 

Dufrenoy  drückt  das  Verhältniss  der  Prismenseite  zur  Pris- 
menhöhe durch  die  Zahlen  105  :  47  aus,  oder  reducirt  1  :  0-8952 
und  bemerkt,  dass  das  Verhältniss  20  :  13,  welches  Levy  dafür 
anführt,  zweifelsohne  ein  irrthümlicher  sei. 

Genaue    Messungen    ergaben    für  Krystalle   von   Liskeard  in 

Cornwall 

(HO)  (010)  =  43°15'30° 

(101)  (001)  =  41  57 
Daraus  ergibt  sich  für  diese  Krystalle  das  Axenverhältniss 
1  :  0-94098  :  0-898825 


b 


Versuch   einer  Monographie  des  Bouroonit.  441 

Der  Bournonit  ist  durch  sein  Axenverhältniss  ein  merkwürdiger 
rhombischer  Krystall,  indem  sich  das  Verhältniss  der  Parameter  der 
Gleichung 

b  =  \  ac 

nähert.  Die  Aufstellung  der  Krystalle  geschah  so,  dass  die  verticale 
Richtung  die  der  grössten  Krystallaxe  (a),  die  Richtung  von  vorne 
i«  nach    hinten    die   der   mittlem   (ft),   die 

Richtung  von  rechts  nach  links  die  der 
kleinsten  Krystallaxe  (c)  ist.  Bei  der 
b  Bezeichnung  der  Flächen  erhält  die  End- 
fläche der  Axe  den  Buchstaben  derselben  ; 
~c  im  Allgemeinen  sind  die  Buchstaben 
Miller's  beibehalten.  In  den  Flächen- 
symbolen beziehen  sich  die  Indices  der 
Reihe  nach  auf  die  grösste,  mittlere 
und  kleinste  Krystallaxe,  so  dass  also 
100  =  a,  010  =  b,  001  =  c. 
Bei  dieser  Bezeichnungsweise  der  Axen  stimmt  die  Axe  a  über- 
ein mit  der  Axe  c  bei  Rose,  Dana,  Miller  und  Queustedt,  die 
Axe  b  mit  a  bei  Quenstedt  und  b  bei  Rose,  Dana  und  Miller, 
die  Axe  c  endlich  mit  b  bei  Quenstedt  und  a  bei  Rose  Dana 
und  Miller. 

Die  Schrift  Philip  Rasleigh's  von  Menabilly  in  Cornwall, 
welche  zuerst  den  Bournonit  erwähnt,  und  seine  Krystallgestalt  ah- 
bildet,  war  mir,  ihrer  Seltenheit  in  Deutschland  halber,  nicht  zu- 
gänglich. Graf  Bournon  theilt  in  den  Philosophical  Transactions 
von  1804  mehrere  Abbildungen  des  von  ihm  beschriebenen  Minerals 
mit,  aus  denen  erbellt,  dass  ihm  ungefähr  sechs  Flächen  mit  Sicher- 
heit bekannt  waren,  nämlich  a  (100),  b  (010),  c  (001)  n  (101), 
sodann  eine  Prismenfläche  aus  der  Zone  von  c  nach  b,  wahrschein- 
lich o  (011)  oder  x  (012);  endlich  eine  Pyramidenfläche,  w(112) 
oder  y  (111). 

Alle  früher  bekannten  Flächen  sind  nach  den  einzelnen  Autoren, 
bei  denen  sie  oft  mit  sehr  abweichenden  Bezeichnungen  aufgeführt 
werden,  in  folgende  Tabelle  zusammengestellt,  welche  einesthcils 
zur  Übersicht,  anderntheils  zur  raschern  Orientirung  in  den  ver- 
schiedenen mineralogischen  Werken  dienen  soll. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Ol.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  31 


442 


Zirkel. 


Miller 

Dana 

Naumann 

Quenstedt 

G.  Rose 

001  (c) 

0 

OP  (r) 

c  :  oo  a  :  oo  6  (P) 

010  (Ä) 

il 

OB  P  CO   {Je) 

a :  <x  b  :  <x>  c  (vT/) 

• 

ioo  o) 

ii 

co   P  oo   (» 

6  oo  a  :  oo  c  ( T) 

. 

014  (0 

H 

• 

012  O) 

1 « 

a  :  c  :  co  b  (</) 

a  :  %  b  :  co  c  (p) 

023  (h) 

s  » 

- 

a  :  b  :  co  c  (Y) 

011  (o) 

1« 

P  ~  (o) 

a  :  2c  :  co  b  (p~) 

a  :  f  6  :  oo  c  (o) 

021  0) 

2« 

• 

a  :  ±  b  :  co  c  (i5) 

120  0) 

i2 

a  :  2b  :  co  c  (V) 

\  b  :  c  :  <x>  a  (e) 

230  (0 

i| 

• 

• 

HO  (m) 

/ 

oo  p  (rf) 

a  :  J  :  oo  e  (rf) 

-§-  b  :  c  :  oo  a  (rf) 

430  O) 

(    4 

• 

• 

210  (f) 

i2 

2a  :  b  :  oo  c  (f) 

4  {  c  :  *  o  (f) 

ioi  oo 

ii 

/»  oo  («) 

b  :  2c  :  co  a  (m) 

i«:c: 

oo  b  («) 

1«  0) 

1 

a  :  ft  :  2c  0) 

112  (u) 

i 

2 

a  :  b  :  c  (o) 

121  0) 

22 

• 

122  (*•) 

12 

• 

314  (r) 

}3 

• 

Versuch  einer  Monographie  des  Bournonit. 


443 


Hausmann 


Molis 


Hartuiann 


Dufrenoy 


.4 

ir 
II 

AB'2 

Ali'\ 

Ali'  $ 

D 
B'A^ 
B'A  f 
B'Ai 
IVB  2 
B'B\ 

E 

BB'  | 
BB'2 

ü 
AB± 
AB  { 
.45  8 

P 
AE2 


AEi 


AE± 


Pr  -j-  oo  (/•) 
P  —   oo  (lc) 

Pr  -j-   oo  (s) 

Pr(p) 


Pr  —  1   (o) 


Pr  - 

•1  (e) 

Pr 

(d) 

3 
4 

Pr 

A-  + 

1    (ß 

(P+ «,)»(„) 

(P-i)»  (y) 
(P-l)a 


a  :  eo  6  :  ob  e  (r) 

e  :  oo  a  :  eo  0  (&) 

«  :  c  :  oo  b  Q») 


2a  :  c  :  <*>  4  (o) 


26  :  c  :  oo  a  (e) 
6  :  c  :  oo  a  (cQ 


b  :  2c  :  «»  a  (f) 
2a  :  b  :  <s>  e  (n) 


a  :  {■  b  :  ±  c  fr) 

a  :  6  :  c  (P) 


/^ 


*'(*) 


:;i 


444  Zirkel. 

Die  meisten  Flächen,  23  an  der  Zahl,  gibt  Hausmann  an; 
darnach  folgen  Miller  und  Dana  mit  je  19  Flächen.  Ausserdem 
führt  Hausmann  noch  2  Flächen  an,  nämlich  AB'  13  aus  der  Zone 
cb  (0  1  13)  und  BA\\  (\\  0  12)  aus  der  Zone  ac.  Diese  Flächen, 
deren  Index  eine  ziemlich  ungewöhnliche  Form  hat,  dürften  zweifels- 
ohne an  dem  beim  Bournonit  so  häufigen  Zvvillingsverwachsungen 
zweier  oder  mehrerer  Individuen  beobachtet  worden  sein,  und  sind 
als  hypothetische  in  Folgendem  nicht  weiter  berücksichtigt  worden. 
Die  von  Miller  und  Dana  angeführten  Flächen  hatte  ich  mit 
alleiniger  Ausnahme  von  £(014)  sämmtlich  zu  beobachten  Gelegen- 
heit. —  Bezüglich  der  Flächenangaben  Dufrenoy's  ist  Folgendes 
zu  bemerken.  Er  gibt  keine  vollständige  Aufzählung  der  Flächen, 
welche  ihm  bekannt  sind,  sondern  er  theilt  nur  die  Winkel,  welche 
einige  derselben  mit  einander  machen,  mit.  Diese  Winkeltabelle  ist 
durch  zahlreiche  Druckfehler  und  Ungenauigkeiten  entstellt;  so  sind, 
um  nur  einige  Beispiele  anzuführen,  die  Neigungen  von  g'  zu  h! 
(nach  den  Figuren  100,  010)  und  von  g  zu  a'  (010,  023),  welche 
beide  90°  betragen,  als  142°40'  und  160°50'  angegeben. 

Die  Fläche  «4  Dufrenoy's,  mit  c  49°50'  bildend,  ist  ohne 
Zweifel  dieselbe,  welche  Hausmann  mit  B'Ai  (054)  bezeichnet 
(49°20'  mit  c);  ich  habe  diese  Fläche  niemals  beobachtet. 

Es  ist  ungewiss,  ob  Dufrenoy's  a2  (mit  c  15°)  mit  dem 
Mi  Herrschen  t  und  dem  I)  ana'schen  I  i  (014)  (mite  l3°27')oder 
dein  Hausmann'schen  AB'  1  (027)  (mit  c  14°45')  übereinstimmt; 
wahrscheinlich  ist  das  letztere  der  Fall. 

Das  ez  Dufrenoy's  (an  Krystallen  von  Alais  33°35',  von 
Pontgibaud  33°28'  mit  c  bildend)  kommt  wohl  zweifelsohne  mit  der 
Fläche  AB\  Hausmann's  (403)  (33°13'  mit  c)  überein. 

Es  ist  unklar,  welche  Fläche  Dufrenoy  unter  e'  versteht;  er 
gibt  den  Winkel,  den  sie  mit  h'  (b  010)  bildet,  als  136°9' =4305l' 
an,  obschon,  da  die  Fläche  jedenfalls  der  Zone  ac  angehört,  der 
Winkel  90°  betragen  muss. 

Ebenso  ungewiss  ist  die  Bedeutung  von  b';  b'b'  wird  einmal  als 
153°26',  ein  anderesmal  in  derselben  Tabelle  als  87°30'  aufge- 
führt; vielleicht  ist  es  y  (1 11). 

Während  der  Wetth,  den  Dufrenoy  für  Pa  angibt  (32°30') 
es  unzweifelhaft  macht,  dass  a  die  Miller'sche  Fläche  h  (023)  ist, 
welche  mit  o32031'  bildet,  ist  der  Winkel,  den  Dufrenoy  für  h'a 


Versuch  einer  Monographie  des  Bouruouit.  44. > 

(010)  (023)  angibt  (!)6°38),  fehlerhaft,  da  er  das  Supplement   zu 
90°  (57°30')  sein  müsste. 

Die  Anzahl  sammtlicher  schon  bekannter  Flächen  des  Bourno- 
uits   belauft  sich  demgemäss  auf  neunundzwanzig;    mir  gelang   es 
ausserdem  eilf  neue  Flächen  aufzufinden,  nämlich: 
Horizontale  Prismen:   450  (k)) 

310  (i)  >  an  einem  Krystall  von  Cornwall. 
610  (d)) 

Vertieales  Prisma:  .    .  031  (o)      an  einem  Krystall  von  der  Silber- 
wiese bei  Oberlahr. 
Pyramiden: 212  (/r)  j 

211  (p)  (  an  einem  Krystall  von  Neudorf  am 

436  (oj)  (       Harz. 

414  (A)  ) 

221  (a) )  , 

,   ,'  (  an  einem  Krystall  von  der  Silber- 

311  ( (i\  / 

.  ._  I       wiese  bei  Oberlahr. 

113  (y)J 

Bei  der  Beschreibung  der  Krystalle  sind  die  Messungen,  welche 
zum  Zwecke  der  Ermittelung  der  Symbole  angestellt  wurden,  mitge- 
theilt.  Dadurch  wird  die  Anzahl  der  bekannten  Flächen  auf  vierzig 
erhöht  und  der  Bournonit  tritt  in  die  Beihe  der  flächenreichsten 
Krystalle. 

In  folgender  Tabelle  sind  sämmtliche,  nunmehr  bekannte  Flächen 
des  Bournonits  zusammengestellt  mit  denjenigen  Symbolen,  welche 
sie,  auf  die  von  mir  gewählte  Stellung  der  Axen  bezogen,  nach  der 
Bezeichnungsweise  von  Miller,  Naumann,  Weiss  und  Dana 
erhalten;  in  der  ersten  Columne  sind  die  Buchstaben  angegeben, 
welche  zur  Abkürzung  bei  den  Zeichnungen  angewandt  wurden. 
Diejenigen  Flächen  (Hausmann's),  welche  ich  nicht  selbst  beob- 
achtet habe,  sind  mit  einem  Sternchen  bezeichnet. 


446 


Zirkel. 


Miller 


a  100 
*  010 
c  001 
t  014 
ty  027 
x  012 
h  023 
k  034 
o  011 
a  054 
t  075 
z  021 
5  031 
e  120 
/  230 
k  450 
m  HO 
«?430 
a  320 
f  210 
i  310 
d  610 
ß  801 
7  302 
v  403 
n  101 

2/  Hl 
u  112 
7  113 
v  121 
«  122 
s  212 
p  211 

0  221 
p  223 
^  311 
r  314 
X334 

1  414 
«436 


Naumann 


OP 

CO    P    CO 

CO    P    CO 
<X>    P4 

~fl 

<x>  P2 
c*P| 
e*P| 

~  P 
eo   Pf 

ee  P2 
ee  P3 
2  P  CO 

f  P~ 

P    CO 

jPco 

fpee 

iP«o 

A  p  CO 

ipee 
fpe* 

fpeo 

P  ee 

P 
2P2 
3P3 

2P2 
2P 
P2 

P2 

4P4 

P| 

P4 
£P2 


Weiss 


a  :  co  b  :  co  c 

co  a  :  b  :  <x>  c 

co  a  :  eo  6  :  c 

co  a  •■  46  :  c 

co  a  :  7b  :2c 

co  a  :  2b  :  c 

co  a  :  36  :  2c 

co  a  :  46  :  3c 

oo  a  :  b  :  c 

co  a  46  :  5c 

co  a  :  5b  :  7c 

co  a  :  b  :2c 

co  a  :  b  :  3c 

2a  :  b  :  co  c 

3a  :  25  :  oo  c 

5a  :  46  :  oo  c 

a  :  b  eo  c 
3a  :  45  :  eo  c 
2a  :3b  :  co  c 
a  :  2b  :  oo  c 
:  oo  c 
:  oo  c 
oo  6  :  8c 
<x>  b  :  3c 
;  oo  b  :  4c 

co  6  :  c 

a  :  b  :  c 

2a:2b:  c 

3a  : 36  :  c 

2a  :  6  :  2c 

2a  :  6  :  c 

a  :  26  :  c 

a  :  26  :  2c 

a  :  6  :  2c 

3a  :  36  :  2c 

a  :  36  :  3c 

4a  :  126  :  3c 

4«  :  46  :  3c 

a  :  46  :  c 
3a  :  46  :  2c 


Dana 


a  : 
a  : 
a  : 
2a 
3a 
a 


36 
66 


«4 


i2 


i2 
?3 
2* 

2  * 

» ' 
II 

4  ' 
1* 

4-* 


1 

22 
33 
22 

2 
12 

i 

12 
1| 

x 

1? 

14 

3   9 


Versuch  einer  Mouograpliie  des  Bournouil.  447 

In  Taf.  VII  ist  eine  Übersicht  über  alle  bis  jetzt  bekannten 
Flächen  nach  ihren  Polpunklcn  mit  ihrem  Zonenverbande  in  der 
Neuman  n'schen  Kugclprojectionsmethode  gegeben;  die  Flächen 
sind  mit  den  ihnen  entsprechenden  Indices  versehen. 

Es  ergibt  sich  von  selbst,  dass  unter  diesen  Flächen  mit  Rück- 
sicht auf  die  Häufigkeit  ihres  Auftretens  ein  grosser  Unterschied 
obwaltet;  während  einige  höchst  selten  beobachtet  werden,  fehlen 
andere  wieder  an  fast  keinem  Krystall;  als  diejenigen  Flächen, 
welche  durchweg  am  häufigsten  die  Krystallformen  begrenzen,  sind 
zu  bezeichnen:  —  a  (100),  b  (010),  c  (001),  m  (HO),  n  (101), 
o  (011),  x  (012),  y  (112),  u  (112). 

Es  sind  also  diejenigen  Flächen,  welche  die  einfachsten  Indices 
besitzen. 

Die  Endflächen  der  Axen  fehlen  fast  nie;  aus  der  Zone  von  a 
nach  b  ist  m  (110)  entschieden  am  häufigsten;  wenn  noch  eine 
Fläche  neben  m  auftritt,  so  ist  es  meist  f  (210);  diese  Zone  zeigt 
aber  unter  allen  den  grössten  Flächenreichthum;  die  später  zu 
erwähnenden  Krystalle  von  der  Silberwiese  bei  Oberlahr  und  von  der 
Grube  Herodsfoot  bei  Liskeard  in  Cornwall  besitzen  häufig  5  ,  bis- 
weilen sogar  7  • —  8  Flächen  in  dieser  Zone  auf  das  schönste  ausge- 
bildet. In  der  Zone  von  b  nach  c  sind  es  meist  o  (011)  und  x  (012), 
welche  auftreten,  vorwiegend  ersteres;  mehr  als  zwei  Säiiienflächeu 
wurden  niemals  beobachtet.  In  der  Zone  von  c  nach  a  erscheint  fast 
stets  nur  n  (101)  allein.  Unter  den  Pyramiden  zeigen  sich  haupt- 
sächlich y  (111)  und  u  (112)  vorzüglich  ersteres  entwickelt.  Im 
allgemeinen  scheint  mit  wenigen  Ausnahmen  festzustehen,  dass  sich 
der  grössere  Flächenreichthum  an  den  kleineren,  oft  nur  stecknadel- 
kopfgrossen Krystallen  findet.  Krystalle  mit  mehr  als  zehn  Flächen 
gehören  schon  zu  den  Seltenheiten;  die  grösste  Anzahl  von  Flächen, 
welche  an  einem  Krystall  beobachtet  wurden,  beläuft  sich  auf  fünf- 
zehn; er  stammt  von  Neudorf  am  Harz. 

Die  Beobachtungen  über  die  Beschaffenheit  der  Flächen,  oh  sie 
glänzend,  matt,  glatt  oder  gestreift  seien,  führten  auf  keine  Ergeb- 
nisse, denen  eine  allgemeine  Giltigkeit  oder  Constanz  zukommt. 
Auffallende  Erscheinungen  dieser  Art  sind  bei  der  später  folgenden 
genauen  Beschreibung  der  einzelnen  Stücke  angegeben. 

Über  die  Winkelwerthe  des  Bournonits  finden  sich  bei  den  ein- 
zelnen Autoren  zum  Theil  zahlreiche  abweichende  Angaben.  Diese 


448  Zirkel. 

Differenzen  mögen  sowohl  in  der  rauhen  oder  matten  Beschaffenheit 
mancher  Flächen,  welche  eine  genaue  Messung  nicht  gestatten,  als 
auch  in  einer  wirklichen  Verschiedenheit  der  Winkel  an  den  ein- 
zelnen Fundorten  ihren  Grund  haben.  Dass  wirklich  unter  Krystallen 
von  verschiedenen  Fundorten  Abweichungen  in  den  Winkeln  existiren, 
ist  eine  bei  anderen  Mineralien  mit  solcher  Sicherheit  festgestellte 
Thatsache ,  dass  es  keineswegs  auffallend  sein  kann,  wenn  auch  bei 
dem  Bournonit  genaue  Messungen  solche  Differenzen  ergeben,  um  so 
weniger  als  die  chemische  Zusammensetzung  ebenfalls  an  den  ein- 
zelnen Fundorten  nicht  unbeträchtlichen  Schwankungen  unterliegt. 
Dufrenoy  hat  zahlreiche  Messungen  der  Winkel  von  sechs  Fund- 
orten ausgeführt  und  es  hat  sich  herausgestellt,  dass  sehr  wenige 
davon  überall  einen  constanten  Wertb  besitzen.  Analoge  Abweichun- 
gen lassen  meine  Winkelmessungen  erkennen.  Interessant  würde  in 
dieser  Hinsicht  ein  Vergleich  zwischen  der  chemischen  Zusammen- 
setzung und  den  Besultaten  der  Winkelmessungen  gewesen  sein, 
allein  die  von  mir  gemessenen  Kry stalle  waren  einestheils  zu  klein, 
um  zu  einer  Analyse  hinreichendes  Material  darzubieten,  anderntheils 
zu  schön,  um  sie  derselben  zum  Opfer  zu  bringen. 

Folgende  Messungen  sind  mit  einem,  im  Besitze  des  k.  k.  phy- 
sikalischen Instituts  befindlichen,  ausgezeichneten  Oertling'schen 
Goniometer  ausgeführt,  welches  mit  zwei  Fernröhren  versehen  war. 
Die  Angaben  sind  die  Mittel  aus  zahlreichen  Repetitionen  und  Wie- 
derholungen. Zu  den  zu  messenden  Krystallen  wurden  nur  solche 
verwandt,  welche  vollkommen  glatte  und  spiegelnde  Flächen  besassen. 

Krystall  von  Kapnik  in  Siebenbürgen : 

(001)  (101)  =  41°52' 
(001)  (112)  =  39  11 

berechnet  daraus  für  (001)  (111)  =  52°36\ 
Krystall  von  Liskeard  in  Cornwall: 

(001)  (101)  ==  41°57' 
(100)  (HO)  =  46  44-30 

Ein  anderer  Krystall  ebendaher: 

(001)  (101)  =  42°!' 


Versuch  einer  Monographie  des  Bournonit.  440 

Krystall  vori  der  Silberwiese  bei  Oberlahr  : 
(001)  (111)  =  52°37' 
(010)  (011)  =  46  22 
(100)  (HO)  =  46  48 

Ein  anderer  Krystall  ebendaher: 

(001)  (111)  =  52°40\ 

Die  gemessenen  Kryslalle  stammen  aus  der  Krystall  Sammlung 
des  k.  k.  Hof-Mineraliencabinefs.  Nachstehend  sind  diejenigen  Ab- 
weichungen mitgetheilt,  welche  sich  bei  den  einzelnen  Autoren  in 
der  Angabe  der  Werthe  der  Hauptwinkel  aus  jeder  Zone  (inden.  Die 
Winkelangaben  Miller's,  Naumanns  und  Dana's  stimmen  voll- 
kommen iiberein;  ebenso  sind  die  von  Mohs,  Haidinger,  Hart- 
mann, Quenstedt  und  Gust.  Rose  identisch. 

ww,(110)(100)  bei  Miller  46°50',  bei  Brei thaup t  46°26\ 
fand  Dufrenoy  an  Krystall en  von  Cornwall  zu  47°,  an  solchen 
von  Kapnik  zu  47°10'. 

mb,  (HO)  (010)  hei  Miller  43°10'  fand  Dufrenoy  an  Kry- 
stallen  von  Cornwall  zu  43°12';  diese  Messung  ergänzt  sich  nicht  mit 
derjenigen  von  ma  der  vorhergehenden  cornischen  Kiystalle  zu  90°. 

oc,  (011)  (001)  bei  Miller  43°43'  gibt  Quenstedt  (mit 
Mohs,  Haidinger,  Rose)  zu  43°34'  an.  Hausmann  führt  dafür 
42°57'  an.  Dufrenoy  beobachtele  für  diesen  Winkel  an  cornischen 
Krystallen  43°30'. 

hc,  (023)  (001)  bei  Miller  32°31'  fand  Dufrenoy  an  Kry- 
stallen von  Alais  zu  33°30',  von  der  Silberwiese  bei  Oberlahr  zu 
33°28',  von  Pontgebaud  zu  33°19';  bei  diesen  Krystallen  muss  also 
auch  oc  einen  von  dem  der  vorhergehenden  Krystalle  abweichenden 
Werth  besitzen. 

nc,  (101)  (001)  bei  Miller  41°54'  hat  bei  Hausmann  den 
Werth  41  °7',  bei  Quenstedt  (ebenso  bei  Rose,  Mohs  und 
Hartmann)  41°4i>'. 

na,  (101)  (100)  bei  Miller  48°6',  bei  Breithaupt  48°15', 
fand  Dufrenoy  an  Krystallen  von  Cornwall  zu  46°10'  eine  bedeu- 
tende Abweichung;  es  ist  vielleicht  ein  Druckfehler. 

ya,  (111)  (100)  bei  Miller  57°3'  gibt  Mohs  zu  57°37"  an. 

i/6,  (111)  (010)  bei  Miller  54°33'  hat  bei  Mohs  den  Werth 
54°38'. 


450 


k  e  I. 


yc,  (111)  (001)  bei  Miller  52°40'  führen  Rose  und  Q u eil- 
st edt  zu  52°3l'an;  ersterer  macht  darauf  aufmerksam,  dass  dieser 
Winkel  bei  Mohs  den  irrthümlichen  Werth  von  o7°3l'  besitzt, 
welcher  mit  den  übrigen  Winkel.nigaben  von  Mohs  nicht  überein- 
stimmt. 

ua,  (112)  (100)  bei  Miller  67°58',  ist  nach  Hausmann 
68°24'. 

üb,  (112)  (010)  bei  Miller  66°26'  gibt  Hausmann  zu 
6ܰ54\  Mohs  zu  66°31'  an.  Dufrenoy  fand  diesen  Winkel  an 
cornischen  Krystallen  zu  66°. 

iic,  (112)  (001)  bei  Miller  33°15'  hat  nach  Hausmann 
den  Werth  von  32°33',  nach  Mohs  den  von  33°6'.  Dufrenoy 
beobachtete  diesen  Winkel  an  Krystallen  von  Cornwall  zu  33°  12, 
an  Krystallen  von  Servoz  in  Piemont  zu  32  58  . 

In  Folgendem  theile  ich  eine  Zusammenstellung  von  Winkeln 
(der  Flächennormalen)  mit,  welche  aus  den  Zonenverhältnissen 
berechnet  wird.  An  der  Hand  dieser  Tabelle  kann  man  sich  mit 
einigen  gemessenen  Winkeln  an  den  Krystallen  leicht  zurecht  finden. 
Als  Grundlage  der  Berechnung  sind,  um  die  Differenzen  in  den  ver- 
schiedenen Winkelbestimmungen  einigermassen  auszugleichen,  die 
Angaben  Miller's  gewählt,  weil  diese  nahezu  das  Mittel  der  ein- 
zelnen abweichenden  Messungen  darstellen.  Es  folgen  zuerst  in  einer 
schematisclien  Übersicht  die  Winkel,  welche  sämtntliche  von  mir 
beobachtete  Flächen  mit  den  Endflächen  der  Axen,  den  drei  Haupt- 
Prismen  und  der  Hauptpyramide  bilden;  daran  schliesst  sich  die 
Angabe  anderer  Winkel,  welche  zur  weitern  Orientirung  an  den 
Krystallen  dient. 


/   (014) 

a  (100) 

6(010) 

,•(001) 

«(011) 

/«(HO) 

//(101) 

.'/(Hl) 

90° 

76°33 

13°27 

30°  16 

79°  14 

43°37 

43°33 

x     (012) 

90 

64  27 

25  33 

18  10 

71  40 

47  49 

37  7 

h     (023) 

90 

57  29 

32  31 

11  12 

63  38 

50  7 

34  35 

0      (011) 

90 

46  17 

43  43 

87  26 

59  44 

43  6 

32  57 

t      (021) 

90 

27  36 

62  24 

18  31 

49  44 

69  50 

37  17 

ö  (031) 

90 

19  13 

70  47 

27  4 

46  28 

75  49 

41  39 

e     (120) 

64  52 

25  8 

90 

51  16 

18  2 

73  31 

40  53 

l      (230) 

57  59 

32  1 

90 

53  41 

11  9 

69  16 

38  44 

/.   (450) 

53  7 

36  53 

90 

56  27 

(i  17 

66  22 

37  49 

Versuch  einer  Monographie  dea  Bournonit. 


451 


III 

(HO) 

a  (100) 

b  (010) 

e(001) 

0   (011) 

m   (HO) 

//(101) 

y(Hi) 

46°50 

43°10 

90° 

59°44 

86°20 

62°49 

37°20 

w 

(430) 

38  39 

51  21 

90 

64  26 

8  11 

58  34 

38  6 

f 

(210) 

28  4 

61  56 

90 

71  2 

18  46 

53  54 

41  11 

i 

(310) 

19  34 

70  26 

90 

76  37 

27  16 

51  0 

45  2 

d 

(610) 

10  5 

79  55 

90 

83  4 

36  45 

48  53 

49  25 

ii 

(101) 

48  6 

90 

41  54 

57  28 

62  49 

83  47 

35  27 

y 

(111) 

57  3 

54  33 

52  40 

32  57 

37  20 

35  27 

— 

ii 

(112) 

67  58 

66  26 

33  15 

28  16 

56  45 

29  12 

19  25 

? 

(113) 

74  6 

73  1 

23  36 

29  45 

66  24 

30  7 

29  4 

?* 

(121) 

67  26 

35  5 

64  40 

28  53 

30  45 

54  55 

19  28 

8 

(122) 

72  3 

48  54 

46  34 

17  57 

45  20 

44  16 

25 

1t 

(212) 

51  1 

70  24 

45  29 

42  23 

47  41 

19  36 

15  51 

P 

(211) 

37  39 

63  3 

63  42 

52  11 

31  55 

30  58 

19  24 

.'/ 

(221) 

50  16 

46  3 

69  8 

43  11 

20  52 

47  5 

16  28 

P 

(223) 

63  11 

60  19 

41  10 

28  54 

48  50 

30  39 

11  30 

1 

(311) 

27  13 

71  34 

70  42 

62  47 

32  58 

32  53 

29  50 

r 

(314) 

56  49 

78  47 

35  31 

43  43 

58  6 

13  45 

24  6 

/. 

(414) 

48  55 

79  43 

42  53 

49  23 

54  44 

10  17 

25  18 

O) 

(436) 

61  39 

67  41 

37  26 

33  15 

51  49 

62  49 

19  1 

(001) 

(027)  = 

15  17 

(012)  (210)  = 

=  78  42 

(001) 

(034)  = 

35  39 

(012)  (101)  = 

=  47  49 

(001) 

(054)  = 

49  5 

(012)  (112)  = 

22  2 

(001) 

(075)  = 

53  14 

(012)  (121)  = 

:  41  13 

(010) 

(027)  = 

74  43 

(012)  (122)  = 

26  20 

(010) 

(034)  = 

54  21 

(012)  (314)  = 

35  5 

(010) 

(054)  = 

40  55 

(012)  (312)  = 

38  59 

(010) 

(075)  = 

36  46 

(012)  (436)  = 

28  21 

(001) 

(801)  = 

82  4 

(120)  (014)  = 

77  51 

(001) 

(302)  = 

53  23 

(120)  (023)  = 

56  32 

(001) 

(403)  = 

50  5 

(120)  (021)  = 

36  39 

(010) 

(801)  = 

7  56 

(120)  (230)  = 

6  53 

(010) 

(302)  == 

36  37 

(120)  (430)  = 

25  13 

(010) 

(403)  = 

39  55 

(120)  (210)  = 

36  48 

(100) 

(320)  = 

35  24 

(120)  (112)  = 

58  35 

(010) 

(320)  = 

54  36 

(120)  (021)  = 

25  20 

(012) 

(014)  = 

12°6 

(120)  (022)  = 

43  26 

(012) 

(023)  = 

6  58 

(430)  (012)  = 

74  22 

(012) 

(021)  = 

36  41 

(430)  (023)  = 

67  39 

(012) 

(120)  = 

67  1 

(430)  (021)  = 

55  24 

(012) 

(230)  = 

76  47 

(430)  (230)  = 

19  20 

(012) 

(430)  = 

74  22 

(430)  (121)  = 

35  9 

452  Zirkel. 

(210)  (014)  ==  83  43  (112)  (436)  =     6  19 

(210)  (023)  =  73  21  (121)  (014)  ==  52  40 

(210)  (230)  =  29  SS  (121)  (023)  =  36  41 

(210)  (121)  =  43  38  (121)  (021)  =  22  34 

(210)  (122)  =  S4  23  (121)  (230)  =  26  11 

(112)  (014)  =  24  S9  (121)  (122)  =  18  6 

(112)  (023)  =  83°33  (121)  (221)  =  17  10 

(112)  (021)  =  41  59  (122)  (014)  =  34  35 

(112)  (230)  =  S7  27  (122)  (023)  =  21  4 

(112)  (314)  =  15  27  (122)  (230)  =  43  53 

(112)  (221)  =  35  32  (314)  (014)  =  33  11 

(112)  (223)  =    7  55  (314)  (023)  =  37  43 

Mit  Berücksichtigung  der  Ausbildung  und  Form  der  Krystalle 
lassen  sich  die  vorkommenden  Gestalten  leicht  in  drei,  ziemlich  in 
ihrem  Aussehen  von  einander  abweichende  Gruppen  bringen,  zwi- 
schen denen  Milteltypen  verhältnissmässig  selten  sind.  Die  Verschie- 
denheit der  Form  mit  der  Verschiedenheit  des  Fundortes  dabei  in 
irgend  eine  Beziehung  zu  bringen,  gelingt  nicht,  indem  jeder  der- 
selben eine  grosse  Mannigfaltigkeit  von  Formen  der  abwechselnden 
Gestaltung  zeigt.  Kaum  dass  man  für  einen  Fundort  denjenigen 
Habitus  anzugeben  vermag,  der  vorwaltend  dort  vertreten  ist. 
Die  drei  Ausbildungsformen  sind : 

I.  Habitus.  Krystalle,  deren  Umriss  einem  rectangulären  Prisma 
gleicht;  die  Flächen  100,  010,  001  sind  ziemlich  im  Gleichgewicht 
und  treten  scharf  hervor.  Unter  den  Bournoniten  aus  Cornwall  und 
von  der  Silberwiese  bei  Oberlahr  ist  diese  Form  eine  der  gewöhn- 
lichsten. 

II.  Habitus.  Der  allgemeine  Umriss  der  Krystalle  ist  der  einer 
breiten  quadratischen  Säule  mit  oktaedrischer  Zuspitzung;  die  End- 
fläche a  erscheint  als  kleines  Quadrat  oder  Rechteck,  nur  selten  ver- 
schwindet sie  ganz;  die  Flächen  m  (110)  und  n  (101)  sind  schein- 
bar im  Gleichgewicht  und  sehr  ausgedehnt;  dessgleichen  b  (010) 
und  c  (001). 

III.  Habitus.  Krystalle,  welche  durch  Verkürzung  der  Axe  c  und 
Ausdehnung  der  Fläche  c  (001)  die  Gestalt  einer  platten  aufrecht- 
stehenden Tafel  besitzen,  an  der  aber  stets  die  Endfläche  «(100) 
auftritt;  die  übrigen  Flächen,  von  denen  b  (010)  fast  nie  fehlt,  sind 
sehr  schmal. 

Diesen  verschiedenen  Ausbildungsweisen  der  einzelnen  Kry- 
stalle reihen  sich  die  Zwillingsgestalten,  welche  besonderes  Interesse 


Versuch  einer  Monographie   des   Bournonit.  4«)»> 

erregen  und  diejenigen  Formen  an,  welche  durch  regelmässige  oder 
unregehnässige  Verwachsung  zahlreicher  Individuen  hervorgebracht 
sind. 

Bei  vielen  der  meistens  sehr  kleinen  sehr  häufig  nur  steck- 
nadelkopfgross  ausgebildeten  Krystallen  ist  es  nicht  so  leicht, 
sich  augenblicklich  über  die  Aufstellung  und  Flächenbezeichnuug 
klar  zu  werden;  die  verschiedenen  verticalen  und  horizontalen  Pris- 
men sind  meistens,  die  Endflächen  häufig  sehr  im  Gleichgewicht, 
dazu  liefert  die  Beschaffenheit  der  Flächen  weder  durch  charakteri- 
stische Gestreiftheit,  Rauheit  noch  durch  Glätte  irgend  welche  An- 
haltspunkte, so  dass  in  den  meisten  Fällen  erst  die  Messung  zahl- 
reicher Winkel  den  gewünschten  Aufschluss  gibt.  Auch  diese  selbst 
muss  mit  ziemlicher  Genauigkeit  vor  sich  gehen,  da,  wie  ein  Blick 
auf  die  vorhergehende  Tabelle  lehrt,  manche  Winkel  der  gerade  am 
häufigsten  auftretenden  Flächen  naheliegende  Werthe  besitzen,  z.  B. 
(100)  (101),  (010)  (110),  (001)  (101). 

Die  vorzüglichsten  der  von  Andern  und  mir  beobachteten  Kry- 
stall gestalten  sind  in  den  angehängten  Tafeln  dargestellt.  Die  Zeich- 
nungen wurden  im  k.  k.  Hof-Mineraliencabinet  durch  den  Litho- 
graphen der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei  Herrn  Andreas 
Obsieger  mit  ungemeiner  Kunstfertigkeit  und  Sorgfalt  nach  meinen 
Skizzen  construirt  und  lithographirt. 

In  der  nachfolgenden  Aufzählung  der  einzelnen  interessanteren 
Formen,  in  welchen  der  Bournonit  erscheint,  ist,  um  eine  spätere 
Vergleichung  oder  Controle  ausführen  zu  können,  bei  den  dem  Hof- 
Mineraliencabinet  angehörenden  Krystallen  Sammlung  und  Nummer 
angegeben,  in  und  unter  welcher  sie  sich  dort  vorfinden.  Hauptsäch- 
lich sind  die  Krystalle  von  Siebenbürgen,  Cornwall,  dem  Harz  und 
Oberlahr  in  sehr  zahlreichen  und  schön  ausgebildeten  Exemplaren 
dort  vertreten. 

Habitus  I. 

Fig.  I.  a  (100),  b  (010),  c  (001),// (101). 

„     2.  a  (100),  b  (010).  c  (001), n(  101),  m  (110). 

..    3.  «(100),  6  (010),  c  (001),  o  (011),  m  (HO).»  (101). 

...    4.  a  (100).  b  (010).  c  (001),  /'(2J0),  m  |  110).  n  (101). 

„     '6.  a(100),  6(010),  c(001),m(110),  o  (011) 


454  Zirkel. 

Fig.  6.  «(100),  6(010),  c  (001),  /»(HO),  l  (230),  o  (011), 
a;  (012),  y  (111). 

Fig.  1  bildet  schon  Graf  Bournon  von  cornischen  Krystallen 
ab.  Levy  führt  sie  in  seinem  Atlas  unter  Fig.  3  auf. 

Fig.  2  findet  sich  in  zahlreichen,  1"  grossen  zierlichen  Kry- 
stallen mit  gelbrothen  Zinkblendekrystallen  und  stellenweise  auf- 
sitzenden Schwerspathtafeln  auf  dem  Handstück  f|  der  Hauptsamm- 
lung von  Kapnik. 

Fig.  3  ebenfalls  eine  Combination  von  Kapnik  istDufrenoy 
(Fig.  275)  entnommen. 

Fig.  4  dessgleichen  von  Kapnik  auf  Quarz  mit  Zinkblende,  in 
der  I.  Handsammlung  (mit  1828  XL  154  bezeichnet),  a  (100)  sehr 
stark  glänzend,  parallel  der  Combinationskante  mit  m  (110)  fein 
gestreift,  c  (001)  etwas  drusig.  Ganz  ähnliche  Krystalle  finden  sich 
auf  Nr.  3535  a  der  II.  Handsammlung  (1851,  I.  47). 

Fig.  5  und  Fig.  6  bildet  Dufrenoy  (Fig.  281  und  283  ab); 
der  Fundort  ist  nicht  angegeben. 

Fig.  7.  «(100),  6(010),  £  (001).  ?w  (110)/' (210),  o  (011). 

„     8.  a  (100),  6(010),  c  (001),  m  (HO),  o  (011),  n  (101). 

„     9.  «(100),  6(010),  c (001),  mi  (HO),  n  (101),  #(111). 

„   10.  «(100),  6(010),  c  (001),  w  (HO),  w(101),  2/(Hl), 

u  (112). 

Fig.  7  ein  grosser  Krystall  von  Neudorf  am  Harz,  auf  dem  Hand- 
stück ||  der  Hauptsammlung  mit  Eisenspath  auf  Quarz  sitzend,  theil- 
weise  mit  Kupferkies  überzogen;  durch  die  Ausdehnung  von  c  (001) 
nach  der  Axe  «  und  die  Verkürzung  von  6  (010)  nach  der  Axe  c 
nähert  sich  diese  Form  einigermassen  dem  Habitus  III. 

Fig.  8  ebenfalls  vom  Harz  herstammend,  eine  ähnliche  Form 
theilt  Quenstedt  von  Bräunsdorf  bei  Freiberg  mit. 

Fig.  9  ein  !"  grosser  Krystall  von  Cornwall  aus  der  Krystall- 
sammlung;  «  (100)  wie  immer  glänzend,  6  (010)  wenig  horizontal 
gestreift,  c  (001)  etwas  rauh,  m  (110)  ziemlich  spiegelnd.  Eine 
ganz  ähnliche  Gestalt  haben  kleine  stark  glänzende  Krystalle  von 
Nagyag  in  Siebenbürgen,  auf  Rothmangan  aufsitzend  (aus  der 
I.  Handsammlung,  bezeichnet  mit  1860,  XV.  17);  dieses  interessante 


Versuch  einer  Monographie  des  Bournonit.  4!).) 

Handstück  ist  mit  einer  Unzahl  von  kleinen  zierlichen  Krystallen 
übersäet,  welche  theils  zwei,  in  ihrem  Habitus  gänzlich  verschiedenen 
Ausbildungsformen  angehören,  theils  nach  zwei  verschiedenen 
Gesetzen  verwachsene  Zwillinge  darstellen. 

Fig.  10  Krystall  von  Nagyag  aus  der  Krystallsammlung.  Fläche 
b  (010)  horizontal  gestreift,  a  (100)  und  m  (110)  glänzend. 

Fig.  11.  a  (100)  6(010),  c(001).  o  (011),  n  (101),  u  (112). 
„     12.  «  (100).  6(010),  c(00i),w(110),«  (101),  o  (011), 

y  (111),  u  (112). 
„     13.  «(100).  6(010),  c(00i),m  (HO),  l  (230),  o  (011), 

n  (101). i/(lll),  u  (112). 
„     14.  a  (100).  6(010),  c  (001),  m  (HO),  /(230),  e  (120), 

n  (101),  o  (011),  y  (111),  u  (112). 
„     15.  «(100),  6(010),  c  (001),  w  (110),  /  (230),  e  (120), 

w(101),.t(012),  o  (011),  y(lll),  m(112). 

Fig.  11,  ein  Krystall  von  Kapnik  ist  Levy  (Fig.  7)  entnommen, 
Fig.  12  findet  sich  ebenfalls  bei  Levy  (Fig.  9);  der  Krystall  stammt 
von  Servoz  in  Piemont.  Fig.  13,  14  und  15  sind  Krystalle  von  En- 
dellion in  Cornvall;  sie  sind  Levy's  Atlas  (Fig.  10,  11,  12)  entlehnt. 
Eine  der  Fig.  15  ganz  ähnliche  Form  gibt  Dana. 

Fig.  16.  «(100),  6(010),  c  (001),  «-(610),  i  (310),/" (210), 
w(430),  m(110),  A-(450),  l  (230),  e(120),  n  (101), 
o(011). 

Ein  ausgezeichneter  Krystall  wahrscheinlich  von  der  Grube 
Herodsfoot  bei  Liskeard,  aus  der  Krystallsammlung,  unten  und  auf 
der  Rückseite  verbrochen;  die  Zone  «6  ist  mit  grossem  Flächen- 
reichthum  entwickelt;  acht  horizontale  Prismenflächen  alle  deutlich 
ausgebildet  und  auf  das  Vollkommenste  spiegelnd,  treten  darin  auf, 
darunter  wurden  drei,  nämlich  k  (450),  «(310),  «'(ölO)  an  diesem 
Exemplar  zuerst  aufgefunden.  Ihre  Indices  ergeben  sich  einfach  aus 
den  nachstehenden  Winkelmessungen.  Von  den  Prismen  sind 
m  (HO),  /"(210)  und  l  (230)  vorwiegend  entwickelt. 

Die  Messungsdaten  der  ganzen  Zone  6«  sind : 


456  Zirke 


Gemessen 

Berechnet 

(010)  (120),  e 

^25°^ 

liiSP 

(010)   (230),  / 

31 

32  1 

(010)  (450),  k 

37 

36  53 

(010)   (HO),  m 

43 

43  10 

(010)  (430),  w 

51 

51  21 

(010)  (210),  f 

61 

61  56 

(010)  (310),  i 

70 

70  26 

(010)  (610),  d 

80 

79  55 

(010)  (100),  a 

89  y* 

90 

Fig.  17.  a  (100),  6(010),  c(001), /w(l  10),  f(2l0),x  (012), 
n  (101),  2/(11 1 ),  u  (1 12),  «(122),  p  (223),  «?  (436), 
^  (212),  X  (414),  p  (211). 

Einer  der  schönsten  Krystalle  in  der  Hauptsammlung  unter  ff 
aufbewahrt;  er  stammt  von  Neudorf  am  Harz,  ist  bleigrau,  unten  und 
an  einer  Seitp  wenig  verbrochen;  er  ist  nach  der  Axe  a  1t"  hoch, 
nach  b  1  f "  lang,  nach  c  \\"  dick;  auf  der  einen  Seite  ist  er  hier 
und  da  mit  Eisenspathrhomboedern  besetzt.  Sämmtliche  Flächen  sind 
gross  und  deutlich  entwickelt;  Fläche  a  (100)  ist  glänzend.  Sehr 
gross  ist  der  Reichthum  dieses  Krystalls  an  Pyramiden;  ausser  den 
gewöhnlichen  y  (111)  und  u  (112)  treten  die  seltenen  p  und  s  und 
sodann  die  vier  Flächen  n,  A,  p  und  w  auf,  welche  an  diesem  Kry- 
stall  zuerst  und  einzig  beobachtet  wurden.  Die  Indices  der  neuen 
Flächen  folgen  sowohl  aus  dem  Zonenverband  als  aus  den  Messungen. 
Wegen  der  Grösse  des  Krystalls  konnten  die  Flächen  nur  mit  dem 
Anlegegoniometer  gemessen  werden,  was  bei  ihrer  grossen  Ausdeh- 
nung leicht  von  Statten  ging. 

pa  gemessen  38°  berechnet  37  39 
py        „         18  „         19-24 

p  bestimmt  durch  die  Zone  ays.  Index  21 1 : 

ht  gemessen  48  l/s°  berechnet  48  '55 
Xc         ..42  „  42-53 

l  bestimmt  durch  die  Zone  bynn.  Index  414: 
na  gemessen  52°       berechnet  51  1 
ny  „  16  V.  r,  lä-51 

nc         „         46*/»  *         45-29 


Versuch  einer  Monographie  des  Bournonit  457 

7r  bestimmt  durch  die  Zonen  byXn  und  aomx.  Index  212. 

wrt  gemessen   61°      berechnet  61°39 
mi  „  7'/2    >  6  19 

o)  bestimmt  durch  die  Zone  una.  Index  43(3. 
Messungsdaten  für  die  seltene  Fläche  p  sind 

py  gemessen   11  y,0  berechnet   11°30 
pc  „  41  i/2  „  41   10 

Habitus  II. 

Fig.  18.  6(010),r(001),.r(012),w(110),  // (101). 
„     19.  «(100),  6(010),  c  (001),  m  (110),  n  (101),  «  (112). 
„    20.  a(I00),  Ä(010),  c(00l).»w(H0),w(10l).o(0ll), 
y(lll),«(112). 

Fig.  18  durch  das  Fehlen  der  Endfläche  «(100)  merkwürdig, 
theilt  Presl  (Fig.  1649)  mit;  von  Kapnik. 

Fig.  19  Krystall  von  Nagyag  in  Siebenbürgen  (in  der  I.  Hand- 
sammlung. 1860.  XVI.  17),  "§-'"  gross,  auf  Rothmangan  aufsitzend; 
«  als  stark  spiegelndes  Quadrat.  * 

Fig.  20  von  demselben  Fundort  (aus  der  Krystallsammlung). 
Dieser  quadratoktaeder  ähnliche  Habitus  ist  namentlich  bei  den 
kleineren  Krystallen  von  Nagyag,  Kapnik  und  Neudorf  am  Harz  sehr 
verbreitet;  letztere  sitzen  meistens  auf  Quarz  und  werden  stellen- 
weise von  Kalkspath  oder  dem  stets  noch  Jüngern  Braunspath  bedeckt. 
In  der  II.  Handsammlung  befindet  sich,  bezeichnet  mit  1840.  VII.  14 
ein  durch  seine  Grösse  bemerkenswertes  Bruchstück  eines  Krystalls 
von  diesem  Habitus;  oben  erscheint  die  vollkommen  quadratische 
Fläche  «,  deren  Kante  eine  Länge  von  7'"  hat;  die  Flächen  m  und  n, 
deren  Combinationskante  13"  lang  ist,  sind  vollständig  im  Gleich- 
gewicht. 

Habitus  III. 

Fig.  21.  «(100),6(010),  c(001),«(101),i/(lll). 
„     22.  «(100),  6(010),  c  (001),  w(110),  #(012),  M  (112). 
„    23.  «(100),  6(010),  c(001),  o(01l),.r(0l2),  w(110). 
«(112). 

Sitzh.  d.  matheiii.-natiirw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  30 


458  Zirkel. 

Fig.  24.  «  (100),  6(010),  e(001),  w  (110),  »(1 Ol),  h  (023), 
2/(111),  «(112). 
„     25.  a(100),  6(010),  e(001),  w(101),  ™(110),  e(120), 

„     26.  «  (101),  Ä  (010),  c(001),  o(011),  a-(012),n(101), 

w(U0),e(120),  »(112). 
„    27.  «(100),  c  (001),™  (HO)./*  (023),*  (014),  w  (101), 

v  (403). 

Fig.  21  eine  einfache  Form  aus  der  Krystallsammlung  von 
unbekanntem  Fundort,  wahrscheinlich  vom  Harz;  Flüche  b  (010) 
schwach  horizontal  gestreift;  eigenthümlich  ist  das  gänzliche  Fehlen 
einer  Fläche  aus  der  Zone  ab. 

Fig.  22  Krystall  von  Nagyag  (I.  Handsammlung,  1862. 
VIII.  60). 

Fig.  23  Krystall  von  Andreasberg  (I.  Handsammlung.  1857. 
III.  22)  auf  Quarz  aufsitzend,  stellenweise  mit  kleinen  Kupferkies- 
punkten bedeckt.  Die  Flächen  c,  u,  x,  o  sind  glänzend,  die  übrigen 
matt. 

Fig.  24  ist  Dufrenoy  (Fig.  276)  entnommen. 
Fig.  25  Krystall  von  Andreasberg  (Hauptsammlung  ff),  in  der 
Axe  a  f "  bmg,  in  der  Axe  b  I"  lang,  in  der  Axe  c  2'"  dick,  mit  Eisen- 
spath  auf  Quarz  sitzend,  hier   und  da  mit  Kupferkies  bedeckt,  mit 
ziemlich  matten  Flächen. 

Fig.  26  eine  cornische  Form ,  der  vorigen  sehr  ähnlich, 
den  Krystallabbildungen  von  Greg  und  Lettsom  entnommen 
(pag.  345).  *  • 

Fig.  27  findet  sich  bei  Dufrenoy  (Fig.  282).  Dufrenoy 
bezeichnet  öfters  die  verticalen  Prismen  mit  Buchstaben,  welche  den 
Winkelverhältnissen,  die  er  dafür  angibt,  zufolge  den  seltenen  Flä- 
chen h  (023)  und  t  (014)  entsprechen.  Es  liegt  wahrscheinlich  eine 
Verwechslung  in  der  Bezeichnung  vor,  indem,  soweit  meine  Beob- 
achtungen reichen,  diese  Flächen  niemals  allein  auftreten.  In  dieser 
Figur  sind  sie  beibehalten,  in  anderen  wurden  sie  durch  die  gewöhn- 
licheren Flächen  o(011)  oder  x  (012)  ersetzt,  wie  auch  Greg  und 
Lettsom  in  ihren  von  Dufrenoy  entlehnten  Krystallfiguren  stets 
diese  unwahrscheinlichen  Flächen  h  oder  t  mit  den  häufiger  auftre- 
tenden x  oder  o  vertauschten. 


Versuch  einer  Monographie  <les  Rournnnit.  41)9 

Die  Zwillings  Verhältnisse  des  Bonnioiiits  erregen  sowohl 
wegen  der  Mannigfaltigkeit  als  der  ausserordentlichen  Häufigkeit 
dor  vorkommenden  Formen  in  nicht  geringen)  Grade  das  Interesse. 

Zwei  verschiedene  Zwillingsgcsetze  lassen  sich  unterscheiden: 
das  eine  bis  jetzt  unberücksichtigte  bringt  nur  einfache  Gestalten 
hervor:  die  nach  dem  zweiten  vor  sich  gehende  Verwachsung 
erzeugt  aber  mehrere  verschiedene  Ausbildungsformen,  deren  Ver- 
breitung eben  so  häufig  als  ihre  Deutung  mitunter  schwierig  ist. 

Die  einfachste  Zwillingsverwachsung  ist  diejenige,  welche  nicht 
auf  einer  Durchwachsung,  sondern  einem  blossen  Contact,  einer 
Juxtaposition  mehrerer  Individuen  beruht.  Sie  kommt  hauptsächlich 
an  Exemplaren  von  Nagyag  und  Kapnils;  vor;  sie  besteht  darin,  dass 
die  einzelnen  Individuen  bis  zu  vier  und  fünf  an  der  Zahl  mit  den 
Flächen  b  (010)  an  einander  gewachsen  sind,  so  dass  die  Flächen  c 
aller  Individuen  eine  Ebene  bilden.  Die  zusammengewachsenen  Indi- 
viduen gehören  hauptsächlich  dem  scheinbar  quadratoktaedrischen 
und  dem  tafelartigen  Habitus  an;  ebenso  wie  bei  den  einzelnen  Indi- 
viduen, wenn  sie  tafelartig  werden  die  Axe  c  es  ist,  welche  die  Ver- 
kürzung erleidet,  erscheinen  auch  die  tafelartigen  Zwillinge  stets 
nach  der  Richtung  der  Axe  c  zusammengedrückt. 

Fig.  28  stellt  eine  solche  Zwillingsverwachsung  dar;  an  dem 
Exemplare,  welches  von  Nagyag  herrührt  (I.  Handsammlung.  1860. 
XVI.  17),  findet  sich  ausser  «(100),  6(010),  c(001)  noch  m  (HO) 
und  w(101),  so  wie  an  den  beiden  Grenzindividuen  die  Pyramiden 
y  (Hl)  und  u  (112).  Die  einzelnen  Individuen  gehören  dem 
Habitus  II  an. 

Während  bei  diesen  Krystallen  die  Flächen  a  (100)  in  eine 
andere  Ebene  fallen,  kommen  in  Kapnik  andere  vor,  bei  welchen  von 
einem  Mittelindividuum  aus  die  zu  beiden  Seiten  verwachsenen  Indi- 
viduen eine  successive  Verkürzung  der  Axe  a  erfahren  haben,  wie 
Fig.  29  zeigt.  Solche  Gestalten  finden  sich  auf  den  Handstücken  •§•£ 
und  II  der  Hauptsammlung. 

Schon  Graf  Bournon  beschreibt  eine  andere  Art  der  Zwil- 
lingsverwachsung, von  welcher  er  auch  eine  Abbildung  mittheilt;  sie 
kommt  hauptsächlich  in  Cornwall  vor,  findet  sich  aber  auch  nicht 
selten  an  Handstücken  aus  Siebenbürgen.  Sie  besteht  aus  einer,  den 
bekannten  rechtwinkligen  Staurolithzwillingen  ähnlichen  Durchwach- 
sung  zweier   Individuen,    welche   nach   der  Axe   a   lang  gestreckt 

32* 


460  Zirkel. 

erscheinen.  Die  Zwillingsfläche  ist  die  Fläche  m  (110)  und  da 
(HO)  (010)  =  43°10',  (HO)  (100)  =  46°50'  ist,  so  betragen 
die  Durchkreuzungswinkel  93°40'  und  86°20',  weichen  also  sehr 
wenig  von  einem  rechten  Winkel  ab.  Die  Flächen  c  beider  Indivi- 
duen fallen  in  eine  Ebene  zusammen.  Die  durchwachsenen  Krystalle 
gehören  meistens  dem  Habitus  II  an.  Manchmal  sind  von  den  Zwil- 
lingskreuzen nur  zwei,  scheinbar  rechtwinkelige  Arme  ausgebildet. 

Fig.  30  bildet  eine  der  einfachen  Zwillingscombinationen  aus 
Siebenbürgen  ab;  sie  findet  sich  auf  demselben  Handstück  von 
Nagyag,  welches  auch  Zwillinge  nach  dem  vorhergehenden  Gesetz 
aufwies;  ausserdem  ist  sie  z.  ß.  an  Nr.  ff-  der  Hauptsammlung  zu 
beobachten,  wo  sie  von  Rädelerz  begleitet  wird.  Die  Krystalle  sind 
meistens  sehr  klein,  überschreiten  kaum  die  Grösse  von  1  — %'". 

Fig.  31  stellt  einen  cornischen  Zwilling  dar,  welcher  ausser 
a^lOO),  6(010),  c(001)  nur  h  (101)  aufweist.  Bournon  gibt 
ganz  dieselbe  Abbildung.  In  jüngster  Zeit  hat  man  auf  der  Grube 
Herodsfoot  bei  Liskeard  in  Cornwall  neue  Anbrüche  von  bedeutend 
grössern,  aber  nicht  immer  vollständig  entwickelten  Zwillingen  dieser 
Art  gemacht.  Einer  der  schönsten  dieser  prachtvollen,  stark  spiegeln- 
den Krystalle  befindet  sich  in  der  I.  Handsammlung  unter  1862.  VI.  31. 

1)  u  f  r  e  n  o  y  und  L  e  v  y  haben  auf  ihren  Zeichnungen  die  Fläche, 
welche  bei  diesen  Zwillingen  eine  Ebene  bildet,  mit  b  (010) 
bezeichnet  und  Levy  sagt  ausdrücklich,  dass  bei  dem  in  ganz  der- 
selben Weise  zusammengesetzten  Rädelerz  die  Flächen  b  der  zahl- 
reichen sich  durchwachsenden  Individuen  in  eine  Ebene  zusammen- 
fallen; daneben  führen  sie  beide  die  Fläche  wjals  Zusainmensetzungs- 
fläche  an,  zwei  gänzlich  unvereinbare  Angaben,  da  m  in  der  Zone  ab 
liegt.  Wäre  b  die  in  eine  Ebene  fallende  Fläche,  so  würde  n  Zusam- 
menvvachsungsfläche  sein;  allein  genaue  Messungen  führten  zu  der 
Überzeugung,  dass  m  die  Zusammenwachsungsfläche  ist,  und  dass 
die  unter  n  liegenden  Flächen  c  es  sind,  welche  eine  Ebene  bilden. 
Dem  entspricht  auch  vollständig  die  Lage  der  Flächen  y  (111)  und 
U  (112).  Fig.  32  zeigt  eine  solche  Cumbination  von  Nagyag  (I.  Hand- 
sammlung. 1860.  XVI.  17),  an  welcher  letztere  beide  Flächen  auf- 
treten. Dufrenoy  gibt  unrichtig  an,  dass  sich  in  Kapnik  nie  ein 
einfaches  Zwillingskreuz  fände. 

Interessant  ist  das  Stück  ||  der  Hauptsammlung  (Fig.  33).  In 
einer  Quarzdruse  von  Kapnik  sitzen  neben  Blendekrystallen   durch- 


Versuch  einer  Monographie  lies  ßournonit.  4t)  1 

einander  gewachsene  Bournonitzwillinge ,  von  denen  nur  das  eine 
Individuum  die  Endfläche  «(100)  besitzt,  welche  hei  dem  zweiten 
fehlt;  dafür  tritt  bei  diesem  die  Flüche  n  auf,  welche  das  erstere 
nicht  zeigt;  auch  gehört  das  eine  Individuum  dem  Habitus  II,  das 
andere  dem  Habitus  I  an. 

Einen  andern  eigentümlichen  Fall  der  Zwillingsverwachsung 
zeigt  das  Handstück  ff  der  Hauptsammlung  (Fig.  37) ,  reich  besät 
mit  einfachen  Krysf allen  vom  Habitus  I,  gelbrothen  Zinkblendekry- 
stallen  und  fast  wasserhellen  Sclnverspathtäfelchen ,  welche  hier 
und  da  auf  den  Bournoniten  aufsitzen.  Mehrere,  nur  mit  den  Flächen 
a  (100),  b  (010)  und  c  (001)  ausgebildete  lange  Krystalle  sind 
nach  dem  ersterwähnten  Zwillingsgesetz  mit  den  Flächen  b  ver- 
wachsen, von  einem  Individuum  in  der  Mitte  sich  nach  den  Seiten 
zu  regelmässig  verkürzend  ;  dieselben  werden  scheinbar  rechtwinklig 
nach  dem  zweiten  Zwillingsgesetz  von  einem  horizontal  liegenden 
Individuum  durchsetzt,  so  dass  m,  welches  zwar  nicht  auftritt,  die 
Zusammenwachsungsfliiche  ist;  c  fällt  überall  in  eine  Ebene.  Die 
horizontale  Lage  dieses  Individuums  wird  durch  den  Glanz  der 
Flächen  a  und  die  Rauhigkeit  von  b  und  c  ausser  Zweifel  gesetzt, 
indem  die  Flächen  der  verticalen  Krystalle  dieselben  Unterschiede 
aufweisen. 

Obiges  Gesetz  der  Durchkreuzungszwillinge  ruft  noch  eine 
anders  aussehende  Art  von  Zwillingsgestalten  hervor,  welche  zu  den 
allerverbreitetsten  gehören  und  bei  denen  wegen  der  eigenthüm- 
lichen  Winkelverhältnisse  die  Zwillingsausbildung  meistens  so  ver- 
steckt ist,  dass  man  mit  einfachen  Krystallen  zu  thun  zu  haben 
glaubt,  bis  scharfe  Winkelmessungen  eine  haarfeine  Zwillingsgrenze 
oder  ein  kaum  wahrzunehmender  einspringender  Winkel  über  die 
Natur  des  Krystalls  aufklären.  Wenn  nämlich  bei  den  gewöhnlichen 
Durchkreuzungszwillingen  die  Axe  a  verkürzt  wird ,  so  fällt  das  in 
des  einen  Individuums  mit  dem  m  des  andern  nahezu  in  eine  Ebene; 
da  der  Winkel  mb  43°  10'  beträgt,  so  ist  der  einspringende  Winkel 
zwischen  beiden  m  nur  3°40',  also  kaum  zu  bemerken.  Die  Fläche  b 
verschwindet  alsdann  gänzlich,  die  Flächen  a  der  beiden  Individuen 
bilden  Winkel  von  8ti°20'  und  93°40'  mit  einander;  diese  Abwei- 
chung von  90  kann  man  mit  blossem  Auge  bei  den  kleinen  Krystal- 
len nicht  mehr  wahrnehmen.  Einen  auf  diese  Weise  ausgebildeten 
Krystall  zeigt  Fig.  3b;  er  stammt  vom  Harz  und  findet  sich  in  der 


462  Zirkel. 

Hauptsammlung  unter  H.  Auf«  sieht  man  den  einspringenden  Winkel 
besser,  auf  c  deutet  ein  feiner  Streifen  die  Zwillingsgrenze  an. 
Diese  Zwillinge  sind  am  Harz  überaus  häufig,  und  man  hält  sie  viel- 
fach anfangs  für  einfache  Krystalle.  Sehr  nahe  liegt  die  Vermuthung, 
dass  viele  der  von  Dufrenoy  und  Levy  als  einfach  abgebildeten 
Krystalle  vom  Harz  und  von  Pontgibaud  solche  Zwillinge  sind; 
Fig.  36  ist  ein  solcber  Krystall  (Fig.  5  bei  Levy)  als  Zwilling 
bezeichnet;  Levy  hält  die  vorderen  senkrechten  Zuschärfungs- 
flächen,  welche,  wenn  man  den  Krystall  als  Zwilling  auffasst,  das  n 
eines  andern  Individuums  sind,  für  o.  Auf  dem  Handstück  ff-  der 
Hauptsammlung,  ebenfalls  vom  Harz  herstammend,  findet  sich  eine 
ganz  ähnliche  Combination,  bei  der  auch  die  Fläche  a  fehlt  und  die 
Fläche  m  fast  ganz  verschwindet.  Die  Zwillingsgrenze  ist  deutlich 
daran  zu  sehen. 

Ein  eigenthümlicher  Zwillingskrystall  ist  Fig.  34  (aus  der 
Krystallsammlung)  von  der  Silberwiese  bei  Oberlahr,  1"'  gross,  mit 
glänzenden  Flächen.  Er  hat  das  Ansehen  eines  einfachen,  der  dem 
Habitus  I  angehört;  genaue  Messungen  ergeben  indess,  dass  seine 
Flächen  mehreren  Individuen  zugleich  angehören.  Wenn  man  von 
derjenigen  Fläche,  welche  man  für  b  hält,  nach  der  schmalen  obern 
horizontalen  Endfläche  misst,  so  erhält  man  die  Werthe : 


Gemessen 

Berechnet 

28° 

28°4        (af) 

46  53' 

46  SO'  (am) 

63  3 

64  52      (ae) 

Daraus  geht  hervor,  dass  die  vordere  verticale  Endfläche  eben- 
falls a  ist.  Wenn  man  von  der  seitlichen  verticalen  Endfläche 
(scheinbar  c)  nach  der  horizontalen  (a)  misst,  so  ergeben  sich  die 
Winkel : 


Gemessen 

Berechnet 

43°t2 

43°10 

(bni) 

61  53 

61  56 

(¥) 

Diese  seitliche  verticale  Endfläche  spielt  aber  die  Rolle  von  b, 
und  wo  sonst  die  Zone  ac  ausgebildet  ist,  findet  sich  jetzt  die  Zone 
ab.  Die  seilliche  verticale  Endfläche  verhält  sich  aber  zur  vordem 
wie  c  und  b  eines   einfachen  Krystulls,  denn  man  findet  zwischen 


Versuch  einer  Monographie  des  II.hu i.  403 

ihnen  die  verticalen  Prismenflächen  entwickelt;  von  der  seitlichen 
aus  ergibt  sich: 


Gemessen 

Berechnet 

43°55 

43°43 

(«0 

70  50 

70  47 

Od) 

Die  Fläche  d  (031)  wurde  an  diesem  Krystall  zuerst  aufgefun- 
den. Die  Zusammenwachsungsverhältnisse  dieses  Krystalls  fiigen  sich 
nicht  den  gewöhnlichen  Gesetzen;  jedenfalls  ist  keine  Verwachsung 
nach  m  oder«  dabei  im  Spiele,  da  die  drei  Endflächen  vollkommen 
senkrecht  auf  einander  stehen. 

An  dem  Krystall  ist  eine  ausgezeichnete  und  reiche  Zone  von 
Pyramiden  entwickelt;  wenn  man  von  der  einen  seitlichen  verticalen 
Endfläche  über  m  hinüber  nach  der  andern  misst,  so  spiegeln  folgende 
glänzende  Flächen  auf  das  deutlichste  ein: 


Gemessen 

Berechnet 

22°40 

23°36 

V 

52  40 

52  40 

y 

69 

69  8 

9 

90  5 

90 

m 

101  4 

(68°41) 

69  8 

9 

127  28 

(52 

13) 

52  40 

V 

145  40 

(34 

s  ) 

33  15 

u 

156 

(23 

45) 

23  36 

? 

179  45  180 


Die  Flächen  <p  (113),  g  (221)  sind  neu,  durch  Zonen  verband 
und  Winkelwerthe  bestimmt.  Auch  die  an  diesem  Krystall  zuerst 
beobachtete  Fläche 311  (</)ist  durch  Zonenverband  und  die  Messung: 


Gemessen  Berechnet 

aq         28  27°13 


festgestellt. 

In  Höhlungen  des  Handstückes  4880  (der  I.  Handsammlung. 
1834.  XVIII.  8),  ebenfalls  von  Oberlahr,  sitzen  auf  Eisenspath 
Krystalle,  welche  ganz  ähnliche  Verhaltnisse  darzubieten  scheinen. 
Die  Pyramidenzone  ist  an  ihnen  nicht  so  reich  entwickelt,  dagegen 
zeigen  sie  fünf  Flächen  in  der  Zone  ab. 


464  Zirkel. 

In  der  Umgegend  von  Kapnik  findet  sich  das  von  den  Berg- 
leuten so  genannte  Rädelerz;  es  wird  hervorgebracht  durch  zahl- 
reiche dünne  und  lange  Individuen,  welche  sich  wie  Speichen  eines 
Rades  durchkreuzen  und  zwar  ganz  nach  dem  gewöhnlichen  Zwil- 
lingsgesetz, dass  die  Flächen  c  in  eine  Ebene  fallen.  Dieser  Indivi- 
duen sind  so  viele,  dass  durch  ihre  symmetrische  Vereinigung  eine 
runde  Scheibe  entsteht,  welche  oft  im  Durchmeser  zollgross 
ist  (Fig.  38).  Die  Oberfläche  der  Platte  ist  meist  rauh,  ihr  Umriss 
gewöhnlich  ziemlich  verwischt,  so  dass  man  nur  in  seltenen  Fällen 
die  Enden  der  einzelnen  Individuen  zu  unterscheiden  vermag.  So 
befindet  sich  in  der  Krystallsammlung  ein  Rädelerz  von  Felsöbänya, 
bei  welchem  man  die  Fläche  n,  die  nach  vorne  gekehrt,  den  Rand 
der  Platte  (a)  abstumpft,  deutlich  erkennen  und  messen  kann;  eben- 
falls lässt  sich  das  nach  innen  gekehrte  m  messen,  diejenige  Fläche, 
welche  die  Auszackung  des  Randes  hervorruft  in  dem  m  des  einen 
Individuums  mit  m  seines  Nachbarindividuuins  einen  einspringenden 
Winkel  bildet. 

Bei  den  meisten  Rädelerzen  ist  die  Verwachsung  eine  scheinbar 
ganz  regellose;  man  kann  aber  stets  annehmen,  dass  immer  ein 
Individuum  mit  irgend  einem  andern  in  dem  Verhältniss  steht,  wie  es 
die  einfachen  Durchkreuzungszwillinge  zeigen,  dass  nämlich  m  die 
Zwillingsfläche  ist. 

Mitunter  vermag  man  an  dem  Rädelerz  eine  rohe  Kreuzesform 
zu  erkennen  und  es  scheint,  als  ob  ein  durch  Grösse  ausgezeichnetes 
einfaches  Zwillingskreuz  gewissennassen  als  Träger  der  Gestalt 
vorhanden  sei,  an  welches  sich  die  anderen  Individuen,  unter  sich 
demselben  Gesetz  gehorchend,  herumlegen  und  die  vier  scheinbaren 
rechten  Winkel  ausfüllen  (Fig.  39). 

Dann  und  wann  kommen  Gestalten  vor,  welchen  man  eine  noch 
regelmässigere  Entstehungsweise  zuschreiben  zu  müssen  glaubt;  so 
z.  ß.  Fig.  40  (I.  Handsammlung.  1854.  XII.  5  ein  Rädelerz  auf  Quarz 
mit  Blende  von  Kapnik). 

Zwei  Bündel,  deren  Individuen  etwa  nach  der  Fläche  e  ver- 
wachsen sein  dürften,  schneiden  sich  unter  Winkeln,  welche  denen 
der  gewöhnlichen  Durchkreuzungszwillinge  nach  m  gleich  zu  sein 
scheinen.  Die  Kleinheit  des  Krystalles  verhindert  selbst  eine  nur 
annähernde  Messung  der  Neigung  der  einzelnen  Individuen  zu 
einander. 


Versuch  einer  Monographie  «les  Bournonit.  46»> 

Mit  dem  Bournonit  ist  wohl  zweifelsohne  dasjenige  Mineral  zu 
verbinden,  welches  Mohs  prismatoidischer  Dystomglanz,  Hai  ding  er 
Wölchit,  Breithaupt  Antimonkupferglanz  genannt  hat1)-  Dasselbe 
findet  sieh  in  derben  Massen  und  äusserst  spärlichen  und  unvollkom- 
menen Krystallen  an  der  Wölch  bei  St.  Gertraud  im  Lavantthal  in 
Kärnten,  zusammen  mit  Eisenkies,  Antimonglanz,  Bleiglanz  und 
Malachit.  In  seinen  physikalischen  Eigenschaften  stimmt  dasselbe 
mit  seiner  schwärzlich  bleigrauen  Farbe,  die  an  Fahlerz  erinnert, 
mit  seiner  Härte  3  und  seinem  specifischen  Gewicht,  welche  im 
Mittel  zwischen  5-735  und  5*782  schwankt,  vollkommen  mit  dem 
Bournonit  überein. 

Der  Grund,  beide  Mineralien  zu  trennen,  lag  in  der  chemischen 
Untersuchung  Sehr  Ott  er's,  welcher  in  zwei  Analysen  des  Wölchits 
fand  2)  : 

i.  ii. 

Schwefel 28-602  28-602 

Antimon 16-412  16-647 

*»                         Arsenik 8-166  6-036 

Kupfer 16-326  17-352 

Blei 26  424  29-902 

Eisen 1-307  1404 

Wasser 2-30?  2-307 

99-44  102-250 

ohne  dass  sich  aus  diesen  Besultaten  für  den  Wölchit  irgend 
eine  bestimmte  Formel  ergibt.  Rammeisberg3)  hat  in  neuerer 
Zeit  dieses  Mineral  einer  wiederholten  Untersuchung  unterzogen, 
bei  welcher  er  niemals  im  Kolben  Schwefelarsensublimat  erhielt.  Die 
quantitative  Analyse  führte  auf  eine  mit  dem  Bournonite  sehr  nahe 
übereinstimmende  Zusammensetzung;  die  Abweichung  von  dessen 
Formel  ist  kaum  grösser,  als  sie  auch  sonst  bei  den  Bournoniten 


1)  Mohs,  Physiog-rnphie.  p.  530.  II  a  i  d  i  n  g  e  r  ,  Handbuch  der  best.  Mineralog. 
1835,  5G3.  I!  r  c  i  I  h  :i  ii  p  I  .  Charakteristik  d.  Min.  270.  Prismatic  antiuiony  glance, 
James,  System.  —  Prismatoidal  copper  glance  II  a  i  d  i  n  g  e  r  Treatise  ,  und 
Phillip  ps  Min.  334.  Dana  II.  82.  Dufrenoy  III.  357;  Hausmann  II 
173;  Naumann,  Eiern,  der  Min.  433.  Zippe  (Charakteristik  des  naturhist. 
Mineralsystems  1858.  213)  nennt  es  prismatoidischer  Endellionit  G  lock  er 
(Generum    et  spec.  mineralium  Synopsis   1847)   nannte  es  Wölchites  niger. 

2)  Bau  m  g  a  r  t  n  e  r,   Zeitschrift  VIII.  284. 

3)  Hainiii  elsberg,  Mineralchemie  80.  Dorl  sind  vermuthlich  Zeile  4  v.  u  die 
Zahlen  für   Blei  und  Kupier   verwechselt. 


466  Zirkel.  Versuch  einer  Monographie  des  ßournonit. 

vorzukommen  pflegt.  Die  Verwitterung,  welche  die  derben  Massen 
in  hohem  Grade  angegriffen  hat,  ist  ohne  Zweifel  die  Ursache  dieser 
Differenzen. 

Während  so  von  chemischer  Seite  nichts  einer  Vereinigung 
des  Wölchits  mit  dem  Bournonit  im  Wege  steht,  ist  auch  die  Kry- 
stallgestalt  desselben  vollständig  mit  der  des  letztern  überein- 
stimmend. Mobs  und  Haidinger  führen  eine  Combination  an,  die 
jedoch  nie  einer  Messung  unterzogen  wurde  und  ein  Bournonit  mit 
den  Flächen  a,  b,  c,  m,  o  zu  sein  scheint.  Ke  nngott  zeigte  (Mine- 
ralogische Notizen.  XIV.  Folge),  dass  ein  f  Zoll  langer  Krystall, 
welcher  ihm  als  Wölchit  übergeben  wurde,  Bournonit  sei. 

Rammeisberg  und  Kenngott  fanden  an  den  von  ihnen 
untersuchten  Exemplaren  ein  etwas  höheres  specifisches  Gewicht, 
vielleicht  herbeigeführt  durch  Verwachsung  mit  fremden  Zersetzungs- 
producten;  ersteier  fand  5-88  —  5-94,  letzterer  5-828.  Das  Hof- 
Mineralien -Cabinet  besitzt  zahlreiche  derbe  Stücke,  welche  als 
Wölchit  bezeichnet  sind;  die  sogar  in  dieser  Sammlung  nur  spärlich 
vertretenen,  meist  undeutlich  entwickelten  Krystallgestalten  lassen 
sich  sammt  und  sonders  mit  dem  Bournonit  in  Verbindung  bringen. 


Zirkel. Versuch  einer  Monographie  des  Bournonil 

Fiff  I 


Ftff.J 


Fig.  '/. 


Fia  ö. 


Fig.  5 


SitKungsb.d-k.  Ikad.d.W.  math.nalunr.CI.  XIA.  li.l.  I  .\btli  IS(iL\ 


Zirkel.  Versuch  nun-  Monographie  des   Bournonll 


rr.»  r  ii 


/>//  / 


Fig.  8. 


Fig.  9. 


Fig.  10. 


Fig   il 


Fig.  /'> 


Sitz, im 2'stul  k  Akad  «1  VV.  mafli.naturvr. Cl.  XLV.ßd.I.Abth.  186?. 


Zirkel.  Versuch   einer  Monographie  des   Bournonit.  Taf. 


/■;,/  /./. 


/■;,/  i'i 


Fig.  /.'/ 


Feg  10. 


Fig.  IS 


Fig  .  I)  . 


Sitaungsb.d.k  Akad.d  W.  in.iiti  .naturw.  C1XLV.  Itd  l.Aluli    1862. 


Zirkel. Versuch  einer  Monogropliic  de.s  Bouriuwii 

Fig.  IU 


Taf,  IV 


Fia   20 


Fig.  23 


Fig.  29. 


Fig.  2'/ 


SiUungsb.a.k.Akad.d.W  math.naturw  Cl.VI.l'.  Ii,l  [jftth..  1862 


Zirkel.  Versuch  einer  Monographie  de.s  Bournoiiil.  Taf.V. 


Fig.  ■;:> 


Fig.  ■>/; 


/■;,,  u 


Fig.  30. 


/■'/// .  Z9 


.Sitauiirfsl)  (I  k  Akad.d.W.  ni.iih.  naturw  Cl.XLV.Bd.l.Ablh.1862 


Zirkel. Versuch  einer  Monographie  des  Bournoiiil 


Tal. Vi 


Fi</   31. 


Fig.  33. 


Fig.  35. 


Fig.  3t 


Fig.  36. 


SitaungSb.d  k  Akad.cLW.  matli.  natimr.  Cl.  .\ L\'.  ßd  I  .\blh    I X (i'.' . 


Zirkel.  Versuch  einer  Monographie  des  Bournonil 


Taf.  VII. 


Via  39 


Sil  /.nllL.sl,  ,1  I.    .\l;.,,l    <MV    null,    mihirw.  CI    X  l,V  Uli  .1  Alilli     186: 


467 


XL  SITZUNG  VOM  10.  APRIL  1862. 


Das  c.  M.,  Herr  Director  M.  Hörn  es,  übersendet  im  Namen  des 
Herrn  L.  Hohenegger,  Directors  der  erzherzoglich  Albrecht'schen 
Eisenwerke  in  Schlesien,  ein  Exemplar  der  von  diesem  herausge- 
gebenen geognostischen  Karte  der  Nord-Karpathen  nebst  erläutern- 
dem Texte. 

Herr  Director  K.  v.  Littrow  übergibt  eine  Mittheilung  „über 
Luftspiegelungen"  aus  Briefen  des  HerrnPh.  O.W  e r  d  m  ü  1 1  e  r  v.  E 1  g g. 

Das  c.  M.,  Herr  Prof.  K.  Langer,  macht  eine  vorläufige  Mit- 
theilung: „Zur  Anatomie  der  männlichen  Schwellorgane". 

Herr  Dr.  A.  Lieben  theilt  die  ersten  Resultate  einer  von  ihm 
in  Gemeinschaft  mit  Herrn  Dr.  A.  Bauer  ausgeführten  grösseren 
Arbeit  „über  eine  neue  Reihe  zur  Gruppe  der  Äther  gehörigen  Ver- 
bindungen" mit. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 
Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1355.  Altona,  1862;  4»- 
Austria,  XIV.  Jahrgang,  XIV.  Heft.  Wien,  1862;  8<>- 
Beobachtungen,   Magnetische   und   meteorologische,    zu  Prag, 

XXII.  Jahrgang.  Vom  1.  Januar  bis  31.  December  1861.  Prag, 

1862;  4°- 
Comptes  rendus  desseances  del'Academiedessciences.  TomeLIV. 

No.  10  &  11.  Paris,  1862;  4<>- 
Cosmos,    XIe  Annee,  20e  Volume,  14e  Livraison.  Paris,  1862;  8°- 
Gazette  med.  d'orient,  Ve  Annee,  No.  12.  Constantinople,  1862;  40# 
Gesellschaft,  naturforschende,  in  Bern,  Mittheilungen  aus  dem 

Jahre  1861.  Nr.  469—496.  Bern,  1861;  8«- 
—  naturforschende,    in    Danzig,    Neueste    Schriften.    VI.   Band, 

4.  Heft. Danzig,  1862;  4<>-  — Klinsmann,  Ernst  Ferd.,  Clavis 

Dilleniana  ad  hortum  Elthamensem.  Danzig,  1856;  4°* 


468 

Gesellschaft,  naturforschende,  in  Emden,  36  —  44. Jahresbericht. 
1850  —  58.  Emden;  8°-  —  Kleine  Schriften.  IV.  Die  Gewitter 
des  Jahres  1855.  Von  M.  A.  F.  Prestel.  Emden,  1856;  8°- 
Haughton,  Samuel,  On  the  Reflexion  of  polarized  Light  from  the 
Surface  of  transparent  Bodies.  (From  the  Philosophical  Magazine 
for  August  1853.)  S°-  —  On  some  new  Laws  of  Reflexion  of 
polarized  Light.  (From  the  Supplement  to  the  Philosophical 
Magazine  for  December  1854.)  S°-  —  On  the  solar  and  lunar 
diurnal  Tides  of  the  Coasts  of  Ireland.  (Results  of  a  paper  read 
before  the  R.  Irish  Academy,  April  24,  1854.)  8°-  —  On  the 
Natural  Constants  of  the  healthy  Urine  of  Man,  and  a  Theory  of 
Work  founded  Thereon.  (Read  before  the  Association  of  the 
King  and  Queen's  College  of  Physicians.)  Dublin,  1860;  8°. 
—  Short  Account  of  Experiments  made  at  Dublin,  to  deter- 
mine  the  Azimuthai  Motion  of  the  Plane  of  Vibration  of  a  freely 
suspended  Pendulum.  (Extr.  from  the  Proceed.  of  the  R.  Irish 
Academy,  April  1851.)  Dublin,  1851;  8°- — Wem  and  James 
Henthorn  Todd,  The  Tides  of  Dublin  Bay  and  the  Rattle 
of  Clontarf  23rd  April,  1014.  (Being  the  Substance  of  some 
Communications  made  to  the  R.  Irish  Academy  in  May,  1861.) 
Dublin,  1861;  So- 
ll oh  en  egg  er,  L.,  Geognostische  Karte  der  Nord-Karpathen  in 
Schlesien  und  den  angrenzenden  Theilen  von  Mähren  und 
Galizien.  Ein  Blatt  in  Farbendruck  mit  erläuterndem  Texte. 
Gotha,  1861;  Folio  &  4<>- 
Istituto,  I.  R.,  Veneto   di    scienze,    lettere   ed    arti,  Atti.   Tomo 

VIIo,  Serie  3%  Disp.  4a-  Veuezia,  1861—62;  So- 
Königsberg,  Universität,  Akademische  Gelegenheitsschriften  aus 

dem  Jahre  1861.  Königsberg;  4»  &  So- 
Lüttich,  Universität,   Akademische  Gelegenheitsschriften  aus  den 

Jahren  1860  &  1861.  Brüssel  &  Lüttich;  8o  &  4o- 
Mittheilungen  aus  J.  Perthes'  geographischer  Anstalt,  Jahrgang 

1862,  Heft  III.  Gotha;  4o- 
Societe  Linneenne   de  Normandie,  Memoires.  Xle  Volume.  Paris 
&  Caen,    ls60;   4»-  — Bulletin.  Ile  &  III"  Vol.  Caen  &  Paris. 
1857  &  1858;  So- 
So  c  i  e  t  e*  geologique  de  France,  Bulletin.  2''  Serie,  Tome  XIXe,  Feuilles 
1—12.  Paris,   1861  ä  1862;  8"- 


469' 

Society,  The  geological  — ,  of  Dublin,   Journal.  Vol  IX.  Part  1. 
Dublin,  1861;  8«- 

—  The  Royal  — ,  of  Edinburgh,  Transactions.  Vol.  XXII.  Part  III. 
For  the  session  1860—1861.  Edinburgh,  1861;  4<>-  —  Pro- 
ceedings.  Vol.  IV.  Nr.  53.  Session  1860—1861;  8<>- 

—  The  Natural  History,  —  of  Montreal,  The  Canadian  Natura- 
list &  Geologist.  Vol.  VII,  No.  1.  Montreal,  1862;  8°- 

Tomaschek,  Karl,  Schiller  in  seinem  Verhältnisse  zur  Wissen- 
schaft. (Von  der  k.  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Wien 
gekrönte  Preisschrift.)  Wien,  1862;  8°- 
Villa,  Antonio,  e  Giov.  Battista,  Sülle  conchiglie  terrestri  e  fluviali 
raccolte  dal  professor  Bella rdi  nell  Oriente  e  su  quelle  rac- 
colte  dal  professor  Roth  in  Palestina  illustrate  dal  professore 
Mousson.  Milano,  1862;  So- 
Wiener   medicinische    Wochenschrift,    XII.    Jahrgang,    Nr.    14, 

Wien,  1862;  4°- 
Wochen-Blatt  der  k.  k.  steierm.  Landwirthschafts-Gesellschaft. 
XI.  Jahrgang.  Nr.  12.  Gratz,  1862;  4°- 


70 


Zur  Anatomie  der  männlichen  Schwellorgane. 

Vorläufige  Mittheilung. 
Von  dem  c.  M.  Prof.  K.  Langer. 

Die  sinnreiche  Hypothese  Kölliker's,  dass  die  Erection  durch 
eine  Relaxation  des  musculösen  Balkengewebes  der  Corpora  caver- 
nosa  und  der  Tunica  media  der  Arterien  zu  Stande  komme ,  hat 
erneuerte  Untersuchungen  der  Schwellorgane  veranlasst.  In  der  letzten 
Classensitzung  hat  das  wirkliche  Mitglied  Prof.  Ludwig  eine  Mit- 
theilung gemacht ,  der  zu  Folge  es  Eckhard  gelungen  ist,  den 
Nerven  zu  entdecken,  dessen  Reizung  die  Erection  einleitet.  Ich 
bin  seit  einiger  Zeit  mit  der  Anatomie  der  männlichen  Schwell- 
organe beschäftigt  und  erlaube  mir,  in  gedrängter  Fassung  die 
bisher  sichergestellten  Resultate  dieser  Untersuchung  vorläufig  mit- 
zutheilen,  bis  ich  die  mit  Abbildungen  versehene,  ausführlichere 
Abhandlung  vorzulegen  im  Stande  bin,  in  welcher  ich  auch  die 
Methode  der  Darstellung  näher  beschreiben  werde. 

Bekanntlich  ist  es  noch  immer  nicht  entschieden,  wie  sich  der 
Kreislauf  in  den  Schwellorganen  abschliesst,  ob  nämlich  das  Schwell- 
netz als  Ersatz  des  capillaren  Gefässnetzes  zwischen  die  Arterien 
und  Venen  eingeschaltet  ist,  also  ein  unmittelbarer  Übergang  aus 
den  Arterien  in  das  venöse  Netz  besteht,  oder  ob  neben  dem  Schwell- 
netze, welches  dann  die  volle  Bedeutung  eines  rein  venösen  Netzes 
hätte,  ein  capillares  Gefässnetz  vorkommt.  In  dieser  Beziehung 
glaube  ich  Folgendes  als  ganz  zuverlässig  angeben  zu  können. 

Das  Schwellgewebe  der  Eichel,  in  welcher  die  Verhält- 
nisse am  leichtesten  zugänglich  sind,  besteht  zunächst  aus  einer 
d  e  n  d  r  i  t  i  s  c  h  e  n  R  a  m  i  f  i  c  a  t  i  o  n  d  e  r  A  r  t  e  r  i  e  n,  aus  einem  groben 
venösen  Netze,  dem  eigentlichen  Schwellnetze  und  aus  einem 
capillaren  G  e  f ä  s  s  n  e  t  z  e. 


Langer.  471 

Die  Astfolge  der  Arterien  ist  vielfach  hin  und  her  gewunden, 
die  Gefässzweige  derselben  liegen  in  den  Maschen  des  venösen 
Schwellnetzes,  bilden  aber  selbst  kein  Netz,  sondern  übergehen  in 
ein  capillares  Netz,  welches  gleichsam  das  in  den  Lücken  des 
venösen  Schwellnetzes  befindliche  Parenchym  vertritt  und  mit  den 
Arterienzweigen  die  Lücken  des  Schwellnetzes  vollkommen  ausfüllt. 
Aus  diesem  capillaren  Netze  entstehen  im  ganzen  Gewebe  der 
Eichel  kurze  venöse  Wurzelstämmchen,  und  diese  bilden  allsogleich 
das  Schwellnetz.  Das  Schwellnetz  ist  ein  zwar  räumlich  ausgebil- 
detes, aber  insofern  geschichtetes  Netz,  als  seine  Gefässchen  gegen 
die  Oberfläche  der  Eichel  immer  kleiner  werden ,  gegen  die  Höhle 
der  Eichel  aber  immer  mehr  anwachsen,  bis  sie  schliesslich  auf  der 
Rückenseite  der  vorderen,  in  die  Eichel  eingeschobenen  Enden  der 
Corpora  cavernosa  penis  zu  dem  Wurzelnetze  der  Vena  dorsalis 
penis  zusammentreten.  In  umgekehrtem  Verhältnisse  zu  der  Grösse 
der  Gefässe  stehen  die  Maschen  des  Schwellnetzes,  so  dass  die 
kleinsten  Maschen  nach  Innen,  die  grössten  nach  Aussen  zu  finden 
sind.  Nach  der  Grösse  der  Maschen  richtet  sich  die  Ausbildung  des 
Parenchyms  und  des  capillaren  Netzes.  Während  an  der  Ober- 
fläche das  capillare  Netz  ein  continuirliches,  dichtes  Stratum  bildet, 
welches  sich  unmittelbar  an  das  nächst  gröbere  Stratum  des 
Schwellnetzes  anreiht,  sieht  man  tiefer,  je  in  einer  Lücke  des 
Schwellnetzes  eine  grössere  Gruppe  des  capillaren  Netzes,  und  ganz 
in  der  Tiefe,  entsprechend  den  schmalen  Balken  kleine  Stränge  von 
feinen,  netzförmig  verbundenen  Capillarien  die  groben  Gefässe 
umspinnen  und  mit  kurzen  Stämmchen  in  sie  einmünden. 

Durch  Injectionen  mit  verschieden  gefärbten  Injectionsmassen 
ist  es  mir  gelungen,  den  unmittelbaren  Übergang  der  Arte- 
rien und  Venen  in  das  Capillarnetz  nachzuweisen,  indem 
sich  beide  Farbstoffe  nicht  nur  an  der  Oberfläche,  sondern  auch  in 
der  Tiefe  der  Eichel  in  den  feinen  Capillarien  unmittelbar  begeg- 
neten. Ein  unmittelbarer  Übergang  aus  den  Arterien  in  das  venöse 
Schwellnetz  scheint  nicht  zu  bestehen. 

Wie  in  der  Tiefe  der  Eichel,  so  wird  im  Schafte  des  Corpus 
cav.  urethrae,  im  Bulbus  und  in  den  Corpora  cav.  penis  der  bei 
weitem  grösste  Theil  ihrer  Masse  von  dem  Schwellnetze  gebildet 
und  das  Gewebe  ist  auf  die  Trabekeln  reducirt.  In  diesen  sind 
daher  die  Arterienramificationen  und  die  Capillarien  zu  suchen. 


472  Zur  Anatomie  der  männlichen  Sehwellorgane. 

Auch  das  Schwell  netz  des  Corpus  cav.  urethrale  ist 
geschichtet,  und  zwar  der  Art,  dass  die  feinsten  Netze  innen,  d.  h. 
an  der  Urethralschleimhaut  liegen,  die  groben  am  äussern  Umfange, 
so  dass  die  Eichel  das  nach  vorne  verdickte,  ventralwärts  gespal- 
tene und  dorsalwärts  umgeschlagene  Ende  des  Schaftes  des  Corpus 
cav.  urethrae  darstellt,  wodurch  die  Innenfläche  des  Rohres  nach 
Aussen  zu  liegen  kommt. 

Jedes  Corpus  cav.  penis  bildet  dagegen  einen  Cylinder  mit 
umgekehrter  Schichtung  des  Schwellnetzes,  so  dass  die  gröbsten 
Stämme  des  Schwellnetzes  in  das  Innere,  die  feinsten  Partien  des- 
selben an  die  Oberfläche  zu  liegen  kommen. 

Wie  an  der  Urethralschleimhaut,  so  findet  man 
auch  an  der  Oberfläche  des  Corpus  cav.  penis  ein  fei- 
neres Capillarnetz,  welches  sich  unmittelbar  an  die  nächst- 
folgende gröbere  Schichte  des  Schwellnetzes  anreiht  und  mit  ihm 
in  Verbindung  setzt.  In  beiden  Organen  ist  es  mir  gelungen,  einer- 
seits die  Arterien,  andererseits  die  Schwellnetze  in  das  feine  ober- 
flächliche capillare  Netz  zu  verfolgen  und  durch  Begegnung  der 
Injectionsmassen  den  Zusammenhang  mit  demselben  nachzuweisen. 
Die  grösste  Anzahl  der  Verzweigungen  der  Arteria  profunda  penis 
geht  zur  Peripherie,  und  die  im  Innern  der  Corpora  cavernosa  penis 
und  an  der  Oberfläche  des  Corpus  cav.  urethrae  zwischen  den 
grossen  Stämmen  des  Schwellnetzes  in  den  Balken  capillar  verzweig- 
ten arteriellen  Gefässe  verhalten  sich  ungefähr  wie  Vasa  vasorum, 
bilden  wie  an  der  inneren  Oberfläche  der  Eichel  kleine  Venen- 
stämmchen,  welche  als  Seitenäste  in  die  grossen  Venen  einmünden. 

Das  Schwellnetz  der  Corpora  cavernosa  penis  ist 
daher  einwahresVenennetz,  und  der  Kreislaufschliesst 
sich  hier  wie  in  anderen  Organen,  zum  grössten 
Tb  eile  mit  einem  wahren  Capillarnetz  ab;  der  Unter- 
schied dieser  Formation  liegt  eben  nur  in  dem,  dass  sich  auch 
die  Venenwurzeln  vor  ihrem  Austritte  aus  den  Schwellorganen 
zu  einem  räumlich  ausgedehnten  Netze  zusammenballen.  Nebst 
diesem  durch  Capillarien  vermittelten  besteht  noch  ein  unmittel- 
barer Übergang  gröberer  Arterien -Zweigchen  in  das 
Seh  well  netz. 

Was  die  Arteriae  helicinae  anbelangt,  so  kann  ich  mit  aller 
Sicherheit  behaupten,  dass  sie  nichts  anderes   sind   als  theils  voll- 


Zur  Anatomie  der  männlichen  Schwellorgane.  473 

ständig  oder  unvollständig  gefüllte  Schlingen,  deren  Schenkel  sich 
decken,  theils  unvollständig  injicirte  oder  angeschnittene  und  in 
das  Balkengevvebe  zurückgezogene  Arterienäste,  weil  ich  durch 
Druck  mit  dem  Deckgläschen  oder  mit  Nadeln  die  Schlingen  ent- 
falten, oder  die  Injectionsmasse  weiter  fortschieben  oder  ganz  zum 
Austritte  bringen  konnte. 

Die  ausführenden  Venen  stamme  entstehen  in  der  Regel 
aus  den  groben  Partien  des  Schwellnetzes,  sie  entwickeln  sich  also  an 
der  inneren  Oberfläche  der  Eiche!,  und  an  der  oberen  Fläche  des  Cor- 
pus cav.  urethrae.  Wegen  der  centralen  Lage  der  grossen  Venen 
des  Corpus  cav.  penis  entstehen  die  Venae  profundae  penis  im 
Innern  und  treten  an  der  Wurzel,  überhaupt  an  der  hinteren  Partie 
der  unteren  Fläche  der  Schwellkörper  durch  die  oberfläch- 
lichen Lagen  des  Schwellnetzes  heraus.  Neben  diesem 
besteht  noch  ein  zweites  System  von  Venae  efferentes,  und  zwar  an 
der  Dorsalseite  des  Penis,  welches  sich  in  die  Vena  dorsalis  penis 
entleert  und  nicht  im  Innern  des  Penis,  sondern  in  den  oberfläch- 
lichen aus  feineren  Ge fassen  bestehenden  Lagen  des 
Schwellnetzes  wurzelt. 

An  dem  Schwell  netze  der  Urethra  kann  man  füglich 
zwei  Antheäle  unterscheiden;  der  innere,  in  den  submucösen 
Lagen  befindliche  ist  durch  längs  angeordnete  Gefässe  und  Maschen 
charakterisirt,  und  obwohl  mit  dem  peripherischen  in  unmittelbarem 
Zusammenhange,  doch  leicht  von  ihm  zu  sondern.  Der  bis  nahe  zur 
Mitte  der  Urethralänge  gespaltene  Bulbus  ist  nur  ein  Erzeugniss  des 
peripherischen  Theiles  und  von  diesem  dadurch  abweichend,  dass 
sich  wieder  die  grössten  Venen  im  Innern  desselben  befinden.  Im 
Bulbus  schliesst  der  peripherische  Theil  ab  und  nur  der  innere,  der 
Submucosa  angehörige  Antheil  ist  es,  welcher  die  Pars  membra- 
nacea  und  prostat ica  urethrae  begleitet  und  mit  den  Blasenvenen 
in  Verbindung  tritt. 

Es  bestehen  nicht  nur  venöse  Anastomosen  der  Corpora 
cav.  penis  mit  dem  der  Urethra,  sondern  auch  arterielle,  indem 
die  Arteria  profunda  penis  paarige  Rami  perforantes  von  Strecke 
zu  Strecke  absendet,  welche  von  oben  in  das  Corpus  cav.  urethrae 
eintreten. 

Kölliker  hat  zu  Gunsten  seiner  Hypothese  über  die  Erection 
behauptet,  dass  gar  keine  Apparate  bestehen,    welche    den    Rück- 

Sitzb.  der  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  33 


4T4  Langer.  Zur  Anatomie  der  männlichen  Schwellorgane. 

fluss  des  Blutes  aus  dem  Penis  h  e mm en  könnten.  Da  aber  die 
Erection  gewiss  weder  ausschliesslich  durch  vermehrten  Zufluss 
oder  gehemmten  Abfluss,  sondern  nur  durch  ein  Missverhältniss 
zwischen  Zufluss  und  Abfluss  des  Blutes  zu  Stande  kommt,  so  können 
unbeschadet  der  neuen  Versuche  solche  Apparate  bestehen.  Von 
der  Betheiligung  der  ausser  den  Venenwandungen  vorkommenden 
Muskeln  abgesehen,  glaube  ich  auf  zwei  in  dieser  Hinsicht  wirk- 
same Umstände  aufmerksam  machen  zu  können.  Es  ist  dies  erstens 
der  Durchtritt  der  dem  Systeme  der  Vena  profunda  angehörigen 
Ve n a e  effe rentes  d e s  P e n i s  durch  die  oberflächlichen 
Lagen  des  Schwellnetzes,  welche,  wenn  das  Blut  in  dem 
Netze  angestaut  ist,  gewiss  den  Bückfluss  des  Blutes  durch  Zusammen- 
drücken der  ausführenden  Venen  hemmen  können.  In  dieser  Anord- 
nung ist  es  theilweise  begründet,  warum  durch  Injectiondes  Schwell- 
netzes nur  selten  und  immer  nur  stückweise  die  Vena  profunda 
penis  gefüllt  werden  kann. 

Die  oberflächlich  entstehenden,  in  die  Vena  dorsalis  penis  über- 
gehenden Venen  übernehmen  dann  den  Abfluss  des  Blutes,  bis  das 
Schwellnetz  wieder  so  weit  entleert  ist,  um  die  Venae  profundae 
wegsam  zu  machen. 

Ein  zweites  ist  die  eigenthümliche,  schon  von  Santorini 
beobachtete  Trabecul  arbil  düng  i  n  den  Venen  des  Plexus 
S antorini.  Die  innere  Oberfläche  der  Venen  des  ganzen  Plexus, 
so  weit  dieser  Venen  von  den  äusseren  Geschlechtstheilen  aufnimmt, 
sieht  bei  beiden  Geschlechtern  ungefähr  wie  ein  aufgeschnittenes 
Corpus  eavernosum,  oder  wie  die  innere  Fläche  einer  Amphibien- 
lunge aus,  und  wie  aus  der  mikroskopischen  Untersuchung  hervor- 
geht, bestehen  diese  Trabekeln  durchaus  aus  musculösen  Faser- 
zellen. Üass  zwischen  dieser  und  der  Musculatur  der  Schwellorgane, 
wenn  die  Hypothese  der  Relaxation  richtig  ist,  ein  antagonistisches 
Verhältniss  bestehen  müsse,  ist  mehr  als  wahrscheinlich. 


475 


XII.  SITZUNG  VOM  24.  APRIL  1862. 


Der  Secretär  theilt  mit,  dass  die  Familie  des  verstorbenen 
Banquier,  Herrn  Ig.  L.  Lieb  en  gewillt  ist,  von  der  in  seinem  Testa- 
mente dem  allgemeinen  Besten  gewidmeten  ansehnlichen  Summe  den 
Betrag  von  sechstausend  Gulden  zur  Gründung  eines  Preises 
zu  bestimmen,  und  dass  dieselbe  bereits  um  die  Erlaubniss  hiezu 
bei  der  k.  k.  Stalthaiterei  eingeschritten  ist. 

Dieser  Preis  soll  im  Betrage  von  900  fl.  alle  3  Jahre  alternirend 
einmal  dem  Autor  der  vorzüglichsten  Arbeit  im  Gebiete  der  Physik 
mit  Inbegriff  der  physiologischen  Physik  und  das  nächste  Mal  dem 
Autor  der  vorzüglichsten  Arbeit  im  Gebiete  der  Chemie  mit  Inbegriff 
der  physiologischen  Chemie  von  der  k.  Akademie  der  Wissenschaften 
zuerkannt  werden. 

Der  Präsident  der  Academie  des  sciences  zu  Paris,  HerrElie  de 
Beanmont,  dankt  mit  Schreiben  vom  25.  November  v.  J.  für  die 
diesem  Institute  übermittelten  akademischen  Druckschriften. 

Herr.  Prof.  Dr.  Friedr.  Rochleder  in  Prag  übersendet  eine 
Abhandlung:  „Untersuchung  der  reifen  Samen  der  Rosskastanie 
(Aesculus  Hippocastanum}" . 

Herr  Prof.  Dr.  C.  Ludwig  spricht  über  die  Lymphgefässe  des 
Hodens  und  ihr  Verhältniss  zur  Samenbereitung. 

Die  betreffenden  Untersuchungen  wurden  von  ihm  gemein- 
schaftlich mit  dem  k.  k. Oberarzte,  Herrn  Dr.  W.  Tomsa,  ausgeführt. 

Prof.  Schrotte r  zeigt  einen  Kirchhoffschen  Spectralapparat 
mit  7  Prismen,  welcher  in  der  Werkstätte  des  k.  k.  polyt.  Institutes 
verfertigt  wurde.  Die  Prismen  und  die  Objective  hat  HerrPlössl 
geliefert,  sie  lassen  nichts  zu  wünschen  übrig.  Der  mechanische 
Theil  des  Apparates  wurde  von  Herrn  Starke  jun.  mit  allen  nöthigen 
Correctionen  meisterhaft  ausgeführt. 

33* 


476 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 
Astronomische    Nachrichten,  Nr.  1356.  Altona,    1862;  4°- 
Austria,  XIV.  Jahrgang,  XV.  &  XVI.  Heft.  Wien,  1862;  8°- 
Bau zeitung,   Allgemeine,  XXVII.    Jahrgang,    2.  &  3.    Heft   nebst 

Atlas.  Wien,  1862;  4«-  &  Fol. 
Comptes  rendus  des  seances  del'Academiedes  sciences,  TomeLIV, 

No.  12  &  13.  Paris,  1862;  4<>- 
Cos  mos,   XIe   Anuee,    20e   Volume,    15°  &    16e  Livraison.    Paris, 

1862;  8°- 
Cybulz,  Ignaz,  Handbuch  der  Terrain-Forrnenlehre  mit  einem  An- 
hange über  Elementar-TJnterricht  im  Terrain-Zeichnen.  Mit  146 
in  den  Text  eingedruckten  Holzschnitten.  Wien,  1862;  8°- 
Denkschrift   über   die  Verhältnisse   der   österreichischen   Mittel- 
schulen.    Der    vom    Abgeordnetenhause   des    h.    Reichsrathes 
ernannten    ständigen  Commission  für  Unterricht    und  Wissen- 
schaft   überreicht    vom    Vereine     „Die    Mittelschule".    Wien, 
1862;  8o- 
Gesellschaft   der  Wissenschaften,    königl.    böhmische,    Abhand- 
lungen.  V.    Folge,   XI.   Band.   Von   den   Jahren  1860—1861. 
Mit  4  lith.  Tafeln.  Prag,  1861;  4<>   —  Sitzungsberichte,  Jahr- 
gang 1861,  Juli—  December.  Prag,  1861;  8<>- 
Jahrbuch,  Neues,  für  Pharmacie  und  verwandte  Fächer,  heraus- 
gegeben vonG.  F.  Walz  und  F.  L.  Win  ekler.  Band  XVII.  Heft 
2.  Heidelberg,  1862;  So- 
Keller,  Antonio,  L'Ailanto  ed  il  Bombyx  Cynthia.  Padova,  1862;  80- 
Land-  und  forstwirtschaftliche  Zeitung,  XII.  Jahrgang,  Nr.  11  &  12. 

Wien,  1862;  Kl.  4<>- 
Regel,  E.,  Tentamen  Florae  Ussuriensis  oder  Versuch  einer  Flora 
des  Ussuri-  Gebietes.  Nach  den  von  Herrn  B.  Maack  ge- 
sammelten Pflanzen  bearbeitet.  Mit  12  Tafeln.  (Mein,  de  TAcad. 
Imp.  des  sc.  de  St.  Petersbourg,  VIIe  serie.  T.  IV,  No.  4.) 
St.  Petersburg,  1861;  40-  —  Reisen  in  den  Süden  von  Ost- 
Sibirien  ausgeführt  in  den  J.  1855  —  1859  durch  G.  Radde. 
Botanisehe  Abtheilung.  Nachträge  zur  Flora  der  Gebiete  des 
russischen  Beiches  östlich  vom  Altai  bis  Kamtschatka  und  Sitka,. 
nach  den  von  G.  B  a  d  d  e.  S  t  u  b  e  n  d  o  r  f f,  S  e  n  s  i  n  o  ff,  Bieder 
und  anderen  gesammelten  Pflanzen  bearbeitet  von  E.  Regel. 
Band  I.  Moskau,  1861;  8°- 


477 

Schlagintweit,    Robert    von,    Über   die    Höhen  Verhältnisse    In- 
diens und  Hochasiens.  (Sitzungsber.  d.  k.  bayer.  Akad.  d.  Wiss. 
zu    München,  math.-physik.  Ciasse,  ddo.  12.  December  1861.) 
München,  1862;  8<>- 
Tilscher,   Franz,    Die    Lehre   der    geometrischen    Beleuchtungs- 
Constructionen    und    deren    Anwendung    auf   das    technische 
Zeichnen.  Mit  einem  Atlas  von  13  lith.  Tafeln  und  einem  Farben- 
drucke. Wien,  1862;  8°  &  Fol. 
Viquesnel,   A.,   Notice   sur   la   vie   et   sur   les   travaux   de    M.  le 
Docteur  Verrollot.    (Lue  ä    la   Societe   meteorologique   de 
France,  seance  du  24  Dec.  1861.)  So- 
Wiener  medizinische  Wochenschrift,  XII.  Jahrgang,  Nr.  15  &  16- 

Wien,  1862;  4o- 
Wochen-Blatt  der  k.   k.  steierm.    Landwirthschafts-Gesellsehaft, 
XI.  Jahrg.  Nr.  13.  Gratz,  1862;  4*- 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH  -NATURWISSENSCHAFTLICHE  CLASSE. 


xlv.  um. 


ERSTE  ABTHEILUNG. 


Enthält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Botanik, 
Zoologie,  Anatomie,  Geologie  und  Paläontologie. 


479 


XIII.  SITZUNG  VOM  8.  MAI   1862. 


Das  hohe  k.  k.  Staats-Ministerium  übermittelt,  mit  Note  vom 
25.  April  1.  J.,  Z.  ^'97,  A.  U.,  d;is  Druckwerk:  „Die  Lehre  der  geo- 
metrischen Beleuchtungs-Constructionen  und  deren  Anwendung  auf 
das  technische  Zeichnen"  von  Franz  Tilscher,  Hauptmann  im  k.  k. 
Genie-Stabe,  mit  dem  Ersuchen,  dasselbe  in  Betreff  des  wissenschaft- 
lichen Werthes  und  der  didaktischen  Eignung  einer  Prüfung  zu 
unterziehen. 

Herr  ß.  Günsberg,  Assistent  der  Chemie  und  suppl.  Prof.  der 
chemischen  Technologie  an  der  k.  k.  technischen  Akademie  zu  Lem- 
berg,  übersendet  eine  vorläufige  Notiz  „über  das  Verhalten  von 
Gummi  gegen  Eiweisskörper". 

Von  Herrn  Prof.  V.  Bitter  v.  Zepharovich  ist  eine  Abhand- 
lung eingelangt  über  „die  Krystallformen  des  unterschwefligsauren 
Kalkes". 

Herr  Dr.  K.  M.  Diesing  übergibt  die  „Beschreibung  von  zwei 
neuen  Arten  der  Gattung  Aulastomum  aus  warmen  Quellen  Ungarns". 

Herr  Prof.  E.  Brücke  überreiebt  eine  Abhandlung:  „Über  die 
sogenannte  Molecularbewegung  in  thierischen  Zellen,  insonderheit  in 
den  Speichelkörperchen". 

Herr  Prof.  R.  Kner  legt  eine  Abhandlung  vor,  betitelt:  „Klei- 
nere Beiträge  zur  Kenntniss  der  fossilen  Fische  Österreichs". 

Herr  Dr.  A.  ßoue  spricht  über  eine  geographische  Karte  der 
Herzegowina  von  Herrn  de  Beaumont,  Präsidenten  der  geographi- 
schen Gesellschaft  zu  Genf. 

Herr  Dr.  M.  Rosen  thal,  Secundararzt  im  hiesigen  allgemeinen 
Krankenhause,  überreicht  eine  Abhandlung:  „Untersuchungen  über 
Resorption  und  Absorption  der  Jodmittel". 

Herr  Dr.  Alex.  Rollett,  Assistent  am  physiologischen  Institute 
der  Wiener  Universität,  übergibt  eine  Abhandlung:  „Versuche  und 
Beobachtungen  am  Blut". 


480 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 
Accademia  delle  scienze  dell' Istituto  di  Bologna,  Memorie.  Tokio X. 
Fase. 2—4;  TomoXI. Fase.  1—2.  Bologna,  1860&  1861 ;  4°-  — 
Rendiconto  delle sessioni. Anno  1859— 1860&1860— 1861  ;8°- 

—  I.  R.,  di  scienze,  lettere  ed  arti  in  Padova,  Rivista  periodica  dei 
lavori.  Vol.  VII,  No.  15  &  16;  Vol.  VIII,  No.  17  &  18; 
Vol.  IX,  No.  19  &  20.  Padova,  1858—1861;  8°- 

Akademie    der    Wissenschaften,    Königl.    Preuss.,     zu   Berlin, 
Monatsbericht.  Februar  und  März,  1862.  Berlin;  8°- 

—  Kaiserl.  Leopold. -Carol.  Deutsche,  der  Naturforscher,  Verhand- 
lungen.  XXIX.  Band.  Mit  28  Tafeln.  Jena,  1862;  4°- 

Annales  des  mines,  5e  Serie,  Tome  XX.  6e  Livraison  de  1861. 

Paris;  8°- 
Astronomische  Nachrichten,  No.  1357  &  1358.  Altona,  1862;  4°- 
Au  Stria,  XIV.  Jahrgang,  XVII.  &  XVIII.  Heft.  Wien,  1862;  8°- 
Comptes    rendus    des    seances    de    TAcademie    des    sciences, 

Tome  LIV,  No.  3,  4  &  14.  Paris,  1862;  4<>- 
Cos  mos,  XIe  Annee,    20e  Volume,    17e  &  18e  Livraison.    Paris, 

1862;  8°- 
Gewerbe- Verein,  nieder-österreichischer,  Verhandlungen  und 

Mittheilungen.  Jahrgang  1862,  4.  Heft.   Wien;  8°- 
Societe  Batave  de  philosophie  experimentale  de  Rotterdam,  Pro- 
gramme 1861.  Questions  105  —  130.  8°- 
Viertel  Jahresschrift    für    wissenschaftliche     Veterinärkunde. 

XVII.  Band,  2.  Heft.  Wien,  1862;  8°- 
Wiener  medizinische  Wochenschrift,  XII.  Jahrgang,  No.  17  &  18. 

Wien,  1862;  4<>- 
Wochen -Blatt  der  k.  k.  steierm.  Landwirthschafts- Gesellschaft, 

XI.  Jahrgang,  No.  14.  Gratz,  1862;  4<>- 


481 


Beschreibung  von  zwei  neuen  Arten  der  Gattung  Aulastomum 
aus  warmen  Quellen  Ungarns. 

Von  dem  w.  M.  Dr.  fi.  M.  D  i  e  s  i  n  g. 

Durch  die  besondere  Gefälligkeit  des  Hrn.  Prof.  Dr.  A.  S  c  h  m  i  d  I 
in  Ofen  erhielt  ich  im  November  v.  J.  zwei  Gläschen  mit  Egeln  aus 
warmen  Quellen  in  Ungarn,  in  Begleitung  eines  Schreibens,  welchem 
die  im  speciellen  Theil  dieser  Mittheilung  angeführten  näheren  Um- 
stände des  Vorkommens  entnommen  sind.  Dass  Egel  in  Thermen 
sich  finden,  ist  meines  Wissens  bis  jetzt  noch  nicht  bekannt  gewor- 
den und  jedenfalls  von  besonderem  Interesse.  Dieser  Fund  erweckte 
sogleich  in  mir  den  Wunsch,  zu  erfahren,  ob  nicht  auch  in  den  war- 
men Quellen  von  Baden  bei  Wien  und  Vöslau  Egelwürmer  sich  vor- 
finden; nach  einer  gefälligen  mündlichen  Mittheilung  des  Stadt-  und 
Badearztes  zu  Baden,  Hrn.  Dr.  Habel,  wurden  solche  aber  niemals 
in  den  dortigen  Schwefel  wässern  angetroffen;  hinsichtlich  der  Quel- 
len zu  Vöslau  konnte  ich  bisher  keinen  näheren  Aufschluss  erhalten 
und  es  wäre  gewiss  recht  verdienstlich,  hierüber  Nachforschungen 
anzustellen. 

Die  von  Professor  Seh  midi  eingesendeten  Thiere  erwiesen 
sich  bei  vorgenommener  Untersuchung  als  zwei  noch  unbeschriebene 
Arten  der  Gattung  Aulastomum,  von  welcher  bisher  nur  eine  in 
Mitteleuropa  und  Nordasien  t)  in  Wassergräben,  Teichen,  mitunter 
auch  auf  feuchter  Erde  lebende,  und  eine  zweite  von  Grube  als 
Aulacostomum  costaricense  in  den  Annulatis  Oerstedianis-)  S.  10 
publicirte  amerikanische  Art  bekannt  war3). 


i)   Gerstfeldt:  in  Mein.  Sav.  Etrang-.  Acad.  St.  Petersb.  VIII.  (1859).  266. 

2)  Naturhist.  Foren.  Vidensk.  Meddelelser  1858. 

3)  Durch  das  Bekanntwerden  der  hier  besprochenen  neuen  Arten  wird  eine  Modifikation 
des  Charakters  der  Gattung-  Aulastomum  in  manchen  Punkten  noth wendig;  insbeson- 


4öä  D  i  e  s  i  n  g. 

Mein  geehrter  Freund,  Herr  Prof.  Wedl,  hatte  die  besondere 
Gefälligkeit,  die  beiden  erwähnten  neuen  Species  einer  sorgfältigen 
Nachuntersuchung  zu  unterziehen  und  manche  genauere  Beobach- 
tungen beizufügen,  welche  hier  benützt  wurden,  wofür  ich  ihm  mei- 
nen wärmsten  Dank  abstatte. 

Das  eine  Fiäschchen  enthält  Egel  aus  den  warmen  Quellen  von 
Toplitza-Karand  bei  Boros  Sebes  im  Arader  Comitat.  Das  Wasser 
hat  21  "2  B.,  ist  vollkommen  klar,  mit  etwas  alkalinischem  Nach- 
geschmäcke. Die  Leute  holen  es  als  Trinkwasser,  daran  es  im  Dorfe 
fehlt,  kühlen  es  in  den  Kellern  ab,  und  befinden  sich  ganz  wohl 
dabei;  es  wirkt  nicht  im  geringsten  auflösend.  Es  sind  zwei  Quellen 
gleicher  Temperatur,  etwa  zwei  Klafter  auseinander,  in  einer  etwas 
sumpfigen  Wiese  entspringend,  f;tst  im  ebenen  Lande,  am  südwest- 
lichen Fusse  des  Kodru-  Gebirges  (Pless).  In  diesem  Wasser  finden 
sich  ziemlich  häufig  Egel.  Der  Körper  derselben  ist  beinahe  cylin- 
drisch,  mit  90  —  96  glatten  Bingen,  nach  vorne  schwach  halsförmig 
verschmäclitigl,  graubraun,  unterhalb  etwas  blasser.  Die  Zähne  der 
drei  Maxillen  .sind  stumpf,  ähnlich  wie  bei  der  folgenden  Art.  Zwi- 
schen je  zwei  Maxillen  liegen  vier  Ösophogeaifalten.  Die  an  der 
Bückenseite  der  Oberlippe  befindlichen,  durch  Compression  darstell- 
baren zehn  Augen  sind  folgendermassen  gestellt:  das  erste  Paar  mit 
den  näher  an  einander  gerückten  Augen  ist  das  vorderste;  die  fünf 
Beihen  der  Augenpaare  durch  Linien  verbunden  geben  den  Umriss 
eines  Hufeisens.  Der  Saugnapf  zeigt  eine  kreisrunde  Öffnung.  Der 
Penis  befindet  sich  zwischen  dem  20.  und  21.  Leibesringe;  die  Ent- 
fernung zwischen  den  beiden  GeschlechtsölTnungen  beträgt  zehn 
Binge.  Im  Übrigen  stimmt  diese  Art  mit  der  folgenden  überein. 

Dr.  Schmidl  fügt  folgende  Bemerkung  bei.  Er  hatte  kein 
Glas  bei  sich,  nahm  daher  das  Thermometer  aus  dem  Futteral,  ver- 
wahrte es  in  seiner  Bocktasche  und  zwei  Thiere  in  dem  messinge- 
nen Futteral.  Zu  Hause  fand  er  statt  2  Exemplaren  deren  6,  —  es 
hatte  seiner  Ansicht  nach  in  dem  Thermometerbehälter  eine  Ent- 
bindung stattgefunden  ')•     ^'e  «Jungen,    selbst   von  4'"  Länge  und 


(ieis  liegen  die  Geschlechtsöffnungen  hei  A.  tjulo  und  .1.  costaricense  zwischen  dein 
24.  ii.  '>:>.   und  29.   ii.  30.,   hei  A.  Wedli  zwischen  dem  23.  u.  24  und  2S.  u.  211.. 
bei  A.  Schmidli  zwischen  dem  20.   u.  21.   und  30.   u.  31.  Leihesringe. 
• )   Diese  Beobachtung   bedarf  um   so  mehr  weiterer  Bestätigung,   als  die  am  besten 
gekannte  Art  A.  gulo  eierlegend  ist  und  einen  Cocon  bildet;  vielleicht  Hesse  sich  die 


Beschreibung'  von  zwei  neuen  Arten  der  Gattung  Aulastomum  etc.        4oo 

1  '/a'"  Breite,  zeigten  übrigens  schon  den  Saugnapf:  die  übrigen  drei 
massen  6'",  8'"  und  1"  10"'  in  der  Länge.  Ich  habe  diese  Art  mit 
dem  Namen  des  Entdeckers  belegt. 

Anlastouinm  Schuüdli. 

Corpus  subcylindricum,  annulis  90 — 96,  antrorsum  partim 
in  colli  speciem  attenuatum,  cinereo-brunneum,  subtus  pallidius. 
Maxillae  dentibus  obtusis  instrtictae.  Ocelli  in  formam  fern'  equini 
dispositi.  Acetabulum  apertura  circulari.  Penis  inter  annulum  20. 
et  21.;  apertura  genitalis  feminea  inter  annulum  30.  et  31.  Longit. 
specim.  spiritu  vini  servati  2"  6  —  9'",  latit.  i/a",  diamet.  acetab. 
ultra  2'". 

Aulastomum  Schmidli  Diesing:  Icon.  zoogr.  Ferdinandi  I.  Imperatoris. 

Habitaculum.  In  fontibus  calidis  21  2  R.  prope  Toplitza 
Karand  in  Comitatu  Aradensi  (Seh midi). 

Das  andere  Fläschchen  enthält  9  Stücke  Egel  aus  dem  Thermal- 
wasser  von  Ofen.  Eine  der  Hauptquellen  dieser  5  Thermalgruppen 
ist  jene,  welche  mit  einer  Temperatur  von  20°  R.  und  bedeutender 
Mächtigkeit  aus  der  Berglehne  hervorbricht,  und  einen  Teich  füllt, 
welcher  im  vorigen  Jahre  zu  einem  Schwimmbassin  hergerichtet 
wurde.  Es  ist  derselbe  Teich,  der  durch  das  Vorkommen  der 
schönen  Nymphaea  {N.  thermalis  W.  K.)  bekannt  wurde,  welche 
seiner  Zeit  durch  Kitaibel  aus  den  Grosswardeiner  Thermen  hier- 
her verpflanzt  wurde  und  sonst  nur  noch  im  Nil  vorkommen  soll.  In 
diesem  Schwimmbassin  finden  sich  zeitweilig  Egel,  die  im  Teiche 
ziemlich  häufig  sind;  man  hat  aber  kein  Beispiel,  dass  sie  sich  an 
einem  Badenden  angesaugt  hätten. 

Der  Körper  dieser  Art  ist  fast  lanzettförmig,  halbrund,  mit  un- 
gefähr 90  glatten  Ringen,  vorne  halsartig  verschmächtigt,  oberhalb 
schwärzlich  olivengrün,  unterhalb  graugelb.  Der  Kopf  ist  mit  dem 
Körper  gleichlaufend,  der  Mund  ist  schief  endständig  mit  halbellipti- 
scher Ober-  und  fast  fehlender  Unterlippe  und  drei  halbkreisförmi- 
gen inneren  Kinnladen.  Jede  der  drei  Maxillen  ist  mit  zwei  Reihen 
von  in  einem  Kreisbogen  stehenden  Zähnen  (12 — 14  in  einer  Reihe) 
versehen.  Die  Zähne  sind  stumpf,  ähnlich  den  Mahlzähnen,  und  wer- 


Thatsnclie  so  erklären,  dass  die  .hingen  an  der  Unterseite  ihres  Mntterthieres  Schulz 
suchend,  sich  mittelst  des  Saugnapfes  anhefteten  und  sich  der  Beobachtung  ent- 
zogen,  ähnlich  wie  dies  hei  C/epsinr  der  Fall  ist. 


484     Diesing.    Besehreibung'  von  zwei  neuen  Arten  d.  Gattung  Aulastomum  etc. 

den  gegen  beide  Enden  zu  kleiner.  Zwischen  je  zwei  Maxillen  liegen 
der  Länge  nach  vier  Ösophogealfalten.  An  der  Rückenseite  der 
Oberlippe  sind  bei  auffallendem  Lichte  10  Augen  als  graue,  etwas 
vorragende  Körnchen  in  folgender  Anreihurig  zu  erkennen:  4  in  der 
ersten,  4  in  der  zweiten  und  2  in  der  dritten  Reihe,  welche  letztere 
dem  hintersten  Augenpaare  entspricht.  Bei  durchgehendem  Lichte 
lassen  sich  die  Augen  wegen  starken  Pigmenfgehaltes  der  Haut  mit- 
telst Compression  der  Oberlippe  nicht  wahrnehmen,  jedoch  mittelst 
Präparation  als  schwarze  ,  scharf  contourirte  Flecken  constatiren. 
Der  Saugnapf  zeigt  meist  eine  dreieckige  Öffnung.  Der  glatte  Penis 
tritt  zwischen  dem  23.  und  24.  Ringe,  3/4"'  weit,  aus  der  quer- 
geschlitzten  männlichen  Geschlechtsöffnung  hervor.  Die  quergestellte 
zweilippige  weihliche  Geschlechtsöffnung  befindet  sich  zwischen  dem 
28.  und  29.  Ringe  *).  Dieser  Art  habe  ich  den  Namen  meines  Freun- 
des Dr.  Karl  Wedl  beigelegt,  mit  dem  ich  in  Gesellschaft  unseres 
gemeinschaftlichen  Freundes  Dr.  Benedict  Kopezky  so  manchen 
lehrreichen  und  heiteren  Abend  verlebte  und  noch  zu  verleben  hoffe. 

Anlastomuni  Wedli. 

Corpus  sublanceolatum,  annulis  circa  90,  antrorsum  in  coli 
speciem  attenuatum,  supra  convexiusculum  nigro-olivaceum,  subtus 
planum  cinereo-flavum.  Mawillae  dentium  obtusorum  seriebus  semi- 
eircularibus  duabus  instructae,  dentibus  in  unaquaque  serie  12 — 14. 
Ocelli  cinerei  in  series  tres  dispositi,  quarum  prima  et  secunda 
ocellis  4,  tertia  simulque  posterior  ocellis  2  formata.  Acetabulum 
saepissime  apertura  subtriangulari.  Penis  inter  annulum  23.  et  24.; 
apertura  genitalis  feminea  inter  annulum  28.  et  29.  Longit.  9"' — 
ly,",  latit.  2—4'",  diamet.  acetabuli  1*/,—  2'"  et  ultra. 

Aulastomum  Wedli  Diesing ;  Icon.  zoogr.  Ferdinandi  I.  Imperatoris. 

Habitaculum.  In  balneario  publico  fontis  thermalis  20°  R. 
Budae  (Seh midi). 


t)  Die  genauen  Angaben  über  die  Zähnelung  der  Kinnladen  sowie  über  die  Lage,  Zahl 
und  Beschaffenheit  der  Augen  beider  Arien  verdanke  ich  der  Güte  des  Herrn 
Prof.   Wedl. 


Kner.   Kleinere  Beiträge  zur  Kenntniss  der  fossilen  Fische  Österreichs.     485 


Kleinere    Beiträge    zur    Kenntniss    der   fossilen    Fische 
Österreichs. 

Von  dem  w.  M.  Dr.  Rudolf  Kner. 

(Mit  %  Tafeln.) 

Der  Grobkalk  des  Leithagebirges,  wenngleich  der  Erhaltung 
fossiler  Überreste  von  Fischen  im  Ganzen  nicht  eben  günstig,  erweist 
sich  doch  von  besonderem  Interesse  durch  den  auffallenden  Reich- 
thum  an  zweifellosen  Stachelflossern.  Schon  in  Graf  Münster's 
Beiträgen  zur  Petrefactenkunde  (7.  Heft)  sind  deren,  freilich  bis- 
weilen falsch  gedeutet,  enthalten.  In  J.  H  e  ckeTs  zweiter  Abhandlung 
seiner  wichtigen  „Beiträge  zur  Kenntniss  der  fossilen  Fische  Öster- 
reichs" (XI.  Bd.  der  Denkschriften  der  kais.  Akademie  der  Wissen- 
schaften 1856)  gehören  aber  sämmtliche  aus  den  genannten  Schich- 
tengebilden angeführten  Arten  zu  Cuvier's  Stachelflossern,  indem 
daselbst  1  Percoid  (Lates  Partschii),  1  Cataphract  (Ctenopoma 
JemelkaJ  und  2  Labroiden  (Labriis  Agassizü  und  porvulus)  be- 
schrieben und  abgebildet  werden.  Hiezu  noch  gezählt  die  in  den 
„Neuen  Beiträgen  von  He  ekel  (von  mir  beendet)  im  19.  Bande  der 
Denkschriften  1861  vorgeführten  drei  Arten  (Serranus  pentacan- 
thus,  Trigla  infausta  und  Scorpaena  prior),  so  ergibt  sich,  dass 
mit  Ausnahme  der  in  der  citirten  Abhandlung  des  Grafen  Münster 
enthaltenen  oft  unverlässlich  bestimmten  einzelnen  Theile  (Zähne 
u.  dgl.)  die  Mehrzahl  aller  aus  jenen  Schichten  bekannten  Gattungen 
Acanthopteiygier  sind.  Und  auch  mein  kleinerer  Beitrag,  den  ich 
hiemit  zu  übergeben  die  Ehre  habe,  umfasst  abermals  drei  ver- 
schiedene Gattungen  von  Stachelflossern,  deren  jede  einer  andern 
Familie  Cuvier's  angehört,  die  sämmtlich  für  den  Leithakalk  neue 


486  *  »  e  '• 

Vorkommnisse  sind,  und  von  denen  meines  Wissens  eine  vielleicht 
bisher  noch  nirgends  aufgefunden  wurde.  Das  Auftreten  der  letztern 
dürfte  aber  namentlich  desshalb  von  grösserer  Bedeutung  sein,  weil 
es  einen  neuen  Beleg  für  die  schon  mehrfach  ausgesprochene  Ansicht 
zu  liefern  scheint,  dass  das  Alter  des  Leithakalkes  etwas  höher 
anzuschlagen  sei,  als  jenes  der  übrigen  das  miocäne  Wiener  Becken 
ausfüllenden  Schichten  und  dass  namentlich  seine  Fischfauna  noch 
mehr  dem  Charakter  der  indischen  als  europäischen  Meere  der 
Gegenwart  entspricht,  wie  dies  auch  schon  das  Auftreten  von  Lates 
andeutet. 

Dieser  Anhaltspunkt  erleichtert  dann  auch  nicht  nur  die 
Bestimmbarkeit  der  Gattung,  welcher  die  erste  der  hier  abzuhan- 
delnden Arten  zuzuweisen  ist,  sondern  berechtigt  überdies  zu  dem 
Schlüsse,  dass  die  beiden  von  Heckel  in  der  erwähnten  Abhandlung 
beschriebenen  und  auf  Taf.  15  in  Fig.  2 — 5  abgebildeten  Labroiden 
nicht  füglich  der  Gattung  Labrus  angehört  haben  können.  —  Was 
zunächst  den  Labrus  Agassizü  Heck,  oder  den  Notaeus  Agassizii 
Münst.  anbelangt,  so  mahnt  schon  der  erste  Blick  auf  das  in  Fig.  3 
dargestellte  Exemplar,  welches  dem  Grafen  Münster  vorlag,  an 
einen  der  Gatlung  Julis  zugehörigen  Labroiden,  und  wenn  auch  das 
in  Fig.  2  dargestellte  grössere  Exemplar  mehr  zerquetscht  und  die 
Rumpfhöhle  dadurch  beträchtlicher  erscheint,  so  bin  ich  doch  gleich- 
falls geneigt,  beide  für  gleichartig  zu  halten,  wenigstens  lässt  sich 
das  Gegentheil  nicht  beweisen.  Für  einen  echten  Labrus  kann  ich 
jedoch  die  in  Rede  stehende  Art  aus  folgenden  Gründen  nicht  halten. 
Erstlich  weisen  die  fossilen  Einschlüsse  des  Leithakalkes,  wie  schon 
erwähnt,  auf-  eine  jedenfalls  subtropische  Fauna,  namentlich  die 
indische  mit  Einschluss  des  rothen  Meeres,  hin  und  in  dieser  ist 
derzeit  nach  den  Ausweisen  von  Bleeker's  des  umfassendsten 
Kenners  der  indischen  Fischfauna  (s.  dessen  Enumeratio  specierum 
piscium  Archipelagi  indici,  Batavia  1859)  die  Gattung  Labrus 
durch  keine  Art  vertreten,  während  dagegen  Julis -Arten  unter  den 
Labroiden  in  überwiegender  Anzahl  vorkommen.  Der  Bezahnung 
der  Kieferstücke  zufolge,  so  weit  sie  erkennbar  ist,  entsprechen  die 
M  ü  n  st  er-Heckel'schen  Exemplare  allerdings  einem  Labrus,  doch 
eben  so  gut  auch  einem  Julis,  unter  denen  nicht  wenige  gleichfalls 
in  Mitte  des  Zwischen-  und  Unterkiefers  verlängerte  schwach  ge- 
krümmte Fangzähne  tragen. 


Kleinere  Beitrüge  zur  Kenntnis«  der  fossilen  Fische  Österreichs.  487 

Auch  die  Form  und  Bezahnung  des  untern  Sehlundknochens, 
dessen  Umriss  in  Fig.  4  auf  Taf.  15  nur  theilweise  gegeben  ist, 
nöthigt  nicht  in  diesem  Fische  eine  Labrus- Art  anzuerkennen,  denn 
sowohl  bei  Labrus  wie  bei  Julis  finden  sich  nebst  rundlichen  auch 
spitze  Zähne  am  untern  Schlundknochen  vor,  an  den  obern  hingegen 
letztere  nur  bei  Julis;  und  an  dem  von  He  ekel  beschriebenen 
Exemplare  gewahrt  man  nebst  den  am  untern  Schlundknochen  fest- 
sitzenden noch  einige  lose  spitze  Zähne,  die  wahrscheinlich  den 
oberen  angehörten  und  eine  ähnliche  Form  zeigen  wie  z.  B.  bei 
Julis  Sebae.  —  Was  endlich  den  Verlauf  der  Seitenlinie  betrifft,  so 
gibt  Heckel  sie  entschieden  als  nicht  unterbrochen  an,  und  dies 
Merkmal  würde  allerdings  zu  Gunsten  der  Gattung  Labrus  sprechen 
(denn  an  einen  Cossyphus  lässt  sich  schon  nach  der  Form  der  Schlund- 
knochenzähne nicht  denken),  doch  konnte  ich  bei  genauer  Ansicht 
jenes  Exemplares  mich  keineswegs  mit  Sicherheit  von  diesem  Um- 
stände überzeugen,  da  gerade  an  jener  Stelle,  wo  die  Seitenlinie 
abbrechen  soll,  der  Erhaltungszustand  des  Exemplares  minder  gut 
ist  und  ein  scharfes  Erkennen  nicht  gestattet.  —  Fasst  man  nun  alle 
erwähnten  Verhältnisse  zusammen  und  erwägt  man,  dass  nur  die 
Wahl  zwischen  den  beiden  Gattungen  Labrus  und  Julis  bleiben  kann, 
so  glaube  ich,  namentlich  auf  den  zuerst  erwähnten  Grund  gestützt, 
mich  für  die  letztgenannte  Gattung  um  so  mehr  aussprechen  zu  dürfen, 
als  anderseits  kein  zwingender  Grund  vorliegt,  sich  für  die  erstere  zu 
entscheiden.  Es  wäre  demnach,  wenn  meine  Anschauung  die  richtige 
ist,  Heckel's  Benennung  der  Art  in  Julis  Agassizii  oder  vielleicht 
besser  in  Julis  Münsteri  umzuändern. 

Was  hingegen  den  Labrus  parmäus  Heck,  anbelangt,  so 
genügt  ein  flüchtiger  Blick  auf  Fig^ö  der  Taf.  15,  um  zu  erkennen, 
dass  man  es  überhaupt  hier  mit  keinem  Labroiden  zu  thun  habe,  und 
Heckel  selbst  spricht  sich  mit  Becht  hierüber  nur  zweifelhaft  aus. 
Meines  Erachtens  dürfte  es  aber  gerathener  sein,  vorerst  diese  Art 
wenigstens  aus  dem  Verzeichnisse  fossiler  Labroiden  gänzlich  zu 
streichen. 

Diese  Bemerkungen  hielt  ich  für  nöthig,  der  nun  folgenden 
Beschreibung  eines  von  der  Münster-Heckel'schen  Art  verschie- 
denen Labroiden  vorauszuschicken,  den  ich  als  eine  Julis -Art  eben- 
falls richtig  zu  deuten  glaube.  Ich  erhielt  ihn  durch  die  Güte  des 
Herrn    Abbe   Sigismund    Bubic,    dem  das  Museum  der  Universität 

Sitzb.  der  inathem.-naturw.  Ol.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  34 


488  K  n   e  r. 

bereits  mehrere  schöne  Funde  aus  den  Steinbrüchen  von  Margarethen 
verdankt  und  dem  zu  Ehren  ich  die  nachstehende  Artbenennung 
vorzuschlagen  mir  erlaube. 

1.  Julis  Sigismondi,  m. 

Fig\  1  ,  in  nat    Gr. 

Obschon  der  Erhaltungszustand  dieses  bisher  einzigen  Exem- 
plares  namentlich  in  Betreff  des  Kopfes  sehr  viel  zu  wünschen  lässt, 
so  berechtigen  die  vorhandenen  Überreste  doch  mit  voller  Sicherheit 
zu  folgenden  Schlüssen.  Der  bei  a  sichtbare  untere  Schlundknochen 
konnte  nur  einem  Labroiden  angehört  haben  und  zwar  seiner  Form 
und  Bezahnung  nach  entweder  jener  Gruppe,  die  theils  rundliche, 
theils  spitze  Pharyngeal -Zahne  besitzt,  oder  jener  mit  blos  spitzen 
Zähnen.  Letzteres  ist  jedoch  nur  bei  den  Gattungen  Ctenolubrus, 
Acantholabrus,  Coricus  und  Lubroides  der  Fall  und  von  diesen 
schliessen  alle  übrigen  Merkmale  unsern  Fisch  um  so  mehr  aus,  als 
mit  Ausnahme  von  Lubroides  Bleek.  keine  derselben  dem  indischen 
Ocean  eigen  ist.  Von  der  erstgenannten  Gruppe,  welcher  demnach 
unser  Fisch  angehört  haben  muss,  bleiben  aber  nur  die  Gattungen 
Xirichthys,  Labrus  und  Julis  über,  da  er  von  den  übrigen  durch 
Totalgestalt,  Flossenhildung,  Beschuppung  u.  s.  w.  sich  abscheidet. 
Gegen  Xirichthys  (oder  Novucula)' sprechen  die  Schuppenabdrücke, 
die  ersichtlich  zu  geringe  Kopfhöhe  und  jedes  fehlende  Anzeichen 
einer  steil  abfallenden  Stirn.  Es  bleibt  somit  nur  die  Wahl  zwischen 
den  beiden  anderen  Gattungen,  die  aber  nicht  schwierig  sein  dürfte, 
wenn  man  folgende  Punkte  in's  Auge  fasst.  —  Gegen  die  Deutung 
als  Labrus  spricht  der  schon  früher  hervorgehobene  Mangel  des  Vor- 
kommens dieser  Gattung  im  rothen  und  indischen  Meere,  ferners  die 
trotz  des  schlecht  erhaltenen  Kopfes  doch  zweifellos  kurzen  Kiefer, 
die  schwachen  Stachelstrahlen  der  Rückenflosse  und  die  entschieden 
unterbrochene  Seitenlinie.  Alle  diese  Verhältnisse  sprechen  aber 
gerade  zu  Gunsten  der  Gattung  Julis  im  weiteren  Sinne.  Nicht  mög- 
lich erscheint  es  dagegen  näher  angeben  zu  wollen,  mit  welcher 
von  den  zahlreichen  Arten  dieser  in  mehrere  Subgenera  zu  trennen- 
den grossen  Gattung  die  fragliche  Art  zunächst  mag  verwandt 
gewesen  sein,  da  insbesondere  Kopf  und  Schwanzflosse  zu  kümmer- 
lich erhalten  sind  und  die  Gegenplatte,  welche  hierüber  wohl  Auf- 
klärung geben  könnte,  leider  fehlt. 


Kleinere  Beiträge  zur  Kenntniss  der  fossilen  Fische  Österreichs.  489 

Die  Totalgestalt  ist  ziemlich  gestreckt  und  die  Länge  beträgt 
ohne  Caudidflosse  bei  G  W.  Zoll.  Sie  verhält  sich  unter  der  Annahme, 
dass  der  stark  zerdrückte  Kopf  nicht  bedeutend  vorgeschoben  wurde, 
von  der  Gegend  der  Kieferränder  bis  zu  Ende  der  Caudalplatten  des 
letzten  Wirbels  gerechnet,  zur  grössten  Höhe  über  den  Brust-  und 
Bauchflossen  nahezu  wie  4:1.  Die  Kopflänge  dürfte  gleichfalls  bei- 
läufig J/4  der  Körperlänge  (ohne  Caudale)  betragen  haben;  die 
kleinste  Höhe  an  der  Basis  der  Schwanzflosse  ist  l2/3mal  in  der 
grössten  enthalten.  —  Von  jenen  Knochen ,  die  dem  Kopfe  und 
respiratorischen  Apparate  angehörten,  sind  nur  folgende  erkennbar. 
Zunächst  bei  a  das  untere  Os  phaiyngeum,  welches  mit  seiner  obern 
zahntragenden  Fläche  im  Gesteine  festsitzt,  so  dass  nur  an  dem 
dünnen  und  langen  Stiele  ein  Paar  spitzer  Zähne  seitlich  sichtbar  ist; 
einige  lose  liegen  hinter  der  Zahnplatte.  Bei  b  gewahrt  man  das 
Vorderende  des  rechten  Unterkieferastes  mit  zwei  verlängerten  Fans- 
Zähnen  und  zwar  liegt  selbes  dem  rechten  ersten  Bogen  des  Zungen- 
beines auf,  an  dem  in  noch  ziemlich  natürlicher  Lage  5  Kiemenstrahlen 
festsitzen.  Den  Baum  zwischen  den  unteren  Schlundknochen  und  der 
Brustflosse  nehmen  zerdrückte  und  verworrene  Stücke  der  Kiemen- 
deckeln und  des  Schultergürtels  ein.  Die  übrigen  Knochen  der 
Schädelkapsel  und  des  Gesichtes  fehlen  beinahe  gänzlich  und  sind 
wenigstens  in  den   einzelnen  Fragmenten  nicht  sicher  bestimmbar. 

An  der  längs  halber  Körperhöhe  verlaufenden  Wirbelsäule  sind 
24 — 25  längliche  ziemlich  schlanke  Wirbel  und  eben  so  viele  obere 
Dornfortsätze  deutlich  erhalten;  nur  die  Körper  der  2 — 3  vorderen, 
an  das  Hinterhaupt  grenzenden  fehlen  an  dieser  Platte  fast  gänzlich. 
Von  den  vorhandenen  sind  7— 8  Bauch-,  die  übrigen  16— 17  Schwanz- 
wirbel. Die  an  den  letzten  sich  anlehnenden  Caudalplatten,  welche 
zur  Stütze  der  Flossenstrahlen  dienen,  stellen  fast  rechtwinkelige 
Dreiecke  dar.  Die  Zahl  der  Rippen  lässt  sich  nicht  genau  angeben, 
doch  waren  deren  wohl  9—10  vorhanden.  Die  Rückenflosse  beginnt 
weit  vorne,  fast  senkrecht  über  der  Kiemenspalte  und  reichte  bis 
gegen  den  Dornfortsatz  des  fünft  letzten  Caudalwirbels  zurück;  nur 
die  ersten  7  Strahlen  sind  als  ungegliederte  stachelähnliche  zu 
erkennen,  alle  aber  dünn  und  die  vorderen  niederer  als  die  hinteren. 
Schon  der  achte  ist  deutlich  gegliedert  und  getheilt  und  zwar  sind  die 
letzteren  mehrfach  gabiig  gespalten  und  kommen  an  Länge  der  hal- 
ben grössten  Körperhöhe  nahezu  gleich.    Die  Anale  beginnt  unter 

34* 


490  K  »  •  '■ 

dem  Anfange  des  gegliederten  Theiles  der  Rückenflosse  und  wird 
von  11 — 12  erkennbaren  Strahlenträgern  gestützt,  von  denen  der 
erste  am  längsten  und  stärksten  ist.  Bereits  ihr  3.  und  4.  Strahl  war 
ein  getheilter  Gliederstrahl,  der  die  vorhergehenden  stacheligen  an 
Länge  bedeutend  übertraf.  Die  kleinen  etwas  hinter  dem  Beginne 
der  Dorsale  sitzenden  Brustflossen  und  die  etwas  weiter  rückwärts 
liegenden,  ebenfalls  kleinen  Ventralen  sind  zwar  nur  theihveise 
erhalten,  aber  in  ziemlich  unverrückter  Lage  und  entsprechen  in 
ihren  Verhältnissen  ganz  gut  jenen  der  Gattung  Julis  überhaupt.  Am 
wenigsten  conservirt  ist  die  Caudale  und  nur  soviel  zu  entnehmen, 
dass  sie  abgerundet  und  keineswegs  halbmondförmig  eingeschnitten 
war. 

Die  Schuppen  haben  sich  wie  bei  Heckel's  Lahr.  Agassizii 
zwar  nicht  im  Umrisse  aber  um  so  schärfer  im  Abdrucke  der  Radien 
an  ihrer  festsitzenden  Hälfte  erhalten.  Sie  waren  bedeutend  grösser 
als  an  jenem  und  reihen  sich  den  grosssehuppigen  Arten  an,  wie 
deren  Indien  viele  aufzuweisen  hat,  denen  sich  unsere  fossile  Art  auch 
durch  die  Stellung  und  Zahl  der  Hauptradien  ihres  Fächers,  die  6 — 7 
beträgt,  anreiht.  Die  grössten  und  mit  den  stärksten  Radien  versehe- 
nen Schuppen  nahmen  die  Seiten  des  Rumpfes  über  den  Brustflossen 
ein.  —  Der  Seitencanal  verlauft  nahe  dem  Rücken,  mit  ihm  parallel 
bis  zu  Ende  der  Dorsale  und  scheint  dann  unterbrochen  (nicht  blos 
rasch  abwärts  biegend)  gewesen  zu  sein  und  keine  Nebenröhrchen 
ausgesendet  zu  haben. 

Paliniphemus  »)  anceps,  n.  g. 

Fi».  2,   in  nat.  Gr. 

Das  hier  abgebildete  Unicum  stammt  von  derselben  Localität 
wie  das  vorige  und  ich  gelangte  ebenfalls  durch  die  Güte  des  Herrn 
Abbe  Bubic  in  dessen  Besitz.  Sein  Erhaltungszustand  ist  zwar  leider 
auch  nicht  sehr  befriedigend,  doch  scheint  die  Bestimmung  als  neue 
Gattung  mit  ziemlicher  Sicherheit  möglich.  Um  aber  hierüber  völlig 
im  Klaren  zu  sein,  müssten  mehrere  wesentliche  Theile  besser 
erhalten  sein  und  mindestens  fest  stehen,  ob  der  Kopf  durch  mecha- 
nischen Druck  in  die  platte  Dreieckform  gepresst  wurde,  oder  ob 
diese  die  natürliche  war.  Unter  der  letztern,  allerdings   wahrschein- 


i)  Von  tto(>  luVfjU'j;  widersprechend. 


Kleine  Beitrüge  zur  Kenntniss  der  fossilen  Fische  Österreichs.  49  1 

lieberen  Annahme  bleiben  aber  dann  nicht  viele  Gattungen  lebender 
Fische  übrig,  denen  diese  fossile  Art  angehört  oder  zunächst  gestan- 
den haben  kann. 

Unter  den  sogenannten  Knochenfischen,  von  denen  allein  die 
Rede  sein  kann,  finden  sieh  in  der  Ordnung  der  Weich-  oder  Glieder- 
flosser  nur  in  der  grossen  Gruppe  der  Siluroiden  ähnliche  Formen 
vor,  doch  schliessen  sowohl  die  noch  weit  zurück  am  Schwänze 
sichtbaren  gegliederten  Strahlen  einer  daselbst  vorhanden  gewese- 
nen Rücken-  und  Afterflosse,  wie  auch  die  deutlichen  Schuppenab- 
drücke sogleich  jeden  Gedanken  an  einen  Fisch  jener  Gruppe  aus. 
Eben  so  wenig  kann  von  der  Familie  der  Pediculateu  die  Rede  sein. 
Unter  den  Stachelflossern  im  Sinne  Cuviers  sind  hingegen  mehrere 
Gattungen  etwas  genauer  zu  prüfen  und  zwar  insbesondere  folgende. 

Aus  der  Familie  der  Gobioiden  :  Callionymus  und  Platyptera. 
Von  erst  genannter  Gattung  schliesst  sich  aber  unser  Fisch  aus : 
durch  die  Grösse  der  Mundspalte,  die  langen  Kieferäste,  den  vor- 
ragenden Unterkiefer,  die  scharfen  Leisten  an  den  Deckknochen  des 
Oberkopfes  und  die  deutlich  sichtbaren  Schuppen;  auch  würde  sich 
von  einem  Callionymus  bei  dieser  Lage  des  Kopfes  die  Rewaffnung 
der  Deckelstücke  ohne  Zweifel  kenntlich  erhalten  haben.  Platyptera 
hingegen  unterscheidet  sich  von  ihm  durch  kleinen  Mund,  zwei 
wenig  strahlige  Rückenflossen,  die  nahe  hinter  einander  stehen  und 
den  ganzen  Schwanz  flossenfrei  lassen,  indem  auch  die  kurze  Anale 
unter  der  zweiten  Dorsale  angebracht  ist.  Ausser  diesen  bleiben  aber 
höchstens  noch  3  Gattungen  aus  der  Familie  Ca  taphracti  über,  die 
einer  Vergleichung  unterzogen  werden  können,  nämlich  Agonus 
(Aspidophorus),  Bembras  und  Platycephalus.  Der  Gedanke  an  die 
beiden  ersteren  muss  jedoch  sogleich  fallen  gelassen  werden,  da  sich 
sowohl  von  einem  Agonus  die  eckigen  Hautschilder  ohne  Zweifel  im 
Abdruck  erhalten  hätten,  wie  auch  von  Bembras  der  Umriss  der 
vielen  Dornen  und  Spitzen  des  Kopfpanzers;  bei  Agonus  kommt 
noch  überdies  zu  erwägen,  dass  diese  Gattung  derzeit  der  kälteren 
Zone  angehört  und  in  den  wärmeren  Meeren  der  östlichen  Erdhälfte 
gänzlich  fehlt,  während  doch  die  übrigen  Vorkommnisse  im  Leitha- 
kalke durchwegs  auf  solche  hinweisen.  —  Was  dagegen  die  Gattung 
Platycephalus  betrifft,  so  regt  sich  beim  Anblick  des  breiten  flachen 
und  dreieckigen  Kopfes  mit  den  scheitelständigen  Augen  und  vor- 
stehendem Unterkiefer,  ferner  der  langgestreckten  spindelförmigen 


492  K   n  e   r. 

Gestalt,  der  stark  entwickelten  paarigen  Flossen  und  der  abgestutzten 
Caudale  unwillkürlich  die  Vermuthung,  man  habe  es  hier  zum  ersten 
Male  mit  einem  fossilen  Vertreter  dieser  vom  rothen  Meere  bis  in  die 
Südsee  zahlreich  vertretenen  Gattung  zu  thun.  Doch  erweist  auch 
sie  sich  alsbald  als  unrichtig,  wenn  man  folgende  Punkte  in  Erwä- 
gung zieht.  Vor  Allem  widerspricht  dieser  Annahme  die  Kleinheit 
und  Anzahl  der  Wirbel.  Bei  Platycephalus  sind  die  Wirbelkörper 
zwar  auch  länger  als  hoch  aber  ungleich  grösser  und  stärker,  daher 
ihre  Zahl  seihst  bei  den  langgestreckten  Arten  bedeutend  geringer  ist 
als  bei  unserm  fossilen  Fische;  sie  beträgt  bei  jenen  (die  skeletlieh 
bekannt  sind)  27 — 28  ,  während  sie  bei  diesem  auf  40  steigt. 
Namentlich  nehmen  auch  bei  Platycephalus  die  letzten  Caudalwirbel 
ungleich  weniger  an  Grösse  ab,  und  die  Dornfortsätze  und  Flossen- 
träger sind  durchaus  viel  stärker,  als  dies  hier  der  Fall  ist.  Ferner 
scheint  der  Bau  der  zweiten  Dorsale  und  der  Anale  abweichend  gewesen 
zu  sein.  Bei  Platycephalus  ist  bekanntlich  deren  Basis  lang,  die 
einzelnen  Strahlen  stehen  von  einander  ziemlich  weit  ab  und  sind 
kräftig,  da  sie  sich  mehrmals  gabiig  theilen,  und  an  die  Flösschen 
der  Scomberoiden  hiedurch  mahnen. 

Hier  jedoch  scheint  eine  zweite  Dorsale  von  kurzer  Basis  nahe 
dem  Caudalende  der  ebenfalls  kurzen  Anale  gegenüber  gestanden  zu 
sein  und  die  Strahlen  beider  Flossen  dünn,  einander  genähert  und  von 
ähnlicher  Form  gewesen  zu  sein,  wie  bei  jenen  Scombriden,  die  der 
falschen  Flossen  ermangeln.  —  In  allen  diesen  Punkten,  in  welchen 
unser  Fisch  von  Platycephalus  so  wesentlich  abweicht,  dass  der  Gedanke 
an  einen  solchen  füglich  nicht  festgehalten  werden  kann,  zeigt  sich 
dagegen  eine  merkwürdige  Übereinstimmung  mit  den  Arten  der  fos- 
silen Gattung  PalimphyesAg.,  insbesondere  jenen,  welche  Agassiz 
als  Pal,  longus  auf  Taf.  19  und  Pal.  latus  auf  Taf.  28  abbildet  und 
die  er  den  Scomberoiden  beizählt.  In  der  gestreckten  Gestalt,  der 
Form,  Grösse  und  Zahl  der  Wirbel,  der  Bildung  der  Flossen,  nament- 
lich den  stark  entwickelten  paarigen  und  der  weit  rückwärts  über 
der  Anale  stehenden  zweiten  Dorsale  herrscht  beinahe  völlige  Überein- 
stimmung, und  bezüglich  der  abgestutzten  Schwanzflosse  gilt  dies 
von  Pal.  longus  insbesondere.  Dagegen  weichen  sämmtliehe  Abbil- 
dungen dieser  Gattung  in  Betreff  der  Kopfform  völlig  von  unserm 
Fische  ab,  wobei  freilich  hervorzuheben  ist,  dass  bei  allen  jenen 
Exemplaren  der  Kopf  nur  in  der  Seitenansicht  vorliegt  und  überdies 


Kleine  Beiträge  zur  Kenntniss  der  fossilen  Fische  Österreichs.  403 

durchwegs  schlecht  conservirt  ist.  Über  die  natürliche  Kopfform  von 
Palimphyes  lässt  sich  dem  gemäss  eben  so  wenig  etwas  sicheres 
sagen,  wie  über  die  Form  des  Kopfes  unseres  Fisches,  wenn  dieser 
seitlich  zusammengedrückt  im  Gesteine  läge.  Im  Übrigen  ist  aber  die 
Beschreibung  von  Agassiz  zu  kurz  und  zu  wenig  genau  und  der 
Gattungscharakter  so  schwankend,  dass  auch  hieraus  kein  überzeu- 
gendes Urfheil  zu  schöpfen  ist.  Über  Bezahnung,  etwaige  Beschup- 
pung u.  s.  w.  fehlen  alle  Angaben  und  da  unser  Fisch  deutliche 
Schuppenabdrücke  zeigt,  so  wird  es  um  so  unwahrscheinlicher,  dass 
er  der  Gattung  Palimphyes  beizuzählen,  und  dass  er  überhaupt  ein 
Scomberoid  gewesen  sei,  obwohl  letzteres  auch  von  der  Agassi  z'schen 
Gattung  keineswegs  feststeht.  Hervorzuheben  ist  hingegen  noch  das 
Vorkommen  von  Palimphyes  in  den  Schichten  von  Glaris,  die  Bronn 
an  die  Grenze  der  tertiären  stellt  und  sie  als  „vielleicht  eocäne* 
bezeichnet;  während  vom  Leithakalke  gleichfalls  schon  im  Eingange 
bemerkt  wurde,  dass  er  etwas  älter  als  die  übrigen  miocänen  Schich- 
ten des  Wiener  Beckens  zu  sein  scheine,  eine  Ansicht;  zu  der  sich 
auch  mein  geehrter  Freund  Dr.  Hörnes  hinneigt1).  Fasst  man 
nun  alles  bisher  Gesagte  zusammen,  so  stellt  sich  heraus,  dass  unser 
fragliche  Fisch  nach  dem  Erhaltungszustande,  in  dem  das  bisher 
einzige  Exemplar  vorliegt,  füglich  weder  mit  einer  lebenden,  noch 
einer  der  blos  nach  fossilen  Besten  benannten  Gattungen  völlig 
übereinstimme,  und  dass  die  Familie,  der  er  einzureihen  sei,  vorerst 
gar  nicht  mit  Sicherheit  sich  angeben  lasse.  Um  durch  eine  etwa 
falsche  Einreibung  Verwirrung  zu  vermeiden,  scheint  es  daher  räth- 
licher,  einstweilen  einen  neuen  Gattungsnamen  vorzuschlagen,  bis 
vielleicht  neuere  glückliche  Funde  eine  genauere  Kenntniss  und  eine 
schärfere  Bestimmung  der  verwandtschaftlichen  Verhältnisse  ermög- 
lichen werden. 

Beschreibung. 

Die  Totallänge  beträgt  bei  8";  Kopf  und  Vorderrumpf  scheinen 
in  natürlicher  Lage  im  Gesteine  eingeschlossen  zu  sein,  so  dass 
ersterer  mit  seiner  Oberseite  dem  Beschauer  zugekehrt  ist.  Nimmt 


l)  Nach  Herrn  v.  Boue's  mündlicher  Mittheilung  findet  sich  der  sogenannte  Leithakalk 
auch  in  Thracien  vor,  und  der  bekannte  französische  Geognost  Viquesnel 
erklärt  denselben  geradezu  als  eocän. 


494  K   u   e   r. 

man  an,  dass  der  Umriss  des  Kopfes  durch  erlittenen  Druck  nur 
wenig  breiter  wurde  (und  diese  Voraussetzung  dürfte  richtig  sein), 
so  war  dann  die  Länge  des  Kopfes  seiner  Breite  zwischen  den  Deckel- 
stücken nahezu  gleich  und  betrug  beiläufig  i/a  der  Gesammtlänge. — 
Die  nach  aufwärts  gerichteten  Augen  standen  in  halber  Kopfeslänge 
und  von  einander  mehr  als  1  Diameter  entfernt.  Die  Mundspalte  war 
offenbar  weit  und  der  Unterkiefer  scheint  etwas  vor  dem  Zwischen- 
kiefer vorgeragt  zu  haben.  Von  Bezahnung  ist  nichts  sichtbar,  mit 
Ausnahme  eines  kleinen  krummen  Spitzzahnes,  der  frei  zwischen  den 
Kieferstücken  der  linken  Seite  liegt.  Die  Deckelstücke  dürften  dünn 
und  ziemlich  glatt  gewesen  sein,  wenigstens  gewahrt  man  nirgends 
stärkere  Dornen  oder  Spitzen;  sowohl  ihr  Erhaltungszustand  wie 
jener  der  übrigen  Kopfknochen  gestattet  übrigens  keine  sichere 
Erkenntniss  der  einzelnen  Stücke  und  ihrer  Umrisse.  —  Von  der 
Wirbelsäule  sind  im  Abdrucke  40  Wirbel  deutlich  erkennbar,  die 
wie  schon  bemerkt  durch  ihre  Schwäche  und  Zahl  zunächst  an  Palim- 
phyes  mahnen  (bei  welchem  ihre  Zahl  auch  38 — 39  beträgt).  Die 
vorderen  Wirbelkörper  sind  bedeutend  länger  als  hoch  und  nehmen 
gegen  das  Schwanzende  allmählich  an  Grösse  ab,  so  dass  der  letzte 
auch  der  kleinste  ist.  Vom  zehnten  (Bücken-)  Wirbel  angefangen  ist 
die  Wirbelsäule  winklig  gebrochen  und  der  Fisch  derart  verscho- 
ben, dass  vom  fünfzehnten  Wirbel  an  derselbe  seitlich  zu  liegen  kam,  wie 
sich  aus  dem  Abdrucke  des  Schwanzendes  zweifellos  ergibt;  indem 
nicht  blos  die  verticale  Schwanflosse  ihrer  ganzen  Höhe  nach  sicht- 
bar ist,  sondern  auch  die  oberen  und  unteren  Dornfortsätze  der  Wirbel. 
In  Folge  dessen  kamen  auch  die  Strahlen  der  Bückenflossen,  so  weit 
sie  sich  erhalten  haben,  auf  die  rechte  Seite  des  Kopfendes  zu  liegen 
und  die  Anale  auf  die  linke.  —  Die  Zahl  der  Caudalwirbel  dürfte 
mindestens  20  betragen  haben,  doch  ist  der  Anfang  der  Anale  nicht 
sicher  zu  erkennen.  Die  vorderen  Brustwirbel  waren  rippentragend, 
doch  sind  von  diesen  rechts  nur  zwei  links  eine  fragmentarischerhalten. 
Die  nur  am  Schwänze  vorhandenen  Dornfortsätze  sind  so  zart  und 
derart  gestellt  wie  bei  Platymphyes;  am  letzten  Wirbel  zeigt  sich 
keine  Spur  plattenförmiger  Ausbreitungen,  wie  sie  so  häutig  (wie 
z.  B.  auch  bei  Platycephalus)  zu  Stützen  von  Caudaistrahlen  die- 
nen. —  Von  den  paarigen  Flossen  ist  die  linke  Brustflosse  am  besten 
conservirt;  ihr  I.  ungegliederter  Strahl  ist.  der  kürzeste  und  betrug 
wohl  nur  >/4der  Länge  des  folgenden  ersten  gegliederten,  der  sich  bis 


Kleine  Beitrüge  zur  Keiintniss  der  fossilen  Fische  Österreichs.  495 

zum  12. — 13.  Wirbel  zurück  erstreckt  zu  haben  scheint;  ausserdem 
kann  man  noch  15 — 16  dünne  und  allmählich  kürzer  werdende  und 
am  Ende  gabiig  getheilte  Gliederstrahlen  zählen.  Die  rechterseits 
der  Wirbelsäule  liegenden  Strahlenfragmente  scheinen  der  rechten 
Bauchflosse  angehört  zu  haben.  Die  erste  Dorsale  dürfte  über  dem  fünften 
oder  sechsten  Wirbel  begonnen  haben  und  trug  ziemlich  niedere  und 
dünne  stachelähnliche  Strahlen,  von  denen  nur  4 — 5  theilweise  sich 
erhielten;  über  dem  Iß. — 17.  Wirbel  gewahrt  man  bereits  gegliederte 
Slrahlen;  es  lässt  sich  aber  weder  die  Zahl  aller  Dorsalstrahlen  noch 
die  Ausdehnung  der  Flossen  daselbst  und  der  Umstand  ermitteln,  ob 
zwei  getrennte  oder  nur  eine  contiuuirliche  Dorsale  vorhanden  waren. 
Die  unter  dem  Ende  der  Rückenflosse  sitzende  Anale  dürfte  etwas 
weiter  am  Schwanzstiele  zurückgereicht  haben  als  jene.  Die  Caudale 
war  fast  senkrecht  abgestutzt  und  bestand  aus  wahrscheinlich  17 
Slrahlen  (ohne  die  kurzen  Stützstrahlen).  Die  Länge  ihrer  End- 
oder Hauptstrahlen  mass  beiläufig  */,  der  Totallänge. 

Der  ganze  Fisch  war  mit  sehr  kleinen,  in  schiefen  Reihen 
gelagerten  Schuppen,  auch  am  Oberkopfe  bedeckt,  die  jedoch  nur 
einen  so  undeutlichen  Abdruck  hinterliessen,  dass  ihre  Structur  nicht 
erkennbar  und  selbst  nicht  sicher  anzugeben  ist,  ob  sie  ctenoid  waren. 

3.  Pagrus  priscns,  m. 

Fig.   3,  in  nat.   Gr. 

Bei  oberflächlicher  Ansicht  des  hier  abgebildeten,  allerdings 
ansehnlich  grossen  Fragmentes  dürfte  der  Versuch  gewagt  erschei- 
nen die  Gattung  angeben  zu  wollen,  welcher  dieser  Fisch  angehört 
habe,  denn  es  fehlt  nicht  nur  der  Kopf  sammt  Voiderrumpf,  sondern 
auch  die  ganze  unterhalb  der  Wirbelsäule  gelegene  Hälfte  des  Fisches. 
Gleichwohl  erscheint  bei  nur  etwas  näherer  Betrachtung  die  Bestim- 
mung der  Familie  völlig  sicher  und  selbst  bezüglich  der  Gattungen 
bleibt  eine  Auswahl  nur  zwischen  wenigen  über,  wie  sich  aus  fol- 
genden Betrachtungen  ergeben  wird.  Der  deutliche  Abdruck  der 
Dorsalstacheln  lässt  sogleich  einen  Stachelflosser  und  zwar  mit  hetera- 
canther  Flossenbildung  erkennen.  Die  Beschuppung  aber  einen  cte- 
noiden  Fisch.  Schon  durch  diese  Merkmale  allein  bleiben  zahlreiche 
Gattungen  und  ganze  Familien  ausser  dem  Bereich  näherer  Ver- 
gleichung.  Fasst  man  aber  die  Flossenbildung,  die  Beschuppung, 
den  Verlauf  und  die  Beschaffenheit  der  Seitenlinie  und  die  Bildung 


496  K  »  e  r. 

der  Wirbelsäule,  die  Form  und  Länge  der  Dornfortsätze  und  der 
Flossenträger  (Stützen)  näher  in's  Auge,  so  dürfte  kaum  zweifelhaft 
erscheinen,  dass  man  es  im  vorliegenden  Falle  mit  einem  Fische  aus 
der  Cuvier'schen  Familie  der  Sparoiden  zu  thun  habe. 

Die  continuirliche  Rückenflosse  verhält  sich  völlig  wie  bei  den 
heteracanthen  Gattungen  dieser  Familie,  und  die  Ausdehnung  des 
stacheligen  Theiles  der  Flosse  überwiegt  weit  jene  des  gliederstrah- 
ligen  und  sowohl  die  Zahlenverhältnisse  der  beiderlei  Flossenstrah- 
len, wie  insbesondere  die  Länge  und  Form  der  stark  compressen 
Stacheln  mahnt  geradezu  an  gewisse  lebende  Arten  der  Gattungen 
Pagrus,  Chrysophrys  und  Bentex  und  nicht  minder  auch  die  Gestalt 
und  Gliederung  der  Caudale.  Das  Gleiche  gilt  auch  von  den  Wirbel- 
körpern, den  fast  geraden  und  langen  Dornfortsätzen,  den  zwischen 
ihnen  sich  einschiebenden  Flossenträgern  und  namentlich  den  Platten 
des  letzten  Schwanzwirbels ,  die  als  Stützen  der  sich  anlegenden 
Caudalstrahlen  dienen  und  nach  hinten  eben  so  geradlinig  abgestutzt 
sind,  wie  dies  bei  den  genannten  Gattungen  auch  der  Fall  ist.  Dess- 
gleichen  verlauft  die  stark  ausgeprägte  eben  nicht  verzweigte  und 
continuirliche  Seitenlinie  ganz  wie  bei  den  erwähnten  Sparoiden. — 
Wenn  es  sich  aber  nun  um  die  Auswahl  zwischen  den  erwähnten 
Gattungen  handelt,  so  dürften  folgende  Erwägungen  die  Entscheidung 
zu  Gunsten  der  Gattung  Pagrus  bedingen.  Ähnlich  verlängerte  und 
compresse  Dorsalstrahlen  kommen  zwar  sowohl  bei  Arten  der  Gat- 
tung Chrysophrys  wie  Pagrus  vor  und  auch  ähnliche  Schuppenform, 
doch  steigt  das  Rückenprofil  bei  unserm  Exemplare  nach  vorne  viel 
zu  wenig  an,  um  dem  eines  Chrysophrys  nahe  zu  kommen  und 
verhält  sich  vielmehr  so  wie  bei  Dentex  und  Pagrus.  Es  bleibt 
demnach  nur  die  Wahl  zwischen  den  beiden  letzteren  Gattungen 
und  hier  dürfte  zunächst  die  Schuppenstructur  den  Ausschlag  geben. 
Bei  den  untersuchten  Arten  von  Dentex  besteht  der  Fächer  des  fest- 
sitzenden Schuppenendes  aus  einer  bedeutend  grösseren  Zahl  von 
überdies  schwächeren  Radien  als  bei  Pagrus  (und  Chrysophrys), 
woselbst  sie  nur  durchwegs  7 — 9  beträgt;  endlich  sind  die  Schup- 
pen am  freien  Rande  trotz  ihrer  Grösse  so  schwach  ctenoid,  wie 
dies  auch  bei  den  eben  so  grossen  Schuppen  mancher  Pagrus  -  Arten 
der  Fall  ist,  namentlich  von  Pagrus  spinifer  oder  longifilis  dem 
überhaupt  unser  Fisch  am  nächsten  verwandt  gewesen  sein  mag. 
Ich  glaube   demnach  trotz  des  so   fragmenlären  Zustandes  unseres 


Kleiner«  Beiträge  zur  Kenntniss  der  fossilen  Fische  Österreichs.  4-9  T 

Fisches  doch  mit  ziemlicher  Sicherheit  denselben  der  Gattung  Pagrus 
zuweisen  zu  dürfen. 

Beschreibung. 

Die  Totallänge  des  vorliegenden  Fragmentes  beträgt  bis  zum 
Saume  der  Caudale  13",  die  grösste  Höhe  vom  oberen  Runde  der 
Wirbelsäule  bis  zum  Rücken profile  21/2",  die  kleinste  am  vorletzten 
Caudalwirbel  aber  nur  i/z">  die  Länge  der  mittleren  Caudalstrahlen 
vom  Ende  der  Schwanzplatte  gerechnet  ist  ö^uial  in  der  Gesammt- 
länge  enthalten,  der  längste  oder  Hauptstrahl  des  oberen  Caudal- 
lappeus  misst  */4  der  vorhandenen  Körperlänge,  d.  h.  nur  bis  zur 
Basis  der  Schwanzflosse  gerechnet  und  kommt  der  Länge  der  vier 
vordem  der  erhaltenen  Wirbeln  zusammen  gleich,  deren  jeder  T" 
lang  ist,  daher  auch  die  1"  T"  hohen  Dornfortsätze  dieser  Wirbel 
eben  so  weit  von  einander  abstehen.  Die  Zahl  der  theilweise  erhal- 
tenen Wirbeln  mit  Einschluss  des  letzten  caudalen  beträgt  16;  nur 
am  Schwanzstiele  werden  die  Wirbel  allmählich  kleiner,  ihre  Dorn- 
fortsätze um  die  Hälfte  kürzer  und  die  drei  letzten  neigen  sich  stark 
nach  rückwärts,  die  Wirbelkörper  zeigen  genau  die  zwei  seitlichen 
Längsleisten  und  die  zwischen  den  Dornfortsätzen  sich  erhebende 
kurze  Spitze,  wie  das  Skelet  lebender  Sparoiden  und  ingleichen  stim- 
men die  Flossenträger  mit  diesen  überein  und  hei  jenen,  die  unter 
den  längeren  Stacheln  stehen,  zeigt  sich  die  knöcherne  Platte,  in 
welche  jeder  derselben  sich  nach  hinten  fortsetzt,  ganz  deutlich  im 
Abdrucke  und  verhält  sich  in  Grösse  und  Umriss  ebenfalls  wie  bei 
den  nahestehenden  lebenden  Sparoiden.  Von  der  Rückenflosse  haben 
sich  10  Stacheln  erhalten,  von  denen  der  zweite  und  dritte  sichtbare 
21/2"  lang  sind.  Nicht  blos  durch  die  Form  ihres  Abdruckes  geben 
sie  sich  als  deutlich  heteracanth  kund,  sondern  auch  durch  ihre 
alternirende  Lagerung.  Hält  man  die  Ansicht  von  der  nahen  Ver- 
wandtschaft dieser  fossilen  Art  mit  Pagrus  spinifer  fest,  so  dürfte 
dann  vor  den  vorhandenen  nur  noch  ein  Paar  zugegen  gewesen  sein  ; 
ob  die  längsten  der  Stacheln  nicht  in  dünne  biegsame  Fäden  wie 
bei  longifilis  ausliefen,  lässt  sich  um  so  weniger  entscheiden,  als  die 
derben  Stachelspitzen  ohnehin  bis  an  den  Rand  des  Gesteines  rei- 
chen; der  vorletzte  Stachel  ist  um  8/3  kürzer  als  der  längste,  und 
der  letzte  und  kürzeste  mit  den  folgenden  Gliederstrahlen  nahezu 
gleich  lang.  Die  Zahl  der  letzteren  ist  nicht  genau  anzugeben,  betrug 


498    Kner.    Kleine  Beiträge  zur  Kenntoiss  der  fossilen  Fische  Österreichs. 

jedoch  kaum  mehr  als  zehn  (so  wie  bei  Pagrus  longifilis) ;  Strah- 
lenträger  sind  jedoch  nur  neun  erkennbar. 

Die  Länge  des  flossenfreien  Schwanzstückes  beträgt  etwas 
weniger  als  */4  der  erhaltenen  Körperlänge.  Vor  dem  Hauptstrahle 
des  oberen  Caudallappens  stehen  6  —  1  an  Länge  zunehmende  Pseudo- 
oder  Stützstrahlen.  Die  eigentlichen  Caudalstrahlen  lassen  sich  nicht 
wohl  zählen,  da  ihre  erste  Gabeltheilung  gleich  nahe  der  Basis 
beginnt  und  sich  bis  gegen  den  Saum  mehrfach  wiederholt.  Die 
Gliederung  der  Strahlen  ist  wie  bei  den  lebenden  Sparoiden  von 
halber  Strahlenlänge  an  äusserst  dicht  (zahlreich)  und  abgestuft 
oder  wellenförmig.  —  Die  Seitenlinie  verläuft  nahezu  in  halber 
Höhe  zwischen  dem  Rückenprofile  und  der  Wirbelsäule;  über  ihr 
liegen  unterhalb  des  stacheligen  Theiles  der  Dorsale  vier,  ober  ihr 
3 — 4  Schuppenreihen.  Die  Radien  des  Fächers  am  festsitzenden 
Ende  sind  äusserst  scharf  abgedruckt,  das  freie  dünnere  Ende  ist 
bei  vielen  ebenfalls  so  wohlerhalten,  dass  man  noch  mittelst  der 
Loupe  daran  die  Structur  ctenoider  Schuppen  deutlich  wahrnimmt, 
wie  auch  die  äusserst  feinen  Zähnchen  am  Rande.  Zwischen  den 
grösseren  Schuppen,  deren  längerer  Durchmesser  */a"  beträgt, 
liegen  hie  und  da  viel  kleinere  zerstreut;  ein  Fall,  der  auch  bei 
lebenden  Fischen,  sowohl  Stachel-  als  Weichflossern  (bei  Sebastes, 
Scicena,  einigen  Characinen  u.  s.  w.)  vorkommt  und  mit  den  Wachs- 
thumsgesetzen  der  Schuppen  in  Zusammenhang  steht. 

Das  bisher  einzige  Exemplar  stammt  ebenfalls  aus  den  Steinbrü- 
chen hei  Margarethen  jedoch  aus  den  sandreicheren  Schichten,  daher 
Ansehen  und  Färbung  des  Gesteines  wie  auch  des  Fisches  selbst  von 
den  vorigen  abweichen.  Es  befindet  sich  in  der  Sammlung  des  kais. 
Hof-Mineralien-C;ibinetes  und  war  sonderbarer  Weise  bisher  mit  der 
Etiquette  Nasens  bezeichnet. 


Kn'r.  /iiir  Ivenninif»  der    fossilen    Fische    Oeslcrrriflü 


F,9/l 


S.i/,iiml.;.i,  ,1  i  A1ca4  d  W  matli  iwturw  l'l  M.l' Bi  I  AtiH,    isi,.' 


Knrr.  Kur  Krnnln.l«  der    fossilen    Fische    Oeslcrreiehs 


M'afll 


SteunäVi*  Ak,„l  LI  „,„.1,  ,»i.r,  Cl  M,V   11-1  l  »flu  1862 


Zepharovich.  Die  Krystallformen  des  unterschwefligsauren Kalkes.      49») 


Die  Krystallformen  des  unterschwefligsauren  Kalkes 
CaO,  S80a   +   6  aq. 

Von  V.  Ritter  v.  Zepharovich. 

(Mit  3  Tafeln.) 

Meine  früheren  Studien  über  die  Krysfalle  des  essig-salpeter- 
sauren  Strontian  und  des  ameisensauren  Kupferoxyd-Strontian  — 
welche  das  Ergebniss  hatten,  dass  dieselben  dem  anorthischen  oder 
klinorhomboidischen  Systeme  angehören,  dies  aber,  wie  auch  in  den 
bezüglichen  Mittheilungen  *)  erwähnt,  bei  der  nicht  bedeutenden 
Abweichung  des  Winkels  zweier  Pinakoide  von  90  Grad,  zum  Unter- 
schiede vom  diklinorhomhischen  Systeme,  erst  aus  einer  grösseren 
Reihe  sorgfältiger  Messungen  folge  —  veranlassten  in  mir  den 
Wunsch  die  goniometrische  Untersuchung  des  Salzes,  an  welchem 
Mit  scherlich  das  diklinorhombische  System  zuerst  beobachtet,  zu 
wiederholen.  Die  Autforderung  hierzu  lag  um  so  näher,  als  jene  Mes- 
sungen, vergleicht  man  die  Jahreszahlen  der  betreffenden  Publica- 
tionen3),  der  für  genaue  Arbeit  so  wesentlichen  Vervollständigung 
des  Wollaston'schen  Goniometers,  ebenfalls  durch  Mitscher  lieh, 
vorausgegangen.  Dazu  kam  noch  das  Resultat  der  stauroskopischen  Prü- 
fung sehr  schöner Krystalle  des  unterschwefligsauren  Kalkes,  welches 
Kobell  zu  dem  Ausspruch  führte:  „Es  ist  nach  diesem  Verhalten  — 
dass  diese  Krystalle  in  allen  Stellungen  die  Drehwinkel-Verhältnisse 
des  kiinorhombischen  Systemes  zeigen  —  kaum  mehr  zu  bezweifeln, 
dass  die  Krystallisation  des  unterschwefligsauren  Kalkes  weder  ein 
eigenes  System  bilde,  noch  mit  partieller  Ausbildung  klinorhombisch 
sei,  sundern  dass  sie  dem  klinorhomboidischen  Systeme  angehöre  und 
der  Winkel  a  :  b  nur  annähernd  ein  rechter  sein  könne"  3). 


i)   Diese  Sitzungsberichte,    Bd.  XLI,  S.  516,    1860   und  Bd.   XLIII.    1861,  21.   März. 

2)  E.  Mitscherlich  über  eine  neue  Classe  von  Krystallformen,  P  o  g  g.  Ann.  d.  Ph. 
u.  Ch. ;  8.  Bd.  1826.  —  Derselbe  über  ein  Goniometer,  Abhandl.  der  k.  Akad.  d. 
Wissenseh.  zu  Berlin  1843,  S.  189:  „Das  Goniometer,  wovon  icb  hier  eine  Beschrei- 
bung gebe,  ist  von  mir  seit  16  Jahren  zur  Messung  von  Krystallen  angewandt  worden. 

3)  Gelehrte  Anzeigen  der  kön.  baieriselten  Akad.  d.   Wiss.   18ö6,  Bd.  43,  S.   22. 


1)00  v.    Z  e  |>  li  a  r  o  v  i  e  li. 

Das  reichhaltige  und  ausgezeichnete  Materiale,  welches  ich  den 
Messungen  mit  meinem  eigenen  vorzüglichen  Reflexions-Goniometer 
unterziehen  konnte,  verdanke  ich  der  Güte  des  Herrn  Professors 
Dr.  J.  Gottlieb  in  Graz,  eben  so  die  nachfolgenden  Zeilen  über 
Darstellung  und  Zusammensetzung  des  Salzes: 

„Zur  Darstellung  des  unterschwefligsauren  Kalkes  wurde  die 
Einwirkung  der  schwefligen  Säure  auf  die  durch  Kochen  von  Kalk- 
hydrat mit  Schwefel  gewonnene  Lösung  von  fünffach  Schwefelcalcitim 
und  unterscbwefligsaurem  Kalk  benutzt.  Die  vom  Schwefel  abfiltrirte 
Flüssigkeit  setzte  beim  langsamen  Verdunsten  in  massig  beheiztem 
Räume  merkliche  Mengen  Gyps  ab.  Sie  winde  desshalb  wiederholt 
filtrirt.  Um  die  Zersetzung  beim  Abdunsten  hintanzuhalten,  veran- 
lasste ich  endlich  die  Bildung  von  Krystallen  des  Salzes  durch  Zusatz 
von,  etwa  */s  des  Volums,  80°/0  Weingeist,  wobei  sich  die  Flüssig- 
keit trübte,  bald  aber  wieder  klar  wurde  und  gleichzeitig  theils 
grosse  Nadeln,  theils  kleinere  wohl  ausgebildete  Krystalle  abschied. 
Eine  Partie  dieser  Krystalle  wurde  zur  Herstellung  einer  ganz 
gesättigten  wässerigen  Lösung  verwendet,  die  bei  5  —  6  Grad 
allmählich  grosse,  wasserhelle  Krystalle  lieferte.  —  Um  bezüglich  des 
mittelst  Weingeist  hergestellten  Salzes  jeden  Zweifel  über  die  Iden- 
tität mit  dem  von  Hers  che  1  untersuchten  zu  beseitigen,  wurde  eine 
Bestimmung  des  Kalk-  und  Wassergehaltes  vorgenommen.  1-1935 
Grm.  des  lufttrockenen  Salzes  hinterliessen  0*6238  Grm.  schwe- 
felsauren Kalk.  Da  die  gewöhnliche  Methode  der  Bestimmung  des 
Wassers  durch  Erwärmen,  wegen  der  möglichen  Bildung  flüchtiger 
Producte  aus  der  unterschwefligen  Säure  nicht  passend  schien,  so 
Hess  ich  selbe  durch  einen  meiner  Schüler,  Herrn  F.  Koch,  in  der 
Weise  ausführen,  dass  das  Salz  mit  chromsaurem  Bleioxyd  in  einer 
Verbrennungsröhre,  mit  vorgelegtem  Chlorcalciumrohr,  erhitzt  wurde. 
1-030  Grm.  Salz  gaben  dabei  0-429  Grm.  Wasser.  Die  unter- 
schweflige  Säure  ergab  sich  aus  dem  Verlust.  Die  mitgetheilten  Daten 
stimmen  sehr  genau  mit  der  Formel  des  unterschwefligsauren  Kalkes: 
CaO,  S202  -f-  6  aq.,  Herschel1),  wie  aus  folgender  Vergleichung 

Sich    ergibt:  Berechnet  Gefunden 

CaO    =  28    .    '.    21  •  54    .    .Hm^T 
S202=  48    .    .    36D3    .    .    36-93 
6HO  =  54    .    .    41-53    .    .    41-31 


130  100-00  100-00" 


*)  Annales  de  chimie  et  de   uliysic|ue,   vol.   XIV,   p.   335. 


Die  Krystallformeu  des  unterschwefligsauren  Kalkes.  «)01 

Die  aus  mit  Weingeist  versetzter  und  rein  wässeriger  Lösung 
erhaltenen  Krystalle  erwiesen  sich  bezüglich  ihres  Habitus  und  der 
Winkelwerthe  als  identisch.  Im  Ganzen  wurden  34  Krystalle  unter- 
sucht, von  denen  viele  auf  ihren  Flächen  sehr  scharf  das  Fadenkreuz 
des  Beleuchtungs-Fernrohres  reflectirten,  und  an  denselben  72  ver- 
schiedene Winkel  mittelst  591  theils  einfachen,  theils  Repetitions- 
Messungen  bestimmt. 

Als  Resultate  meiner  Arbeit  ergeben  sich: 

1.  Der  unterschwefligsaure  Kalk  von  obigeu  Zusammensetzung 
und  nach  der  beschriebenen  Weise  dargestellt,  krystallisirt  im  klino- 
rhomboidischen  (anorthischen)  Systeme. 

2.  Im  Vergleiche  zu  den  Messungen  Mitscherlich's  zeigen 
sich  bedeutendere  Differenzen  in  den  Winkelgrössen  als  sich  durch 
die  neuere  Vervollkommnung  des  Reflexions-Goniometers  erklären 
lassen ,  und  ist  auch  der  Habitus  der  beiderlei  Krystalle  ein  ganz 
verschiedener. 

3.  Die  Abweichungen  der  Winkel  an  den  von  Mitscher  lieh 
untersuchten  Krystallen  lassen  —  nachdem  dieselben  bezüglich  ihrer 
Lage  und  Grösse  eine  Gesetzmässigkeit  aufweisen  —  vermuthen, 
dass  dieselben  sich  unter  von  den  obigen  verschiedenen  Umständen 
gebildet  hatten  oder  nicht  genau  nach  der  Herschefschen  Formel 
zusammengesetzt  waren. 

Sämmtliche  Flächen,  welche  Mitscher  lieh  an  seinen  Kry- 
stallen aufgefunden  *),  habe  ich  mit  Ausnahme  einer,  d  oder—,  eben- 
falls  beobachtet.  Es  sind  die  folgenden,  in  der  Bezeichnung  nach 

Miller:  {001}  .  {100}  .   {010}  .  {110}  .  {110}  .  {101} 

Naumann:  oP    .ooPoo.ooPöö.  ooP/  .  oo',P.  foo 

Mitscherlich:  P     .      a!      .      b      .  1F~  7~"jr*  .      f 

Rammeisberg2):  c     .      b      .      a      .     p     .    p"    .      q 

{102}    .{TOI}. {011}.  {011}.    {012}    .{111}  .{111}  .  {111}  .{112} 
V8/P'ob.'P/c>b.'i>'öö.<Plöö.V8iP#öö.    P'    .    P,    .     ,P    .  V»,P. 
e  c     .     i      .      g  h  l      .      k     .     n      .      m 

q/s       .     q'     .     r      .     r      .      r'/a      .      o      .     o"     .     o      .    o'/.. 


i)   Vergl.  Taf.   III,   Fig.   ä  in   P  o  g  g.   Ann.    v.   .T.    1826,  8.   RA. 

2)  Handbuch  der  krystallographischen  Chemie  185S,   1.  Bd.,  S.  64. 


502  v.   Zepharovic  h. 

Auf  Taf.  I  sind  diese  Flächen  nach  stenographischer  Methode 
projicirt  und  nur  jene  Zonen  ausgezogen,  für  welche  wirkliche  Beob- 
achtungen vorliegen.  Es  wurde  die  von  Mitscherlich  gewählte 
Aufstellung  der  Krystalle  beibehalten,  so  dass  die  beiden  Pinakoide, 
welche  annähernd  den  Winkel  von  90  einschliessen,  in  die  ver- 
ticale  Zone  fallen. 

Folgende  Verhältnisse  sind  bezeichnend  für  die  klinorhomboi- 
dische  Krystallreihe  des  unterschwefligsauren  Kalkes: 

1.  Winkel  der  Pinakoide: 

(l07o17'17" 
Brachypinakoid  und  Basisfläche,    {100}  :  {001}   =  l 

Q  A      MO  Q 

Makropinakoid  und  Basisfläche,      {010}   :  {001}   =  \ 

(   98     o  51 

89  47  40 

90  12  20 


Makro-  und  Brachypinakoid,  {010}  :   {100}   = 


2.  Winkel  des  von  den  Polen  der  3  Pinakoide  (100),  (010) 
und  (001)  eingeschlossenen  sphärischen  Dreieckes.  Winkel  bei: 

A    =    81°  25'  SO' 
B    =  107     29     37 
C    =    87     14     12 

3.  Winkel  der  Axen  in  dem  Octanten  der  rechten  obern 
Viertelspyramide: 

Brachydiagonale  und  Hauptaxe,    yz  =  98  34' 10° 
Makrodiagonale  und  Hauptaxe,      xz  =  72  30  23 
Makro-  und  Brachydiagonale,      xy  =  92  45  48 

4.  Längen  der  Makro-  und  Brachydiagonale  und  der  Hauptaxe 

a  :  b  :  c  =  1 • 000  :  0 ■ 7828  :  1 ■ 5170. 

Der  Habitus  der  Krystalle  wird  bedingt  durch  die  vorwaltende 
Entwicklung  der  Flächen  der  horizontalen  Längszone,  namentlich 
des  Brachypinakoides  {100}  (b)  und  des  Hemidontas  {101}  (</), 
während  die  übrigen  Flächen  minder  ausgedehnt  sind;  es  erscheinen 
die  letzteren  als  vorderer  und  rückseitiger  Abschluss  liegender  Säulen, 
welche  mehr  oder  weniger  nach  der  Richtung  der  Brachydiagonale 
gestreckt  und  zugleich  nach  der  Makrodiagonale  gedrückt  sind. 
Äusserst  selten  erlangt  das  basische  und    dann   zugleich  auch  das 


Die  Krystallformen  des  unterschweflig'sauren  Kalkes.  503 

Makropinakoid,  {001}  (c)  und  {010}  (a),  eine  bedeutendere  Aus- 
dehnung und  habe  ich  diesen  Fall  nur  an  den  grösseren  Krystallen 
aus  rein  wässeriger  Lösung  beobachtet.  An  den  kleineren,  aus  alko- 
holischer Lösung  spiegelt  meist  die  schmale  c-Fläche  trefflich,  dafür 
aber  ist  die  «-Fläche  ihrer  Kleinheit  wegen  zur  Messung  ganz 
untauglich.  Dieser  Umstand  verhindert  auch  die  so  wünschenswerte 
genaue  Bestimmung  des  massgebenden  Winkels  von  a  zu  b  und  zu 
den  beiden  Flächen  p  und  p"  des  verticalen  Prisma;  von  den  45 
Messungen  dieser  Winkel  konnten  nur  18  als  etwas  mehr  Vertrauen 
verdienende  in  Rechnung  gebracht  werden.  Eben  dasselbe  gilt  auch 
von  dem  Winkel  a  :  c  Dafür  aber  gibt  die  Messung  von  p  und  p" 
zu  den  benachbarten  b  und  b'  verlässliche  Resultate  und  es  liegen 
für  die  Bestimmung  von 

p     :  b   =    {110}  :  {100}   =  50°49'    0' 
p"  :  b'  =  {110}  :  {100}    =51     3  20 

59  Messungen  vor,  von  welchen  46  mit  ihren  Gewichten  für  die 
Berechnung  obiger  Mittelwerthe  benutzt  wurden.  Der  erstere  Win- 
kel aus  dem  zweiten  berechnet  ergibt  sich  mit  50°48'34".  Es  hat 
also  die  directe  Messung  der  obigen  beiden  Winkel  eine  Differenz 
von  über  14  Minuten  nachgewiesen,  wozu  auch  ein  minder  vorzüg- 
liches Instrument  als  das  meine,  bei  guten  Krystallen,  hinreichen 
würde.  Mitscherlich  gibt  diese  nach  seinen  übrigen  Bestimmungen 
gleichen  Winkel  in  der  Tabelle  seiner  Abhandlung  nicht  an;  dafür 
stimmt  sein  gemessener  Winkel  MM'  =  pp"  =  78°10',  mit  meinem 
Werthe  78  8 '6°  fast  überein,  wie  dies  mit  der  Verschiedenheit 
unserer  Bestimmungen  der  Neigung  von  a  :  b  wohl  vereinbar  ist. 

Der  durch  obige  beiden  Winkel  hinreichend  erwiesene  klino- 
rhomboidische  Charakter  der  Krystalle  ist  auch  in  allen  Fällen  durch 
das  Auftreten  der  beiden  krystallographisch  verschiedenen  Flächen 
p  und  p"'  ausgeprägt;  während  die  eine  vortrefflich  spiegelt  und 
weiter  ausgedehnt  ist,  erscheint  die  andere  matt,  meist  zu  einer 
schmalen  Leiste  reducirt  oder  auch  ganz  verdrängt. 

So  an  den  einfachsten  Combinationen,  in  welchen  die  durch  die 
Flächen  cqb  gebildeten  horizontalen  Säulen,  nur  durch  eine  Fläche, 
die  rechte  oder  linke  des  Prisma  geschlossen  sind;  ähnlich  Fig.  6, 
Taf.  III.  Zuweilen  zeigen  sich  die  Säulen  an  dem  freien  Ende  durch 
6  Flächen  zugespitzt,  unter  denen  ebenfalls  nur  einzelne  Prismen- 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  XLV.  Bd.  I.  Abth.  35 


504  v.    Zepliarovic  h. 

flächen  vorkommen,  wie  in  Fig.  5,  Taf.  II  dargestellt.  Ein  ideales 
Bild  aller  von  mir  am  unterschwefligsauren  Kalk  nachgewiesenen 
Flächen  in  Combination,  gibt  die  Horizontal-Projection  Fig.  1,  Taf.  II 
mit  dem  natürlichen  Verhältnisse  der  Nebenaxen. 

a  :  b  =  W  :  aa   =  1  :  0  783 

und  mit  Rücksicht  ihres  gewöhnlichen  Grössenverhältnisses  die  per- 
spectivische  Zeichnung  Fig.  2.  ■ —  Die  übrigen  Fig.  3  —  10  der 
Taf.  II  und  III  sind  nach  der  Natur  entworfen,  und  es  beziehen  sich 
die  Fig.  3  —  6  auf  Krystalle  aus  mit  Weingeist  versetzter  und 
Fig.  7  —  10  auf  Krystalle  aus  rein  wässeriger  Lösung  erhalten.  Die 
einzelnen  Flächen  wurden  nach  dem  Vorgange  von  Rammeis berg 
bezeichnet. 

Eine  eigenthümliche  hemimorphe  Gestaltung  frei  gebildeter 
grosser  Krystalle  bringen  die  Fig.  8 — 10  zur  Ansicht.  In  Fig.  9  sind 
c,  c  und  r  ausnahmsweise  stark  entwickelt,  und  bedingen  nebst  den 
ebenfalls  unverhältnissmässig  ausgedehnten  q  und  b'  die  Hauptform. 
Bei  anderen  Individuen  erscheint  das  basische  Pinakoid  nur  mit  einer 
Fläche,  wie  in  Fig.  8,  oder  es  treten  an  dem  einen  Ende  die  Flächen 
r,  q,  r  und  b'  zu  einer  Spitze  zusammen,  während  an  dem  andern 
die  domatische  Kante  zwischen  b  und  q,  abgestumpft  durch  c,  vor- 
handen ist  (Fig.  10). 

Der  Berechnung  der  Winkel  der  Flächen-Normalen  wurden  die 
folgenden  aus  einer  grösseren  Anzahl  (Z)  gut  übereinstimmender 
Messungen  erhaltenen  Mittelwerthe  zu  Grunde  gelegt. 

z 

(001)  :  (101)  =  68°53'19'  24 
(100)  :  (101)  =  38  23  58  31 
(001)  :  (011)  =  35  27  0  15 
(001)  :  (HO)  =  72  41  50  13 
(T00)  :  (TlO)  =  51  3  20     22 

105 

Die  nachstehende  Tabelle  gibt  eine  Übersicht  sämmtlicher 
gemessener  und  berechneter  Winkelwerthe  in  einer  bei  einer 
früheren  Gelegenheit  i)  bereits  besprochenen  Anordnung. 


»)   l'l>er  die  Kryslallformen  des  ameiseiisnuren  Knpferoxydes  u.  s.  w. ,   diese  Sitzungs- 
berichte,  Bd.  XLHI.   1801,  S.  4  des  Separat-Abdruckes. 


Die   Krystallformen   des   unterschwefligsauren   Kalkes. 


505 


Winkel   der  Normalen 


G  e  in 

essen 

—  iß 

Der  Fläe 

1  1  i'  I'IT  ll  II  1  1 

Gewichtsmittel 

z 

Grenzwerthe 

si 

010  :  100 

ab 

89°47'40" 

89°50'40° 

3 

89°44'—  89°57' 

7 

010  :  100 

ab' 

90  12  20 

- 

1 

90°7' 

6 

001  :  010 

ca 

81  53  9 

81  53  30 

4 

81°43'—  82°  3' 

5 

001  :  010 

ca 

98  6  51 

98  7  18 

5 

97  59  —  98  19 

6 

001  :  100 

cb 

107  17  17 

107  6  20 

2 

107  6  —107  7 

2 

001  :  100 

cV 

72  42  43 

72  44 

29 

72  37  —  72  49 

34 

110  :010 

pa 

38°59'  6" 

38°49'30° 

6 

38°35'—  38°58' 

16 

110  :  010 

pa 

141  0  54 

— 

— 

— 

— 

110  :  100 

pb 

50  48  34 

50  49 

24 

50  45  —  50  57 

30 

HO  :  100 

pb' 

129  11  26 

— 

— 

— . 

— 

HO  :  001 

pc 

94  26  38 

94  27  42 

2 

94  24  —  94  32 

4 

HO  :  001 

pc 

85  33  22 

85  28  20 

3 

85  22  —  85  32 

3 

110  :  010 

p" '  a 

39  9  0 

39  12  8 

8 

39  0  —  39  26 

16 

110  :  010 

p"'a' 

140  51  0 

— 

— 

— 

— 

T10  :  TOO 

p"b! 

— 

51  3  20 

22 

51  0  —  51  7 

29 

HO  :  100 

p"'b 

128  56  40 

— 

— 

— 

— 

110  :  001 

p'"c 

— 

72  41  50 

13 

72  36  —  72  49 

13 

110  :  001 

p'"c 

107  18  10 

107  9  20 

2 

107  6  —107  11 

2 

HO  :  HO 

PP'" 

78  8  6 

78  5  58 

13 

78  2  —  78  10 

19 

HO  :  HO 

PP' 

101  51  54 

— 

— 

- 

— 

101  :  010 

qa 

84°31'40° 

— 

1 

84°37'15" 

i 

101  :  010 

qa' 

95  28  20 

— 

1 

95  22  45 

1 

101  :  100 

qb 

— 

38°23'58" 

31 

38°21'—  38°29' 

46 

101  :  TOO 

ab' 

141  36  2 

141  36  9 

4 

141  35  —141  37 

5 

101  :  001 

qc 

— 

68  53  19 

24 

68  50  —  68  57 

37 

101  :  OOT 

q£ 

111  6  41 

111  3  0 

2 

HO  56  -111  10 

2 

101  :  HO 

qp 

55  27  40 

55  26  15 

4 

55  22  —  55  45 

4 

101  :  HO 

gp" 

124  32  20 

— 

— 

— 

- 

101  :  HO 

qp" 

114  52  30 

— 

— 

— 

— 

101  :  HO 

qp' 

65  7  30 

65  9  3 

7 

65  5  —  65  18 

7 

102  :  010 

q/*a 

82°11'  5° 









102  :  OTO 

q/,a' 

97  48  55 

— 

— 

— 

— 

102  :  100 

q/zb 

64  36  8 

— 

— 

— 

— 

102  :  TOO 

q/s!>' 

115  23  52 

— 

— 

— 

— 

102  :  001 

q/z<- 

42  41  10 

42°44'  0" 

9 

42°35'—  42°52' 

16 

102  :  OOT 

q/zQ 

137  18  50 

— 

— 

— 

— 

102  :  101 

ikq 

26  12  10 

26  16  25 

8 

26  4  —  26  31 

8 

35" 


506 


v.     /.  e  |i  li  ;i  r  i)  v  i  e  h. 


Der  Flächen 

Gerechnet 

Gen 

essen 

—  9 

Gewichtsmittel 

z 

Grenzwerthe 

101  :  010 

q'a 

86°10'33° 

_ 



_ 

_ 

TOI  :  OTO 

q'a' 

93  49  27 

— 

— 

— 

— 

101  :  TOO 

q'b' 

27  57  41 

27°52'23° 

8 

27°43'—  27°59' 

12 

TOI  :  100 

q'b 

152  2  19 

— 

— 

— 

— 

TOI  :  001 

q'c 

44  45  2 

44  46  56 

11 

44  40  —  44  55 

16 

101  :  OOT 

<]'£ 

135  14  58 

— 

— 

— 

— 

101  :  110 

i'p'" 

52  26  40 

— 

— 

— 

— 

101  :  1T0 

q'p' 

127  33  20 

— 

— 

— 

— 

TOI  :  HO 

q'p 

120  15  51 

— 

— 

— 

— 

TOI  :  TTO 

q'p" 

59  44  9 

— 

— 

— 

— 

TOI  :  101 

q'q 

113  38  22 

— 

1 

U3°40' 

1 

TOI  :  TOT 

q'q 

66  21  38 

— 

— 

— 

— 

TOi  :  102 

q'qJz 

87  26  12 

— 

1 

87°23'30" 

1 

TOI  :  TOS 

q'qk 

92  33  48 

— 

— 

— 

— 

011  :  010 

r  a 

26°26'  9° 

26°22'40" 

4 

26°21'—  26°25' 

9 

011  :  OlO 

ra' 

153  33  51 

— 

— 

— 

— 

011  :  100 

rb 

97  30  20 

— 

— 

— 

— 

011  :  100 

rb' 

82  29  40 

82  25  48 

3 

82  17  -  82  48 

5 

011  :  001 

r  c 

— 

55  27  0 

15 

55  21  —  55  33 

20 

011  :  OOT 

rc 

124  33  0 

— 

— 

— 

— 

011  :  HO 

rp 

52  16  39 

— 

— 

— 

— 

011  :T10 

rp'" 

38  50  20 

38  39  18 

6 

38  31  —  38  46 

6 

011  :  101 

rq 

76  2  10 

76  8  54 

21 

76  4  —  76  17 

21 

011  :T0T 

rq 

103  57  50 

— 

— 

— 

— 

011  :  TOI 

rq 

67  59  12 

— 

— 

— 

— 

011  :  10T 

rq' 

112  0  48 

— 

— 

— 

- 

01T  :  010 

r'a' 

30°  4'16° 

29°54'  0' 

7 

29°30'—  30°20' 

7 

01T  :  OTO 

r'a' 

149  55  44 

— 

— 

— 

— 

01T  :  100 

r'b 

81  7  7 

— 

— 

— 

— 

01T  :  100 

r'b' 

98  52  53 

— 

— 

— 

— 

OlT  :  OOT 

L''c 

68  2  35 

68  5  45 

4 

68  3  —  68  9 

5 

OlT  :  001 

r'c 

111  57  25 

— 

— 

— 

— 

OlT:  110 

r'p 

39  50  16 

39  50  20 

6 

39  39  —  39  59 

7 

OlT  :  T10 

r'p'" 

54  50  4 

— 

— 

— 

— 

OlT  :  TOT 

rq 

84  42  4 

— 

1 

84°48' 

1 

OlT:  101 

r'q 

95  17  56 

— 

— 

— 

— 

OlT  :  luT 

r'q' 

72  43  16 

— 

— 

— 

— 

OlT  :  TOI 

r'q' 

107  16  44 

— 

— 

— 

— 

OlT  :  011 

r'r 

56  30  25 

— 

1 

56°25' 

1  1 

Die  Krystallformen  des  unterschwefligsauren    Kalkes. 


507 


Gern 

essen 

•1  |> 

Der  Klär 

hen 

Gerechnet 

_    3 

Gewiclitsmittel 

z 

Grenzwerthe 

—  SS 

012  :  010 

r'/a  a 

51°33'2r 

— 

1 

51°31' 

1 

012  :  100 

Wzi 

76  11  58 

— 

1 

76  21 

1 

012  :  100 

rVz_b' 

103  48     2 

— 

— 

— 

— 

012  :  001 

r'/»c 

46  30  30 

46°33'30° 

8 

46°22'  —  46°39' 

11 

012  :  001 

r'/zc 

133  29  30 

— 

— 

— 

— 

012  :  TOT 

r'/zq 

77  34     7 

— 

1 

77°31 

1 

012:  101 

r'/2q 

102  25  53 

— 

— 

— 

— 

012  :  101 

r'/z  q' 

59     1  49 

— 

— 

— 

_ 

012  :  TOI 

r'/z  q' 

120  58  11 

— 

— 

— 

— 

012" :  01T 

r'/2  r' 

21  32     5 

21  33  30 

5 

21°32'—  21°37' 

8 

012:  011 

r'/zr 

77  59  30 

— 

1 

77°58 

1 

111  :  010 

oa 

37°27'48° 

37031'16° 

2 

37°23'-  37°35' 

5 

111  :  100 

ob 

61  12  58 

61  17  48 

3 

61     5  —  61  26 

5 

111  :  T00 

ob' 

118  47     2 

— 

— 

— 

— 

111  :  001 

oc 

71     5  54 

71     6  17 

4 

71     2  —  71  11 

5 

111  :  00T 

oc 

108  54     6 

— 

— 

— 

— 

111  :  HO 

op 

23  20  44 

23  22     0 

4 

23  16  —  23  29 

5 

111  :TTO 

op" 

156  39  16 

— 

— 

— 

— 

111  :  101 

oq 

47     3  52 

47     7     0 

16 

47     4  —  47  12 

22 

111  :TOT 

oq 

132  56     8 

— 

— 

— 



111  :T01 

oq' 

101  18     2 

— 

— 

— 



111  :  10T 

oq' 

78  41  58 

— 

— 

— 

— 

111  :011 

or 

36  17  22 

36  18     0 

2 

36  16  —  36  20 

5 

11T:  010 

o"a 

49°50'50° 

— 







111  :  100 

o"b 

47  13     7 

47°15'20" 

4 

46°55'—  47°19' 

5 

11T  :  100 

o"b' 

132  46  53 

— 

— 

— 



HT  :  OOT 

o"c 

03  32  56 

63  31     0 

5 

63  20  —  63  38 

5 

HT  :  001 

o"c 

116  27     4 

— 

— 

— 

— 

HT:  HO 

o"p 

22     0  26 

21  59     0 

3 

21  58  -   22     0{ 

6 

HT  :  TOT 

o"q 

111  56  54 

— 

— 

— 



HT:  101 

°"q 

68     3     6 

— 

— 

— 



HT:  101 

o"q' 

43  58  37 

— 

— 

— 

. 

HT  :T01 

°"q' 

136     1  23 

— 

— 

— 



111  :  011 

o"r' 

33  54     0 

33  54  45 

2 

33  39  —  33  58 

5 

111  :  012 

2"r% 

34  22  47 

— 

— 

— 



HT:  111 

o"o 

45  21  10 

45  21   20 

3 

44  58  —  45  42 

3 

TlT  :  010 

g'a 

41°55'53" 

41°52'10" 

3 

41°50'—  4l°56' 

4 

TlT  :  100 

q'V 

58  27  27 

58  24  30 

5 

58  15  -  58  39 

5 

TlT  :  100 

o'b 

121   32  33 

— 

— 

— 

— 

508 


v.     Z  e  p  li  a  r  o  v  i  c  h. 


Der  Flächen 

Gerechnet 

G  e  in 

essen 

6-  £ 

«3J 

Gewichtsmittel 

z 

Grenzwerthe 

IlT  :  00T 

o'c 

82°4i'B8" 



1 

82°46' 

1 

TlT  :  001 

o'c 

97  18  2 

— 

— 

— 

— 

HI  :  110 

o'p'" 

24  36  12 

24°35'45" 

4 

24°28'—  24°44' 

6 

11 T  :  TOT 

o'q 

53  32  27 

53  32  27 

8 

53  26  —  53  49 

10 

111:  101 

o'i 

126  27  33 

— 

— 

— 

— 

TIT  :  lOT 

2'q' 

109  27  13 

— 

— 

— 

— 

TIT  :  TOI 

o'q 

70  32  47 

— 

— 

— 

— 

TlT  :  OlT 

(/)■' 

40  25  26 

40  21  0 

5 

40  9  —  40  23 

5 

TIT:  012 

o'r'/z 

49  46  3 

— 

— 

— 

— 

TlT:  IlT 

q'o" 

74  19  26 

— 

- 

— 

— 

TlT:  111 

00 

79  23  41 

79  17  50 

3 

79  16  —  79  20 

4 

Tlä  :  010 

o   2  a 

o3°15'll' 



— 

— 

— 

Tl2  :  TOO 

°'/z  °' 

69  50  42 

— 

1 

69°49i' 

1 

Tl2  :  100 

~ö%b 

HO  9  18 

— 

— 

_ 

— 

112  :  OOT 

°'/z   c 

60  24  1 

60° 25' 53' 

6 

60°23'—  60°30' 

7 

Tl2  :  001 

o'/z  c' 

119  35  59 

— 

— 

— 

— 

112  :  T10 

o%  p'" 

46  54  9 

46  52  26 

4 

46  46  —  46  54 

5 

T12  :  HO 

o'/z  P 

75  41  35 

— 

1 

75°42' 

1 

T12  :  TOT 

o'k  q 

48  50  45 

48  48  33 

4 

48  44  —  48  50 

5 

T12  :  101 

oj_q 

131  9  15 

— 

— 

— 

— 

T12  :  102 

o'/z  g'a 

44  33  44 

— 

— 

— 

— 

T12  :  102 

o'/z  q/z 

135  26  16 

— 

— 

— 

— 

112"  :  111 

o'/z  ? 

35  51  19 

35  49  40 

3 

35  48  —  35  52^ 

5 

112  :  012 

o'/z  r'/a 

33  57  20 

— 

1 

33°54i' 

1 

T12  :  TlT 

o'/z  - 

22  17  57 

22  19  40 

2 

22  18  —  22  23 

4 

Die  Krystalle   sind  vollkommen 
Pinakoide  {001}  (c). 


spaltbar    nach   dem   basischen 


Um  das  oben  bei  den  Resultaten  meiner  Arbeit  unter  2.  und  3. 
Erwähnte  zu  begründen,  gebe  ich  hier  zunächst  eine  Vergleichung 
der  Winkelgrössen  nach  den  Messungen  Mit  sc  her  lieh's  (zum 
Theil  mit  Benützung  der  Angaben  in  Ra  mmel  sberg's  krystallo- 
graphischer  Chemie)  und  meinen  eigenen  Restimmungen. 

Kry  stallsystem  Axenverhältniss 

M  diklinorhombisch        .    .    .     a  :  b  :  c  =>  1-0000  :  0*7849  :   1 -5331)1) 
Z   klinorhomboidisch     .    .    .    a  :  b  :  c  =  1-0000  :  0-7828  :  1-5170. 


')  Ramnielsberg  1.  c.  In  den  Winkel-Angaben  daselbst  finden  sich  einige  Fehler. 
Es  soll  heisseil:  p  :  p'"  an  a  =  101°5O';  p  :  ]>'  an  b  =  78°10';  b'  :  e  =  10?°2'; 
c  :  p'1  =  94°'/;  c  :  p'"  =  10?°1?';  q'  :  c  =  i:}4°ö3'.  Auch  in  M  i  t  sc  h  e  r  li  e  h's 
Abhandlung  isl  zu  verbessern:  /' :  «  =  38°0';  P ;  c=  134°:>a1  4';  <■  :  «'  =  2?0;)!1.  4'. 


Die  Krystallformen  des  unlerschwefligsauren  Kalke: 


509 


Winkel 
der  Flachen 

Mitsei 

erlieh 

Ze, 

harov 

eh 

Differenz 

a  b 

90° 

0' 

90° 

12' 

20" 

12f 

a  c 

98 

21 

98 

6 

51 

14 

b'c 

107 

2 

107 

17 

17 

15| 

pp' 

78 

10 

78 

8 

6 

2 

pa    1 
p'"a   ) 

140 

55 

141 
140 

0 
51 

54 
0 

6 

4 

pb 
p'b    ( 

129 

5 

129 

128 

11 

56 

26 

40 

p"  c 

94 

9 

94 

26 

38 

17f 

p'"c 

107 

17 

107 

18 

10 

H 

qc 

110 

58 

111 

6 

41 

H 

qb' 

38 

0 

38 

23 

58 

24 

q/zc 

137 

i 

137 

18 

50 

181 

q/zb 

64 

H 

64 

36 

8 

33f 

q'c 

134 

53i 

135 

14 

58 

21| 

g'b 

27 

Sil 

27 

57 

41 

H 

rc 

124 

321 

124 

33 

0 

z 

3 

ra' 

26 

U| 

26 

26 

9 

141 

r'c 

11 J 

32f 

111 

57 

25 

24! 

r'a 

29 

53f 

30 

4 

16 

10! 

r'A  c 

133 

7 

133 

29 

30 

221 

r'/a  a 

51 

28 

51 

33 

21 

H 

o  c 

109 

20-l 

108 

54 

6 

26f 

op" 

23 

29| 

23 

20 

44 

8| 

o"c 

llä 

31 

116 

27 

4 

56 

o" p 

21 

22 

22 

0 

26 

38| 

o'c 

97 

5| 

97 

18 

2 

13i 

op'" 

24 

22| 

24 

36 

12 

13! 

0,  2  C 

119 

H 

119 

35 

59 

301 

o'/zp" 

46 

3U 

46 

54 

9 

22! 

Nach  den  Zeichnungen,  welche  Mitscher  lieh  von  den  Kry- 
stallen  des  unterschwefligsauren  Kalkes  entworfen  ')  ,  hatten  diesel- 
ben eine  wesentlich  durch  die  ausgedehnten  Flächen  der  verticalen 
Zone,  insbesondere  von  M (//')  und  M(p >'")  und  der  Basisfläche  P(c) 
bedingte  prismatische  Gestalt,  an  denen  zum  weiteren  Unterschiede 
von  den  hier  behandelten   noch  eine  Fläche  d  oder  q'/s  erscheint. 


i)  L.   c.  Taf.   III,   Fig.  3  —  ä. 


510 


v.    Zepharovich. 


Über  die  Bestimmung  der  für  das  diklinorhombische  System 
bezeichnenden  Winkel  sagt  Mitscher  lieh  *)  nur  Folgendes:  „Durch 
Messung  fand  ich  b  zu  a  =  90  .  Bei  den  verschiedenen  Krystallen 
fand  nur  eine  Differenz  von  2 — 3' Statt,  eine  bedeutendere  Ver- 
schiedenheit zeigte  sich  gleichfalls  nicht  zwischen  der  Neigung  von 
M  zu  a  (p"  :  b)  und  M'  zu  a  (//"  :  &');  nach  dem  Mittel  mehrerer 
Messungen  betrug  die  Neigung  von  M  zu  M'  78°10'  u.  s.  f."  — 
Daraus  ergibt  sich  wohl,  dass  Mitscher  lieh  gute  Krystalle  zur 
Untersuchung  hatte  und  mehrere  Messungen  desselben  Winkels 
anstellte;  auch  übersteigen  die  Differenzen  in  den  schliesslichen 
Winkelwerthen  der  von  ihm  und  mir  geprüften  Krystalle  in  den 
meisten  Fällen,  wie  sich  aus  der  vorgehenden  Übersicht  zeigt,  den 
Grad,  den  man  einem  nicht  ganz  vollkommenen  Instrumente  zur  Last 
legen  könnte. 

Betrachtet  man  aber  diese 
Differenzen  in  den  Neigungen  der 
Hauptkrystallflächen  ,  bezüglich 
ihrer  Vertheilung  und  Grösse, 
wozu  die  nebenstehende  Skizze 
dienen  soll,  so  zeigt  sich  von  c 
aus  gegen  p"  und  p  '  Gleichheit 
(wenigstens  annähernd,  derUnter- 
schied  in  den  Winkeln  beträgt  nur 
+  1')  und  beiderseits  von  dieser 
Bichtung  die  Verschiedenheit  in  gleichem  Sinne  —  diametral  gegen 
dieselbe,  von  c  gegen  p"  und p  die  grösste  Abweichung  von  +  17'38", 
von  c  gegen  b'  und  a  aber  dazwischen  liegende  und  fast  gleiche 
Differenzen,  im  Mittel  von  14'43".  In  der  verticalen  Zone  sind  die 
Winkel  von  p  zu  p'"  und  demnach  auch  an  p  zu  p'  beinahe  über- 
einstimmend, dagegen  jene  von  a  zu  b  und  a  zu  b'  um  12'20" 
abweichend. 

Diese  Verhältnisse  sind  jedenfalls  bemerkenswert!)  und  dürften 
meine  früher  ausgesprochene  Vermuthung  rechtfertigen,  falls  man 
nicht  überhaupt  das  Vorkommen  von  Krystallen  in  dem  —  als  Specia- 
lität  des  klinorhomboidischen  wohl  denkbaren  —  diklinorhombischen 
Systeme  bezweifeln  oder  die  Möglichkeit  von  Fehlern  in  der  bezeich- 


•  ts'if 


11  '20* 


+15  Vi" 


»)  L.  c.  Seile  428. 


Zepharovick.  Die  KrystaJlformen  des  unlerscbwefligsaureii   Kalkes.  Tot'.  !• 


jj°4l- 


iO> 


SP'     9 


Siteun^l».a.leAkftä.a-.^;m«eh.Tutttor.Cl.XLV.Bl.LAbtli.l862. 


Zepharovich.  Die  KrystaJlFormen  des  unterschwefügsauren   Kalkes.  Lif.ll. 

Fnj   / 

Fig.  1. 


Pars  .1  k.k.tCof.u.  Sta^tsinickerei. 
Sit£iinösk(l.k.Alaid.l.AV.niatli.7ia1urw.('l.XIiA;B(l.T.ATitli.l8(i-2. 


Zepharovich.  Die  Krvstallformen  des  unterschwefligsaureii  Kalkes.  T«f. 


III. 


r.    U    Eth  .         j-r  -.   -M-    r.         «, 

Aicsd.i.JcKof.-u:.  SfcaÄtslruckerei 
Sitamgsb. ä.k.Akad.i.¥:niafli. natura. Cl.XLV.BeL  LÄbtfc.  1862. 


Die  Krystallformen  des  unterschwefligsauren  Kalke«.  51 

neten  Grösse  bei  Mitscherl  ich's  Messungen  zugeben  wollte.  Der 
Nachweis  der  Umstände  aber,  unter  welchen  sich  das  von  Mit- 
scherl ich  behandelte  Salz  gebildet  hatte,  muss  —  nachdem  über 
diese  so  wie  darüber,  ob  dasselbe  genau  der  Hers  che  l'schen  Formel 
entsprach,  in  der  Abhandlung  vom  Jahre  1826  keine  Angaben  ent- 
halten sind  und  diese  wünschenswerthen  Daten  wohl  auch  heute 
kaum  mehr  zu  erheben  sein  dürften  —  ferneren  Untersuchungen 
vorbehalten  bleiben. 


512 


XIV.   SITZUNG  VOM   15.  MAI   1862. 


Der  Herr  Präsident  der  Akademie  Freiherr  v.  Baumgar tner 

theilt   folgende  an  ihn  gelangte  Zuschrift  des  k.  k.   Statthalters   in 

Nieder-Ös (erreich  mit: 

Wien,  am  10.  Mai  1862. 
Euere  Excellenz  ! 

„Der  am  12.  März  d.  J.  verstorbene  k.  k.  priv.  Grosshändler  Ignaz 
L.  Lieben  hat  in  seinem  Testamente  ddo.  6.  März  1862  für  das  all- 
gemeine Beste  eine  Summe  von  10.000  fl.  bestimmt  und  die  nähere  Ver- 
fügung darüber  seiner  Frau  Elise  Lieben  und  seinen  Kindern  anheim 
gestellt." 

„Laut  einer  Anzeige  der  genannten  Witwe  und  ihrer  Kinder  beab- 
sichtigen nun  dieselben  von  dieser  Summe  der  kaiserlichen  Akademie 
der  Wissenschaften  6000  fl.  verlosbare  5proc.  Bankpfandbriefe  zu 
dem  Ende  zu  übergeben,  dass  die  Zinsen  hievon  jedes  dritte  Jahr  als 
Preise  verwendet  werden,  und  zwar  nach  Verlauf  der  ersten  drei  Jahre 
für  die  ausgezeichnetste  Arbeit  im  Gebiete  der  Physik  mit  Inbegriff 
insbesondere  der  physiologischen  Physik,  und  nach  weiteren  drei  Jahren 
dem  Autor  der  ausgezeichnetsten,  während  der  letzten  sechs  Jahre  ver- 
öffentlichten Arbeit  im  Gebiete  der  Chemie  mit  Inbegriff  insbesondere 
der  physiologischen  Chemie  und  so  in  dieser  Weise  alternirend  dem 
jeweilig  ausgezeichnetsten  Forscher  im  Gebiete  einer  dieser  beiden 
Wissenschaften." 

„Es  gereicht  mir  zum  besonderen  Vergnügen,  Euer  Excellenz  von 
dieser  für  die  Wissenschaft  erfreulichen  Widmung  in  die  Kenntniss  zu 
setzen." 

„Indem  unter  Einem  die  genannte  Witwe  angewiesen  wird,  die 
bezüglichen  Bankpfandhriefe  sammt  den  nach  dem  Courswerthe  des 
Ankaufstages  vom  Todestage  des  Erblassers  laufenden  4perc.  Zinsen 
unter  Bekanntgabe  der  nähern  Details  über  die  beabsichtigte  Widmung 
unmittelbar  der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  zu  über- 
senden, habe  ich  die  Ehre  Euere  Excellenz  zu  ersuchen,  die  Einleitung 
treffen  zu  wollen  ,   dass   die  Bankpfandhriefe   nach  Überkommung  der- 


513 


selben  der  Vinculirung  „für  die  kaiserliche  Akademie  der  Wissen- 
schaften iwe.  der  J.  L.  Lieben'schen  Stiftung"  zugeführt  und  sofort 
auf  Grund  der  Widmung  im  Einvernehmen  mit  der  mehrerwähnten 
Witwe  und  ihren  Kindern  der  Stiftbrief-Entwurf  verfasst  und  zur  Geneh- 
migung an  die  k.  k.  n.  ö.  Statthalterei  als  Stiftungsbehörde  geleitet 
werde." 

„Genehmigen  Euer  Excellenz  den  Ausdruck  der  tiefsten  Ver- 
ehrung,  mit  welcher  ich  zu  verharren  die  Ehre  habe" 

Euerer  Excellenz 

gehorsamster  Diener 
Halbhoher  m.  p." 

Der  Herr  Präsident   liest  ferner  nachstehende  an  das  Präsidium 
der    k.     Akademie     der    Wissenschaften    gerichtete    Zuschrift    der 
Ignaz  L.  Lieben'schen  Erben  : 
,, Hohes  Präsidium! 

Mein  am  12.  März  1862  verstorbener  Gatte  Herr  Ignaz  L.  Lie- 
ben hat  in  seinem  Testamente  ddo.  6.  März  1862  folgende  Bestim- 
mungen getroffen:  „Für  das  allgemeine  Beste  bestimme  ich  die  Summe 
von  10.000  fl.  ö.  W.  und  stelle  die  nähere  Verfügung  darüber  meiner 
Frau  und  meinen  Kindern  anheim". 

Mit  den  Intentionen  meines  verewigten  Gatten,  der  den  Werth  des 
wissenschaftlichen  Fortschrittes  für  das  allgemeine  Beste  klar  erkannte, 
wohl  vertraut,  glauben  ich  und  meine  Kinder  nur  in  seinem  Geiste  zu 
handeln,  indem  wir  hiemit  eine  Summe  von  6000  fl.  ö.  W.  in  Sperc. 
verlosbaren  Pfandbriefen  der  k.  k.  priv.  österr.  Nationalbank  der 
mathematisch-naturwissenschaftlichen  Classe  der  kaiserl.  Akademie  der 
Wissenschaften  mit  folgenden  Bestimmungen  widmen : 

1.  Es  sollen  alle  drei  Jahre  die  innerhalb  dieses  Zeitraumes  auf- 
gelaufenen Zinsen  der  Pfandbriefe  zu  einem  Preise  verwendet  werden, 
der  am  Tage  der  feierlichen  Sitzung  ertheilt  werden  soll. 

2.  Dieser  Preis  soll  nach  den  ersten  drei  Jahren  (vom  13.  März 
1862  als  dem  Todestage  meines  Gatten  gerechnet)  dem  Autor  der 
innerhalb  dieser  Zeit  veröffentlichten  ausgezeichnetsten  Arbeiten  im 
Gebiete  der  Physik  mit  Inbegriff  der  physiologischen  Physik,  nach  wei- 
teren drei  Jahren  dem  Autor  der  ausgezeichnetsten,  während  der  letzten 
sechs  Jahre  veröffentlichten  Arbeiten  im  Gebiete  der  Chemie  mit  Inbegriff 


514 


der  physiologischen  Chemie  ertheilt  werden,  und  in  dieser  Weise  alter- 
nirend  dem  jeweilig1  ausgezeichnetsten  Forscher  im  Gebiete  einer  dieser 
beiden  Wissenschaften  zu  Theil  werden. 

Hierbei  sollen  aber  insbesondere  solche  Arbeiten  berücksichtigt 
werden,  welche  durch  neue  Entdeckungen  die  Wissenschaft  bereichern 
oder  in  einer  Reihe  bereits  bekannter  Thatsachen  die  gesetzmässigen 
Beziehungen  aufhellen,  während  Compilationen  und  solche  Arbeiten, 
die  blos  dem  Fleisse  ihren  Ursprung  verdanken  ,  nur  ausnahmsweise 
einen  Anspruch  auf  den  Preis  begründen  sollen. 

3.  Die  Zuerkennung  des  Preises  soll  durch  eine  zu  diesem  Zwecke 
jedesmal  von  der  kaiserl.  Akademie  zu  ernennende  Commission,  deren 
Wahl  zwei  Monate  vor  der  feierlichen  Sitzung  mittelst  nicht  unter- 
schriebener Stimmzettel  zu  geschehen  hat,  erfolgen. 

4.  Es  sollen  bei  der  Preisertheilung  nur  solche  Werke  in  Betracht 
gezogen  werden,  deren  Verfasser  ein  geborener  oder  naturalisirter 
Österreicher  ist,  mögen  diese  Werke  wo  immer  veröffentlicht  oder  als 
Manuscript  der  kaiserlichen  Akademie  übergeben  worden  sein. 

Wirklichen  Mitgliedern  der  kaiserlichen  Akademie  darf  der  Preis 
nicht  ertheilt  werden. 

5.  Der  Preiscommission  bleibt  es  vorbehalten ,  nach  Umständen, 
wenn  keine  der  Bestimmung  sub  2  vollkommen  entsprechende  Arbeit 
vorliegt,  den  Preis  entweder  gar  nicht  zu  ertheilen,  oder  denselben  an 
mehrere  Verfasser  einzelner  werthvoller  Arbeiten  zu  vertheilen. 

6.  Wenn  die  Pfandbriefe  verlost  werden  sollten,  bleibt  der  kais. 
Akademie  die  Fructificirung  des  eingehenden  Betrages  anheimgestellt, 
jedoch  haben  selbstverstanden  für  die  Zinsen  des  neu  angelegten  Capitals 
die  vorstehenden  Bestimmungen  zu  gelten. 

Nachdem  die  k.  k.  n.  ö.  Statthalterei  als  Stiftungsbehörde  bereits 
diese  unsere  Widmung  durch  Erlass  ddo.  10.  Mai  1862,  Zahl  19787 
genehmigt  hat ,  ersuchen  wir  die  erwähnte  Summe  pr.  6000  fl.  in 
Sperc.  verlosbaren  Pfandbriefen  der  Nationalbank  gegen  gehörige 
Quittung  zu  erheben  oder  uns  anzuweisen,  an  wen  dieselben  aus- 
zufolgen seien. 
Elise  Lieben  m/p. ,  Leopold  Lieben  %.,   Dr.  Adolph  Lieben  '"/,,., 

Richard  Lieben  m/lK,  Helene  Lieben  "'/,,.,  Ida  Lieben'"/,,. 

Herr  Hofrath  W.  Haidinger  übergibt  folgende  zwei  Abhand- 
lungen : 


515 

1.  „Der  Meteorsteinfall  im  Gorukpur-District  in  Ober -Bengalen 
am  12.  Mai  1861." 

2.  „Das  Eisen  von  Kurrukpur  nicht  meteorischen  Ursprungs." 
Herr  Dr.  E.    Mach    überreicht    eine  Abhandlung  „über    die 

Molecularwirkung  der  Flüssigkeiten". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 
Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1339.  Altona,  1862;  4<>- 
Austria,  XIV.  Jahrgang,  XIX.  Heft,  Wien,  1862;  8°- 
Canestrini,  Giov.,  Sopra  una  nuova  specie  di  Tetrapturus,  con 

I  tavola  (Estr.  call'  Arch.  per  la  Zool.  t.  1,  f.  2°-,  31  Dicemb. 
1861);  8°- 

Comptesrendusdes  seancesde  l'Academie  des  sciences,Tom.LIV, 

No.  15.  Paris,  1862;  4<>- 
Cos  mos,  XIe  Annee,  20e   Volume,  19e  Livraison.  Paris,  1861;  8°- 
Haidinger,  W. ,  The  Imperial   and  Royal  Geological  Institute  of 

the  Austrian  Empire.    London    International  Exhibition  1862. 

Vienna,  1862;  8<>- 
Hippokrates,  Zeitschrift   für  die  medicinischen   Wissenschaften 

in  Athen.  I.  Band,  3.  Heft.  Athen,  1862;  4«- 
Land-  und  forstwirtschaftliche  Zeitung,    XII.  Jahrgang.    Nr.  14. 

Wien,  1862;  kl.  4<>- 
Mittheilungen  aus  J.  Perthes'  geographischer   Anstalt,  Jahr- 
gang 1862.  IV.  Heft.  Gotha;  4<>- 
Ramorino,  Giovanni,  Sopra  tre  piccoli  Chironectes  trovati  nel  golfo 

di  Genova  (Estr.  dall'  Arch.  per  la  Zool.  t.  1,  f.  2<>-,  31  Dicemb. 

1861);  8o- 
Reise  der   österreichischen  Fregatte  Novara  um  die  Erde  in  den 

Jahren  1857,  1858,  1859.  Beschreibender  Theil.  III.  Band.  Mit 

II  Karten,  IX.  Beilagen  und  81  Holzschnitten.  Wien,  1862;  8<" 
Schwarz,   Eduard,  Novara-Expedilion.  Anthropology.  A    System 

of  Anthropometrical  Investigations  as  a  Means  for  the  differen- 
tial  Diagnosis  of  human  Races.  Some  general  Results  of  the 
Measurements  the  Instruments  required.  Vienna,  1862;  4°- 

Wien,  Universität,  Öffentliche  Vorlesungen  im  Sommer-Semester 
1862.  Wien,  1862;  4°- 

Wiener  medicinische  Wochenschrift,  XII.  Jahrgang  Nr.  19.  Wien, 
1862;  4°- 


516 


XV.  SITZUNG  VOM  22.  MAI  1862. 


Herr  Hofrath  W.  Haidinger  macht   folgende   Mittheilungen: 

1.  Stannern.  Ein  zweiter  Meteorstein,  durch  seine  Rinde  genau  in 
seiner  kosmischen  Bahn  orientirt. 

2.  Aus  einem  Schreiben  des  k.  k.  Bergmeisters  Herrn  Reissach  er 
in  Böckstein. 

3.  Das  Rieseuhirsch-Skelet  aus  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt in  den  zoologischen  Garten  übertragen. 

4.  Bericht  über  die  Ausstellung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
in  London  und  über  den  Beginn  der  diesjährigen  geologischen 
Aufnahmen  in  der  Monarchie. 

Herr  Prof.  C.  Ludwig  übergibt  eine  Abhandlung:  „Über  den 
Blutstrom  in  der  Leber,  insbesondere  den  in  der  Leberarterie"  von 
Herrn  Dr.  Wladimir  Betz  aus  Kiew. 

Das  c.  M.,  Herr  Dr.  J.  Stefan,  überreicht  eine  Abhandlung: 
„Über  die  Bewegung  flüssiger  Körper". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Astronomische  Nachrichten,  Nr.  1360.  Altona,  1862;  4°- 

Austria,  XIV.  Jahrgang,  XX.  Heft.    Wien,  1862;  8°- 

Comptes  rendus  des  seancesde  l'Academiedes  sciences,TomeL!V. 

Nr.  16.  Paris,  1862;  4<>- 
Cosmos,  XP  Annee,  20e  Volume,  20e  Livraison.  Paris,  1862;  8«- 
Gazette    medicale   d'Orient,    VP   Annee,   Nr.    1.    Constantinople, 

1862;  4o- 
Gewerbe- Ver  ein  ,    nieder-österreichischer,    Verhandlungen  und 

Mittheilungen.  Jahrgang  1862,  V.  Heft.  Wien;  8°- 


517 

Istituto,  I.   R.,  Veneto  di  scienze,  lettere  ed  arti,  Atti.  Tomo  VIP, 

Serie  3%  Disp.  4\  Venezia,  1861—62;  So- 
Land-  und  forstwirthschaftliche  Zeitung,  XII.  Jahrgang,  Nr.  13  &  15. 

Wien,  1862;  kl.  4<>- 
Verein  für  siebenbürgische  Landeskunde,  Archiv.  N.  F.  V.  Band, 

I.  Heft.  —  Jahresbericht  1860—61.  Hermannstadt,  1861;   So- 
Wiener  medicinische  Wochenschrift,  XII.  Jahrgang,  Nr.  20.  Wien, 

1862;  4o- 
Wochen -Blatt  der  k.    k.  steierm.  Landwirthschafts-Gesellschaft, 

XL  Jahrgang,  Nr.  15.  Gratz,  1862;   4<" 
Zeitschrift  für  Chemie  und  Pharmacie,  herausgegeben  von  Emil 

Erlenmayer.  V.  Jahrgang,  9.  Heft,  Heidelberg,  1862;  8°- 


Date  Due 


0£C  2  3  \981 


Kl